Dick eingepackt in der Sommerhitze: Wer nichts besitzt außer seiner Kleidung, muss diese immer mit sich rumtragen. Der ehemalige Obdachlose Dominik Bloh erinnert sich an viele heiße Nachmittage, in denen er schmutzig und schwitzend auf der Straße stand, dazu seine zehn Kilo schwere Tasche, die er überall in Hamburg dabei hatte - und um ihn herum Menschen in T-Shirts, die für ein Eis anstehen oder kalte Getränke. Er: ungewaschen, alle anderen: sauber, so kam er sich vor. Also gab es für ihn meistens kein Eis, nicht mal dann, wenn er das Geld dafür hatte. Er brachte es einfach nicht fertig. "Wenn ich friere oder Hunger habe, sieht man das nicht. Wenn ich dreckig bin, kriegt die Umwelt es mit", sagt er.

Zehn Jahre lang hatte Dominik Bloh keine Wohnung. Heute ist er 30 Jahre, hat ein Buch über die Obdachlosigkeit geschrieben, ist seit drei Jahren von der Straße weg - und will denen helfen, die noch immer dort leben. Deswegen sammelt er gerade mit einem Team aus Privatleuten und Vereinen per Crowdfunding Spenden für ein Projekt, das ganz simpel klingt, das es in Deutschland aber noch nie gegeben hat: einen Duschbus.

Selbstwertgefühl

Schon im Sommer könnte dieser durch Hamburg fahren und Wohnungslosen die Möglichkeit zum Duschen geben, so hofft er. Weil man sich als Mensch so fühlt, wie man aussieht, riecht und auftritt, wie er findet. "Solche Dinge sind wichtig für das Selbstwertgefühl." Obdachlose aber haben keine Möglichkeit, sich täglich um ihre Hygiene zu kümmern.

Einen Bus gibt es schon: Die Hamburger Hochbahn AG hat ihn gespendet. Aber umgebaut werden muss er noch. Das kostet 140.000 Euro, die das Team über eine Kampagne im Internet bis zum 26. April aufbringen will. "Waschen ist Würde", heißt es auf der Seite des Projektes "GoBanyo".

Mehr als die Hälfte ist schon zusammengekommen. Ist die Kampagne erfolgreich, sollen in dem Bus drei oder vier Duschkabinen entstehen - nicht mehr, obwohl Platz theoretisch da wäre. "Wir wollen keine Nasszellen, sondern Badezimmer", erklärt Bloh. Alles soll vorhanden sein: Dusche, WC, Waschbecken, Spiegel, von der Seife über Rasierwasser bis hin zum Tampon - und eine Kleiderkammer in einem Nebenraum, weil es keinen Sinn ergebe, sauber in komplett verdreckte Kleidung zu steigen.

Zurzeit gibt es gerade mal 22 Duschplätze in Hamburg für rund 2.000 Wohnungslose, wie das Magazin "Hinz & Kunzt" recherchiert hat. Viele seien dreckig, zu klein oder überlaufen, sagt Dominik Bloh. "Und in einigen muss man sogar zahlen."

Eine Auszeit vom Leben auf der Straße soll der Duschbus sein und Perspektiven eröffnen. "Wenn man immer nur als dreckig wahrgenommen wird, hält man sich selber für Dreck", argumentiert die Kampagne. Und weiter: "Wer sich schmutzig fühlt, vermeidet den Kontakt zu anderen Menschen. Geht nicht mehr zum Amt, stellt sich in keine Schlange zur Wohnungsbesichtigung."

Vorbild San Francisco

In San Francisco fährt ein solcher Duschbus des "Lava Mae"-Projekts seit längerem umher, in Berlin berichteten Medien Ende 2017 über ein entsprechendes Senatsprojekt. Andere mobile Hilfen für Obdachlose gibt es in vielen Städten seit Jahren: Kältebusse, Arzt- oder Gesundheitsmobile.

Einen Duschbus hält aber nicht jeder für die richtige Lösung. "Wir stehen dem Projekt eher kritisch gegenüber", sagt Werena Rosenke, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe dem epd. Priorität habe, Menschen ohne Wohnungen mit ebendiesen zu versorgen. Sei dies nicht möglich, hätten sie Anspruch auf eine menschenwürdige Unterbringung.

"Die Kommunen sind dazu verpflichtet. Und manche kümmern sich darum sehr sorgfältig, andere hingegen nicht." Tatsächlich seien fehlende Reinigungsmöglichkeiten für Wohnungslose ein Problem - dessen Lösung sei aber eher im politischen Bereich zu suchen. Und darauf müsse man hinarbeiten. "Wir halten einen Duschbus nicht für zielführend."

Dominik Bloh denkt in völlig anderen Kategorien. Fragt man ihn, wie viele Menschen im Laufe eines Jahres in dem Bus duschen könnten, ob es da ein Ziel gebe - dann zuckt er nur mit den Schultern. Es ist ihm nicht wichtig. "Der Bus ist nicht dann erfolgreich, wenn im Jahr 12.000 Menschen darin duschen. Sondern dann, wenn jemand rauskommt und denkt: 'Ich will den nächsten Schritt machen.'"