Washington (epd). Im November werden in den USA das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Die Republikaner verteidigen eine knappe Mehrheit. In der Partei des US-Präsidenten Donald Trump gehören Patriotismus und Bibel zusammen. Weiße Christen unterstützen in der Regel eher die Republikaner. Doch im November versuchen es mehrere demokratische Kandidaten mit betont christlicher Identität.
Der Staat Kansas im Mittleren Westen, wo Äcker und Felder bis zum Horizont reichen, ist eine Hochburg der Republikaner. Trump erhielt bei der US-Präsidentschaftswahl 2024 57 Prozent der Stimmen. Zum letzten Mal hat Kansas 1932 für einen Demokraten für den US-Senat gestimmt. 2026 versucht es bei den Demokraten ein Methodistenpastor, der 61-jährige Adam Hamilton von der Auferstehungskirche in Leawood, Kansas, einer Megakirche mit neun weiteren Standorten. Die Gemeinde hat rund 20.000 Mitglieder und gilt als die größte Methodistenkirche in den USA.
Kandidatur gegen Korruption
Hamilton hat die Kirche 1990 zusammen mit seiner Ehefrau LaVon Hamilton gegründet. Er habe sich jetzt zur Kandidatur entschieden, weil „wir das Chaos und die Korruption in Washington“ stoppen und für das Gemeinwohl arbeiten müssen, heißt es auf seiner Internetseite. Seine Gemeinde sei Vorbild. Rund ein Drittel der Mitglieder seien Republikaner, ein Drittel Demokraten und ein Drittel Unabhängige. Die Mitglieder akzeptierten einander auch wegen ihrer Differenzen. In einem Brief an die Gemeinde erklärte Hamilton, er werde während des Wahlkampfes nicht predigen. Die demokratische Vorwahl in Kansas ist im August.
In Alaska kandidiert der presbyterianische Geistliche Matt Schultz für das Repräsentantenhaus. Bei Umfragen liegt er hinter dem Republikaner Nick Begich.
Demokraten sprechen kaum Christen an
In der Republikanischen Partei spielt die rechte christliche Bewegung eine prägende Rolle, und viele Republikaner präsentieren sich als Verteidiger christlicher Werte. Demokraten tun sich schwerer mit gläubigen Menschen. Doug Pagitt, Exekutivdirektor des Verbandes „Vote Common Good“, beklagte gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass die stark auf Diversität ausgerichtete Partei bislang wenig Raum für bekennende Christinnen und Christen habe. Dabei identifizieren sich etwas mehr als 60 Prozent der Bevölkerung als Christen.
Die „Vote Common Good”-Internetseite listet rund 70 Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. In Arkansas kandidiert der protestantische Pastor Robb Ryerse mit dem Slogan “Glauben, Familie, Freiheit„. Diese Begriffe seien “oft benutzt worden, um uns zu spalten". Er hoffe, damit Menschen zusammenzubringen, erklärte er. Zwei Kandidatinnen haben Anfang Juni die demokratischen Vorwahlen in Iowa gewonnen, Christina Bohannan und Lindsay James.
In Texas kandidiert ein Theologiestudent
Als Hoffnungsträger des progressiven Christentums gilt der auch international beachtete Politiker im Abgeordnetenhaus von Texas und (gegenwärtig pausierende) Theologiestudent James Talarico (37), der in Texas für den US-Senat kandidiert. Sein Großvater, ein Baptistenprediger, habe ihm beigebracht, dass es zwei zentrale Gebote gebe: die Liebe zu Gott und zum Mitmenschen. In Talaricos Wahlprogramm heißt es, die Trennlinien in den USA verliefen nicht so sehr zwischen links und rechts, sondern zwischen unten und oben. Die Superreichen hätten gerne eine bei Gender, Ethnien und Religion gespaltene Gesellschaft, während sie sich selbst ungestört bereichern. Talarico hat Anfang März die Vorwahlen in Texas gewonnen.
Texas ist ein schwieriges Territorium für progressive Kandidaten, christlich oder nicht. Letztmals hat der Staat 1988 einen demokratischen Senator gewählt. Texas liegt im Bibelgürtel im Süden mit einer mächtigen, konservativen und evangelikalen Präsenz. Talarico hingegen gehört der eine Million Mitglieder zählenden Presbyterianischen Kirche der USA an, einer bei gesellschaftlichen Fragen wie Abtreibung und LGBTQ-Rechten toleranten Kirche.
Talarico tritt im November gegen den Trump nahestehenden texanischen Justizminister Ken Paxton an. Republikaner in Texas sezieren nun Aussagen des Theologiestudenten, darunter eine von 2021 gegen Diskriminierung von Trans-Menschen, denn Gott sei zugleich maskulin und feminin. Dass Talarico in Texas, dem Staat der deftigen Steaks auf dem Grill, nicht „einer von uns“ ist, wird unterstrichen von falschen Behauptungen, er sei Veganer.
