Keystone (epd). Als die Straße einen Knick macht, kann man einen ersten Blick auf den über 1.700 Meter hohen Mount Rushmore erhaschen. Von der Straße aus sind zunächst nur zwei der vier US-Präsidenten zu sehen, deren riesige Köpfe in den Stein des Bergs gemeißelt sind. Hinter jeder Kurve taucht das Monument größer auf, bis sich oben ein atemberaubender Blick über die Black Hills und die Prärie öffnet.

Das Mount Rushmore National Memorial liegt mitten in den Black Hills im US-Bundesstaat South Dakota, einer von Kiefernwäldern geprägten Bergregion. Vier prägende US-Präsidenten werden hier geehrt: George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Ihre 18 Meter hohen, steinernen Köpfe überragen die umgebenden Bäume, allein die Nasen sind ungefähr sechs Meter lang. Durch Torbögen aus Stein schieben sich die Besuchermassen. Bis zu 2,5 Millionen Menschen besuchen das Monument jedes Jahr.

Festprogramm zum 250. Geburtstag der USA

Vor 85 Jahren, am 31. Oktober 1941, wurde es fertiggestellt. Und auch wenn bis zum eigentlichen Jubiläum noch ein paar Monate verbleiben, wird bereits vom 2. bis 4. Juli gefeiert: Zum 250. Geburtstag der USA gibt es ein dreitägiges Festprogramm mit Feuerwerk und Konzerten.

„Shrine of Democracy“ („Schrein der Demokratie“) wird der Ort auch genannt, er steht für Geburt, Wachstum und Bewahrung der Vereinigten Staaten von Amerika, für Durchhaltevermögen und Stärke.

Projekt war von Beginn an umstritten

Die Präsidenten-Gesichter am Fels sehen fast unwirklich aus. Kaum vorstellbar, dass sie einst in den Granit gesprengt und gemeißelt wurden. 14 Jahre dauerte es, das monumentale Projekt umzusetzen. Entgegen ursprünglicher Pläne wurden nur die Köpfe realisiert, nicht die ganzen Körper. Aufgrund fehlender Mittel und des Todes des Hauptbildhauers Gutzon Borglum im März 1941 wurden die Arbeiten vorzeitig beendet. Sein Sohn Lincoln Borglum leitete die Baustelle in den letzten Monaten.

Mount Rushmore ist heute ein legendäres Bauwerk und ein Touristenmagnet. Doch das Projekt war von Beginn an umstritten, so wie sein Erbauer Gutzon Borglum. Er war einer der bekanntesten Bildhauer seiner Zeit - und stand dem Ku-Klux-Klan nahe. Vielen galt er als größenwahnsinnig.

Lakota kritisieren das Monument

1923 schlug der Historiker Doane Robinson vor, mit einer monumentalen Skulptur den Tourismus in dem Prärie-Bundesstaat anzukurbeln. Während er an regionale Persönlichkeiten wie Buffalo Bill dachte, wollte Borglum die bedeutendsten Staatsmänner der amerikanischen Geschichte verewigen.

Die Wahl für den Ort fiel auf den Mount Rushmore, benannt nach dem New Yorker Anwalt Charles E. Rushmore, der die Goldschürfrechte für die Gegend besaß. Der Berg liegt in den Black Hills, die den Ureinwohnern heilig waren. Bei ihnen hieß er „Sechs Großväter“.

Im Jahr 1868 hatten die Indigenen das Land vertraglich zugesichert bekommen. Doch dann fand eine Expedition der US-Armee in den Black Hills Gold. Als die Ureinwohner das Land nicht verkaufen wollten, erzwang die US-Regierung gewaltsam die Abtretung der Berge. In den 1980er Jahren erhielten die Lakota gerichtlich 106 Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen, doch sie verweigern bis heute die Annahme des Gelds, obwohl ein Großteil von ihnen in bitterer Armut lebt. Erst im Juni stellten alle neun Reservate in South Dakota klar, dass sie nach wie vor die Rückgabe der Black Hills verlangen.

Arbeiter saßen in Gondeln, ohne Absicherung

Von vornherein gab es viel Widerspruch gegen die monumentalen Präsidentenköpfe: Umweltschützer kritisierten das Denkmal, Gläubige sahen eine Einmischung in Gottes Werk, Einheimische befürchteten hohe Kosten. Das Vorhaben drohte zu scheitern. Aber Borglum schaffte es schließlich, den damaligen US-Präsident Calvin Coolidge auf seine Seite zu ziehen. Coolidge erklärte Mount Rushmore zum nationalen Projekt und versprach Geld aus Washington. Am 10. August 1927 nach Jahren der Planung und Vorbereitung erfolgte der symbolische Baubeginn.

Borglum richtete sein Atelier mit Blick auf den Berg ein. Dieses kann heute noch besichtigt werden. Dort steht auch das Gipsmodell, nach dem Borglum arbeitete.

Mit gezielten Sprengungen, später mit Hammer und Meißel, wurden die Gesichter in den Berg gehauen. Die Arbeiter saßen in Gondeln, die vom Gipfel hinabgesenkt wurden. Sie arbeiteten ohne Absicherung und in großer Höhe, die Präsidentenköpfe befinden sich in rund 1.800 Metern Höhe.

Donald Trump würde sich gerne dort sehen

Immer wieder gab es Bestrebungen, Mount Rushmore zu erweitern. Auch Donald Trump würde sich gerne dort oben sehen: 2020 gab es eine Anfrage aus dem Weißen Haus bei der Gouverneurin von South Dakota. Zuletzt forderten Unterstützer die Aufnahme Trumps. Anfang 2025 brachte die republikanische Kongressabgeordnete Anna Paulina Luna einen entsprechenden Gesetzesentwurf ein.

In der Praxis gilt die Erweiterung als unmöglich. Der National Park Service erklärte mehrfach, dass die Felsstruktur keine geeigneten stabilen Flächen für zusätzliche Gesichter bietet.

Nationales Monument und ungelöste Konflikte

Im Rückspiegel werden die Präsidentenköpfe langsam kleiner, ein paar Kurven den Berg hinab, dann sind sie verschwunden. Das Monument in South Dakota ist heute ein Symbol nationaler Geschichte und Identität - und erinnert gleichzeitig an ungelöste Konflikte um das Land, Erinnerungskultur und den Umgang mit der Geschichte der indigenen Bevölkerung. Es sind diese Gegensätze, die auch 85 Jahre nach der Fertigstellung noch bleiben.