Nouadhibou (epd). Kapitän Said Fall steht am Kai des Fischereihafens von Nouadhibou, einer Stadt im Norden Mauretaniens. Vor ihm liegen tausende Pirogen, lange schlanke Fischerboote aus Holz. Viele sind bunt bemalt. Vier davon gehören ihm. Die größeren kosten mit dem Außenborder und der Ausrüstung ein paar tausend Euro.

Der Kapitän lässt schwarze Plastiktöpfe auf seine Boote bringen, das sind Fallen für Oktopoden. In wenigen Tagen endet die Schonzeit für Kraken. Niemand hier will den Auftakt der Fangsaison verpassen. „Ich sage dir die Wahrheit“, sagt der Kapitän. „Hier am Meer gibt es Geld zu verdienen. Die Arbeit ist hart, aber sie zahlt sich aus.“

In Nouadhibou ist Kapitän Fall keine Ausnahme, auch andere Fischer sind mit ihrem Verdienst sehr zufrieden. Das ist an der afrikanischen Atlantikküste eher eine Ausnahme: So klagen im Senegal und in Guinea viele Fischer über sinkende Einnahmen, weil die Bestände überfischt seien. Tausende Menschen begeben sich deshalb jedes Jahr auf die lebensgefährliche Überfahrt nach Europa.

Mauretanien vorbildlich bei Meeresschutz

Mauretanien tut im westafrikanischen Vergleich viel für ein gutes Fischereimanagement und für den Schutz seiner maritimen Ressourcen. Ein wichtiger Baustein ist der Küstennationalpark Banc d’Arguin, der am 24. Juni vor 50 Jahren gegründet wurde. Er beginnt etwa hundert Kilometer südlich von Nouadhibou und erstreckt sich entlang eines Drittels der mauretanischen Küste - 12.000 Quadratkilometer stehen unter Schutz, fast so viel wie die Fläche von Schleswig-Holstein. Damit ist die Banc d’Arguin eines der größten Schutzgebiete der Welt, vor allem wegen der großen Meeresfläche, die dazu gehört.

Viele Fische, die afrikanische Fischer und internationale Flotten an der Küste und auf dem offenen Meer fangen, sind in den seichten Gewässern der Banc d’Arguin aufgewachsen. Außerdem verbringen hier Millionen Zugvögel aus Nordeuropa die Wintermonate, an der Seite von Geiern, Fischreihern, Flamingos und Meeressäugetieren.

Fischen dürfen innerhalb des Schutzgebiets nur die Angehörigen der lokalen Gemeinschaft der Imraguen. Sie leben im Nationalpark und haben die Erlaubnis, sich mit Fisch zu versorgen und in begrenztem Rahmen zu verkaufen. Bedingung ist, dass sie sich an Fangzeiten halten, keine Plastiknetze verwenden und nur von hölzernen Segelbooten aus fischen.

Mehr Fischerei als erlaubt

Doch trotz der langjährigen Schutzbemühungen ist der Park unter Druck. Die Bewohner fangen immer größere Mengen an Fisch, der meist über Zwischenhändler auf die Märkte in Nouadhibou und der Hauptstadt Nouakchott gelangt. Nami Salihy, der Direktor des Nationalparks, hat dafür sogar ein gewisses Verständnis. „Erlaubt ist nur die Subsistenzfischerei“, erklärt er in seinem Büro in der Hauptstadt. „Aber seien wir realistisch: Die Imraguen brauchen mehr als das, um leben zu können.“

Deshalb arbeitet Salihy an einem Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen. „Wir müssen in den Dörfern Wasser und Strom, Schulen und Gesundheitsversorgung bereitstellen“, sagt er. „Und wir müssen Arbeitsplätze schaffen, damit die Menschen uns auch in Zukunft dabei helfen, den Nationalpark zu schützen.“

Etwas Ökotourismus gibt es bereits, damit die Imraguen Geld verdienen können. Die wichtigste Attraktion sind Fahrten mit den traditionellen Segelbooten. Aber allzu viel bringt das den Menschen nicht ein. Salihy plant außerdem ein Projekt für das Recycling von Plastikmüll, denn das Meer spült jeden Tag große Mengen davon an. Das kann viele Arbeitsplätze schaffen.

Besserer Schutz kostet Geld

Zusätzlich seien jedoch mehr und mehr Kontrollen innerhalb und außerhalb des Parks nötig, betont der Parkdirektor. Und immer mehr wissenschaftliche Forschung, um die Auswirkungen der Klimakrise besser zu verstehen und den Schutz und den Erhalt einzelner Arten zu verbessern. Das alles kostet Geld.

„Es stimmt, dass mehrere Partner, insbesondere europäische, seit der Gründung des Parks vor 50 Jahren einen wichtigen Beitrag zu seiner Erhaltung leisten“, räumt Salihy ein. Deutschland unterstützt Mauretanien seit Jahrzehnten beim Schutz des Nationalparks. Unter anderem hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in die Infrastruktur in der Banc d'Arguin investiert, zum Beispiel in Stationen für die Radarüberwachung und den Ausbau der Flotte von Patrouillenbooten. In einen Umweltfonds für den Erhalt der Biodiversität im Nationalpark floss und fließt ebenfalls deutsches Geld.

Aber auch in Deutschland nimmt der Spardruck zu, ebenso wie in anderen klassischen Geberländern. „Aber wir alle dürfen mit unserem Einsatz für den Park nicht nachlassen“, mahnt Salihy. „Der Schutz der Biodiversität in der Banc d'Arguin steht vor großen Herausforderungen.“