Kirchen

Propst Lenz: Kirchen im Heiligen Land halten den Kopf über Wasser




Jerusalemer Propst Joachim Lenz (Archivbild)
epd-bild/Christian Jungwirth
Christen in Israel und Palästina seien als Minderheit unter Druck, sagt der evangelische Propst von Jerusalem, Joachim Lenz. Die Kirchen hätten keine gewichtige Stimme mehr, dennoch will er die Friedensvermittler auf beiden Konfliktseiten stärken.

Frankfurt a.M./Jerusalem (epd). 2020 ging der evangelische Theologe Joachim Lenz als Propst nach Jerusalem. Dort war er für die deutschsprachige Gemeinde zuständig und vertrat die Interessen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Heiligen Land. Eine Pandemie und viele Konflikte später kehrt Lenz zurück nach Deutschland und will dennoch die Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben.

epd: Herr Lenz, Ende Juli verlassen Sie Jerusalem nach sechs Jahren als Propst. Fällt Ihnen der Abschied schwer, oder überwiegt die Vorfreude auf die Rückkehr nach Deutschland?

Joachim Lenz: Es gibt ein lachendes und ein weinendes Auge. Ich freue mich darauf, wieder in einer anderen Atmosphäre zu leben. Mir ist klar, dass sich auch in Deutschland vieles verändert hat. Als ich vor sechs Jahren ging, gab es keinen Drohnenkrieg, und Russland wurde noch nicht als unmittelbare Bedrohung gesehen. Trotzdem werde ich es nicht vermissen, morgens zuerst nachzusehen, ob in der Nacht wieder Raketen geflogen sind. Ein englischer Kollege hat einmal gesagt: Wenn man dieses Land verlässt, fällt der Luftdruck. Das trifft es ziemlich gut.

Gleichzeitig mache ich gerade vieles zum letzten Mal. Ich könnte eine lange Liste von Menschen und Aufgaben aufzählen, die ich vermissen werde. Vor zwei Wochen habe ich meine letzte Andacht in der Schule Talitha Kumi in Beit Jala im palästinensischen Autonomiegebiet gehalten. Dort gemeinsam mit muslimischen und christlichen Schülerinnen und Schülern eine Andacht zu gestalten, die niemanden vereinnahmt und trotzdem trägt, ist etwas Besonderes.

Herrnhuter Stern als Vorbote des Friedens

epd: Was hat Sie in den vergangenen sechs Jahren als Jerusalemer Propst persönlich am stärksten geprägt?

Lenz: Als ich mich vor Kurzem im Kreis der Heads of Churches, der Kirchenleitungen in Jerusalem, verabschiedet habe, habe ich gesagt: Ich war jetzt sechs Jahre hier - das waren eine Pandemie und vier Kriege. Alle nickten. Zugleich habe ich erfahren, dass trotz allem immer noch etwas möglich ist. Ich habe miterlebt, wie die Kirchen und die Christinnen und Christen es hier schaffen, den Kopf über Wasser zu halten.

Wir haben nach dem Terrorangriff der Hamas einen Herrnhuter Stern in unserer Kirche aufgehängt. Er soll dort bleiben, bis Frieden wird. Ich habe mich bis heute nicht getraut, ihn abzunehmen. Wir feiern weiterhin Gottesdienste, veranstalten Konzerte und Andachten - wir sind einfach weiter da.

Besonders beeindruckt haben mich unsere arabischsprachigen Geschwister in den palästinensischen Gemeinden. Sie leben unter großem Druck, gerade im Westjordanland und auch in der Jerusalemer Altstadt. Trotzdem geben sie die Hoffnung nicht auf. Das gilt auch für die Jugendlichen an der Schule Talitha Kumi. Viele erleben, dass ihre Eltern versuchen auszuwandern. Und doch begegnen sie der Zukunft nicht mit Bitterkeit oder Gewalt. Diese Hoffnung zu erleben, war für mich etwas ganz Besonderes.

Druck auf Christen steigt

epd: Wie hat sich die Situation der christlichen Gemeinden während Ihrer Amtszeit verändert?

Lenz: Die Situation ist in diesen sechs Jahren noch einmal schwieriger geworden. Der Druck steigt - sozial und wirtschaftlich. Die Menschen im Westjordanland sind zum allergrößten Teil ohne Arbeit. Meine letzte Zahl für Bethlehem ist zwar schon ein Jahr alt, aber damals lag die Arbeitslosigkeit bei 80 Prozent. Entsprechend groß ist der Druck, das Land zu verlassen.

Aus unserer Partnerkirche, der Evangelisch-lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land, höre ich, dass in den vergangenen zwei Jahren rund 40 Familien ausgewandert sind. Das ist ein erheblicher Aderlass. Natürlich betrifft diese Situation nicht nur die Christinnen und Christen. Wir machen weniger als zwei Prozent der Bevölkerung aus. Entsprechend haben die Kirchen vor Ort keine große Stimme. Gleichzeitig wird aus allen Kirchen berichtet, dass die israelische Verwaltung erkennbar weniger Rücksicht auf die Kirchen nimmt.

Grundsteuern werden erhoben, die seit Jahrhunderten nicht erhoben wurden. Es gibt weder in der Jerusalemer Stadtverwaltung noch auf Regierungsebene Ansprechpersonen für die Kirchen. Als vor einigen Wochen eine katholische Ordensfrau brutal zu Boden gestoßen und getreten wurde, gab es viel Solidarität aus der israelischen Gesellschaft. Aber kein einziger Politiker kam.

Kirchen versuchen, die Türen offenzuhalten

epd: Welche Rolle können die Kirchen in einer so festgefahrenen Konfliktlage überhaupt noch spielen?

Lenz: Wir versuchen, im Kleinen die Türen offenzuhalten - nicht nur für Deutschsprachige, auch für viele andere - und den ökumenischen Partnerkirchen möglichst viel an Unterstützung zukommen zu lassen. Wir versuchen auch, diejenigen zu stärken, die sich hier für eine gerechte und friedliche Zukunft einsetzen. Dazu gehören die Rabbis for Human Rights, Women Wage Peace, der Parents Circle und andere Menschenrechtsorganisationen, die sich auf beiden Seiten unermüdlich um Verständigung bemühen.

Als Gemeinde haben wir finanziell nur einen sehr engen Spielraum, auch weil uns durch den ausbleibenden Pilgertourismus Einnahmen fehlen. Trotzdem hat der Kirchengemeinderat auch in diesem Jahr den alljährlichen Marsch für Menschenrechte und Frieden wieder finanziell unterstützt. Wir versuchen, die Guten anzuschieben.

epd: Welche Botschaft möchten Sie den Kirchen und der Politik in Deutschland mitgeben?

Lenz: Wir haben als Deutsche und als Kirchen eine besondere Aufgabe, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. Daran gibt es für mich überhaupt keinen Zweifel. Die Existenz des Staates Israel ist, wie die evangelischen Kirchen sagen, ein Zeichen der Treue Gottes. Aber dass unsere arabischsprachige Schwesterkirche und die kleinen christlichen Kirchen trotz allem immer noch da sind, ist für mich ebenfalls ein Zeichen der Treue Gottes.

Die Kirchen und die Menschen hier verdienen unsere Unterstützung. Viele leben in einer sehr gewaltvollen und ungerechten Situation. Das auszusprechen, ist unsere Aufgabe.

epd-Gespräch: Franziska Hein


Wie Denkmalschutz die Umnutzung von Kirchen kompliziert machen kann




Evangelische Kindertagesstätte in der ehemaligen Johanneskirche in Leverkusen-Manfort
epd-bild/Christine Siefer
In Deutschland stehen rund 44.000 Kirchen und Kapellen. Viele werden in den nächsten Jahren umgenutzt oder verkauft werden müssen, weil die Zahl der Kirchenmitglieder zurückgeht. Doch etliche Gebäude sind denkmalgeschützt. Das macht es kompliziert.

Leverkusen (epd). Mittagszeit in einer evangelischen Kita in Leverkusen-Manfort, die Kinder sammeln sich zum Essen. Eine wuselige Szene, die sich so jeden Tag tausendfach in Deutschlands Kitas abspielt. Doch etwas ist ungewöhnlich. Die Sonne fällt durch Buntglasfenster auf die kleinen Tische, ein großes Kreuz hängt an der Backsteinmauer und über den Köpfen spannt sich eine durchsichtige Folie, durch die man die hohe Balkenkonstruktion des Daches erkennen kann: Die Kita ist in der ehemaligen Johanneskirche untergebracht und trägt ihren Namen.

2017 erging es der evangelischen Manforter Kirchengemeinde so wie vielen Kirchengemeinden in Deutschland. Sinkende Mitgliederzahlen, steigende Unterhaltskosten und Personalengpässe führten zur Entscheidung, die Gemeinden Manfort und Wiesdorf zur Gemeinde Leverkusen-Mitte zusammenzuschließen. Die Johanneskirche wurde entwidmet, wie es heißt, also aus der kirchlichen Nutzung genommen.

Grundlegende Umbauten sind schwierig

Vor dem letzten Gottesdienst im Advent 2020 suchte der Kirchenkreis nach Möglichkeiten der Nachnutzung. Da in einem Gebäudeteil, der an die Kirche angrenzte, bereits eine kleine Kita betrieben wurde, bot sich eine Erweiterung in den Kirchenraum an. Doch der Denkmalschutz stellte das Projekt vor zahlreiche Herausforderungen: Die evangelische Johanneskirche wurde von 1953 bis 1954 als sogenannte Notkirche nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut. Sie steht seit 1995 unter Denkmalschutz.

Das nordrhein-westfälische Denkmalschutzgesetz schreibt vor, dass Baudenkmäler möglichst entsprechend ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung genutzt werden sollen. Ein Kulturraum sei daher als Nachnutzung für eine Kirche eher möglich als beispielsweise ein Wohnheim, für das das Gebäude grundlegend umgebaut werden müsse, erklärt Birgit Parakening-Bozurt vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland. „Ganz wesentlich ist es deshalb, dass in jedem Einzelfall genau hingeschaut wird, was das Besondere, das individuell Prägende ausmacht.“

Erscheinungsbild der Kirche muss erhalten bleiben

Für die Johanneskirche beutete dies, dass das Erscheinungsbild mit den typischen Holzbalken, der Kanzel, den Türen und Fenstern erhalten bleiben musste. Nadja Georgi, Geschäftsführerin des Evangelischen Kita-Verbandes im Kirchenkreis Leverkusen, hatte gleichzeitig mit den hohen baulichen Auflagen an eine Kita zu kämpfen: „Wie können wir die Kita beheizen? Wie können wir den Brandschutz sicherstellen? Bekommen wir überhaupt eine Betriebserlaubnis?“ Gemeinsam mit einem Düsseldorfer Architekturbüro und der Stadt ging es in die Planung. Und die zog sich über Jahre hin.

Drohender Denkmalschutz erschwert die Suche nach Käufern

Ein ähnliches Szenario erlebt gerade die evangelische Gemeinde in Meckenheim bei Bonn. Als die dortige Christuskirche entwidmet wurde, wollte die Stadt das Gebäude samt Teilen des umliegenden Geländes kaufen und dort unter anderem auch eine Kita bauen. Der Kaufvertrag stand kurz vor der Unterzeichnung. Dann kam ein Hinweis, dass das Kirchen-Ensemble aus den 1950ern denkmalwürdig sein könnte.

„Durch das daraufhin eingeleitete Verfahren bei der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Meckenheim und einen Hinweis auf eine mögliche Altlast auf dem unbebauten Gelände kamen Zweifel an der Wirtschaftlichkeit und der weiteren sinnvollen Verwertbarkeit der Immobilie für städtische Zwecke auf“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Für die Kirchengemeinde ein schwerer Schlag. „Für uns ist der drohende Denkmalschutz ein Problem. Wir können das Gebäude finanziell nicht weiter unterhalten und finden so schwerer potenzielle Käuferinnen und Käufer“, sagt Guido Schmidt, der den ganzen Prozess vonseiten der Gemeinde begleitet. Zudem sei das Verfahren zur Denkmalschutzfeststellung immer noch schwebend.

Appell des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz

Gudrun Gotthardt, leitende Landeskirchenbaudirektorin der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) berät in solchen Fällen. Und von denen könnte es bald noch viel mehr geben, sagt sie: „Die Gemeinden der EKiR sollen alle bis Ende 2027 prüfen, welche Gebäude wir uns auf mittlere bis lange Sicht überhaupt noch leisten können.“ Gotthard rechnet damit, dass zwischen 30 und 50 Prozent der Gebäude aus der kirchlichen Nutzung fallen könnten. Auch andere Landeskirchen überprüfen derzeit ihren Gebäudebestand systematisch.

Im Auftrag des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz hat Gotthardt gemeinsam mit anderen Experten und Expertinnen aus Kirche, Staat und Kommunen einen Appell verfasst: Gemeinsam müsse nach konstruktiven Lösungen bei der Nachnutzung von denkmalgeschützten Kirchengebäuden gesucht werden. „Wir müssen jetzt wirklich darauf aufmerksam machen, dass der Erhalt von Kirchengebäuden als baukulturelles Erbe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt“, betont Gotthardt. Dies erfordere eine grundsätzliche Offenheit und Kompromissbereitschaft aller Beteiligten.

Täglich läutet die Kirchenglocke

Dass das gelingen kann, zeigt die Kita-Johanneskirche in Leverkusen-Manfort. Denn die jahrelange Planung brachte Lösungen. Für das Raumklima wurde eine zweilagige, luftgestützte Folie eingezogen. Die Kita-Gruppen befinden sich in kleinen, eingebauten Einheiten darunter. „Das alles klappt nur, weil wir von der Umsetzung überzeugt waren und Experten für Denkmalschutz und kreative Baulösungen an unserer Seite hatten“, sagt Nadja Georgi. Das habe Vertrauen geschaffen.

Der Ort ist auch nach dem tränenreichen Abschied der Gemeinde als Kirche erlebbar geblieben. Einmal im Jahr wird dort der Johannestag der Gemeinde gefeiert. Auch der Glockenturm ist noch im Einsatz. Jeden Tag um 12 Uhr läutet die Glocke: Ein Lebenszeichen der Kirche - und für die Kita-Kinder der Hinweis, dass es gleich Mittagessen gibt.

Von Christine Siefer (epd)


Bischöfin Bammel: AfD ist nicht wählbar




Landesbischöfin Christina-Maria Bammel
epd-bild/Nancy Heusel
Scharfe Kritik an der AfD als Partei, aber keine Pauschalurteile über deren Anhänger: Die neue braunschweigische Landesbischöfin Christina-Maria Bammel erläutert, warum beides für sie zusammengehört.

Wolfenbüttel (epd). Für die braunschweigische Landesbischöfin Christina-Maria Bammel ist die AfD als Partei nicht wählbar. „Mich überkommt das kalte Grausen, wenn Menschen mit Führungspositionen in der AfD von sogenannter Remigration sprechen und zudem alle Inklusionsbemühungen zur Strecke bringen wollen“, sagte die promovierte evangelische Theologin, die Ende Juni in ihr Amt eingeführt wurde, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ebenso abschreckend sei es, dass die AfD mit den Zukunftssorgen und Abstiegsängsten der Menschen spiele, um davon zu profitieren.

Zugleich betonte die Bischöfin, dass zwischen der Partei und ihren Wählerinnen und Wählern unterschieden werden müsse. Die Beweggründe, für die AfD zu stimmen, seien vielfältig und nicht immer mit einfachen Begründungen abzutun. Entsprechend brauche es eine ehrliche, respektvolle und vor allem langfristige Auseinandersetzung mit AfD-Anhängern: „Nicht nur dann, wenn gerade Wahlen anstehen“, unterstrich Bammel.

Beiträge zur Demokratie-Bildung

Die AfD in Sachsen-Anhalt hat mit Blick auf die Landtagswahl im September ein sogenanntes Regierungsprogramm verabschiedet, in dem sie in Opposition zu bestehenden Institutionen wie den großen Kirchen geht. Unter anderem will die Partei das Kirchenasyl stoppen. Auch die Staatsleistungen an die Kirchen sollen abgeschafft werden.

Die braunschweigische Kirche, deren Gebiet sich mit den beiden Exklaven Calvörde und Blankenburg bis nach Sachsen-Anhalt erstreckt, trage mit vielen Projekten, aber auch durch lebendige Gemeindearbeit zur Demokratie-Bildung bei, betonte Bammel.

Jede Jugendarbeitsgruppe, jeder Chor, jedes Familienzentrum und jeder Sprachkurs der evangelischen Erwachsenenbildung sei ein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zur Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig gehören 239 Gemeinden mit rund 264.000 Mitgliedern im Südosten Niedersachsens sowie im Ostharz.

epd-Gespräch: Charlotte Morgenthal


Militärbischof Felmberg: Seelsorgebedarf bei der Bundeswehr steigt




Militärbischof Bernhard Felmberg
epd-bild/Meike Böschemeyer
Die Bedrohungslage in der Welt wächst, Deutschland reagiert darauf unter anderem mit einer Aufstockung der Streitkräfte. Militärbischof Bernhard Felmberg fordert für die Betreuung und ethische Bildung der Bundeswehrsoldaten mehr Militärgeistliche.

Hannover/Berlin (epd). Angesichts der verschärften weltweiten Sicherheitslage sieht der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg einen erhöhten Seelsorgebedarf unter Soldatinnen und Soldaten. „Um das Niveau zu halten, benötigen wir bis Mitte der 30er Jahre 42 zusätzliche Militärgeistliche“, sagte der Theologe in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zurzeit gibt es in Deutschland 100 Militärseelsorger. Die Streitkräfte sollen nach Plänen der Bundesregierung von zurzeit rund 180.000 auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten wachsen.

Das Vertrauen und die Akzeptanz in die Militärseelsorge sei konfessionsübergreifend groß, betonte Felmberg. Die Zustimmung der Soldaten liege einer Studie zufolge im Inland bei 91, im Ausland bei 96 Prozent. „Das sind enorme Werte, wenn man das mit dem zivilen Bereich vergleicht.“ Austritte aus der Kirche kommen Felmberg zufolge in der Truppe deutlich seltener vor, der Bedarf an seelischem Beistand und Gesprächen sei wesentlich höher. Etwa 50.000 Bundeswehrsoldaten sind evangelisch - rund 28 Prozent der Truppe.

Soldaten benötigen ethische Bildung

Felmberg unterstrich darüber hinaus die Bedeutung des von Militärgeistlichen erteilten sogenannten „Lebenskundlichen Unterrichts“ für Soldaten. Dieser nicht religiös geprägte Unterricht sei unter anderem dafür wichtig, um Soldaten ethisch auf die Themen Tod und Verwundung vorzubereiten. Es gehe darum, Soldatinnen und Soldaten ethisch zu bilden und auf das vorzubereiten, von dem jeder hoffe, dass es nicht eintreten werde, sagte Felmberg. „Worauf achte ich, wie verhalte ich mich etwa in einer Kampfsituation, um meinen Gegner nicht zu entmenschlichen.“

Der „Lebenskundliche Unterricht“ sei für die Truppe auch deshalb wichtig, weil er außerhalb des Hierarchiegefüges der Bundeswehr stehe. „Es ist ein Freiraum, in dem Soldatinnen und Soldaten Gedanken, Meinungen, Ängste und Sorgen frei äußern können.“ Felmberg ist seit Oktober 2020 Bischof für die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr.

epd-Gespräch: Julia Pennigsdorf


Papst Leo XIV. rückt Schicksal von Migranten in den Mittelpunkt




Papst Leo XIV. an der Porta d’Europa auf Lampedusa
epd-bild/Vatican Media
Am 250. Jahrestag der Unabhängigkeit seines Geburtslandes USA besucht Papst Leo die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Hier und auch in Grußworten in die USA stehen die Themen Migration und Nächstenliebe im Fokus.

Lampedusa (epd). Papst Leo XIV., der erste US-amerikanische Papst der Geschichte, hat am 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA das Schicksal von Migranten in den Mittelpunkt gerückt. Bei einem Besuch auf Lampedusa gedachte er am 4. Juli in einer Messe auf dem Sportplatz der Mittelmeerinsel der vielen Menschen, die auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ihr Leben verloren haben und verlieren.

In einem Brief an die Bürgerinnen und Bürger der USA betonte Leo XIV. zugleich, dass die „Hoffnungen, Opfer und Beiträge“ von Einwanderern von Anfang an Teil der Geschichte der USA waren. Der in Chicago geborene Robert Francis Prevost stammt selbst aus einer Einwandererfamilie, die harte Migrationspolitik der aktuellen US-Regierung hatte er bereits als Kardinal deutlich kritisiert.

Verleihung der „Liberty Medal“

„In jeder Generation haben diejenigen, die auf der Suche nach Freiheit, Chancen und einem Ort der Zugehörigkeit hierhergekommen sind, den Charakter der Nation mitgeprägt“, schreibt der Papst in dem am 4. Juli veröffentlichten Brief. Sie mit Mitgefühl und Großzügigkeit aufzunehmen, sei nicht nur ein Akt der Nächstenliebe, sondern auch „eine Anerkennung der Würde, die jedem Menschen zusteht“.

Am 3. Juli war Papst Leo in Philadelphia die „Liberty Medal“ verliehen worden. Mit ihr werden seit 1988 Persönlichkeiten und Organisationen geehrt, die sich für Freiheit und Menschenwürde einsetzen. Der Papst bedankte sich persönlich per Videoschalte aus dem Vatikan.

Direkt nach seiner Ankunft auf Lampedusa am Morgen des 4. Juli besuchte Leo XIV. als erste Station den Friedhof der Insel. Dort legte er am Grab von Migranten Blumen nieder. Seit 2014 zählt die Internationale Organisation für Migration (IOM) rund 35.000 Menschen, die auf der Überfahrt von der nordafrikanischen Küste nach Europa starben oder bis heute vermisst werden. In diesem Jahr liegt die Zahl bereits bei mehr als 1.400.

„Die Toten in diesem Meer sind sowohl Opfer getroffener als auch ausgebliebener Entscheidungen“, sagte der Papst. „Wir spüren ihre Gegenwart, die uns nicht weniger beschäftigt als die derer, die an Land gekommen sind und unserer Aufmerksamkeit und Hilfe bedürfen“, erklärte er in seiner Predigt vor rund 4.000 Gläubigen. Leo XIV. beklagte auch ein Desinteresse an der Lage in den Herkunftsländern, „ein globales Wirtschaftssystem, das Armut und Ausgrenzung verursacht“ und „die Vorstellung, dass uns diese Probleme nichts angehen“.

Gedenken an Vorgänger Papst Franziskus

Der Besuch des Papstes auf der Insel dauerte nur wenige Stunden. Er sei gekommen, um den Menschen für die Nähe zu danken, „die viele von euch bewusst gepflegt haben“, sagte er. Lampedusa wurde in den vergangenen Jahren zu einem Schlaglicht für die Migration nach Europa. Auch heute noch kommen nach Angaben des Roten Kreuzes und der Organisation Mediterranean Hope jährlich im Schnitt rund 40.000 Menschen über das Mittelmeer nach Lampedusa.

Bei seinem Aufenthalt auf Lampedusa traf der Papst mit Migrantinnen und Migranten, Helfenden und Behördenvertretern zusammen. Der Landungssteg, an dem Bootsflüchtlinge oft ankommen, wurde umbenannt und trägt nun den Namen von Leos Vorgänger, Papst Franziskus. Dieser hatte 2013 Lampedusa zum ersten Reiseziel seines Pontifikats (2013-2025) gemacht.

Von Almut Siefert (epd)


Vatikan exkommuniziert alle Kleriker der Piusbruderschaft



Die Piusbrüder haben in der Schweiz ohne päpstliche Erlaubnis vier neue Bischöfe geweiht. Der Vatikan bestätigt offiziell deren Exkommunikation. Diese betrifft nicht nur die Beteiligten an der Weihe.

Rom (epd). Nach der unerlaubten Bischofsweihe in der Schweiz hat der Vatikan alle Geistlichen der ultrakonservativen Piusbruderschaft exkommuniziert. In einer am 2. Juli veröffentlichten Note der Glaubensbehörde schließt der Vatikan nicht nur alle Beteiligten der Weihe aus der katholischen Kirche aus, sondern auch alle „Geistlichen, die der Priesterbruderschaft angehören“.

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. hatte am 1. Juli an ihrem Hauptsitz im Schweizerischen Écône vier Männer zu Bischöfen geweiht gegen das Verbot von Papst Leo XIV., dem katholischen Kirchenoberhaupt. Die Bruderschaft befindet sich seit Jahrzehnten mit dem Vatikan im Konflikt. Mit der Exkommunikation ihrer Kleriker endet nun vorerst eine jahrzehntelange Auseinandersetzung.

Piusbrüder werden zu „schismatischer Sekte“

Nach Ansicht der Piusbrüder sichert die Bischofsweihe das Überleben ihrer Glaubensgemeinschaft. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Historisch haben sich die Piusbrüder aus der katholischen Kirche herausentwickelt zu einer schismatischen Sekte.“

Der Vatikan hatte die Bischofsweihe per Dekret als „Akt schismatischer Natur“ eingestuft auch mit Konsequenzen für Laien. „Was die Laiengläubigen betrifft, so sind diejenigen als schismatisch und exkommuniziert anzusehen, die der Bruderschaft formell angehören“, schreibt der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández, in einer beigefügten Erläuterung.

Das Dekret verbiete römisch-katholischen Gläubigen zudem, bei Piusbrüdern die Sakramente zu empfangen, sagte Kirchenrechtler Schüller. Eine vom mittlerweile verstorbenen Papst Franziskus befristete Ausnahme bezüglich Buße und Eheschließung werde damit auch zurückgenommen.

Gespräche waren vergeblich

Die Piusbruderschaft, der aktuell nach eigenen Angaben weltweit rund 700 Priester angehören, wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) gegründet. Die Piusbrüder weisen viele der Reformen zurück, darunter die Anerkennung der Religionsfreiheit und die Öffnung der Kirche für Dialoge mit anderen Kirchen und Religionen.

Kardinal Fernández betonte am Donnerstag, Gespräche mit der Priesterbruderschaft seien nicht erfolgreich gewesen. Seit der Zeit von Papst Paul VI. (1963 bis 1978) bis hin zu den jüngsten Gesprächen im Februar hätten sich die „zahlreichen Versuche, die Anhänger der Bewegung wieder in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu führen“, als vergeblich erwiesen. Die Situation habe sich durch die jüngsten Bischofsweihen weiter verschärft.

Bei der Bischofsweihe in Écône hatten die Piusbrüder die Kurie in Rom attackiert. Die kirchlichen Autoritäten seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bis heute seien „von einem Geist beseelt, der dem des Glaubens entgegensteht“ und handelten gegen die „heilige Tradition“.

Von Almut Siefert und Franziska Hein (epd)


Bundesweite EKD-Aktion: 5.000 Paare erleben heißes Segens-Wochenende



Über 5.000 Paare haben sich bei der evangelischen Aktion #einfachheiraten an besonderen Orten und in Kirchen trauen oder segnen lassen. Die Kirche will so einen unkomplizierten Zugang für Paare bieten, die ihre Beziehung religiös gestalten möchten.

Hannover (epd). Am letzten Juni-Wochenende haben sich nach Angaben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mehr als 5.000 Paare im Rahmen der bundesweiten Aktion #einfachheiraten segnen oder kirchlich trauen lassen. Wie die EKD nach ersten Hochrechnungen am 29. Juni in Hannover mitteilte, waren am bislang heißesten Wochenende des Jahres auch die kühlen Kirchen sehr beliebt, die vielerorts festlich geschmückt waren. Viele Paare hätten dabei rund um den 26. Juni aus insgesamt 370 Angeboten einen Ort gewählt, der für sie besondere Bedeutung hat: am Wasser, im Garten, im Flughafen oder auf der Skischanze, im Riesenrad oder im Unesco-Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

„Es war so berührend zu sehen, wie Paare, die teilweise schon lange Jahre zusammen sind, noch einmal Ja zueinander gesagt - und ganz spontan ihr Glück unter Gottes Segen gestellt haben“, fasste die EKD-Ratsvorsitzende, die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, die Initiative zusammen: „Ich glaube, dass dieser Segen - Gottes Jawort zu uns - die Menschen in diesen verunsichernden Zeiten in ihrem Vertrauen zueinander stärkt.“

Nächste Segens-Tage im Juli 2027

Die Aktion richtete sich laut EKD an Paare, die ihre Beziehung unter Gottes Segen stellen möchten - ohne lange Vorbereitungszeit, hohen organisatorischen Aufwand oder große Kosten. Neben Segnungen waren unter bestimmten Voraussetzungen auch evangelische kirchliche Trauungen möglich. „Unser Ziel ist weniger eine bestimmte Zahl zu erreichen, sondern möglichst vielen Paaren einen unkomplizierten Zugang zu kirchlicher Trauung oder Segnung zu ermöglichen“, so die Pfarrerin und Koordinatorin Anne Brisgen vom Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur mit Sitz in der Lutherstadt Wittenberg.

Im kommenden Jahr soll die Aktion #einfachheiraten rund um den 2. Juli erneut stattfinden. Erstmals wurde die Initiative in diesem Jahr gemeinsam von der EKD und zwölf evangelischen Landeskirchen getragen.



Neuapostolische Kirche wird Vollmitglied in Ökumene-Dachverband



Frankfurt a.M. (epd). Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland hat ein neues Mitglied: Die Neuapostolische Kirche ist das 21. Mitglied des ökumenischen Dachverbandes, wie die ACK am 1. Juli in Frankfurt am Main mitteilte. Man setze damit den Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen in einer noch größeren und gestärkten Gemeinschaft fort, sagte der Vorsitzende der ACK, Christopher Easthill, laut Mitteilung.

Die Neuapostolische Kirche zählt in Deutschland den Angaben zufolge rund 300.000 Mitglieder, weltweit nach Angaben der Gemeinschaft rund neun Millionen Mitglieder. Die meisten leben in afrikanischen Ländern. Die Konfessionsgruppe der apostolischen Gemeinschaften versteht sich als Mittelweg zwischen katholisch-anglikanischer Kirche und Protestantismus. In Deutschland hat die Religionsgemeinschaft den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Seit 2019 Gastmitglied

Seit 2019 war die Neuapostolische Kirche in Deutschland Gastmitglied der ACK. Mit der nun erfolgten Zustimmung aller 20 Mitgliedskirchen zur Vollmitgliedschaft finde ein mehr als 25 Jahre langer ökumenischer Annäherungsprozess seinen Abschluss, hieß es.




Gesellschaft

Verfassungsschutz geht von mehr Extremisten aus




Bundesinnenminister Dobrindt präsentiert eine Grafik zu Extremisten.
epd-bild/Christian Ditsch
Einmal im Jahr gibt der Verfassungsschutz einen Überblick über die Szenen der Extremisten in Deutschland. Die Zahl der Rechtsextremisten ist nach seiner Einschätzung weiter gestiegen.

Berlin (epd). Die Zahl der Extremisten in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz von rechtsaußen bis ganz links weiter angestiegen. Dabei komme „die größte Bedrohung für unsere Demokratie“ weiterhin von Rechtsextremisten, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am 30. Juni in Berlin zur Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 2025. Die Zunahme linksextremer Gewalt, etwa auf kritische Infrastruktur, nannte der CSU-Politiker „ein ernstes Warnsignal für unseren Rechtsstaat“.

Laut Verfassungsschutzbericht wurden 2025 insgesamt 58.851 Straftaten mit extremistischem Hintergrund registriert, 2024 waren es 57.701. Die Zahl der darin enthaltenen Gewalttaten stieg um rund zehn Prozent auf 3.294.

Demokratie unter Druck

Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen sagte, die Demokratie stehe „unter vielfältigem Druck von außen wie von innen“. Dabei verwies er auf Fälle von Sabotage, Spionage, Desinformation und Terrorismus. „Wir werden praktisch permanent angegriffen“, betonte er. Deutschland sei eines der wichtigsten Ziele für ausländische Nachrichtendienste, vor allem aus Russland, China und dem Iran.

Das Personenpotenzial im Rechtsextremismus schätzt der Verfassungsschutz auf rund 58.700 Anhänger, 17 Prozent oder 8.450 mehr als im Vorjahr. Darunter befänden sich rund 15.600 Gewaltbereite, hieß es. Im Fokus rechtsextremer Agitation stünden weiter die Themen Asyl und Migration. Die Steigerung hänge vor allem mit der gewachsenen Anhängerschaft der AfD zusammen. Die Partei wird vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall für verfassungsfeindliche Bestrebungen geführt.

Mehr Rechtsextremisten in der AfD

Angesichts der steigenden Mitgliederzahl der Partei sei davon auszugehen, dass sich auch das extremistische Personenpotenzial innerhalb der AfD entsprechend vergrößert habe, heißt es im Bericht. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass rund 28.000 Anhänger der AfD der rechtsextremen Szene zuzurechnen sind. Im Vorjahr waren es 20.000.

Das linksextreme Personenpotenzial stieg demnach 2025 auf 42.200 Personen, 2024 waren es 38.000. Davon seien 11.600 gewaltorientiert, hieß es. Dem Bereich Islamismus und islamistischer Terrorismus rechneten die Verfassungsschützer 28.645 Personen zu, 365 mehr als im Jahr davor. Darunter seien geschätzt 9.110 gewaltorientierte Personen, ein Rückgang um 430, hieß es.

Das Personenpotenzial im auslandsbezogenen Extremismus stieg demnach um mehr als 1.300 Personen auf 33.850 an, darunter rund 22.000 Gewaltorientierte.

Antisemitismus als verbindendes Glied

Mit Blick auf den wachsenden Antisemitismus betonte Dobrindt, dieser sei zu einem verbindenden Merkmal der Extremisten geworden. Grund sei nicht zuletzt der andauernde und durch den Iran-Krieg noch verschärfte Nahost-Konflikt.

Eine zunehmende Bedrohung sieht der Verfassungsschutz durch junge, online radikalisierte Täter. Dies gelte insbesondere für die rechtsextreme und islamistische Szene, hieß es. Aktivisten seien besonders in sozialen Medien wie Instagram und TikTok aktiv. Onlinemedien und Content-Creator wirkten als Multiplikatoren. Gaming-Plattformen wie Roblox würden genutzt, um junge Menschen anzusprechen und ideologisch zu beeinflussen.

Von Lukas Philippi und Corinna Buschow (epd)


UN-Wetterorganisation: Noch mehr Hitzewellen kommen



Neue Hitzewellen werden in den kommenden Monaten und darüber hinaus den Menschen weltweit zu schaffen machen. Ursache ist laut der Weltorganisation für Meteorologie das Phänomen El Niño.

Genf (epd). In den kommenden Monaten und darüber hinaus werden laut den UN Hitzewellen, Starkregen und andere extreme Wetterlagen weltweit mit steigender Wahrscheinlichkeit immer öfter auftreten. Das verstärkte Wetterphänomen El Niño sei eine der Ursachen für die Häufung, teilte die Weltorganisation für Meteorologie am 3. Juli in Genf mit.

El Niño werde auch zu einem zusätzlichen Anstieg der globalen Temperaturen führen, sagte der WMO-Wissenschaftler Alvaro Silva. Die globalen Temperaturen erreichten in El-Niño-Jahren normalerweise Rekordwerte.

Natürliches Phänomen

El Niño wird sich laut WMO von Juli bis September verstärken. Es handele sich um ein natürlich auftretendes Phänomen, das durch überdurchschnittlich hohe Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlichen äquatorialen Pazifik gekennzeichnet sei.

El-Niño-Ereignisse treten demnach in der Regel alle zwei bis sieben Jahre auf und dauern meist zwischen neun und zwölf Monaten. Sie entwickeln sich laut den Angaben häufig zwischen März und Juni, erreichen ihren Höhepunkt zwischen November und Februar und üben ihren stärksten Einfluss auf die globalen Temperaturen im Jahr nach ihrem Beginn aus.



Oberstes US-Gericht stoppt Trump-Erlass zum Geburtsrecht



Die Geburt in den USA berechtigt seit mehr als 150 Jahren zur Staatsbürgerschaft. US-Präsident Trump wollte das ändern, doch das Oberste Gericht hat ihm am Dienstag eine Absage erteilt.

Washington (epd). Auch künftig erhalten alle in den USA geborenen Menschen automatisch die Staatsbürgerschaft des Landes. Das Oberste Gericht kippte am 30. Juni einen Erlass von Präsident Trump, der das Geburtsrecht abschaffen wollte. Dieses Recht leitet sich aus einem seit mehr als 150 Jahren geltenden Zusatzartikel der US-Verfassung ab.

Trump hatte am ersten Tag seiner zweiten Amtsperiode im vergangenen Jahr verfügt, in den USA Geborene sollten künftig die Bürgerschaft nicht erhalten, wenn ihre Eltern ohne Aufenthaltsgenehmigung oder nur vorübergehend in den USA leben. Nach Darstellung der Regierung ist dieses Geburtsrecht ein Anreiz für Migranten, illegal in die USA zu kommen. Man wolle „Geburtstourismus“ verhindern.

Erlass trat nie in Kraft

Der Erlass wurde umgehend angefochten und trat nie in Kraft. Das Urteil am 30. Juni bekräftigte, dass in den USA Geborene laut Verfassung „bei Geburt Bürger sind“. Das Urteil wurde von dem Vorsitzenden des Gerichts, John Roberts, geschrieben. Vier Richterinnen schlossen sich Roberts an, ein weiterer Richter sprach sich ebenfalls für das geltende Recht aus, jedoch mit anderer Begründung. Drei konservative Richter unterstützten Trumps Erlass.

Nach Schätzungen des Instituts „Pew Research Center“ wurden 2023 in den USA 320.000 Kinder von Müttern ohne Papiere und von Müttern mit begrenzter Aufenthaltsgenehmigung geboren. Das entsprach neun Prozent der Geburten. Viele dieser Babys hätten kein Recht auf eine Staatsbürgerschaft, wenn Trump sich vor dem Obersten Gericht durchgesetzt hätte.

Trumps Erlass galt als weitreichende Maßnahme seiner äußerst restriktiven Migrations- und Abschiebepolitik. Nur knapp 40 Länder auf der Welt haben ein vergleichbares Staatsbürgerschaftsrecht, die meisten davon in Nord-, Mittel- und Südamerika.



Fünf Jahre nach Flutkatastrophe: Die Ahrtalhelfer und ihr Weinberg




Fluthelfer mit einer Weinflasche auf dem Weinberg der Initiative "HelfAHRwein" in Bad Neuenahr-Ahrweiler
epd-bild/Meike Böschemeyer
Als im Juli 2021 das Ahrtal von einer unvorstellbaren Flutwelle zerstört wurde, machten sich Zehntausende freiwillige Helfende mit Gummistiefeln und Schaufeln auf den Weg in die Katastrophenregion. Einige sind noch immer ehrenamtlich dort aktiv.

Bad Neuenahr-Ahrweiler (epd). Im historischen Weinkeller stand das dreckige Wasser bis zur Decke, die Maschinen der Abfüllanlage waren ruiniert. Im Büro, wo das Wasser hüfthoch gestanden hatte, waren alle Rechner mit Kundendaten und Geschäftsunterlagen zerstört. Die Kartons mit dem gerade abgepackten Wein des Vorjahres hatten sich in eine pampige Masse verwandelt, unzählige Flaschen lagen chaotisch im Schlamm verteilt. „Die Lager sahen aus wie nach einem Bombenangriff“, erinnert sich Wolfgang Külper an das Bild, das sich ihm im Juli 2021 beim Ahrweiler Winzerverein bot, als er dort zum Aufräumen eintraf.

Das ist mittlerweile fünf Jahre her. Mit fortschreitendem Wiederaufbau des Ahrtals kehrt langsam so etwas wie Normalität zurück in die Region, doch für Külper und einige Mitstreiter geht die Arbeit weiter. Die Initiative „HelfAHRwein“ bewirtschaftet bis heute ehrenamtlich einen Weinberg, übernimmt dort Schnitt- und Pflegearbeiten sowie die Weinlese, vermittelt Rebstock-Patenschaften und leistet mit den Erlösen einen Beitrag zum Wiederaufbau.

Blanc-de-Noir zum Solipreis

Aus den roten Spätburgunder-Trauben oberhalb von Ahrweiler entsteht ein Blanc-de-Noir-Weißwein, die rund 1.000 Flaschen pro Jahr werden aktuell zum Solidaritätspreis von 18 Euro verkauft. Keiner der Mitwirkenden hatte anfangs wirklich Ahnung von der Arbeit in den Reben. Mittlerweile hätten alle aber mehrere Jahre „Lehrzeit“ absolviert, lobt der Betriebsleiter der Winzergenossenschaft, Alexander Müller, seine engagierten Helfer.

Dass es sich bei der gewaltigen Wasserwelle, die sich vom 14. auf den 15. Juli 2021 durch das idyllische Ahrtal im Norden von Rheinland-Pfalz ergoss, nicht um ein normales Hochwasser handelte, hatte der gebürtige Lübecker Külper 2021 kurz nach seiner Pensionierung sogar in seiner Wahlheimat Bonn spüren können. Selbst dort roch es kurz nach der Katastrophe am Rheinufer nach ausgelaufenem Heizöl, das aus dem überfluteten Tal fortgeschwemmt worden war. Nachdem er die E-Mail eines Bekannten mit einem dramatischen Hilferuf erhalten hatte, stieg er ins Auto und fuhr los zum Helfen. Arbeit gab es unendlich, denn in manchen Ortschaften waren praktisch alle Häuser überflutet worden: „Sechs Tage in der Woche war ich im Ahrtal. Einen Tag brauchte ich zum Wäschewaschen.“

Nach dramatischem Hilferuf aus dem Tal

Külper landete mit einigen anderen Freiwilligen beim Winzerverein in Ahrweiler, einer Genossenschaft, die Weinproduktion und Vermarktung für zahlreiche kleine Betriebe und nebenberufliche Winzer übernimmt. Deren Angestellte konnten sich anfangs nicht um die Räumarbeiten kümmern, denn nahezu alle waren auch privat von der Flutkatastrophe betroffen. Eines Tages kam die Idee auf, „Flutwein“ zu vermarkten. Annebet van Weerelt, die sich mit ihrer Wandergruppe zum Freiwilligeneinsatz im Ahrtal gemeldet hatte, staunte nicht schlecht, als ihr damals eine Aufgabe zugewiesen wurde: „Da stand auf dem Zettel, dass wir Flaschen waschen sollen.“ Und zwar nicht nur einige wenige, sondern insgesamt 200.000.

Schließlich griffen die Helferinnen und Helfer den Ahrtal-Winzern auch bei der Pflege ihrer Weinberge unter die Arme, denn dafür hatte in den Wochen nach der Flut kaum jemand Kraft und Zeit, und die Weinlese 2021 drohte mancherorts zum Totalausfall zu werden. Weil sich die Mitglieder der Gruppe sympathisch waren und sie sich dem Tal und seinen Menschen verbunden fühlten, war die komplette Übernahme eines Weinbergs der nächste Schritt.

„Einen wahren Freund erkennst du in unsicheren Zeiten“

Am Ende jeder Weinlese fragen sich die Aktiven von „HelfAHRwein“, ob sie weitermachen. Bislang fanden sich für jede Saison genügend Freiwillige, die weder Wind noch Wetter noch die schweißtreibenden Wege an dem steilen Weinberg scheuen. „Selbst bei Gewitter ist es schön hier, wenn die Wolken von der Eifel hierherziehen“, berichtet Winfried Böhlefeld, der ebenfalls aus Bonn stammt und durch einen Sportverein mit dem Ahrtal verbunden ist.

Wer fünf Jahre nach dem Katastrophensommer das schwer in Mitleidenschaft gezogene Gelände der Winzergenossenschaft besucht, sieht auf den ersten Blick nichts mehr von dem Unheil. Die neue Vinothek hat ihre Türen für Kunden geöffnet, die Weinkeller beeindrucken mit ihren aufwendig verzierten hölzernen Riesenfässern. Eines davon haben die Hilfs-Winzer gestiftet. Darauf prangt der lateinische Spruch „Amicus certus in re incerta cernitur“, auf Deutsch: „Einen wahren Freund erkennst du in unsicheren Zeiten.“

Von Karsten Packeiser (epd)


Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus



Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Ein Verein will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern.

Frankfurt a.M. (epd). Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender (NJH) kritisiert, dass Hochschulen häufig die rechtlichen Grundlagen fehlten, um gegen Antisemitismus und Diskriminierung von jüdischen Studierenden und Lehrenden vorzugehen. Das Netzwerk schlage deshalb gesetzgeberische Schritte vor, wie etwa einen einklagbaren Rechtsanspruch auf Schutz durch die Hochschule, teilte der Verein in Frankfurt am Main mit.

Anfeindungen, Diffamierungen und offener Antisemitismus blieben in den Hochschulen weitgehend folgenlos. Dies geschehe meist „mangels klarer rechtlicher Grundlagen“, begründet das NJH seinen Vorstoß. Allgemeine Schutz- und Diversitätsklauseln genügten nicht, da sie Betroffenen nicht zu ihrem Recht verhelfen könnten. Es sei notwendig, bundesweit in allen Landeshochschulgesetzen ein subjektives Recht auf Schutz durch die Hochschule zu verankern. Entsprechende Überlegungen gebe es bereits in Nordrhein-Westfalen, sagte eine Sprecherin des Netzwerks dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Verein: Steuergelder nicht für demokratiefeindliche Zwecke nutzen

Hochschulen sollen zudem verpflichtet werden, „keine Räume, keine Infrastruktur und keine institutionellen Mittel für Veranstaltungen, Gruppierungen oder Vortragende bereitzustellen, die antisemitische, israelfeindliche oder sonstige menschenverachtende Inhalte verbreiten“. Auch die Bürger hätten ein Anrecht darauf, „dass ihre Steuergelder nicht für demokratiefeindliche und dem Grundgesetz widerstreitende Zwecke genutzt werden“. Demokratiefeindliches und menschenverachtendes Agitieren erhalte durch den universitären Rahmen zudem den Deckmantel eines intellektuellen Diskurses, den es inhaltlich nicht verdiene.

Weiter fordert das NJH ein Hochschulordnungsrecht, das sich am Disziplinarrecht für Beamte orientiert. Ordnungsverstöße und Sanktionen sollten klar geregelt werden. Insbesondere solle das Hausrecht präzisiert werden, das eine rechtliche Handhabe für Störer gebe. Auch eine Exmatrikulation solle möglich sein.

Das NJH wurde 2023 gegründet. Eigenen Angaben zufolge besteht es aus 200 Mitgliedern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.



Ermittlungen zum Einsturz der Dresdner Carolabrücke eingestellt



Der Einsturz einer Brücke in Dresden geht laut Staatsanwaltschaft nicht auf menschliches Fehlverhalten zurück. Ein Gutachten gibt Aufschluss.

Dresden (epd). Knapp zwei Jahre nach dem Teileinsturz der Carolabrücke in Dresden hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. Es gebe keine Anhaltspunkte für einen strafrechtlich relevanten Sachverhalt, teilte die Ermittlungsbehörde am 3. Juli in Dresden mit. Eine Relevanz sei vor allem mit Blick auf den Straftatbestand der Baugefährdung geprüft worden. Die Carolabrücke als eine der Elbquerungen in Dresden war in der Nacht zum 11. September 2024 teilweise eingestürzt.

Menschen wurden nicht verletzt. Als Einsturzursache wurde in einem Gutachten, auf das sich die Behörde beruft, eine „wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion mit Materialversagen des Spannstahls“ angegeben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit waren demnach bereits vorhandene Schäden an zahlreichen Spanngliedern trotz regelmäßiger sachgemäßer Prüfungen unentdeckt geblieben.

Neubau ab 2028

Laut Gutachten kündigt sich ein Spannstahlausfall „nur durch eine Rissbildung mit sehr kleinen Rissweiten“ an. Das Verformungsverhalten insgesamt sei nicht wesentlich vom unbeschädigten System abgewichen, hieß es.

Im Ergebnis der Prüfung der Staatsanwaltschaft Dresden seien Pflichtverletzungen Dritter, die strafrechtlich relevant für dieses Einsturzereignis waren, nicht ersichtlich, hieß es. Daher habe die Behörde auch davon abgesehen, gegen Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.

Die eingestürzte Brücke wurde inzwischen komplett abgetragen. Der Bau einer neuen Carolabrücke soll voraussichtlich 2028 beginnen. Die Fertigstellung wird für 2031 erwartet.



Pistorius: Ich benutze Wort "kriegstüchtig" heute seltener



Dass Verteidigungsminister Pistorius gefordert hatte, die Bundeswehr müsse "kriegstüchtig" werden, sorgte für Debatten und erntete teils harsche Kritik. Der Minister reagierte darauf.

Hamburg (epd). Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) spricht eigenen Worten zufolge heute bewusst seltener davon, dass die Bundeswehr „kriegstüchtig“ werden muss. Er habe wahrgenommen, dass das Wort einige verschreckt habe. „Das hatte ich nicht beabsichtigt. Also benutze ich es seltener“, sagte Pistorius dem „Spiegel“ in einem am 2. Juli online veröffentlichen Interview. „An meiner Überzeugung ändert das nichts“, fügte er hinzu.

Das Wort habe seine Wirkung entfaltet. Er habe wachrütteln und darauf hinweisen wollen, dass Deutschland mehr für seine Verteidigung tun müsse. „Ich wollte sagen, dass nur derjenige abschrecken kann, der auch Krieg führen kann. Die Bundeswehr rüstet sich für einen Verteidigungskrieg, für nichts anderes“, betonte Pistorius.

Betonung auf Abschreckung

„Je besser wir unsere Soldatinnen und Soldaten ausstatten, desto mehr schrecken wir ab und desto unwahrscheinlicher ist es, dass wir angegriffen werden. Und nur dann können wir unseren Wohlstand erhalten“, sagte er.

Er sei seit 50 Jahren in der SPD, und es falle ihm mir schwer, so viel Geld für Waffen ausgeben zu müssen, während die Mittel im sozialen Bereich fehlen. „Wer jedoch behauptet, ohne die Aufrüstung der Bundeswehr hätten wir mehr Geld für Soziales, streut den Menschen Sand in die Augen“, sagte der Minister und ergänzte: „Es gäbe dann ja keine neuen Schulden für mehr Sozialausgaben, es wäre also nicht mehr Geld da.“




Soziales

Wie Kinder mit Roboter-Tieren natürlich und künstlich unterscheiden




"Elektronischer Streichelzoo" am Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
epd-bild/Christine Süß-Demuth
Sie sind flauschig und doch ein bisschen künstlich: Am Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe gibt es interaktive Roboter-Meerschweinchen. Forscher untersuchen damit, wie Kinder "natürlich" von "künstlich" unterscheiden können.

Karlsruhe (epd). Sie sind weich, schnurren und reagieren auf Berührung und Ansprache: Zehn interaktive Roboter-Meerschweinchen gibt es im „Elektronischen Streichelzoo“ am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe. Sie fiepen, wenn man ihr Fell krault, und reagieren auf einfache Sprachbefehle wie „What's your name?“ Wer genau hinhört, dem antworten sie mit „Booboo“.

Auf die niedlichen Roboter im Kunstfell reagieren Kinder und Erwachsene. Viele seien begeistert, würden sie streicheln und eine Reaktion abwarten, sagt Merlin Tzimou, studentischer Mitarbeiter. Manche Kinder trauten sich zuerst nicht und seien durch die Reaktion der Booboos verunsichert.

Roboter können zwischenmenschlichen Kontakt nicht ersetzen

Eine junge Frau krault ein schwarzes Robotertierchen. Ob sie sich dadurch besser fühlt? „Nein, es erinnert mich an meine beiden Hunde, die ich heute nicht dabeihabe.“ Andere sehen darin einfach eine andere Art Spielzeug. Es sei eine „süße Alternative“ für Haustiere, etwa bei Allergien. Außerdem seien sie pflegeleicht. Im Urlaub müsse sich niemand darum kümmern, so eine andere Reaktion. Den menschlichen Kontakt könnten sie aber nicht ersetzen, sind sie sich einig.

Maschinen, die vorgeben, lebendig zu sein

Warum bietet das ZKM einen Elektronischen Streichelzoo an? Im Zeitalter von KI gebe es immer mehr Maschinen, die vorgeben, lebendig zu sein, es aber nicht seien, sagt Tina Lorenz, Leiterin des ZKM Hertzlabs. Ob Sprachassistent im Smarthome, sprechende Puppe oder schlaue Sensorik: „Je mehr die Maschinen soziale Kontakte ersetzen, desto problematischer werden sie für uns Menschen.“

Das Projekt möchte dazu beitragen, Kinder und Erwachsene für diese wichtige Unterscheidung zu sensibilisieren. Die Robotermeerschweinchen seien gut dafür geeignet, Kinder an einen „kompetenten Umgang mit lebendig wirkenden Gegenständen“ heranzuführen und die Funktionsweise zu veranschaulichen, erklärt Lorenz.

Unterschied zwischen echt und künstlich erkennen

Begleitet wird der Elektronische Streichelzoo von Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Dabei geht es um die Frage, wie Mädchen und Jungen im Kindergartenalter den Unterschied zwischen lebendigen Tieren und täuschend echt wirkenden Maschinen wahrnehmen.

Weil Kinder sich immer früher mit interaktiven Technologien auseinandersetzen müssen, sei es wichtig, den Unterschied zu erkennen, erläutert Jan Ole Rixen von der KIT-Forschungsgruppe „Mensch-Maschine-Interaktion und Barrierefreiheit“ im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für die Studie haben bisher etwa 100 Kinder aus Kita-Gruppen den etwas anderen Zoo besucht. Nachmittags können interessierte Kinder mit den Robotertieren spielen.

Robotertier ist wie eine Box mit Kabeln und Batterien

Gerade jüngere Kinder mit drei, vier Jahren könnten natürlich oder künstlich noch nicht unterscheiden, so Rixen. Sie betrachteten die Booboos als Tier und malten es etwa mit Karotten. Ältere Kinder wüssten schon, dass es nicht echt ist, würden aber trotzdem ins Spiel verfallen. Den Wissenschaftler interessiert, was die Mädchen und Jungen über die Roboter denken. Dabei geht spielerisch um Fragen, ob Booboos etwas fressen müssen, was sie den ganzen Tag über machen oder ob sie Gefühle haben.

Das Ziel sei es, dass Kinder lernen, kritisch auf Roboter und KI zu reagieren, erklärt Rixen: „Man kann damit spielen, sollte aber auch verstehen, was es ist.“ Am Ende erklärt er den Kindern, dass die Robotermeerschweinchen sich nur durch die Dinge bewegen können, die sich in ihrem Inneren befinden. Er vergleicht die künstlichen Plüschtiere mit einer Schachtel, in der sich Kabel, Schrauben und Batterien befinden.

Von Christine Süß-Demuth (epd)


Die unsichtbare Belastung pflegender Angehöriger



Erkranken Eltern an Demenz, ist das auch für ihre Kinder eine Belastung. Eine Betroffene berichtet, was sie sich von der Politik wünscht, und ein Experte erklärt, wie man Demenz verlangsamen kann.

Bad Aibling (epd). Vor etwa fünf Jahren bemerkte Jeanette Acht-Prause, dass sich ihre Mutter veränderte. „Sie ist immer vergesslicher geworden, man musste Dinge immer wieder erzählen. Ich habe mir damals gedacht: Das geht in keine gute Richtung“, erinnert sich die 50-Jährige aus der Eifel. Damals war ihre Mutter 77 Jahre alt.

„Ich hatte mich schon mit meinem Vater darüber unterhalten, dass das nicht mehr normal ist“, sagt Acht-Prause. Anfangs schrieb sie die Symptome noch dem Alter zu. „Außerdem hatte sie zwei gutartige Gehirntumore, wegen denen sie operiert werden musste. Das hat natürlich auch seine Spuren hinterlassen.“ 2023 ergab eine Nervenwasseruntersuchung die Diagnose Alzheimer.

Demenz entwickelt sich oft zunächst unbemerkt

Klaus Jahn ist Chefarzt im Fachzentrum der Neurologie und Geriatrie in der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen. „Eine Demenz entwickelt sich oft über Jahre unbemerkt im Gehirn durch Funktionsverlust von Nervenzellen und entsprechenden Folgen für die Hirnfunktion“, erklärt er. Wenn ein solcher Abbau beginnt, können ein gesunder Lebensstil und ausreichend körperliche und geistige Aktivität das Ausbrechen einer Krankheit verzögern oder ganz verhindern. „Die frühe Diagnosestellung ist hierbei wichtig“, betont der Neurologe.

Demenz habe verschiedene Ursachen. Bei manchen Formen sei die Rückbildung der Defizite möglich. „Das gilt zum Beispiel für Demenzen bei Vitaminmangel, Fehlernährung oder gestörten Hirnwasserkreislaufs“, erklärt Jahn. Für die häufigste Demenzform, die Alzheimer-Erkrankung, gibt es inzwischen Medikamente, die in bestimmten Fällen und im frühen Stadium den Krankheitsverlauf verzögern können.

Auf welche Symptome Angehörige laut Jahn besonders achten sollten: „Bei der Alzheimer-Demenz ist die Störung der räumlichen Orientierung, also das Zurechtfinden in der Umgebung, ein frühes Zeichen des Nachlassens der geistigen Leistungsfähigkeit.“ Oft falle auch eine gewisse Persönlichkeitsveränderung, reduziertes Interesse und verminderte soziale Aktivitäten auf. „Im Laufe der Zeit kommen dann Gedächtnisstörungen dazu.“

Belastung für Erkrankte und Angehörige

Nachdem ihr Vater im vergangenen August verstorben war, zog Jeanette Acht-Prause bei ihrer Mutter ein und lebt seitdem dort. „Ich habe mich auch vorher, besonders in den letzten zwei bis drei Jahren, um meine Eltern und ums Haus gekümmert, den Garten gepflegt, Einkäufe erledigt“, sagt sie. Aktuell macht ihre Mutter eine Physiotherapie, auch auf tägliche Bewegung wird geachtet. Eine Zeit lang machte die 82-Jährige eine Ergotherapie. „Aber mittlerweile ist die Ergotherapeutin schwanger und es ist schwierig, Ersatz zu finden, gerade im Hausbesuch.“

Nicht nur für die an Demenz Erkrankten selbst ist die Krankheit eine Belastung, sondern auch für die Angehörigen. Acht-Prause hat für die Pflege ihrer Mutter ihren Beruf und auch ihr Privatleben zurückgestellt. „Ich lebe seit einem Jahr räumlich getrennt von meinem Mann“, beschreibt sie. „Ich habe meine Stundenzahl reduziert, arbeite nun nur noch 25 Stunden die Woche. Das konnte ich nur machen, weil mein Mann auch arbeitet, sonst könnte ich auch meine Wohnung nicht behalten.“

Die Situation sei belastend, sagt sie: „Emotional ist das mit jedem Tag herausfordernd. Es ist immer wieder traurig zu sehen, dass Dinge, die vor ein paar Wochen noch gingen, plötzlich nicht mehr gehen. Es geht nur noch in die eine Richtung: bergab.“ Die organisatorischen und bürokratischen Aufgaben rund um Krankenkasse, Pflegekasse und Ärzte kosten zusätzlich Zeit und Kraft. „Wenn man beim Arzt anruft, geht kaum noch jemand ran“, klagt sie. „Es ist schwer, einen Termin zu bekommen.“

Mehr Unterstützung gewünscht

Acht-Prause wünscht sich im Alltag mehr Entlastung. Um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, engagiert sich Acht-Prause im Verein „wir pflegen“, der sich für mehr Anerkennung, Mitbestimmung und bessere Unterstützung für pflegende Angehörige einsetzt. „Man muss vieles durch sein Umfeld regeln, Freunde und Bekannte oder auch Ehrenamtliche, die mal spazieren gehen“, sagte sie.

Sie wünscht sich, dass die Hürden für einen höheren Pflegegrad niedriger wären. Aktuell allerdings plant die Bundesregierung, die Hürden für Pflegegrade anzuheben. „Es ist kräftezehrend“, beschreibt Acht-Prause. „Pflegende Angehörige erbringen viel Leistung, die der Staat einspart, und ich würde mir wünschen, dass die Regierung sagt: Ihr tut was für uns, also tun wir etwas für euch.“

Von Stefanie Unbehauen (epd)


Bonhoeffer-Klinik für suchtkranke Jugendliche schließt nach 46 Jahren



Trotz engagierter Fürsprecher hat die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik am Mittwoch ihren Betrieb eingestellt. Damit ist die bundesweit größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche geschlossen. Am Standort wird es nun ein reduziertes Angebot geben.

Ahlhorn (epd). Die bundesweit größte Fachklinik für suchtkranke Kinder und Jugendliche im niedersächsischen Ahlhorn bei Oldenburg hat nach 46 Jahren ihren Betrieb eingestellt. Am 30. Juni sei der offiziell letzte Tag der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik gewesen, teilte der Träger, das diakonische Leinerstift, im ostfriesischen Großefehn bei Aurich mit.

Aus der Fachklinik wird den Angaben zufolge nun eine Einrichtung, die auch künftig Kindern und Jugendlichen mit Abhängigkeitserkrankungen einen Ort „zum Heilen und für einen Neuanfang“ bietet. Das neue Angebot mit dem Namen „Leinerstift - Leben, Entwickeln, Entfalten“ richte sich an Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren.

Neustart mit zwei Wohngruppen

Zum Neustart gingen in Ahlhorn zwei therapeutische Wohngruppen in Betrieb, sagte der Vorstandsvorsitzende des Leinerstifts, Wolfgang Vorwerk. Perspektivisch sollen weitere Wohngruppen und Therapieangebote entstehen. Die Leinerstift-Gruppe machte deutlich, dass das neue Angebot die bisherige Reha-Klinik nicht vollumfänglich ersetzen könne und keinen adäquaten Ersatz für die bisherige Arbeit darstelle. Für junge Menschen mit einer akuten Entzugssymptomatik oder schweren psychiatrischen Krisen sei das Angebot nicht ausgelegt.

Die Klinik hatte nach langem Ringen mit dem Kostenträger aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb einstellen müssen. Das Leinerstift sowie Suchtexperten machten die Deutsche Rentenversicherung (DRV) für das Scheitern verantwortlich. Die Rentenversicherung habe keine ausreichenden Tagessätze gezahlt, hieß es. Zu den Kritikern zählte auch der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck (CDU). Er warf der DRV vor, eine kompromisslose Haltung einzunehmen. Die DRV hingegen hatte mitgeteilt, sie sei für die wirtschaftliche Führung der Klinik nicht verantwortlich.



Bundesverfassungsgericht billigt Verbot von Kindersexpuppen



Der Besitz von kindähnlichen Sexpuppen bleibt strafbar. Der damit verbundene Eingriff in das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung sei verhältnismäßig, denn er diene dem Schutz von Kindern, entschied das Bundesverfassungsgericht.

Karlsruhe (epd). Das Ausleben der eigenen sexuellen Selbstbestimmung zieht kein Recht auf Kauf, Verkauf und Besitz von Sexpuppen mit kindlichem Aussehen nach sich. Auch wenn das entsprechende Verbot im Strafgesetzbuch in das allgemeine Persönlichkeitsrecht erheblich eingreife, stünde diesem der Schutz der sexuellen Integrität von Kindern entgegen, erklärte das Bundesverfassungsgericht in einem am 2. Juli veröffentlichten Beschluss. (AZ: 2 BvR 1096/22 und 2 BvR 1097/22). Der Staat sei verpflichtet, Kinder zu schützen.

Der Gesetzgeber hatte zum 1. Juli 2021 das Verbot kindlicher Sexpuppen eingeführt. Dahinter stand die Annahme, dass mit der Verwendung kindlicher Sexpuppen durch pädophile Menschen die Hemmschwelle verringert wird, in der Realität Kindesmissbrauch zu begehen. Wer kindähnliche Sexpuppen in Verkehr bringt, diese erwirbt und besitzt, muss mit einer bis zu fünfjährigen Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe rechnen.

Beschwerdeführer verwiesen auf sexuelle Selbstbestimmung

Die beiden männlichen Beschwerdeführer sahen in der Strafvorschrift ihr im Grundgesetz geschütztes Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt. Beide Männer gaben an, dass sie pädophil seien und die Sexpuppen zum Ausleben ihrer eigenen Sexualität und zur „legalen sexuellen Selbstbefriedigung“ benötigen. Ohne diese Möglichkeit hätten sie mit Frust und Trauer bis hin zu Depressionen zu kämpfen.

Zu Recht sei der Gesetzgeber davon ausgegangen, dass das Nutzen der Kindersexpuppen „die Gefahr realer sexueller Übergriffe auf Kinder erhöht“, entschied das Verfassungsgericht. Zwar gebe es Anhaltspunkte sowohl dafür, dass die Sexpuppen das Risiko realer Missbrauchstaten erhöhen, als auch dafür, dass sie die Gefahr von Übergriffen reduzieren könnten. In dieser Situation sei es aber nicht zu beanstanden, dass der Gesetzgeber sich zum Schutz der Kinder für ein Verbot entschieden habe. Das Verbot solle auch verhindern, „dass sexualisierte Handlungen an Kindern schleichend normalisiert werden und die Hemmschwelle für sexualisierte Übergriffe“ sinkt, erklärten die Verfassungsrichter.




Medien & Kultur

Merkel-Porträt im Bode-Museum präsentiert




Merkel vor dem Porträt
epd-bild/Christian Ditsch
Mehr als 19 Jahre nach dem letzten Porträt eines Bundeskanzlers gibt es nun auch ein Bild der bisher einzigen Bundeskanzlerin. Bis Oktober wird es für die Öffentlichkeit im Berliner Bode-Museum zusehen sein, danach kommt es ins Kanzleramt.

Berlin (epd). Im Berliner Bode-Museum ist am 30. Juni in Anwesenheit von Angela Merkel (CDU) ein Porträt der früheren Bundeskanzlerin enthüllt worden. Gemalt wurde es von dem deutsch-französischen Maler Jeremie Queyras, der Merkel stehend und in einem blauen Blazer porträtierte. Das Werk ist 110 mal 140 Zentimeter groß und bis zum 4. Oktober im Bode-Museum zu sehen. Danach soll das Porträt im ersten Stock des Bundeskanzleramts neben den anderen bisherigen Kanzlern ausgestellt werden. Merkel war von 2005 bis 2021 Bundeskanzlerin.

Material und Maler hat laut einem Bericht der Wochenzeitung „Zeit“ die Altbundeskanzlerin selbst bezahlt. Der heute 71-Jährigen sei es wichtig gewesen, dass das Bild ihr gehöre. Dementsprechend sei es sowohl im Bode-Museum als auch im Kanzleramt nur eine Leihgabe.

Der Maler Jeremie Queyras hatte sich laut „Zeit“ selbst bei der ehemaligen Kanzlerin um den Auftrag beworben. Queyras sei dabei nicht der Einzige gewesen. Merkel hat demnach das Porträt nie offiziell ausgeschrieben.

„Ahnengalerie“ im Bundeskanzleramt

Jeremie Queyras ist für seine Öl- und Porträtgemälde sowie seine Performancekunst bekannt. Er wurde 1997 im Pariser Vorort Les Lilas geboren und wuchs in Freiburg/Breisgau auf. Aktuell lebt er in Berlin.

Die Idee einer „Ahnengalerie“ im Kanzleramt geht auf den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt (1918-2015) zurück. Ein Porträt von Merkels Nachfolger Olaf Scholz (SPD) steht noch aus.



Welterbe: Neue Glaskunst für Ostchor des Naumburger Doms




Der Düsseldorfer Künstler Markus Lüpertz lässt den Ostchor des Naumburger Doms in neuen Farben erstrahlen.
epd-bild/Sven Jacob
Historische Glasmalereien einiger Fenster im Ostchor des Naumburger Doms waren vor Generationen durch Witterungseinflüsse verloren gegangen. Diese Fehlstelle konnte nun geschlossen werden.

Naumburg (epd). Moderne Glaskunst des Düsseldorfer Künstlers Markus Lüpertz lässt den Ostchor des Naumburger Doms in neuen Farben erstrahlen. Mit einer feierlichen Andacht am 29. Juni wurden die neuen Fenster eingeweiht, wie die Vereinigten Domstifter in Naumburg mitteilten. Die beiden großen Fenster rahmen die vorhandenen sechs historischen Glasfenster ein. Diese stammten nach Angaben der Domstifter aus dem 14., 15. und 19. Jahrhundert und hatten dank umfangreicher Restaurierungsmaßnahmen ihre farbige Leuchtkraft wieder zurückerhalten. Hingegen verloren das große Süd- und Nordfenster des Chores im Laufe der Jahre ihre ursprüngliche Farbigkeit und wurden den Angaben zufolge zeitweise sogar verhängt.

Der Naumburger Dom wurde etwa 1210 bis 1260 errichtet und ist besonders wegen des gotischen Westchores und seiner Stifterfiguren bekannt. Er zählt zu den Meisterwerken der Frühgotik. Im Jahr 2018 wurde er Unesco-Weltkulturerbe.

Stiftungen ermöglichen neue Glaskunst

Stiftsdirektor Holger Kunde lobte die gelungene Farbwirkung der neuen Fenster. Den Angaben zufolge zeigen die Motive die Themen Erlösung und Verdammnis.

Möglich gemacht wurden die modernen Glaskunstwerke durch die Förderung der Getec-Stiftung und der Dr. Harald Hack Stiftung, hieß es. „Die neuen Fenster im Ostchor des Naumburger Doms schaffen nicht nur faszinierende Licht- und Farbräume, sondern eröffnen auch neue Zugänge zu einem bedeutenden Teil unseres kulturellen Erbes“, sagte Heidelinde Gerhold, Vorstandsvorsitzende der Getec-Stiftung.



Loriot-Schau in Hannover: Verehrer mit Nudel und Herren im Bad




"Ach was": Karikaturmuseum zeigt Leben und Werk von Loriot
epd-bild/Nancy Heusel
Wie kein anderer Satiriker hat Loriot den Deutschen den Spiegel vorgehalten. In diesem Jahr wäre er 103 Jahre alt geworden. In einer großen Sonderausstellung will das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover den typischen Humor des Künstlers ergründen.

Hannover (epd). Sie sind alle hier versammelt: Opa Hoppenstedt ebenso wie die „Herren im Bad“ oder der Verehrer mit der Nudel. Wer die Ausstellung „Ach was - 103 Jahre Loriot“ besucht, die im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover läuft, begegnet vielen alten Bekannten aus dem umfangreichen Universum des deutschen Humorkünstlers und hat ein Déjà-vu-Erlebnis nach dem anderen. „Loriot ist der größte deutsche Humorist, den es je gab“, sagt Museumsdirektorin Eva Jandl-Jörg. Und schränkt dann mit Rücksicht auf den Namensgeber ihres Museums gleich wieder etwas ein: „Naja, einer der größten.“

Die Sonderausstellung, die bis zum 14. März 2027 geöffnet ist, entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Caricatura-Museum in Frankfurt am Main und wurde dort bereits zum 100. Geburtstag von Loriot (1923-2011) gezeigt. Für die Neuauflage in Hannover wurde sie aus Platzgründen leicht gekürzt und dafür an anderer Stelle erweitert. So erhalten die Besucher nun etwa Einblicke in Loriots enge Freundschaft mit dem Zeichner Manfred Schmidt (1913-1999), dem Erfinder des Comic-Detektivs Nick Knatterton.

Original-Atomkraftwerk der Hoppenstedts

Loriot, der mit bürgerlichem Namen Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow hieß und aus brandenburgischem Adel stammte, wäre am 12. November 103 Jahre alt geworden. Die Ausstellung, konzipiert und kuratiert von Till Kaposty-Bliss und Thomas Kronenberg, folgt seiner Autobiografie „Möpse und Menschen“, die der Künstler 1983 vorlegte.

Zu sehen sind 260 bekannte und unbekannte Exponate: Zeichnungen, Objekte, Plakate, Fotografien, Filmausschnitte und Modelle für Bühnenbilder. Präsentiert wird unter anderem das Original-Atomkraftwerk aus Loriots berühmten Fernseh-Sketch „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ aus dem Jahr 1978.

Dem Erfolgsgeheimnis auf der Spur

Dabei will das Museum dem Erfolgsgeheimnis auf die Spur kommen, das Loriots Kunst bis heute über die Generationen hinweg so ansprechend macht. „Loriot nimmt die Grundmuster des deutschen Verhaltens ins Visier“, sagt Jandl-Jörg, eine gebürtige Österreicherin. „Sein Humor ist zeitlos, solange die Deutschen so bleiben, wie sie sind: ernst, steif, regelfixiert und mit wenig Ironie ausgestattet.“

So wie der Tollpatsch im Restaurant, der seiner verehrten Hildegard endlich seine Zuneigung gestehen will und nicht merkt, dass ihm ein Stück Spaghetti an der Lippe klebt. Oder wie die beiden nackten Männer, die im Hotel zufällig in dieselbe Badewanne geraten sind und sich nun dort mit Männlichkeitsgesten und Dominanzgehabe gegenseitig überbieten wie im Büro.

Vertauschte Rollen

Die Ausstellung beleuchtet Loriots Studium von 1947 bis 1949 an der Landeskunstschule in Hamburg und zeigt seine frühen Werbegrafiken, mit denen er sich anfangs finanziell über Wasser hielt. Eines von zwei Stockwerken ist seinen Karikaturen gewidmet. Schon ab 1951 zeichnete Loriot für das Magazin „Stern“. Seine Cartoons über Hunde und Menschen sorgten damals für scharfe Proteste bei der Leserschaft, weil Loriot die Rollen vertauschte: Riesengroße Hunde führen dort Menschen an der Leine.

Später persiflierte Loriot die Ratgeber-Literatur der 1950er Jahre, indem er ihre gedrechselte Sprache imitierte und sie mit absurden Szenen verband. Und schon damals legte er mit diebischer Freude die Missverständnisse zwischen Männern und Frauen offen.

Präziser Beobachter im Nachkriegsdeutschland

Lange bevor er zum Fernseh-Star wurde, sei Loriot ein präziser Beobachter der Nachkriegsgesellschaft in Deutschland gewesen, erläutert Jandl-Jörg. „Seine Figuren erzählen von Menschen, die alles richtig machen wollen und gerade deshalb grandios scheitern.“ Loriot habe das genau beobachtet und dabei nie den Respekt vor seinen Figuren verloren.

Von Michael Grau (epd)


Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag lagen bei 8,72 Milliarden Euro



8,72 Milliarden Euro nahm der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio im vergangenen Jahr aus dem Rundfunkbeitrag ein. Das waren 20 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Die Einnahmen werden an die Rundfunkanstalten verteilt.

Köln (epd). Die Einnahmen der öffentlich-rechtlichen Sender aus dem Rundfunkbeitrag sind 2025 nahezu stabil geblieben. Wie der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio am 30. Juni in Köln mitteilte, sanken die Einnahmen um 20 Millionen auf 8,72 Milliarden Euro. Davon gingen insgesamt 8,56 Milliarden Euro an die öffentlich-rechtlichen Sender, 164,5 Millionen Euro erhielten die Landesmedienanstalten, die den privaten Rundfunk beaufsichtigen.

Wie aus dem vom Beitragsservice vorgelegten Bericht hervorgeht, gingen von den Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag 2,23 Milliarden Euro an das ZDF, insgesamt 6,07 Milliarden Euro an die neun ARD-Anstalten und 255 Millionen Euro an Deutschlandradio.

Weniger angemeldete Wohnungen

Unter den ARD-Anstalten verteilten sich die Einnahmen wie folgt: 1,27 Milliarden Euro erhielt der Westdeutsche Rundfunk, 1,10 Milliarden der Südwestrundfunk, 1,06 Milliarden der Norddeutsche Rundfunk, 995 Millionen der Bayerische Rundfunk, 623 Millionen der Mitteldeutsche Rundfunk, 457 Millionen der Rundfunk Berlin-Brandenburg, 454 Millionen der Hessische Rundfunk, 69 Millionen der Saarländische Rundfunk und 47 Millionen Radio Bremen.

Nach Angaben des Beitragsservice gingen die Zahlen der angemeldeten Wohnungen und der Beitragskonten um 0,2 Prozent zurück auf 40,44 Millionen. Dafür stieg die Zahl der angemeldeten Betriebsstätten um 2,6 Prozent auf 4,52 Millionen. Die Zahl der Beitragskonten lag insgesamt weiterhin bei knapp 47 Millionen.

Für die kommenden Jahre rechnet der Beitragsservice mit einer Stabilisierung der Einnahmen. Bernd Roßkopf, Geschäftsbereichsleiter Finanzen, sagte, noch in diesem Jahr werde es einen weiteren Meldedatenabgleich geben. Erfahrungsgemäß nehme dann die Zahl der gemeldeten Haushalte wieder zu. Die im Februar von der zuständigen Finanzkommission KEF empfohlene Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 28 Cent auf 18,64 Euro zum 1. Januar 2027 würde die Ertragslage im kommenden Jahr zusätzlich verbessern. Nach einer Prognose der Gemeinschaftseinrichtung könnten die Einnahmen dann auf 8,8 Milliarden Euro steigen.

Beitragsservice sieht keine „Verweigerungshaltung“

2,4 Millionen Personen waren nach Angaben des Beitragsservices aus sozialen Gründen von der Beitragspflicht befreit, das waren 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. 3,65 Millionen Beitragskonten seien im Zahlungsverzug gewesen, nach Angaben des Beitragsservices waren dies 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Roßkopf sagte, hier sei keine „Verweigerungshaltung“ gegenüber dem Rundfunkbeitrag erkennbar, vielmehr entsprächen die Zahlen den allgemeinen Erkenntnissen zu Haushalten, die Schwierigkeiten hätten, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Den höchsten Anteil an Beitragskonten im Mahnverfahren oder in Vollstreckung wies 2025 erneut Bremen auf: Hier waren 10,1 Prozent der Haushalte säumig. An zweiter Stelle lag Hamburg mit 9,62 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 9,53 Prozent und Sachsen-Anhalt mit 9,40 Prozent. Am geringsten ist der Anteil der säumigen Zahler nach wie vor in Bayern (5,85 Prozent) und Baden-Württemberg (6,62 Prozent).

Beitragseinzug kostet 191 Millionen Euro

Der Beitragsservice, der als Gemeinschaftseinrichtung den Rundfunkbeitrag für die öffentlich-rechtlichen Sender einzieht, benötigte für diese Dienstleistung im vergangenen Jahr 191,4 Millionen Euro, das entspricht knapp 2,2 Prozent der Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag. Geschäftsführer Michael Krüßel erhielt eine Vergütung von 197.000 Euro plus 6.300 Euro Sachbezüge.

Der Rundfunkbeitrag ersetzt seit 2013 die Rundfunkgebühr. Die Abgabe liegt derzeit bei 18,36 Euro pro Monat und Haushalt - egal, wie viele Menschen dort leben. Für Firmen wird der Beitrag nach der Zahl der Betriebsstätten, Mitarbeiter und Kraftfahrzeuge berechnet.

Von Diemut Roether (epd)


Deutschlandfunk plant umfangreiche Programmreform




Der Deutschlandfunk plant eine umfangreiche Programmreform.
epd-bild/Hans Scherhaufer
Der Deutschlandfunk plant eine umfangreiche Programmreform. Die Fachmagazine, die bislang vor allem das Nachmittagsprogramm prägten, sollen aufgegeben werden. Im Sender gibt es Kritik an diesen Plänen.

Berlin/Köln (epd). Der Deutschlandfunk plant eine umfangreiche Programmreform und eine deutliche Veränderung des Sendeschemas. Nach dem am 2. Juli vorgestellten vorläufigen Sendeschema sollen die bisher von Fachredaktionen erstellten Fachsendungen wie „Tag für Tag“, „Büchermarkt“ oder „Forschung aktuell“ abgeschafft werden. Stattdessen soll es neben den Informationsmagazinen längere Magazinsendungen zu allgemeinen Themen wie Kultur oder Wissen geben.

Die Fachredaktionen, die bisher die Fachsendungen gestalteten, sollen mehr Beiträge für die täglichen Informationsmagazine liefern und Themen in längeren Hintergrund-Sendungen vertiefen. Das neue Programm soll am 30. November starten.

Jona Teichmann, Programmdirektorin von Deutschlandradio, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Reform solle „die Redaktionen entlasten und die Qualität des Programms sichern“. Deutschlandradio glaube an die Zukunft des Radios, müsse und wolle aber auch „im Digitalen wirken“. Die geplante Programmreform sei „kein Sparprogramm: Wir schließen keine Redaktionen.“ Es gehe darum, Radio und Digitales besser zu verzahnen, sagte sie: „Wir verändern uns an einigen Stellen, damit wir bleiben, was wir sind.“ Der Sender erhoffe sich von der Reform eine „stärkere publizistische Durchschlagskraft“.

Mehr Dialog mit dem Publikum

Um den Dialog mit dem Publikum zu stärken, sollen die Anrufsendungen am Vormittag verändert und um eine halbe Stunde auf zwei Stunden verlängert werden. Künftig soll es laut dem Programmschema nicht an bestimmten Wochentagen ein bestimmtes Thema wie Medizin oder Wirtschaft geben, die Sendungen sollen im Wechsel von den unterschiedlichen Fachredaktionen in Zusammenarbeit mit einer neu eingerichteten Dialog-Redaktion gestaltet werden. Deutschlandfunk-Redakteurin Bettina Schmieding sagte, die Hörerinnen und Hörer sollten sich mit ihrem Blick auf die Themen stärker einbringen können als bisher.

Die neue Deutschlandfunk-Chefredakteurin Susanne Schwarzbach sagte, mit der Reform solle die „Einzigartigkeit des Hauses“ für die Zukunft gesichert werden, diese Einzigartigkeit wolle der Sender auch im Digitalen stärker zeigen. Ein erfolgreiches Radioprogramm sei wichtig, es gehe aber auch darum, jüngere Menschen besser zu erreichen, die mehr digital „on demand“ hören würden.

Mitarbeiter befürchten Verflachung des Programms

Die geplante Programmreform sorgt im Sender vor allem unter den freien Mitarbeitern für Unruhe. In einer dem epd vorliegenden Erklärung der Freien-Vertretung und der Redakteursausschüsse ist die Rede von den „einschneidendsten Veränderungen im DLF-Programm, die es je gegeben hat“. Befürchtet wird eine „Mainstreamisierung und Verflachung des Programms“.

Programmdirektorin Teichmann setzte dieser Kritik entgegen: „Wir haben kein Interesse daran, ein Mainstream-Programm zu werden.“ Sie kündigte an, dass die Verteilung der Themen beobachtet werden solle. Wichtig sei ihr, dass „abseitige Themen“ auch in Zukunft im Programm vorkommen müssten.

Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue sagte, das neue Programmschema sei „keine Revolution“, die Veränderungen seien allerdings für das „Hardcore-Deutschlandfunk-Publikum tiefgehend“. Dennoch sei er zuversichtlich, dass auch diese Hörer im neuen Programm alles wiederfinden würden, was sie gerne hören.

„Einzigartige DNA des Deutschlandfunks“

Der Hörfunkrat, der der Reform nicht zustimmen muss, hat die Geschäftsleitung aufgefordert, „nachvollziehbare und messbare Kriterien festzulegen, um die Programmreform transparent evaluieren zu können“. Das Aufsichtsgremium betonte, es sei ihm wichtig, dass „die programmliche und von den Nutzenden sehr geschätzte einzigartige DNA des Deutschlandfunks - insbesondere bezüglich Qualität, Fachlichkeit und Vielfalt - erhalten bleibt“.

Der Deutschlandfunk ist eines von drei Programmen von Deutschlandradio. Der Informationssender erreicht nach der im März veröffentlichten Media-Analyse täglich 2,52 Millionen Hörerinnen und Hörer und gehört zu den zehn reichweitenstärksten Programmen in Deutschland.

Von Diemut Roether (epd)


WDR-Welle Cosmo wird doch nicht in "1Live Street" umbenannt



Köln (epd). Das Nachfolgeprogramm für den zum 1. April 2027 auslaufenden WDR-Sender Cosmo soll nun doch nicht „1Live Street“ heißen. Die intensive öffentliche Debatte auf die Ankündigung habe gezeigt, dass dieser Titel als „diskriminierende Reduzierung vielfältiger migrantischer Lebensrealitäten auf ein einziges, klischeehaft aufgeladenes Bild gelesen werden kann“, erklärte der WDR am 3. Juli in Köln. „Das nehmen wir ernst. Aus diesem Grund werden wir den Namen nicht verwenden.“

Die Idee zu dem Namen sei ursprünglich entstanden, weil das neue Programm den musikalischen Schwerpunkt Hip-Hop haben soll, hieß es. „Trotzdem hätten wir berücksichtigen müssen, dass 'Street' und 'Straße' gesellschaftlich auch mit Marginalisierung, sozialer Benachteiligung und Ausgrenzung verknüpft werden“, führte der WDR aus. „Diesen Kontext und die Realität von Menschen, die von Rassismus betroffen sind, hätten wir mitdenken müssen.“

Der neue Name für das Programm soll den Angaben zufolge voraussichtlich im Herbst feststehen. In den Findungsprozess sollen Mitarbeitende ebenso eingebunden werden wie externe Nutzerinnen und Nutzer.

WDR-Rundfunkrat stimmte zu

Der WDR-Rundfunkrat hatte Anfang Juni den geplanten Veränderungen bei den jungen Wellen Cosmo und 1Live Diggi mit knapper Mehrheit zugestimmt. Cosmo sollte demnach in „1Live Street“ umbenannt und „zu einem jungen Programm mit Fokus auf die weltweit größte und verbindende Jugendkultur Hip-Hop weiterentwickelt werden“.

Migrantenorganisationen hatten in einem offenen Brief einen „Stopp der Streichpläne“ für Cosmo gefordert. Der Leipziger Medienrechtler Hubertus Gersdorf bewertete die geplante Umwidmung von Cosmo in eine Hip-Hop-Welle als nicht mit dem WDR-Gesetz vereinbar. Das Gesetz bestimme, dass der WDR ein Radioprogramm veranstalte, „das sich vor allem Themen des interkulturellen Zusammenlebens widmet“, schrieb er in einem juristischen Kurzgutachten im Auftrag des Vereins „Neue deutsche Medienmacher“.



ZDF-Intendant Himmler weist Vorwürfe gegen Bürgergeld-Doku zurück



Die ZDF-Dokumentation "System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?" mit Sarah Tacke löste viel Kritik aus. Nun hat Intendant Norbert Himmler die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Verein Sanktionsfrei will das nicht so stehenlassen.

Mainz (epd). ZDF-Intendant Norbert Himmler hat Vorwürfe gegen die Dokumentation „Am Puls mit Sarah Tacke - System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?“ zurückgewiesen. „Ziel des Films war es nicht, Menschen im Bürgergeldbezug pauschal zu bewerten oder zu stigmatisieren, sondern unterschiedliche Perspektiven und Konfliktlinien sichtbar zu machen und journalistisch einzuordnen“, heißt es in einer am 3. Juli im Internet veröffentlichten Stellungnahme Himmlers. Dazu seien „verschiedene Lebensrealitäten“ gezeigt worden.

Gegen die Doku waren beim ZDF-Fernsehrat zahlreiche Programmbeschwerden eingegangen. Der in Berlin ansässige Verein Sanktionsfrei erklärte, die am 14. Mai ausgestrahlte Sendung verstoße „in mehreren Punkten gegen die Anforderungen an sachliche, ausgewogene und diskriminierungsfreie Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“. Sie zeichne ein verzerrtes Bild von Bürgergeldbeziehern und arbeite mit außergewöhnlichen Einzelfällen, ohne diese ausreichend einzuordnen. Der Verein unterstützt Bürgergeldempfänger bei Sanktionen.

Intendant sieht Persönlichkeitsrechte gewahrt

Himmler führt in seiner Stellungnahme aus, der Film unterscheide zwischen amtlich belegbaren Zahlen und Erfahrungen aus der Praxis. „Er erhebt nicht den Anspruch, das tatsächliche Ausmaß möglicher Fehlentwicklungen exakt zu beziffern, sondern fragt danach, welche Schwachstellen und Graubereiche sich in der Praxis zeigen.“

Eine Einordnung der Verhältnismäßigkeit nehme die Doku ebenfalls vor. So weise Sarah Tacke darauf hin, dass es Belastungen gebe, die für den Staat finanziell deutlich schwerer wögen, etwa Schäden durch Cum-Ex-Geschäfte und Steuerhinterziehung. Die Doku achte außerdem zu jeder Zeit die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Insbesondere sei eine umfängliche Anonymisierung der von den Jobcenter-Mitarbeitern besuchten Leistungsempfänger vorgenommen worden, so Himmler.

Sanktionsfrei will Fernsehrat einschalten

Sanktionsfrei-Geschäftsführerin Helena Steinhaus bezeichnete Himmlers Stellungnahme auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) als „oberflächlich und ungenügend“. Diese setze sich nur teilweise mit den konkreten Beanstandungen auseinander und verteidige vor allem die redaktionelle Konzeption der Dokumentation. Auf zahlreiche Einwände gehe sie „nicht oder nur sehr allgemein ein“. Daher werde der Verein den Fernsehrat auffordern, sich mit der Beschwerde zu beschäftigen.

Das Verfahren zu Programmbeschwerden ist in der ZDF-Satzung geregelt. Demnach kann ein Beschwerdeführer binnen Monatsfrist eine Behandlung seiner Beschwerde im Fernsehrat fordern, wenn er mit der Antwort des Intendanten nicht zufrieden ist.

Von Michael Ridder (epd)


Neue Führungsstruktur bei evangelischem Monatsmagazin "chrismon"



Das evangelische Magazin "chrismon" stellt seine redaktionelle Leitung neu auf. Die bisherige Co-Chefredakteurin Ursula Ott wechselt in die Funktion der "Editor at Large", Redakteur Konstantin Sacher stößt zum Führungsteam hinzu.

Frankfurt a.M. (epd). Das evangelische Monatsmagazin „chrismon“ hat eine neue redaktionelle Leitung. Konstantin Sacher übernimmt die Position des stellvertretenden Chefredakteurs und bildet gemeinsam mit Chefredakteurin Claudia Keller künftig die Führung, wie das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) am 1. Juli in Frankfurt am Main mitteilte. Ursula Ott, bisher ebenfalls Chefredakteurin, wechselt in die neu geschaffene Funktion der „Editor at Large“.

Keller ist seit 2024 Co-Chefredakteurin von „chrismon“, zuvor war sie Redakteurin beim Berliner „Tagesspiegel“. Ott hatte seit 2014 die Chefposition inne. Sie will sich nach Verlagsangaben wieder stärker der journalistischen Arbeit widmen. In dieser Rolle begleite sie die inhaltliche und strategische Weiterentwicklung von „chrismon“ und engagiere sich in der Aus- und Weiterbildung des journalistischen Nachwuchses, hieß es. Als Mitglied der Chefredaktion gehöre weiterhin Textchefin Mareike Fallet dem Leitungsteam an.

Promovierter Theologe in der Chefredaktion

Der promovierte Theologe Sacher ist seit 2023 Redakteur bei „chrismon“. Er absolvierte ein Vikariat in Frankfurt am Main und arbeitete anschließend mehrere Jahre wissenschaftlich im Bereich Systematische Theologie. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er auch als Autor tätig. Chefredakteurin Keller erklärte, mit Sacher gewinne das Magazin einen „ausgewiesenen Theologen und versierten Journalisten für die Chefredaktion, der inhaltliche Tiefe mit publizistischer Relevanz verbindet“.

Das Magazin „chrismon“ erscheint monatlich als Beilage in überregionalen Zeitungen und erreicht nach eigenen Angaben gedruckt und digital mehr als 1,4 Millionen Leserinnen und Leser pro Ausgabe. Das GEP ist die zentrale Medieneinrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ihrer Landeskirchen und Werke sowie der evangelischen Freikirchen. Zum GEP gehört unter anderem auch die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd).



Verleger Lars Joachim Rose ist neuer Vorstandsvorsitzender des MVFP



An der Spitze des Medienverbands der freien Presse (MVFP) steht seit Dienstag der Verleger der Mediengruppe Klambt, Lars Joachim Rose.

Berlin (epd). Lars Joachim Rose, Verleger der Mediengruppe Klambt, ist neuer Vorstandsvorsitzender des Medienverbands der freien Presse (MVFP). Die Delegiertenversammlung des Verbands habe ihn am 30. Juni im Rahmen einer turnusmäßigen Vorstandswahl gewählt, teilte der MVFP in Berlin mit. Rose übernehme die Führung der Interessenvertretung der Zeitschriftenpresse, hieß es. Rose folgt auf Philipp Welte, der nach einer Amtsperiode von vier Jahren nicht erneut für das Amt des Vorstandsvorsitzenden kandidierte und Ende 2025 den Burda-Konzern verlassen hatte.

In den Vorstand des MVFP wurden darüber hinaus einstimmig Alfons Schräder (heise group) als Vorstand und Schatzmeister sowie Thomas Hass (Spiegel-Verlag), Holger Knapp (Sternefeld Medien), Detlef Koenig (mhp Verlag), Elisabeth Varn (Burda Verlag) und Frank Zeithammer (Evangelische Gemeindepresse Stuttgart) gewählt. Der siebenköpfige Vorstand wurde für eine Amtszeit von vier Geschäftsjahren gewählt.

Interessen von rund 350 Mitgliedsverlagen

Auch Ladina Heimgartner, CEO der Ringier Medien Schweiz AG, hatte sich nicht erneut zur Wahl gestellt und scheidet aus den Gremien des MVFP aus. Mit dem Abschied von Welte und Heimgartner aus dem Vorstand des MVFP wurde auch eine Nachfolgeregelung für den Kreis der Mitglieder der Fachvertretung Publikumsmedien erforderlich. Als neue Vorstandsmitglieder wurden Thomas Hass, Geschäftsführer Spiegel-Verlag, und Elisabeth Varn, Co-CEO des Burda Verlags und ab 1. Juli 2026 Vorständin Media von Hubert Burda Media, gewählt.

Der MVFP ist der Bundesverband der Zeitschriftenverleger in Deutschland. Er vertritt die Interessen von rund 350 Mitgliedsverlagen der Publikumspresse sowie der Fach- und konfessionellen Medien.



Intendantin der Berliner Philharmoniker geht 2028



Sie steuerte eines der berühmtesten Orchester der Welt durch die Jahre der Corona-Pandemie und sorgt regelmäßig für eine hohe Auslastung. 2028 gibt die Intendantin der Berliner Philharmoniker ihr Amt auf.

Berlin (epd). Die Berliner Philharmoniker suchen eine neue Leitung für ihre Stiftung. Intendantin Andrea Zietzschmann verlasse das Orchester auf eigenen Wunsch zum August 2028, wie die Berliner Senatskulturverwaltung am 29. Juni mitteilte. Sie werde ihren in rund zwei Jahren auslaufenden Vertrag nicht ein drittes Mal verlängern.

Die Kulturmanagerin steht seit 2017 als Intendantin der Stiftung und Geschäftsführerin der gemeinnützigen Berliner Philharmonie-Gesellschaft an der Spitze des Orchesters. Sie leitet es gemeinsam mit Chefdirigent Kirill Petrenko, der seit 2019 dort im Amt ist.

Zur Begründung erklärte die 1970 in Schwenningen am Neckar geborene Zietzschmann, nach elf Jahren sei es an der Zeit, einen neuen Weg zu gehen. Zugleich erfordere die ab 2032 geplante Generalsanierung der Philharmonie eine gut eingearbeitete Intendanz. Das von Hans Scharoun (1893-1972) entworfene Bauwerk wurde 1963 eröffnet.

„Wunderbares Orchester“

Zietzschmann sprach von einer unvergesslichen Erfahrung. „Die herausragende Qualität und Energie des Orchesters haben meine Arbeit geprägt und beflügelt“, erklärte sie. Bis zu ihrem Abgang werde sie sich „mit aller Kraft für dieses wunderbare Orchester und diese in der Welt der Kultur einzigartige Institution einsetzen“.

Berlins Kultur- und Finanzsenator Stefan Evers (CDU) würdigte Zietzschmann als herausragende Kulturmanagerin mit Weitblick und unermüdlichem Engagement. Er bedauerte, dass sie ihren Vertrag nicht verlängere. Berlin sei ihr zu großem Dank verpflichtet, erklärte Evers.



Mehr als 30.000 Besucher in Kunstausstellung in Schloss Bellevue



Vor der Sanierung von Schloss Bellevue hatte Bundespräsident Steinmeier Kunst in seinen Amtssitz einziehen lassen. Mehr als 30.000 Besucherinnen und Besucher zog das an.

Berlin (epd). Die gut zweiwöchige Kunstausstellung im Berliner Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, ist auf großes Interesse gestoßen. Wie das Bundespräsidialamt am 29. Juni mitteilte, wurden bis zum 28. Juni rund 30.000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Schloss Bellevue steht vor einer umfassenden Sanierung. Bevor die beginnt, hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Gebäude der Akademie der Künste überlassen, um eine kurzzeitige Galerie daraus zu machen.

Steinmeier erklärte, bei ihm hinterlasse die Kunstaktion „große Freude, neue Zuversicht und ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit“. Viele Bürgerinnen und Bürger seien auch gekommen, um noch einmal Schloss Bellevue zu sehen, „das Symbol unserer bundesrepublikanischen Demokratie“, sagte er.

Fotos aus der Ukraine und Miniatur-Steinmeier

Unter dem Titel „Freiraum Kunst“ war die Ausstellung am 13. Juni eröffnet worden. Die Tickets waren kostenlos. Zu sehen waren Bilder und Installationen, die mit politischen Themen spielten und das Nachdenken anregen sollten. Präsentiert wurden unter anderem Fotos aus der Ukraine, ein Gemälde von Steinmeiers leerem Amtszimmer, eine Doku über den Abriss der Berliner Mauer und eine Miniaturausgabe des Bundespräsidenten aus dem 3-D-Drucker.



Filme der Woche



Mit leiser Stimme

Beim Landeanflug auf Tunis strahlt die Sonne, doch die Stimmung der beiden Frauen im Mietwagen nach Sousse könnte unterschiedlicher nicht sein. Die Französin Alice genießt den mediterranen Charme, während Lilia in ein Land zurückkehrt, in dem sie ihre Lebenspartnerin vor der Familie verbergen muss. Anlass der Reise ist der plötzliche Tod ihres Onkels Daly. Während der Trauerfeierlichkeiten stößt Lilia auf ein offenes Geheimnis, über das selbst ihre emanzipierte Mutter und ihre Tanten schweigen. Regisseurin Leyla Bouzid zeichnet mit feinem Strich eine von traditionellen Zwängen und unausgesprochenen Sehnsüchten geprägte arabische Welt. Culture-Clash- oder Coming-out-Dramatik vermeidet sie bewusst. Stattdessen erzählt sie von Lilias Zerrissenheit zwischen Geborgenheit und Entfremdung. Erst außerhalb des familiären Kokons tritt die staatliche Repression offen zutage. Ein eleganter, vieldeutiger Film, der nicht auf Rebellion setzt, sondern auf die behutsame Erweiterung des persönlichen Spielraums.

Mit leiser Stimme (Frankreich/Tunesien 2026). Regie, Buch: Leyla Bouzid. Mit Eya Bouteraa, Hiam Abbass, Marion Barbeau. Länge: 113 Min.

Etwas ganz Besonderes

Die 16-jährige Lea (Frida Hornemann) hat die Vorrunde einer Castingshow erreicht. Singen kann sie, doch als man sie fragt, was das Besondere an ihr sei, fällt ihr keine Antwort ein. Ihre Tante Kati (Eva Löbau) rät: „Denk dir einfach etwas aus. Die wollen nur ’ne gute Geschichte.“ Dabei gäbe es in Leas Familie genug zu erzählen: Die Eltern haben sich getrennt, die Mutter erwartet ein Kind von einem anderen Mann, Lea lebt mit ihrem Vater im Waldhotel der Großmutter. Mit „Etwas ganz Besonderes“ erzählt Eva Trobisch („Ivo“) jedoch weniger eine Coming-of-Age-Geschichte als ein Familienporträt. Vor der Kulisse der thüringischen Kreisstadt Greiz entfaltet sie feinfühlig die Dynamik dreier Generationen und macht zugleich ostdeutsche Erfahrungen sichtbar - vom Strukturbruch nach der Wende bis zu unterschiedlichen Vorstellungen von Geschichte und Gemeinschaft. Atmosphärisch dicht, präzise beobachtet und hervorragend gespielt entsteht ein ebenso lokales wie universelles Familienporträt.

Etwas ganz Besonderes (Deutschland 2026). Regie, Buch: Eva Trobisch. Mit Frida Hornemann, Max Riemelt, Eva Löbau, Rahel Ohm, Gina Henkel, Florian Lukas. Länge: 116 Min.

Virginia Woolf’s Night & Day

Die mathematisch begabte Katharine (Haley Bennett), Tochter einer wohlhabenden Familie im England des frühen 20. Jahrhunderts, träumt von einem Studium der Astronomie. Doch Frauen bleiben die Universitäten verschlossen. Um sich den gesellschaftlichen Zwängen zu entziehen, nimmt sie den Heiratsantrag ihres Kindheitsfreundes William (Jack Whitehall) an. Als sie den aus einfachen Verhältnissen stammenden Autor Ralph Denham (Elyas M'Barek) und die Frauenrechtlerin Mary Datchet kennenlernt, gerät ihr Leben jedoch aus der Bahn. Tina Gharavi inszeniert Virginia Woolfs „Nacht und Tag“ als elegante Emanzipationsgeschichte mit Witz, Romantik und historischem Flair. Haley Bennett überzeugt als eigenwillige Heldin, unterstützt von einem spielfreudigen Ensemble. Eine kluge, charmante Literaturverfilmung, die zeigt, wie aktuell Woolfs Themen bis heute geblieben sind.

Virginia Woolf’s Night & Day (Großbritannien/Deutschland 2025). Regie: Tina Gharavi. Buch: Justine Waddell. Mit Haley Bennett, Elyas M'Barek, Lily Allen, Jack Whitehall, Jennifer Saunders, Tomothy Spall. Länge: 95 Min.

Wise Women - Fünf Hebammen, fünf Kulturen

Die Dokumentation begleitet Hebammen in Nepal, Äthiopien, Marokko, Brasilien und Österreich. Kanchan Mala Shrestha klärt Jugendliche über Verhütung auf und versorgt Schwangere in einem nepalesischen Dorf, während ihre Kolleginnen Geburten in Geburtshäusern oder im häuslichen Umfeld begleiten. Die Kamera zeigt die Entbindungen nie direkt, sondern über Blicke, Berührungen und zugewandte Gesten - ebenso wie die Momente, in denen ein Neugeborenes nicht gerettet werden kann. Im Mittelpunkt stehen Hingabe und Verantwortung der Protagonistinnen, die Mütter und Kinder in existenziellen Situationen begleiten. Unterschiede der Gesundheitssysteme und kulturelle Besonderheiten bleiben dagegen weitgehend ausgeblendet. So wird der Film vor allem zu einer einfühlsamen Hommage an einen Berufsstand, der Frauen weltweit eine verantwortungsvolle und unverzichtbare Rolle ermöglicht.

Wise Women - Fünf Hebammen, fünf Kulturen (Österreich 2025). Regie, Buch: Nicole Scherg. Mit Genet Gebru, Aïcha El Fathi, Kanchan Mala Shrestha, Gunda Gutscher, Sheila Santos. Länge: 88 Min.

www.epd-film.de




Entwicklung

Ein Instrument, das Brücken baut: Die Nyatiti in Kenia bewahrt Kultur




Die Nyatiti ist eine achtsaitige Leier.
epd-bild/Birte Mensing
In Kenia wollen ein Instrumentenbauer und ein Lehrer das Kulturerbe des traditionellen Saiteninstruments Nyatiti bewahren, das ursprünglich den Männern vorbehalten war. Eine der fleißigsten Schülerinnen ist die elfjährige Viona.

Nairobi (epd). Jared Jaroh trommelt seine Musikschülerinnen und -schüler zusammen. Jeden Nachmittag treffen sie sich zur Probe unter einem großen Mangobaum an der Ulawe Apate Grundschule im Westen von Kenia. Gelagert werden die Instrumente im Wohnzimmer von Lehrer Jaroh: Hinter der Tür stapeln sich Trommeln, daneben vier Orutus, die mit einem Bogen gespielt werden, und Marimbas, die Xylofonen ähneln. Auf einem extra angefertigten Gestell hängen sieben Nyatitis. Das sind die achtsaitigen Leiern der ethnischen Gruppe der Luo. Die Kinder reichen die Instrumente von Hand zu Hand weiter und bringen sie nach draußen.

Seit zehn Jahren unterrichtet Jared Jaroh hier in der Region Siaya. Die Grenze zu Uganda ist etwa 30 Kilometer Luftlinie entfernt, ebenso der Victoriasee. Auf den Feldern steht der Mais hoch, es ist Erntezeit. Eine seiner fleißigsten Schülerinnen heißt Viona Adhiambo, elf Jahre alt. Sie spielt die traditionelle Nyatiti. Die dazugehörigen Schellen bindet sie sich an den rechten Knöchel, dann setzt sie sich auf einen kleinen Hocker und beginnt die Saiten zu zupfen.

Traditionell haben nur Männer die Nyatiti gespielt

Die perkussive Untermalung dazu erzeugt Viona mit den Schellen und einem eisernen Ring am Zeh, der auf das Holz des Rahmens schlägt. Dazu singt sie improvisierte Lobeshymnen - wie in der Tradition der Luo üblich.

Erst im März hat sie angefangen, Nyatiti zu spielen, inspiriert von ihrer älteren Schwester. „Bei den Schulmusikwettbewerben bin ich erste geworden, vor allen Jungs“, erzählt das zierliche Mädchen, die Hände fest in den Saiten der Nyatiti verwoben, als gebe sie ihr Sicherheit. Traditionell haben das Instrument in der Kultur der ethnischen Gruppe der Luo nur Männer gespielt. Die Nyatiti gilt als Verbindung zwischen den Lebenden und den Vorfahren - durch Melodien, die über Generationen weitergegeben wurden.

Westliche Musik hat Traditionsinstrumente verdrängt

Der Instrumentenbauer Charles Obong’o, bei dem begabte Kinder in den Ferien quasi zum Trainingslager kommen dürfen, sagt über Viona und ihre Schwester: „Die haben den Geist der Musik im Blut.“ Es habe eine Zeit gegeben, in der westliche Musik und westliche Instrumente die traditionellen Instrumente verdrängt hätten. Keyboard und Gitarre statt Marimba und Nyatiti waren bei Hochzeiten und Beerdigungen angesagt. Doch der Enthusiasmus der Schülerinnen gibt ihm Hoffnung, dass die Nyatiti weiterleben wird.

Einer der letzten Nyatiti-Bauer

Obong’o ist bald 70 Jahre alt und einer der letzten seiner Art. Er hat als Jugendlicher selbst Nyatiti gespielt, dann aber seinen Fokus Anfang der 80er Jahre auf das Bauen der Instrumente verlegt. „Die Nyatitis haben die Schulgebühren meiner Kinder bezahlt, sie ermöglichen mir ein gutes Leben“, sagt Obong’o und lacht. Für das passende Holz sucht er die Gegend nach geeigneten Feigenbäumen ab, kauft sie dem Besitzer ab und macht sich an die Arbeit.

„Mein Grundstück ist meine Werkstatt“, sagt er im Schatten der hohen Eukalyptusbäume. Das Hämmern seiner Werkzeuge schallt über das Grundstück, auf dem er und mehrere seiner Söhne mit Familie leben. Schlag für Schlag formt er aus dem Holz die Resonanzkörper, über die später Kuhleder gespannt wird. Den Rest des Instruments schnitzt er aus Eukalyptusholz. Die Nylon-Saiten lässt er sich aus der Hauptstadt Nairobi bringen, früher wurden sie aus Kuhdarm gemacht. Umgerechnet bekommt er knapp 70 Euro für eine Nyatiti.

"Ohne Nyatiti stirbt die Luo-Kultur”

"Ohne Nyatiti stirbt die Luo-Kultur”, sagt Obong’o. In Workshops versucht er, sein Handwerk weiterzugeben. Mittlerweile sind die traditionellen Instrumente nicht nur eine Verbindung zur eigenen Kultur und Geschichte, sondern sorgen auch für Kontakt mit Musikerinnen und Musikern aus aller Welt. Die japanische Musikerin Eriko Nyamukoma beispielsweise, in Siaya vor allem unter ihrem Luo-Namen Anyango Nyar Siaya bekannt, versucht Welten zu verbinden.

Auch Viona träumt davon, eines Tages in unterschiedlichen Ländern aufzutreten und mit der Musik ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Aber erst mal übt sie weiter mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern unter dem großen Mangobaum auf dem Gelände der Ulawe Apate Grundschule.

epd-video „Kenianische Nyatiti: Ein Instrument, das Brücken baut“

Von Birte Mensing (epd)


Ohne Mädchen und ohne Geld: Afghanisches Bildungssystem in der Krise



Nicht nur der Ausschluss von Mädchen von weiterführenden Schulen stürzt das afghanische Bildungssystem in die Krise. Auch der Schulbesuch von Jungen geht zurück, es gibt zu wenige Lehrkräfte und kein Geld für die Schulen. Die Folgen sind fatal.

Frankfurt a.M., Kabul (epd). Als die Taliban vor fünf Jahren die Macht in Afghanistan übernahmen, war Schuldirektor Mohammed Osman klar, dass sich vieles verändern würde: Die Stundenpläne wurden angepasst, die Lehrer müssen nun Bärte tragen und die Bildungschancen für Mädchen sind geschwunden. Erst schlossen die radikalislamischen neuen Machthaber die weiterführenden Schulen für Mädchen und dann ein knappes Jahr später auch die Universitäten. Dass auch die Bildung der Jungen massiv leiden würde, war weniger absehbar. Doch auch die sei immer härter von Einschnitten betroffen, sagt Osman.

Völlig unterfinanziert sei das Bildungswesen, sagt der Schulleiter, der eigentlich anders heißt, aber seinen echten Namen nicht genannt haben will. Seit 22 Jahren ist er Direktor an einer Provinzschule im Norden Afghanistans und kennt die Entwicklungen aus der Zeit vor der neuerlichen Taliban-Herrschaft seit August 2021.

Kein Geld für Lehrer

Während die Vorgängerregierung früher neben dem regulären Unterricht zahlreiche zusätzliche Bildungsprogramme für Lehrkräfte und Schüler organisiert habe, fehle es heute an allen Ecken und Enden. Zwar seien die Taliban einerseits massiv gegen Korruption im Bildungssektor vorgegangen, doch es fehle an finanziellen Mitteln, etwa um neues Lehrpersonal einzustellen, erklärt Osman. Durchschnittlich rund 100 Euro im Monat verdiene ein Lehrer, das reiche kaum zum Leben für eine Familie. In der Folge stünden den 2.800 Schülern an seiner Schule gerade einmal 100 Lehrer gegenüber.

Ein Trend, der sich auch landesweit fortsetzt: Laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef ist der Schulbesuch von Jungen in weiterführenden Schulen in den Klassen sieben bis neun seit 2021 von 70 auf rund 68 Prozent gesunken. Grund dafür sind auch die wirtschaftliche Krise des Landes und die immer weiter sinkenden internationalen humanitären Hilfsgelder.

Viel zu große Klassen

Zwar fließen laut Unicef bereits jetzt mehr als 90 Prozent der finanziellen Mittel des afghanischen Bildungsministeriums in die Gehälter von Lehrkräften, doch in der Folge gibt es kaum noch Mittel für neue Investitionen oder Instandhaltungsmaßnahmen. Fast die Hälfte aller Schulen ist chronisch unterfinanziert, es fehlt an sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen, aber auch Laboren, Büchereien und Technik.

Vor allem der Lehrermangel wirke sich zunehmend auch auf den Lernerfolg seiner Schüler aus, beklagt Osman. „Früher haben wir Klassen mit rund 30 Personen unterrichtet, heute sind es beinahe doppelt so viele“, sagt er. Dazu gebe es kaum ausreichend große Klassenräume, viele der Schüler müssten auf dem Boden sitzen. Von den rund 60 Schülern in einer Klasse, so schätzt er, habe lediglich eine Handvoll einen wirklichen Lernerfolg.

Keine Chancen für Mädchen

Mit fatalen Folgen: Laut einer Studie der Weltbank lag die Zahl der afghanischen Kinder im Alter von zehn Jahren, die bereits 2021 nicht in der Lage waren, einen einfachen Text zu lesen, bei rund 93 Prozent, schon damals eine der höchsten weltweit Quoten. Die anhaltenden Wirtschaftsprobleme und Restriktionen für Frauen und Mädchen dürften die Bildungskrise noch einmal deutlich verschärft haben.

Während laut Unicef-Zahlen der Grundschulbesuch von Mädchen von rund 78 auf 87 Prozent gestiegen ist, sind in den weiterführenden Schulen aufgrund der Verbote rund 2,2 Millionen Mädchen vom Schulbesuch ausgeschlossen. Mehrmals hätten er und seine Kollegen deswegen mit den regionalen Behörden das Gespräch gesucht, um sich über die Bildungsverbote für Mädchen zu beschweren, sagt Direktor Osman. Viele der lokalen Talibanführer stimmten ihnen auch indirekt zu, aber die Anweisungen kämen eben von ganz oben.

Doch es brauche schnellstens eine Lösung - auch, um wieder mehr Unterstützung aus der internationalen Gemeinschaft zu erhalten und die Bildung insgesamt zu fördern. „Wir können eine Bartpflicht und geringe Gehälter akzeptieren“, erklärt Osman, „nicht aber, dass wir irgendwann keine Ärztinnen, Krankenschwestern oder Hebammen mehr haben.“

Von Julian Busch (epd)


Protest gegen Kürzungen bei internationaler Hilfe



Vor dem Kabinettsbeschluss zu einer geplanten weiteren Sparrunde in der Entwicklungszusammenarbeit warnen Hilfswerke und Kirchen eindringlich vor dramatischen Folgen.

Berlin (epd). Unmittelbar vor dem anstehenden Kabinettsbeschluss zum Bundeshaushalt 2027 warnen Hilfsorganisationen noch einmal eindringlich vor Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe. Einschnitte hätten dramatische Folgen, mahnte die „Aktion gegen den Hunger“ am 5. Juli. „Wer bei der internationalen Hilfe kürzt, riskiert Menschenleben“, betonte Geschäftsführer Jan Sebastian Friedrich-Rust.

Angesichts der drohenden Kürzungen hat ein Bündnis von mehr als einem Dutzend Hilfsorganisationen, darunter neben „Aktion für den Hunger“ auch Oxfam, „Brot für die Welt“ und Diakonie Katastrophenhilfe, Misereor und Welthungerhilfe, für den Tag der Kabinettsbefassung mit dem Etatentwurf Proteste vor dem Bundeskanzleramt angekündigt. Nach Angaben des Entwicklungsministeriums soll der Etat für das Haus laut Eckwertebeschluss der Bundesregierung im kommenden Jahr um knapp 600 Millionen Euro auf etwa 9,5 Milliarden Euro sinken. Damit würde er das fünfte Jahr in Folge schrumpfen. Die Mittel für humanitäre Hilfe, die im Auswärtigen Amt angesiedelt sind, wurden im Vergleich zu 2024 halbiert, auf aktuell 1,05 Milliarden Euro.

Kritik aus den Kirchen

Auch aus den Kirchen kommt Protest. So bekräftigten die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich, und die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, am Wochenende ihre Kritik an den geplanten Einschnitten. „Als Christinnen können wir den Anspruch auf praktizierte Barmherzigkeit nicht relativieren“, schrieben sie in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (4. Juli).

Sie äußerten weiter die Sorge, dass die „pragmatische Allianz von Nächstenliebe und Stabilisierungsinteresse“ aus dem Blick gerate. „Wir appellieren im Interesse einer nachhaltigen Politik, weiterhin die notwendigen Mittel für funktionierende Entwicklungszusammenarbeit aufzubringen“, heißt es in dem Beitrag. „Auch ein Haushaltsplan zeichnet ein Menschenbild.“



Kritik an Abschwächung des Lieferkettengesetzes



Die Regierungskoalition will die EU-Lieferkettenrichtlinie eins zu eins umsetzen. Damit würden deutlich weniger Firmen unter die Regelung fallen als bisher. Hilfswerke warnen vor Rückschritten beim Menschenrechtsschutz.

Berlin (epd). Die von der Koalition geplante Abschwächung des Lieferkettengesetzes stößt bei Entwicklungs- und Hilfsorganisationen auf scharfen Protest. Die Initiative Lieferkettengesetz, ein Zusammenschluss von mehr als 90 Organisationen, warnte am 2. Juli vor einem potenziell rechtswidrigen Schritt - „mit weitreichenden Folgen für den Schutz von Menschenrechten und Umwelt“. Auch das katholische Hilfswerk Misereor sowie die Umweltorganisation Germanwatch kritisierten das Vorhaben.

Der Koalitionsausschuss aus Union und SPD hatte sich zuvor auf eine zeitnahe und vollständige Umsetzung der EU-Lieferkettenrichtlinie geeinigt. Von dieser sind deutlich weniger Unternehmen betroffen als das bisher geltende deutsche Lieferkettengesetz.

Schutz vor Kinder- und Zwangsarbeit

Die EU-Lieferkettenrichtlinie solle eins zu eins umgesetzt werden, heißt es in dem am Donnerstagmorgen veröffentlichten Einigungspapier des Koalitionsausschusses. Gesetzlich werde in diesem Herbst der Anwendungsbereich auf Unternehmen mit mindestens 5.000 Beschäftigten und einem weltweiten Jahresnettoumsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro beschränkt.

In dem Papier ist zudem von einer risikobasierten Ausgestaltung der Sorgfaltspflichten die Rede. Informations- und Prüfpflichten orientierten sich „insbesondere gegenüber kleineren und mittelbaren Zulieferern an mit angemessenem Aufwand verfügbaren Informationen“.

Sowohl die EU-Richtlinie als auch das deutsche Lieferkettengesetz, das für Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten im Inland gilt, sollen sicherstellen, dass Unternehmen die Menschenrechte und Umweltstandards im Ausland einhalten. Dabei geht es etwa um den Schutz vor Kinder- oder Zwangsarbeit.

„Völkerrechtswidriger Rückschritt“

Mit einer vollständigen Übernahme der EU-Richtlinie würden laut der Initiative Lieferkettengesetz schätzungsweise noch 150 Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland unter die Regelung fallen. Damit seien etwa 95 Prozent der bisher durch das deutsche Lieferkettengesetz erfassten Unternehmen davon ausgenommen.

Die Initiative verwies auf „Rückschrittsverbote“ des Völker- und Europarechts, die eine solche Absenkung „aller Wahrscheinlichkeit nach rechtswidrig“ machten. Armin Paasch, Menschenrechtsexperte bei Misereor, warnte ebenfalls vor einem „völkerrechtswidrigen Rückschritt beim Schutz der Menschenrechte und der Umwelt in der Wirtschaft“.

Kritik kam auch von Germanwatch. Eine Verkleinerung des Anwendungsbereichs entlasse Unternehmen in die Freiwilligkeit, sagte Bereichsleiterin Cornelia Heydenreich. Dies reiche nicht aus, „um Menschenrechte zuverlässig zu schützen“.

EU-Richtlinie geschwächt

Das deutsche Lieferkettengesetz, das bei Unternehmensverbänden unter anderem wegen eines bürokratischen Mehraufwands in der Kritik steht, trat 2023 in Kraft. CDU/CSU und SPD hatten bereits in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, das nationale Lieferkettengesetz abzuschaffen und mit einem Gesetz die EU-Richtlinie umzusetzen. Die EU-Richtlinie war ursprünglich für mehr Unternehmen geplant, wurde jedoch Ende 2025 abgeschwächt.

Der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD hatte am 1. Juli getagt und am Abend eine Einigung erzielt. Das zwölfseitige Einigungspapier enthält insgesamt 34 Maßnahmen, die die Wirtschaft ankurbeln sollen.

Von Moritz Elliesen (epd)


Weimarer Menschenrechtspreis für Umweltaktivistin aus Peru



Die Stadt Weimar zeichnet die peruanische Menschenrechts- und Umweltverteidigerin Olivia Bisa Tirko mit ihrem Menschenrechtspreis 2026 aus. Gewürdigt wird ihr Einsatz für den Schutz des Amazonas und indigener Gemeinschaften.

Weimar (epd). Der Menschenrechtspreis der Stadt Weimar geht 2026 an die peruanische Umwelt- und Menschenrechtsverteidigerin Olivia Bisa Tirko. Wie die Stadtverwaltung am 30. Juni bekanntgab, folgte der Stadtrat mit dieser Entscheidung dem Vorschlag des Vergabebeirats. Gewürdigt wird laut Jury der Einsatz der 37-Jährigen für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes und für die Rechte der indigenen Chapra-Gemeinschaft. Die 32. Verleihung des Menschenrechtspreises findet am 10. Dezember in Weimar statt.

Olivia Bisa Tirko ist seit 2022 Präsidentin der autonomen Territorialregierung der Chapra im peruanischen Amazonasgebiet und die erste Frau in diesem Amt. Die Chapra schützen ein rund 200.000 Hektar großes Regenwaldgebiet, das als Lebensgrundlage der indigenen Gemeinschaft gilt.

Morddrohungen und bewaffnete Überfälle

Laut Begründung des Stadtrats setzt sich Bisa Tirko trotz massiver Bedrohungen wie Morddrohungen und bewaffneter Übergriffe konsequent gegen Umweltzerstörung und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen ein. Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie nach einem Ölunfall des staatlichen Unternehmens PetroPerú im September 2022. Sie dokumentierte die Verschmutzung von Flüssen, Lagunen und Fischbeständen und machte die Folgen öffentlich.

Der Vorschlag für die Auszeichnung kommt von der Gesellschaft für bedrohte Völker. Insgesamt lagen dem Vergabebeirat in diesem Jahr zehn Nominierungen aus neun Ländern vor. Der Weimarer Menschenrechtspreis ist mit 5.000 Euro und dem Versprechen der Stadt dotiert, sich dauerhaft für die persönliche Unversehrtheit der Preisträger einzusetzen.




Termine

4.-5.9. Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt

Wachet und betet. Ringen um „rechten“ Glauben Bis zum Vorabend der Landtagswahlen wird um Deutungshoheit und Wählerstimmen gerungen. Die Kirchen positionieren sich klar gegen rechts und machen von ihrem Wächteramt gebrauch. Doch das Ringen geht bis tief in die Gemeinden hinein. Wird die identitätsstiftende Kraft des Glaubens in Zeiten zunehmender nationalistischer Tendenzen zur Gefahr? Der Journalist Arnd Henze stellt sein Buch „Mit Gott gegen die Demokratie - Warum der christliche Nationalismus alle angeht“ vor.

5.-6.9. Evangelische Akademie Thüringen

Arm und Reich im Mittelalter - und heute. Meister Eckhart - Marguerite Porete - Mechthild von Magdeburg Heute öffnet sich die Schere zwischen - oft extremer - Armut und extremem Reichtum immer weiter. Das Mittelalter erlebte ähnliche Erscheinungen. Auf sozialer Ebene wurde um Probleme der Armen-, Kranken- und Altenversorgung gerungen. Zugleich entstanden Armutsbewegungen, die freiwillige Armut praktizierten.

25.-27.9. Evangelische Akademie Tutzing

Dialektik der Hoffnung „Eine Gesellschaft ist nur in dem Maße Gemeinschaft, wie sie gemeinsam hofft und dadurch handelt“, schreibt der Philosoph Krisha Kops. „Verbunden durch ein gemeinsames Ziel werden vereinzelte Ichs zu einem Wir.“ Wie sollen wir hoffen? Welche Handlungsspielräume eröffnen sich für Organisationsberatung, Supervision und Coaching in Zeiten zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit?