Berlin/Köln (epd). Der Deutschlandfunk plant eine umfangreiche Programmreform und eine deutliche Veränderung des Sendeschemas. Nach dem am 2. Juli vorgestellten vorläufigen Sendeschema sollen die bisher von Fachredaktionen erstellten Fachsendungen wie „Tag für Tag“, „Büchermarkt“ oder „Forschung aktuell“ abgeschafft werden. Stattdessen soll es neben den Informationsmagazinen längere Magazinsendungen zu allgemeinen Themen wie Kultur oder Wissen geben.

Die Fachredaktionen, die bisher die Fachsendungen gestalteten, sollen mehr Beiträge für die täglichen Informationsmagazine liefern und Themen in längeren Hintergrund-Sendungen vertiefen. Das neue Programm soll am 30. November starten.

Jona Teichmann, Programmdirektorin von Deutschlandradio, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Reform solle „die Redaktionen entlasten und die Qualität des Programms sichern“. Deutschlandradio glaube an die Zukunft des Radios, müsse und wolle aber auch „im Digitalen wirken“. Die geplante Programmreform sei „kein Sparprogramm: Wir schließen keine Redaktionen.“ Es gehe darum, Radio und Digitales besser zu verzahnen, sagte sie: „Wir verändern uns an einigen Stellen, damit wir bleiben, was wir sind.“ Der Sender erhoffe sich von der Reform eine „stärkere publizistische Durchschlagskraft“.

Mehr Dialog mit dem Publikum

Um den Dialog mit dem Publikum zu stärken, sollen die Anrufsendungen am Vormittag verändert und um eine halbe Stunde auf zwei Stunden verlängert werden. Künftig soll es laut dem Programmschema nicht an bestimmten Wochentagen ein bestimmtes Thema wie Medizin oder Wirtschaft geben, die Sendungen sollen im Wechsel von den unterschiedlichen Fachredaktionen in Zusammenarbeit mit einer neu eingerichteten Dialog-Redaktion gestaltet werden. Deutschlandfunk-Redakteurin Bettina Schmieding sagte, die Hörerinnen und Hörer sollten sich mit ihrem Blick auf die Themen stärker einbringen können als bisher.

Die neue Deutschlandfunk-Chefredakteurin Susanne Schwarzbach sagte, mit der Reform solle die „Einzigartigkeit des Hauses“ für die Zukunft gesichert werden, diese Einzigartigkeit wolle der Sender auch im Digitalen stärker zeigen. Ein erfolgreiches Radioprogramm sei wichtig, es gehe aber auch darum, jüngere Menschen besser zu erreichen, die mehr digital „on demand“ hören würden.

Mitarbeiter befürchten Verflachung des Programms

Die geplante Programmreform sorgt im Sender vor allem unter den freien Mitarbeitern für Unruhe. In einer dem epd vorliegenden Erklärung der Freien-Vertretung und der Redakteursausschüsse ist die Rede von den „einschneidendsten Veränderungen im DLF-Programm, die es je gegeben hat“. Befürchtet wird eine „Mainstreamisierung und Verflachung des Programms“.

Programmdirektorin Teichmann setzte dieser Kritik entgegen: „Wir haben kein Interesse daran, ein Mainstream-Programm zu werden.“ Sie kündigte an, dass die Verteilung der Themen beobachtet werden solle. Wichtig sei ihr, dass „abseitige Themen“ auch in Zukunft im Programm vorkommen müssten.

Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue sagte, das neue Programmschema sei „keine Revolution“, die Veränderungen seien allerdings für das „Hardcore-Deutschlandfunk-Publikum tiefgehend“. Dennoch sei er zuversichtlich, dass auch diese Hörer im neuen Programm alles wiederfinden würden, was sie gerne hören.

„Einzigartige DNA des Deutschlandfunks“

Der Hörfunkrat, der der Reform nicht zustimmen muss, hat die Geschäftsleitung aufgefordert, „nachvollziehbare und messbare Kriterien festzulegen, um die Programmreform transparent evaluieren zu können“. Das Aufsichtsgremium betonte, es sei ihm wichtig, dass „die programmliche und von den Nutzenden sehr geschätzte einzigartige DNA des Deutschlandfunks - insbesondere bezüglich Qualität, Fachlichkeit und Vielfalt - erhalten bleibt“.

Der Deutschlandfunk ist eines von drei Programmen von Deutschlandradio. Der Informationssender erreicht nach der im März veröffentlichten Media-Analyse täglich 2,52 Millionen Hörerinnen und Hörer und gehört zu den zehn reichweitenstärksten Programmen in Deutschland.