Was haben wir gelacht

Nach den Karrieren von Anke Engelke und Carolin Kebekus dürfte vielen Jüngeren bissige Frauen-Comedy fast altbacken erscheinen. Boomerinnen erinnern sich aber noch gut daran, als mit Hella von Sinnen in „Alles Nichts Oder?!“ 1988 zum ersten Mal eine Frau spürbar eigene Akzente im deutschen Fernsehhumor setzte. Jetzt sitzt sie auf einem Stuhl im Studio, genau wie ihre Kolleginnen Maren Kroymann, Esther Schweins, Gaby Köster und Bettina Böttinger. Letztere ist zwar keine Komikerin, lud die anderen aber als Gäste in ihre Talkshow ein. Die Regisseurinnen bringen ihre Protagonistinnen raffiniert miteinander ins Gespräch und lassen eingespielte Filmausschnitte ausführlich bis kurz-knackig kommentieren. Ihr Dokumentarfilm nimmt die Comedienne-Karrieren als Folie für eine Befragung der chauvinistischen, westdeutschen TV-Show-Geschichte, von Kulenkampff bis Harald Schmidt. Interessant, dass die meisten der Komödiantinnen als Stärkung für ihre eigene Position ihre Mütter nennen.

Was haben wir gelacht (Deutschland 2026). Regie und Buch: Isabel Schneider, Eva Müller. Mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster, Esther Schweins. Länge: 96 Min. FSK: ab 12 Jahren.

So klingt das Leben

Das Leben in dem spanischen Fischerdorf ist geprägt von einem Schiffsunglück, das die Gemeinschaft erschüttert und gespalten hat. Auch Andreas Vater starb dabei. Zwei Jahre später entschließt sich die Dorfgemeinschaft dazu, wieder an der Rondalla teilzunehmen, einem traditionellen Musikfest, bei dem einzelne Gemeinden gegeneinander antreten. Gewonnen hatte man noch nie, also gibt es nichts zu verlieren. Andrea entschließt sich, die Leitung zu übernehmen und alles anders zu machen als ihr Vater. Mit erstaunlichem Erfolg. Der Film lässt die tragische Handlung gekonnt mit den musikalischen Auftritten ineinanderfließen. Der Weg der drei Generationen umfassenden Big Band hin zu einem würdevollen und schließlich perfekten Auftritt ist lang, persönliche Herausforderungen werden auf dem Weg dahin immer unwichtiger. Selbst wenn man sich nicht für diese treibende Straßenmusik begeistern kann, die immer besser werdenden Laien sind ergreifend, und am Schluss möchte man mitklatschen und mitsummen.

So klingt das Leben (Spanien 2025). Regie und Buch: Daniel Sánchez Arévalo. Mit Javier Gutiérrez, María Vázquez, Judith Fernández, Tamar Novas, Carlos Blanco. Länge: 112 Min. FSK: ab 12.

Töchter Europas

Die mathematisch begabte Katharine (Haley Bennett), Tochter einer wohlhabenden Familie im England des frühen 20. Jahrhunderts, träumt von einem Studium der Astronomie. Doch Frauen bleiben die Universitäten verschlossen. Um sich den gesellschaftlichen Zwängen zu entziehen, nimmt sie den Heiratsantrag ihres Kindheitsfreundes William (Jack Whitehall) an. Als sie den aus einfachen Verhältnissen stammenden Autor Ralph Denham (Elyas M'Barek) und die Frauenrechtlerin Mary Datchet kennenlernt, gerät ihr Leben jedoch aus der Bahn. Tina Gharavi inszeniert Virginia Woolfs „Nacht und Tag“ als elegante Emanzipationsgeschichte mit Witz, Romantik und historischem Flair. Haley Bennett überzeugt als eigenwillige Heldin, unterstützt von einem spielfreudigen Ensemble. Eine kluge, charmante Literaturverfilmung, die zeigt, wie aktuell Woolfs Themen bis heute geblieben sind.

Töchter Europas (Deutschland 2026). Regie und Buch: Verena Kuri, Iris Janssen. Länge: 80 Min. FSK: ohne Angabe.

Ninja Motherf*cking Destruction

Leonie (Emma Suthe) und Marlene (Merle von Mach) sind gerade 18 geworden und beste Freundinnen. Sie sind gerade mit der Schule fertig, leben in Berlin, lassen sich durch die Nächte treiben, knutschen rum, feiern hart und können aufeinander zählen. Aber dann verliebt sich Leonie in Naomi (Marie Tragousti), und über diese erste romantische Beziehung entfremdet sie sich von Marlene. Nach der Trennung von Naomi, Jahren der Selbstfindung und nur sporadischen Kontakts vermisst Leonie ihre beste Freundin aus Kinder- und Jugendtagen. Lotta Schwerk hat ihr Langfilmdebüt von 2017 bis 2024 gedreht, sodass wir ihren Figuren tatsächlich beim Erwachsenwerden zusehen. Die Handlung setzt mitten in einer Partynacht auf den Straßen Berlins ein. Ohne Erklärung werden wir direkt in Leonies Leben hineingeworfen. Ihre subjektive Perspektive bleibt der Fixpunkt des Films, der ohne nostalgisches Pathos Momente des Erwachsenwerdens streift, deren transformative Bedeutung sich erst rückblickend erschließt.

Ninja Motherfcking Destruction (Deutschland 2025). Regie und Buch: Lotta Schwerk. Mit Emma Suthe, Marie Tragousti, Merle von Mach, Yildiz Tiryakioglu, Maximilian Mund. Länge: 79 Min. FSK: ab 12.*

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