Kirchen

Katholische Kirche nimmt 2025 mehr Kirchensteuern ein




Kreuz auf Euro-Banknoten (Themenbild)
epd-bild/Heike Lyding
Die Kirchen in Deutschland nehmen trotz der sinkenden Zahl von Kirchenmitglieden momentan noch mehr Kirchensteuern ein. Die katholische Kirche hat nun auch ihre Statistik veröffentlicht.

Bonn (epd). Trotz sinkender Mitgliederzahlen haben die 27 katholischen Bistümer in Deutschland im vergangenen Jahr mehr Kirchensteuern eingenommen als 2024. Mit rund 6,8 Milliarden Euro stiegen die Steuereinnahmen um gut 1,9 Prozent, wie aus einer am 8. Juli online veröffentlichten Statistik der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hervorgeht. Im Jahr 2024 hatte die katholische Kirche etwa 6,6 Milliarden Euro eingenommen.

Zum Stichtag 31. Dezember gehörten der katholischen Kirche rund 19,2 Millionen Katholikinnen und Katholiken an, das waren gut eine halbe Million weniger Mitglieder als 2024.

Inflation beeinträchtigt Kaufkraft

Die Kirchensteuer ist an die Lohn- und Einkommensteuer gekoppelt und beträgt acht bis neun Prozent der Einkommensteuer bei Kirchenmitgliedern. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte ihre Statistik bereits im Mai veröffentlicht. Die Einnahmen der 20 evangelischen Landeskirchen aus der Kirchensteuer beliefen sich demnach auf rund 6,1 Milliarden.

Die Inflationsrate für das vergangene Jahr betrug im Durchschnitt laut dem Statistischen Bundesamt 2,2 Prozent. Daher verringerte sich die Kaufkraft der Kirchensteuereinnahmen trotz der Steigerung. Die Deutsche Bischofskonferenz gibt einen inflationsbereinigten Wert in Höhe von 4,2 Milliarden Euro ihrer Kirchensteuereinnahmen an.

Langfristig wird erwartet, dass die Einnahmen aus der Kirchensteuer sinken, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer in der Rente sind und die Mitgliederzahlen weiter sinken.



Christian Würtz ist neuer Bischof von Eichstätt



Studierter Jurist und Theologe: 13 Monate nach dem Rücktritt von Gregor Maria Hanke hat das Bistum Eichstätt einen neuen Leiter: Papst Leo XIV. hat Christian Würtz zum neuen Bischof ernannt. Er wird der jüngste Diözesanbischof in Deutschland sein.

Eichstätt (epd). Das Bistum Eichstätt hat nach 13 Monaten wieder einen Bischof: Der bisherige Freiburger Weihbischof Christian Würtz (55) ist von Papst Leo XIV. zum Nachfolger von Gregor Maria Hanke ernannt worden. Dompropst Alfred Rottler gab die Ernennung am 8. Juli im Dom zu Eichstätt bekannt. Sie wurde zeitgleich in Rom, Freiburg und Eichstätt verkündet. Würtz ist der 83. Bischof von Eichstätt. Der Zeitpunkt der Einführung stehe noch nicht fest, hieß es. Hanke war am Pfingstsonntag 2025 mit Erlaubnis des Vatikans in den vorzeitigen Ruhestand getreten.

Er freue sich auf die neue Aufgabe und danke Papst Leo für das in ihn gesetzte Vertrauen, sagte Würtz im Eichstätter Dom. Würtz war zuletzt im Erzbistum Freiburg unter anderem für die Priesterausbildung sowie als Bischofsvikar für Hochschulen verantwortlich.

Der Eichstätter Diözesanadministrator Rottler begrüßte die Ernennung: „Mit Weihbischof Christian Würtz erhält unser Bistum einen erfahrenen Seelsorger und Theologen, der sowohl in der Pastoral als auch in Leitungsaufgaben der Kirche umfassende Erfahrung mitbringt.“ Rottler hatte während der Vakanz das Bistum Eichstätt geleitet.

Marx und Gössl freuen sich auf die Zusammenarbeit

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, gratulierte Würtz, der nun der jüngste Diözesanbischof in Deutschland sein werde: „Ich bin der festen Überzeugung, dass Deine wissenschaftliche Ausbildung, Deine langjährige Tätigkeit als Pfarrer und Dein Wirken bei kirchenrechtlichen Fragen im Erzbistum Freiburg sowie als Regens des Priesterseminars gute Voraussetzungen für die Aufgaben sind, die Du übernehmen wirst“, schrieb Wilmer.

Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Freisinger Bischofskonferenz, gratulierte Würtz und hieß ihn herzlich willkommen in Bayern. „Stadt und Bistum Eichstätt liegen so zentral im Freistaat, dass man tatsächlich sagen kann, dass Sie mit der neuen Aufgabe in das Herz von Bayern kommen“, sagte Marx. Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl sagte, er blicke der Zusammenarbeit mit Würtz in der Kirchenprovinz Bamberg mit Freude entgegen. Das Bistum Eichstätt gehört gemeinsam mit den Bistümern Würzburg und Speyer als Suffraganbistum zur Kirchenprovinz Bamberg.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ forderte Würtz auf, die „Chance für einen echten Neuanfang“ in Eichstätt zu nutzen. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern solle er „Entscheidungen in Zukunft besser zusammen mit den Betroffenen in synodaler Weise“ vorbereiten, Konflikte mit Mitarbeitenden „möglichst ohne Arbeitsgerichte“ lösen und Initiativen der Gläubigen unterstützen.

Würtz ist studierter Jurist und Theologe

Christian Würtz wurde 1971 in Karlsruhe geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften studierte er Theologie in Freiburg und Würzburg und promovierte in Kirchenrecht sowie in Theologie. 2006 wurde er zum Priester geweiht. 2018 wurde er Stadtdekan von Freiburg, Dompfarrer am Münster und Domkapitular. 2019 ernannte ihn Papst Franziskus zum Titularbischof von Germania in Dacia und zum Weihbischof in der Erzdiözese Freiburg.

Sein Vorgänger Gregor Maria Hanke war von 2006 bis 2025 Bischof von Eichstätt. Am 8. Juni 2025 war er mit 70 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand getreten. In Hankes Amtszeit fiel unter anderem ein Finanzskandal sowie Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe gegen seine Vorgänger im Amt, Alois Brems und Walter Mixa. Hanke begrüßte die Ernennung seines Nachfolgers. Dieser sei „ein geistlich erfahrener, theologisch versierter und leitungskompetenter Hirte“, sagte er laut Mitteilung.

Von Imke Plesch (epd)


Papst Leo XIV. hat mit Bedürftigen zu Mittag gegessen



Zum zweiten Mal in seinem Pontifikat hat Leo XIV. ein Mittagessen für Bedürftige ausgerichtet. Rund 200 Menschen kamen in den Gärten der päpstlichen Sommerresidenz in Castel Gandolfo mit dem Papst zusammen.

Rom (epd). Papst Leo hat zu mehr Gerechtigkeit aufgerufen. „Ich bin heute ohne eine vorbereitete Rede zu euch gekommen. Aber dafür mit Hunger, einem Hunger nach Gerechtigkeit“, sagte der Papst am 11. Juli in Castel Gandolfo vor 200 Bedürftigen, die er zu einem Mittagessen in die Päpstlichen Gärten eingeladen hatte. Leo XIV. verbringt aktuell seinen Sommerurlaub im Apostolischen Palast des Bergortes, etwa 30 Kilometer südlich von Rom.

Schon im vergangenen Sommer hatte Papst Leo Menschen, die in Armut leben, zu einem gemeinsamen Mittagessen getroffen. Eine solche Zusammenkunft werde nun jährlich stattfinden, wie der Vatikan mitteilte. „Jedes Jahr soll eine andere Diözese Menschen einladen, die in Armut leben, geflüchtet oder migriert sind oder in anderen schwierigen Lebenslagen stehen“, heißt es in einer Mitteilung des „Zentrums für höhere Bildung Laudato si’“.

„Neue Etappe“

Das von Leos Vorgänger, Papst Franziskus, angestoßene Öko-Zentrum „Borgo Laudato Si’“ fördert die Initiative „Mittagessen mit dem Papst“. Es dient als Ausbildungs- und Arbeitsstätte für benachteiligte Menschen. Der Fokus des Zentrums liegt auf dem verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen der Erde.

Wie die Papstreise nach Lampedusa vergangenen Samstag stehe auch dieser Termin für eine „neue Etappe auf dem Weg von Papst Leo XIV. zu den sozialen Peripherien unserer Zeit“, sagte Kardinal Fabio Baggio, der Generaldirektor der Hochschule im Vorfeld. Der Papst begegne in Castel Gandolfo Menschen in schwierigen Lebenssituationen und bekräftige damit, dass die Kirche dorthin gerufen sei, „wo die menschliche Würde Gehör, Nähe und Hoffnung braucht“.

Papst Leo befindet sich seit rund einer Woche in Castel Gandolfo, wo er sich bis zum 27. Juli erholen will. Es ist der zweite Sommer, den Leo XIV., in der päpstlichen Sommerresidenz verbringt. Während der Zeit seines Urlaubs seien keine Audienzen vorgesehen, teilte der Vatikan mit, das sonntägliche Angelus-Gebet werde der Papst während seines Urlaubs auf der Piazza della Libertà in Castel Gandolfo abhalten.



Akademien fordern offene Debatten in Bildung und Wissenschaft



Die Direktoren der Evangelischen Akademien in Ostdeutschland fordern einen offensiven Umgang mit Kritik an Bildung und Wissenschaft. Demokratie werde nur gestärkt, wenn berechtigte Kritik an Institutionen ernst genommen werde.

Neudietendorf (epd). Die Evangelischen Akademien in Ostdeutschland wollen berechtigte Kritik an Bildung und Wissenschaft nicht populistischen Kräften überlassen. Demokratie werde dort angreifbar, wo reale Probleme ignoriert würden, erklärten die Chefs der Akademien in Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und der Nordkirche in einer am 9. Juli veröffentlichten Erklärung. Demokratische Institutionen müssten deshalb Angriffe auf die Demokratie zurückweisen und zugleich deren Reformbedarf offen benennen.

Als Beispiele nannten die Akademiedirektoren etwa den Lehrkräftemangel, den Unterrichtsausfall und die hohe Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss, insbesondere auch in Sachsen-Anhalt. Hochschulen litten zudem unter dem Eindruck politisch eingeengter Debatten und einem hohen Anteil befristeter Beschäftigungsverhältnisse.

Vertrauen in Bildungsorte soll gestärkt werden

Der Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen, Sebastian Kranich, erklärte, Demokratie brauche Bildungsorte, an denen der freie Streit der Argumente geschützt werde. Nur so entstünden Vertrauen und gesellschaftliche Resilienz.

Der Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt, Christoph Maier, betonte, die Freiheit von Bildung und Wissenschaft werde nicht verteidigt, indem Schwächen verschwiegen werden. Vielmehr müsse offen über Reformen gesprochen werden.

Der Bildungsforscher Peer Pasternack qaus Halle betonte, Bildungsinstitutionen müssten ihre Eigenständigkeit und Widerstandsfähigkeit stärken. Dazu gehöre die Konzentration auf ihren Kernauftrag, Menschen zur eigenständigen Urteilsbildung zu befähigen und offene wissenschaftliche Debatten zu ermöglichen.



Mit 19 Jahren bei der Flughafenseelsorge




Flughafenseelsorger Constantin Braun im Einsatz am Flughafen Frankfurt am Main
epd-bild/Selina Groß
Wird jemand zum Reden gesucht, hört Constantin Braun gerne zu. Will jemand wissen, wie er auf kürzestem Weg zu seinem Flugzeug kommt, hilft er ebenfalls. Der junge Mann liebt sein Ehrenamt als Seelsorger am Flughafen.

Frankfurt a.M. (epd). Er ist gerne am Flughafen und es macht ihm Freude, anderen zu helfen. Als Teil der Evangelischen Flughafenseelsorge hat Constantin Braun das für sich „perfekte Ehrenamt“ gefunden, betont er gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dass er mit 19 Jahren noch recht jung sei für die Seelsorge, kommentiert er nur mit einem Schulterzucken. Man dürfe das nicht überbewerten, sagt er. Manchmal gehe es nur darum, jemandem den Weg zum richtigen Flugsteig zu zeigen. Wenn aber deshalb jemand seinen Flug noch erwischt, habe er das schöne Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, sagt der junge Mann.

Braun gehört zu einem Team von rund 25 Ehrenamtlichen in der Evangelischen Flughafenseelsorge auf Rhein-Main. Das Team sei mit einer Altersspanne von 18 Jahren bis Ende 60, Berufsgruppen von der Reinigungskraft bis zur Therapeutin und aus verschiedenen Ländern stammend, erfreulich divers, sagt Pfarrerin Bettina Klünemann. Das sei ein großer Vorteil, um mit den ebenso unterschiedlichen Passagieren und Mitarbeitenden auf dem Flughafen in Kontakt zu kommen. Auch die vielen verschiedenen Sprachkenntnisse seien ein großer Vorteil.

Individuelle Vorbereitung auf die Arbeit

Wer neu einsteigt, muss zunächst eine Sicherheitsüberprüfung absolvieren und einen Flughafenausweis bekommen. Das ist nach den Worten der Pfarrerin notwendig, weil die Ehrenamtlichen auch im Transitbereich und auf dem Vorfeld zu tun haben.

Eine Art Einsteigerkurs für alle gibt es nicht. „Wir schauen, was die Einzelnen mitbringen“, schildert Klünemann. Einem Psychotherapeuten brauche sie beispielsweise nichts über Gesprächsführung zu erklären. Deshalb bietet die Flughafenseelsorge Module zu verschiedenen Themen wie etwa interkultureller Kommunikation, Umgang mit Demenz oder auch Deeskalation an, die individuell besucht werden können. Einige ließen sich zu Notfallseelsorgern ausbilden, weil sie am Flughafen häufig mit traumatisierten Menschen zu tun hätten.

Flugangst, seelische Nöte oder Suche nach der Raucherecke

Constantin Braun trägt eine gelbe Warnweste mit der Aufschrift „Flughafenseelsorge“ wenn er auf dem Rhein-Main-Airport seine übliche Runde dreht. In der Regel würden er und seine Kollegen und Kolleginnen angesprochen. Mache jemand einen hilfsbedürftigen Eindruck, gehe die Initiative auch schon mal von ihm aus. Die Spanne dessen, was er bislang erlebt hat, reiche „von der Frage nach dem Weg zur Raucherecke bis zu Flugangst oder anderen seelischen Nöten“.

Wenn es um tiefergehende Gespräche geht, übernehme eine Pfarrperson. Was er leisten könne, sei zuhören und versuchen, „die Menschen zum Durchatmen zu bringen“, erzählt er.

Ungewöhnlich sei kürzlich die Begegnung mit einem 14-jährigen Mädchen gewesen. Sie war von zu Hause weggelaufen, am Flughafen gelandet und von Mitarbeitern einer Fluggesellschaft zur Seelsorge gebracht worden. Dort haben Mitarbeiter herausgefunden, wer ihr weiterhelfen kann. Solange das Mädchen da war, habe Constantin sich um sie gekümmert und wohltuende Ruhe ausgestrahlt, erinnert sich die hauptamtliche Mitarbeitende Stefanie Roth.

Ehrenamtliche entscheiden, wann und wie oft sie arbeiten wollen

Braun studiert im zweiten Semester Psychologie in Frankfurt. Am Flughafen hilft er mal ein paar Stunden pro Woche, mal einmal im Monat. Wie die anderen Ehrenamtlichen auch trägt er seine Arbeitszeiten einfach in den digitalen Kalender der Flughafenseelsorge ein.

Ehrenamtlich ist Constantin Braun seit seinem 14. Lebensjahr für die Kirche aktiv. Nach seiner Konfirmation habe er zunächst bei der Jugendarbeit mitgemacht. „Später habe ich eine größere Herausforderung gesucht“, fügt er hinzu. Nach dem Abi hat Constantin Braun vier Monate Vollzeit für den Terminal-Service gearbeitet „und dabei den Flughafen und ein paar Leute kennengelernt, das hilft mir jetzt sehr“, betont der 19-Jährige.

Weil er die Aufgabe bei der Flughafenseelsorge so gerne macht, habe er zu Hause viel davon geschwärmt. Sein Zwillingsbruder steige jetzt auch ein, erzählt er grinsend.

epd video: Praktizierte Nächstenliebe: Seelsorge am Flughafen

Von Renate Haller (epd)


Deutsche Kirche in New York in Not




Pastor Lars Reimann unter dem Baugerüst an der Deutschen Evangelisch-Lutherischen St. Pauls Kirche in New York
epd-bild/Mirjam Rüscher
Die deutsche evangelische St. Pauls Kirche in New York muss dringend saniert werden. Knapp neun Millionen Euro werden die Baumaßnahmen voraussichtlich kosten. Pastor Lars Reimann setzt alles daran, das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten.

New York (epd). Die Fenster der Türme sind mit Holzplatten verschlossen, das Gemäuer mit Metallklammern gesichert, die Front der Kirche größtenteils von einem Baugerüst verdeckt: Das Zuhause der deutschen evangelisch-lutherischen Gemeinde in New York ist vom Verfall bedroht. Die St. Pauls Kirche muss dringend saniert werden.

Etwa zehn Millionen US-Dollar - umgerechnet rund 8,7 Millionen Euro - sind für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes im Stadtteil Chelsea veranschlagt. Woher das Geld kommen soll, das weiß der Pastor der Gemeinde, Lars Reimann, auch noch nicht so genau. „Durch Fundraising haben wir 2024 1,6 Millionen US-Dollar zusammenbekommen, davon konnten wir 2025 erste wichtige Baumaßnahmen durchführen“, sagt Reimann, der seit vier Jahren in New York ist.

Deutsche Identität in Amerika

Insgesamt hat er bis heute 2,5 Millionen zusammen, doch nun „verlangsamt sich das Finden von Geld erheblich“, so Reimann. Deshalb hofft er unter anderem auf Fördergelder aus dem deutschen Bundeshaushalt. Immerhin ist St. Pauls die letzte verbliebene deutsche Gemeinde in New York, ein Ort, wo Deutsche und Deutschsprechende eine Heimat finden und alle Gottesdienste auf Deutsch stattfinden.

Das Gebäude stammt von 1897. „Es ist ein Stück deutsche Identität in Amerika, das es wert ist, erhalten zu werden“, sagt Reimann. Dass die Gemeinde überhaupt bis heute existiert, sei erstaunlich. Viele andere Einwanderergemeinden mussten irgendwann die Türen für immer schließen. Der Norddeutsche nennt es einen „historischen Zufall“.

1841 wurde die deutsche St. Pauls-Gemeinde in New York unter dem Namen „United German Evangelikal Lutheran Church in the City of New York“ gegründet. Deutsche Einwanderer, die in der bereits existierenden St. Matthäus-Kirche keine Heimat fanden, kamen am 22. August das erste Mal zusammen. Mit den vielen deutschen Auswanderern, die New York regelrecht fluteten, wuchs die Gemeinde schnell, sodass die Kirche von 1842 bald aus allen Nähten platzte. 1860 entstand deshalb ein Neubau mit 1.000 Plätzen.

Sicherheitsrisiko

Als Jahrzehnte später direkt neben der Kirche die Hochbahn errichtet wurde, zog die Gemeinde ins heutige Chelsea um. Dort entstand 1897 eine kleinere Kirche im neuen gotischen Stil. Heute ist das Gotteshaus eines der ältesten deutschen Gebäude in der Stadt.

Von der einst großen Gemeinde ist nur ein kleiner Kern geblieben. Rund 50 Haushalte gehören heute noch zu St. Paul. „Unter der Pandemie und Personalwechseln hat die Gemeinde sehr gelitten. Aber jetzt wachsen wir wieder“, sagt Lars Reimann. Die finanzielle Lage sei schwierig gewesen, als er seine Stelle antrat. In den letzten Jahren hat sich die Gemeinde finanziell aber sehr gut entwickelt und kann ihr eigenes Gemeindeleben bezahlen - nicht aber die Kirchensanierung. In acht Jahren geht Reimann in den Ruhestand, sein Ziel ist es, bis dahin nicht nur einen ausgeglichenen Haushalt, sondern auch ein saniertes Gebäude zu haben.

Wie dringend die Sanierung ist, zeigt ein Blick auf den Zustand der Kirche. „Das Gebäude ist historisch schön, aber komplett im Eimer“, bringt Reimann es auf den Punkt. Bereits vor 30 Jahren habe man in der St. Pauls-Gemeinde gewusst, dass es gravierende Probleme gebe. Weil New York in einem Erdbebengebiet liegt, mussten im vergangenen Jahr erstmal die beiden Türme der Kirche gesichert werden. Sie gelten seit rund 20 Jahren als Sanierungsfall und waren zuletzt zu einem Sicherheitsrisiko geworden.

Alles geplant und genehmigt

Allein die Sicherung der Türme kostete 100.000 US-Dollar, weitere 800.000 flossen in die Dächer und andere Sanierungsarbeiten. Gerade wird die Südfassade in Angriff genommen, drei Millionen werden die Arbeiten kosten. Zwei davon fehlen der Gemeinde noch. Für die weiteren drei Fassadenseiten sind insgesamt zwei Millionen veranschlagt und dann noch ungefähr fünf Millionen für die Arbeiten im Innenraum.

„Vor 30 Jahren dachte man, die Reparaturen würden eine Million Dollar kosten, vor 20 Jahren waren es vier, heute wissen wir, es werden zehn“, so Reimann. Es gibt ein dickes Gutachten zu den Schäden und notwendigen Maßnahmen am Gebäude. „Würde ich heute zwei Millionen finden, könnte ich morgen weitere Baumaßnahmen veranlassen“, sagt Reimann. Es ist alles geplant und genehmigt.

Die Zukunft der Gemeinde hängt an ihrer Kirche, betont Lars Reimann. Sie ist für St. Paul identitätsgebend. Doch nicht nur das Gemeindeleben hängt an der Kirche: Das Gebäude und seine Geschichte selbst sind ein wichtiger Teil des deutschen Erbes in New York. Die Aufgabe sei gewaltig. Trotzdem bleibt Reimann optimistisch, das ist sein Naturell. Bislang haben ihn Zuversicht und Glaube noch nie im Stich gelassen. „Ich kann gut schlafen, aber ich suche auch noch sieben Millionen US-Dollar.“

Von Mirjam Rüscher (epd)


Synodenpräses Heinrich sieht sich nicht in der Politik



"Ich habe keinen Drang nach Karriere, ich möchte etwas bewegen", sagt die EKD-Synodenpräses Heinrich in einem Interview und gibt auch Einblicke in ihr Privatleben.

München (epd). Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, sieht ihre Zukunft nach eigenen Worten nicht in der Politik. „Ich glaube, ich passe nicht so gut in Strukturen, in denen es häufig darum geht, eine einmal gefundene Lösung durchzusetzen - nicht die beste, die sich vielleicht noch auf dem Weg auftut“, sagte die 30-Jährige dem Magazin „Bunte“ (9. Juli).

Sie trete gerne für die Belange anderer ein, sagte Heinrich. „Ich habe keinen Drang nach Karriere, ich möchte etwas bewegen“, fügte sie hinzu.

Amtszeit endet im nächsten Jahr

Die damalige Studentin Heinrich war 2021 in das Ehrenamt an die Spitze des evangelischen Kirchenparlaments gewählt worden. Ihre Amtszeit endet im nächsten Frühjahr.

In dem Interview gab sie auch Einblicke in ihr Privatleben. Sie ist mit dem Wirtschaftsprüfer Kevin Sachse verheiratet, der ebenfalls der EKD-Synode angehört. Mit ihm lebt sie in einer Fünfer-Wohngemeinschaft (WG) in Regensburg. „Wir würden sicher auch nicht ausziehen, wenn wir ein Kind bekommen würden“, sagte Heinrich.

In der WG habe jeder seine Aufgaben: „Unsere Freunde sagen immer, wir seien die bürgerlichste WG, die es gibt.“ Aus ihrer Partnerschaft berichtete Heinrich über eine Rollentrennung: „Mein Mann kümmert sich um unsere Finanzen, ich erledige alles Handwerkliche. Ich gehe wahnsinnig gern in den Baumarkt.“



Berliner Lutherdenkmal soll sichtbarer werden



Seit vielen Jahren wird in Berlin über das Lutherdenkmal in der Nähe der Marienkirche diskutiert. Bislang steht es etwas verloren auf dem Platz. Jetzt liegt ein Entwurf zur Neugestaltung vor.

Berlin (epd). Das Lutherdenkmal in Berlin-Mitte in der Nähe der Marienkirche und des Roten Rathauses soll aufgewertet werden. Nach einer Restaurierung soll es einen Natursteinsockel, eine umlaufende Sitzbank und eine Informationsstele erhalten, wie die Senatsbauverwaltung am 8. Juli in Berlin mitteilte.

Dafür stünden bis zu 1,5 Millionen Euro sowie weitere 2,4 Millionen Euro für die Gestaltung des Umfelds einschließlich weiterer Baumpflanzungen bereit. Zuständig sei die landeseigene Grün Berlin GmbH im Rahmen der begonnenen Neugestaltung von Rathausforum und Marx-Engels-Forum.

Denkmal soll besser wahrgenommen werden

Der Entwurf stammt vom Planungsbüros BASD - Gerhard Schlotter und Claudia Kruschel-Bücker Architekten in Zusammenarbeit mit den Künstlern Maria Vill und David Mannstein. Sie erhielten den Zuschlag im Rahmen eines europaweiten Wettbewerbs. Ein Ziel sei „die stärkere Sichtbarmachung des Denkmals im städtischen Kontext“ gewesen.

Das Denkmal des Reformators Martin Luther (1483-1546) an der Marienkirche entstand ursprünglich 1895 als repräsentatives Denkmal nach einem Entwurf von Paul Otto. Neben der zentralen Lutherfigur waren weitere Reformatoren auf einem erhöhten Sockel zu sehen. Die Platzanlage und die meisten Begleitfiguren gingen im Zweiten Weltkrieg verloren. Die zentrale Lutherfigur wurde 1989 nahe der Marienkirche wieder aufgestellt.

Der prämierte Entwurf soll das Denkmal „neu in Wert setzen“, hieß es. Bis wann die Neugestaltung abgeschlossen sein soll, teilte die Senatsbauverwaltung nicht mit.



Anwalt: Täternetzwerke in der Kirche erforschen



Als Gutachter hat der Münchner Rechtsanwalt Ulrich Wastl die Aufarbeitung in einigen katholischen Bistümern vorangebracht. Nun fordert er ein besseres Bewusstsein für Täternetzwerke.

Oberursel (epd). Die Erforschung von Täternetzwerken in der katholischen Kirche ist für den Münchner Rechtsanwalt und Gutachter Ulrich Wastl entscheidend für die Prävention von sexualisierter Gewalt. „Für die Prävention ist es so wichtig, dass wir Täternetzwerke erkennen und uns mit Täterstrategien beschäftigen“, sagte der Jurist der Zeitschrift „Publik-Forum“ (10. Juli). Wastl hat mehrere Missbrauchsgutachten für deutsche und ausländische Diözesen erstellt und war Mitbegründer der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl, die 2022 ein Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München vorgestellt hatte.

Wastl sagte, man müsse sich „von der Vorstellung verabschieden, dass die Kirche außerhalb der Gesellschaft lebt“. „Es ist zu erwarten, dass die Netzwerke von pädosexuellen Priestern auch Verbindungen haben zu Kriminellen außerhalb der Kirche.“

Graues Feld der Mitwisser verstehen

Er plädierte zudem für eine klare Verantwortungsübernahme. „Wir müssen wegkommen davon, dass am Ende des Tages keiner schuld ist.“ Es gebe das Modell einer umgedrehten Pyramide: „Ich habe oben ein weißes Feld, die wissen von nichts, und ganz unten sind die Täter, dazwischen gibt es aber ein graues Feld.“ Dieses Modell gelte es, gesamtgesellschaftlich zu verstehen.

Viele Betroffene hätten zwar mit dem Täter abgeschlossen, aber sie wollten verstehen, wie die Taten in der Gesellschaft oder in einer Organisation überhaupt passieren konnten, gerade wenn Mitwisser bis heute Schuld von sich wiesen. „Das ist der graue Bereich, der die Taten mit ermöglicht hat. Und bei Täternetzwerken ist die konstitutive Rolle der anderen für den Missbrauch besonders dramatisch“, sagte Wastl.




Gesellschaft

Nach der Flut 2021: Hilfsbereitschaft und stockender Hochwasserschutz




Haus in Altenahr-Altenburg nach der Flutkatastrophe am 14. Juli 2021
epd-bild/Paffenholz
Mindestens 185 Tote, über 800 Verletzte und zerstörte Landstriche: Die Flutkatastrophe im Juli 2021 hat tiefe Narben hinterlassen. Vieles ist wieder aufgebaut, doch beim Hochwasserschutz gibt es noch Lücken und Unklarheiten.

Düsseldorf (epd). Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands ist vielerorts wieder aufgebaut, was im Juli 2021 von Wassermassen weggerissen wurde: Häuser und Brücken, Straßen und Bahngleise, Kitas und Krankenhäuser. Mindestens 185 Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden teils schwer verletzt, Zehntausende verloren ihr Hab und Gut.

Den Betroffenen wurde schnelle und unbürokratische Hilfe versprochen. Doch der Wiederaufbau kam zunächst vielerorts nur schleppend voran. Die Schutzmaßnahmen gegen künftige Hochwasser sind noch nicht so weit, dass ähnliche Fluten künftig in Schach gehalten werden könnten.

Finanzierung von Rückhaltebecken noch unklar

Der besonders hart getroffene Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz hat Stabsstellen eingerichtet, Einsatzpläne angepasst und Warnwege verbessert. Brücken wurden strömungsdurchlässiger neu gebaut und die Ahr wiederhergestellt. Ziel des besonders hart getroffenen Kreises ist es, ein mögliches weiteres „Jahrhunderthochwasser“ schadlos durch die Ortschaften zu bekommen.

Das sei aber „leider aufgrund der topografischen Gegebenheiten nicht immer möglich“, räumt der Kreis auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ein. Ähnliche Wassermassen wären nur durch den Bau großer Wasserrückhaltebecken im Ahr-Einzugsgebiet aufzuhalten. Der Kreis kalkuliert dafür Kosten von rund 1,7 bis 2 Milliarden Euro. Die Summe sei von den Kommunen nicht zu stemmen und die Finanzierung sei damit noch unklar. Landrätinnen und Landräte aus der Region schlagen vor, dafür Gelder aus dem Wiederaufbaufonds zu verwenden. Darum baten sie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Mitte Juni in einem Brief.

Wiederaufbaufonds wird nicht ganz abgerufen

Bund und Länder hatten für den Wiederaufbau 30 Milliarden Euro bereitgestellt, davon 15 Milliarden für Rheinland-Pfalz und 12,3 Milliarden für Nordrhein-Westfalen. Vermutlich wird das Geld nicht komplett abgerufen.

Fünf Jahre nach der Katastrophe ist der Wiederaufbau teils abgeschlossen, wird mancherorts aber noch dauern. Laut den zuständigen Ministerien wurden in Nordrhein-Westfalen bis Anfang Juli 2026 insgesamt rund 4,7 Milliarden Euro an Förderung bewilligt, in Rheinland-Pfalz gut 3,7 Milliarden Euro.

Viele Privatleute konnten ihre Häuser mittlerweile wieder aufbauen. In dem Bereich sind die Arbeiten nach Angaben der nordrhein-westfälischen Landesregierung mittlerweile etwa zu 80 Prozent abgeschlossen. Rund 900 Millionen Euro seien für private Wohngebäude und Hausrat bewilligt und davon bereits 785 Millionen Euro ausgezahlt worden. Rheinland-Pfalz berichtet von 682 Millionen Euro an bewilligter Förderung in dem Bereich.

Betroffene leiden unter psychischen Folgen

Psychosoziale Angebote sind weiterhin nötig für Betroffene, die noch unter den Folgen des Katastrophe leiden. Bei manchen von ihnen seien Albträume, Schlaflosigkeit oder Alkoholprobleme erst Jahre nach der Flutnacht aufgetreten, sagte der Opferbeauftragte der rheinland-pfälzischen Landesregierung, Detlef Placzek, dem epd. In einigen Fällen verzögere sich zudem der Wiederaufbau zerstörter Häuser wegen widersprüchlicher Gutachten oder unvollständig eingereichter Anträge.

Fehler und Versäumnisse in Behörden und Politik waren nach der Flut ein großes Thema. Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) musste ihren Posten räumen, ebenso wie in Rheinland-Pfalz der Innenminister Roger Lewentz (SPD) und die Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne).

Ausschüsse untersuchen Fehler und Versäumnisse

Um detaillierter aufzuarbeiten, welche Versäumnisse zu einer Katastrophe dieses Ausmaßes führten, wurden in beiden Landtagen Untersuchungsausschüsse eingerichtet. In Nordrhein-Westfalen wurden im Abschlussbericht etwa eine „mangelnde Lagekommunikation“ und die „unzureichende Warnung der Bevölkerung“ kritisiert. Entscheidungen der damaligen schwarz-gelben Landesregierung wurden von dem Ausschuss ebenfalls bemängelt, eindeutige Beweise für ein fehlerhaftes Krisenmanagement der Regierung gab es allerdings nicht.

In Rheinland-Pfalz stellte der Ausschuss unter anderem „massive Versäumnisse“ beim Krisenmanagement des damaligen Landrats von Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), fest. Der Landkreis hatte den Katastrophenfall erst kurz vor Mitternacht ausrufen lassen, als zahlreiche Ortschaften bereits komplett überflutet und von der Außenwelt abgeschnitten waren.

Keine Verantwortung vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelte wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung im Amt gegen Pföhler. Die Strafverfahren gegen ihn und den ehrenamtlichen Leiter seines Krisenstabs wurden allerdings im Sommer 2024 ohne Anklage eingestellt. Ein Zusammenhang zwischen den Fehlern beim Katastrophenmanagement und den Todesopfern habe nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden können. Ein Disziplinarverfahren gegen Pföhler läuft noch.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sieht Deutschland im Jahr 2026 besser vorbereitet. Die Katastrophe im Ahrtal sei eine „Zäsur für den Bevölkerungsschutz“ gewesen. Vieles sei mittlerweile verbessert worden, etwa die Zusammenarbeit im Krisenmanagement der Kommunen und Warnsysteme mit Meldungen per Cell Broadcast auf Mobiltelefonen und mehr Sirenen. Auch der Deutsche Wetterdienst will seine Warnungen verständlicher und zielgerichteter kommunizieren.

Viele Spenden

Unvergessen bleibt riesige Hilfs- und Spendenbereitschaft. Laut dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) wurden mehr als 650 Millionen Euro für die Betroffenen gespendet. Tausende Menschen halfen in den betroffenen Regionen beim Aufräumen und beim Wiederaufbau. Bis heute bewirtschaftet etwa die Initiative „HelfAHRwein“ ehrenamtlich einen Weinberg.

Von Nora Frerichmann (epd)


Neues Heizungsgesetz beschlossen



Das neue Heizungsgesetz ist beschlossene Sache. Bundestag und Bundesrat gaben grünes Licht für die weitere Erlaubnis für Öl- und Gasheizungen. Die Grünen finden das einen "irren Plan", die Deutsche Umwelthilfe kündigt Klage an.

Berlin (epd). Ein umkämpftes Gesetz der früheren Ampel-Regierung ist Geschichte: Der Bundestag hat am 10. Juli das neue Heizungsgesetz beschlossen. Das sogenannte Gebäudemodernisierungsgesetz erlaubt den Weiterbetrieb und Neueinbau von Gas- und Öl-Heizungen. Sie müssen aber zu einem steigenden Anteil, ab 2045 komplett mit klimaneutralen Brennstoffen betrieben werden. Dann will Deutschland insgesamt klimaneutral sein.

Auch der Bundesrat billigte noch am 10. Juli das neue Gesetz. Das vorherige Gesetz aus der Zeit der Ampel-Regierung sah vor, dass neue Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, um CO2 zu vermeiden, was den Neueinbau von Gas- und Ölheizungen quasi ausschloss. Die neue Regierung geht davon aus, dass die Klimaziele auch erreicht werden, wenn herkömmliche Heizungen mit Biomethan oder -Gas, Bio-Öl oder Wasserstoff betrieben werden.

Vermieter müssen sich an Kosten beteiligen

Wegen der erwarteten Zusatzkosten müssen sich Vermieter, die weiter auf Gas- oder Öl-Heizungen setzen, künftig an den laufenden Heizkosten beteiligen. Für Vermieter mit wenigen Wohnungen in nicht angespannten Mietmärkten wurde zuletzt aber noch eine Ausnahme ins Gesetz geschrieben. Sie müssen zwar die CO2-Kosten mittragen, aber nicht die Heizkosten und Netzentgelte.

Grüne und Linke sowie Umweltverbände lehnten das Gesetz ab, weil sie Rückschritte im Klimaschutz befürchten. Es sei nicht zuletzt nach dem Iran-Krieg ein „irrer Plan“, an Gas- und Öl-Heizungen festzuhalten, sagte die Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden (Grüne) in der Bundestagsdebatte. Das mache Deutschland abhängig von Importen und damit erpressbar. Zudem würden dadurch die Klimaziele „krachend verfehlt“, sagte sie.

Der Linken-Abgeordnete Jörg Cezanne sagte, man müsse bei den neuen Bio-Brennstoffen „von erheblichen zusätzlichen Belastungen ausgehen“. Die Linksfraktion im Bundestag wollte die Abstimmung in dieser Woche verhindern, scheiterte mit einer entsprechenden Organklage aber vor dem Bundesverfassungsgericht.

Umwelthilfe plant Verfassungsbeschwerde

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Sepp Müller (CDU), sagte dagegen, das Gesetz werde „Hunderttausende Tonnen“ CO2 einsparen. Er räumte ein, dass Öl- und Gasheizungen in der Anschaffung billiger, aber langfristig durch die Brennstoffkosten teurer seien als der Einbau einer Wärmepumpe. Zugleich betonte er: „Wir lassen die Entscheidung den Eigentümerinnen und Eigentümern.“

Klimaaktivisten hatten am 10. Juli vor dem Bundestag gegen das Gesetz protestiert. Umweltorganisationen stellen auch infrage, ob das Gesetz mit der Verfassung vereinbar ist. Die Deutsche Umwelthilfe kündigte an, eine Verfassungsbeschwerde auf den Weg zu bringen, sobald das Gesetz rechtsgültig ist. Die Bundesregierung liefere Menschen explodierenden Heizkosten und fossilen Abhängigkeiten aus und steuere kommende Generationen „in eine immer heißere und lebensfeindlichere Zukunft“, sagte Geschäftsführerin Barbara Metz.

Von Corinna Buschow (epd)


Kommission soll Unrecht an Sinti und Roma aufarbeiten



Auch nach dem Ende des Nationalsozialismus wurden Sinti und Roma diskriminiert und kriminalisiert. Eine neue Kommission soll diesen Teil der deutschen Geschichte aufarbeiten.

Berlin (epd). Die Bundesregierung hat die Einsetzung einer Kommission zur Aufarbeitung des Unrechts an Sinti und Roma nach 1945 beschlossen. Das Gremium werde sich speziell mit der Geschichte der Volksgruppe in der Bundesrepublik und der DDR nach Kriegsende beschäftigen, teilte die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft am 6. Juli mit. Im Herbst soll die unter dem Dach der Stiftung angesiedelte Kommission demnach ihre Arbeit aufnehmen.

Ein Schwerpunkt soll den Angaben zufolge darauf liegen, bislang ungehörte Perspektiven von Sinti und Roma in die deutsche Erinnerungskultur einzubeziehen. Laut einer Mitteilung des Antiziganismusbeauftragten des Bundes, Michael Brand, wird das Gremium das nach 1945 an der Volksgruppe begangene Unrecht auch wissenschaftlich dokumentieren.

Diskriminiert und kriminalisiert

Der Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus hatte 2021 offengelegt, wie Sinti und Roma in Deutschland auch nach Kriegsende diskriminiert und kriminalisiert wurden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Nationalsozialisten bis zu 500.000 Angehörige der Minderheit ermordeten.

„Die Einsetzung der Kommission ist ein längst überfälliger Schritt für Sinti und Roma und zugleich für unsere gesamte Gesellschaft“, sagte Brand. Dieser sei auch Ergebnis eines jahrzehntelangen Engagements insbesondere des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma.

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Filiz Polat, begrüßte die Einrichtung der Kommission als wichtig, „um das Unrecht der Nachkriegszeit umfassend aufzuarbeiten, staatlich anzuerkennen und die Perspektiven der Betroffenen sichtbar zu machen“.



Schwache Wirtschaft sorgt für weniger CO2-Emissionen



Der Handel mit klimaschädlichen Emissionszertifikaten soll die Industrie bewegen, in klimafreundliche Technik zu investieren. Doch zuletzt ging der CO₂-Ausstoß nur noch langsam zurück.

Dessau-Roßlau (epd). Die Einsparungen klimaschädlicher CO2-Emissionen deutscher Industrie- und Energieanlagen haben sich im vergangenen Jahr weiter verlangsamt. In 2025 sank der Ausstoß der im Europäischen Emissionshandel erfassten Betriebe um rund 3,2 Prozent auf 264 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, wie das Umweltbundesamt (UBA) und die Deutsche Emissionshandelsstelle am 7. Juli in Dessau-Roßlau mitteilten. 2024 lag der Rückgang noch bei 5,5 Prozent. Insgesamt sind demnach 1.794 stationäre Industrie- und Energieanlagen in Deutschland vom Emissionshandel erfasst, kurz EU-ETS 1.

UBA-Präsident Dirk Messner betonte, die seit 2005 erfassten Emissionen hätten sich in den vergangenen 20 Jahren ungefähr halbiert. Die Entwicklung auf dem Weg zur Klimaneutralität habe sich jedoch verlangsamt. Die Fortschritte beim Klimaschutz in der Industrie der vergangenen Jahren seien zu großen Teilen auf die schwache Wirtschaftsleistung zurückzuführen und nicht auf eine Umstellung auf emissionsarme Produktion.

Dies müsse bei der anstehenden Reform des Emissionshandel berücksichtigt werden, forderte Messner: „Eingebettet in einen starken Instrumenten-Mix kann sich der Emissionshandel zum Taktgeber einer Modernisierungsagenda für den europäischen und deutschen Industriestandort entwickeln.“

Unterschiede zwischen Industrie und Energieversorgern

Deutliche Unterschiede zeigten sich laut Umweltbundesamt im vergangenen Jahr zwischen Industrie und Energiewirtschaft. Die Emissionen der erfassten Industrieanlagen lagen demnach bei 5,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Emissionsrückgang bei den Energieanlagen lag hingegen nur noch bei rund zwei Prozent und hat sich damit deutlich abgeschwächt (9,5 Prozent im Vorjahr).

Hauptursache sei einerseits die spürbar gestiegene Stromproduktion der Photovoltaik-Anlagen und die rückläufige Stromerzeugung aus Braunkohlekraftwerken. Zugleich dämpften aber höhere Emissionen der Steinkohle- und Erdgaskraftwerke, eine rückläufige Wasserkraft- und Windstromproduktion sowie gesunkene Stromnettoimporte den rückläufigen Effekt. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch lag in Deutschland 2025 laut Umweltbundesamt bei rund 55 Prozent und ist damit gegenüber dem Vorjahr nur minimal gestiegen.

Weniger Emissionen bei Luftverkehr

Die Emissionen im Luftverkehr sanken in Deutschland 2025 um 2,2 Prozent auf rund 8,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, nach einer Zunahme von 16 Prozent im Vorjahr. Auf europäischer Ebene stiegen dagegen die Emissionen im Luftverkehr um rund ein Prozent.

Die deutschen Gesamtemissionen aller Sektoren für das Jahr 2025 blieben im Vergleich zum Vorjahr laut Umweltbundesamt nahezu unverändert (minus 0,1 Prozent gegenüber 2024). Nach vorläufigen Angaben belaufen sich die Emissionen auf 649 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Die leichten Rückgänge im EU-ETS 1 seien dabei durch Anstiege der Emissionen im Gebäude- und Verkehrssektor revidiert worden.

Von Lukas Philippi (epd)


Zugbegleiter getötet: Zehn Jahre Haft für Angeklagten



Im Fall des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar muss der Angeklagte wegen Körperverletzung mit Todesfolge für zehn Jahre ins Gefängnis. Eine Tötungsabsicht stellte das Landgericht Zweibrücken nicht fest. Die Nebenklage könnte das Urteil anfechten.

Zweibrücken (epd). Im Fall des getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar hat das Landgericht Zweibrücken den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 26-jährige griechische Staatsbürger aus Luxemburg den Zugbegleiter aus Wut über eine Ticketkontrolle so heftig attackiert hatte, dass dieser später an den Folgen der Verletzungen starb. Ein Tötungsvorsatz habe dem Angeklagten in der Hauptverhandlung nicht nachgewiesen werden können, teilte das Gericht am 9. Juli mit. Daher sei eine Verurteilung wegen eines Tötungsdelikts nicht in Betracht gekommen. Die Richter nahmen eine Körperverletzung mit Todesfolge an.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer ein Strafmaß von zwölf Jahren gefordert. Das Gericht hatte die ursprünglich von der Staatsanwaltschaft erhobene Mordanklage nicht zugelassen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision beim Bundesgerichtshof ist möglich.

Nebenklage-Anwalt sieht „Fehlurteil“

Die Nebenklage hatte dem Angeklagten Mord aus niedrigen Beweggründen vorgeworfen und eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Der Anwalt der Opferfamilie, Yalçin Tekinoglu, kritisierte die Gerichtsentscheidung als „klares Fehlurteil“. Bereits zuvor hatte er angekündigt, das Urteil unter Umständen anfechten zu wollen.

Die Verteidigung des Angeklagten hatte indes auf einen minderschweren Fall von Körperverletzung mit Todesfolge plädiert und eine Haftstrafe von einem bis zehn Jahren gefordert. Der Zugbegleiter habe den arbeitslosen und depressiven Angeklagten zunächst gestoßen, in einem „Notwehrexzess“ habe dieser dann zugeschlagen, so die Verteidigung.

Zugbegleiter durch Faustschläge tödlich verletzt

Der Angeklagte hatte den 36-jährigen Zugbegleiter Çalar am 2. Februar in einem Regionalexpress zwischen Landstuhl und dem saarländischen Homburg angegriffen und durch mehrere kräftige Faustschläge gegen den Kopf tödlich verletzt. Kurz nach der Tat starb der aus Ludwigshafen stammende Çalar in der Klinik an einer Gehirnblutung. Der Schwarzfahrer hatte die Vorwürfe vor Gericht teilweise eingeräumt, aber einen Tötungsvorsatz bestritten. In der Hauptverhandlung hatte er die Angehörigen des Opfers um Verzeihung gebeten. Der Fall hatte bundesweite Diskussionen über die Sicherheit im öffentlichen Personenverkehr ausgelöst.

Im Zentrum der Hauptverhandlung stand die Frage, ob der Täter mit Tötungsvorsatz handelte. Das Gericht stellte hierzu fest: „Gegen die Annahme, dass der Angeklagte die Lebensgefährlichkeit seines Handelns erkannt hat, sprach entscheidend, dass das Tatopfer während der Tatausführung und unmittelbar nach den Schlägen keine sichtbaren Verletzungen aufwies.“ Auch anwesende Zeugen seien zum Zeitpunkt des Geschehens nicht von einem tödlichen Ausgang ausgegangen.

Tatvideo als Beweismittel

Auf das Strafmaß für den Angeklagten habe sich „insbesondere das krasse Missverhältnis zwischen dem konkreten Tatanlass in Form der Fahrscheinkontrolle und der massiven Körperverletzung durch Faustschläge gegen den Kopf“ des Opfers negativ ausgewirkt. Hinzu komme die verbale Herabwürdigung des Opfers durch den Angeklagten nach der Tat.

In der Hauptverhandlung wurden neben dem Angeklagten auch zahlreiche Zeugen, Gutachter, Vertreter der Familie des Getöteten sowie ehemalige Arbeitskollegen von der Deutschen Bahn gehört. Auch ein Tatvideo wurde gezeigt. Als zum Prozessauftakt am 24. Juni ein Tatvideo gezeigt wurde, gab es einen Tumult, ein Angehöriger Çalars musste den Gerichtssaal verlassen und erhielt daraufhin Hausverbot.

Von Alexander Lang (epd)


DLRG: Im Juni sind mindestens 99 Menschen ertrunken



Mindestens 99 Menschen sind im Juni ertrunken. So viele tödliche Unglücke in diesem Monat registrierte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft zuletzt im Hitzesommer 2003. Die Lebensretter mahnen insbesondere Männer zu mehr Vorsicht.

Bad Nenndorf (epd). Im Juni sind in Deutschland mindestens 99 Menschen ertrunken. So viele Todesfälle habe es seit dem Hitzesommer 2003 nicht mehr gegeben, teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am 12. Juli in Bad Nenndorf mit. Zuletzt registrierte die DLRG im Juni 2003 mit 107 verunglückten Personen mehr Todesfälle in Gewässern.

Die DLRG verwies darauf, dass 90 Prozent der Todesopfer im Juni Männer waren. Sie gingen häufiger als Frauen zu viel Risiko ein, unterschätzten die Gefahren und gingen zudem öfter berauscht von Alkohol oder anderen Drogen ins Wasser, sagte DLRG-Präsidentin Ute Vogt.

Die meisten Unglücke ereigneten sich in Seen

Weitere Gründe für die tödlichen Badeunfälle seien wie in den Jahren zuvor unterschätzte Strömungen, starke Temperaturunterschiede beim Sprung ins Wasser, fehlendes Schwimmvermögen sowie Sprünge in zu flache und trübe Gewässer und medizinische Notfälle. „Schon eine einzige Fehlentscheidung kann innerhalb weniger Sekunden schwerwiegende Folgen haben“, betonte Vogt.

Die meisten tödlichen Unglücke im Juni ereigneten sich den Lebensrettern zufolge in Seen. Dort seien 55 Menschen ums Leben gekommen, 21 Menschen ertranken in Flüssen, jeweils 6 in Schwimmbädern, im Meer sowie in Kanälen.

Eigene Leistungsgrenze realistisch einschätzen

Die DLRG rät Menschen, nur an bewachten Badestellen ins Wasser zu gehen, sich vorher abzukühlen, nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss zu schwimmen und die eigene Leistungsgrenze realistisch einzuschätzen. Wer sich an diese Regeln halte, senke das Unfallrisiko erheblich. 2025 ertranken laut DLRG 393 Menschen in Deutschland.



Polizeibeauftragter Grötsch fordert Debatte über Grenzkontrollen



Die ausgeweiteten Grenzkontrollen belasten die Bundespolizei nach Einschätzung des Polizeibeauftragten über Gebühr. Er findet, es ist auch wegen der gesunkenen Einreisezahlen Zeit, "dass man sich darüber Gedanken macht".

Berlin (epd). Der Polizeibeauftragte des Bundes, Uli Grötsch (SPD), fordert vor dem Hintergrund der gesunkenen Zahl unerlaubter Einreisen nach Deutschland eine Debatte über die Zukunft der Grenzkontrollen. Die Entwicklung der Zahlen müsse Anlass dazu geben, „dass man sich darüber Gedanken macht“, sagte Grötsch am 8. Juli bei der Vorstellung seines Jahresberichts in Berlin. Die politische Entscheidung liege aber nicht bei ihm, ergänzte er.

Grötsch problematisiert in seinem Bericht erneut die Belastung der Bundespolizei durch die Grenzkontrollen, die die Bundesregierung 2015 an ausgewählten Grenzen eingeführt und inzwischen auf alle ausgeweitet hat. Dieser dauerhafte Einsatz „großer Kräfteanteile“ habe Auswirkungen auf andere Kernaufgaben der Bundespolizei, schreibt Grötsch. Es bestehe beispielsweise die Gefahr, dass Ausbildung, Training komplexer Einsätze oder Vorbereitung auf außergewöhnliche Krisensituationen nicht im erforderlichen Umfang stattfinden könnten.

Mehr Beschwerden wegen diskriminierender Kontrollen

Im Zusammenhang mit den Grenzkontrollen erreichen Grötsch nach seinen Angaben auch zunehmend Beschwerden über sogenanntes Racial Profiling. Gemeint ist damit eine diskriminierende Polizeipraxis, indem etwa gezielt Menschen mit schwarzer Hautfarbe kontrolliert werden. 50 Eingaben zu dem Thema erreichten den Polizeibeauftragten im zurückliegenden Berichtsjahr, in 33 Fällen hat er ein Untersuchungsverfahren eingeleitet. Die gestiegene Zahl überrasche ihn nicht, auch weil sich herumspreche, dass man sich an den Beauftragten wenden könne, sagte Grötsch. Er sei froh, dass sich die Menschen meldeten und er suche auch gezielt den Kontakt etwa in die schwarze Community, um zu informieren.

Grötsch ist seit März 2024 der erste Polizeibeauftragte des Bundes. Er soll als unabhängige Stelle außerhalb der Behörden Hinweisen von Beschäftigten sowie Bürgerinnen und Bürgern auf mögliches Fehlverhalten und strukturelle Missstände bei der Polizei nachgehen.



SED-Opferbeauftragte: Einen Schritt auf die Opfer zugehen



Bei der Unterstützung von Opfern der SED-Diktatur sei Deutschland auf dem richtigen Weg, findet die SED-Opferbeauftragte beim Bundestag. Nachbesserungsbedarf gebe es bei der Unterstützung ehemaliger Dopingopfer und der Erinnerung.

Berlin (epd). Die SED-Opferbeauftragte beim Bundestag, Evelyn Zupke, hat an Unternehmen appelliert, eventuelle Zwangsarbeit von DDR-Häftlingen in der eigenen Firmengeschichte aufzuarbeiten und einen Schritt auf die Opfer zuzugehen. Es wäre ein wichtiges Zeichen von Stärke, wenn sich Firmen wie etwa Ikea mit den dunklen Kapiteln der eigenen Geschichte auseinandersetzen, sagte Zupke am 8. Juli bei der Übergabe ihres Jahresberichts in Berlin.

Ikea zahlte im vergangenen Jahr sechs Millionen Euro in den Härtefallfonds für Betroffene ein. Mit dem Unternehmen Otto führe sie aktuell Gespräche, sagte Zupke. Zudem sprach sich Zupke bei der Übergabe ihres Berichts für eine Benennung von Straßen und Plätzen nach Freiheitshelden der DDR aus. Es gebe kaum Orte, die nach Menschen der Friedlichen Revolution und des langjährigen Widerstands in der DDR benannt seien. Das wolle sie ändern.

Übergabe des Berichts in ehemaligem Stasi-Untersuchungsgefängnis

Insgesamt sei Deutschland auf dem richtigen Weg bei der Unterstützung und Würdigung von Opfern der SED-Diktatur. Gleichzeitig müsse etwa bei der Hilfe für Betroffene von DDR-Doping nachgebessert werden. Die Übergabe des Berichts an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) fand in diesem Jahr in der Gedenkstätte Hohenschönhausen statt, einem ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis.

Zupke hob in ihrem Bericht die Auswirkungen des Anfang 2025 von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Gesetzespakets hervor. Es sei eine „echte Erfolgsgeschichte“ und helfe Betroffenen im Alltag. Gerade der eingerichtete Härtefallfonds für Betroffene von SED-Unrecht habe positive Auswirkungen gehabt.

Bürokratiearme Hilfe für Opfer

Rund die Hälfte von ihnen lebe heute an der Grenze zur Armutsgefährdung. Von dem Fonds hätten bisher mehr als 300 Betroffene profitiert, beispielsweise mit einer Reise zu ehemaligen Haftorten oder der Einrichtung eines altersgerechten Bades.

Im November 2025 hatte der durch den Bundestag beschlossene bundesweite Härtefallfonds für in der DDR politisch verfolgte Menschen in wirtschaftlicher Notlage seine Arbeit aufgenommen. Durch eine bürokratiearme Antragsstellung soll Unterstützung Betroffene nach zwei bis vier Wochen erreichen, in Notfällen binnen 24 Stunden.

Unterstützung für Betroffene von DDR-Zwangsdoping fehlt

Handlungsbedarf bestehe bei der Unterstützung von Opfern des DDR-Zwangsdopings. Zupke schlug im Bericht daher ein Dopingopfer-Unterstützungsgesetz vor, wodurch insbesondere damals Minderjährige mit Folgen von staatlichem Doping Zugang zu sozialen Entschädigungen erhalten sollen.

Weiterhin müssten zudem Kinder von politischen Verfolgten in den Blick genommen werden. Ungewollt hätten die Eltern ihre Ängste, Sorgen und Traumata an die Kinder weitergegeben und deren heutiges Leben geprägt, erklärte Zupke. Kinder von politischen Verfolgten dürften nicht zu den vergessenen Opfern der SED-Diktatur werden.

Die Stelle der SED-Opferbeauftragten ist beim Bundestag angesiedelt. Sie soll ein besonderes Augenmerk auf die Belange der Opfer von SED-Unrecht legen und ihre Anliegen vertreten. Die SED-Opferbeauftragte informiert mit ihrem jährlichen Bericht den Bundestag.

Von Linn Manegold (epd)


Bundestag verschärft Haftungsregeln für E-Scooter



Rasen über Bürgersteige, rücksichtsloses Abstellen auf dem Radweg: E-Scooter sind in Städten eine zunehmende Gefahr im Verkehr geworden. Neue Haftungsregeln sollen die Lage für Geschädigte verbessern, wenn es wegen der Roller zum Unfall kam.

Berlin (epd). Bei mit E-Scootern verursachten Unfällen können deren Halter und Fahrer künftig leichter in Haftung genommen werden. Der Bundestag beschloss am 9. Juli in Berlin, die bislang für die Roller geltende Haftungsausnahme zu streichen. Für E-Scooter gelten damit künftig gleiche Regeln wie beispielsweise für Autos: Fahrer haften für Unfälle, wenn sie sich nicht entlasten können, und auch Halter können künftig zur Verantwortung gezogen werden.

Begründet wird die Gesetzesverschärfung mit der deutlichen Zunahme von Unfällen, die durch einen rücksichtslosen Gebrauch der E-Scooter verursacht werden, teilweise allein wegen des unbedachten Abstellens der Roller auf Bürgersteigen oder Radwegen. Unfallgeschädigte können nach bisheriger Rechtslage nur die Fahrerinnen und Fahrer zur Verantwortung ziehen, was bei rücksichtslos abgestellten Leih-Rollern aber kaum möglich ist. Künftig stehen nach Unfällen auch die Vermieter in der Verantwortung und müssen gegebenenfalls für den Schaden aufkommen.



Guterres fordert globale Kontrollen für Künstliche Intelligenz



UN-Generalsekretär Guterres hat vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz gewarnt. Sie bedrohe das Wohlergehen von Kindern und sei längst die Norm auf den Schlachtfeldern.

Genf (epd). Angesichts der Gefahren der Künstlichen Intelligenz (KI) hat UN-Generalsekretär António Guterres weltweite und umfangreiche Kontrollen gefordert. Ein mögliches künftiges internationales KI-Abkommen müsse der Sicherheit insbesondere von Kindern oberste Dringlichkeit einräumen, forderte Guterres am 6. Juli in Genf.

Minderjährige müssten vor digitaler Manipulation und Missbrauch geschützt werden, sagte Guterres auf einem UN-Forum über die Regulierung Künstlicher Intelligenz. Kein Kind dürfe zu einem „Versuchskaninchen“ für unregulierte KI werden.

Guterres betonte auch, dass KI mehr und mehr in bewaffneten Konflikten eingesetzt werde. Killerroboter seien längst die Norm auf den Schlachtfeldern.

KI-Rechenzentren mit erneuerbarer Energie

Zu den weiteren Prioritäten für globale Kontrollmechanismen im Bereich der KI sollte der garantierte Zugang zu selbstlernender Technologie für Entwicklungsländer gehören. Noch seien Milliarden Menschen von den positiven Effekten der KI ausgeschlossen.

Der UN-Generalsekretär verlangte zudem, dass bis 2030 alle KI-Rechenzentren mit erneuerbarer Energie betrieben werden sollten. Er betonte, dass die KI-Industrie bereits heute mehr Strom verbrauche als viele einzelne Länder und sie enorme Mengen an Wasser benötige.




Soziales

Hitzewelle Ende Juni tötete mehr als 4.000 Menschen




Eine ältere Frau trinkt an einem heißen Sommertag ein Glas Wasser.
epd-bild/Heike Lyding
An der extremen Hitze Ende Juni sind laut Robert Koch-Institut mehr als 4.000 Menschen in Deutschland gestorben. Damit gab es in diesem Halbjahr bereits mehr als 5.000 Hitzetote.

Berlin (epd). Die Hitzewelle Ende Juni hat vorläufigen Schätzungen des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) zufolge mehr als 4.000 Menschen in Deutschland getötet. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte am 9. Juli ein Milliardenprogramm für Hitzeschutz, der Deutsche Caritasverband warf der Bundesregierung vor, mit ihrer Politik Menschenleben aufs Spiel zu setzen.

Vom 22. bis zum 28. Juni seien in Deutschland knapp 22.000 Menschen gestorben, teilte das RKI am Donnerstag mit. Ohne Hitze seien rund 17.500 Sterbefälle statistisch erwartbar gewesen. Zusammen mit einer kleineren Spitze während einer Hitzephase im Mai seien im ersten Halbjahr in Deutschland mehr als 5.100 Menschen an Hitze gestorben, teilte das RKI weiter mit. Zum Vergleich: Im gesamten sehr warmen Jahr 2018 gab es etwas mehr als 8.000 Hitzetote.

Statistik enthüllt Ausmaß hitzebedingter Todesfälle

Nur selten sei die Hitze allein die Todesursache, etwa bei einem Hitzschlag, erklärte das RKI. In den meisten Fällen führe eine Kombination aus Hitze und Vorerkrankungen zum Tod. Daher stehe Hitze meist nicht als Ursache auf Totenscheinen, das Ausmaß hitzebedingter Todesfälle lasse sich deshalb nur mittels statistischer Methoden aufdecken.

Die Übersterblichkeit betrifft laut RKI-Zahlen überwiegend ältere Menschen. Ab einem Alter von 75 steige die Mortalität durch Hitze stark an, fast 3.000 der Hitzetoten in diesem Jahr seien älter als 85 gewesen. Allerdings gab es auch rund 300 Hitzetote, die jünger als 65 waren. Hier war die Schwankungsbreite der Schätzung aber sehr stark, die Zahl der Hitzetoten unter 65 in diesem Halbjahr kann auch bei weniger als 100 oder mehr als 500 liegen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte ein Hitzestopp-Investitionsprogramm in Höhe von 30 Milliarden Euro für Kliniken und Pflegeheime bis spätestens 2027. Medizinisch-pflegerische Einrichtungen seien für die Erderwärmung nicht gewappnet, schon an einfachsten Maßnahmen wie Außenbeschattungen mangele es.

Der Vorstand Finanzen und Recht im Deutschen Caritasverband, Friedrich von Schönfeld, nannte Pläne der Bundesregierung, Geld aus dem EU-Emissionshandel zur Haushaltskonsolidierung zu verwenden, falsch. Die Erderwärmung treffe schon heute vulnerable Menschen mit voller Wucht. „Wer heute hier spart, riskiert morgen und übermorgen deutlich schwere Schäden bis hin zu Übersterblichkeiten“, sagte er.

Hitzewelle brach Temperaturrekorde

Der Juni 2026 war nach Daten des EU-Klimadienstes Copernicus der heißeste Juni, der jemals in Westeuropa gemessen wurde. Weltweit sei der Juni der zweitwärmste jemals gemessene Monat gewesen, teilte der vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage betriebene Klimadienst am 9. Juli in Bonn mit. Europa sei im Juni von extremer Hitze heimgesucht worden.

Der Juni war den Angaben zufolge von Temperaturen nahe Rekordwerten geprägt, die durch die höchsten jemals für diesen Monat gemessenen Meeresoberflächentemperaturen verursacht wurden. Weltweit sei die monatliche durchschnittliche Meeresoberflächentemperatur für die Ozeane außerhalb der Polarregionen die höchste jemals im Juni gemessene gewesen.

Von Nils Sandrisser (epd)


Bundestag und Bundesrat machen Weg frei für Krankenkassen-Reform



Unmittelbar vor der Sommerpause hat ein zentrales Reformvorhaben der Regierung die letzten Hürden genommen. Der Bundestag stimmte nach hitziger Debatte für den Umbau der gesetzlichen Krankenkassen, auch der Bundesrat gab grünes Licht.

Berlin (epd). Im System der gesetzlichen Krankenkassen stehen umfassende Änderungen bevor. Der Bundestag beschloss die Reform nach einer teils hitzigen Debatte am 10. Juli, wenige Stunden später gab auch der Bundesrat grünes Licht. Versicherte müssen sich somit auf zusätzliche Belastungen einstellen.

Im Bundestag kritisierten Rednerinnen der Opposition die Reformpläne scharf. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann sprach von einem „Bruch der solidarischen Lastenverteilung“ durch das Gesetz. Auch die Vorsitzende der Linksfraktion, Heidi Reichinnek, beklagte eine unfaire Verteilung der Einschnitte. „Alle leiden unter Ihrer Reform, außer die Pharmakonzerne und die Überreichen“, rief sie der Regierung zu. Die AfD-Politikerin Nicole Hess warf der Koalition vor, sie spare an der Gesundheitsversorgung „der Schwächsten der Gesellschaft“.

SPD sieht „Schieflage“ geradegerückt

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sprach hingegen von einem ausgewogenen Paket. Sie betonte, die finanzielle Lage der Krankenkassen sei „dramatisch und duldet auch keinen Aufschub mehr“. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt erklärte, es sei im parlamentarischen Verfahren gelungen, die „Schieflage bei den Belastungen etwas geradezurücken“ zugunsten der Versicherten.

Die Debatte am letzten Sitzungstag vor der Sommerpause verlief streckenweise turbulent mit vielen Zwischenrufen. Für den Gesetzentwurf stimmten schließlich 319 Abgeordnete, 286 votierten mit Nein, und 4 enthielten sich.

Anders als im Bundestag galt der Ausgang im Bundesrat zunächst als offen. Bund und Länder hatten bis einschließlich Donnerstag verhandelt, weil die Länder mehr Unterstützung für die Krankenhäuser verlangten. Mehrere Länder beantragten am Freitag, den Vermittlungsausschuss anzurufen, um noch Änderungen durchzusetzen. Dieser Antrag fand jedoch keine Mehrheit. Eine explizite Zustimmung des Bundesrats zu dem Gesetzentwurf war nicht notwendig.

Versicherte müssen mehr zuzahlen

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) begrüßte die Verabschiedung der Reform. „Dieses Gesetz enthält viele Härten, aber trotzdem war es richtig, dass es beschlossen wurde“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Oliver Blatt. „Jetzt sind die Grundlagen gelegt, dass die Krankenkassenbeiträge im kommenden Jahr stabil bleiben können.“

Die Kassen-Reform soll im Wesentlichen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Für Versicherte bedeutet das unter anderem höhere Zuzahlungen für Medikamente, Hilfsmittel und Klinikaufenthalte sowie Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner. Auch für Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser, Pharmafirmen und Apotheken sind Änderungen vorgesehen. Die Regierung will mit den Maßnahmen die Finanzlage der Kassen stabilisieren.

Verabschiedet wurden im Bundestag auch zwei Entschließungen. Darin wird die Bundesregierung zum einen aufgefordert, trotz der beschlossenen Sparmaßnahmen eine „kontinuierliche Versorgung“ im Bereich der Psychotherapie sicherzustellen. Zum anderen soll die Regierung Maßnahmen ergreifen, um die deutsche Pharmaindustrie zu unterstützen.

Von Christina Neuhaus (epd)


Weiter keine Nachfolgelösung für Missbrauchsfonds



Die Zukunft des Fonds sexueller Missbrauch bleibt ungewiss. Im Bundeshaushalt für 2027 ist bislang keine Nachfolgelösung eingeplant.

Berlin (epd). Die Bundesregierung hat bisher keine Lösung gefunden, um Missbrauchsbetroffenen den Zugang zu niedrigschwelligen Hilfen zu sichern. „Zur Weiterführung des Ergänzenden Hilfesystems ist noch keine finale Entscheidung getroffen worden“, sagte ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums am 6. Juli nach dem Kabinettsbeschluss zum Bundeshaushalt 2027 dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein Konzept für eine Nachfolgelösung für den Fonds sexueller Missbrauch werde derzeit noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt, insbesondere mit dem Finanzministerium.

Der 2013 eingerichtete Fonds war im vergangenen Jahr wegen rechtlicher Bedenken gestoppt worden. Seit Mitte März 2025 können keine neuen Anträge mehr bewilligt werden. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) stellte Ende 2025 eine rechtssichere Nachfolgelösung in Aussicht, wies aber darauf hin, dass dies kompliziert werde. Vermutlich könne erst 2027 frisches Geld zur Verfügung gestellt werden.

Der Bundestag ist am Zug

Der Ministeriumssprecher verwies am 6. Juli auf das anstehende parlamentarische Verfahren zum Haushalt für das kommende Jahr: Über die künftige Finanzierung des Fonds „muss im Ergebnis der Deutsche Bundestag entscheiden“, sagte er. Verabschiedet wird der Etat im Parlament erst im November.

Der Fonds ermöglichte Betroffenen von sexueller Gewalt die Finanzierung von Hilfen, die über das reguläre Sozialsystem kaum oder nur auf kompliziertem Wege zu bekommen sind. Beispiele reichten von einer speziellen Therapie über einen Umzug bis hin zu einem Assistenzhund.



Neue Elterngeldregeln sollen ab November 2027 gelten



Familienministerin Prien muss beim Elterngeld sparen. Geplant ist, die maximale Bezugsdauer zu reduzieren. Um die zu erreichen, müssen zudem Väter länger Elternzeit nehmen. Paare, die jetzt Kinder erwarten, sind von den Änderungen nicht betroffen.

Berlin (epd). Kürzere Bezugsdauer, mehr Vätermonate: Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) plant vor dem Hintergrund von Kürzungen in ihrem Haushalt Änderungen beim Elterngeld - allerdings mit einer langen Übergangsfrist. Für Kinder, die bis zum 31. Oktober 2027 geboren werden, würden die bestehenden Regeln zum Elterngeld weiter gelten, sagte Prien am 7. Juli in Berlin.

Prien muss beim Elterngeld vom kommenden Jahr an sparen. Laut der am Montag vom Kabinett gebilligten Finanzplanung von 2027 bis 2030 sollen 400 Millionen Euro pro Jahr weniger für die Familienleistung ausgegeben werden. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte am Dienstag Berichte, wonach innerhalb der Bundesregierung ein Gesetzentwurf mit Änderungen beim Elterngeld in der Abstimmung ist. Die sollen zu Einsparungen führen.

Elterngeld nur noch für zwölf Monate

Geplant ist laut dem Entwurf, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, die maximale Bezugsdauer des Elterngeldes auf zwölf Monate zu begrenzen. Bislang sind 14 Monate möglich, wenn ein Elternteil - in der Regel geht es um den Vater - mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt. Um künftig auf die maximalen zwölf Monate zu kommen, muss jeder Elternteil drei Monate Elternzeit nehmen. Die restlichen sechs Monate können flexibel aufgeteilt, auch gemeinsam genommen werden.

Das „ElterngeldPlus“, bei dem die Bezugsdauer bis auf das Doppelte verlängert werden kann, soll erhalten bleiben. Eltern können diese Variante beispielsweise nutzen, wenn sie mit reduzierter Stundenzahl schon wieder in den Job einsteigen. Die Höhe des Elterngelds, das in der Regel 65 Prozent des Netto-Einkommens vor der Geburt beträgt, ist beim „ElterngeldPlus“ geringer.

Anpassen will Prien zudem die Mindest- und Maximalbeträge für das Elterngeld, die seit der Einführung im Jahr 2007 nie verändert wurden. Künftig sollen Eltern mit sehr geringen Einkommen mindestens 330 statt bislang 300 Euro pro Monat bekommen. Der Höchstbetrag soll auf 1.900 Euro steigen (aktuell 1.800). Es soll zudem dabei bleiben, dass das Elterngeld für Paare, die ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von mehr als 175.000 Euro haben, kein Elterngeld erhalten.



Bundestagsbeschluss: Kindergeld fließt bald ohne Antrag



Junge Familien müssen sich demnächst mit etwas weniger Papierkram herumschlagen: Das Kindergeld gibt es künftig standardmäßig ohne vorherige Antragstellung.

Berlin (epd). Für das Kindergeld ist bald kein Antrag mehr nötig. Der Bundestag beschloss am 9. Juli einen Gesetzentwurf, der die Voraussetzungen für eine automatische Auszahlung schafft. Der Antrag fällt demnach zunächst für neugeborene Kinder weg, bei denen die Eltern für älteren Nachwuchs bereits Kindergeld bekommen. Später ist dann auch für Erstgeborene kein Antrag mehr erforderlich. Die Regierung geht davon aus, dass beide Stufen bis Ende 2027 umgesetzt werden.

Funktionieren soll das Ganze durch eine bessere Organisation auf Behördenebene. Bereits heute erfährt das Bundeszentralamt für Steuern von den Meldebehörden, wenn die Geburt eines Kindes angemeldet wurde. Das Amt vergibt dann eine Steuer-ID für das Neugeborene und reicht sie an die Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit weiter. Diese ist dafür zuständig, den Anspruch auf Kindergeld zu prüfen und es auszuzahlen. Das Kindergeld beträgt derzeit 259 Euro im Monat pro Kind.

In manchen Fällen noch Behördenkontakt nötig

Künftig soll die Familienkasse das Geld automatisch überweisen, sofern ihr die IBAN mindestens eines Elternteils bekannt ist, etwa aus früheren Kindergeldzahlungen oder vom Steuer-Zentralamt. Nur wenn gar keine IBAN vorhanden ist, werden die Eltern demnach kontaktiert und müssen ihre Daten vervollständigen, um Kindergeld zu bekommen. Auch wenn andere Daten fehlen, ist weiter ein Austausch mit dem Amt erforderlich.

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums könnten nach der vollständigen Umsetzung pro Jahr etwa 300.000 Erstanträge auf Kindergeld entfallen. Für das Inkrafttreten der neuen Regeln ist noch die Zustimmung des Bundesrats erforderlich. Die Länderkammer stimmt voraussichtlich im September darüber ab.



Bethel steigert Ergebnis und plant Großinvestitionen




Hauptsitz der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
epd-bild/Detlef Heese
Bethel, eines der größten diakonischen Unternehmen Europas, hat 2025 einen Jahresüberschuss von rund 13,8 Millionen Euro erzielt. Die Spenden und Nachlässe gingen indes leicht zurück. Für 2026 sind Investitionen von über 105 Millionen Euro geplant.

Bielefeld (epd). Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel haben für das Geschäftsjahr 2025 trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen eine positive Bilanz gezogen. Die Gewinn- und Verlustrechnung schloss insgesamt mit rund 13,8 Millionen Euro ab, wie Vorstandsmitglied Christoph Nolting am 10. Juli in Bielefeld mitteilte. Im Vergleich zum Jahresergebnis 2024 sei das ein Plus von rund 2,58 Millionen Euro. Der erwirtschaftete Betrag werde vollständig in die Arbeit Bethels reinvestiert.

Die Gesamterträge aller Stiftungsbereiche und Tochtergesellschaften der Stiftungen Bethels stiegen den Angaben nach um 3,7 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro (2024: 1,98 Milliarden Euro). Die Gesamterträge sind vergleichbar mit dem Umsatz. Bei den Spenden und Nachlässen verzeichneten die Stiftungen hingegen einen leichten Rückgang. Der Betrag sank im Vergleich zu 2024 um etwa 5,2 Millionen Euro auf 70,49 Millionen Euro. Die Summe setzt sich laut Bethel aus 305.133 Einzelspenden zusammen. „Die große Spendenbereitschaft belegt die enge Verbundenheit vieler Menschen mit Bethel und ihr großes Vertrauen in die hier geleistete Arbeit“, sagte Nolting.

Zahl der Mitarbeitenden erstmals über 25.000

Die Sachinvestitionen fielen 2025 mit 86,0 Millionen Euro deutlich niedriger aus als im Vorjahr (105,1 Millionen Euro). Dabei seien wichtige Bauprojekte für Menschen mit Hirnschädigungen und junge Erwachsene vorangetrieben worden, so Nolting. Investiert wurde außerdem unter anderem in einen Hybrid-OP in Berlin sowie in die Ausbildung von Pflege- und medizinischem Nachwuchs. Für 2026 plant Bethel Maßnahmen von 105,4 Millionen Euro. Größere Investitionen sind ein neues Behandlungszentrum des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge in Berlin, die Sanierung der Werkstatt Smyrna in Bielefeld und ein moderner Schulcampus für sonderpädagogische Förderung im niedersächsischen Freistatt.

Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel mit Hauptsitz in Bielefeld sind eines der größten diakonischen Unternehmen Europas. An den rund 300 Bethel-Standorten in acht Bundesländern sind insgesamt erstmals über 25.000 Mitarbeitende (ein Plus von 4,1 gegenüber 2024) tätig.



Katharina Ganz wird Präsidentin des Deutschen Caritasverbands



Der Deutsche Caritasverband hat eine neue Präsidentin gewählt. Die Franziskanerin Katharina Ganz folgt im Februar auf Eva Maria Welskop-Deffaa.

Freiburg (epd). Die Franziskanerin Katharina Ganz folgt auf Eva Maria Welskop-Deffaa an der Spitze des Deutschen Caritasverbands. Der Caritasrat habe Ganz zur Präsidentin und zur Vorständin Verbands- und Sozialpolitik gewählt, teilte der Deutsche Caritasverband am 8. Juli in Freiburg mit. Ganz trete im Februar 2027 die Nachfolge Welskop-Deffaas an, die den Angaben zufolge nach fast zehn Jahren als Caritas-Präsidentin in den Ruhestand geht.

Ganz sei bis 2025 Oberin der Oberzeller Franziskanerinnen bei Würzburg gewesen, teilte der Verband weiter mit. Die promovierte Theologin mit zusätzlichem Abschluss in Sozialwesen habe zunächst in ihrer Kongregation als Sozialpädagogin gearbeitet, später als Einrichtungsleiterin und ab 2013 in der Ordensleitung. Ganz gehört seit 2025 dem Zentralkomitee deutscher Katholiken an und war Mitglied der Synodalversammlung des Synodalen Wegs und Beraterin in der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Größter deutscher Wohlfahrtsverband

Die Präsidentin oder der Präsident des Deutschen Caritasverbands wird für jeweils sechs Jahre gewählt und sitzt zugleich dem Vorstand vor. Der Deutsche Caritasverband ist nach eigenen Angaben der größte deutsche Wohlfahrtsverband. Er umfasse rund 1,3 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon mehr als 500.000 Ehrenamtliche. In rund 25.000 Einrichtungen und Diensten unterstütze die Caritas jährlich etwa 13 Millionen Menschen.




Medien & Kultur

Zwischen Apokalypse und Utopie




Ausstellung "Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne" im Arp Museum
epd-bild/Meike Böschemeyer
Die Sterne und das All inspirierten Künstlerinnen und Künstler seit jeher zu Fantasien und Utopien. In Zeiten der Klimakrise gewinnt das Thema in der Kunst an Aktualität, wie eine Ausstellung im Arp Museum Bahnhof Rolandseck zeigt.

Remagen (epd). Ganz in sich versunken schaut die junge Frau durchs Fenster auf den hellen Vollmond - den Blick voller Sehnsucht. Vor ihr liegt auf der Fensterbank eine Ausgabe von Goethes „Werther“. Seit der Spätromantiker Johann Peter Hasenclever diese Szene 1846 auf die Leinwand malte, hat sich die Welt grundlegend verändert. Aus der Sehnsucht ist mittlerweile Realität geworden: Menschen fliegen zum Mond.

Dennoch ist der Kosmos nach wie vor ein Ort, der als Projektionsfläche für Sehnsüchte und Träume dient. Weltraumtourismus und Fantasien von der Besiedelung anderer Planeten treffen aber heute auf die Sorge um den verletzlichen Zustand der Erde. Die Ausstellung „Zu den Sternen! Weltraum und Weltflucht seit der Moderne“ zeigt, wie sich diese Ängste und Hoffnungen in der Kunst spiegeln.

Zu sehen sind im Arp Museum Bahnhof Rolandseck bis zum 10. Januar 2027 insgesamt 89 Arbeiten aus Malerei, Skulptur, Fotografie sowie Video- und Rauminstallationen von der frühen Moderne bis in die Gegenwart. Darunter sind Werke von Künstlern wie Carl Spitzweg, Joan Miró, Max Ernst, Thomas Ruff oder Dominique Gonzalez-Foerster. Einige aktuelle Arbeiten wurden eigens für die Ausstellung geschaffen.

Die Sonne als Feuerball

Die Ambivalenz des Themas verkörpert die glühende Sonne der Düsseldorfer Künstlerin Katharina Sieverding, die den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet. Die Videoarbeit „Die Sonne um Mitternacht schauen“ (2011-14), die auf 200.000 NASA-Aufnahmen basiert, zeigt die eruptiven Aktivitäten auf dem glühenden Feuerball. Die Sonne, der das Leben auf der Erde zu verdanken ist, zeigt hier zugleich ihre zerstörerische Kraft und weckt Assoziationen an die Erderwärmung.

Gleich darauf zeigt Klaus Staecks Plakatserie „Mietsache“ (1983) die Erde als Weltkugel, die im wahrsten Sinne des Wortes wie eine Zitrone ausgequetscht wird: Die Sorge um unseren Planeten als eine Grundkonstante der Moderne. Die Warnung, einmal einen Schritt zurückzutreten und den Sinn des Strebens in den Weltraum zu überdenken, wird etwa bei Sylvie Fleury deutlich, deren silberfarbenes Stoff-Objekt „First Spaceship on Venus“ (1999) erschlafft in der Ecke liegt.

Faszination und Technikkritik

„Wozu das alles?“, scheinen die zwei Astronauten in der Videoarbeit von John Wood zu fragen. Sie stehen auf dem Mond und langweilen sich offensichtlich. Zwischen Faszination und Technikkritik bewegen sich Thomas Ruffs großformatige Fotografien „3D-ma.r.s.03“ (2012), die ebenfalls auf fotografischem Material der NASA basieren. Mit 3-D-Brille betrachtet wird ein Besuch auf der Oberfläche des Mars möglich. Doch es bleibt ein fiktiver und dazu auch recht unwirtlicher Ort.

Zugleich sehen Künstlerinnen und Künstler das All aber auch als Raum der Möglichkeiten und Fantasien. Der Expressionist Wenzel Hablik etwa malt 1913 einen großformatigen „Sternhimmel“ - einen utopischen Raum voller Licht. „Gerade in jüngster Zeit fällt eine ganze Reihe von Kunstwerken auf, die der drohenden Apokalypse eine versöhnlichere Haltung entgegenstellen“, beobachtet Museumsdirektorin Julia Wallner, die die Ausstellung kuratiert hat.

Ausstellung zeigt auch zeitgenössische Arbeiten

Zu den 16 zeitgenössischen Positionen der Ausstellung gehört auch die Videoarbeit der in Berlin lebenden israelische Künstlerin Yael Bartana. „Light to the Nations“ entwickelte Bartana 2024 für den Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. Ein Raumschiff soll die Menschen auf der in Katastrophen versinkenden Erde retten und in ferne Galaxien bringen. Zu pulsierenden Rhythmen tanzen Menschen in weißen Gewändern, die an griechische Götter erinnern. Es sind Rituale der Freude auf die bevorstehende Rettung. Ab dem 10. September wird eine daran anknüpfende neue Arbeit Bartanas erstmals in der Ausstellung gezeigt werden.

Von Claudia Rometsch (epd)


Wittenberger Lutherhaus erhält neues Eingangsgebäude



Im Wittenberger Lutherhaus lebte und arbeitete der Reformator über 35 Jahre lang. Seit 1883 ist dort das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt untergebracht. Nun wird es saniert und erweitert.

Wittenberg (epd). Am historischen Lutherhaus in Wittenberg ist der Grundstein für ein neues Eingangsgebäude gelegt worden. Das den Angaben zufolge größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt wird seit Anfang 2025 energetisch saniert und soll im Herbst 2027 mit einer neuen Dauerausstellung wieder eröffnet werden, teilte die Stiftung Luthergedenkstätten am 10. Juli mit. Das Bauvorhaben werde mit 10,5 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt und 4,8 Millionen Euro vom Bund gefördert. Die Stiftung beteilige sich mit 300.000 Euro.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sagte: „Mit der Sanierung und Erweiterung des Lutherhauses wollen wir diese altehrwürdigen Mauern auch in Zukunft ihre Geschichten erzählen lassen.“ Mit dem Neubau des Eingangsgebäudes verbessere sich zudem die Raumsituation des Museums wesentlich, sagte Stiftungsvorstand Thomas T. Müller. So könne das frühere Wohnhaus von Reformator Martin Luther (1483-1546) in seiner Authentizität erhalten bleiben und sich zugleich mit modernen Standards der Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Sicherheit präsentieren.

Ausgangsort einer Bildungs- und Sozialreform

Kulturstaatsminister Weimer betonte: „Hier entstanden Luthers reformatorischen Leitschriften, die sich von Wittenberg aus rasend schnell in der ganzen Welt verbreiten und unsere Gesellschaft weit über die Religion hinaus nachhaltig prägen sollten.“ Luther sei nicht nur ein großer Theologe gewesen, sondern habe auch eine Bildungs- und Sozialreform ausgelöst. „Wir brauchen sichtbare Orte, wie diesen wertvollen Leuchtturm der deutschen und europäischen Geschichte“, um zur Auseinandersetzung mit der Reformation und mit Luther als Mensch einzuladen, ergänzte Weimer.

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel (CDU) verwies darauf, dass das Museum „auf einzigartige Weise kulturelles Erbe und Bildungsauftrag“ verbinde. Hier sei gedacht und diskutiert, gebetet und geplant worden. Deshalb habe das Lutherhaus nicht nur als touristisches Reiseziel und authentischer Ort für Gläubige große Bedeutung, sondern auch als außerschulischer Lernort.

Luthergedenkstätten sind Weltkulturerbe

Das historische Haus mit der authentischen Lutherstube sei bereits im 17. und 18. Jahrhundert von Pilgern besucht worden, hieß es.1883 war es unter dem Namen „Lutherhalle“ als Museum eingerichtet worden. Seit 1996 gehört es als Teil der Luthergedenkstätten zum Weltkulturerbe der Unesco.

Das neue Eingangsgebäude wird an der Stelle des nun abgerissenen Direktorenhauses aus den 1930er Jahren erbaut und verleihe dem historischen Ensemble ein modernes Gesicht, sagte Stiftungsvorstand Müller. Bis zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Herbst 2027 ist die Sonderausstellung „Buchstäblich Luther. Facetten eines Reformators“ im angrenzenden Augusteum mit Exponaten der Wittenberger Sammlungen zu sehen.

Von Thomas Nawrath (epd)


Georg-Büchner-Preis 2026 für Christine Wunnicke



Der Georg-Büchner-Preis wird an eine Autorin verliehen, die über historisch verbürgte Figuren schreibt und Fakt und Erfindung aus Sicht der Jury gekonnt verwebt. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zeichnet Christine Wunnicke aus.

Darmstadt (epd). Die Schriftstellerin Christine Wunnicke bekommt den Georg-Büchner-Preis 2026. Die Autorin erhalte die Auszeichnung für die Überraschungskraft ihres „stets souverän konzipierten Erzählwerks“, das an so unterschiedlichen Schauplätzen wie Hollywood, Nagasaki und Paris angesiedelt sei, gab die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt am 9. Juli bekannt. Wunnicke verblüffe ihre Leserschaft seit 25 Jahren mit der Auseinandersetzung zwischen Fakt und Erfindung. Der Preis wird am 24. Oktober in Darmstadt verliehen. Laudatorin ist die Schriftstellerin und Herausgeberin Judith Schalansky.

Wunnicke mache „im vermeintlich Historischen das Fiktionale sichtbar und ermögliche so einen entlarvenden Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte, ohne dabei die Empathie für ihre Figuren zu verleugnen“, begründete die Jury ihre Wahl. Die Romane seien geprägt von subtilem Sprachwitz und dem Verzicht auf Selbstreferenz. Sie vereinten das Unterhaltende und die anspruchsvolle Reflexion auf „so großartige wie diskrete Weise“.

Autorin mehrfach ausgezeichnet

Die 59 Jahre alte Wunnicke wurde in München geboren. Anfang der 1990er Jahre erschienen erste Hörspiele und Radiofeatures, ihre ersten Romane folgten mit „Fortescues Fabrik“ im Jahr 1998 und „Jetlag“ im Jahr 2000. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin, unter anderem 2025 mit dem Jean-Paul-Preis, schreibt über historisch verbürgte Figuren aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Eine ihrer Figuren ist der scheinbar an „Hysterie“ erkrankte japanische Nervenarzt in „Der Fuchs und Dr. Shimamura“ (2015). Der Roman „Katie“ (2017) lotet den Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Spiritismus im London der 1870er Jahre aus. Vor sechs Jahren stand ihr Roman „Die Dame mit der bemalten Hand“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, auch ihr jüngstes Buch „Wachs“ von 2025 stand auf der Shortlist.

Preis mit 50.000 Euro dotiert

Der mit 50.000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis wurde erstmals 1923 verliehen. Er gilt als eine der bedeutenden literarischen Auszeichnungen im deutschen Sprachraum. Namensgeber ist der in Darmstadt aufgewachsene Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Freiheitskämpfer Georg Büchner (1813-1837). Im vergangenen Jahr erhielt die Schriftstellerin Ursula Krechel die Auszeichnung. Weitere Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem Oswald Egger, Elias Canetti, Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann und Paul Celan.

Von Renate Haller (epd)


Umsatzeinbruch beim deutschen Buchhandel



Weniger Umsatz, weniger Neuerscheinungen, weniger junge Käufer: Der deutsche Buchhandel spürte 2025 die Auswirkungen von Wirtschaftsflaute und sinkender Lesekompetenz.

Frankfurt a.M. (epd). Die deutschen Buchhändler haben 2025 fast drei Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet als im Jahr zuvor. Die fortschreitende Verschlechterung der Lesekompetenz sei inzwischen „unmittelbar an den Marktzahlen“ abzulesen, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am 9. Juli in Frankfurt am Main mit. Bei der jungen Kundschaft im Alter zwischen 10 und 15 Jahren habe es einen Rückgang von über 30 Prozent innerhalb eines Jahres gegeben. Sebastian Guggolz, Vorsteher des Börsenvereins, machte „jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik“ für die Entwicklung verantwortlich.

Die deutsche Buchbranche erwirtschaftete 2025 einen Gesamtumsatz von 9,62 Milliarden Euro nach 9,88 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Während das Online-Geschäft stabil geblieben sei, habe der stationäre Buchhandel Einbußen hinnehmen müssen. Größere Umsatzverluste gab es mit 11,6 Prozent bei Reisebüchern und mit 8,1 Prozent bei Ratgebern. Belletristik verbuchte hingegen ein Plus von 1,2 Prozent. Mit einem Zuwachs von 9,6 Prozent ging insbesondere der Umsatz von Titeln aus dem Genre „New Adult“ nach oben; die Bücher richten sich an eine Zielgruppe junger Erwachsener im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Auch das Geschäft mit Hörbüchern konnte weiter deutlich zulegen.

Weiterer Rückgang für 2026 erwartet

Insgesamt erschienen 2025 in Deutschland 52.644 neue Buchtitel, 9,8 Prozent weniger als 2024. Der Anteil übersetzter Neuerscheinungen stieg auf 16 Prozent. Die Prognose des Börsenvereins für 2026 fällt ebenfalls zurückhaltend aus. „Das schwache Konsumklima hält auch im laufenden Jahr an“, teilte der Branchenverband mit. Nach den ersten sechs Monaten des Jahres liege der Umsatz in den zentralen Vertriebswegen um 4,1 Prozent hinter dem des Vorjahreszeitraums zurück.



Minister Robra: Bewahrung des Welterbes ist auch Tourismusförderung



Sachsen-Anhalt hat fünf Welterbestätten, die von der Unesco anerkannt wurden. Das lockt kultur- und geschichtsinteressierte Besucher ins Land. Bald könnten weitere Orte den Sprung auf die Erbeliste schaffen.

Magdeburg (epd). Sachsen-Anhalt will den Erhalt seiner fünf Welterbestätten auch künftig intensiv fördern. Dabei seien „nicht unerhebliche Mittel“ zur Bewahrung und Weiterentwicklung des Unesco-Welterbes erforderlich, sagte Kulturminister Rainer Robra (CDU) dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Magdeburg. Nach seinen Angaben belief sich etwa im Jahr 2023 allein die institutionelle Förderung der vier für das Welterbe zuständigen Landesstiftungen auf fast 22 Millionen Euro.

Weitere Millionenbeträge flossen in umfangreiche Sanierungen und Erweiterungsinvestitionen wie am Stiftsberg von Quedlinburg oder im Gartenreich Dessau-Wörlitz. Das Unesco-Welterbe sei „ein zentraler Bestandteil kultureller Identität“, sagte der Minister. So diene „jeder Euro, den wir investieren, nicht nur dem Erhalt einzigartiger Kulturdenkmäler, sondern stärkt auch Bildung, Tourismus und den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, unterstrich Robra.

Fünf Welterbestätten wurden umfassend saniert

Als Erstes schaffte 1994 die Altstadt von Quedlinburg mit rund 2.000 Fachwerkhäusern, Schloss und Stiftskirche den Sprung auf die Welterbeliste. 1996 folgten das Dessauer Bauhaus und die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg, ehe im Jahr 2000 auch das Gartenreich Dessau-Wörlitz und im Juli 2018 der Naumburger Dom zum Welterbe erklärt wurden.

In Quedlinburg soll nach mehrjährigen Sanierungen im Oktober das Museum im Schloss öffnen. Bereits Ende August wird zudem in Naumburg das neue Welterbezentrum eingeweiht. Auch bei den Luthergedenkstätten wird investiert: „Im Lutherhaus in Wittenberg stehen die energetische Sanierung des Gebäudes sowie die Neugestaltung der Dauerausstellung im Mittelpunkt“, sagte Robra.

Weitere Erbestätten scheinen realistisch

Der Minister geht davon aus, dass bereits 2029 mit den Franckeschen Stiftungen in Halle (Saale) die nächste Welterbestätte hinzukommt. Die Vorprüfung sei vielversprechend verlaufen, der Antrag solle bis Februar 2028 eingereicht werden. Zudem könnte 2028 die Entscheidung fallen, ob das „Grüne Band“ entlang der früheren innerdeutschen Grenze zugleich als Kultur- und Naturerbe von der Unesco anerkannt wird.

Ein weiterer Kandidat sei das Pretziener Wehr, ein Ingenieurbauwerk zum Hochwasserschutz nahe Magdeburg. Der Antrag sollte 2031 gestellt werden, damit die Entscheidung der Unesco 2032 erfolgen kann. Im Frühjahr 2027 könnte auch die Entscheidung fallen, ob die „Merseburger Zaubersprüche“ nach der berühmten Himmelsscheibe von Nebra als zweites Objekt zum Weltdokumentenerbe erklärt werden, sagte Robra.

epd-Gespräch: Thomas Nawrath


Filme der Woche



Was haben wir gelacht

Nach den Karrieren von Anke Engelke und Carolin Kebekus dürfte vielen Jüngeren bissige Frauen-Comedy fast altbacken erscheinen. Boomerinnen erinnern sich aber noch gut daran, als mit Hella von Sinnen in „Alles Nichts Oder?!“ 1988 zum ersten Mal eine Frau spürbar eigene Akzente im deutschen Fernsehhumor setzte. Jetzt sitzt sie auf einem Stuhl im Studio, genau wie ihre Kolleginnen Maren Kroymann, Esther Schweins, Gaby Köster und Bettina Böttinger. Letztere ist zwar keine Komikerin, lud die anderen aber als Gäste in ihre Talkshow ein. Die Regisseurinnen bringen ihre Protagonistinnen raffiniert miteinander ins Gespräch und lassen eingespielte Filmausschnitte ausführlich bis kurz-knackig kommentieren. Ihr Dokumentarfilm nimmt die Comedienne-Karrieren als Folie für eine Befragung der chauvinistischen, westdeutschen TV-Show-Geschichte, von Kulenkampff bis Harald Schmidt. Interessant, dass die meisten der Komödiantinnen als Stärkung für ihre eigene Position ihre Mütter nennen.

Was haben wir gelacht (Deutschland 2026). Regie und Buch: Isabel Schneider, Eva Müller. Mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster, Esther Schweins. Länge: 96 Min. FSK: ab 12 Jahren.

So klingt das Leben

Das Leben in dem spanischen Fischerdorf ist geprägt von einem Schiffsunglück, das die Gemeinschaft erschüttert und gespalten hat. Auch Andreas Vater starb dabei. Zwei Jahre später entschließt sich die Dorfgemeinschaft dazu, wieder an der Rondalla teilzunehmen, einem traditionellen Musikfest, bei dem einzelne Gemeinden gegeneinander antreten. Gewonnen hatte man noch nie, also gibt es nichts zu verlieren. Andrea entschließt sich, die Leitung zu übernehmen und alles anders zu machen als ihr Vater. Mit erstaunlichem Erfolg. Der Film lässt die tragische Handlung gekonnt mit den musikalischen Auftritten ineinanderfließen. Der Weg der drei Generationen umfassenden Big Band hin zu einem würdevollen und schließlich perfekten Auftritt ist lang, persönliche Herausforderungen werden auf dem Weg dahin immer unwichtiger. Selbst wenn man sich nicht für diese treibende Straßenmusik begeistern kann, die immer besser werdenden Laien sind ergreifend, und am Schluss möchte man mitklatschen und mitsummen.

So klingt das Leben (Spanien 2025). Regie und Buch: Daniel Sánchez Arévalo. Mit Javier Gutiérrez, María Vázquez, Judith Fernández, Tamar Novas, Carlos Blanco. Länge: 112 Min. FSK: ab 12.

Töchter Europas

Die mathematisch begabte Katharine (Haley Bennett), Tochter einer wohlhabenden Familie im England des frühen 20. Jahrhunderts, träumt von einem Studium der Astronomie. Doch Frauen bleiben die Universitäten verschlossen. Um sich den gesellschaftlichen Zwängen zu entziehen, nimmt sie den Heiratsantrag ihres Kindheitsfreundes William (Jack Whitehall) an. Als sie den aus einfachen Verhältnissen stammenden Autor Ralph Denham (Elyas M'Barek) und die Frauenrechtlerin Mary Datchet kennenlernt, gerät ihr Leben jedoch aus der Bahn. Tina Gharavi inszeniert Virginia Woolfs „Nacht und Tag“ als elegante Emanzipationsgeschichte mit Witz, Romantik und historischem Flair. Haley Bennett überzeugt als eigenwillige Heldin, unterstützt von einem spielfreudigen Ensemble. Eine kluge, charmante Literaturverfilmung, die zeigt, wie aktuell Woolfs Themen bis heute geblieben sind.

Töchter Europas (Deutschland 2026). Regie und Buch: Verena Kuri, Iris Janssen. Länge: 80 Min. FSK: ohne Angabe.

Ninja Motherf*cking Destruction

Leonie (Emma Suthe) und Marlene (Merle von Mach) sind gerade 18 geworden und beste Freundinnen. Sie sind gerade mit der Schule fertig, leben in Berlin, lassen sich durch die Nächte treiben, knutschen rum, feiern hart und können aufeinander zählen. Aber dann verliebt sich Leonie in Naomi (Marie Tragousti), und über diese erste romantische Beziehung entfremdet sie sich von Marlene. Nach der Trennung von Naomi, Jahren der Selbstfindung und nur sporadischen Kontakts vermisst Leonie ihre beste Freundin aus Kinder- und Jugendtagen. Lotta Schwerk hat ihr Langfilmdebüt von 2017 bis 2024 gedreht, sodass wir ihren Figuren tatsächlich beim Erwachsenwerden zusehen. Die Handlung setzt mitten in einer Partynacht auf den Straßen Berlins ein. Ohne Erklärung werden wir direkt in Leonies Leben hineingeworfen. Ihre subjektive Perspektive bleibt der Fixpunkt des Films, der ohne nostalgisches Pathos Momente des Erwachsenwerdens streift, deren transformative Bedeutung sich erst rückblickend erschließt.

Ninja Motherfcking Destruction (Deutschland 2025). Regie und Buch: Lotta Schwerk. Mit Emma Suthe, Marie Tragousti, Merle von Mach, Yildiz Tiryakioglu, Maximilian Mund. Länge: 79 Min. FSK: ab 12.*

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Entwicklung

Migrationsrouten nach Europa werden noch tödlicher




Überreste eine grünen Schlauchbootes auf dem Mittelmeer
epd-bild/Thomas Lohnes
Steigende Todeszahlen auf Fluchtwegen: Die Internationale Organisation für Migration registrierte in der ersten Jahreshälfte fast 2.700 Todes- und Vermisstenfälle auf den Migrationsrouten weltweit - mehr als die Hälfte davon auf dem Weg nach Europa.

Berlin (epd). Die irreguläre Migration nach Europa ist noch gefährlicher geworden: Seit Anfang des Jahres sind laut aktuellen Zahlen der Vereinten Nationen mindestens 2.676 Menschen auf Migrationsrouten ums Leben gekommen oder werden vermisst. Allein 1.570 Menschen seien auf dem Weg nach Europa verschollen, erklärte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am 8. Juli in Berlin. Damit sei die Zahl der verunglückten Migrantinnen und Migranten mit Ziel Europa im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel (27 Prozent) gestiegen.

Die jüngsten IOM-Zahlen belegen eine besorgniserregende Entwicklung: Obwohl die Gesamtzahl der erfassten Migrantinnen und Migranten, die Europa auf dem Seeweg erreichten, seit Jahresbeginn um knapp die Hälfte (47 Prozent) auf 34.563 sank, stiegen im gleichen Zeitraum die Opferzahlen deutlich an. Jeder dritte Todesfall (32 Prozent) seit Erfassungsbeginn ereignete sich demnach auf der sogenannten zentralen Mittelmeerroute. Diese Seeroute, die von Libyen und Tunesien aus hauptsächlich nach Italien und Malta führt, sei auch 2026 der gefährlichste Migrationsweg weltweit.

Mehr Tote wegen gefährlicherer Routen

Europa befinde sich im „Zentrum einer humanitären Krise“, sagte die IOM-Koordinatorin des „Missing Migrants Project“, Andrea Garcia Borja: Auf allen Fluchtrouten über das Mittelmeer seien in der ersten Jahreshälfte mehr Todesfälle zu verzeichnet worden. „Wenn eine Migrationsroute geschlossen wird, entsteht eine andere, die oft gefährlicher ist“, erklärte Borja. Wegen restriktiverer Grenzkontrollen wählten zahlreiche Menschen längere Fluchtrouten. Häufig organisierten Schlepperbanden die Überfahrten auf kaum seetauglichen Booten oder stachen trotz Unwetterwarnungen in See.

Besonders auffällig seien die gestiegenen Todeszahlen auf der sogenannten östlichen Mittelmeerroute von Libyen nach Kreta: Allein 165 Todesfälle seien dort in der ersten Jahreshälfte verzeichnet worden, 167 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Grund für den Anstieg sei unter anderem fehlende Seenotrettung auf dem rund 300 Kilometer umfassenden Seeweg, sagte Borja: „Fast niemand überwacht diese Route, niemand vollzieht Such- und Rettungseinsätze.“

Dunkelziffer der Toten viel höher

Laut IOM ist Ertrinken die häufigste Todesursache von Migrantinnen und Migranten. Die Identität der verunglückten Menschen bleibe jedoch häufig unbekannt, betonte Borja. Unter den identifizierten Todesopfern seien der Sudan, gefolgt von Somalia und Afghanistan die häufigsten Herkunftsländer.

Eine staatlich organisierte Mission zur Rettung von in Not geratenen Flüchtlingen und Migranten gibt es derzeit nicht. Die UN-Organisation ruft angesichts der steigenden Opferzahlen zu verbesserten Such- und Rettungskapazitäten sowie der Zusammenarbeit von Regierungen auf. Gleichzeitig brauche es entschlossene Anstrengungen, um Schleuser zu stoppen und reguläre Wege für die Migration auszubauen.

Seit die IOM 2014 mit den Erfassungen begonnen hat, wurden mehr als 83.900 Todes- und Vermisstenfälle auf den weltweiten Migrationsrouten registriert. Rund die Hälfte der Fälle wurde demnach auf dem Weg nach Europa erfasst. Die IOM gehört zu den Vereinten Nationen und hat ihren Sitz in Genf. In Berlin befindet sich eine Außenstelle.

Von Gundula Haage (epd)


GIZ richtet sich mit Umbau und Einsparungen neu aus



Interne Finanzskandale, Sparmaßnahmen und wachsender Druck auf Entwicklungspolitik: Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) will sich umfassend neu aufstellen. Dazu zählen 60 Millionen Euro Einsparungen und Stellenabbau.

Berlin (epd). Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit steht unter Druck: Angesichts eines millionenschweren Veruntreuungsskandals, veränderter politischer Prioritäten und wachsenden Spardrucks will sich die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) umfassend neu aufstellen. Ein „Weiter so wie bisher ist für uns keine Option“, sagte Vorstandssprecher Thorsten Schäfer-Gümbel am 9. Juli bei der jährlichen Pressekonferenz in Berlin. Die GIZ wolle „besser, schneller und wirksamer“ arbeiten und mit Transparenz eine zukunftssichere Entwicklungszusammenarbeit gestalten.

Grund dafür ist unter anderem ein weitreichender Finanzskandal: Aus GIZ-Projekten im bürgerkriegsversehrten Jemen waren Veruntreuungen in zweistelliger Millionenhöhe ans Licht gekommen. „Unsere Compliance- und Kontrollstandards haben gegriffen und die kaufmännischen Unregelmäßigkeiten aufgedeckt“, sagte Schäfer-Gümbel. Der Fall werde konsequent weiterverfolgt, alle „Fehlbeträge an Auftraggeber zurückgezahlt“. Durch Risikobewertungen, neue Auflagen rund um die Rotation kaufmännischer Positionen und verpflichtende Kontrollen sollen vergleichbare Fälle in Zukunft verhindert werden.

60 Millionen Euro Einsparungen

Der angekündigte Umbau der GIZ richte sich jedoch nicht nur auf verstärkte interne und externe Kontrollmechanismen, sondern gehe auch mit finanziellen Einsparungen einher. „Wir werden dauerhaft Strukturkosten in Höhe von rund 60 Millionen Euro einsparen“, kündigte Schäfer-Gümbel an. Dabei werde die Arbeit in Partnerländern gestärkt und Strukturen in Deutschland verschlankt. Die insgesamt 18 Stabsstellen und Bereiche der GIZ sollen zudem auf 14 reduziert werden. Die neue Struktur gelte ab Mai 2027.

Personalabbau spiele ebenfalls eine Rolle, sagte der GIZ-Vorstandssprecher: Seit 2023 seien bereits rund 2.000 Stellen abgebaut worden, dieser Trend werde in den kommenden Jahren vor allem in Deutschland fortgesetzt. Für die GIZ arbeiteten den Zahlen zufolge im vergangenen Jahr fast 24.000 Menschen aus 152 Nationen.

Mehr Wirtschaftlichkeit wegen Kürzungen im Entwicklungsetat

Der Staatssekretär im Entwicklungsministerium (BMZ), Niels Annen, befürwortete den Reformkurs. Die GIZ werde „mehr auf Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit“ setzen und trage den im Bundeshaushaltsentwurf 2027 verankerten Kürzungen im Entwicklungsetat Rechnung. Zugleich bleibe internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je: „Unser Frieden, unsere Sicherheit und unser Wohlstand hängen neben einem geeinten Europa entscheidend von unseren Partnerschaften im Globalen Süden ab“, sagte Annen. Die GIZ sei dabei weiterhin „der zentrale Partner der Bundesregierung“.

Als Bundesunternehmen setzt die GIZ weltweit Projekte der Entwicklungszusammenarbeit um und ist in rund 120 Ländern aktiv. Das Geschäftsvolumen blieb im Vergleich zum Vorjahr mit knapp vier Milliarden Euro nahezu stabil. Hauptauftraggeber war den Zahlen zufolge mit rund 3,2 Milliarden Euro weiterhin das BMZ. Als größter Posten flossen demnach rund 1,2 Milliarden Euro in GIZ-Projekte zu Klima und Energie. Beispielsweise erhielten elf Millionen Menschen Zugang zur Stromversorgung. In weiteren Projekten seien 2,7 Millionen Geflüchtete unterstützt worden.

Von Gundula Haage (epd)


CO2-Projekt von Volkswagen Climatepartner: Maasai in Sorge




Frauen in traditioneller Kleidung der Maasai nahe dem Serengeti Nationalpark in Tansania (Archivbild)
epd-bild/Birte Mensing
Schwierige Aufklärung, unüberschaubare Folgen: Maasai-Vertreter beklagen, bei einem CO2-Kompensationsprojekt im Norden Tansanias überhört zu werden.

Nairobi (epd). Naserian Kitoi will ihren richtigen Namen nicht veröffentlicht sehen. Die junge Maasai aus dem Norden Tansanias hat Angst vor Repressionen der Behörden. Aber sie möchte nicht schweigen: Über ein geplantes Großprojekt zur CO2-Kompensation in ihrer Heimatregion Monduli sei praktisch entschieden worden, ohne dass die Gemeinschaft die Folgen wirklich absehen könne.

Nordwestlich des Kilimandscharos, nahe der Grenze zu Kenia, ist das von Volkswagen mitfinanzierte Projekt auf Weideland der Maasai rund um die Ortschaft Longido geplant. Dabei sollen über veränderte Weidepraktiken Kohlendioxid-Emissionen gebunden werden. Im Gegenzug können CO2-Verschmutzungsrechte verkauft werden. Entwickelt wurde das „Longido Monduli Rangeland Carbon Project“ von „Soils for the Future Tanzania“ zusammen mit Volkswagen ClimatePartner, einem 2022 gegründeten Joint Venture von Volkswagen und ClimatePartner. Der Beschreibung zufolge sollen die Ökosysteme in der Region gewinnen, indem Überweidung vermieden und die Böden entlastet werden.

Absichtserklärung unterzeichnet

Kitoi und ein Dutzend andere Maasai sind an diesem Vormittag in Arusha zusammengekommen, um über die Situation in Longido zu sprechen. Von Treffen mit der Maasai-Gemeinschaft in ihren Heimatdörfern haben sie dringend abgeraten: Das könnte Aufsehen erregen und Vertreter der Regierung auf den Plan rufen, sie fürchten Repressionen.

Eine Absichtserklärung für das CO2-Vorhaben sei bereits unterzeichnet, einige lokale Vertreter hätten schon erste Zahlungen bekommen, berichten sie. Dabei hätten die meisten Menschen im Dorf gar nicht verstanden, worum es geht, sagt Kitoi.

Folgen für viele nicht überschaubar

Den Eindruck hat auch Silala Siana, ihr richtiger Name ist der Redaktion ebenfalls bekannt. „Als ich meine Eltern danach gefragt habe, haben sie gesagt: Wir vertrauen unseren gewählten Führern, die wissen schon, was sie tun.“ Einer der Männer in der Runde ergänzt: „Einer der Älteren hat zu mir gesagt: 'Uns wurde erklärt, dass wir die schlechte Luft aus der Luft nehmen und dafür Geld bekommen.'“

Nicht klar sei den meisten aber, was das bedeute, sagen die Maasai in Arusha. Es sind alles eher jüngere Männer und Frauen, gut gebildet. Die ältere Generation im ländlichen Raum nördlich von Arusha hingegen kann sich kaum auf ihre Bildung stützen, wenn es um die Beurteilung eines solchen Großprojekts geht. Verra, der internationale Standardsetzer für freiwillige CO2-Zertifikate, hatte das Projekt nach viel Kritik im März 2026 erneut zur öffentlichen Kommentierung gestellt. Die Frist lief bis Anfang April. Bislang ist das Vorhaben noch nicht zertifiziert.

Volkswagen Climatepartner betont Aufklärung

Volkswagen Climatepartner verwies auf Anfrage auf seine schon veröffentlichten Stellungnahmen zu Kritik an dem Projekt. Darin heißt es unter anderem, die betroffene Bevölkerung sei umfassend informiert worden und habe freiwillig zugestimmt. Im Übrigen gehe die Aufklärung während der gesamten Projektlaufzeit weiter. Und das sind immerhin 40 Jahre.

Für die jüngeren Maasai, die sich in Arusha getroffen haben, ist schon das ein wesentlicher Kritikpunkt. Warum sich ihr Dorf durch einen Vertrag binden sollte, der noch das Leben ihrer Kinder beeinflussen werde, fragen sie. Vor allem aber sind sie besorgt, weil das veränderte Weidemanagement die Maasai daran hindern werde, auf ihre Notweideflächen für Trockenzeiten zurückzugreifen. Denn nach dem neuen Muster werden die Weideflächen in kleinere Abschnitte unterteilt. Die Herde soll einen Abschnitt nur kurz beweiden und alle zwei Wochen weitergetrieben werden, damit die vorherige Fläche sich erholen und CO2 binden kann.

Parallelen zu Kenia

Für die Maasai sei das problematisch, betont Silala Siana, weil dieser schnelle Takt nicht nur mehr Organisation und Kontrolle verlangt, sondern auch die bisherige Solidarität der Maasai gefährde. „Wenn mein Dorf unter Trockenheit leidet, bringe ich mein Vieh in Gebiete, die anderen Maasai gehören“, erklärt sie. Dieser traditionelle Gemeinschaftssinn sei jetzt bedroht, weil Dörfer mit einem CO2-Vertrag den Zugang für Herden aus anderen Dörfern sperren könnten.

Kritiker sehen Parallelen zu einem umstrittenen Projekt in Nordkenia: Beim Northern Rangelands Carbon Project wurden Einschränkung traditioneller Weidepraktiken, mangelnde Zustimmung der Gemeinden und massive Eingriffe in Landrechte kritisiert. Wie die Menschenrechtsorganisation Survival International berichtet, wurden aus dem Projekt Emissionszertifikate an Unternehmen wie Meta, Netflix und Beiersdorf verkauft.

Von Annalena Hart (epd)


Haushaltsentwurf 2027: Regierung kürzt erneut beim Entwicklungsetat



Die Regierung will bei der Entwicklungshilfe weiter kürzen: Laut Haushaltsentwurf 2027 soll das zuständige Ministerium rund 9,5 Milliarden Euro ausgeben dürfen - über eine halbe Milliarde weniger als in diesem Jahr.

Berlin (epd). Erneute Kürzungsrunde für die Entwicklungszusammenarbeit: In dem vom Bundeskabinett gebilligten Haushaltsentwurf 2027 sei es nötig gewesen, „Lücken zu schließen“, sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) am 6. Juli in Berlin. Deutlich gekürzt wird laut dem Entwurf dabei unter anderem im Entwicklungsministerium: 2027 soll das Haus von Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) lediglich 9,469 Milliarden Euro ausgeben dürfen, knapp 600 Millionen Euro weniger als in diesem Jahr.

Mit Blick auf die Abstriche bei der Entwicklungszusammenarbeit sprach Klingbeil von „harten Entscheidungen, die wir treffen müssen“. Nach dem Rückzug der USA aus der internationalen Entwicklungsfinanzierung sei Deutschland jedoch „weltweit der größte Geldgeber“ und bleibe „der wichtigste Unterstützer der Vereinten Nationen“, betonte der Finanzminister. International bleibe das Land ein „wirklich glaubwürdiger Partner, und daran wird sich auch nichts ändern“.

Fünfte Kürzungsrunde des Entwicklungsetats

Es handelt sich bereits um die fünfte Kürzungsrunde in Folge: Seit 2023 ist der Haushalt des Ministeriums Jahr für Jahr geschrumpft. Standen 2023 noch 12,16 Milliarden Euro für die Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung, sind es im laufenden Jahr noch 10,05 Milliarden Euro. Von 2024 auf 2025 war der Etat um fast eine Milliarde Euro gekürzt worden.

Entwicklungsministerin Alabali Radovan betonte trotz der erneuten Kürzungsrunde den Gestaltungsspielraum ihres Hauses: „Trotz schwieriger Kürzungen gibt uns der Bundeshaushalt 2027 die notwendige Grundlage, unsere Mittel dort gezielt einzusetzen, wo sie den größten Unterschied machen - für die Menschen im Globalen Süden ebenso wie für Deutschlands Sicherheit und Wohlstand“, erklärte die Ministerin.

Humanitäre Hilfe bleibt auf niedrigem Niveau

Für humanitäre Hilfe seien im Haushaltsentwurf lediglich rund eine Milliarde Euro vorgesehen, kritisierte der entwicklungspolitische Dachverband Venro. Damit bleibe der Etat auf dem „sehr niedrigen Niveau“ des laufenden Jahres, der halb so viel wie noch 2024 umfasse. „Die Bundesregierung realisiert vermutlich gar nicht, was sie da gerade anrichtet“, erklärte Venro-Vorstandsvorsitzender Michael Herbst. Das internationale Hilfssystem sei bereits „massiv unterfinanziert“, 2026 seien lediglich 34 Prozent der erforderlichen Mittel gesichert.

Auch die Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ sprach angesichts zunehmender Krisen und Notlagen weltweit von einer besorgniserregenden Entwicklung.

Hilfsorganisationen schlagen Alarm

Mit den Kürzungen folgt Deutschland einem internationalen Trend. Auch andere Geberländer, allen voran die USA unter Präsident Donald Trump, haben ihre Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zuletzt zurückgefahren.

Hilfsorganisationen schlugen dagegen Alarm: Ein Bündnis aus 15 Organisationen, darunter „Brot für die Welt“, Misereor und Oxam Deutschland, protestierte am Montag vor dem Bundeskanzleramt gegen die Kürzungen der Entwicklungszusammenarbeit.

Die Organisationen kritisierten insbesondere, dass Deutschland erneut die sogenannte ODA-Quote unterschreiten werde. Die auf mehrere Ministerien verteilten Ausgaben für öffentliche Entwicklungshilfe, kurz ODA („Official Development Assistance“), beschreibt das von den Vereinten Nationen gesetzte Ziel, 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung für Entwicklungszusammenarbeit zu verwenden. Im Jahr 2025 wandte Deutschland lediglich 0,56 Prozent der Wirtschaftsleistung statt der geforderten 0,7 Prozent auf.

Von Gundula Haage (epd)


Sudan-Krieg: Weltstrafgericht sieht Durchbruch bei Ermittlungen



Der Internationale Strafgerichtshof ermittelt im Sudan zu möglichen Kriegsverbrechen. Laut der stellvertretenden Chefanklägerin liegen nun konkrete Beweise vor.

Frankfurt a.M./Den Haag (epd). Der Internationale Strafgerichtshof sieht deutliche Fortschritte bei den Ermittlungen zu Kriegsverbrechen im Krieg im Sudan. Bei der Untersuchung von Massakern an der Zivilbevölkerung in den Städten Al-Faschir und Al-Dschunaina gebe es einen „Durchbruch“, sagte die stellvertretende Chefanklägerin Nazhat Shameem Khan der britischen BBC (9. Juli).

Demnach liegen dem Weltstrafgericht mit Sitz im niederländischen Den Haag „konkrete Beweise“ vor, die Anführer der RSF-Miliz mit Kriegsverbrechen in der Darfur-Region in Verbindung bringen. Einen Zeitrahmen für eine mögliche Anklage gegen die Verantwortlichen von Gewalt nannte Khan nicht. „Wir können nicht sagen, wie schnell oder wie lange es dauern wird“, sagte Khan. Doch der Fortschritt sei signifikant.

Massaker an Zivilisten

Der Internationale Strafgerichtshof hat auf Grundlage eines bestehenden Mandats seine Ermittlungen in der Darfur-Region ausgeweitet und untersucht auch Verbrechen im Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg. Nach der Eroberung der Stadt Al-Faschir durch die RSF-Miliz im vergangenen Oktober drangen Berichte über Massaker und andere Gewalttaten an der Zivilbevölkerung nach außen. Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen sieht in dem Vorgehen der Miliz Anzeichen eines Genozids. Auch der Armee werden Verbrechen vorgeworfen.

Im Sudan kämpfen seit April 2023 die RSF-Miliz und die reguläre Armee um die Macht und Kontrolle von Ressourcen. Millionen Menschen wurden durch die Gewalt vertrieben. Knapp 20 Millionen Menschen leiden laut dem UN-Welternährungsprogramm an Hunger. Die Darfur-Region im Westen des Landes ist seit Jahrzehnten von teils ethnischer Gewalt geprägt. Der Internationale Strafgerichtshof hatte die Ermittlungen zu Verbrechen in Darfur 2005 eröffnet.



Hilfsorganisation mahnt mehr Ebola-Hilfe im Ostkongo an



Mehr als 650 Menschen sind seit Beginn des Ebola-Ausbruchs im Ostkongo an der Infektionskrankheit gestorben. Die internationale Gemeinschaft habe "oft weggeschaut", kritisieren Helfer.

Frankfurt a.M., Kinshasa (epd). Die Hilfsorganisation NRC dringt auf mehr internationale Hilfe bei der Bekämpfung des Ebola-Ausbruchs im Ostkongo. Landesdirektor Eric Batonon rief dazu auf, die Anstrengungen zu verstärken, „damit die Maßnahmen zur Bekämpfung von Ebola schneller voranschreiten als die Krankheit selbst“. Der Ausbruch treffe Gemeinschaften, die bereits von Konflikten und wiederholten Vertreibungen erschöpft seien, unterstrich Batonon am 10. Juli.

In der Ituri-Provinz, dem Epizentrum des Ausbruchs, lebten Vertriebene seit Jahren in Notunterkünften, die nur für einen vorübergehenden Verbleib ausgerichtet seien, „mit ungenügenden Sanitäranlagen und Zugang zur Gesundheitsversorgung“. Während bewaffnete Gruppen um die Kontrolle über Land und wertvolle Mineralien kämpften, hätten Geber, aber auch Diplomaten „oft weggeschaut“, kritisierte Batonon.

Mehr als 650 Tote

Der Ebola-Ausbruch im Osten der Demokratischen Republik war Mitte Mai entdeckt worden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief kurz danach den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Laut den jüngsten Daten der kongolesischen Behörden gibt es inzwischen 1.792 bestätigte Fälle. 652 Menschen sind demnach bisher an der Krankheit gestorben.

Gegen die für den Ausbruch verantwortliche Bundibugyo-Variante des Erregers gibt es bisher weder zugelassene Medikamente noch eine Impfung. Zusätzlich erschwert wird die Eindämmung durch die seit Jahren andauernden Kämpfe von Milizen in der Region. Die Hilfsorganisation NRC (Norwegian Refugee Council) unterstützt die Menschen in drei Provinzen im Ostkongo, etwa durch die Versorgung mit sauberem Trinkwasser oder Bildungsangebot für vertriebene Kinder.




Termine

21.7. Evangelische Akademie Baden

Online Chance oder Bedrohung? - KI und die Auswirkungen auf Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitsschutz und Arbeitnehmerrechte Mit Maxilimilian Heßlein, Wirtschafts- und Sozialpfarrer beim Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA).

25.-27.9. Evangelische Akademie Baden

Wenn die Umwelt zur Mitwelt wird. Schöpfungsspiritualität mit Franz von Assisi Franz von Assisi ist bekannt für seine tiefe Naturverbundenheit und seinen sorgsamen Umgang mit jedem Lebewesen. Dabei verbindet er Schöpfungsmystik mit Menschenliebe und Selbstsorge mit Gottesfreundschaft.

25.-27.9. Evangelische Akademie Loccum

Anders leben im Klimawandel. Motivationale Strategien und theologische Perspektiven Die Klimakrise stellt Kirche und Gesellschaft vor epochale Herausforderungen. Was motiviert zu nachhaltigem Handeln? Welche Rolle spielen Erzählungen der Hoffnung? Die Tagung entwickelt interdisziplinäre Perspektiven, die ökologische Transformation und soziale Gerechtigkeit verbinden. Sie fragt nach Motoren für kirchliches Engagement und eine nachhaltige Praxis und entwickelt kollektive Zukunftsvisionen.