Der Direktor des katholischen Büros Nordrhein-Westfalen, Antonius Hamers, beklagt einen zunehmend "rauen Ton" im Düsseldorfer Landtag. Die politischen Debatten hätten an Schärfe zugenommen, sagte Hamers der katholischen Wochenzeitung "Kirche + Leben" in Münster. "Mir fällt auch auf, dass Frauen am Rednerpult größere Schwierigkeiten bekommen, sich gegen die teils heftigen Zwischenrufe von männlichen Abgeordneten mit ihren meist deutlich kräftigeren Stimmen durchzusetzen."

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen in Chemnitz vergangenen Sommer sei in einer Plenarsitzung "ziemlich geholzt worden", kritisierte der katholische Priester und Jurist. Darauf habe er bewusst die Vertreter aller Parteien angesprochen. Die AfD ist nach Einschätzung von Hamers im NRW-Landtag nicht so prägend wie im Bundestag, weil sie mit deutlich weniger Abgeordneten vertreten sei. Das Katholische Büro NRW ist die Kontaktstelle der Bistümer Köln, Paderborn, Münster, Aachen und Essen zu Landtag, Landesregierung und Parteien. Der Beauftragte der drei evangelischen Landeskirchen in NRW bei Landtag und Landesregierung ist Thomas Weckelmann.

Wöchentlich ökumenische Andacht

Die evangelische und die katholische Vertretung beim Land arbeiten nach Worten von Hamers in den weitaus meisten Fragestellungen sehr eng zusammen und entwickelten gemeinsame Strategien. "Das wird zunehmend auch von politischer Seite so erwartet", betonte der Leiter des Katholischen Büros. Der Schärfe in den Debatten versuchten sie mit ihrer wöchentlichen ökumenischen Andacht ein wenig entgegenzuwirken, sagte Hamers. "Daran nehmen immer rund 50 Abgeordnete teil, aus allen Fraktionen." In der aktuell 17. Wahlperiode gibt es laut Landesregierung im Düsseldorfer Landtag 199 Abgeordnete. 72 davon gehören zur Fraktion der CDU, 69 zur SPD, 28 zur FDP, 14 zu den Grünen und 13 Abgeordnete bilden die Fraktion der AfD. Drei Abgeordnete sind fraktionslos.