Karlsruhe (epd). Sie sind weich, schnurren und reagieren auf Berührung und Ansprache: Zehn interaktive Roboter-Meerschweinchen gibt es im „Elektronischen Streichelzoo“ am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) Karlsruhe. Sie fiepen, wenn man ihr Fell krault, und reagieren auf einfache Sprachbefehle wie „What's your name?“ Wer genau hinhört, dem antworten sie mit „Booboo“.

Auf die niedlichen Roboter im Kunstfell reagieren Kinder und Erwachsene. Viele seien begeistert, würden sie streicheln und eine Reaktion abwarten, sagt Merlin Tzimou, studentischer Mitarbeiter. Manche Kinder trauten sich zuerst nicht und seien durch die Reaktion der Booboos verunsichert.

Roboter können zwischenmenschlichen Kontakt nicht ersetzen

Eine junge Frau krault ein schwarzes Robotertierchen. Ob sie sich dadurch besser fühlt? „Nein, es erinnert mich an meine beiden Hunde, die ich heute nicht dabeihabe.“ Andere sehen darin einfach eine andere Art Spielzeug. Es sei eine „süße Alternative“ für Haustiere, etwa bei Allergien. Außerdem seien sie pflegeleicht. Im Urlaub müsse sich niemand darum kümmern, so eine andere Reaktion. Den menschlichen Kontakt könnten sie aber nicht ersetzen, sind sie sich einig.

Maschinen, die vorgeben, lebendig zu sein

Warum bietet das ZKM einen Elektronischen Streichelzoo an? Im Zeitalter von KI gebe es immer mehr Maschinen, die vorgeben, lebendig zu sein, es aber nicht seien, sagt Tina Lorenz, Leiterin des ZKM Hertzlabs. Ob Sprachassistent im Smarthome, sprechende Puppe oder schlaue Sensorik: „Je mehr die Maschinen soziale Kontakte ersetzen, desto problematischer werden sie für uns Menschen.“

Das Projekt möchte dazu beitragen, Kinder und Erwachsene für diese wichtige Unterscheidung zu sensibilisieren. Die Robotermeerschweinchen seien gut dafür geeignet, Kinder an einen „kompetenten Umgang mit lebendig wirkenden Gegenständen“ heranzuführen und die Funktionsweise zu veranschaulichen, erklärt Lorenz.

Unterschied zwischen echt und künstlich erkennen

Begleitet wird der Elektronische Streichelzoo von Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Dabei geht es um die Frage, wie Mädchen und Jungen im Kindergartenalter den Unterschied zwischen lebendigen Tieren und täuschend echt wirkenden Maschinen wahrnehmen.

Weil Kinder sich immer früher mit interaktiven Technologien auseinandersetzen müssen, sei es wichtig, den Unterschied zu erkennen, erläutert Jan Ole Rixen von der KIT-Forschungsgruppe „Mensch-Maschine-Interaktion und Barrierefreiheit“ im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Für die Studie haben bisher etwa 100 Kinder aus Kita-Gruppen den etwas anderen Zoo besucht. Nachmittags können interessierte Kinder mit den Robotertieren spielen.

Robotertier ist wie eine Box mit Kabeln und Batterien

Gerade jüngere Kinder mit drei, vier Jahren könnten natürlich oder künstlich noch nicht unterscheiden, so Rixen. Sie betrachteten die Booboos als Tier und malten es etwa mit Karotten. Ältere Kinder wüssten schon, dass es nicht echt ist, würden aber trotzdem ins Spiel verfallen. Den Wissenschaftler interessiert, was die Mädchen und Jungen über die Roboter denken. Dabei geht spielerisch um Fragen, ob Booboos etwas fressen müssen, was sie den ganzen Tag über machen oder ob sie Gefühle haben.

Das Ziel sei es, dass Kinder lernen, kritisch auf Roboter und KI zu reagieren, erklärt Rixen: „Man kann damit spielen, sollte aber auch verstehen, was es ist.“ Am Ende erklärt er den Kindern, dass die Robotermeerschweinchen sich nur durch die Dinge bewegen können, die sich in ihrem Inneren befinden. Er vergleicht die künstlichen Plüschtiere mit einer Schachtel, in der sich Kabel, Schrauben und Batterien befinden.