
Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will bis 2029 ein neues, völlig überarbeitetes Gesangbuch herausbringen. Es soll im Stammteil etwa 600 moderne und traditionelle Lieder enthalten und das bisherige Gesangbuch aus dem Jahr 1993 ablösen, das eine Millionenauflage erreichte. „Das neue Gesangbuch verbindet vertraute Lieder mit neuen Ausdrucksformen des Glaubens“, sagte die EKD-Ratsvorsitzende und Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs am 17. Juni in Hannover nach einer Testphase für die Liedauswahl. „Genau diese Verbindung wünschen sich viele Menschen.“ Erstmals soll die Sammlung sowohl in gedruckter als auch in digitaler Form erscheinen.
In 550 ausgewählten Kirchengemeinden in ganz Deutschland sowie in Österreich ließ die EKD von September 2025 bis März 2026 die neue Liedauswahl erproben. Der Probeband, für den 32.000 Exemplare gedruckt wurden, sei auf ein überwiegend positives Echo gestoßen, sagte der Bezirkskantor und EKD-Referent Lukas Bauer aus Esslingen am Neckar. Aus den Erprobungsgemeinden erhielt die EKD mehr als 6.600 vollständig oder teilweise ausgefüllte Fragebögen zurück.
In den Rückmeldungen hätten 87 Prozent der Teilnehmenden angegeben, sie fänden in dem Gesangbuch neue Impulse für ihren persönlichen Glauben, sagte Bauer. Vor allem jüngere Teilnehmende hätten die Sammlung aus Liedern, Psalmen und spirituellen Texten positiv bewertet. „Das neue Gesangbuch wird den Kanon des protestantischen Singens in Deutschland und Österreich darstellen“, betonte Bauer: „Es wird die nächsten 30 bis 40 Jahre prägen.“
Insgesamt sichtete eine 70-köpfige Kommission aus Kirchen und Fachverbänden im Auftrag der EKD rund 17.000 Liedvorschläge, die mit Noten zwischen 0 und 3 bewertet wurden. Neben bereits vorliegenden Gesangbüchern und Liederheften sichtete die Kommission auch Liedwettbewerbe. Einige Autoren sendeten eigene Kompositionen ein. Etwa 1.500 Lieder kamen in die Endauswahl.
In der Testphase wurde besonders häufig das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ mit dem Text von Dietrich Bonhoeffer und Melodien von Siegfried Fietz und Otto Abel gewünscht. Klassische Choräle wie „Geh aus mein Herz und suche Freud“ sollen im Gesangbuch ebenso vertreten sein wie zeitgenössische Anbetungslieder im Gospel- oder „Worship“-Stil.
Bei einzelnen Aspekten des Noten- und Textsatzes sowie bei redaktionellen Bearbeitungen traditioneller Choräle hat es laut EKD noch Verbesserungswünsche gegeben. Diese Hinweise flössen nun in die weitere Überarbeitung ein. Für den insgesamt zehnjährigen Entwicklungsprozess stellte die EKD drei Millionen Euro zur Verfügung, überwiegend für Personalkosten.
Die Kosten für Druck und Rechte sollen über den Verkauf des Gesangbuches abgedeckt werden. Der Preis könnte nach vorläufigen Schätzungen bei etwa 30 Euro liegen. Über den Druck des Werkes verhandeln die Kirchen zurzeit mit Verlagen. Geplant sind vier regionale Liedanhänge.

Kaiserslautern (epd). Die beiden Publikumsstühle auf dem Podium bleiben nicht lange leer. Nacheinander nehmen Menschen aus der Stadtbürgerschaft darauf Platz, greifen sich das Mikrofon: Der ehemalige Kriegsdienstverweigerer, der sagt, „dass Krieg noch nie etwas Gutes gebracht hat“. Der Reservist, der deutlich macht, warum man nach seiner Meinung Russlands Machthaber Putin leider nur mit Waffen abschrecken könne. Eine ehemalige Lehrerin ist aufgebracht: Wie könne es sein, dass so viel Geld in die Rüstung fließe, fragt sie. Und sie merkt an: „Dass so viele Kinder in Armut leben müssen, ist ein Skandal.“
Rund 40 Menschen haben sich an diesem Abend im protestantischen Gemeindezentrum „Alte Eintracht“ im westpfälzischen Kaiserslautern eingefunden. Es soll zukünftig zu einem „Verständigungsort“ werden: So nennt sich das neue Gesprächsformat der bundesweiten Initiative „#Verständigungsorte“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für gesellschaftlichen Dialog und Demokratiebildung, an dem sich der protestantische Kirchenbezirk Kaiserslautern beteiligt.
Ziel sei es, Menschen mit konträren Meinungen in der zunehmend gespaltenen Gesellschaft zu einem friedlichen Austausch zusammenzubringen, erläutert der Kaiserslauterer evangelische Dekan Richard Hackländer. „Es geht nicht darum, recht zu haben, sondern anderen respektvoll zuzuhören und deren Meinungen zu überdenken.“ Gemeinsam mit Pfarrerin Claudia Kettering von der Evangelischen Arbeitsstelle Bildung und Gesellschaft hat Hackländer die Auftaktveranstaltung der Gesprächsreihe organisiert.
Es geht um Frieden: ein Thema, das die Menschen in der Region polarisiert. Ganz in der Nähe ist der US-Militärflughafen Ramstein, die wichtigste Drehscheibe für den weltweiten Truppen- und Materialtransport der Amerikaner. „Wir wären als erste das Ziel eines russischen Angriffs“, macht Klaus Wirtgen von der Friedensinitiative Westpfalz deutlich und spricht sich vehement für Abrüstung aus. Hauptmann Marco May, Jugendoffizier der Bundeswehr aus Mainz, hält dagegen: Nur durch militärische Stärke werde der Frieden in Europa zu wahren sein, sagt er.
Anna-Nicole Heinrich, Präses der Synode der EKD, nimmt auf dem Podium die Rolle der Anwältin der jungen Generation ein, man ist per Du - das schafft Nähe. Waffenstärke und Friedensgespräche seien wohl zugleich nötig, führt die Leiterin des Kirchenparlaments der evangelischen Kirche aus. Vor allem aber müssten junge Menschen bei der Frage der Wehrpflicht gehört werden. Mehrere „Verständigungsorte“ in ganz Deutschland hat Heinrich bereits besucht, bei einigen sei es emotional hoch hergegangen. „Es ist wichtig, dass die Kirche und andere zivilgesellschaftliche Gruppen solche Reflexionsräume für Gespräche anbieten“, sagt sie.
Vor allem ältere Friedensbewegte sind zum „Verständigungsort“ gekommen, an dem in Zukunft etwa über die Themen Armut oder umweltfreundliche Ernährung gesprochen werden soll. Zwar stelle sie sich den Argumenten von Befürwortern der Aufrüstung, sagt eine Frau. „Aber es fällt mir schwer“, räumt sie ein. Eine Handvoll junger Leute aus dem Kirchenchor der protestantischen Stiftskirchengemeinde hört den Ausführungen zu. „Supergut“ finde sie die Idee, dass Menschen offen und ehrlich miteinander sprächen, sagt eine Sängerin, „leider sind nur wenig Junge da.“
Man hört einander freundlich zu bei der zweistündigen Veranstaltung, der Krach bleibt aus. Niemand wird niedergeschrien. Niemand verlässt den Saal, weil er die Meinung des anderen nicht mehr aushalten kann. Das Gesprächsformat ziele nicht darauf ab, schnelle Lösungen für Probleme zu entwickeln, betont EKD-Synodenpräses Heinrich.

Frankfurt a.M., Warschau (epd). Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) hat ihre Mitglieder aufgerufen, Maßnahmen zum Schutz gegen sexualisierte Gewalt zu ergreifen. „Wir rufen alle unsere Mitgliedskirchen dazu auf, der Einführung und Verbesserung von Schutzmaßnahmen hohe Priorität einzuräumen und damit, wo möglich, auch vorbildlich für andere gesellschaftliche Kontexte zu wirken“, heißt es in einer am 19. Juni veröffentlichten Erklärung der Organisation.
Die Präsidentin der GEKE, Rita Famos, erklärte, Kirche müsse ein Ort sein, an dem Menschen sicher sind. „Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist keine Zusatzaufgabe, sondern gehört ins Herz unseres kirchlichen Auftrags“, sagte sie zu Beginn einer dreitägigen Konferenz zu dem Thema in Warschau.
Die GEKE übernimmt mit ihrer Erklärung Forderungen aus einer bereits 2024 verabschiedeten Resolution des Europarats, wo sie einen partizipatorischen Status hat. Darin heißt es, die Mitgliedsstaaten und -organisationen sollten Unrecht an Kindern und Jugendlichen durch sexualisierte Gewalt anerkennen, Taten aufklären und aufarbeiten sowie für eine angemessene Anerkennungsleistung für Betroffene sorgen. Auch Schutzkonzepte sollen entwickelt werden, um Taten zu verhindern.
Bei der Konferenz bis 21. Juni in Warschau wollten sich Vertreter aus mehr als 40 evangelischen Kirchen zum Umgang mit sexualisierter Gewalt austauschen und über Best-Practice-Beispiele lernen. Erstmals vernetze man sich dazu auf internationaler Ebene, sagte die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst. Dies könne aber nur der Anfang sein. Wüst ist eine der Beauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Aufarbeitung von Missbrauch.
An der Konferenz in Warschau nahmen etwa 70 Personen teil. Der GEKE gehören derzeit 96 lutherische, reformierte, unierte und methodistische Kirchen aus mehr als 30 Ländern Europas und teilweise auch Südamerikas an.
Washington (epd). Im November werden in den USA das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Republikaner verteidigen eine knappe Mehrheit. In der Partei des US-Präsidenten Donald Trump gehören Patriotismus und Bibel zusammen. Weiße Christen unterstützen in der Regel eher die Republikaner. Doch im November versuchen es mehrere demokratische Kandidaten mit betont christlicher Identität.
Der Staat Kansas im Mittleren Westen, wo Äcker und Felder bis zum Horizont reichen, ist eine Hochburg der Republikaner. Trump erhielt bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 57 Prozent der Stimmen. Zum letzten Mal hat Kansas 1932 für einen Demokraten für den US-Senat gestimmt. 2026 versucht es bei den Demokraten ein Methodistenpastor, der 61-jährige Adam Hamilton von der Auferstehungskirche in Leawood, Kansas, einer Megakirche mit neun weiteren Standorten. Die Gemeinde hat rund 20.000 Mitglieder und gilt als die größte Methodistenkirche in den USA.
Hamilton hat die Kirche 1990 zusammen mit seiner Ehefrau LaVon Hamilton gegründet. Er habe sich jetzt zur Kandidatur entschieden, weil „wir das Chaos und die Korruption in Washington“ stoppen und für das Gemeinwohl arbeiten müssen, heißt es auf seiner Internetseite. Seine Gemeinde sei Vorbild. Rund ein Drittel der Mitglieder seien Republikaner, ein Drittel Demokraten und ein Drittel Unabhängige. Die Mitglieder akzeptierten einander auch wegen ihrer Differenzen. In einem Brief an die Gemeinde erklärte Hamilton, er werde während des Wahlkampfes nicht predigen. Die demokratische Vorwahl in Kansas ist im August.
In Alaska kandidiert der presbyterianische Geistliche Matt Schultz für das Repräsentantenhaus. Bei Umfragen liegt er hinter dem Republikaner Nick Begich.
In der Republikanischen Partei spielt die rechte christliche Bewegung eine prägende Rolle, und viele Republikaner präsentieren sich als Verteidiger christlicher Werte. Demokraten tun sich schwerer mit gläubigen Menschen. Doug Pagitt, Exekutivdirektor des Verbandes „Vote Common Good“, beklagte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass die stark auf Diversität ausgerichtete Partei bislang wenig Raum für bekennende Christinnen und Christen habe. Dabei identifizieren sich etwas mehr als 60 Prozent der Bevölkerung als Christen.
Die „Vote Common Good”-Internetseite listet rund 70 Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. In Arkansas kandidiert der protestantische Pastor Robb Ryerse mit dem Slogan “Glauben, Familie, Freiheit„. Diese Begriffe seien “oft benutzt worden, um uns zu spalten". Er hoffe, damit Menschen zusammenzubringen, erklärte er. Zwei Kandidatinnen haben Anfang Juni die demokratischen Vorwahlen in Iowa gewonnen, Christina Bohannan und Lindsay James.
Als Hoffnungsträger des progressiven Christentums gilt der auch international beachtete Politiker im Abgeordnetenhaus von Texas und (gegenwärtig pausierende) Theologiestudent James Talarico (37), der in Texas für den US-Senat kandidiert. Sein Großvater, ein Baptistenprediger, habe ihm beigebracht, dass es zwei zentrale Gebote gebe: die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen. In Talaricos Wahlprogramm heißt es, die Trennlinien in den USA verliefen nicht so sehr zwischen links und rechts, sondern zwischen unten und oben. Die Superreichen hätten gerne eine bei Gender, Ethnien und Religion gespaltene Gesellschaft, während sie sich selbst ungestört bereichern. Talarico hat Anfang März die Vorwahlen in Texas gewonnen.
Texas ist ein schwieriges Territorium für progressive Kandidaten, christlich oder nicht. Letztmals hat der Staat 1988 einen demokratischen Senator gewählt. Texas liegt im Bibelgürtel im Süden mit einer mächtigen, konservativen und evangelikalen Präsenz. Talarico hingegen gehört der eine Million Mitglieder zählenden Presbyterianischen Kirche der USA an, einer bei gesellschaftlichen Fragen wie Abtreibung und LGBTQ-Rechten toleranten Kirche.
Talarico tritt im November gegen den Trump nahestehenden texanischen Justizminister Ken Paxton an. Republikaner in Texas sezieren nun Aussagen des Theologiestudenten, darunter eine von 2021 gegen Diskriminierung von Trans-Menschen, denn Gott sei zugleich maskulin und feminin. Dass Talarico in Texas, dem Staat der deftigen Steaks auf dem Grill, nicht „einer von uns“ ist, wird unterstrichen von falschen Behauptungen, er sei Veganer.

Dortmund (epd). Nach dem WM-Auftaktspiel der deutschen Mannschaft haben Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche das Gebet von Nationalspieler Felix Nmecha mit Spielern der gegnerischen Mannschaft aus Curaçao als verbindendes Zeichen begrüßt. „Ich finde es ein starkes Zeichen, wenn Spieler unterschiedlicher Mannschaften miteinander beten können und so ein Zeichen dafür setzen, dass es auch im Spiel Wichtigeres gibt als das Gegnersein“, sagte der Präses der Evangelische Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am 15. Juni. Der Projektleiter der katholischen BVB-Gründerkirche in Dortmund, Stefan Magh, bezeichnete die Aktion als „sehr unterstützenswerte Geste“.
Der 25-jährige Nmecha, der bei Borussia Dortmund unter Vertrag steht, hatte nach dem ersten WM-Spiel der deutschen Nationalelf am 14. Juni gemeinsam mit Jonathan Tah und Spielern aus Curaçao auf dem Spielfeld einen Kreis gebildet. Im ARD-Interview sagte er, zwar seien sie im Spiel Gegner „und dann nach dem Spiel sind wir alle Christen, und wir sind Brüder.“ Deshalb habe man zusammen gebetet. Er glaube, „dass Jesus verherrlicht wird durch das Spiel“.
Magh sagte dem epd, es sei eine angesichts von viel Zerrissenheit in der Gesellschaft eine „ganz starke Botschaft“, Menschen mit unterschiedlichen Trikots gemeinsam beten zu sehen. Das finde er wichtig, „am besten sogar interreligiös“. Religiöse Gesten seien im Sport nichts Neues. Doch er beobachte, dass insgesamt in der Gesellschaft mehr Positionierung erwartet werde. Das könne sich auch auf den Sport auswirken, sagte er.
Latzel betonte, es gehöre zur Religionsfreiheit, „dass Menschen ihren Glauben leben können, und das gilt auch im Sport.“ Er freue sich sehr, wenn Glaube dazu beitrage, dass Menschen einander in Unterschiedlichkeit und Vielfalt begegnen können. „Genau dieses Miteinander und Verbindende sollte bei dieser WM noch viel stärker gelebt werden“, sagte der evangelische Theologe, der auch Sportbeauftragter der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist.
Nmecha war in den vergangenen Jahren wegen Äußerungen im Zusammenhang mit seinem christlichen Glauben aber auch kritisiert worden. Einige BVB-Fans warfen ihm wegen eines Social-Media-Posts etwa Homophobie vor. Nmecha hatte das zurückgewiesen. Der 25-Jährige tritt zudem auf Social-Media-Plattformen immer wieder im Zusammenhang mit dem evangelikalen Netzwerk „Ballers in God“ in Erscheinung.
Magh sagte, er kenne Nmecha nicht persönlich und könne nicht beurteilen, was er mit seinen Social-Media-Posts sagen wolle. Aber er würde sich freuen, mit ihm zu sprechen. Die Gründerkirche sei für alle Menschen offen. Ausgrenzung habe hier keinen Platz.

Hannover (epd). Die Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers unterstützt die Forderung nach einem AfD-Verbotsverfahren. Das Parlament der größten protestantischen Landeskirche in Deutschland formulierte die dringende Bitte an die niedersächsische Landesregierung, „im Bundesrat den Antrag zur Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD zu stellen und hierfür die notwendigen Mehrheiten zu gewinnen“. Das beschloss die Synode nach einem Thementag „Demokratie stärken“ zum Abschluss der dreitägigen Frühjahrssynode am 20- Juni in Hannover.
Da die hannoversche Landeskirche formal nicht allein an die Landesregierung appellieren kann, sondern nur im Verbund der fünf niedersächsischen Kirchen, wurde die „Stimme aus Hannover“ an die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen weitergeleitet. Zur Konföderation gehören die lutherischen Landeskirchen von Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer.
Mit ihrem Votum folgten die Synodalen der Einschätzung des Chefjuristen des Landeskirchenamtes in Hannover, Christoph Goos. Der Kirchenjurist und Verfassungsrechtler hatte bei dem Thementag für ein AfD-Verbotsverfahren plädiert, da die Partei verfassungswidrig sei.
Angesichts fortschreitender rechtspopulistischer Tendenzen in der Gesellschaft stellte sich die Synode zudem hinter eine Erklärung der Bischöfe und leitenden kirchlichen Repräsentanten in Niedersachsen und Bremen zu Menschenwürde und Demokratie. In der Stellungnahme vom 5. Mai warnen die Autorinnen und Autoren explizit vor „antidemokratischen Tendenzen“ und benennen dabei auch ausdrücklich die AfD. Führende Vertreter dieser Partei äußerten sich verfassungsfeindlich und rechtsextremistisch, heißt es.

Berlin (epd). Angesichts der Zunahme antisemitischer Vorfälle fordert die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, mehr Solidarität mit Juden in Deutschland. „Antisemitismus ist für Jüdinnen und Juden in unserem Land immer noch und leider immer mehr bittere Realität“, sagte die Hamburger Bischöfin dem „Tagesspiegel“ (Online, 17. Juni). Die aktuellen Zahlen zeigten dies in erschütternder Weise und machten deutlich, in welcher Angst und unter welchen Bedrohungen jüdische Menschen heute leben müssten.
Fehrs betonte, die Kirche setze sich „entschieden und mit vereinten Kräften“ für ein freies, sichtbares und sicheres Leben jüdischer Menschen in Deutschland ein. Jüdisches Leben müsse ohne Angst möglich sein.
„Jede Form von Antisemitismus, jede Bedrohung, jede Relativierung jüdischer Sicherheit ist auch ein Angriff auf unsere Demokratie und widerspricht unserem christlichen Selbstverständnis und unserer Verantwortung in diesem Land“, betonte die Theologin: „Wir rufen insbesondere alle Christinnen und Christen zu sichtbarer Solidarität mit unseren jüdischen Geschwistern auf.“

Bielefeld (epd). Die Evangelische Kirche von Westfalen konnte über die Klimaschutzabgabe bislang rund 100 ökologische Maßnahmen und Umweltprojekte anstoßen. Bis Ende 2025 wurden aus diesen Mitteln bereits über 7,6 Millionen Euro für Heizungserneuerungen, Klimaschutzmanagement oder Beratungen in den Kirchenkreisen und Gemeinden eingesetzt, teilte die westfälische Kirche am 16. Juni in Bielefeld bei der Vorlage des aktuellen Klimaschutzbericht mit. Die Homepage https://bestpractice.kircheundklima.de/ gibt einen ersten Überblick über die Projekte im Gebiet der Landeskirche auf einer interaktiven Karte präsentiert.
Seit der Einführung des kirchlichen Klimaschutzgesetzes im Jahr 2023 sind vier Prozent der Kirchensteuerzuweisungen an die 26 westfälischen Kirchenkreise zweckgebunden für den Klimaschutz reserviert. Für den Zeitraum 2023 bis 2025 summiert sich dieser Betrag auf insgesamt rund 43 Millionen Euro, wie es hieß. Davon seien jährlich rund 14 Millionen Euro für den Klimaschutz bereitgestellt worden. Die Klimaschutzpauschale wirke dabei oft als Katalysator, denn sie ermögliche Projekte, die ohne diese gezielte Förderung kaum umsetzbar wären, erklärte die Landeskirche. Für das Jahr 2026 rechnet sie mit einem deutlichen Anstieg der Mittelabrufe. Ein inhaltlicher Schwerpunkt dieses Jahres ist die nachhaltige Beschaffung.

München (epd). Passend zur anstehenden Hitzewelle hat die bayerische evangelische Landeskirche ein Pilotprojekt am Laufen: kühle Kirchenräume als Orte zum Ausruhen anbieten. Erprobt werde die „Erfrischende Kirche“ - so der Name der Kampagne - derzeit von sieben Kirchengemeinden und zwei Dekanaten, sagte der landeskirchliche Tourismusreferent Karsten Schaller dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im kommenden Jahr soll die „Erfrischende Kirche“ in ganz Bayern offiziell an den Start gehen.
Wegen des Klimawandels gebe es mehr Hitzetage, sagte Schaller. Die Kirchen wollten daher ihre Türen öffnen für Menschen, die eine Erholungspause brauchen. Einige Kirchen böten neben kühlen Räumen auch Wasser, Eisbonbons oder Segenskarten zur „innerlichen Erfrischung“ an. Vor allem brauche es die Möglichkeit, die Füße hochzulegen. Angedacht seien auch Klapp-Liegestühle zum Entspannen sowie Erfrischendes für alle Sinne, zum Beispiel Düfte und Musik. Beteiligt seien aktuell etwa Lindau, Oberstdorf, Steinach a.d. Ens, Berchtesgaden, Regen und Bodenmais im Bayerischen Wald.

Münster (epd). Der neue Münsteraner Bischof Heiner Wilmer ist seit 21. Juni offiziell im Amt. „Was für ein Tag, was für ein Klang, was für ein Bild: der Dom voller Menschen, draußen auf dem Domplatz, Menschen von nah und fern“, sagte er im Gottesdienst zu seiner Amtseinführung im St.-Paulus-Dom in Münster. „Kirche ist schön, sie ist attraktiv, gerade wenn Menschen zusammenkommen, miteinander glauben, miteinander singen, miteinander hoffen.“ Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki übernahm als Metropolit der rheinischen Kirchenprovinz die Amtseinführung. Nach dem Gottesdienst folgte noch ein Fest der Begegnung auf dem Domplatz.
Wilmer tritt als 77. Bischof an der Spitze des mitgliederstärksten deutschen Bistums mit rund 1,6 Millionen Katholiken die Nachfolge von Felix Genn an. Dieser überreichte ihm auch den Hirtenstab. Genn war im März 2025 mit 75 Jahren aus Altersgründen zurückgetreten. „16 Jahre lang hast du dieses große und bedeutende Bistum geleitet - mit Umsicht, mit Glauben, mit Menschenfreundlichkeit und mit einer Bescheidenheit, die nie laut sein musste“, würdigte Wilmer seinen Vorgänger. Genn habe tiefe Spuren und große Fußstapfen hinterlassen. In seiner Danksagung grüßte Wilmer zudem die internationalen Gäste unter anderem mit einigen Sätzen auf Spanisch, Polnisch, Englisch und Französisch, bevor er auf Plattdeutsch endete.
Zuletzt war der 65-jährige Bischof von Hildesheim. Seit Ende Februar ist er zudem Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Deren Grußworte überbrachte sein Stellvertreter, der Fuldaer Bischof Michael Gerber. „Wir haben dich in den vergangenen Jahren als Mitbruder kennengelernt, der aus einer geistlichen Tiefe schöpft, der theologisch fundiert und erfahrungsbezogen authentisch argumentiert“, betonte Gerber. Wilmer sei es ein großes Anliegen, kollegial zu agieren und Brückenbauer zu sein.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) betonte, dass Kirche, wo sie den Menschen nahe sei, Orientierung geben, Hoffnung stiften und Zusammenhalt schenken könne. Die Amtszeit von Wilmer falle in eine „eher schwierige Zeit“, in der Gesellschaft und Kirchen in einem tiefgreifenden Wandel seien. „Gerade in dieser herausfordernden Zeit kann die christliche Botschaft der Liebe ein ganz wichtiger Orientierungspunkt sein“, betonte Wüst. Extremisten hätten es schwierig, dort zu spalten, wo der Zusammenhalt groß sei. „Lassen Sie uns gemeinsam Mutmacher sein und den Angstmachern an den politischen Rändern entgegenstehen“, rief der CDU-Politiker auf.
Neben Wüst nahmen unter anderem auch NRW-Landtagspräsident André Kuper, Sozialminister Karl-Josef Laumann, Schulministerin Dorothee Feller (alle CDU), der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide sowie die stellvertretende niedersächsische Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg (Grüne) teil. Von der Evangelischen Kirche von Westfalen waren Präses Adelheid Ruck-Schröder und die Theologische Vizepräsidentin Susanne Falcke vor Ort. Aus ihrer Hildesheimer Zeit verbinde ihren Mann und sie mit Bischof Heiner Wilmer „eine sehr schöne ökumenische und persönliche Verbundenheit“, sagte Ruck-Schröder dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Umso mehr freue ich mich jetzt auf weitere Begegnungen und die Vertiefung unseres gemeinsamen Wirkens in Westfalen.“

Paderborn (epd). Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz schließt sich der Warnung von Papst Leo XIV. vor einem wachsenden Einfluss von Tech-Konzernen an. Der Einfluss der technologischen Innovationen auf die Menschheit sei stärker als internationale Gremien oder auch staatliche Institutionen, sagte Bentz dem Evangelischen Pressedienst (epd). Damit seien Tür und Tor für Manipulation, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit geöffnet.
In seiner Enzyklika zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) spreche Papst Leo XIV. „von neuen kolonialen Formen, die sich mit dieser technologischen Innovation verbinden“, erklärte Bentz. Demnach habe nicht mehr derjenige einen Machthebel in der Hand, der das Land und seine Rohstoffe besitze, sondern wer über die Daten ganzer Bevölkerungen verfüge, sagte Bentz. Datenmacht müsse jedoch gemeinwohlorientiert gestaltet werden.
Der Papst habe Entwicklung und Innovation mit den großen Themen Gerechtigkeit und Frieden unter den Menschen verknüpft, erläuterte der 59-jährige Erzbischof. Entwicklung sei nicht menschlich, wenn Religionen, Nationen oder Menschengruppen abgehängt und ausgeschlossen würden. Stattdessen müssten Teilhabe, Gemeinwohlorientierung und Nachhaltigkeit im Blick auf die kommenden Generationen gewährleistet sein.
In der Enzyklika gehe es nicht darum, ob diese technologische Innovation gut oder schlecht sei, betonte Bentz weiter. Es stelle sich jedoch die Frage, wer darüber die Macht habe und wie die Neuerungen eingesetzt würden. Der Papst frage, wie neue Technik, Macht, Wirtschaft, Wahrheit, Frieden und Menschenwürde neu zusammengedacht werden können.
Papst Leo XIV. hatte am 25. Mai seine erste Enzyklika veröffentlicht. Sie trägt den Titel „Magnifica Humanitas“ („Großartige Menschheit“).
Magdeburg (epd). Die Evangelischen Akademien von Thüringen und Sachsen-Anhalt werden zum 1. Januar 2027 unter einem Dach vereinigt. „Wir werden uns zum Jahresbeginn 2027 zur Evangelischen Akademie Mitteldeutschland zusammenschließen“, sagte der Direktor der Akademie Sachsen-Anhalt, Christoph Maier, am 19. Juni in Magdeburg dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Die Länderbezüge sollten jedoch erhalten bleiben, weshalb auch die Standorte Wittenberg und Neudietendorf mit den bisherigen Räumlichkeiten fortgeführt werden. Die bisherige thüringische Geschäftsführerin Anna Lübbers sowie die beiden Direktoren Sebastian Kranich und Christoph Maier sollen künftig als Dreierspitze fungieren.
Die Synoden der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland hatten bereits vor Jahren eine engere Kooperation der beiden Akademien empfohlen. Nun müsse nur noch die Mitgliederversammlung des Förderkreises der Evangelischen Akademie in Wittenberg dem verabredeten Vorhaben zustimmen, sagte Maier.
Die im Sommer 1947 ins Leben gerufene Evangelische Akademie Thüringen ist die älteste ihrer Art in Ostdeutschland. Ihr Pedant in Sachsen-Anhalt nahm im Dezember 1948 ihre Arbeit in der Lutherstadt Wittenberg auf. Die Akademien entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg, um das Demokratieverständnis zu stärken sowie Kirche und Gesellschaft ins Gespräch zu bringen.
Dresden (epd). Die ehemalige Grünen-Bundessprecherin und Managerin Gunda Röstel ist neue Präsidentin der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Die 64-Jährige erhielt im dritten Wahlgang am 20. Juni in Dresden 44 von 72 abgegebenen Stimmen. Im dritten Wahlgang war die einfache Mehrheit erforderlich. Röstel ist seit 2004 Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden.
Die gebürtige Sächsin gehört zu den 20 Synodalen, die von der Kirchenleitung im Frühjahr in das neu gewählte Kirchenparlament berufen wurden. Sie ist erstmals Mitglied einer Landessynode. Von Ende 1996 bis März 2000 war die studierte Sonderschulpädagogin eine der beiden Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen. Kirche muss nach ihren Worten ein „Ort des Zuhörens und der Verständigung“ sein.
Zur sächsischen Synode gehören 80 Mitglieder, 32 Frauen und 48 Männer. Das Gremium ist das gesetzgebende Organ der Landeskirche. Es vertritt knapp 558.000 Protestanten und Protestantinnen in mehr als 300 Gemeinden und Kirchspielen. 60 Synodale wurden in den Regionen gewählt, 20 von der Kirchenleitung berufen. Eine Legislatur dauert sechs Jahre.

Bonn/Düsseldorf/Altenkirchen (epd). Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Bad Godesberg-Voreifel hat für eine gemeinsame Verwaltung mit den Nachbarkirchenkreisen Bonn sowie An Sieg und Rhein gestimmt. Der Evangelische Verwaltungsverband Rheinland-Mitte soll zum 1. Januar 2027 offiziell entstehen, wie der Kirchenkreis am 20. Juni mitteilte. Zuvor hatten bereits die beiden anderen Kirchenkreise der gemeinsamen Verwaltung zugestimmt.
Der Hauptsitz des Verwaltungsverbandes solle in Siegburg, ein zweiter Standort in Bonn sein, hieß es. Die Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, Almut van Niekerk, hatte zuvor erklärt, die Kirche müsse ihre Strukturen anpassen. Dem diene eine „gemeinsame, schlankere Verwaltung“.
Des Weiteren entschied die Kreissynode Bad Godesberg-Voreifel auf ihrer Tagung in Bonn, dass die Stelle der kreiskirchlichen Jugendreferentin von bisher 75 Prozent auf 100 Prozent erhöht wird und auf zwei Jahre befristet ist. „Die Maßnahme soll ab dem 1. August die Beratung und fachliche Begleitung der Gemeinden im Fusionsprozess im Bereich der Jugendarbeit und die notwendige Anpassung des kreiskirchlichen Konzepts der Jugendarbeit gewährleisten“, erklärte der Kirchenkreis.
Im Bereich der rheinischen Kirche stehen weitere Fusionen von Kirchenkreisen an: So stand der geplante Zusammenschluss mit den Kirchenkreisen Niederberg und Solingen im Mittelpunkt der Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann. Bei der Tagung am 17. Juni in Lintorf-Angermund habe es zwar keinen formellen Beschluss gegeben, aber ein deutliches positives Signal für den Zusammenschluss, teilte der Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann mit. „Diese Zustimmung ist für die Steuerungsgruppe der Fusion ein klarer Auftrag, die Arbeit nun so vorzubereiten, dass wir im kommenden Jahr gemeinsam mit Niederberg und Solingen zu unserer ersten gemeinsamen Synode zusammenkommen können“, erklärte Superintendent Rainer Kaspers. Die nächste Herbstsynode findet am 6. und 7. November statt.
Auch die evangelischen Kirchenkreise Altenkirchen und Wied arbeiten zurzeit an ihrer Fusion für den 1. Januar 2028. Der neue Name steht bereits: Kirchenkreis Rhein-Westerwald.
Wie der Kirchenkreis Altenkirchen am 22. Juni mitteilte, haben sich die Synoden der beiden Kirchenkreise auf einer außerordentlichen Tagung in Dierdorf mit dem laufenden Fusionsprozess auseinandergesetzt. Konkret legten sich die Synodalen auf den künftigen Namen „Evangelischer Kirchenkreis Rhein-Westerwald“ fest.
Die Synodalen hätten sich unter anderem mit den aktuellen Ständen von Pfarrstellen, Personal, Regionenplanung, Verwaltung, kreiskirchlichen Diensten, Diakonie, Kindertagesstätten und Finanzen beschäftigt, hieß es. Mit Blick auf die insgesamt 23 evangelischen Kindertagesstätten sei vorgesehen, diese in einen gemeinsamen kreiskirchlichen Eigenbetrieb zu überführen. Dieser solle durch eine solidarische kreiskirchliche Umlage mitfinanziert werden.
„Im Bereich der Finanzen sprachen sich beide Synoden mehrheitlich dafür aus, den bisherigen Verteilungsschlüssel nach Steuerkraft abzulösen und die Finanzmittel künftig nach der Zahl der Gemeindeglieder zu verteilen“, erklärte der Kirchenkreis. Darüber hinaus solle die Verteilung der Kirchensteuern sowie der Mittel aus dem übersynodalen Finanzausgleich über eine kreiskirchliche Umlage erfolgen, deren Höhe prozentual festgelegt werde.
In den kommenden Monaten stehen den Angaben zufolge Informationsveranstaltungen und Beteiligungsformate in den Kirchengemeinden an. „Auf den Herbstsynoden sollen die bisherigen Ergebnisse weiter beraten und in weiteren zentralen Fragen des Fusionsprozesses konkrete Beschlüsse gefasst werden“, hieß es.
Emsdetten (epd). Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken hat die Theologin Imke Philipps zur neuen Superintendentin gewählt. Von den 73 stimmberechtigten Mitgliedern entschieden sich 64 für die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Ochtrup-Metelen, wie der Kirchenkreis am 20. Juni in Emsdetten mitteilte. Die Landeskirche müsse die Wahl noch bestätigen. Philipps werde ihren Dienst voraussichtlich zum 1. Oktober antreten und den Kirchenkreis für die kommenden acht Jahre leiten, hieß es.
Philipps folgt auf Susanne Falcke, die den Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken von 2022 bis 2026 geleitet hatte, bevor sie am 1. Mai das Amt der Theologischen Vizepräsidentin der Evangelischen Kirche von Westfalen übernommen hatte. Der stellvertretende Superintendent Axel Gehrmann gratulierte Philipps. Mit ihr habe der Kirchenkreis eine Persönlichkeit gefunden, die die Herausforderungen der kommenden Jahre kompetent und mit Weitblick gestalten könne, erklärte er.
Philipps erklärte nach der Wahl: „Wir haben die beste Botschaft der Welt.“ Kirche müsse deshalb „mitten im Leben der Menschen präsent bleiben“ und Wege finden, Zugehörigkeit zu erleichtern.
Imke Philipps ist gebürtige Ostfriesin. Sie studierte evangelische Theologie in Bielefeld-Bethel, Bonn, Marburg und Göttingen, im Jahr 2000 wurde sie in Dortmund ordiniert. Seit 2011 ist sie Pfarrerin der Kirchengemeinde Ochtrup-Metelen, 2023 wurde sie zudem Diakoniebeauftragte des Kirchenkreises. Sie ist verheiratet und hat vier erwachsene Kinder.
Als weitere richtungsweisende Entscheidung traf die Synode einstimmig den Beschluss, einen Vereinigungsprozess mit den Kirchenkreisen Münster und Tecklenburg einzuleiten. Eine Steuerungsgruppe soll nun die Grundlagen für den Prozess erarbeiten, wie es hieß. Auf der Sommersynode 2027 soll dann über eine mögliche Vereinigung entschieden werden. Hintergrund sind die sinkenden Mitgliederzahlen sowie rückläufige personelle und finanzielle Ressourcen.
Ein Arbeitsbereich ist bereits einen Schritt weiter: Die Synodalen verabschiedeten die Konzeption sowie das Finanzkonzept für eine gemeinsame synodale Jugendarbeit der Kirchenkreise Münster und Steinfurt-Coesfeld-Borken. Damit werden bestehende Kooperationen weiter ausgebaut und strukturell abgesichert.
In Kraft tritt zudem nun das Klimaschutzkonzept der drei Münsterland-Kirchenkreise. Dazu gaben die Synodalen jetzt grünes Licht. Zu den zentralen Zielen gehören demnach eine Reduzierung des kirchlichen Gebäudebestandes um bis zu 40 Prozent bis zum Jahr 2035 sowie der weitere Ausbau von Photovoltaikanlagen
Der Evangelische Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken ist einer von 26 Kirchenkreisen im Gebiet der westfälischen Kirche. Zu ihm zählen den Angaben zufolge knapp 73.000 evangelische Christinnen und Christen im westlichen Münsterland in 20 Kirchengemeinden. Der Dienstsitz der Superintendentur ist in Steinfurt.
Münster (epd). Die drei evangelischen Kirchenkreise im Münsterland und Tecklenburger Land könnten in den kommenden Jahren fusionieren. Die Kreissynode in Münster hat als erstes Kirchenparlament am 17. Juni einstimmig eine Prüfung des Zusammengehens beschlossen, wie der Evangelische Kirchenkreis Münster mitteilte. Mit dem Zusammenschluss entstünde ein neuer Kirchenkreis, der flächenmäßig der größte der Evangelischen Kirche von Westfalen mit insgesamt rund 225.000 Kirchenmitgliedern wäre.
Superintendent Holger Erdmann zeigt sich zuversichtlich. „Wenn die anderen Synoden an dieser Stelle ebenfalls positive Beschlüsse fassen, wovon auszugehen ist, dann legen wir Ihnen im Sommer 2027 einen konkreten Fusionsfahrplan vor“, sagte er vor den knapp 100 stimmberechtigten Synodalen.
Die Jugendreferate der Kirchenkreise Münster und Steinfurt-Coesfeld-Borken könnten dabei einen Vorbildcharakter haben, hieß es weiter. So stimmte die Synode einer kirchenrechtlichen Vereinbarung zu, die beide Referate schon zum 1. Januar 2027 zusammenführt.
In weiteren Beschlüssen wurde den Angaben zufolge ein Klimaschutzkonzept für alle drei Kirchenkreise des Gestaltungsraumes beschlossen, auf dessen Grundlage das Ziel der weitgehenden Klimaneutralität 2035 erreicht werden soll.

Minden (epd). Der evangelische Kirchenkreis Minden sieht Einsparmöglichkeiten in seinem Gebäudebestand und will sich von einem Großteil der Immobilien trennen. Nach intensiver Beratung stimmten die Mitglieder der Synode am 20. Juni in Minden einer neu erarbeiteten Gebäudestrategie zu, wie der Kirchenkreis mitteilte. Bis zum 31. Dezember 2029 hätten die vier Planungsräume nun Zeit, die Strategie umzusetzen. Werde das Ziel für einzelne Gebäude nicht erreicht, erhalte die betreffende Gemeinde ab 2030 für die Immobilie keine Gebäudepauschale mehr, hieß es.
Hintergrund ist den Angaben zufolge der Rückgang an Mitgliedern und somit an Kirchensteuer-Einnahmen. Im Vergleich zu 1990 sei die evangelische Gemeindemitgliederzahl in der Region um fast 44 Prozent auf nunmehr 46.536 Mitglieder (Stand 1. Mai 2026) gesunken. Dagegen unterhielten die 21 Gemeinden des Kirchenkreises Minden derzeit 27 Kirchen und sechs Kapellen, elf Gemeindezentren und 30 Gemeindehäuser. Der Kirchenkreis rechnet damit, dass mit dem neuen Konzept über 40 Prozent bei den Zuweisungen an Gebäudepauschalen eingespart werden können.
Die Kreissynode fasste zudem einen „Tendenzbeschluss“ zu einer Fusion mit dem Kirchenkreis Lübbecke. Sollte die Synode des Nachbarkirchenkreises zum Zusammenschluss auch „ja“ sagen, folgten verbindliche Beschlüsse auf den Synoden im November, hieß es. Zum 1. Januar 2027 würde dann zunächst eine „pfarramtliche Verbindung“ geschlossen. Die rechtsgültige Vereinigung zum Kirchenkreis Minden-Lübbecke könnte dann zum 1. Januar 2029 erfolgen. Der Mindener Superintendent Michael Mertins würde die Gesamtleitung übernehmen. Der Lübbecker Superintendent Uwe Gryczan war Anfang des Monats in den Ruhestand verabschiedet worden, seine Stelle ist derzeit vakant.
Darüber hinaus verabschiedeten die Mindener Kreissynodalen ein Rahmenschutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt, das zusammen mit den Kirchenkreisen Herford, Lübbecke und Vlotho entwickelt worden war. Das Konzept definiert, was sexualisierte Gewalt ist und wo sie bereits beginnt, und bekennt sich zu der Verpflichtung, sexualisierte Gewalt in Kirche und Gesellschaft nicht zuzulassen, wie der Kirchenkreis Minden erklärte. Es gebe dazu Richtlinien für Präventionsarbeit und Schutzkonzepte vor und biete konkrete Handlungsempfehlungen, was im Meldefall zu tun und was bei einem Interventionsverfahren zu beachten sei.
Meinerzhagen (epd). Im Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg wird künftig die Stellenplanung für die pastorale Arbeit in den Gemeinden neu geregelt. Die Kreissynode fasste am 13. Juni in Meinerzhagen den Beschluss, die sogenannten Interprofessionellen Pastoralteams (IPT) angesichts eines bevorstehenden Einbruchs bei den Pfarrstellen zu stärken, wie der Kirchenkreis am 16. Juni mitteilte. Dabei geht es um die Zusammenarbeit von Pfarrpersonen mit Gemeindepädagoginnen beziehungsweise Diakonen. Als Team sollen die Handlungsfähigkeit der Gemeinden und Kooperationsräume sicherstellen, wie es hieß.
Die Zahl der Pfarrstellen im Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg wird nach einer Prognose bis 2031 bis auf elf sinken, weil einige Pfarrpersonen in den Ruhestand gehen werden. In dem nun gefassten Beschluss werden die Gemeinden deshalb gebeten, bis zum Ende des Jahres gemeinsame Konzepte für den pastoralen Dienst zu entwickeln, wie der Kirchenkreis erläuterte.
Das Konzept für Interprofessionelle Pastoralteams geht auf einen Beschluss der Landessynode der westfälischen Kirche von 2021 zurück. Damit sollen Pfarrerinnen und Pfarrer entlastet werden. Die Teams setzen sich zusammen aus Pfarrpersonen sowie weiteren Mitarbeitenden, die etwa die Gemeindepädagogik oder das Gemeindemanagement übernehmen.
Martin Pogorzelski, Vorsitzender des kreiskirchlichen Struktur- und Perspektivausschusses, mahnte eine rasche Umsetzung des Konzepts an: „Die Zeit bis 2031 ist begrenzt.“ Bis dahin gelte als Personalschlüssel eine Pfarrstelle für 4.000 Gemeindeglieder. Danach solle nach Beschluss der Landeskirche eine Pfarrstelle auf 5.000 Gemeindeglieder kommen.
Des Weiteren ging es um den Nachwuchs: Kinder und Jugendliche sollen in den Gemeinden und Kooperationsräumen des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg stärker mitreden können. Der Jugendausschuss bereitet deshalb die Gründung einer Kinder- und Jugendvertretung vor, wie es hieß. Das neue Gremium soll im Februar 2027 ins Leben gerufen werden. Zwei Drittel der Mitglieder sollen jünger als 27 Jahre sein, wie es hieß.
Bereits am 1. Juli treten neue Grundsätze zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis in Kraft. „Die alte Fassung stammte noch aus dem Jahr 2002. Sie musste in vielen Bereichen angepasst werden“, sagte Johannes Seidel, Leiter des Kinder- und Jugendreferates des Kirchenkreises. Grundsätzlich solle die Jugendarbeit auf christlichen Grundwerten wie Respekt, Inklusion, Lernkultur sowie Verantwortung für die Schöpfung basieren. Dazu gehöre, die offene Auseinandersetzung mit Glauben und Perspektiven anhand von Gottesdiensten, Freizeiten, Gruppenarbeit oder geistlichen Angeboten zu fördern.
Hoher Wert wird in den Grundsätzen auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen gelegt, wie es hieß. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen entsprechend geschult werden. Weitere Punkte sind demnach Bildung durch Schulungen, die verantwortliche Nutzung digitaler Medien sowie gesellschaftliche Verantwortung durch Demokratie- und Klimabildung. Die Arbeit soll laut Kirchenkreis durch Pauschalen, Eigenmittel und Drittmittel, inklusive Landes- und kommunaler Zuschüsse gefördert werden.
Zur Gründung der kreiskirchlichen Kinder- und Jugendvertretung gibt es am 16. Juli ein Vorbereitungstreffen. Wer in dem Gremium mitarbeiten möchte, kann sich bei Johannes Seidel unter 02351/5677809 oder Johannes.Seidel@ekvw.de melden.

Herne (epd). Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Herne hat über eine strategische Ausrichtung bis 2030 entschieden. Angesichts sinkender Finanzmittel sollen die Ausgaben um 2,4 Millionen Euro auf 6,9 Millionen Euro im Jahr reduziert werden, beschloss das Kirchenparlament auf seiner jüngsten Sitzung in Wanne-Eickel. Gemeinden und Referatsleitungen sollten konkrete Maßnahmen und einen Zeitplan dafür erarbeiten und regelmäßig über Fortschritte berichten.
Superintendentin Claudia Reifenberger verweis dabei vor allem auf die evangelischen Kitas und das Schulreferat des Kirchenkreises. Weil die Kosten für die Kindergartengemeinschaft die finanziellen Möglichkeiten des Kirchenkreises deutlich überschritten, werde derzeit ein Wechsel zu einem anderen kirchlichen Träger geprüft. Doch weil der Trägerwechsel nicht sicher sei, arbeite der Kirchenkreis auch daran, „kleinere oder ineffiziente Kita-Standorte zu bündeln und größere, stabile Einheiten zu schaffen“, ergänzte Verwaltungsleiterin Carrie Bettenhausen. Auf einer Sondertagung am 25. September werde die Synode erneut über die Zukunft der Kindergartengemeinschaft beraten.
Mit Blick auf das Schulreferat planen die sechs Ruhrgebiets-Kirchenkreise Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen und Wattenscheid, Gladbeck-Bottrop-Dorsten, Herne und Recklinghausen eine Zusammenlegung, wie es weiter hieß. Diese Schulreferate sollen an einem bis zwei Standorten mit einem verringerten Personalschlüssel zusammengeführt werden. Die Unterstützung des konfessionellen Religionsunterrichts sei eine Pflichtaufgabe der Kirchen. Diese Arbeit müsse abgesichert und dabei eine Einsparung erzielt werden.
Klimaschutzmanagerin Vera Schauberger stellte der Synode zudem ein Konzept vor. Sie hat nach eigenen Angaben Energieverbräuchen analysiert und Vorschläge erarbeitet, wie durch Gebäudereduktion, Sanierungen und etwa die Nutzung erneuerbarer Energien die CO2-Bilanz verbessert werden kann. Die Gemeinden sollten nun gemeinsam Gebäudekonzepte für die Synodalregionen Castrop-Rauxel, Herne und Wanne-Eickel erstellen. Auf dieser Basis sollten transparente und nachvollziehbare Entscheidungen getroffen und der Gebäudebestand langfristig bedarfsgerecht, wirtschaftlich tragfähig und klimaschutzorientiert weiterentwickelt werden. Die Synode stimmte dem Konzept zu.
Krefeld (epd). Die Kreissynode des Evangelischen Kirchenkreises Krefeld-Viersen hat den Weg für eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Kirchenkreis und Gemeinden freigemacht. Mit großer Mehrheit beschlossen die 91 Synodalen auf der Sitzung am 13. Juni ein Rahmenkonzept zur gemeinsamen Personalplanung und -entwicklung, wie der Kirchenkreis mitteilte. Künftig können Gemeinden damit die Verantwortung für Personal in den Bereichen Jugendarbeit, Seniorenarbeit und Kirchenmusik freiwillig an den Kirchenkreis übertragen.
Das Konzept reagiert auf die Herausforderungen sinkender personeller und finanzieller Ressourcen sowie auf die zunehmenden Anforderungen an die Presbyterien, hieß es. Ziel sei es, fachliche Qualität zu sichern, Personalgewinnung und Personalführung professionell zu unterstützen und kirchliche Angebote langfristig zu erhalten. Ob sie sich an der neuen Struktur beteiligen, entscheiden die Gemeinden selbst.
Die Synode stimmte zudem einer neuen Finanzierung der Kita-Verwaltung zu. Die Kosten für Verwaltungsaufgaben der Kindertagesstätten sollen künftig dort getragen werden, wo sie entstehen. Statt die Aufwendungen wie bisher über die allgemeine Kirchenkreisumlage zu finanzieren, werden sie den beiden Kita-Trägern im Kirchenkreis - dem Zentrum Evangelische Kindertagesstätten (ZEK) und dem Evangelischen Gemeindeverband Krefeld - direkt zugeordnet. Da für diese Aufgaben bereits Verwaltungsmittel in der Kita-Finanzierung vorgesehen sind, soll die Neuregelung den Kirchenkreishaushalt entlasten.
Weil Axel Stein, Assessor und erster Stellvertreter von Superintendentin Barbara Schwahn, zum 1. August in den Ruhestand tritt, wählte die Synode die Berufsschulpfarrerin und bisherige Skriba Petra Vahrenhorst zur neuen Assessorin. Damit übernimmt sie künftig die erste Stellvertretung der Superintendentin und gehört zur Leitung des Kirchenkreises.
Gemünden (epd). Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises Simmern-Trarbach hat den Weg frei gemacht für eine Haushaltskonsolidierung. Nach intensiven Diskussionen stimmten die Synodalen in Gemünden der vorgelegten Konzeption mit großer Mehrheit zu, wie der Kirchenkreis mitteilte. Das Konzept rechnet bei einer vollständigen Umsetzung mit einem Einsparvolumen von rund 800.000 Euro. Entlassungen sind nicht vorgesehen.
Laut der Konzeption soll es insgesamt 20 Vollzeitstellen im Pfarrdienst und in der Gemeindepädagogik geben - 15 davon in regionalen Teams und fünf in kirchenkreisweit operierenden Profilbereichen wie der Jugendkirche, der Schulung Ehrenamtlicher, der Familienarbeit in Zusammenarbeit mit Kitas, im Fundraising und in der Öffentlichkeitsarbeit. Daneben sind 3,5 Vollzeitäquivalente für die Kirchenmusik vorgesehen, mit Schwerpunkten in den Bereichen klassische Musik, Popularmusik und Musik mit Kindern und Jugendlichen. Angedacht ist der Aufbau einer Singschule als Profilzentrum.
Superintendent Markus Risch rief zur Zusammenarbeit auf: „Hauptamtliche und Ehrenamtliche. Lasst uns zusammen an einem Strang ziehen.“ Mit den Sparbeschlüssen wolle sich der Kirchenkreis personell so aufstellen, dass beziehungsorientierte Seelsorge als Kernkompetenz sichtbar und wirksam sein kann.
Geschlossen wird den Angaben zufolge die Mediothek des Schulreferats in Simmern am Schulzentrum zum Jahresende. In Gesprächen mit den Kommunen soll über eine Kostenübernahme für das Jugendcafé in Simmern gesprochen, beim Diakonischen Werk der Globalzuschuss gedeckelt werden, wie es hieß. Enden wird auch der Vertrag mit dem Kindertagesstätten-Referat in Idar-Oberstein zum Ende 2026. Der Kirchenkreis erhofft sich zudem Einsparungen durch einen Transformationsprozess in der Verwaltung mit sechs anderen Kirchenkreisen im südlichen Rheinland, der nun startet.

Saarbrücken (epd). Die evangelische Kirchengemeinde Saarbrücken-Mitte unterstützt die Arbeit des Kinderhauses Alt-Saarbrücken mit einer Spende in Höhe von 8.000 Euro. Die Spendensumme habe sich aus ungeplanten Kirchensteuermitteln ergeben, die die Kirchengemeinde in den Jahren 2022 und 2023 als Folge der Energiepreispauschale erhalten habe, teilte die Gemeinde am 15. Juni mit. Im Rahmen eines Steuerentlastungspakets der Bundesregierung konnten Arbeitnehmer eine Pauschale von 300 Euro erhalten, um die gestiegenen Energiekosten abzufedern. Da die Pauschale steuerpflichtig war, ergaben sich höhere Einnahmen bei der Kirchensteuer.
Zwar hätte die Kirchengemeinde das Geld gut für die Ludwigskirche gebrauchen können, aber „wir wollten uns nicht an den unerwarteten Mehreinnahmen bereichern“, erklärte Thomas Emser vom Presbyterium Saarbrücken-Mitte. Das Leitungsgremium der Kirchengemeinde habe daher entschieden, mit dem vollen Betrag eine sozial-diakonische Einrichtung im eigenen Stadtteil zu unterstützen.
Die Wahl fiel auf das Kinderhaus in der Moltkestraße, das armutsbetroffenen Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren eine Freizeitgestaltung mit Sport-, Bildungs- und Gemeinschaftsangeboten ermöglicht. Das Kinderhaus betreibt außerdem eine Fahrradwerkstatt und bietet niedrigschwellige Beratungsangebote für Familien.

Köln (epd). Als Auftakt ins Christopher-Street-Day-Wochenende am 3. Juli in Köln feiern die queere Community und ihre Freunde ab 19 Uhr einen Gottesdienst in der St. Johannes-Kirche. Pfarrer Tim Lahr und sein Team begehen den Gottesdienst mit allen, die sich für das Pride-Wochenende gemeinsam segnen lassen möchten. „Egal ob queer, homo, trans, nicht-binär oder questioning - alle sind willkommen“, heißt es in der Ankündigung. Im Anschluss an den Gottesdienst in der Kirche an Tempelstraße 31 wird gefeiert, der Eintritt ist frei. Infos unter: www.evangelisch-deutzpoll.de
Am 4. Juli lädt die evangelische Gemeinde der Kölner Innenstadt in die Antonitercitykirche in der Schildergasse 57 zu einem ökumenischen Gottesdienst ein. Pfarrer Markus Herzberg gestaltet die Messe gemeinsam mit Pfarrer Jürgen Wenge von der Alt-Katholischen Pfarrgemeinde Christi Auferstehung. Für Musik sorgen die Bordkapelle und der Shantychor der StattGarde Colonia Ahoj. Im Anschluss an den Gottesdienst verwandelt sich der Kirchhof im Antoniter Quartier in einen bunten Ort der Begegnung mit Musik und Getränken (19 bis 22 Uhr) unter dem Motto „Love is schøn“. Das erste Kölsch geht aufs Haus, wie es hieß. Mehr dazu unter: www.antonitercitykirche.de
Am 5. Juli sind die evangelische Kirche und die Diakonie in Köln und der Region zum vierten Mal mit einer Fußgruppe bei der CSD-Demonstration in der Kölner Innenstadt vertreten. Dank der Unterstützung der Queeren Kirche, der beiden Kölner Kirchenkreise, der Diakonie Michaelshoven, des Diakonischen Werks Köln und Region sowie zahlreicher Gemeinden in und um Köln sei erstmals auch ein eigener Wagen dabei, hieß es. Alle Menschen aus Kirchen und diakonischen Einrichtungen sind demnach eingeladen, „Teil dieser Demonstration für Menschenrechte, Vielfalt und gelebte Nächstenliebe zu sein“. Eine Anmeldung zur Teilnahme ist unter https://forms.churchdesk.com/f/lton8xxKVo möglich. Weitere Infos unter: www.queere-kirche-koeln.de

Langenlonsheim/Bad Kreuznach (epd). Die Synode des evangelischen Kirchenkreises An Nahe und Glan befasste sich auf ihrer Tagung in Langenlonsheim mit dem Schwerpunktthema Friedensethik. Der ehemalige evangelische Militärbischof Sigurd Rink sprach zu Gerechtigkeit und Frieden in der modernen Welt, wie der Kirchenkreis in Bad Kreuznach mitteilte.
Rink beleuchtete in seinem Impulsvortrag das kirchliche Leitbild des „Gerechten Friedens“ und verwies auf moralische Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen „christlicher Grundhaltung und der realpolitischen Verantwortung“ in globalen Konflikten. Die Delegierten hätten sich anschließend über Wege der Weiterarbeit an dem Thema ausgetauscht, hieß es.
Einstimmig verabschiedete die Synode die weitere Finanzierung zentraler Aufgaben wie etwa der Pfarrstelle der interkulturellen Gemeinde und der Stelle eines Jugendreferenten. Die Delegierten beschlossen außerdem ein überarbeitetes Schutzkonzept zur Vermeidung sexualisierter Gewalt und zum verlässlichen Schutz vulnerabler Gruppen in allen kirchlichen Einrichtungen.
Gummersbach (epd). Der Kirchenkreis An der Agger hat auf seiner jüngsten Synode den langjährigen Skriba Andreas Spierling verabschiedet. Spierling blickt auf 34 Jahre im Kirchensynodalvorstand zurück, wie der Kirchenkreis in Gummersbach mitteilte. Seit 2014 habe er die Geschicke des Kirchenkreises mitgeleitet. Zur Nachfolgerin wählten die Synodalen Pfarrerin Kirsti Greier, die zuvor zweite stellvertretende Skriba war. Greier warb dafür, als Kirche mehr Begegnungsorte in der Öffentlichkeit zu schaffen, um sichtbarer zu werden.
Verwaltungsleiter Thomas Hildner berichtete zudem über die Planung zur Gründung des Evangelischen Verwaltungsverbandes Rheinland-Mitte, der ab dem kommenden Jahr für die Kirchenkreise Bonn, Bad Godesberg-Voreifel und An Sieg und Rhein zuständig sein wird. Möglich ist, dass der Kirchenkreis An der Agger zu einem späteren Zeitpunkt dem Verwaltungsverband Rheinland-Mitte beitritt. Darüber soll die Herbstsynode am 6. und 7. November in Nümbrecht weiter informiert werden.
Siegburg (epd). Die Diakonie An Sieg und Rhein und der AWO-Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg prangern „Rassismus im Gesundheitssystem“ an und kritisieren, dass Menschen mit Migrationshintergrund bei der medizinischen Behandlung benachteiligt würden. Strukturelle Defizite und Vorurteile führten oft dazu, dass viele Betroffene schlechter einen Arzttermin erhielten und falsch behandelt würden, teilten die beiden Wohlfahrtsverbände in Siegburg mit.
„Wer einen migrantisch klingenden Vor- oder Nachnamen hat, erhält schwerer einen Termin bei einem Arzt“, berichtete Maria Neuschaefer-Rube, Leiterin der Integrationsagentur der Diakonie in Siegburg. Das sei auch durch Studien belegt. Ein Problem seien auch fehlende Übersetzungsangebote, Krankenkassen übernähmen Übersetzungskosten nur in Ausnahmefällen. „Diese Sprachbarrieren führen insbesondere bei Zugewanderten der ersten Generation und Geflüchteten zu Problemen in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient und beeinträchtigen die Qualität der Versorgung“, erklärte sie.

Dortmund (epd). In Dortmund ist am Freitag zum sechsten Mal ein Paradiesgarten an der Reinoldikirche eröffnet worden. Der 320 Quadratmeter große Pop-up-Garten bietet verschiedene Spielstationen für Kinder, außerdem Bänke und Liegen zum Entspannen, wie die Stadt Dortmund am 19. Juni mitteilte. Sonnensegel und eine Pergola sorgen für Schattenplätze, blühende Blumen und grüne Pflanzen für Erholung.
„Das Faszinierende am Paradiesgarten ist, dass er trotz der kleinen Fläche so viel bietet“, sagte der Dortmunder Baudezernent Arnulf Rybicki den Angaben zufolge bei der Eröffnung. Er dankte den Auszubildenden im Grünflächenamt, die den Garten gestaltet haben. Erfreut über den Mini-Garten neben der Kirche äußerte sich auch die Dortmunder Superintendentin Heike Proske: „Wie schön, dass es diese Spiel-Räume mitten in unserer Dortmunder City gibt.“
Der erste temporäre Paradiesgarten vor der Reinoldikirche war 2019 für den Evangelischen Kirchentag errichtet worden. Nach Unterbrechungen aufgrund der Corona-Pandemie blüht er in diesem Jahr zum sechsten Mal in der Innenstadt und kann bis Ende September besucht werden.

Frankfurt a.M., Kiel (epd). Schleswig-Holstein führt als erstes Bundesland die Reerdigung als dritte Bestattungsform ein. Der schleswig-holsteinische Landtag beschloss am 19. Juni die Gesetzesänderung einstimmig. Das beschleunigte Verfahren zur Verwesung eines Leichnams steht nach einer vierjährigen Pilotphase nun gleichberechtigt neben der Erd- und Feuerbestattung. Auch in anderen Bundesländern wurden Bestattungsgesetze gelockert. Ein Überblick der wichtigsten Fragen und Antworten:
Die Reerdigung ist eine beschleunigte Kompostierung menschlicher Körper in einem sargähnlichen Spezialbehälter, dem Kokon. Sie wurde in den vergangenen vier Jahren in Schleswig-Holstein erprobt und wissenschaftlich begleitet. Inzwischen sind sieben Kokons in Betrieb, in denen die Verstorbenen für den Prozess auf Stroh und Grünschnitt gebettet werden. Der Körper der verstorbenen Person wird im Kokon in 40 Tagen zu Erde transformiert, die dann in einem Sarg oder Tuch auf Friedhöfen in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg beigesetzt werden kann.
Überall erlaubt und gängig sind Urnen-, Wald- und Sargbeisetzungen. Auch Seebestattungen sind möglich. In Deutschland regeln die Bundesländer das Bestattungsrecht, auch Kommunen können über ihre Friedhofsordnung Regeln aufstellen. Daher gelten in Deutschland keine einheitlichen Regeln.
In Rheinland-Pfalz gilt seit Oktober ein sehr liberales Bestattungsrecht, denn mit der Gesetzesänderung gibt es keine Friedhofspflicht mehr. Daher können Angehörige etwa die Urne mit der Asche des Verstorbenen zu Hause aufbewahren. Auch eine Weiterverarbeitung der Asche zu einem Diamanten ist erlaubt. Sogar Flussbestattungen sind eine legale Option, dabei wird die wasserlösliche Urne oder die Totenasche in einem Fließgewässer beigesetzt. In Bremen darf schon seit längerem und unter bestimmten Umständen die Totenasche beispielsweise im eigenen Garten verstreut werden.
Auch in Sachsen-Anhalt ist es seit kurzem möglich, bis zu fünf Gramm Asche zur würdevollen Nutzung in Erinnerungsstücken, etwa Gedenkdiamanten, zu entnehmen. Viele Bundesländer, darunter Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, das Saarland und Thüringen, sind zurückhaltend und haben bislang kaum vergleichbare Reformen angekündigt.
Fast alle Bundesländer haben die Sargpflicht gelockert, vor allem um Tuchbestattungen aus religiösen Gründen wie im Islam und im Judentum zu ermöglichen. In Sachsen sollen entsprechende gesetzliche Regelungen zeitnah eingeführt werden. Das sächsische Landeskabinett billigte im März eine entsprechende Änderung des Bestattungsgesetzes.
Ob auf dem Friedhof vor Ort tatsächlich eine sarglose Bestattung möglich ist, hängt allerdings von den jeweiligen Friedhofssatzungen ab. In allen Bundesländern ist ein Sarg beim Transport Verstorbener vorgeschrieben. Auch verlangen Krematorien aus technischen Gründen die Verwendung eines Sarges.

Straßburg, Brüssel (epd). Das Europäische Parlament hat eine deutliche Verschärfung der EU-Abschieberegeln beschlossen und damit den Weg frei gemacht für Abschiebezentren in Drittstaaten. Eine Mehrheit aus Christdemokraten, rechten und rechtsextremen Fraktionen, darunter auch die AfD, stimmte am 17. Juni in Straßburg für die Rückführungsverordnung. Sozialdemokraten, Grüne und Linke lehnten diese ab.
Kern des Gesetzes sind Rückführungszentren außerhalb der EU, sogenannte Return Hubs. Dorthin sollen Menschen ohne Aufenthaltsrecht gebracht werden, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden können, etwa weil Staaten die Rücknahme verweigern. Wo solche Zentren entstehen könnten, ist bislang unklar. Im Gespräch sind unter anderem Staaten in Afrika.
Die Einrichtungen können nach der Vereinbarung sowohl als End- als auch als Transitstandort genutzt werden. Unbegleitete Minderjährige sollen ausgenommen bleiben. Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, prüfen derzeit entsprechende Abkommen.
Liegt ein Rückführungsbescheid vor, müssen Personen laut den neuen Regeln mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten. Andernfalls drohen Sanktionen bis hin zu Freiheitsentzug. Die maximale Dauer der Abschiebehaft wird auf bis zu 24 Monate angehoben, in bestimmten Fällen auch darüber hinaus. Zur Vorbereitung von Rückführungen können Behörden zudem Hausdurchsuchungen vornehmen sowie persönliche Gegenstände beschlagnahmen.
Die EU erhofft sich von den neuen Regeln eine deutlich höhere Zahl tatsächlicher Rückführungen. Bislang wird nach EU-Angaben nur rund jeder vierte Mensch mit einer Rückkehrentscheidung tatsächlich in sein Herkunftsland zurückgeführt.
Der Abstimmung war ein heftiger Streit über den Bruch der sogenannten Brandmauer im EU-Parlament vorausgegangen. Die Christdemokraten in der EVP sowie rechte und rechtsextreme Fraktionen, darunter auch die AfD-Fraktion ESN, hatten im parlamentarischen Verfahren gemeinsam abgestimmt.
„Mit den überhasteten Verhandlungen zur Rückführungsverordnung haben die Konservativen gemeinsame Sache mit den Rechten gemacht und den Umgang mit Migrantinnen und Migranten zum politischen Spielball erklärt“, sagte die Europaabgeordnete Birgit Sippel (SPD). Das Gesetz werde grundlegenden europäischen Standards beim Grundrechtsschutz nicht gerecht. Vorgesehen seien „lange Masseninhaftierungen, auch von Familien mit Kindern und unbegleiteten Minderjährigen, sowie Hausdurchsuchungen“, um Abschiebungen durchzusetzen. Die freiwillige Rückkehr werde dagegen nicht ausreichend gefördert.
Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl warf dem Europaparlament vor, „migrationspolitische Forderungen der extremen Rechten übernommen“ zu haben. Das gefährde nicht nur die Rechte von Schutzsuchenden, sondern auch die rechtsstaatlichen und demokratischen Grundlagen der Europäischen Union.
Lena Düpont (CDU), innenpolitische Sprecherin der EVP-Fraktion, widersprach. Ein Asylsystem, das Rückkehrentscheidungen nicht durchsetze, verliere seine Glaubwürdigkeit. Die Rückführungsverordnung schließe eine zentrale Lücke im Gemeinsamen Europäischen Asylsystem (Geas). Sie schaffe klare Mitwirkungspflichten, verbessere die gegenseitige Anerkennung von Rückkehrentscheidungen zwischen EU-Staaten und ermögliche eine engere Zusammenarbeit mit Drittstaaten.
Die EU-Staaten müssen das Gesetz noch bestätigen. Dies gilt als Formsache. Die Verordnung tritt nach Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft. Während die meisten Bestimmungen nach zwölf Monaten gelten sollen, sollen die Regelungen zu Rückführungszentren unmittelbar nach Inkrafttreten anwendbar sein.

Berlin, Bielefeld (epd). Menschenrechtsorganisationen, Verbände und Kirchen drücken in einem Memorandum ihre Sorge über die restriktive Flüchtlingspolitik in Deutschland und Europa aus. Flucht und Migration würden gezielt zu Wahlkampfzwecken instrumentalisiert, Flüchtlinge zu Feindbildern und als Gefahr für die Sicherheit oder den Wohlstand des eigenen Landes dargestellt, heißt es in dem anlässlich des Weltflüchtlingstags (20. Juni) veröffentlichten Papier. In der Folge würden ihnen grundlegende Rechte verweigert. Ein spaltendes „Wir gegen die Anderen“ werde „zum politischen Prinzip erhoben“.
Das Memorandum „Es geht auch anders! Gemeinsam für Schutz und Zusammenhalt“ haben unter anderem Amnesty International Deutschland, die AWO, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Diakonie herausgegeben. 275 Organisationen unterstützen es, darunter auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), der Flüchtlingsrat NRW, die Diakonie RWL und die Evangelische Kirche von Westfalen.
Die westfälische Präses Adelheid Ruck-Schröder betonte, jeder Mensch sei ein Ebenbild Gottes und habe dementsprechend ein „Recht auf Schutz, Würde und Leben in Sicherheit“: „Aus dem biblischen Auftrag zur Nächstenliebe folgt für uns, dass wir uns klar für einen solidarischen und menschenrechtsbasierten Flüchtlingsschutz einsetzen.“
Die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats NRW, Birgit Naujoks, erklärte: „Echter Flüchtlingsschutz setzt Verantwortungsbewusstsein, Solidarität und Humanität voraus.“ Sie appellierte an die Politik, den „Kurs der Entrechtung“ und ihre „spalterische Rhetorik“ aufzugeben. Stattdessen müssten Lösungen „für eine von Respekt, Gleichberechtigung und Menschlichkeit geprägte vielfältige Gesellschaft“ gefunden werden.
Die Organisationen fordern eine Kehrtwende im globalen und nationalen Flüchtlingsschutz. Dazu zählen unter anderem die Abschaffung des Konzepts sicherer Drittstaaten, das als Grundlage für sogenannte Return Hubs zur Abschiebung von Flüchtlingen dienen soll, die Wiederaufnahme humanitärer Aufnahmeprogramme sowie Zugang zu Asylberatung und Integrationskursen.
Das Memorandum verweist auf die vor 75 Jahren völkerrechtlich verankerte Genfer Flüchtlingskonvention, die Staaten zum Flüchtlingsschutz verpflichtet und eine Abweisung Schutzsuchender verbietet. In Zeiten wie heute sei die Einlösung des Versprechens der Konvention „eine große Herausforderung“, heißt es in dem Papier. „Ein Flüchtlingsschutz, der diesem Anspruch gerecht wird, ist möglich.“
Ergänzend zu dem Memorandum forderte die Caritas in NRW, dass die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) in Nordrhein-Westfalen „verlässlich und menschenwürdig“ umgesetzt wird. Dazu sollte unter anderem schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen ein schneller und qualitativ guter Zugang zur Regelschule ermöglicht werden. Auch eine verlässliche Gesundheitsversorgung von Minderjährigen und der gesicherte Zugang zu unabhängiger Beratung im Asylverfahren seien wichtige Punkte.

Düsseldorf (epd). Die Evangelische Kirche im Rheinland und die Diakonie RWL fordern eine gesetzliche Regelung, die die unabhängige Abschiebungsbeobachtung absichert. Seit Sommer 2001 bestehe die Einrichtung am Düsseldorfer Flughafen, erklärten die rheinische Kirche und die Diakonie als Trägerinnen am 16. Juni in Düsseldorf. Diese gelte es, nach 25 Jahren zukunftsfest zu machen.
Die Landeskirche und die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) erinnerten daran, dass die seit 2008 geltende EU Rückführungsrichtlinie die Einrichtung eines verpflichtenden unabhängigen Monitorings von Abschiebungen durch die Mitgliedsstaaten vorsieht. Für Deutschland sehe die EU weiterhin Handlungsbedarf. Auch auf europäischer Ebene gewinne das Thema wieder an Bedeutung. Mit der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) ab Juni werde erstmals unabhängiges Monitoring als verbindlicher Bestandteil vorgesehen.
Erforderlich sind aus Sicht von rheinischer Kirche und Diakonie eine Rechtsgrundlage für eine staatlich unabhängige Abschiebungsbeobachtung und eines begleitenden unabhängigen Forums. Beobachter müssten Zugang zu allen relevanten Phasen des Abschiebungsvollzugs erhalten. Stellen müssten strukturell und finanziell abgesichert sein.
Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der Diakonie RWL, betonte, dass Abschiebungsbeobachtung Transparenz in einem Bereich staatlichen Handelns schaffe, der für die Öffentlichkeit kaum zugänglich sei. Der rheinische Präses Thorsten Latzel nannte die unabhängige Abschiebungsbeobachtung ein „wichtiges Korrektiv“. Sie helfe den von der Abschiebung Betroffenen und auch den durch ihr Amt Beteiligten.
Ausgangspunkt war der Tod eines sudanesischen Asylbewerbers 1999 während eines Flugs ab Frankfurt. Rheinische Kirche, Wohlfahrtsverbände, Bundespolizei, das NRW-Innenministerium und zivilgesellschaftliche Akteure gründeten gemeinsam 2000 das Forum Flughäfen in NRW (FFiNW).
Über die beiden großen NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn fanden den Angaben nach im vergangenen Jahrzehnt etwa 34.000 Abschiebungen statt. Die Abschiebungsbeobachtung konnte rund ein Fünftel davon begleiten. In jährlichen Berichten dokumentiert sie Problemlagen und strukturelle Verbesserungen. Erreicht wurden unter anderem ein Handgeld für Betroffene, gemeinsame Standards im Abschiebungsvollzug und mit dem FFiNW ein kontinuierliches Dialogformat zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren.

Wiesbaden, Düsseldorf (epd). In Deutschland haben im vergangenen Jahr mehr als vier Millionen Menschen gelebt, die wegen Flucht, Vertreibung oder auf der Suche nach internationalem Schutz ins Land gekommen sind. Insgesamt 3,3 Millionen Menschen sind seit 1950 aus Gründen vor Flucht und Vertreibung zugewandert, wie das Statistische Bundesamt am 17. Juni in Wiesbaden anlässlich des Weltflüchtlingstags sowie des Gedenktags für die Opfer von Flucht und Vertreibung am 20. Juni mitteilte. Weitere 713.000 Menschen sind Vertriebene des Zweiten Weltkriegs, die vor 1950 zugewandert sind.
Gemessen an der Bevölkerungszahl war den Statistikern zufolge der Anteil der seit 1950 aus Gründen von Flucht und Vertreibung Eingewanderten am höchsten in Bremen (7,3 Prozent), gefolgt von Hamburg (6,3 Prozent), dem Saarland (5,7 Prozent), Hessen (4,8 Prozent) und NRW (4,6 Prozent). Die meisten Vertriebenen des Zweiten Weltkriegs leben ihrem Anteil an der Bevölkerung nach in Mecklenburg-Vorpommern (2,3 Prozent) gefolgt von Sachsen-Anhalt (1,5 Prozent), Brandenburg und Thüringen (je 1,4 Prozent). In NRW beträgt ihr Anteil an der Bevölkerung 0,6 Prozent. Für das Saarland gebe es aufgrund zu geringer Fallzahlen keine Angaben zum Anteil, hieß es.
Von den 3,3 Millionen Menschen, die seit 1950 nach Deutschland kamen und heute noch hier leben, sei ein Drittel (1,2 Millionen) zwischen 2014 und 2021 ins Land gekommen, ein weiteres Drittel (1,1 Millionen) von 2022 bis 2025, teilte das Bundesamt auf Basis von Erstergebnissen des Mikrozensus mit. Weitere 476.000 heute in Deutschland lebende Menschen seien zwischen 1990 und 2000 nach Deutschland geflohen, unter anderem wegen der Kriege auf dem Gebiet des früheren Jugoslawiens. Die geflüchteten Zugewanderten waren 2025 den Angaben nach durchschnittlich 39 Jahre alt, 45 Prozent waren Frauen und 55 Prozent Männer.
Jede vierte der 3,3 Millionen Menschen, die seit 1950 hauptsächlich aus Gründen von Flucht, Asyl und internationalem Schutz nach Deutschland gekommen sind, sei in der Ukraine geboren worden. Gut jede fünfte Person stamme aus Syrien. Damit entfielen auf diese beiden Herkunftsländer knapp die Hälfte aller 2025 in Deutschland lebenden und seit 1950 eingewanderten Geflüchteten.

Düsseldorf (epd). Mehr als 121.000 Unterschriften hat die Kampagne „NRW-Appell AfD-Verbot. Jetzt“ gesammelt und am 18. Juni in einer symbolischen Aktion an NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) übergeben. In dem Appell fordern die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner die Mitglieder des Landtages und die Landesregierung dazu auf, über den Bundesrat ein Parteiverbotsverfahren gegen die AfD beim Bundesverfassungsgericht auf den Weg zu bringen. In dem Appell werden zudem die Bundestagsabgeordneten aus NRW dazu aufgerufen, sich für eine entsprechende Initiative im Bundestag zu engagieren.
Begleitet wurde die Übergabe der Unterschriften von einer Protestkundgebung vor dem Landtag. Daran nahmen nach Angaben der Veranstalter rund 300 Menschen teil. „Es ist nicht mehr 5 vor 12, es ist schon kurz nach 12“, erklärte Dieter Breymann, CDU-Politiker aus Mönchengladbach, der einer der Erstunterzeichner des Appells ist und zu der Delegation gehörte, die ein Gespräch mit Minsterpräsident Wüst führte. Die AfD zeige ihre „menschenverachtenden und demokratieschädigenden Absichten“ inzwischen ganz offen, sagte er.
Laut Grundgesetz kann das Bundesverfassungsgericht ein Parteiverbot prüfen und gegebenenfalls aussprechen. Dazu muss der Bundesrat, der Bundestag oder die Bundesregierung einen Antrag stellen.
„NRW muss als bevölkerungs- und wirtschaftsstarkes multikulturelles Bundesland vorangehen“, heißt es in dem Appell. Mehr als 36.000 Unterschriften wurden offline gesammelt - auf Straßen und Plätzen, in Betrieben, Nachbarschaften und Vereinen, der Rest kam im Internet hinzu. Die Kampagne läuft noch drei Wochen weiter.

Düsseldorf (epd). Erstmals seit 2022 ist die Bevölkerungszahl in Nordrhein-Westfalen wieder unter die Marke von 18 Millionen gefallen. Ende 2025 lebten im bevölkerungsreichsten Bundesland 17.986.214 Menschen, wie die statistische Landesbehörde IT.NRW am 16. Juni in Düsseldorf mitteilte. Im Vergleich zum Jahr davor war die Bevölkerungszahl um 48.240 oder 0,3 Prozent niedriger (2024: 18.034.454).
Als Gründe führen die Statistiker zurückgehende Geburtenzahlen an. Für das Jahr 2025 sei hier ein Defizit von 70.762 Personen ermittelt worden, erklärte Kerstin Ströker, Leiterin des Bereichs Bevölkerung, Wahlen und Soziales bei der Landesbehörde. „Das bedeutet, dass wie in den Vorjahren mehr Menschen starben als Kinder geboren wurden.“ Das habe dazu geführt, dass trotz eines positiven Wanderungssaldos mit 22.601 mehr Zu- als Fortzügen die Bevölkerungszahl unter 18 Millionen ist.
Im Ranking der größten Städte Nordrhein-Westfalens ergaben sich demnach im Vergleich zum Vorjahr keine Veränderungen: Die größte Stadt bleibt Köln mit über einer Million (1.025.523) Einwohnerinnen und Einwohnern, gefolgt von Düsseldorf (619.444), Dortmund (600.880) und Essen (573.618). Kleinste Gemeinde in NRW ist weiterhin die Stadt Hallenberg im Hochsauerlandkreis mit einer Einwohnerzahl von 4.272. Danach kommen die Gemeinde Dahlem in der Eifel (4.438) und die Stadt Heimbach im Kreis Düren (4.467).
Die rheinische Gemeinde Gangelt an der deutsch-niederländischen Grenze verzeichnete 2025 den größten prozentualen Bevölkerungszuwachs, wie es weiter hieß. Dort stieg die Einwohnerzahl um 1,1 Prozent oder 151 Personen auf 13.561. Insgesamt konnten 85 Gemeinden in NRW im vergangenen Jahr einen Bevölkerungszuwachs verzeichnen. Einen deutlichen Rückgang der Bevölkerung gab es dagegen in den Gemeinden Nettersheim im Kreis Euskirchen (minus 7,7 Prozent auf 8.216) und Möhnesee an der Soester Börde (minus 7,0 Prozent auf 10.483).
Die Daten stammen den Angaben zufolge aus der Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des letzten Zensus von 2022. Bei der Berechnung der Bevölkerungsentwicklung flossen auch Korrekturen mit ein, die von den Kommunen erst nach Abschluss der Wanderungsstatistik gemeldet werden, wie das Landesamt erklärte.

Duisburg/Essen (epd). Soziale Medien sind nach Einschätzung der Antisemitismusforscherin Monika Hübscher ein relevanter Faktor für die Wahrnehmung des Holocaust bei Jugendlichen. Viele kämen heute erstmals auf Plattformen wie TikTok mit den NS-Verbrechen in Berührung, sagte die Wissenschaftlerin der Universität Duisburg-Essen dem Evangelischen Pressedienst (epd). So gebe es in der deutschen Version des Videoportals sehr viel Amateurcontent zum Thema Holocaust und zu KZ-Gedenkstätten. „Dazu kommt, dass vor allem auch auf TikTok rechtsextremer Content sehr erfolgreich ist und viele junge Menschen erreicht.“
Die Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen beginne oft mit kurzen Videos samt Pop-Untermalung, Kommentaren und Likes, bevor historische Zusammenhänge in der Schule vermittelt würden. Dadurch könne der Holocaust als ein „Onlinephänomen“ wahrgenommen werden, aus dem historischen Kontext gelöst und vereinfacht, erklärte Hübscher. „So entstehen verzerrte Vorstellungen.“ Hintergrund sind Berichte von wiederkehrenden Vorfällen unangemessenen Verhaltens Jugendlicher in Gedenkstätten, etwa Selfies vor den ehemaligen Gaskammern.
Aus ihrer Forschung weiß Hübscher, dass viele Jugendlichen keineswegs gleichgültig gegenüber dem Holocaust sind. Viele empfänden jedoch die Beschäftigung mit den NS-Verbrechen als überfordernd und zugleich wenig zugänglich, sagte die Co-Leiterin des Bildungsprojekts „Social Media Literacy gegen Antisemitismus“. Eine Schülerin habe ihre Gedenkstättenfahrt sinngemäß so beschrieben: „Ich bin zusammengebrochen und habe sehr geweint, aber es war auch sehr langweilig.“ Starke Gefühle führten nicht automatisch zu nachhaltigem Lernen, erklärte die Forscherin diese Ambivalenz.
Pauschale Kritik an der Vorbereitung in den Schulen hält Hübscher für nicht angebracht. Allerdings berichteten Lehrkräfte und Schüler noch immer von klassischen Führungen in den Gedenkstätten, die vor allem auf reine Wissensvermittlung setzen. Oft werde angenommen, dass die Darstellung historischer Fakten und Grausamkeiten automatisch zu einer Veränderung von Einstellungen führe, sagte sie. Tatsächlich verarbeiteten junge Menschen solche Erfahrungen sehr unterschiedlich, je nach Erfahrungen und Vorwissen.
Hübscher plädiert dafür, Bildungsangebote zum Holocaust stärker an der Lebensrealität junger Menschen auszurichten. Jugendliche sollten nicht nur Wissen aufnehmen, sondern aktiv beteiligt sein und voneinander lernen. Mit ihren Kolleginnen Nicolle Pfaff und Sophie Schmalenberger hat sie ein Online-Spiel zu Antisemitismus und Holocaustverzerrung in den sozialen Medien entwickelt. Das von der Claims Conference und der nordrhein-westfälischen Antisemitismusbeauftragten Sylvia Löhrmann geförderte Projekt wird Ende Juni offiziell vorgestellt.

Berlin (epd). Im Berliner Tiergarten wird am 24. Juni ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas eingeweiht. „Sie verweigerten den Hitlergruß und den Dienst an der Waffe“, sagte der Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Uwe Neumärker, bei der Vorstellung des Projektes am 18. Juni in Berlin: „Diese Menschen will das Mahnmal ehren.“
Das Denkmal aus unbehandelter Bronze am sogenannten Goldfischteich im Berliner Tiergarten wurde bereits aufgestellt. Mit der Zeit werde sich eine Patina entwickeln, ein „organischer Zeitstempel“, sagte der Künstler Matthias Leek, der selbst der Glaubensgemeinschaft angehört. Zehn Bäume und eine Informationstafel sollen das Kunstwerk noch ergänzen. Insgesamt hat das im Jahr 2023 vom Bundestag beschlossene Mahnmal den Angaben zufolge mehr als eine Million Euro gekostet.
Die fünf Meter hohe Stele erinnert an einen abstrahierten Baumstamm. Die Oberflächengestaltung sei nicht zufällig, sondern durch das Übereinanderlegen von Aufnahmen aus der NS-Zeit von Zeugen Jehovas und Fotografien aus heutigen KZ-Gedenkstätten entstanden, sagte Leek. Mit einer Mehrfachbelichtung habe sich „eine Schichtung der Erinnerung“ ergeben. Wie „Echos der Vergangenheit“ seien so die alten Aufnahmen ein Teil des Mahnmals.
Die Zeugen Jehovas hätten aus religiöser Überzeugung Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet, hieß es. Dazu habe gehört, den Hitlergruß, den Kriegsdienst und die Mitgliedschaft in Parteiorganisationen zu verweigern. Zusätzlich hätten sie anderen Verfolgten geholfen und öffentlich über den verbrecherischen Charakter des Systems aufgeklärt.
Mit dem Goldfischteich wurde ein historisch bedeutender Ort für die Zeugen Jehovas während der NS-Zeit ausgewählt. Bei einem damaligen Liegestuhlverleih eines Zeugen Jehovas an dem Teich seien geheime Treffen der ab 1933 verbotenen Organisation abgehalten worden. 13 führende Zeugen Jehovas aus dem gesamten Reichsgebiet hätten sich ab 1934 hier getroffen, um den gemeinsamen Widerstand und das Gemeindeleben im Untergrund zu organisieren.
Die Gestapo habe zwei Jahre im Netzwerk der Zeugen Jehovas ermittelt und im August 1936 schließlich eine Verhaftungsaktion am Goldfischteich durchgeführt. Insgesamt seien mehr als 15.000 Frauen und Männer der Glaubensgemeinschaft in der NS-Zeit inhaftiert worden, etwa 4.500 kamen in ein Konzentrationslager. Sie seien mit einem „lila Winkel“ stigmatisiert worden. Mehr als 1.800 von ihnen starben.
Das Mahnmal werde mit einer „digitalen Gedenkstätte“ ergänzt, erklärte Dorothea Parak von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“. Auf einer Website wurden bisher etwa 550 Biografien verfolgter Zeugen Jehovas gesammelt, etwa die gleiche Zahl befinde sich bereits in der redaktionellen Abnahme. Mehr als 50 Jugendliche hätten Lebensgeschichten recherchiert, mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gesprochen und Angehörige befragt. Die sechs Projektgruppen seien dabei von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zwischen 2024 und 2026 gefördert worden.

Keystone (epd). Als die Straße einen Knick macht, kann man einen ersten Blick auf den über 1.700 Meter hohen Mount Rushmore erhaschen. Von der Straße aus sind zunächst nur zwei der vier US-Präsidenten zu sehen, deren riesige Köpfe in den Stein des Bergs gemeißelt sind. Hinter jeder Kurve taucht das Monument größer auf, bis sich oben ein atemberaubender Blick über die Black Hills und die Prärie öffnet.
Das Mount Rushmore National Memorial liegt mitten in den Black Hills im US-Bundesstaat South Dakota, einer von Kiefernwäldern geprägten Bergregion. Vier prägende US-Präsidenten werden hier geehrt: George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Ihre 18 Meter hohen, steinernen Köpfe überragen die umgebenden Bäume, allein die Nasen sind ungefähr sechs Meter lang. Durch Torbögen aus Stein schieben sich die Besuchermassen. Bis zu 2,5 Millionen Menschen besuchen das Monument jedes Jahr.
Vor 85 Jahren, am 31. Oktober 1941, wurde es fertiggestellt. Und auch wenn bis zum eigentlichen Jubiläum noch ein paar Monate verbleiben, wird bereits vom 2. bis 4. Juli gefeiert: Zum 250. Geburtstag der USA gibt es ein dreitägiges Festprogramm mit Feuerwerk und Konzerten.
„Shrine of Democracy“ („Schrein der Demokratie“) wird der Ort auch genannt, er steht für Geburt, Wachstum und Bewahrung der Vereinigten Staaten von Amerika, für Durchhaltevermögen und Stärke.
Die Präsidenten-Gesichter am Fels sehen fast unwirklich aus. Kaum vorstellbar, dass sie einst in den Granit gesprengt und gemeißelt wurden. 14 Jahre dauerte es, das monumentale Projekt umzusetzen. Entgegen ursprünglicher Pläne wurden nur die Köpfe realisiert, nicht die ganzen Körper. Aufgrund fehlender Mittel und des Todes des Hauptbildhauers Gutzon Borglum im März 1941 wurden die Arbeiten vorzeitig beendet. Sein Sohn Lincoln Borglum leitete die Baustelle in den letzten Monaten.
Mount Rushmore ist heute ein legendäres Bauwerk und ein Touristenmagnet. Doch das Projekt war von Beginn an umstritten, so wie sein Erbauer Gutzon Borglum. Er war einer der bekanntesten Bildhauer seiner Zeit - und stand dem Ku-Klux-Klan nahe. Vielen galt er als größenwahnsinnig.
1923 schlug der Historiker Doane Robinson vor, mit einer monumentalen Skulptur den Tourismus in dem Prärie-Bundesstaat anzukurbeln. Während er an regionale Persönlichkeiten wie Buffalo Bill dachte, wollte Borglum die bedeutendsten Staatsmänner der amerikanischen Geschichte verewigen.
Die Wahl für den Ort fiel auf den Mount Rushmore, benannt nach dem New Yorker Anwalt Charles E. Rushmore, der die Goldschürfrechte für die Gegend besaß. Der Berg liegt in den Black Hills, die den Ureinwohnern heilig waren. Bei ihnen hieß er „Sechs Großväter“.
Im Jahr 1868 hatten die Indigenen das Land vertraglich zugesichert bekommen. Doch dann fand eine Expedition der US-Armee in den Black Hills Gold. Als die Ureinwohner das Land nicht verkaufen wollten, erzwang die US-Regierung gewaltsam die Abtretung der Berge. In den 1980er Jahren erhielten die Lakota gerichtlich 106 Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen, doch sie verweigern bis heute die Annahme des Gelds, obwohl ein Großteil von ihnen in bitterer Armut lebt. Erst im Juni stellten alle neun Reservate in South Dakota klar, dass sie nach wie vor die Rückgabe der Black Hills verlangen.
Von vornherein gab es viel Widerspruch gegen die monumentalen Präsidentenköpfe: Umweltschützer kritisierten das Denkmal, Gläubige sahen eine Einmischung in Gottes Werk, Einheimische befürchteten hohe Kosten. Das Vorhaben drohte zu scheitern. Aber Borglum schaffte es schließlich, den damaligen US-Präsident Calvin Coolidge auf seine Seite zu ziehen. Coolidge erklärte Mount Rushmore zum nationalen Projekt und versprach Geld aus Washington. Am 10. August 1927 nach Jahren der Planung und Vorbereitung erfolgte der symbolische Baubeginn.
Borglum richtete sein Atelier mit Blick auf den Berg ein. Dieses kann heute noch besichtigt werden. Dort steht auch das Gipsmodell, nach dem Borglum arbeitete.
Mit gezielten Sprengungen, später mit Hammer und Meißel, wurden die Gesichter in den Berg gehauen. Die Arbeiter saßen in Gondeln, die vom Gipfel hinabgesenkt wurden. Sie arbeiteten ohne Absicherung und in großer Höhe, die Präsidentenköpfe befinden sich in rund 1.800 Metern Höhe.
Immer wieder gab es Bestrebungen, Mount Rushmore zu erweitern. Auch Donald Trump würde sich gerne dort oben sehen: 2020 gab es eine Anfrage aus dem Weißen Haus bei der Gouverneurin von South Dakota. Zuletzt forderten Unterstützer die Aufnahme Trumps. Anfang 2025 brachte die republikanische Kongressabgeordnete Anna Paulina Luna einen entsprechenden Gesetzesentwurf ein.
In der Praxis gilt die Erweiterung als unmöglich. Der National Park Service erklärte mehrfach, dass die Felsstruktur keine geeigneten stabilen Flächen für zusätzliche Gesichter bietet.
Im Rückspiegel werden die Präsidentenköpfe langsam kleiner, ein paar Kurven den Berg hinab, dann sind sie verschwunden. Das Monument in South Dakota ist heute ein Symbol nationaler Geschichte und Identität - und erinnert gleichzeitig an ungelöste Konflikte um das Land, Erinnerungskultur und den Umgang mit der Geschichte der indigenen Bevölkerung. Es sind diese Gegensätze, die auch 85 Jahre nach der Fertigstellung noch bleiben.

Köln (epd). Das Umweltamt der Stadt Köln hat die Wasserentnahme aus den 24 offen verlaufenden Bächen auf Kölner Stadtgebiet untersagt. Das per Allgemeinverfügung erlassene Verbot gilt bis zum 31. Oktober, wie die Stadt am 17. Juni mitteilte. Die Kölner Gewässer litten nach geringen Niederschlägen im Frühjahr bereits jetzt unter extremer Trockenheit, hieß es. Aufgrund des ausgebliebenen Regens führten die Bäche immer weniger und teilweise überhaupt kein Wasser mehr.
Eine uneingeschränkte Entnahme von Wasser bedrohe in dieser Situation nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt, sondern gefährde auch die notwendige, natürliche Selbstreinigung der Gewässer, hieß es. Betroffen von dem Verbot sind nach Angaben der Stadt vor allem die rund 800 bis 900 Grundstückseigentümer, deren Gärten direkt an Fließgewässern liegen.
Ähnliche Verbote gibt es auch in anderen deutschen Städten und Kreisen. So gilt im Rhein-Sieg-Kreis ein Wasserentnahmeverbot aus Oberflächengewässern vom 1. Juni bis 31. Oktober. Im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg darf vom 1. Juni bis zum 30. September kein Wasser aus Bächen geschöpft oder gepumpt werden.
Ahrweiler (epd). In Dernau im Landkreis Ahrweiler ist am 19. Juni mit der Strecke zwischen Walporzheim und Laach ein weiterer Teil des durch die Flutkatastrophe 2021 zerstörten Ahr-Radweges wieder freigegeben worden. „Der Ahr-Radweg ist mehr als nur ein Stück Infrastruktur. Er gehört zur Identität des Ahrtals“, sagte Stefan Schmitt, Leiter des Projektbüros Wiederaufbau Ahrtal vom Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz. Der Ahr-Radweg ist insgesamt rund 80 Kilometer lang und verbindet die Quelle der Ahr mit ihrer Mündung in den Rhein bei Remagen.
Landrätin Cornelia Weigand vom Landkreis Ahrweiler erinnerte an die Flutkatastrophe, die sich im Juli zum fünften Mal jährt. Diese habe „unermessliches Leid“ in die Region gebracht. „Die schrittweise Rückkehr in die Normalität gibt uns Kraft und Freude.“ Die Verbindung zwischen den Orten entlang der Ahr sei „für den Alltag der Menschen, für den Tourismus und für das Miteinander in der Region“ wichtig, sagte der rheinland-pfälzische Verkehrsstaatssekretär Markus Wolf. „Dass nun weitere 8,5 Kilometer wieder genutzt werden können, ist ein spürbarer Fortschritt im täglichen Leben vor Ort.“

Düsseldorf (epd). In Nordrhein-Westfalen sollen speziell entwickelte Werkzeuge mit Künstlicher Intelligenz Schulleitungen die alltägliche Verwaltungsarbeit erleichtern. Die Entlastung in der Bürokratie bedeute mehr Zeit für guten Unterricht, erklärte Schulministerin Dorothee Feller (CDU) am 16. Juni in Düsseldorf zum Start der KI-Tools.
Das Schulministerium hat vier neue KI-Assistenzen freigeschaltet, die bei wiederkehrenden organisatorischen und schulrechtlichen Aufgaben entlasten sollen. Eine Assistenz für Schulrechtsfragen, soll auf Grundlage der geltenden Vorschriften und Erlasse helfen, Ordnungsmaßnahmen vorzubereiten oder rechtlich sensible Schreiben zu formulieren. Sie biete Orientierung und Entscheidungshilfen im Schulalltag, ersetze jedoch keine verbindliche Rechtsberatung, hieß es.
Die Assistenz zur Elternkommunikation hilft laut Ministerium dabei, Elternabende oder Elterngespräche vorzubereiten und liefert Textbausteine. Zudem könne sie Schreiben in einfache Sprache übertragen oder mehrsprachig aufbereiten. Weitere KI-Assistenzen zur Medienarbeit oder zum sprachsensiblen Unterricht sollen bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung unterstützen. Das Angebot werde schrittweise ergänzt, hieß es. Geplant seien Assistenzen, die Schulen bei der Vor- und Nachbereitung von Konferenzen, bei der Fortbildungsplanung oder bei der Entwicklung von Partizipationsformaten unterstützen.
Die neuen KI-Assistenzen stehen den Angaben nach auf der Website Lehren und Lernen in der digitalen Welt kostenfrei zur Verfügung. Begleitend baut das Land digitale Fortbildungsangebote aus.
Zudem werden Abfragen der Schulaufsicht an die Schulen reduziert oder vollständig eingestellt. Insgesamt 33 Abfragen bleiben den Angaben nach unverändert bestehen. 43 weitere Abfragen werden vereinfacht. Ersatzlos gestrichen werden Abfragen zu Fachkonferenzvorsitzenden, zu internationalen Aktivitäten an Berufskollegs oder zur Arbeits- und Fortbildungsplanung von Schulleitungen.
Auch das Schulministerium wird eigene Abfragen streichen oder reduzieren. Die amtlichen Schuldaten werden ab dem Schuljahr 2027/2028 direkt aus dem landeseigenen Schulverwaltungsprogramm heraus generiert.

Düsseldorf (epd). In Nordrhein-Westfalen stoßen offenbar immer mehr Menschen im Internet auf diskriminierende, verachtende oder feindselige Äußerungen. Im vergangenen Jahr haben 37 Prozent der User im Alter von 16 bis 74 Jahren im Internet Hassreden wahrgenommen, wie die statistische Landesbehörde IT.NRW am 16. Juni in Düsseldorf zum internationalen Tag für die Bekämpfung von Hassrede (18. Juni) mitteilte. Dies seien hochgerechnet rund 4,7 Millionen Menschen gewesen, die im Rahmen des Mikrozensus diese Selbsteinschätzung angaben. Gegenüber der Vorgängererhebung im Jahr 2023 bedeute dies einen Anstieg um sieben Prozentpunkte.
Unter den 16- bis 44-jährigen Internetnutzern war demnach im vergangenen Jahr mit 48 Prozent nahezu jede und jeder Zweite auf Hasskommentare gestoßen. Bei den älteren Nutzern ab 45 Jahren seien es dagegen lediglich 27 Prozent gewesen, erklärten die Statistiker.
Politische oder gesellschaftliche Ansichten waren offenbar das häufigste Motiv für Anfeindungen. 83 Prozent der User beobachteten in diesen Bereichen Angriffe. Weitere häufige „Zielscheiben“ waren der statistischen Auswertung zufolge die ethnische Herkunft (62 Prozent), die sexuelle Orientierung (56 Prozent) sowie die Religion oder Weltanschauung (54 Prozent). Auch das Geschlecht (39 Prozent), Behinderungen (24 Prozent) und das Alter (17 Prozent) wurden als Beweggründe für Hass im Netz beobachtet. Bei der Frage zu den Angriffszielen der wahrgenommenen Hassrede waren Mehrfachnennungen möglich.
Die Ergebnisse basieren auf der europäischen Erhebung über die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in privaten Haushalten (IKT), die in Deutschland seit 2021 als freiwillige Unterstichprobe in den Mikrozensus integriert ist. Für diese Erhebung werden Personen im Alter von 16 bis 74 Jahren zum Internetzugang und zur Internetnutzung befragt. Die Fragen zur Wahrnehmung von Hassrede werden seit 2023 im zweijährlichen Turnus gestellt und beziehen sich auf die drei Monate vor der Befragung. Im Jahr 2025 ist die Antwortkategorie „Alter“ den Angaben nach als wahrgenommenes Ziel von Hassrede erstmalig separat erhoben worden.

Düsseldorf, Bielefeld (epd). Der nach einer Messerattacke in Bielefeld zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilte Syrer geht gegen das Urteil vor. Wie das Oberlandesgericht Düsseldorf am 17. Juni mitteilte, legte der Mann gegen das Urteil des 5. Strafsenats (AZ: III-5 St 5/25) Revision ein. Über die Revision entscheidet der Bundesgerichtshof.
Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte den 36-jährigen Syrer am 1. Juni wegen vierfachen versuchten Mordes sowie wegen mitgliedschaftlicher Beteiligung an einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu einer lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt. Zudem stellte der Senat eine besondere Schwere der Schuld fest und ordnete Sicherungsverwahrung an.
Der Mann habe sich aus seiner radikal-dschihadistischen Einstellung heraus zu dem Anschlag entschlossen, hatte das Gericht sein Urteil erläutert. Dabei habe er möglichst viele Menschen der westlichen Gesellschaft töten wollen. Die Angegriffenen überlebten nur dank ihrer schnellen ärztlichen Versorgung. Wegen der Zahl der Opfer sowie der Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Den Verletzten, die als Nebenkläger auftraten, sprach das Gericht jeweils Schmerzensgeldbeträge in Höhe von 70.000 Euro zu.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann zwischen Mai 2015 und November 2016 für die terroristische Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien aktiv gewesen ist. Im Jahr 2018 wurde der Mann laut Gerichtsangaben von kurdischen Kräften für acht Monate interniert, bevor er in die Türkei floh. Dort habe er sich zwar vom IS gelöst, aber weiterhin dessen Ideologie angehangen.
Der Syrer hatte am frühen Morgen des 18. Mai 2025 vor einem Lokal in Bielefeld gezielt auf Gäste eingestochen. Dabei wurden vier Personen lebensgefährlich verletzt. Der Mann wurde zunächst von Gästen überwältigt. Kurz vor dem Eintreffen von Polizei und Rettungskräften flüchtete er. Einen Tag später wurde er in Heiligenhaus im Kreis Mettmann festgenommen.
Der Mann lebte vor dem Angriff in einer Flüchtlingseinrichtung in Harsewinkel (Kreis Gütersloh). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte ihm im Dezember 2023 den Aufenthaltsstatus des subsidiären Schutzes erteilt. Der Mann habe sich erneut dem IS als Mitglied anschließen wollen, erklärte das Gericht. Kurz vor der Tat habe er ein Bekennervideo aufgenommen.

Hannover (epd). Wenn das Thermometer wieder auf über 30 Grad Celsius klettert, sind obdachlose Menschen auf dem Land und in den Städten besonders gefährdet. Weil sie kaum einen Ort haben, an dem sie sich zurückziehen können, drohen ihnen gesundheitliche Schäden. Die Diakonie ruft dazu auf, bei großer Hitze besonders auf Menschen ohne Wohnung zu achten. Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke von der Diakonie in Niedersachsen hat fünf Tipps für den Alltag:
Fragen Sie höflich, ob jemand etwas zu trinken braucht. Eine Flasche Wasser kann Leben retten.
Weisen Sie auf schattige Orte oder kühlere öffentliche Gebäude hin, etwa Bibliotheken oder Kirchen.
Zeigen Sie Mitgefühl, sprechen Sie Menschen freundlich an. Viele sind dankbar für Aufmerksamkeit und ein kurzes Gespräch.
Wenn jemand desorientiert wirkt oder reglos in der Sonne liegt, rufen Sie im Zweifel den Notruf (112).
Wer mag, kann Hilfsmittel gegen Hitze für obdachlose Menschen spenden. Besonders gefragt sind Sonnencreme, Sonnenhüte, leichte Kleidung, nährstoffreiche Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel gegen Dehydration sowie Sommerschlafsäcke und Isomatten. Wohlfahrtsverbände wie Diakonie und Caritas nehmen die Spenden entgegen und leiten sie an obdachlose Menschen weiter.

Bonn (epd). Die Zahl der Menschen, die einen Eintrag im Organspende-Register vornimmt, ist gestiegen. Aktuell liegen rund 570.000 Erklärungen vor, Ende 2025 waren es rund 450.000, wie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am 16. Juni in Bonn mitteilte. Insbesondere seit Einführung der elektronischen Patientenakte sei die Zahl der Eintragungen deutlich gestiegen.
In dem Online-Register können Bundesbürger seit gut zwei Jahren dokumentieren, ob sie nach ihrem Tod Organe spenden wollen oder nicht. Möglich ist auch, anzugeben, welche Organe man spenden möchte oder welche nicht. Die Dokumentation ist direkt im Register per Online-Ausweisfunktion oder über Apps der Krankenkassen möglich.
Nach dem am 16. Juni vom Bundesinstitut veröffentlichten Bericht für das vergangene Jahr belegen die Registrierungen die in Umfragen zutage tretende hohe Spendebereitschaft der Deutschen. 81 Prozent der Menschen, die sich registriert haben, stimmen demnach einer Organspende uneingeschränkt zu. Weitere gut sieben Prozent stimmen Spenden mit Einschränkungen zu. Knapp zehn Prozent haben ihren Widerspruch zur Organentnahme festgehalten. Rund zwei Prozent hielten fest, dass eine andere Person entscheiden soll.
Überdurchschnittlich oft widersprechen dem Bericht zufolge Menschen in den ostdeutschen Bundesländern einer Organspende. In Hamburg und Bayern sind die Zustimmungsraten am höchsten. Jüngere Menschen widersprechen deutlich seltener, schließen aber auch häufiger einzelne Organe oder Gewebe von der Spende aus. Bei älteren Menschen ist die Widerspruchsquote relativ hoch (21,5 Prozent der über 80-Jährigen).
Wegen der in Deutschland im Vergleich geringen Zahl von Organspenden wird im Bundestag über eine Neuregelung diskutiert. Aktuell ist Organspender, wer selbst oder dessen Angehörige zustimmen. Eine Gruppe von Abgeordneten will das Prinzip umkehren, indem Organspender wird, wer zu Lebzeiten nicht widersprochen hat.

Berlin, Düsseldorf (epd). Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hält die bekannt gewordenen Vorschläge der Rentenkommission zur Sicherung der Alterseinkünfte für nicht ausreichend. Der „Rheinischen Post“ (21. Juni, online) sagte Fratzscher, die Vorschläge gingen in die richtige Richtung, blieben jedoch „insgesamt zu vorsichtig“. Er vermisste „Mut und Konsequenz“ in dem Papier.
Offiziell will die Kommission ihre Vorschläge am 23. Juni vorstellen. Mehrere Medien berichteten aber bereits am Wochenende über das insgesamt 30 Einzelvorschläge umfassende Papier der Kommission, etwa tagesschau.de, ZDF, Spiegel und „Bild am Sonntag“. Das Gesamtpaket werde von allen 13 Kommissionsmitgliedern getragen, hieß es. Die Kommission warne die Bundesregierung davor, sich einzelne Maßnahmen herauszugreifen, sondern empfehle, den Reformvorschlag als Ganzes anzunehmen.
Das Papier umfasst den Berichten zufolge den Vorschlag, die als „Rente mit 63“ bekannte Frühverrentung nach 45 Beitragsjahren und die von Rentenbeiträgen befreiten Minijobs abzuschaffen. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht länger arbeiten kann, soll demnach künftig leichter in Rente gehen können.
Außerdem sollen mehr Menschen als bislang in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen - etwa Selbstständige, Beamte und Abgeordnete. Zudem empfiehlt die Kommission eine kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Vorbild, die das Rentenniveau mindestens sichern soll.
Differenziert wird den Medienberichten zufolge das Thema Renteneintrittsalter gehandhabt: Eine pauschale Anhebung auf 70 Jahre empfiehlt der Bericht offensichtlich nicht, vielmehr soll das Eintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Steigt die Lebenserwartung um ein Jahr, müssten die Beschäftigten hierzulande nach einem 2:1-Modell wohl acht Monate länger arbeiten und würden vier Monate länger Rente beziehen. Der momentan ausgesetzte Nachhaltigkeitsfaktor soll wieder eingesetzt werden. Damit werden die jährlichen Rentenerhöhungen von Tarifabschlüssen entkoppelt.
Menschen in der Grundsicherung sollen den Berichten zufolge dank größerer Freibeträge mehr Rentenzahlungen behalten dürfen und dadurch insgesamt mehr Geld zur Verfügung haben. Ökonom Fratzscher sieht allerdings die Gefahr von Altersarmut keineswegs gebannt. An den drei größten Problemen - neben Altersarmut die Belastung der jungen Generation und eine „Schieflage bei der Gerechtigkeit“ - änderten die Vorschläge „auf absehbare Zeit nichts Grundlegendes“.
Fratzscher sah in den bekannt gewordenen Vorschlägen „viele kluge und richtige Elemente“, zum Beispiel das höhere Renteneintrittsalter, die kapitalgedeckte Zusatzrente und weniger Frühverrentungen. Der Ökonom forderte aber Nachbesserungen von der Regierung mit dem Ziel, „vor allem die Grundrente zu stärken und armutsfester zu machen, große Einkommen und Vermögen im Alter stärker zu berücksichtigen und die Finanzierung auf nachhaltigere Füße zu stellen“.
Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Frank Werneke: „Eine ganze Reihe“ der 30 Vorschläge sei zwar positiv, doch „im Kern gehen die Pläne an der Lebenswirklichkeit der arbeitenden Menschen vorbei“. Das Rentenniveau solle ab 2031 „deutlich sinken“, doch schon heute reiche die Rente für viele „nicht für ein Leben in Würde“.
Von Änderungen an der Mütterrente, einem CSU-Projekt, und dem SPD-Anliegen, das Rentenniveau bei 48 Prozent zu stabilisieren, sieht die Kommission den Medienberichten zufolge ab. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder lehnte im Gespräch mit der „Bild am Sonntag“ eine Abschaffung der Mütterrente strikt ab.
Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Denis Radtke, wertete die Vorschläge in den Zeitungen der Funke Mediengruppe als „starke Grundlage“. Zu Details wollte er sich zwar bis Dienstag noch nicht äußern, aber „das wichtigste Signal“ sei, dass es „ein einstimmiges Votum“ gebe.

Köln (epd). Die Abschaffung der Hinzuverdienstgrenze für Rentner hat laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) dazu geführt, dass Arbeitnehmer vermehrt vorzeitig in Rente gehen und zugleich weiter Geld hinzuverdienen. So sei der Anteil bei besonders langjährig Versicherten, also Menschen mit 45 Versicherungsjahren, die in der Rente einen hohen und über einen Minijob hinausgehenden Hinzuverdienst haben, nach dem Wegfall der Grenze im Jahr 2023 auf 25 Prozent gestiegen, wie das arbeitgebernahe IW am 19. Juni in Köln mitteilte. 2022 waren es noch 18 Prozent.
Das gleiche Muster zeige sich bei den langjährig Versicherten, die nach 35 Versicherungsjahren schon ab 63 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen können. Hier stieg der Anteil in dem Zeitraum von acht auf 14 Prozent. Für die Studie wurden Daten der Deutschen Rentenversicherung für die Jahre 2018 bis 2024 ausgewertet und mit Beschäftigtendaten abgeglichen. Die Zahlen für 2024 sind vorläufig.
Seit der Reform der Hinzuverdienstgrenze gehen zudem mehr Menschen vorzeitig und mit Abschlägen in Rente und arbeiten nicht mehr bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze. Dabei ist der Anteil der langjährig Versicherten mit 35 Versicherungsjahren von 21,7 Prozent (2020) auf 24 Prozent (2024) gestiegen. Einige Versicherte nähmen die Abschläge dabei offenbar bewusst in Kauf, erklärte das IW.
In diesem Zusammenhang verweisen die Studienautorinnen darauf, dass die Abschaffung der Hinzuverdienstgrenze bei Rentnern das Ziel untergräbt, die Regelaltersgrenze in Deutschland anzuheben. „Die Regierung sendet gegensätzliche Signale an die Babyboomer: Zum einen erhöht sich bis 2031 die Regelaltersgrenze auf 67 Jahre“, sagte die IW-Arbeitsmarktökonomin Stefanie Seele. „Zum anderen werden vorzeitige Renteneintritte für die Gemeinschaft teuer ermöglicht.“ Maßnahmen wie der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze und die Aktivrente seien deshalb kostspielig und lösten das Problem „nicht nachhaltig“.

Berlin (epd). Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler (CSU), warnt vor einer zu hohen finanzielle Belastung für Kinder von Pflegebedürftigen. Sie halte es für falsch, die Grenze von 100.000 Euro Jahreseinkommen zu streichen, ab der Erwachsene für die Pflegekosten ihrer Eltern herangezogen werden können, sagte Staffler dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (15. Juni). Genau das will das Bundesgesundheitsministerium aber erreichen, wenn auch noch nicht mit dem aktuell diskutierten Reformpaket.
„Wir müssen anerkennen, dass die Kinder durch die Hilfebedürftigkeit ihrer Eltern ohnehin belastet werden“, argumentierte Staffler. Insofern gehe es um eine faire Lastenverteilung. Über die richtige Höhe des freigestellten Einkommens sollte aus Stafflers Sicht gesprochen werden. „Ich will der Debatte in der Koalition aber nicht vorgreifen“, fügte die CSU-Politikerin hinzu.
Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), es wäre „eine weitere Verschärfung der sozialen Ungerechtigkeit, wenn Menschen, die weniger als 100.000 Euro verdienen, für die Pflegeheimkosten ihrer Eltern aufkommen müssten“. Viele Menschen würden sich angesichts von Inflation, steigenden Mieten und Energiekosten „jetzt schon den Kopf zerbrechen, wie sie alles zahlen sollen“.
Kann jemand die eigenen Pflegekosten nicht tragen, springt das Sozialamt vor Ort mit der Hilfe zur Pflege ein. Es kann die Kinder der Betroffenen finanziell heranziehen, wenn deren Jahreseinkommen über 100.000 Euro brutto liegt. Geprüft wird dies nur, falls es konkrete Hinweise auf höhere Einkünfte gibt - andernfalls wird angenommen, dass das Einkommen niedriger liegt.
Im aktuellen Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums für die Pflegereform ist bislang keine Änderung vorgesehen. Allerdings heißt es dort, die Regierung strebe „in einem separaten Verfahren eine Rücknahme“ der 2020 eingeführten Regelung an. Dies solle „einen Beitrag zur Entlastung der Kommunen“ leisten.
Staffler räumte ein, dass bei der Pflege drastisch gespart werden müsse. Die Pflegeversicherung habe ein Volumen von rund 70 Milliarden Euro jährlich. „Allein in den nächsten beiden Jahren müssen mehr als 20 Milliarden Euro eingespart werden, um die Pflegeversicherung handlungsfähig zu halten. Mit Klein-Klein kommen Sie da nicht weiter“, sagte die Pflegebevollmächtigte und ergänzte: „Alle müssen ihren Beitrag leisten.“
Das Bundeskabinett soll den Reformentwurf des Gesundheitsministeriums noch vor der parlamentarischen Sommerpause beschließen. Anschließend befassen sich Bundestag und Bundesrat mit den Plänen. Die Reform soll zum Jahreswechsel in Kraft treten.

Gütersloh (epd). Die Haushaltskrise der knapp 400 Kommunen in Nordrhein-Westfalen hat sich im vergangenen Jahr erheblich zugespitzt. Das Defizit ist 2025 in NRW noch einmal um vier Milliarden Euro gestiegen und erreicht den historischen Höchststand von über elf Milliarden Euro, wie der am 19. Juni veröffentliche „Kommunale Finanzreport“ der Gütersloher Bertelsmann Stiftung ergab. Je Einwohner gerechnet sei dies der mit Abstand höchste Wert aller 16 Länder im Bundesvergleich. Bundesweit verzeichneten Städte, Landkreise und Gemeinden 2025 insgesamt ein Rekorddefizit von nahezu 32 Milliarden Euro. Hauptursache blieben die hohen Personal- und Sozialausgaben, hieß es.
Zugleich machen sich demnach die Folgen der schwachen Konjunktur bemerkbar, Einnahmen aus der Gewerbesteuer stagnieren oder fallen deutlich niedriger aus. So verlor die Stadt Köln im vergangenen Jahr rund 200 Millionen Euro, Düsseldorf und Dortmund über 100 Millionen Euro im Vergleich zu 2024. Anders als in früheren Krisen seien nun auch wirtschaftsstarke Regionen wie Ostwestfalen oder das Münsterland erheblich betroffen, heißt es in dem Report.
Besonders deutlich zeigt sich die kritische Lage bei der kommunalen Verschuldung. Ende 2025 erreichten laut Studie die Schulden der Städte, Gemeinden, Kreise und Landschaftsverbände in NRW den Höchstwert von 71 Milliarden Euro. Das sei ein Anstieg von mehr als einem Drittel binnen drei Jahren. Den Kommunen fehlten zunehmend die regulären Einnahmen zur Finanzierung ihrer Aufgaben. Die schwarz-grüne Landesregierung habe zwar ein massives Hilfsprogramm gestartet, um Kassenkredite der höchst verschuldeten Städte in Höhe von insgesamt neun Milliarden Euro aufzufangen. „Die aktuelle Haushaltskrise wird den Rückgang leider in vielen Fällen binnen weniger Jahre wieder zunichtemachen“, prognostizierte Kirsten Witte, Kommunalexpertin der Bertelsmann Stiftung.
Bundesweit nahmen die Schulden der Kommunen laut Finanzreport in den vergangenen drei Jahren um 50 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 196 Milliarden Euro zu. Die deutschen Städte und Gemeinden befänden sich „in der größten kommunalen Finanzkrise seit der Deutschen Einheit“, hieß es. Über Jahrzehnte habe der Bund im Einvernehmen mit den Ländern neue Aufgaben und Standards beschlossen, vom Anspruch auf einen Kindergartenplatz über das Bundesteilhabegesetz zur Ganztagsbetreuung. Finanziert worden seien diese neuen Aufgaben aber nur zeitverzögert, unzureichend oder gar nicht.
Ein von der Bertelsmann Stuftung beauftragter Expertenrat fordert in einer Agenda grundsätzliche Strukturreformen. Kurzfristig könnte unter anderem eine höhere Beteiligung der Kommunen an der Umsatzsteuer die Finanzierungslücke deutlich verringern. Doch langfristig müsse die Aufgaben- und Finanzverteilung zwischen zwischen Bund, Ländern und Kommunen nach dem Prinzip „wer bestellt, zahlt“ neu geordnet werden, sagte der Leiter des Gremiums, der Finanzwissenschaftler Martin Junkernheinrich. „Das gilt insbesondere für die Sozialausgaben.“
Zudem schlägt der Expertenrat eine regelmäßige Erfassung der kommunalen Gesamtbelastung, die Zentralisierung bestimmter Aufgaben sowie mehr Digitalisierung und weniger Förderprogramme vor, um die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden zu sichern. Der „Kommunale Finanzreport“ basiert den Angaben nach auf den aktuellen amtlichen Finanzstatistiken. Erarbeitet wurde die aktuelle Analyse in Kooperation mit der Technischen Hochschule Wildau.

Saarbrücken (epd). Insgesamt 110.000 Menschen haben nach Veranstalterangaben die Sport- und Veranstaltungsstätten der Nationalen Spiele der Special Olympics in diesem Jahr im Saarland besucht. Darunter seien auch die 4.300 Athletinnen und Athleten, betonte die Geschäftsleiterin Programm-Managament der Special Olympics Deutschland (SOD), Wiebke Linnemann-Schweizerhof, am 20. Juni in Saarbrücken. Auch hätten über 9.500 Schülerinnen und Schüler inklusive Betreuungspersonal die Spiele vor Ort erlebt. Die sechstägigen Nationalen Spiele endeten am 20. Juni in Saarbrücken.
„Inklusion funktioniert, wenn wir Menschen abholen, Berührungsängste abbauen und Begegnungen schaffen“, betonte Linnemann-Schweizerhof. Bei den Special Olympics treten Menschen mit geistigen Behinderungen an. Die Athletinnen und Athleten konnten sich in 27 Sportarten an 23 Sportstätten im Saarland und im französischen Forbach messen. Die Nationalen Spiele dienen auch der Qualifikation für die Weltspiele im kommenden Jahr in Santiago de Chile.
Die SOD-Präsidentin Christiane Krajewski unterstrich die „verbindende Kraft des Sportes“. „Unsere Sportlerinnen und Sportler sind stark, sie sind resilient, sie geben mutig ihr Bestes und mit ihrer Haltung sind sie Vorbild für unsere Gesellschaft.“ Für den saarländischen Athleten Tim Theobald waren die Spiele in seinem Heimatbundesland „ein besonderes Erlebnis“. Die Sportlerinnen und Sportler hätten „sich richtig gefreut, egal welche Platzierung sie bekommen haben“.
Die Spiele im Saarland sind laut Sportminister Reinhold Jost (SPD) „kein Schlusspunkt, sondern sie sind ein Trittstein hinsichtlich des Themas der Inklusion im Sport“. Das Bundesland habe mehr als zehn Millionen Euro in Sportstätten investiert, damit die nachhaltige Nutzung weitergehen könne. „Wir haben mit Blick auf das, was wir als Anspruch hatten, unser Sommermärchen erfüllt“, erklärte er.
Zudem habe das Saarland Haltung gezeigt, in einer Zeit, in der Menschen andere auseinanderdividieren und aussortieren wollten, betonte er. Menschen mit geistigen Behinderungen seien anders, aber auch „besonders wertvoll“. „Wir lassen nie wieder zu, dass diese Menschen aussortiert werden“, sagte Jost.

Münster (epd). Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Höheren Kommunalverbände (BAG HKV) fordert eine Reform und verlässliche Finanzierung der Eingliederungshilfe. Angesichts steigender Fallzahlen, wachsender Leistungsausgaben und zunehmender Belastungen der kommunalen Haushalte sei eine Weiterentwicklung des Bundesteilhabegesetzes erforderlich, der Vorsitzende der BAG HKV, Georg Lunemann, am 19. Juni in Münster. „Wenn wir Teilhabe dauerhaft sichern wollen, müssen wir die Leistungen und deren Finanzierung neu ordnen - klarer, wirksamer, steuerbarer und finanziell tragfähig.“
Lunemann mahnte einen Schulterschluss aller Beteiligten an. Bund, Länder, Kommunen, Leistungsträger, Leistungserbringer und Selbsthilfeorganisationen seien gleichermaßen gefordert, tragfähige Lösungen zu entwickeln, erklärte der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Zugleich forderte er eine sachliche Debatte über die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.
So brauche es klare Verantwortlichkeiten, Menschen mit Behinderung sollten uneingeschränkt Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung und der Grundsicherung erhalten, hieß es. Gleichzeitig seien Bürokratie-Abbau sowie transparente Verfahren, verbindliche Standards und eine konsequente Ausrichtung auf die tatsächlichen Teilhabebedarfe erforderlich. Bundesgesetzlich definierte Leistungen sollten künftig dynamisch durch den Bund mitfinanziert werden, da die derzeitige Belastung der kommunalen Ebene langfristig nicht tragfähig sei, hieß es.
Es bestehe die Gefahr, dass die Eingliederungshilfe zunehmend als „Ausfallbürge“ anderer Sozialleistungssysteme wie Pflegeversicherung oder Krankenversicherung fungiert, was ihre Handlungsfähigkeit beeinträchtigt. „Es kann nicht sein, dass Menschen Beiträge zahlen, aber keinen Zugang zu Leistungen erhalten“, betonte Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), mit Blick insbesondere auf die Regelung der Pflegeleistungen in vollstationären Einrichtungen der Behindertenhilfe.
Im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft sind neben LWL und LVR kommunale Leistungsträger aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg sowie Bayern vertreten.

Düsseldorf (epd). Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) warnt vor dem Hintergrund der geplanten Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor Eingriffen in die tarifliche Refinanzierung von kirchlichen Krankenhäusern. Einrichtungen der Diakonie zahlten tarifliche Vergütungen, die nicht nur den gesetzlichen Anforderungen entsprächen, sondern Ausdruck eines christlich geprägten Verständnisses von Arbeit, Würde und Verantwortung seien, teilte die Diakonie RWL am 18. Juni in Düsseldorf mit. Dazu gehörten auch Leistungen wie Zusatzversorgung und Zuschläge für Beschäftigte.
Wenn steigende Löhne nicht mehr vollständig gegenfinanziert würden, werde Personal zwangsläufig zum Sparfaktor, mahnte die Diakonie. „Unsere Tarife stehen für Respekt, Verlässlichkeit und Qualität“, betonte Diakonie-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. Wenn die tarifliche Bezahlung durch unzureichende Refinanzierung unter Druck gerate, sei das „das falsche Signal - für die Beschäftigten ebenso wie für die Patientinnen und Patienten“. Wer eine gute Krankenhausversorgung wolle, müsse „gute Arbeitsbedingungen sichern“.
Sollten Tarifsteigerungen nicht mehr vollständig refinanziert werden, gerieten ausgerechnet diejenigen Träger unter Druck, die Verantwortung für gute Arbeitsbedingungen übernähmen. „Werden Tarif- und Kostensteigerungen weiterhin nicht vollständig refinanziert, führt es zwangsläufig zu Personalabbau, erschwert die Fachkräftesicherung und gefährdet die Versorgungsqualität nachhaltig“, betonte Nils B. Krog, Vorsitzender des Verbandes Evangelischer Krankenhäuser Rheinland-Westfalen-Lippe.
Statt Kürzungen bei der Refinanzierung brauche es strukturelle Antworten, hieß es weiter. Dazu zählten weniger Bürokratie, verlässliche Finanzierung und tragfähige Reformen. Wirksame Einsparpotenziale lägen in einer zielgerichteten Patientensteuerung, der Nutzung ambulanter Potenziale, dem konsequenten Ausbau der Telemedizin, einer Flexibilisierung von Personalvorgaben sowie dem Abbau überflüssiger Melde- und Nachweispflichten.

Düsseldorf (epd). Die Freie Wohlfahrtspflege NRW fordert eine „substanzielle Bildungs- und Qualifizierungsoffensive“. Um die wachsende Zahl junger Menschen ohne Schulabschluss und den Fachkräftemangel in der Wirtschaft effektiv zu bekämpfen, seien verschiedene Maßnahmen nötig, heißt es in dem am 17. Juni veröffentlichten „NRW-Report Arbeitsmarktpolitik“ der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Fehlende Schul- und Berufsausbildungsabschlüsse zögen „immense volkswirtschaftliche, gesellschaftliche und individuelle Folgekosten nach sich“.
Wichtig seien unter anderem eine möglichst früh ansetzende Sprachförderung und die Nutzung des Ganztagsanspruchs an Grundschulen. Zudem dringt die Arbeitsgemeinschaft darauf, „Kernkompetenzen“ zur Sicherstellung von Mindeststandards in den Schulen in den Fokus zu stellen und die berufliche Orientierung und Berufspraxis zu stärken.
Laut dem Report gelingt die Vermittlung von Basiskompetenzen in den Schulen mittlerweile deutlich schlechter als noch vor einigen Jahren. So schneide NRW in den Studien zum IQB-Bildungstrend im bundesweiten Vergleich schwach ab. Die Zahl der Schulabgänger ohne ersten Schulabschluss sei gestiegen: Im Abschlussjahr 2025 beendeten knapp 14.400 Jugendliche oder fast acht Prozent aller Abgänger die Schulzeit ohne Schulabschluss. Das seien 3.300 junge Menschen oder fast ein Drittel (30,1 Prozent) mehr als noch 2015.
Auch das für den Berufseinstieg sowie die Fachkräftesicherung wichtige duale Ausbildungssystem stehe in NRW unter Druck, hieß es. Die Marktverhältnisse seien „zwar nicht exakt bestimmbar“. Die verfügbaren Daten legten aber nahe, dass ein nennenswerter Teil an ausbildungsinteressierten Jugendlichen - fast 40 Prozent - keinen Zugang zum dualen Ausbildungssystem finde.
Zudem habe die Ausbildungsstabilität merklich abgenommen, hieß es. So sei 2024 fast jedes dritte Ausbildungsverhältnis vorzeitig beendet worden. Zudem prägten Unterbrechungs- und Orientierungsphasen die Ausbildung- und Bildungsverläufe vieler junger Menschen. Je nach Indikator und Datenbasis seien bis zu 15 Prozent mindestens vorübergehend davon bedroht oder betroffen, keine Ausbildung zu haben und kein Geld zu verdienen.
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lag laut Report nach vorläufigen Ergebnissen im Jahr 2025 bei etwa 99.200. Gegenüber 2015 habe sich die Zahl um 14,4 Prozent oder 16.700 Personen reduziert. Auch die „verfestigte Ausbildungslosigkeit“ unter jungen Menschen habe zugenommen. Im Jahr 2023 verfügten in NRW 21 Prozent aller 20- bis 34-Jährigen nicht über eine abgeschlossene oder anerkannte Berufsausbildung. Im Bundesländervergleich sei dies der vierthöchste Wert.
Mit der Vorlage der Untersuchung reaktiviert die Freie Wohlfahrtspflege NRW nach vier Jahren Pause ihren früheren „Arbeitslosenreport“ unter einem neuen Titel. Als neuer Partner liefert das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik in Köln den wissenschaftlichen Teil des Berichts. Geplant ist, in jedem Kalenderjahr zwei Reporte zu veröffentlichen.

München (epd). Hunde, sagt Karina Brändlin, seien wie Spiegel: „Sie verhalten sich je nachdem, wie es mir geht.“ Auf dem Fußboden eines hellen Raums des Sozialdiensts katholischer Frauen in der Münchner Innenstadt liegen allerlei Dinge herum: Gummibälle, Seile, orangefarbene Kegel. Dazwischen ist Skipper unterwegs. Der schwarze Flat Coated Retriever ist zweieinhalb Jahre alt, wiegt an die 40 Kilo und bildet zusammen mit Sozialpädagogin Brändlin ein Team.
„Straffrei mit vier Pfoten“ nennt sich das „hundegestützte Achtsamkeit- und Kommunikationstraining“ für straffällig gewordene Mädchen und junge Frauen, für das Skipper und Brändlin tätig sind. Es richtet sich an Mädchen und junge Frauen im Alter von 14 bis 20 Jahren, denen diese "Kurzzeitintervention von einem Jugendgericht im Rahmen eines Strafverfahrens auferlegt wurde.
„Wie Menschen mit dem Hund umgehen, sagt viel über deren Persönlichkeit aus“, erklärt die Pädagogin. Sie hat einige der Kegel in einer Reihe aufgestellt und demonstriert, wie die Frauen und Mädchen mit Skipper an der Leine um diese Kegel herumgehen müssen. Und zwar so, wie der Mensch es will, und nicht der Hund. Denn der reagiert auf die Signale des Menschen am anderen Ende der Leine, und manchmal klappt diese Kommunikation und manchmal nicht.
„Man kann aus dem Umgang mit dem Hund viel über sich selbst und das eigene Verhalten erfahren“, erklärt die Sozialpädagogin. Im Fachjargon heißt das: „Interaktive Übungen mit einem Hund machen Verhaltens- und Kommunikationsmuster sichtbar. Die unmittelbare Reaktion des Therapiehundes ermöglicht eine Arbeit im Hier und Jetzt.“
Seit gut 120 Jahren kümmert sich der Sozialdienst katholischer Frauen um straffällig gewordene Mädchen und Frauen, betreut sie während und nach der Haft, hilft im Umgang mit Behörden und Gerichten. Zum Beispiel, wenn es um die Umwandlung von Haftstrafen in gemeinnützige Arbeit geht.
Der Ablauf bei „Straffrei mit vier Pfoten“ sieht dabei so aus: Zunächst führt die Sozialpädagogin mit den Teilnehmerinnen ein Erstgespräch. Dann geht es in kleinen Gruppen zwei Stunden am späten Nachmittag um den Umgang mit den Hunden, meist sind das insgesamt vier Termine an Werktagen. Schließlich steht noch ein Abschlussgespräch auf dem Programm.
Im Trainingsprogramm geht es um das Anpacken psychischer Probleme: Etwa wenn es Mädchen und jungen Frauen schwerfällt, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, zu äußern und sie auch adäquat durchzusetzen. Oder wenn sie sich gegen Forderungen und Wünsche anderer nicht abgrenzen können, also auch mal Nein zu sagen.
Da ist zum Beispiel die 16-jährige Anja. Sie ist in einer Suchtfamilie aufgewachsen, schwänzte die Schule, es gab Bußgelder, schließlich schickte sie das Jugendgericht in die Hunde-Therapie. Doch Anja erschien nicht zum vereinbarten Termin. „Ich habe sie dann zu Hause mit dem Hund besucht“, erzählt Brändlin, danach schöpfte das Mädchen Vertrauen, kam zu den Terminen.
Bei der Therapiearbeit mit dem Hund ging es dann um die Selbstwahrnehmung, die Reflexion über das eigene Verhalten - und was man anders machen könnte. „Mich interessiert dann: Inwieweit ist das Mädchen zum Beispiel fähig, Grenzen zu setzen?“, sagt die Sozialpädagogin.
Für diese Therapiearbeit hat Hund Skipper auch eine Hundeschule hinter sich, er ist ein ausgebildeter Therapiebegleithund mit Wesenstestgutachten, sein Frauchen geprüfte Therapiehundeführerin. Es geht darum, dass der Hund steigende Stresspegel aushält, keinesfalls beißt. Dafür gibt es dann auch ab und zu ein Leckerli.
Manchmal ist das Gespann Pädagogin-Hund in der Justizvollzugsanstalt Aichach bei Augsburg. Hier ist die Teilnahme freiwillig, im Gegensatz zu den richterlich angeordneten Stunden für straffällige Mädchen und junge Frauen. Für die Inhaftierten bietet der Kontakt mit dem Hund eine Abwechslung im Gefängnisalltag. „Da ging die Tür auf, und eine hoch traumatisierte Frau kam herein und hat den Hund umarmt“, erzählt Brändlin. „Das muss der Hund dann aushalten.“
Düsseldorf (epd). Die Zahl der Drogentoten in Nordrhein-Westfalen ist binnen eines Jahres um elf Prozent gestiegen. Im Jahr 2024 starben im bevölkerungsreichsten Bundesland 441 Menschen durch Drogenmissbrauch, wie das Statistische Landesamt (IT.NRW) am 22. Juni in Düsseldorf mitteilte. Im Vorjahr wurden 398 Todesfälle durch Drogenkonsum verzeichnet. Die bislang höchste Zahl von Drogentoten habe es 2008 mit 444 Todesfällen gegeben, erklärte die Statistikbehörde zum Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel am 26. Juni.
Den meisten Todesfällen durch Drogenmissbrauch lag mit 71 Prozent eine psychische Störung und Verhaltensstörung durch sogenannte psychotrope Substanzen - ohne Alkohol und Tabak - zugrunde. Zu dieser Gruppe gehören Menschen, die an den Folgen ihrer Drogensucht und daraus entstehenden Erkrankungen starben. Im Jahr 2024 waren dies in NRW 314 Betroffene, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) dieser Gruppe starben infolge der Kombination verschiedener Substanzen, 17 Prozent durch den Konsum von Opioiden.
Die Zahl der Todesfälle durch Vergiftungen mit Medikamenten - etwa mit Betäubungsmitteln, Halluzinogenen, Antiepileptika, Sedativa, Hypnotika, Antiparkinsonmitteln oder Psychostimulanzien - lag im Jahr 2024 mit 127 gemeldeten Fällen auf Vorjahresniveau (128 Fälle). In 58 Fällen handelte es sich laut Todesbescheinigung um eine vorsätzliche Selbstvergiftung.
Die Angaben der Statistiker basieren auf den von den Gesundheitsämtern übermittelten Todesbescheinigungen. Die Zuordnung der Todesursachen in der Todesursachenstatistik basiert auf den Angaben der Ärzte, die die Leichenschau vornehmen und die Todesbescheinigungen ausstellen. Diese werden in einem elektronischen Kodiersystem erfasst, das dann das Grundleiden nach der internationalen Klassifikation von Krankheiten ermittelt.

Düsseldorf (epd). Die NRW-Landesregierung lädt jede und jeden ein, sich an dem neuen „Aktionsbündnis Du+Wir=Eins. Nordrhein-Westfalen gegen Einsamkeit“ zu beteiligen. „Politik kann Einsamkeit nicht alleine lösen, wir brauchen die ganze Gesellschaft“, erklärte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) am 20. Juni in Düsseldorf. „Wir alle tragen Verantwortung, einander zu unterstützen und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich jeder Mensch wertgeschätzt und verbunden fühlt.“
Ziel des Bündnisses ist es laut NRW-Staatskanzlei, „das vielfältige Engagement gegen Einsamkeit im ganzen Land sichtbar zu machen, weitere Sensibilisierung zu schaffen und die landesweite Vernetzung bestehender Akteure und Projekte zu unterstützen und weiter zu stärken“. Mitmachen könnten sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Vereine, Verbände, Stiftungen, Unternehmen und Kommunen. Die Umsetzung des Bündnisses ist demnach eine Maßnahme aus dem gleichnamigen Aktionsplan der Landesregierung gegen Einsamkeit, den diese im Dezember 2024 verabschiedet hatte. Darin waren 100 Maßnahmen aus allen Ressorts sowie 200 Ideen von Menschen, Institutionen und Verbänden eingeflossen.
„Einsamkeit ist die neue soziale Frage unserer Zeit“, betonte Wüst. Mittlerweile sind laut Staatskanzlei auf der zentralen Plattform der Landesregierung über 900 Hilfsangebote, Projekte und Initiativen gegen Einsamkeit in ganz Nordrhein-Westfalen zu finden. Diese reichten von Selbsthilfegruppen über Seniorennetzwerke bis zu speziellen Angeboten für Jugendliche. Dazu zählten etwa ein „Back-Café“ in Oberhausen oder eine „Plauderkasse“ in Kempen.
Dresden, Köln (epd). Die Bundesversammlung des Malteser Hilfsdienstes hat in Dresden den früheren Generalleutnant der Bundeswehr, Martin Schelleis, zum Präsidenten gewählt. Er folgt auf Georg Khevenhüller, der die ehrenamtliche Tätigkeit acht Jahre lang ausübte, wie die katholische Hilfsorganisation am 20. Juni in Köln mitteilte. Der 66-jährige Schelleis engagiere sich bereits seit zwei Jahren ehrenamtlich als Malteser-Bundesbeauftragter für Krisenresilienz, Sicherheitspolitik und zivil-militärische Zusammenarbeit.
„Gerade bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, der Begleitung älterer und behinderter Menschen, dem Kampf gegen Einsamkeit und dem Zivil- und Bevölkerungsschutz würde vieles ohne die ehrenamtlich Aktiven gar nicht funktionieren“, betonte der neu gewählte Präsident. „Dies den politischen Entscheidungsträgern immer wieder vor Augen zu führen, damit sie für deutlich verbesserte strukturelle Voraussetzungen sorgen - das wird eines meiner wichtigsten Ziele sein.“ Der Malteser Hilfsdienst hat nach eigenen Angaben rund 59.000 Ehrenamtliche sowie 35.000 Mitarbeitende.
Lengerich (epd). Der katholische Sozialpfarrer Peter Kossen beklagt ein gesellschaftliches Desinteresse für die prekäre Lage von Arbeitsmigranten. Menschenhandel und moderne Sklaverei seien keine Probleme ferner Länder, sondern fänden auch mitten in Deutschland statt, erklärte der Theologe am 16. Juni im westfälischen Lengerich. Die Fleischindustrie, Paketdienste, Gebäudereinigungsfirmen oder der Bausektor suchten mittlerweile weltweit nach Arbeitskräften, „die sie wie Maschinen anmieten, verschleißen und dann entsorgen“.
Kossen bietet Arbeitsmigrantinnen und -migranten mit seinem Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ kostenlose Rechtsberatung und Sprachkurse an. Die Menschen lebten in einer „dunklen Parallelwelt“ der ausbeuterischen Abhängigkeiten, sagte der Vorsitzende des Vereins. Fehlende gesellschaftliche Aufmerksamkeit erleichtere Ausbeutung, Betrug und Demütigung.
Als besonders grausame Form des Menschenhandels nennt der Sozialpfarrer des Bistums Essen die Zwangsprostitution. „Deutschland gilt als das Bordell Europas“, erklärte er. Viele Frauen und Mädchen aus Rumänien und Bulgarien würden unter falschen Versprechungen nach Deutschland gebracht und anschließend zur Prostitution gezwungen. Gewalt, Einschüchterung und Abhängigkeit seien dabei zentrale Mittel der Kontrolle. Betroffen seien oft Roma, Analphabetinnen, nicht selten Minderjährige.
Kossen forderte die Politik ebenso wie die Kirche dazu auf, Menschenhandel und moderne Sklaverei konsequent zu bekämpfen. Angesichts des Ausmaßes des Unrechts dürfe es kein Wegschauen und kein Schweigen geben, betonte er mit Blick auf die im Mai veröffentlichte erste Enzyklika von Papst Leo XIV., in der das Kirchenoberhaupt ein Vorgehen gegen Menschenhandel und Ausbeutung anmahnt. Notwendig seien Prävention, Schutz und konkrete Hilfe für die Betroffenen, so Kossen.
Düsseldorf (epd). Weniger als die Hälfte der in der Privatwirtschaft beschäftigten Arbeitnehmer erhält nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung Urlaubsgeld. Nach einer Online-Befragung des Internet-Portals Lohnspiegel.de bekommen nur 44 Prozent der Beschäftigten diese zusätzliche Leistung, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung am 16. Juni in Düsseldorf mitteilte. Von den tarifgebundenen Betrieben zahlen 73 Prozent den Beschäftigten ein Urlaubsgeld, die übrigen nur zu 35 Prozent.
Neben der Tarifbindung spielen dabei laut WSI unter anderem die Betriebsgröße und der Standort des Unternehmens eine Rolle. Von den Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zahlen 61 Prozent Urlaubsgeld, bei den kleineren Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten sind es nur 37 Prozent. In Westdeutschland erhalten demnach 46 Prozent der Arbeitnehmer das zusätzliche Entgelt, in Ostdeutschland dagegen nur ein Drittel.
Als Ursachen führt die Böckler-Stiftung an, dass größere Betriebe häufiger tarifgebunden sind als kleinere und in Ostdeutschland die Tarifbindung niedriger ist als im Westen. Zudem profitieren Frauen mit 39 Prozent weniger vom Urlaubsgeld als Männer (49 Prozent). Insgesamt hatte das Portal Lohnspiegel.de den Angaben zufolge von Mai 2025 bis Ende Mai 2026 rund 50.000 Arbeitnehmer befragt.
Wie hoch das tarifliche Urlaubsgeld ausfalle, hänge von den Regelungen in den einzelnen Tarifverträgen ab, hieß es. Die Spannbreite reicht von 186 Euro bei den Beschäftigten in der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 2.904 Euro für Angestellte der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie in Westfalen-Lippe, wie das WSI-Tarifarchiv ermittelte.
Das Institut weist außerdem darauf hin, dass es in einigen Branchen oder Großunternehmen mit bundesweiten Tarifverträgen beim Urlaubsgeld keine Ost-West-Unterschiede mehr gebe. Dazu zählten zum Beispiel das Versicherungsgewerbe, das Gebäudereinigungshandwerk und die Deutsche Bahn AG. Auch in der Druckindustrie und der Chemischen Industrie gibt es demnach ein einheitliches Urlaubsgeld.

Münster (epd). Ihren wohl größten Erfolg hatten Münsters Skulptur Projekte im Jahr 2017, als die Kunst ins Wasser ging. Damals ließ die türkische Künstlerin Ayşe Erkmen einen Steg in den Binnenhafen der Stadt bauen, über den Jung und Alt „auf dem Wasser“ wandeln konnten. Tausende Menschen folgten fröhlich dieser Einladung und holten sich nasse Füße und Waden, denn der 64 mal 6,4 Meter Gittersteg war unter der Wasseroberfläche verborgen. „On Water“ hieß das Projekt, das ideell der Bosporus-Verbindung zwischen Europa und Asien in Istanbul huldigte.
Ob Kunstfreunde aus Münster und Touristen für die nächsten Skulptur Projekte im kommenden Jahr auf einen vergleichbaren Publikumsmagneten hoffen können, wird sich am 30. Juni zeigen: Dann geben die künstlerischen Leiterinnen des Kuratorinnenkollektivs „What, How & for Whom / WHW“ erste Einblicke in ihre Pläne. Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović sind Nachfolgerinnen des renommierten Ausstellungsmachers Kasper König (1943-2024). Er hatte gemeinsam mit dem damaligen Direktor des Westfälischen Landesmuseums, Klaus Bußmann, die Ausstellung zu Kunst im öffentlichen Raum in Münster ins Leben gerufen. Daraus gingen schließlich im Zehn-Jahres-Rhythmus die Skulptur Projekte hervor.
Die drei Kuratorinnen aus Zagreb, die von 2019 bis 2024 die künstlerische Leitung der Kunsthalle Wien innehatten, arbeiten bereits seit 27 Jahren zusammen. Über das Studium der Kunstgeschichte lernten sie sich in der Hauptstadt der Republik Kroatien nach den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien kennen. Ihre gemeinsame Liebe zu Büchern und Literatur befeuerte ihr erstes Ausstellungsprojekt zum „Kommunistischen Manifest“ von Karl Marx und Friedrich Engels. 2000 organisierten sie in Zagreb eine Themenschau mit Künstlern aus allen Teilen Ex-Jugoslawiens. Sie thematisierte drei zentrale Fragen des Werks nach dem Was, Wie und für Wen von Wirtschaftsorganisation und Kunstproduktion. Daraus entstand der Name ihres Kollektivs: „What, How & for Whom“.
Hermann Arnhold, Direktor des gastgebenden LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster, hebt die soziale und politische Bedeutung der Kunst hervor. „Es gibt eine neue Künstlergeneration, und sie wurde aufgefordert, sich intensiv mit der Stadt zu beschäftigen, auch mit den Außenbezirken“, sagt er zur Arbeit des Kuratorinnen-Teams. Der Landschaftsverband Westfalen-Münster (LWL) ist mit der Stadt Münster größter Förderer des Großprojekts. Auch die Kulturstiftung des Bundes, das Land Nordrhein-Westfalen sowie Sponsoren fördern die Ausstellung. Für die vergangene Ausgabe 2017 betrug der Gesamtetat 7,7 Millionen Euro.
Ziel der Gründer der Skulptur Projekte war es einst, das beschauliche Münster mit modernen Skulpturen und Plastiken vertraut zu machen. So war 1975 der geplante Ankauf von George Rickeys kinetischer Skulptur „Drei rotierende Quadrate“ in der Stadt auf große Empörung gestoßen. In den Leserbriefdebatten hieß es damals: „Ich finde das Wibbeldings blöde“ oder „Sollten lieber einen Kiepenkerl aufstellen“ - nachzulesen im 2017 erschienenen Buch „Skulpturen-Geschichten“. Auch das für die erste Ausstellung entstandene Werk aus drei Meter hohen Stahlplatten von Richard Serra (1938-2024) auf dem heutigen Schlossplatz provozierte ähnliche Entrüstung sowie zehn Jahre später dessen 24 Tonnen schwere Skulptur „Trunk“.
Doch in manchem Fall wandelten sich Ablehnung und Fremdeln über die Ausstellungsjahre hinweg in Zuneigung und Stolz. Das beste Beispiel sind die „Giant Pool Balls“ des schwedisch-amerikanischen Bildhauers Claes Oldenburg (1929-2022). Anfangs als „Atomeier“ verspottet, wurden sie zum touristisches Merkmal am innerstädtischen Aasee. Die meisten Werke sind zwar nur einen Sommer lang zu sehen, einige werden aber auch angekauft. Auf Initiative der Stadtgesellschaft wurde zuletzt 2017 die Brunnenskulptur „Sketch for a Fountain“ der US-Amerikanerin Nicole Eisenman für Münster gesichert.
Bei einer klassischen Umsonst-und-draußen-Veranstaltung können Besucherzahlen nur geschätzt oder vom Katalogverkauf und Fahrradverleih hochgerechnet werden: Rund 650.000 Menschen sollen es bei der vergangenen Skulptur Projekte gewesen sein, als 35 Projekte von insgesamt 41 Künstlern aus 19 Ländern im Stadtgebiet zu sehen waren. Die Pressestimmen waren positiv. „Münster fliegen die Sympathien zu“, war etwa im Berliner „Tagesspiegel“ zu lesen.

Saarbrücken (epd). Ein elektrischer Stuhl. Ganz allein für sich. In zehnfacher Ausführung und in unterschiedlichen Pastellfarben. Die Siebdruckreihe „Electric Chair“ von Andy Warhol (1928-1987) aus dem Jahr 1971 ist seit 20. Juni in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums in Saarbrücken zu sehen. Das Motiv werde sofort mit Tod und staatlicher Gewalt verbunden, erläutert Museumsdirektorin Lisa Felicitas Mattheis. Durch die Pastellfarben bekomme es aber etwas Verspieltes. Vorlage war ein Pressefoto aus dem Jahr 1953 aus dem Hinrichtungsraum des Sing-Sing-Gefängnisses in New York. „Warhol zeigt nicht den Moment des Todes, sondern nur den medial verbreiteten Ort staatlicher Tötung“, heißt es im Objekttext.
Unter dem Titel „Andy Warhol. Ikonen“ sind bis zum 18. Oktober rund 120 Arbeiten, darunter fünf vollständige Werksätze, zu sehen. Sie zeigen, was Warhols künstlerisches Schaffen laut Mattheis auszeichnet: Serialität, Wiederholung und leichte Variation. Die Siebdrucke, Zeichnungen und Druckgrafiken decken eine Spanne von Mitte der 1950er Jahre bis zu seinem Todesjahr 1987 ab. Seine ersten Bleistift- und Tuschezeichnungen zeigen etwa seine Auseinandersetzung als Werbegrafiker mit Mode, aber auch verspielte Motive wie Engelsfiguren. Ab 1962 hat er laut Mattheis angefangen, mit Siebdrucken zu experimentieren. Und wurde dadurch der Warhol, der heute bekannt ist.
Geboren in Pittsburgh als Sohn einer ruthenisch-katholischen Einwandererfamilie aus der heutigen Ostslowakei, sei er mit byzantinisch-katholischen Ikonen aufgewachsen, erläutert die Museumsdirektorin. Dementsprechend fänden sich in seinen ersten Bleistift- und Tuschezeichnungen immer mal wieder Goldelemente. In späteren Werken habe er anstelle von Gold mit Silber als Farbe gearbeitet - geprägt vom Raumfahrtzeitalter und dem Gedanken von Fortschritt. Ein Beispiel dafür ist ein Selbstporträt auf silberbeschichteten Papier aus dem Jahr 1967.
„Andy Warhol hat nicht nur zu einem Zeitpunkt an einem Motiv gearbeitet“, betont Mattheis. Vielmehr habe er es Jahre später wieder aufgegriffen. Ein Beispiel dafür ist das bekannte Porträt der Schauspielerin Marilyn Monroe. 1962 habe er ein erstes Bild erstellt, 1967 den zehnteiligen Werksatz und im Jahr 1981 noch einmal ein Werbemotiv, erläutert die kunst- und kulturwissenschaftliche Vorständin der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Auch die Porträtreihe über den früheren chinesischen Staatschef Mao Zedong ist zu sehen.
„Andy Warhol war fasziniert von Berühmtheit - ihrer Strahlkraft ebenso wie ihrer Künstlichkeit“, erklärt die Stiftung. Die von ihm aufgegriffenen Gesichter seien keine privaten Menschen, sondern durch Medien geformte und millionenfach reproduzierte Bilder. „Warhol interessiert nicht die Person hinter dem Porträt, sondern das Bild, das die Öffentlichkeit von ihr besitzt“, hieß es. Das Gesicht werde zur Oberfläche, zur Maske, zum Logo.
Die Ausstellung ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Der erste Teil greift seine Biografie und erste Werke auf, danach folgen die Star-Porträts und Alltags-Ikonen wie die Campbell's Suppendose. Unter der Überschrift „Death and Disaster“ ist neben dem elektrischen Stuhl unter anderem auch eine Art Dokumentation über das Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy zu sehen: Die Mappe „Flash - November 22, 1963“ umfasst elf Siebdrucke sowie Textseiten, die an Nachrichtenticker erinnern.
Im Bereich „Kunst über Kunst“ sind Werke zu sehen, in denen Warhol andere Kunstwerke aufgriff - etwa aus der Renaissance von Leonardo da Vinci oder Sandro Botticelli. Dabei setzt er laut Mattheis Ausschnitte in Szene, die normalerweise übersehen werden. Auch mit Edvard Munch habe er sich auseinandergesetzt und 1984 eine 15-teilige Serie veröffentlicht. Eines der Werke, „Der Schrei“, ist auch in Saarbrücken zu sehen. Den Abschluss bildet unter anderem eine Auseinandersetzung mit dem US-amerikanischen Mythos: Zu sehen sind Porträts von „Uncle Sam“ und der Hexe aus dem Zauberer von Oz.
Bielefeld, München (epd). „Ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe“, sagte sie 1971, zwei Jahre vor ihrem Tod. Das Ringen um eine neue Sprache angesichts der Gräueltaten von Nazi-Tätern blieb das Lebensthema der Autorin Ingeborg Bachmann. Sie steht auch für den Kampf um künstlerische Selbstbestimmung in einem von Männern dominierten Kunst- und Literaturbetrieb.
Am 25. Juni jährt sich Bachmanns Geburtstag zum 100. Mal. Ihre „unbedingte Hingabe an die Literatur“ sowie ihre „radikale Art, an die Grenzen des Sagbaren zu gehen“, mache auch heute noch die Faszination der Autorin aus, sagt der Autor der Biografie von „Ingeborg Bachmanns München“ (2026), Nicola Bardola, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mit dem Hinterfragen der Geschlechterrollen sei sie ihrer Zeit voraus gewesen. Und oft werde vernachlässigt, dass sie auch „einen großartigen Humor“ gehabt habe.
Bachmann kam 1926 im österreichischen Klagenfurt zur Welt. 1953 erhielt sie für Gedichte aus ihrem ersten Lyrikband „Die gestundete Zeit“ den Preis der Gruppe 47, einem mittlerweile legendären Verbund von Nachkriegsdichtern. Schon ein Jahr später würdigte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sie mit einer Titel-Story. Ein Hauch von Glamour und Weltläufigkeit umgab die zuletzt in Rom lebende Autorin.
Von heute aus betrachtet sei „es der Mut, im Schreiben wie im Leben bis zum Äußersten zu gehen, der diese Schriftstellerin so einmalig macht“, schreibt Andrea Stoll in ihrer aktuellen Bachmann-Biografie „Zwei Menschen sind in mir“ (2026). Bachmann sei eine der bedeutendsten europäischen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Zu ihren bekanntesten Werken gehören neben den Lyrik-Bänden „Die gestundete Zeit“ und „Anrufung des Großen Bären“ der Roman „Malina“ sowie das Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“.
Traumata bestimmten das Schreiben der hypersensiblen Autorin. Besonders der Einmarsch der Nazi-Truppen in Österreich und die später erst bekannt gewordene Parteimitgliedschaft ihres Vaters in der österreichischen NSDAP ließen sie ihr Leben lang nicht los.
„Es hat einen bestimmten Moment gegeben, der hat meine Kindheit zertrümmert“, sagte sie 1971 in einem Interview über den Einmarsch in Klagenfurt. „Es war etwas so Entsetzliches, dass mit diesem Tag meine Erinnerung anfängt: durch einen zu frühen Schmerz, wie ich ihn in dieser Stärke vielleicht später überhaupt nie mehr hatte.“
Bachmann sei die erste deutschsprachige Schriftstellerin von Rang gewesen, die diesen Schmerz zu einem großen Thema ihrer Literatur gemacht habe, schreibt die Biografin Stoll. „Nie würde sie bei der Wahl ihrer Themen frei sein, immer lag eine Last auf ihren Schultern, die sie mit ihrem Schreiben abtragen wollte.“
Aufgewachsen ist Bachmann mit zwei Geschwistern in Klagenfurt. Ihr Vater, ein Schuldirektor, brachte ihr Italienisch bei, setzte sich für die Veröffentlichung ihrer frühen Lyrik ein und ermöglichte ihr durch eine Hypothek auf das Haus ein Studium direkt nach dem Krieg. Bachmann studierte Philosophie, Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie zuletzt in Wien. In ihrer Dissertation setzte sie sich kritisch mit der Existenzialphilosophie Martin Heideggers auseinander.
Für den österreichischen Rundfunk bearbeitete sie Theaterstücke, schrieb Hörspiele und Filmkritiken. Beim Bayerischen Rundfunk in München war sie Dramaturgin.
Als freie Schriftstellerin lebte sie später in Rom, Neapel und Zürich. Gegenüber Männern blieb sie ihr Leben lang autark. Mit dem Schweizer Autor Max Frisch lebte sie mehrere Jahre in einer offenen und schwierigen Beziehung. Auch mit dem jüdischen Dichter Paul Celan verband sie eine langjährige Liebesbeziehung, mit Hans Magnus Enzensberger hatte sie eine Affäre.
Der homosexuelle Komponist Hans Werner Henze, mit dem sie eine enge Freundschaft verband, erklärte einmal: Bachmann habe nie von der Emanzipation der Frau gesprochen. „Es war kein Ziel für sie, sie war es, sie brauchte es nicht.“ Der Preis, den sie dafür habe zahlen müssen, sei jedoch „sehr hoch“ gewesen.
In ihren letzten Jahren in Rom entstand ihr Roman „Malina“, der als Teil einer nicht mehr vollendeten Romantrilogie „Todesarten“ geplant gewesen war. Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bezeichnete „Malina“ als „poetischen Krankheitsbericht, als das Psychogramm eines schweren Leidens“. Biografin Stoll erklärt, in jenen Jahren habe Bachmann Gewaltstrukturen im Spiel der Geschlechter erkannt, die sie als Versuch einer Auslöschung empfunden habe, „als unbedingtes Vernichtenwollen von etwas, das man nicht verstehen kann“.
Am Ende von Ingeborg Bachmanns Leben stehe „die Leidende, die in einem aseptischen Krankenhauszimmer über Wochen isoliert wird und keinen geliebten Menschen sieht“, so beschreibt es Dieter Burdorf in seiner Biografie „Dieses unruhige Ich“ (2026). Durch ein Alkoholproblem und die massenhafte Einnahme von Betäubungs- und Aufputschmitteln schlief Bachmann immer öfter mit brennender Zigarette ein.
In der Nacht auf den 26. September 1973 wurde sie wegen eines Brandunfalls in ihrer Wohnung in das römische Krankenhaus Sant‘Eugenio gebracht. Durch zusätzliche Komplikationen, die mit falschen Beurteilungen ihrer Medikamentenabhängigkeit durch die Ärzte zusammenhängen sollen, fiel sie ins Koma. Ingeborg Bachmann starb am 17. Oktober 1973 im Alter von 47 Jahren.
Essen (epd). Die europäische Wander-Biennale Manifesta 16 hat am 20. Juni in Essen ihre Eröffnung gefeiert. „Künstlerinnen und Künstler von Weltruf liefern uns ihre Ideen für ein zweites Leben unserer Kirchenbauten“, erklärte Kulturministerin Ina Brandes (CDU). Das Kulturfestival macht zwölf Kirchen im Ruhrgebiet zu Veranstaltungsorten für Kultur, Kreativität, Dialog und Begegnung.
Es zeige, „welch großes Potenzial in unseren Kirchen steckt, auch wenn viele von ihnen in Zukunft nicht mehr für Gottesdienste genutzt werden“, betonte Brandes. Das Programm mit dem Titel „This is not a church“ erforscht den Veranstaltern zufolge, wie Kultur gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, öffentliche Räume nutzbar machen und Nähe zwischen Menschen fördern kann. Es ist bis 4. Oktober in zwölf umgenutzten Kirchengebäuden in Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Duisburg geplant.
Das Programm umfasst neben Kunst, Lesungen, Führungen, Bildungsformaten und Begegnungsaktionen auch Workshops zum Mitmachen. Eines der zentralen Themen der Biennale sei es, nicht-kommerzielle öffentliche Räume zu schaffen, in denen Menschen zusammenkommen, Zeit verbringen und den Alltag gestalten können, hieß es.
Besucherinnen und Besucher können etwa in der Kirche St. Josef in Gelsenkirchen Basketball spielen, bei „Open Walks“ die Ausstellungsorte und ihre Umgebung kennenlernen, beim Workshop „Go(o)d Kitchen“ in Oberhausen gemeinsam bauen und kochen, beim Projekt „Sing our Songs!“ Arbeiterlieder singen, an Schreibworkshops teilnehmen oder mit dem spanischen Designer Curro Claret aus alten Kirchenbänken Neues bauen.
Ziel der Manifesta sei es auch, eine Antwort auf die sich verändernden sozialen, politischen, ökologischen und kulturellen Bedingungen in Europa zu finden, hieß es. Die Wander-Biennale mit zeitgenössischer Kunst und Kultur ist alle zwei Jahre in einer anderen europäischen Stadt zu Gast. Sie wurde 1996 in Rotterdam ins Leben gerufen.

Duisburg (epd). Für sein künstlerisches und gesellschaftliches Engagement erhält der Pianist Igor Levit den diesjährigen Musikpreis der Stadt Duisburg. Igor Levit zähle seit Jahren zu den prägendsten Musikerpersönlichkeiten seiner Generation, teilte die Stadt am 19. Juni mit. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 30. September in der Philharmonie Mercatorhalle in Duisburg verliehen.
Igor Levit sei auf den großen internationalen Konzertpodien ebenso zu Hause wie in den zentralen Werken des klassischen Repertoires, hieß es. Zugleich positioniere sich der 1987 geborene Künstler mit großer Klarheit gegen Antisemitismus, Hass und Ausgrenzung und nutze seine Bekanntheit für gesellschaftliche Debatten. Levit ist seit 2019 Professor für Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.
„Igor Levit steht für eine Künstlerpersönlichkeit, die weit über den Konzertsaal hinauswirkt. Seine Stimme hat in unserer Gesellschaft Gewicht - musikalisch wie menschlich“, erklärte Hans Jürgen Kerkhoff, Vorsitzender der Köhler-Osbahr-Stiftung, die den Musikpreis der Stadt Duisburg stiftet. Oberbürgermeister Sören Link (SPD) betonte, der Preisträger zeige, „dass Kunst Haltung haben kann, ohne ihre Offenheit zu verlieren“.
Mit dem Ruhrgebiet verbinde Igor Levit zudem eine persönliche Geschichte, hieß es. Als seine Familie Mitte der 1990er Jahre aus dem russischen Nischni Nowgorod nach Deutschland kam, führte sie ihr Weg zunächst nach Dortmund. Regelmäßig kehrt Levit für Konzerte seitdem in die Region zurück, unter anderem zum Klavier-Festival Ruhr. In der Saison 2026/27 wird er darüber hinaus mit einem besonderen Beethoven-Projekt nach Duisburg kommen: Im Rahmen von „Alles Beethoven“ spielt er sämtliche 32 Klaviersonaten des Komponisten ein.
Der Musikpreis der Stadt Duisburg wurde 1990 ins Leben gerufen und wird jährlich vergeben. Bisherige Preisträger waren unter anderem Pina Bausch, Hans Werner Henze und Yehudi Menuhin.

München (epd). Das von den Bayreuther Festspielen zunächst abgesagte Gedenkkonzert mit einer Rede des jüdischen Publizisten Michel Friedman soll nun doch stattfinden. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am 18. Juni berichtete, entschuldigte sich Festspielleiterin Katharina Wagner bei Friedman und lud ihn erneut ein, zu den Festspielen zu kommen. Nach einiger Überlegung habe er zugesagt, sagte der 70-Jährige am Abend auf Anfrage der Zeitung.
„Ich nehme ihre persönliche Bitte um Entschuldigung gerne an. Wenn sich jemand bewegt, sollte man sich mitbewegen“, ergänzte Friedman zur Begründung. Er finde Wagners „Worte des Bedauerns an mich ernsthaft und glaubwürdig“.
Die Festspiele feiern in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Geplant war dazu ein Gedenkkonzert am Vormittag des 26. Juli, dem Tag der Festspieleröffnung, bei dem Friedman über Antisemitismus, den Komponisten Richard Wagner und die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der Festspiele sprechen sollte. Diese Veranstaltung wurde jedoch zwischenzeitlich abgesagt, zusätzlich zur Eröffnungsoper „Rienzi“ mit zahlreichen prominenten Gästen könne man dieses wegen des Sicherheitsaufwandes nicht stattfinden lassen, hieß es von den Festspielen zur Begründung der Absage.
Friedman reagierte empört. Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen zu streichen, das „ist in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord“, hatte der Anwalt und Publizist der „Süddeutschen Zeitung“ dazu gesagt. Die Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Wagner auseinanderzusetzen, sei durch die Absage ad absurdum geführt.
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, bat die Festspielleiterin Katharina Wagner nun per Telefon für die „Fehleinschätzungen“ der Festspiele und die „fatalen Nachrichten“ um Entschuldigung. Sie habe Friedman zudem später in einem Brief zugesichert, die Veranstaltung wie ursprünglich geplant abhalten zu wollen. Es sei ihr wichtig, „der schrecklichen Dinge zu gedenken, mit denen die Festspielgeschichte fatal verknüpft ist“.

Frankfurt a.M. (epd). Der ehemalige „Zeit“-Geschäftsführer Rainer Esser ist ein Fan von Kirsten Fehrs, der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Wegen ihrer Predigten gehe er als Katholik in den evangelischen Gottesdienst in den Hamburger Michel, sagte Esser am 16. Juni in Frankfurt am Main. Er sei wegen der guten Predigten der Hamburger Bischöfin quasi übergelaufen, fügte der 69-Jährige hinzu, der bis Februar Geschäftsführer der Wochenzeitung „Zeit“ war.
Esser sprach bei den 3. Ökumenischen Medientagen. Dort beraten Vertreterinnen und Vertreter kirchlich getragener Buchverlage und Medienhäuser in Frankfurt am Main. Thema des Treffens ist "Relevanz?! Konfessionelle Medien in Kirche und Gesellschaft.

Mainz/Hamburg (epd). Das ZDF hat eine Unterlassungserklärung zur Anfangsmoderation der Sendung „ZDFheute live“ vom 12. Juni mit dem Titel „Ausschreitungen in Belfast - Wie Musk die Proteste befeuert“ abgegeben. Der Sender bestätigte außerdem, dass Elon Musk zuvor über eine deutsche Anwaltskanzlei eine Unterlassungserklärung zu der entsprechenden Passage gefordert hatte, wie das ZDF auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) in Mainz bestätigte. Zudem habe der Sender inzwischen die Passage in der Anmoderation entfernt und mit dem Hinweis versehen: „Die Anmoderation wurde aus rechtlichen Gründen gekürzt.“
Zuvor hatte der Tech-Unternehmer Elon Musk vom ZDF eine Unterlassungserklärung gefordert. Das bestätigte der Anwalt von Musk, Joachim Nikolaus Steinhöfel, dem Evangelischen Pressedienst (epd) am 16. Juni auf Anfrage in Hamburg.
In einem Artikel der „Welt“ wird aus der Abmahnung von Steinhöfel gegen das ZDF zitiert: „Die Behauptung, unser Mandant habe zu einer 'Jagd auf Migranten‘ durch einen 'rassistischen Mob‘ aufgerufen, ist offensichtlich unwahr.“ Die damit verbundene Diffamierung des Unternehmers sei rechtswidrig. Steinhöfel bestätigte dem epd den Inhalt der Abmahnung.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein Beitrag von Musk auf seinem Kurznachrichtendienst X nach einem Messerangriff durch einen Flüchtling aus dem Sudan in Nordirland. Musk reagierte in einem Posting vom 9. Juni auf einen X-Beitrag des als rechtsextrem geltenden Aktivisten Tommy Robinson, der zu Protesten nach dem Messerangriff aufgerufen hatte, und schrieb: „Nur durch wiederholte und laute Proteste wird sich etwas ändern.“ Nach dem Messerangriff kam es zu gewalttätigen Krawallen und rassistischen Ausschreitungen.
Auf diesen X-Post von Musk bezog sich dann wiederum die Moderation in der Sendung „ZDFheute live“. Darin wurde der Hintergrund der Ausschreitungen thematisiert. In der ursprünglichen Anmoderation hieß es: „Ein rassistischer Mob macht daraufhin Jagd auf Migranten: Dazu aufgerufen hatten ein britischer Rechtsextremist und Tech-Milliardär Elon Musk.“
Der Beitrag sowie die entsprechende Anmoderation war bis 16. Juni noch online und nach Angaben des ZDF seit 20. Juni mit folgendem korrigierenden Transparenzhinweis versehen: „Zu Beginn der Moderation dieses Videos heißt es, nach dem brutalen Mordversuch habe ein rassistischer Mob Jagd auf Migranten gemacht. Dazu aufgerufen hätten ein britischer Rechtsextremist und Tech-Milliardär Elon Musk. Die Formulierung ist unpräzise und deshalb missverständlich. Tommy Robinson hat nach dem Messerangriff in Belfast zu Protesten aufgerufen. Der Post wurde von Elon Musk geteilt.“
Dortmund, Düsseldorf (epd). Im Baukunstarchiv NRW in Dortmund ist ab dem 26. Juni eine Fotoausstellung über bedrohte Bauten in der Ukraine zu sehen. Unter dem Titel „Under Broken Skies“ (zerbrochene Himmel) werden bis 9. August Aufnahmen aus Kriegsgebieten sowie Archivmaterial aus Beständen des „Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte“ in Detmold gezeigt, wie die Architektenkammer NRW am 17. Juni in Düsseldorf ankündigte. Die Schau erinnere an das gemeinsame kulturelle Erbe von Ukrainern und Deutschen. Kuratiert wird die Ausstellung von der Dokumentarfotografin Irina Unruh.
Oberhausen (epd). Das Festival „Extraschicht“ lädt am 27. Juni wieder zu Kunst- und Kulturveranstaltungen vor Industriekulisse ein. An 40 Spielorten in 18 Ruhrgebietsstädten stehen unter anderem Theater, Konzerte oder Performances auf dem Programm, wie die Ruhr Tourismus GmbH am 19. Juni in Oberhausen ankündigte. Auch Live-Musik und DJs, Lichtinstallationen, Feuer- und Drohnenshows, Comedy und Führungen werden an Orten angeboten, die sonst teilweise nicht zugänglich sind.
Veranstaltungen finden etwa in ehemaligen Zechen und Industriehallen, Parks, Bahnhöfen, Häfen und Museen statt. In diesem Jahr kommen laut Veranstaltern vier Orte neu hinzu: die Galerie „RUTTKOWSKI;68“ in Bochum, der Duisburger Uni-Campus, die Heilig‑Kreuz‑Kirche mit dem Quartier Bochumer Straße in Gelsenkirchen sowie das Theater Oberhausen.
Zur Anreise können Besucherinnen und Besucher den Angaben zufolge 150 Shuttlebusse nutzen, die von 18 bis 2 Uhr im 15- bis 30-Minuten-Takt verkehren. Auch zwölf spezielle Radrouten verbinden die Spielorte miteinander. Eine Übersicht über das Programm, Spielorte und Shuttleverbindungen biete die ExtraSchicht App, hieß es. Ein integriertes Live-Ampelsystem zeige an, bei welchen Veranstaltungen gerade viel oder wenig Betrieb herrsche.
Aufnahmen von spektakulären oder besonderen Momenten der Extraschicht könnten ab dem 29. Juni beim Fotowettbewerb eingereicht werden. Gesucht würden Perspektiven, die die Atmosphäre der Nacht festhalten und zeigen, wie vielfältig das Ruhrgebiet im Wandel leuchtet, hieß es.

Düsseldorf (epd). In der evangelischen Neanderkirche an der Bolkerstraße in der Düsseldorfer Altstadt werden am Mittwoch, 24. Juni, die sommerlichen Orgelkonzerte eröffnet. Neanderkantor Sebastian Klein spielt Werke von Couperin, de Grigny, Franck, Saint-Saëns und Guilmant, wie der Kirchenkreis Düsseldorf ankündigte. Bis zum 9. September können Musikinteressierte jeden Mittwoch um 18.30 Uhr ein Orgelkonzert bei freiem Eintritt erleben. Neben Kantorinnen und Kantoren aus Düsseldorf musizieren in diesem Jahr auch Gäste aus Leverkusen, Wuppertal und Kempen. Die sommerlichen Orgelkonzerte werden seit 1963 vom evangelischen Kantorenkonvent Düsseldorf präsentiert.
Internet: www.evdus.de/sommerliche-orgelkonzerte
Düsseldorf (epd). Das eigene Musizieren wird für junge Menschen in NRW offenbar zunehmend attraktiv. An den 161 öffentlichen Musikschulen in Nordrhein-Westfalen waren im Jahr 2023 rund 375.000 Musikschülerinnen und Musikschüler angemeldet, um ein Musikinstrument zu erlernen, wie das Statistische Landesamt (IT.NRW) am 19. Juni in Düsseldorf anlässlich der Veranstaltung „Fete de la Musique“ (21. Juni) mitteilte. Die Zahl der Musikschüler in Nordrhein-Westfalen war damit um 14,6 Prozent höher als im Jahr 2014. Fast zwei Drittel der Musikschüler waren zwischen 6 und 14 Jahren alt.
Dagegen nahm in den vergangenen Jahren die Zahl der Menschen ab, die eine professionelle musikalische Ausbildung anstrebten: Knapp 4.900 Studenten waren im Wintersemester 2024/25 im Studienbereich Musik/Musikwissenschaft in NRW eingeschrieben. Das waren zehn Prozent weniger als im Wintersemester 2015/16.
Saarbrücken (epd). Die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) hat die Ausschreibung für die Stelle des künftigen Direktors oder der künftigen Direktorin veröffentlicht. Bewerbungsschluss ist am 17. August dieses Jahres, der LMS Medienrat wählt die jeweilige Person und der Beginn der Tätigkeit ist am 1. Mai 2027, wie es in der Stellenausschreibung heißt. Zu den Aufgaben gehören demnach unter anderem die Führung der laufenden Geschäfte, die Vorbereitung des Wirtschaftsplans und des Jahresabschlusses sowie die gesetzliche Vertretung der LMS.
Nachdem der Landtag, in dem die SPD die Mehrheit hat, am 20. Mai Änderungen im Saarländischen Medienrecht beschlossen hatte, darf sich die amtierende Direktorin Ruth Meyer nicht erneut bewerben. Denn künftig muss die Direktorin oder der Direktor die Befähigung zum Richteramt und Kenntnisse im Medienrecht haben. Die seit 2020 amtierende Chefin und frühere CDU-Politikerin Meyer ist keine Juristin. CDU- und AfD-Fraktion hatten gegen das Gesetz gestimmt. Während der ersten Lesung des Gesetzes hatte die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) die Änderung damit begründet, dass die Landesmedienanstalt zunehmend eine rechtsanwendende Behörde geworden sei. Regelungen würden komplexer und seien häufiger im europarechtlichen Kontext zu sehen.
Der Medienrat der LMS hat zudem beschlossen, Ina Goedert-Thielen zur stellvertretenden Direktorin der LMS zu bestellen, wie die Landesmedienanstalt in Saarbrücken mitteilte. Ihre Amtszeit hat bereits am Freitag begonnen. Seit März 2024 war sie zusammen mit Petra Wolf-Müller Interimsvertretung für Jörg Ukrow, der als stellvertretender Direktor zur Medienanstalt Rheinland-Pfalz gewechselt war.

Bogotá (epd). Der ultrarechte Anwalt Abelardo de la Espriella steht bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien vor einem knappen Sieg. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Wahlbehörde kam er bei der Stichwahl am 22. Juni auf 49,66 Prozent der Stimmen, sein linker Kontrahent Iván Cepeda auf 48,7 Prozent. Zwischen beiden Kandidaten lagen damit knapp 251.000 Stimmen, wie das Portal „La Silla Vacía“ am Abend (Ortzeit) meldete.
Mit 63,6 Prozent war die Wahlbeteiligung deutlich höher als beim ersten Wahlgang am 31. Mai. Die Wahl verlief ruhig. Rund 408.000 Polizisten und Soldaten sicherten die Wahllokale.
Die Ergebnisse aus rund 33.000 Wahlurnen, etwa 27 Prozent aller Urnen, würden wegen vermuteter Unregelmäßigkeiten angefochten, sagte der linke Menschenrechtler Iván Cepeda vor seinen Anhängern in Bogotá. Er kündigte an, das endgültige Ergebnis erst nach der amtlichen Überprüfung aller Wahlprotokolle anzuerkennen, die noch ausstand.
Allerdings ließ er auch durchblicken, dass er eine Präsidentschaft de la Espriellas für möglich hält und sagte: „Wir werden nicht zulassen, dass die sozialen Errungenschaften, die wir aufgebaut haben, wieder rückgängig gemacht werden.“ Cepeda wollte den ökosozialen Reformkurs des scheidenden Präsidenten Gustavo Petro fortsetzen.
Nachdem ihm zahlreiche Politiker der Mitte und der traditionellen Rechten sowie US-Außenminister Marco Rubio gratuliert hatten, hielt Abelardo de la Espriella in der Hafenstadt Barranquilla eine Siegesrede. Darin rief der Anwalt und Unternehmer, der sich selbst „der Tiger“ nennt, den Beginn einer „neuen Ära“ aus und verkündete, er wolle „Präsident aller Kolumbianer“ sein.
„Respektieren Sie den Willen des kolumbianischen Volkes”, appellierte der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Politiker an Cepeda und Präsident Petro. “Hier wird es keine dritte Wahlrunde auf den Straßen geben."
In Bogotá und Cali protestierten unterdessen linke Regierungsanhänger. In Cali kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten, nachdem US-Fahnen in Brand gesteckt worden waren.
Staatschef Petro rief auf der Plattform X die Bevölkerung von Cali auf, Ruhe zu bewahren. Noch gebe es keinen gewählten Präsidenten, schrieb er. „Ich werde das Ergebnis akzeptieren, das die Wahlrichter verkünden, denn so befiehlt es das Gesetz.“
Kurz vor Mitternacht (Ortszeit) schrieb Petro von einem „Pyrrhussieg” de la Espriellas und mahnte seine Anhänger, sie sollten sich nicht provozieren lassen und in die “Falle der Gewalt tappen”. Viele Stimmzettel müssten nachgezählt werden, so der Präsident.

Berlin, Santiago (epd). Die Gedenkstätte Villa Grimaldi ist bedroht. Die älteste Erinnerungsstätte für die Gräuel der Militärdiktatur in Chile (1973-1990) könnte dem Spardiktat der neuen, ultrarechten Regierung zum Opfer fallen - wie andere Erinnerungsorte auch. „Schon jetzt haben wir große Schwierigkeiten, Löhne auszuzahlen und Grunddienste für die Besucher aufrechtzuerhalten“, beschreibt Álvaro Ahumada, der Leiter der Stätte, die während der Diktatur zugleich ein Erholungsort für Militärs und ein Foltergefängnis war. Die Regierung zeige damit, dass sie kein Interesse an Menschenrechtsthemen hat.
100 Tage nach dem Amtsantritt des Ultrarechten José Antonio Kast als Nachfolger des Linken Gabriel Boric am 11. März sehen viele Menschenrechtsorganisationen ihre Befürchtungen bewahrheitet. Kast ist der erste Präsident seit der Rückkehr zur Demokratie, der offen positiv über das Erbe der Militärdiktatur spricht. Unter Diktator Augusto Pinochet wurden laut offiziellen Zahlen über 3.000 Menschen ermordet und mehr als 28.000 gefoltert.
Kasts Regierung setzt auf ein radikales Sparprogramm, das unter anderem die seit Jahren tief verankerte Sozial- und Menschenrechtspolitik des südamerikanischen Landes trifft. In diesem Jahr sollen drei Prozent des Staatshaushalts eingespart werden, 2027 sogar 15 Prozent. Man habe einen unausgewogenen Haushalt von der Vorgängerregierung geerbt, erklärte Kast. Zugleich will er mit Streuerleichterungen für Unternehmen die seit Jahren stagnierende Wirtschaft ankurbeln.
Die Opposition wirft der Regierung vor, die Oberschicht, zu der der Unternehmer Kast selbst gehört, auf Kosten des Staatshaushalts zu bereichern. Die Einsparungen hingegen seien politischer Natur. Dadurch würden still und heimlich unter anderem Projekte im Menschenrechtsbereich beendet.
So kündigte der Minister für urbane Räume und Wohnen, Iván Poduje, etwa an, auf die geplante Teilenteignung der ehemaligen deutschen Sektensiedlung „Colonia Dignidad“ zu verzichten, um Geld zu sparen. Dort sollte eine Gedenkstätte für die Opfer von Sektenführer Paul Schäfer entstehen, ebenso wie für die in der Siedlung im Dienste der Diktatur gefolterten Menschen. „Wir müssen sparen, wenn die Menschenrechtsorganisationen das finanziert haben wollen, sollen sie sich an internationale Organisationen wenden“, erwiderte Poduje auf Kritik.
„Hier leiste ich Widerstand“, sagt eine Beamtin des Staatssekretariats für Menschenrechte, die hier Francisca Ramírez genannt werden soll. Sie stöhnt bei der Rückschau auf die vergangenen Monate. „Es wirkt wie ein persönlicher Rachefeldzug.“ Der ihr übergeordnete Justizminister Fernando Rabbat verteidigte einst als Anwalt den ehemaligen Diktator Pinochet. Als eine seiner ersten Amtshandlungen als Minister entließ er die Chefin des Menschenrechtsprogramms, Magdalena Garcés, die als Juristin Pinochet-Opfer vertreten hat.
Es herrsche ein Klima der Angst, sagt Ramírez. Besonders beunruhige sie, dass die Anwälte des Programms angewiesen wurden, bei Verfahren wegen Menschenrechtsverbrechen nicht mehr die Opfer zu vertreten - besonders in Fällen, in denen verurteilte Täter versuchen, aufgrund von Altersbeschwerden aus der Haft in den Hausarrest überstellt zu werden. „Weil eine Begnadigung auf Kritik stieße, versucht die Regierung, die Menschenrechtsverbrecher auf diesem Weg zu befreien“, meint Ramírez.
Die Finanzierung der 1997 eingeweihten „Gedenkstätte Park für den Frieden Villa Grimaldi“ hängt von einem Dekret ab, das wegen Formfehlern seit Monaten vom Rechnungshof an das Amt für Denkmäler zurückgewiesen wird. In dem Foltergefängnis waren während der Diktatur rund 4.500 Menschen inhaftiert, darunter die frühere chilenische Präsidentin und jetzige Kandidatin für das Chefamt der Vereinten Nationen Michelle Bachelet.
In einer gemeinsamen Erklärung warnten über 100 Organisationen, dass die Einsparungen die Erinnerungspolitik hart treffen werden. Die Regierung untergrabe das Recht auf gesellschaftliche Erinnerung. Neben der Villa Grimaldi melden mittlerweile auch weitere Erinnerungsstätten, kurz vor einer Schließung zu stehen.
Es entstehe der Eindruck, die Regierung versuche die Erinnerungspolitik der vergangenen Jahre durch die Hintertür rückgängig zu machen, kritisiert Ahumada. „Das ist auch möglich, weil unter Boric keine festen Zusagen gemacht wurden.“ Ebenso pessimistisch sind Ramírez und ihre Kollegen im Menschenrechtssekretariat. Sie entwickeln derzeit Strategien, damit bei einer etwaigen Schließung des Staatssekretariats die Arbeit von fast 40 Jahren staatlicher Erinnerungspolitik nicht verloren geht.

Nouadhibou (epd). Kapitän Said Fall steht am Kai des Fischereihafens von Nouadhibou, einer Stadt im Norden Mauretaniens. Vor ihm liegen tausende Pirogen, lange schlanke Fischerboote aus Holz. Viele sind bunt bemalt. Vier davon gehören ihm. Die größeren kosten mit dem Außenborder und der Ausrüstung ein paar tausend Euro.
Der Kapitän lässt schwarze Plastiktöpfe auf seine Boote bringen, das sind Fallen für Oktopoden. In wenigen Tagen endet die Schonzeit für Kraken. Niemand hier will den Auftakt der Fangsaison verpassen. „Ich sage dir die Wahrheit“, sagt der Kapitän. „Hier am Meer gibt es Geld zu verdienen. Die Arbeit ist hart, aber sie zahlt sich aus.“
In Nouadhibou ist Kapitän Fall keine Ausnahme, auch andere Fischer sind mit ihrem Verdienst sehr zufrieden. Das ist an der afrikanischen Atlantikküste eher eine Ausnahme: So klagen im Senegal und in Guinea viele Fischer über sinkende Einnahmen, weil die Bestände überfischt seien. Tausende Menschen begeben sich deshalb jedes Jahr auf die lebensgefährliche Überfahrt nach Europa.
Mauretanien tut im westafrikanischen Vergleich viel für ein gutes Fischereimanagement und für den Schutz seiner maritimen Ressourcen. Ein wichtiger Baustein ist der Küstennationalpark Banc d’Arguin, der am 24. Juni vor 50 Jahren gegründet wurde. Er beginnt etwa hundert Kilometer südlich von Nouadhibou und erstreckt sich entlang eines Drittels der mauretanischen Küste - 12.000 Quadratkilometer stehen unter Schutz, fast so viel wie die Fläche von Schleswig-Holstein. Damit ist die Banc d’Arguin eines der größten Schutzgebiete der Welt, vor allem wegen der großen Meeresfläche, die dazu gehört.
Viele Fische, die afrikanische Fischer und internationale Flotten an der Küste und auf dem offenen Meer fangen, sind in den seichten Gewässern der Banc d’Arguin aufgewachsen. Außerdem verbringen hier Millionen Zugvögel aus Nordeuropa die Wintermonate, an der Seite von Geiern, Fischreihern, Flamingos und Meeressäugetieren.
Fischen dürfen innerhalb des Schutzgebiets nur die Angehörigen der lokalen Gemeinschaft der Imraguen. Sie leben im Nationalpark und haben die Erlaubnis, sich mit Fisch zu versorgen und in begrenztem Rahmen zu verkaufen. Bedingung ist, dass sie sich an Fangzeiten halten, keine Plastiknetze verwenden und nur von hölzernen Segelbooten aus fischen.
Doch trotz der langjährigen Schutzbemühungen ist der Park unter Druck. Die Bewohner fangen immer größere Mengen an Fisch, der meist über Zwischenhändler auf die Märkte in Nouadhibou und der Hauptstadt Nouakchott gelangt. Nami Salihy, der Direktor des Nationalparks, hat dafür sogar ein gewisses Verständnis. „Erlaubt ist nur die Subsistenzfischerei“, erklärt er in seinem Büro in der Hauptstadt. „Aber seien wir realistisch: Die Imraguen brauchen mehr als das, um leben zu können.“
Deshalb arbeitet Salihy an einem Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen. „Wir müssen in den Dörfern Wasser und Strom, Schulen und Gesundheitsversorgung bereitstellen“, sagt er. „Und wir müssen Arbeitsplätze schaffen, damit die Menschen uns auch in Zukunft dabei helfen, den Nationalpark zu schützen.“
Etwas Ökotourismus gibt es bereits, damit die Imraguen Geld verdienen können. Die wichtigste Attraktion sind Fahrten mit den traditionellen Segelbooten. Aber allzu viel bringt das den Menschen nicht ein. Salihy plant außerdem ein Projekt für das Recycling von Plastikmüll, denn das Meer spült jeden Tag große Mengen davon an. Das kann viele Arbeitsplätze schaffen.
Zusätzlich seien jedoch mehr und mehr Kontrollen innerhalb und außerhalb des Parks nötig, betont der Parkdirektor. Und immer mehr wissenschaftliche Forschung, um die Auswirkungen der Klimakrise besser zu verstehen und den Schutz und den Erhalt einzelner Arten zu verbessern. Das alles kostet Geld.
„Es stimmt, dass mehrere Partner, insbesondere europäische, seit der Gründung des Parks vor 50 Jahren einen wichtigen Beitrag zu seiner Erhaltung leisten“, räumt Salihy ein. Deutschland unterstützt Mauretanien seit Jahrzehnten beim Schutz des Nationalparks. Unter anderem hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in die Infrastruktur in der Banc d'Arguin investiert, zum Beispiel in Stationen für die Radarüberwachung und den Ausbau der Flotte von Patrouillenbooten. In einen Umweltfonds für den Erhalt der Biodiversität im Nationalpark floss und fließt ebenfalls deutsches Geld.
Aber auch in Deutschland nimmt der Spardruck zu, ebenso wie in anderen klassischen Geberländern. „Aber wir alle dürfen mit unserem Einsatz für den Park nicht nachlassen“, mahnt Salihy. „Der Schutz der Biodiversität in der Banc d'Arguin steht vor großen Herausforderungen.“

New York, Köln (epd). Die Klimakrise trifft Kinder laut Unicef besonders hart. Nahezu jedes Kind der Welt sei mindestens einer Klimagefahr ausgesetzt, warnt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in einem am 16. Juni veröffentlichten Bericht. In vielen Regionen überlagerten und verstärkten sich mehrere Risiken.
Rund 1,1 Milliarden und damit fast die Hälfte aller Kinder weltweit seien von mindestens drei gleichzeitig auftretenden Klimagefahren bedroht, heißt es in dem „Children's Climate Risk Report 2026“. Dadurch seien Gesundheit, Bildung und teils auch Überleben gefährdet. Bei den stärksten Klimagefahren handelt es sich demnach um Dürren, extreme Temperaturen, Brände, Hitzewellen, Küsten- und Flussüberschwemmungen, Sand- und Staubstürme sowie tropische Stürme.
Kinder in Afrikas Sahel-Region sowie in Bangladesch, Myanmar und Pakistan trifft es laut Unicef besonders stark. Der Report mache sichtbar, dass mehrere Klimarisiken in vielen Regionen zusammenkämen, erklärte das Hilfswerk. Am häufigsten treten demnach Dürren, extreme Temperaturen und Hitzewellen gemeinsam auf.
Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland, betonte: „Kinder gehören ins Zentrum aller Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen.“ Es brauche klimaresistente Schulen, Gesundheitsversorgung und soziale Sicherungssysteme, die Hitzewellen, Dürren oder Überschwemmungen trotzen könnten.
Wuppertal (epd). Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) sowie die evangelischen Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Kurhessen-Waldeck haben eine Nothilfe in Höhe von insgesamt 50.000 Euro für Betroffene des Erdbebens in Südost-Mindanao (Philippinen) bereitgestellt. Das Geld gehe an die philippinische Kirche United Church of Christ in the Philippines (UCCP), die damit Hilfsmaßnahmen finanziere, teilte die VEM am 19. Juni in Wuppertal mit.
Das Beben der Stärke 7,8 vom 8. Juni habe weite Teile der Provinz Sarangani und angrenzender Gebiete in eine Katastrophenzone verwandelt, hieß es. Tausende Familien seien obdachlos geworden, Kirchen, Schulen und öffentliche Einrichtungen seien beschädigt oder zerstört worden. Wasser- und Stromversorgung seien in mehreren Regionen weiterhin unterbrochen.
Das Hilfswerk der philippinischen VEM-Mitgliedskirche UCCP koordiniert den Angaben zufolge gemeinsam mit Behörden und Partnerorganisationen die Hilfe für die Familien in den am stärksten betroffenen Gemeinden. Dazu zählten die Verteilung von Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Hygienepaketen, Decken, Matten und Kleidung, der Aufbau von Notunterkünften sowie medizinische Grundversorgung und psychosoziale Begleitung.
Bonn (epd). Die Hilfsorganisation Care warnt vor den Folgen der Unterfinanzierung der internationalen Flüchtlingshilfe. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) seien nur acht Prozent der benötigten Mittel zur Unterstützung von Geflüchteten weltweit gedeckt, teilte Care Deutschland anlässlich des Weltflüchtlingstages (20. Juni) in Bonn mit. Gleichzeitig strichen immer mehr Staaten ihre Budgets für humanitäre Hilfe weiter zusammen. So habe Deutschland seit 2022 die Mittel für humanitäre Hilfe um 70 Prozent gekürzt.
„Die Folgen treffen nicht abstrakte Projekte, sondern Menschen in größter Not“, erklärte Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von Care Deutschland. „Wenn die Gesundheitsversorgung in Flüchtlingscamps zusammenbricht, Gesundheitshelferinnen fehlen und Medikamente nicht bezahlt werden können, wird eine Geburt zur Lebensgefahr für die geflohene Mutter und ihr Kind.“
Humanitäre Hilfe sei kein Luxus, sondern rette Leben, unterstrich Zentel. Er appellierte an die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft, die Finanzierung humanitärer Hilfsleistungen aufzustocken.
Detmold, Lage (epd). Die Lippische Landeskirche und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Lage laden am 5. Juli zu einem Gottesdienst über das Thema „Vergessene Katastrophen: Sudan“ ein. In der Heilig Geist Kirche in Lage gehe es unter anderem um die Situation vor Ort und die von der Diakonie Katastrophenhilfe (DKH) unterstützten Hilfsprojekte, wie die lippische Kirche am 19. Juni in Detmold mitteilte. Auch gebe es Informationen über mögliche Spendenmöglichkeiten.
DKH und Caritas International rufen unter dem Motto „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“ jährlich zu Spenden auf. Die Sommeraktion lenke seit 2011 den Fokus auf humanitäre Krisen und extreme Wetterereignisse, die aus dem öffentlichen Fokus geraten seien, aber weiterhin dringend Hilfe erforderten, erläuterte die DHK.
„Eine solche Katastrophe geschieht seit drei Jahren im Sudan“, erklärte die Lippische Landeskirche. „Die Folgen des dort tobenden Krieges sind neben vielen Todesopfern und zerstörter Infrastruktur auch massive Binnen-Fluchtbewegungen.“ Die Flüchtenden seien von Hunger, unzureichender Trinkwasserversorgung und Gewalt betroffen.