Darmstadt (epd). Die Schriftstellerin Christine Wunnicke bekommt den Georg-Büchner-Preis 2026. Die Autorin erhalte die Auszeichnung für die Überraschungskraft ihres „stets souverän konzipierten Erzählwerks“, das an so unterschiedlichen Schauplätzen wie Hollywood, Nagasaki und Paris angesiedelt sei, gab die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt am 9. Juli bekannt. Wunnicke verblüffe ihre Leserschaft seit 25 Jahren mit der Auseinandersetzung zwischen Fakt und Erfindung. Der Preis wird am 24. Oktober in Darmstadt verliehen. Laudatorin ist die Schriftstellerin und Herausgeberin Judith Schalansky.

Wunnicke mache „im vermeintlich Historischen das Fiktionale sichtbar und ermögliche so einen entlarvenden Blick auf die europäische Wissenschafts- und Kolonialgeschichte, ohne dabei die Empathie für ihre Figuren zu verleugnen“, begründete die Jury ihre Wahl. Die Romane seien geprägt von subtilem Sprachwitz und dem Verzicht auf Selbstreferenz. Sie vereinten das Unterhaltende und die anspruchsvolle Reflexion auf „so großartige wie diskrete Weise“.

Autorin mehrfach ausgezeichnet

Die 59 Jahre alte Wunnicke wurde in München geboren. Anfang der 1990er Jahre erschienen erste Hörspiele und Radiofeatures, ihre ersten Romane folgten mit „Fortescues Fabrik“ im Jahr 1998 und „Jetlag“ im Jahr 2000. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin, unter anderem 2025 mit dem Jean-Paul-Preis, schreibt über historisch verbürgte Figuren aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Eine ihrer Figuren ist der scheinbar an „Hysterie“ erkrankte japanische Nervenarzt in „Der Fuchs und Dr. Shimamura“ (2015). Der Roman „Katie“ (2017) lotet den Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Spiritismus im London der 1870er Jahre aus. Vor sechs Jahren stand ihr Roman „Die Dame mit der bemalten Hand“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, auch ihr jüngstes Buch „Wachs“ von 2025 stand auf der Shortlist.

Preis mit 50.000 Euro dotiert

Der mit 50.000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis wurde erstmals 1923 verliehen. Er gilt als eine der bedeutenden literarischen Auszeichnungen im deutschen Sprachraum. Namensgeber ist der in Darmstadt aufgewachsene Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Freiheitskämpfer Georg Büchner (1813-1837). Im vergangenen Jahr erhielt die Schriftstellerin Ursula Krechel die Auszeichnung. Weitere Preisträgerinnen und Preisträger waren unter anderem Oswald Egger, Elias Canetti, Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann und Paul Celan.