
Göttingen (epd). Der Göttinger Theologieprofessor Florian Wilk hat vor dem Hintergrund erster Festvorbereitungen auf die bevorstehende 2.000. Wiederkehr des Todes und der Auferstehung Jesu hingewiesen. Das genaue Todesjahr sei zwar unsicher, der infrage kommende Zeitraum beginne jedoch mit dem Amtsantritt von Pontius Pilatus im Jahr 26, erläuterte der auf Neues Testament spezialisierte Bibelforscher dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es könne als gesichert gelten, dass Jesus unter dem damaligen Präfekten der römischen Provinz Judäa hingerichtet wurde. Pilatus hatte das Amt von 26 bis 36 n. Chr. inne.
Papst Leo XIV. hat anlässlich der 2.000-Jahr-Feier bereits ein Heiliges Jahr für 2033 angekündigt. Indes sei es wahrscheinlicher, dass Jesus nicht im Jahr 33, sondern schon 30 n. Chr. gekreuzigt wurde, sagte der evangelische Theologe. Diese Ansicht vertrete die Mehrheit der Historiker, die sich mit dem Leben Jesu befassen. Datierungsfragen sollten einer gemeinsamen Feier jedoch nicht im Wege stehen, betonte Wilk. „Ein solches grundlegendes Ereignis sollte man unbedingt ökumenisch feiern.“
Ein wesentlicher Fixpunkt für die Datierung sei die Angabe in den Evangelien, dass Jesus im Umfeld des jüdischen Pessachfestes gekreuzigt wurde. Historisch-kritisch gesehen gebe es keinen Grund, daran zu zweifeln. „Im Gegenteil: Jesus wollte seine Botschaft an das ganze Volk richten. Das Pessachfest bot dafür die beste Gelegenheit, weil dabei jedes Jahr viele Menschen nach Jerusalem pilgerten.“ Die Evangelien erzählten außerdem übereinstimmend, dass Jesus „am Tag vor dem Sabbat“ getötet wurde, also an einem Freitag.
Eine Schwierigkeit ergebe sich daraus, dass Jesus nach dem Johannesevangelium der Bibel am Vortag von Pessach getötet wurde, also am 14. Tag des jüdischen Monats Nisan, nach den übrigen Evangelien dagegen am Festtag selbst (15. Nisan). Die Chronologie nach Johannes ist aus Wilks Sicht plausibler: „Eine Hinrichtung am Festtag selbst hätte leicht zu einem Aufruhr führen können, wäre also nicht im Interesse der Römer gewesen.“
Nach heutigem Forschungsstand fiel der 14. Nisan in den Jahren 27, 30 und 33 auf einen Freitag, wie der Professor erläuterte. Weitere Hinweise in den Evangelien zum Leben Jesu führten schließlich ins Jahr 30. Als Beispiele nannte Wilk die Angabe, dass Jesus unter Herodes dem Großen, also vor dessen Tod im Jahr 4 v. Chr. geboren wurde, oder dass er zu Beginn seines öffentlichen Wirkens ungefähr dreißig Jahre alt war. Er nehme zudem an, dass dieses Wirken mehr als zwei Jahre dauerte.
Der Theologe hält jedoch nichts von Versuchen, Ostern historisch zu fassen. Das jährliche Osterfest mache deutlich, dass sich Ostern im Leben der Kirchen und der Gläubigen immer wieder ereigne.

Rom (epd). Papst Leo XIV. hat zum Beginn der Osterfeierlichkeiten eindringlich zum Frieden aufgerufen. Niemand könne Gott, der den Krieg ablehnt, dazu benutzen, Krieg zu rechtfertigen, sagte der Papst in seiner Predigt zum Palmsonntag. Mit der Palmsonntagsmesse auf dem Petersplatz hat das erste Osterfest in seinem Pontifikat begonnen.
Immer wieder betonte der Papst in seiner Predigt die Bedeutung Jesu als König des Friedens. Gott sei ein Gott, „der das Gebet derer, die Krieg führen, nicht erhört und es mit den Worten zurückweist: 'Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht. Eure Hände sind voller Blut'“. Christus rufe noch immer laut von seinem Kreuz herab: „Legt die Waffen nieder, denkt daran, dass ihr Brüder und Schwestern seid!“, mahnte der Papst.
Christen erinnern in der Karwoche an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz und feiern an Ostern seine Auferstehung von den Toten. Die Feierlichkeiten im Vatikan dazu enden am Ostersonntag mit dem Segen „Urbi et Orbi“, den der Papst von der Loggia des Petersdom aus der Welt spenden wird.
Auch bei seinem eintägigen Besuch im Fürstentum Monaco, wohin der Papst am 28. März per Helikopter gereist war, fand Leo eindringliche Worte für den aktuellen Zustand der Welt. „Gewöhnen wir uns nicht an den Lärm der Waffen, an die Bilder des Krieges“, sagte Leo am Samstagnachmittag während der Messfeier im Fußballstadion von Monaco.
Rund 15.000 Menschen hatten an der Messe teilgenommen. Papst Leo war der erste Papst der Neuzeit, der das Fürstentum besucht hat. Leo prangerte dabei auch eine wachsende „Kluft zwischen Arm und Reich“ an. In einer ersten Ansprache, die er vom Balkon des Fürstenpalasts aus hielt, sprach er über „Abgründe zwischen Arm und Reich“.
Der Kleinstaat Monaco gilt als steuergünstiges Umfeld für Wohlhabende. Etwa jeder Dritte der rund 38.500 Einwohner soll Millionär sein. „In Gottes Augen empfängt man nichts ohne Grund“, sagte der Papst. Privilegien seien „für alle eine besondere Aufforderung, sich nach dem eigenen Platz in der Welt zu fragen“.

Darmstadt (epd). Olliver Zobel, Dekan der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), wird neuer Propst in Jerusalem. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) habe die Berufung des Kuratoriums der Evangelischen Jerusalem-Stiftung bestätigt, teilte die EKHN am 23. März in Darmstadt mit. Der 57-jährige Theologe ist Dekan im rheinhessischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim. Er wird das Amt in Jerusalem am 1. Dezember antreten. Der derzeitige Propst Joachim Lenz kehrt Ende Juli 2026 in die Evangelische Kirche im Rheinland zurück. Er ist seit 2020 Propst in Jerusalem.
Der in Kassel geborene Zobel war von 2002 bis 2019 Pfarrer in Bingen am Rhein, seit 2019 ist er Dekan. Als Student und als Vikar arbeitete er an der Evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem und in der Leitung und Verwaltung der in Latrun bei Jerusalem ansässigen Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. Angesichts der aktuellen Situation in Israel sei er sich bewusst, „dass ein Großteil meiner Arbeit Fähigkeiten erfordert, die ich als Notfallseelsorger gelernt habe: einfach da sein und Not in all ihren Formen aushalten, ohne den Funken der Hoffnung zu verlieren“, sagte Zobel.
Die Vorsitzende des Kuratoriums der Jerusalem-Stiftung und Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche, Susanne Bei der Wieden, hob die herausgehobene Bedeutung des Propstamtes in Jerusalem hervor: „Es steht für die verlässliche Präsenz unserer Kirche, für Dialogbereitschaft zwischen Religionen und Kulturen und für das unermüdliche Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit.“
Die Kirchenpräsidentin der EKHN, Christiane Tietz, nannte Zobel aufgrund des theologischen Profils, der Seelsorgeerfahrung sowie seiner Verbundenheit mit Jerusalem eine „überzeugende Besetzung“.
Die Aufgaben des Propstes in Jerusalem umfassen neben der pastoralen Versorgung der evangelischen Gemeinden deutscher Sprache in Israel und Palästina auch die Leitung der Stiftungseinrichtungen der EKD in Jerusalem sowie die Repräsentanz der EKD und der Stiftungen gegenüber Kirchen und öffentlichen Einrichtungen im Heiligen Land.

Hannover (epd). Für viele mag es ein Detail sein, für Betroffene ist dies aber entscheidend: Seit Monaten verhandeln Betroffenenvertreter mit der evangelischen Kirche und der Diakonie über eine konkrete Orientierungshilfe mit einheitlichen Richtwerten für Zahlungen an Opfer sexualisierter Gewalt. Eine entsprechende Richtlinie ist seit Anfang des Jahres in Kraft, die Orientierungshilfe soll eigentlich sicherstellen, dass die Höhe der Leistungen deutschlandweit vergleichbar ist. Doch diese Orientierungshilfe, die bis Januar fertig sein sollte, fehlt weiterhin.
Das zuständige Gremium für die Aufarbeitung von Missbrauch in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie, das Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt, hatte im Februar den Zusatz für die Anerkennungsrichtlinie beschlossen. EKD und Diakonie haben offenbar aber noch Bedenken. Ihre zuständigen Gremien haben die Hilfe nicht, wie ursprünglich angedacht, vergangene Woche in ihren Sitzungen beschlossen.
Das geht aus einer Pressemitteilung der Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt hervor, die am 23. März in Hannover veröffentlicht wurde. Die Kirchenkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Ausschuss Diakonie hätten die Orientierungshilfe zur Anerkennung sexualisierter Gewalt am Wochenende nicht beschlossen, sondern weiteren Beratungsbedarf angemeldet, heißt es darin. „Die Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt verurteilt die fehlende Verabschiedung der Orientierungshilfe durch Diakonie und Kirche scharf.“
Ein Sprecher der EKD bestätigte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am 23. März, dass Kirchenkonferenz und Ausschuss Diakonie in der Vorwoche Woche über die Orientierungshilfe beraten haben. Die Kirchenkonferenz habe dem Entwurf im Grundsatz zugestimmt, der Ausschuss Diakonie habe ihn begrüßt. Doch beide Gremien sähen noch „begrenzten, sachbezogenen Änderungsbedarf“, der nun gemeinsam mit dem Beteiligungsforum weiter beraten werden solle. Beide Gremien strebten an, die Orientierungshilfe zeitnah zu verabschieden. Einen konkreteren Termin nannte der Sprecher nicht. Die EKD hatte zuletzt betont, dass die zuständigen Kommissionen trotz des fehlenden Anhaltskatalogs arbeiten können.
Matthias Schwarz aus der Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt sagte laut Mitteilung, für ihn zeige sich am Umgang mit der Orientierungshilfe, „dass immer noch das Geld wichtiger ist als die Menschen, denen Gewalt angetan wurde“. „Denn letztlich, so habe ich es auch in mancher Diskussion erlebt, geht es ums Geld.“ Betroffene befürchten, dass über den Katalog eine obere Grenze für Leistungen eingezogen werden soll, die laut der neuen Richtlinie eigentlich nicht vorgesehen ist.
Besonders schwer zu verstehen sei, dass der Anhaltskatalog nicht nur mit Betroffenen, sondern gemeinsam mit EKD und Diakonie erarbeitet worden seien, schreiben die Betroffenen. Wenn das Ergebnis am Ende trotzdem nicht beschlossen werde, stelle sich sehr deutlich die Frage, wie verbindlich solche Prozesse eigentlich sind. „Wenn selbst gemeinsame erarbeitete Ergebnisse keinen Bestand haben, ist das für mich eine rote Linie. Dann verliert Aufarbeitung ihre Verbindlichkeit“, sagte Betroffenenvertreter Detlev Zander.

Mannheim (epd). Eine schwindende emotionale Bindung ist laut einer Studie der Hauptgrund für einen Austritt aus der katholischen Kirche. Kritik am Reformstau, an Hierarchien oder am öffentlichen Image der Kirche ist dagegen weniger entscheidend, wie die Universität Mannheim am 27. März mitteilte. Die Untersuchung zeige, dass die Absicht zum Austritt vor allem dann steigt, wenn die Zufriedenheit mit der Kirche und die gefühlte Nähe zu anderen Mitgliedern abnehmen.
„Diese Ergebnisse waren für uns überraschend“, sagte die Erstautorin der Studie, Lotte Pummerer. „Wir haben angenommen, dass Themen wie Reformstau, Hierarchien oder das öffentliche Image der Kirche für sich genommen wichtige Treiber von Austrittsintentionen sind. Tatsächlich zeigte sich aber, dass vor allem die emotionalen Aspekte der Identifikation ausschlaggebend sind.“
Der Austritt sei demnach meist kein abrupter Entschluss. Vielmehr gehe ihm eine emotionale Entfremdung voraus. „Entscheidend ist offenbar nicht allein, welche Kritik Menschen an der Kirche haben, sondern ob sie sich ihr noch emotional verbunden fühlen“, erläuterte Pummerer.
Auch die Frage, wie wichtig die Kirche für das eigene Selbstbild ist, spielt eine große Rolle. Diese emotionalen Faktoren wiegen schwerer als die Kritik an mangelnden Reformen oder dem Ansehen der Institution. Solche Kritikpunkte werden laut der Studie erst dann zu einem Austrittsgrund, wenn sie die persönliche, emotionale Beziehung zur Kirche beeinträchtigen.
Die Zahl der Katholiken in Deutschland ist laut der Deutschen Bischofskonferenz 2025 um rund 550.000 auf 19,2 Millionen gesunken. Das entspricht 23 Prozent der Bevölkerung. Die Studie basiert auf Befragungen von insgesamt 583 Katholiken in den Jahren 2023 und 2024 sowie einer Langzeitanalyse mit 271 Personen.

München (epd). Finanzgerichte dürfen kirchliche Regelungen über den Wiedereintritt eines Mitglieds in die evangelisch-lutherische Kirche nicht nach ihren eigenen Vorstellungen selbst auslegen. Im Streit um die erneute Kirchenmitgliedschaft und eine damit einhergehende Kirchensteuerpflicht müssen sie die Bestimmungen des innerkirchlichen Rechts so anwenden, wie dies die zuständigen innerkirchlichen Stellen auch tun, entschied der Bundesfinanzhof in einem am 26. März veröffentlichten Urteil. (AZ: X R 28/22)
Der Kläger war im Jahr 1973 unstreitig aus der evangelisch-lutherischen Kirche ausgetreten. Im Jahr 1985 zog er nach Baden-Württemberg. Einer Karteikarte des zuständigen Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirks über ein Verzeichnis von Wiedereintritten zufolge wurde der Kläger erneut Kirchenmitglied. In seiner Einkommensteuererklärung gab er als Konfession „evangelisch“ an. Bis einschließlich 10. Dezember 2013 wurde Kirchensteuer abgeführt.
Der Kläger wandte sich schließlich doch gegen die Abführung der Kirchensteuer und führte an, 1973 aus der Kirche ausgetreten zu sein. Seinen Wiedereintritt habe er gegenüber einem Pfarrer nicht ausdrücklich erklärt. Die angeführte Karteikarte über den Wiedereintritt sei kein gültiges Dokument. Die bisherigen Kirchensteuerzahlungen seien als Spende zu werten.
Das Finanzgericht München bejahte den Wiedereintritt des Klägers in die Kirche und damit auch die Kirchensteuerpflicht.
Der Bundesfinanzhof verwies das Verfahren nun an das Finanzgericht zurück. Dieses habe die innerkirchlichen Regelungen über den Wiedereintritt von Mitgliedern in die Kirche nach eigenen Vorstellungen selbst ausgelegt. Dies verstoße aber gegen den in der Verfassung verankerten Grundsatz, dass Religionsgemeinschaften ihre „eigenen Angelegenheiten“ regeln können. Das Finanzgericht habe es versäumt, die Bestimmungen des innerkirchlichen Rechts so anzuwenden, wie dies die zuständigen innerkirchlichen Stellen auch tun.
Im konkreten Fall müsse das Finanzgericht - notfalls mithilfe eines Sachverständigen - prüfen, unter welchen Voraussetzungen nach den innerkirchlichen Regeln ein Wiedereintritt in die Kirche Bestand hat und welche Landeskirche nach dem Umzug nach Baden-Württemberg für den Wiedereintritt zuständig wäre.

Münster, Hildesheim (epd). „Wenn ich Sie alle heute hier im St.-Paulus-Dom zu Münster anschaue, dann brennt mir das Herz“, sagte der neue Bischof von Münster, Heiner Wilmer, am 26. März bei seiner Vorstellung. Papst Leo XIV. hat den 64-Jährigen zum 77. Bischof von Münster ernannt. Der bisherige Bischof von Hildesheim wird damit an die Spitze des mitgliederstärksten deutschen Bistums befördert. Das Bistum hat rund 1,6 Millionen Mitglieder. Eigentlich als norddeutsch zurückhaltend bekannt, wurde Wilmer am Donnerstag unerwartet emotional.
Er komme mit großem Respekt vor den Menschen im Bistum und vor der Aufgabe, sagte Wilmer demütig. Er sehe sich in der Nachfolge des ersten Bischofs von Münster und Stadtgründer, des mittelalterlichen Missionars Liudger. Dieser sei ein ruhiger Brückenbauer gewesen. Vielleicht sei das der Weg der Kirche heute: „Aufsuchen, zuhören, verstehen und dann gemeinsam vorangehen, aber nicht alles wissen“, sagte Wilmer, der erst vor vier Wochen, Ende Februar, zum Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gewählt worden war.
Wilmer, der auf einem Bauernhof im niedersächsischen Emsland an der Grenze zu Westfalen aufwuchs, wurde 2018 Bischof in Hildesheim und wechselte zuvor oft seinen Wohnort: In Freiburg und Rom studierte er Theologie und Philosophie und wurde 1987 zum Priester geweiht. Nach einem weiteren Studium der Geschichte auf Lehramt absolvierte er sein Referendariat an einem Gymnasium in Meppen und unterrichtete an einer katholischen Mädchenschule in Vechta, das zum Bistum Münster gehört.
Auf der Suche nach einer „richtigen Herausforderung“ bewarb er sich an einer Schule im New Yorker Stadtteil Bronx, einem Stadtteil, der für soziale Probleme bekannt ist. Dort unterrichtete er ab 1997 ein Jahr lang an einer Highschool der Jesuiten.
Anschließend wurde er im niedersächsischen Emsland Schulleiter. Sein Leitspruch: „Allein bin ich vielleicht schnell, aber gemeinsam kommen wir weiter und sind entspannter.“ Schließlich führte seine berufliche Laufbahn den Theologen nach Rom, wo er Generaloberer der Herz-Jesu-Priester wurde, einer Gemeinschaft mit weltweit rund 2.200 Mitgliedern.
Wilmer bringt sich häufig in gesellschaftliche Debatten ein. Zur Diskussion über den Sozialstaat rief er kürzlich zu mehr Sachlichkeit auf. Eine „aufgeheizte und gereizte Diskussion“, wie sie zuletzt etwa beim Thema Rente geführt worden sei, könne Ängste schüren und unerfüllbare Erwartungen wecken.
Die Aufgabe der Kirche sei es, sich zum Anwalt der Kleinen und Schwachen zu machen, lautet Wilmers Überzeugung. Am Donnerstag sagte er: „Die Liebe darf keine Grenzen kennen.“ Kirche müsse besonders einen Blick für die „Menschen mit verwundeten Herzen“ haben.
Wilmer gilt als traditionsverbunden, aber zugleich auch offen gegenüber Reformen. Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche nahm er von Beginn an sehr ernst. 2018, kurz nach seiner Amtseinführung, hatte Wilmer in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ gesagt, der Missbrauch von Macht stecke in der DNA der Kirche, und damit viel Kritik geerntet. Der Bischof jedoch bekräftigte später seine Aussage. Am Donnerstag sagte er, er wolle sich mit all seiner Kraft dafür einsetzen, dass die Kirche ein sicherer Raum sei.
Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie forderte Wilmer 2020 in einem Beitrag für „Die Zeit“ eine „spirituelle Revolution“. Darin schrieb er, wenn er darüber nachdenke, wie man die Kirche wirklich erneuern könne, um sie wieder relevanter für die Menschen zu machen, störe ihn zweierlei: „die eskalierende Empörung über die Schlechtigkeit der Kirche einerseits und die Kaskaden der Verteidigung des Bestehenden andererseits“. Zentral sei die Rückkehr zum Kern allen Tuns, die Verkündigung des Evangeliums. Dies macht Wilmer auch deutlich. „Die katholische Kirche ist attraktiv“, sagte er nach seiner Wahl zum Bischofskonferenz-Vorsitzenden. Die christliche Hoffnung sei mehr als naiver Optimismus.
Es sei ihm ein Herzensanliegen, die Begeisterung und Faszination für Jesus weiterzugeben, erklärte Wilmer bereits vor seinem Amtsantritt als Bischof in Hildesheim. Ende Februar bekräftigte er, im Zentrum aller Arbeit stehe die Verkündigung des Evangeliums. „Und wir machen das mit Frische und mit Schmackes und gehen dabei manchmal übern Deich mit ner steifen Brise im Haar“, sagte er mit norddeutschem Zungenschlag.

Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) warnt vor dramatischen Folgen des Iran-Krieges für die Ärmsten und ruft gemeinsam mit „Brot für die Welt“ und der Diakonie Katastrophenhilfe zu verstärkter humanitärer Hilfe auf. „Nur Verhandlungen können den regionalen Flächenbrand, der zunehmend zur globalen Krise wird, beenden“, heißt es in einer am 24. März veröffentlichten gemeinsamen Erklärung. Ziel aller politischen Bemühungen müsse ein gerechter und nachhaltiger Frieden sein, der Sicherheit, Würde und Lebensperspektiven für alle Menschen in der Region gewährleistet.
„Als Kirche rufen wir zur Deeskalation und zum Schutz der Zivilbevölkerung auf. Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft und die politisch Verantwortlichen: Schützt die Menschen und kehrt zurück zu Gespräch und Verhandlung“, erklärte die EKD-Ratsvorsitzende und Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs: „Wohin sollen Krieg und Zerstörung denn noch führen?“
Diese Lage fordere auch die Kirchen weltweit heraus, ergänzte Fehrs: „Als Teil der einen Kirche Jesu Christi stehen wir in geistlicher Gemeinschaft mit unseren Geschwistern in der Region - insbesondere mit unserer Partnerkirche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, aber auch mit den Kirchen in Syrien, im Libanon und im Iran.“ Man stehe zudem in Solidarität mit jüdischen Menschen weltweit. „Wir betonen das Existenzrecht und die Sicherheit Israels.“
Dagmar Pruin, Präsidentin von „Brot für die Welt“ und Diakonie Katastrophenhilfe, machte auf die wachsenden globalen Folgen des Krieges aufmerksam: „Dieser Krieg droht zu einer weltweiten Krise zu werden, unter der die Ärmsten am meisten leiden. Es entwickelt sich eine erneute weltweite Ernährungskrise. Steigende Rohstoffpreise bedeuten auch steigende Lebensmittelpreise und mangelnde Versorgung notleidender Menschen.“

Frankfurt a.M. (epd). In großen Kirchen flackern warm-golden unzählige Teelichter auf Kerzenstationen. Sie stehen für Gebete, Bitten, Erinnerungen an Verstorbene oder einfach Augenblicke der Stille. Dort werde religiöse Erfahrung mit Händen greifbar, sagte der Psychologe Hans-Gerhard Behringer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es entstehe ein „größerer Raum“, den Menschen wahrnähmen, „ein Moment der Ruhe, des inneren Friedens“. Viele spürten danach in ihrem Inneren mehr Lebenskraft, hat er beobachtet.
Kerzenlicht sei schon immer ein Symbol der Hoffnung gewesen, sagt Behringer. Die Kerze im Ostergottesdienst steht für die Auferstehung Jesu und die Überwindung des Todes. Behringer, der im schweizerischen Davos lebt, sieht das Entzünden eines Lichts an einer Kerzenstation auch als „ein seltenes Stück analoges Tun“, ein Gegenstück zur allgegenwärtigen Digitalisierung. „Das ist anders als ein Klick im Internet“, sagt der Autor: „Es macht etwas mit einem.“
In großen Metropol-Kirchen wie in Köln, München und Hamburg ist das Anzünden von Opferkerzen ein gern genutztes Ritual. Allein im Kölner Dom habe der Kerzenverbrauch „nach dem Corona-Einbruch wieder ein gleichbleibendes Niveau von rund zwei Millionen pro Jahr erreicht“, erklärt Markus Frädrich vom Metropolitankapitel.
Im Hamburger Michel werden jährlich ungefähr 150.000 Kerzen zum Leuchten gebracht. „Insbesondere in der Sommersaison, aber auch zu Advent und Weihnachten werden viele hundert Kerzen pro Tag entzündet oder für das Gebet zu Hause mitgenommen“, erklärt Ines Lessing von der evangelischen Hauptkirche St. Michaelis: „Im Kirchraum entzünden viele Touristen oder Menschen, die selten in eine Kirche kommen, eine oder mehrere Kerzen. Wir vermuten auch und gerade, wenn die Worte für ein gesprochenes Gebet fehlen - in Zeiten der Trauer und Angst, aber auch der Freude.“
Der Münchner Dom „Zu Unserer Lieben Frau“ zählt pro Jahr rund 2,5 Millionen Besucher, erklärt Christian Horwedel von der Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats München. Menschen, die den Dom besuchen, „zünden weiterhin gern Opferkerzen an. Daran hat sich in den vergangenen Jahren wenig verändert.“
Im Hamburger Michel wurde die Tradition der Opferkerzen als Votivkerzen Anfang der 1990er Jahre vom damaligen Hauptpastor Helge Adolphsen begründet, wie Lessing erklärt. Mittlerweile gebe es drei Kerzenorte in der Kirche und einen Ort in der Krypta: „Wir nutzen echte Kerzen in Form von Teelichtern, die speziell für den Michel produziert werden.“
Das Licht-Ritual in einer Kirche könne einigen Menschen - insbesondere Männern - zunächst eine gewisse Überwindung abverlangen, räumt Psychologe Behringer ein. Doch gerade das mache die Geste zu einer tiefen seelischen Erfahrung. Das Anzünden eines Lichts werde zur intimen Handlung ohne große Worte. „Man könnte es nennen: intim werden mit Gott.“ Ob jemand dabei „Gott“ sage, eine größere Kraft erahne oder gar keinen religiösen Hintergrund habe, bleibe bewusst offen, so der Theologe und Therapeut. „Licht schöpfen“ sei etwas Elementares - das Bedürfnis nach Wärme, Trost und Lebenskraft.
Für viele sei das Anzünden einer Kerze Ausdruck einer „neuen Spiritualität ohne Organisiertheit, ohne Glaubenssätze und Dogmen“, sagt Behringer. Dabei spiele das konfessionelle Etikett - wie evangelisch oder katholisch - kaum mehr eine Rolle.
Doch auch an den Kerzen ist die Digitalisierung nicht vorbeigegangen. Der Kölner Dom etwa bietet einen Online-Service an, berichtet Frädrich: „User können ihre Anliegen und ihr Gebet per Nachricht einsenden - das Dom-Team nimmt diese Bitten täglich mit in den Dom und zündet dort stellvertretend eine Kerze an.“ Diese Anliegen und Gebete seien sehr persönlich und sehr verschieden. „Oftmals sind es Bitten in persönlichen Krisen: Vor Prüfungen, bei Krankheiten oder in anderen besonderen Lebenssituationen erbitten viele Menschen Gottes Hilfe.“
Berlin (epd). Die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen hat zum 100. Mal eine biblische Jahreslosung ausgewählt. Die Losung für das Jahr 2029 laute „Du bist von Gott geliebt“ (Daniel 9,23), teilte die Arbeitsgemeinschaft am 26. März in Berlin mit. Ebenso seien die Monatslosungen für 2029 gekürt worden.
Die jeweilige Jahreslosung werde stets drei Jahre im Voraus gewählt. So solle vermieden werden, dass sie sich zu sehr einem „Zeitgeist dienstbar mache“. „Die Losung gilt für ein ganzes Jahr, sie sollte plakativ genug sein, das zu tragen“, erklärte Gyburg Beschnidt von der Vereinigung Evangelischer Freikirchen.
Erfunden wurde die Jahreslosung vor 100 Jahren in Stuttgart durch den Cannstatter Pfarrer Otto Riethmüller (1889-1939). Die Tradition der Losung ist aus der kirchlichen Jugendarbeit heraus entstanden. 1930 erschien die erste Jahreslosung und lautete „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht“ (Römer 1,16). Die aktuelle Jahreslosung für 2026 heißt „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5).
Die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen ist ein Zusammenschluss verschiedener evangelischer und katholischer Institutionen, die jährlich einen ökumenischen Bibelleseplan für den gesamten deutschsprachigen Raum erstellen. Neben Deutschland hat die Arbeitsgemeinschaft auch Mitglieder in Österreich, der Schweiz, dem Elsass und Polen. Ihre Wurzeln reichen bis in die 1930er Jahre.

Frankfurt a.M./Canterbury (epd). Sarah Mullally ist am 25. März offiziell als Erzbischöfin von Canterbury eingeführt worden. Sie ist damit die erste Frau in diesem Amt. An dem Festgottesdienst in der Kathedrale von Canterbury mit rund 2.000 Gästen nahmen Prinz William und seine Frau, Prinzessin Kate, für die königliche Familie teil. Der britische Premierminister Keir Starmer repräsentierte die Regierung. Vertreten waren zudem Geistliche aus der weltweiten Ökumene. Mullally ist jetzt die ranghöchste Bischöfin der Kirche von England und gilt als Erste unter Gleichen in der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft, zu der rund 90 Millionen Christen gezählt werden.
Mullally war seit 2018 Bischöfin von London. Die Diözese London verbindet eine langjährige Partnerschaft mit der evangelischen Landeskirche in Berlin. Bischof Christian Stäblein, der laut Mitteilung am Gottesdienst teilnahm, erklärte: „In einer krisengeprägten, herausfordernden Zeit hat die anglikanische Kirche eine kluge und besonnene Visionärin, behutsame Reformerin und treue Verkündigerin zu diesem besonderen Bischofsamt der anglikanischen Kirche bestellt.“
Mullally trete das Amt in einer schwierigen Zeit für ihre Kirche an, schrieb die britische Zeitung „The Guardian“ (Mittwoch). Sie übernehme eine Institution, die mit Versäumnissen beim Kinderschutz, internen Spaltungen und Fragen nach ihrem Platz im modernen britischen öffentlichen Leben zu kämpfen habe. Aus konservativen anglikanischen Kreisen - vor allem aus Afrika - gibt es theologische und kirchenpolitische Kritik an Mullally, weniger an ihrer Person.
Die 64 Jahre alte Geistliche wurde bereits im Januar zur Erzbischöfin ernannt. Vor ihrer Ordination im Jahr 2001 war sie oberste Pflegeverantwortliche im Gesundheitsministerium. Sie folgt Justin Welby. Dieser war im Zusammenhang mit einem Missbrauchsskandal und Versäumnissen bei der Aufklärung zurückgetreten. Mullally erklärte, sie wolle für eine Kirche eintreten, die stets ein offenes Ohr für Menschen am Rand der Gesellschaft hat. Ausdrücklich erwähnte sie Betroffene von Missbrauch in der Kirche.

Berlin (epd). Mit zusätzlichen Windrädern, dem schnelleren Umbau der Fernwärmeversorgung und weiteren Maßnahmen will die Regierung die Einhaltung der deutschen Klimaziele sicherstellen. Die Verabschiedung des Klimaschutzprogramms im Bundeskabinett gebe dem Thema „neuen Schub“, sagte Umweltminister Carsten Schneider (SPD) am 25. März in Berlin. Das zuständige Fachgremium äußerte allerdings deutliche Kritik.
Das Klimaschutzprogramm ist fast 300 Seiten lang und umfasst 67 Einzelpunkte. Diese müssen größtenteils noch im Parlament verabschiedet und umgesetzt werden. Vorgesehen ist unter anderem ein deutlicher Ausbau der Windkraft an Land. Im Gebäudebereich soll mehr Geld vom Bund fließen, um Fernwärmenetze auf erneuerbare Energien umzurüsten.
Die Industrie soll ebenfalls stärker unterstützt werden bei Elektrifizierung und Dekarbonisierung. Aufgezählt werden aber auch bereits zuvor angekündigte oder schon beschlossene Maßnahmen wie die Weiterfinanzierung des Deutschlandtickets bis 2030 und ein neues Förderprogramm für E-Autos mit sozialer Staffelung.
Der Bund nimmt für die verschiedenen Vorhaben acht Milliarden Euro zusätzlich in die Hand. Damit soll der Ausstoß an Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen bis ins Jahr 2030 um 27 Millionen Tonnen geringer ausfallen als mit den bisherigen Klimaschutzmaßnahmen.
Schneider sieht Deutschland damit in einer Vorbildfunktion. „Wenn wir vorangehen, wenn wir unsere Verantwortung wahrnehmen, wird es auch der Rest der Welt tun“, zeigte er sich überzeugt. Außerdem gehe es ihm um einen Beitrag gegen die gesellschaftliche Polarisierung in Deutschland. Er sei zuversichtlich, dass die Regierung mit dem Programm „wieder mehr Menschen zum Mitmachen motivieren“ könne. Mit Blick auf die Wirtschaft sagte Schneider, diese werde, anders als oft behauptet, gerade nicht durch den Klimaschutz belastet. Vielmehr sei die Abhängigkeit von Öl und Gas „eines der Hauptprobleme“.
Kritik kam vom Expertenrat für Klimafragen. Das Gremium gehe vorläufig davon aus, „dass die bisherigen Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen werden, um die Erreichung der Klimaschutzziele sicherzustellen“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Einsparung von Treibhausgasen sei in dem Programm voraussichtlich deutlich zu hoch angesetzt. Auch erkenne der Expertenrat „keine systematische Neuerung und stellt insgesamt ein geringes Ambitions- und Innovationsniveau fest“.
Die Fachleute beklagten zudem, dass die Regierung „noch am 18. März umfassende und teilweise nicht vollständig nachzuvollziehende Änderungen vorgelegt“ habe. Dadurch sei „eine geordnete und vertiefte Prüfung des Programms nicht möglich“ gewesen. Hintergrund ist, dass das Umweltbundesamt am 14. März neue Zahlen zu den Treibhausgasemissionen vorgelegt hatte. Auch Schneider nahm Bezug auf die kurze Zeitspanne zwischen dieser Veröffentlichung und der Frist für das Klimaschutzprogramm, die am Tag des Kabinettsbeschlusses ablief. Er zeigte sich in diesem Zusammenhang offen für Nachbesserungen: „Im Zweifel müssen wir auch nochmal eingreifen.“
Deutschland hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu mindern. Bis 2045 soll der Netto-Ausstoß auf null sinken.

Berlin (epd). Die bislang in Deutschland streng geschützten Wölfe dürfen unter bestimmten Bedingungen künftig von Jägern getötet werden. Der Bundesrat stimmte am 27. März in Berlin einem Gesetz zu, mit dem der Wolf ins Jagdgesetz aufgenommen wird. Die Jagd auf ihn wird damit in Regionen mit großer Population grundsätzlich möglich. Voraussetzung sind Pläne für ein Bestandsmanagement der zuständigen regionalen Behörden.
Die Regelung verfolgt das Ziel, Weidetiere besser vor Wolfsrissen zu schützen. Die Pläne der zuständigen Behörden müssen dem Gesetz zufolge künftig sicherstellen, dass auch bei erlaubter Jagd ein „günstiger Erhaltungszustand“ des Wolfs bestehen bleibt. Wölfe waren lange Zeit in Deutschland ausgestorben. Im Jahr 2000 wurde der erste wild lebende Wolf wieder in Deutschland geboren.
Die Population ist seitdem stark gewachsen. Die meisten Wölfe leben in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Mit der Zunahme von Rissen von Weidetieren wurden Forderungen nach einer Lockerung des strengen Schutzstatus des Tiers laut. Umwelt- und Naturschutzorganisationen kritisieren die Jagd-Freigabe.

Stuttgart (epd). In der Nacht zum 30. März sind die Uhren von 2 auf 3 Uhr vorgestellt worden. Die Winterzeit endet, die Sommerzeit beginnt. Seit Jahren wird über eine Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung gestritten, doch noch immer heißt es zweimal im Jahr: Taktwechsel für alle. Andrei Mereuta, Leiter des Schlaflabors im Klinikum Stuttgart, erläutert, was die Zeitumstellung mit unserem Körper macht, warum sie manchen Menschen besonders schwerfällt und was hilft, um die Umstellung besser zu verkraften.
epd: Herr Mereuta, viele Menschen klagen nach der Zeitumstellung über Müdigkeit und Gereiztheit. Was passiert dabei eigentlich in unserem Körper?
Andrei Mereuta: Die Zeitumstellung verschiebt unseren inneren biologischen Rhythmus. Dieser ist eng an den Hell-Dunkel-Wechsel gekoppelt. Durch die plötzliche Verschiebung kommt es zu einer Art „Mini-Jetlag“, wodurch Schlafqualität, Hormonregulation und damit auch Stimmung und Leistungsfähigkeit vorübergehend beeinträchtigt sind.
epd: Wie lange braucht der menschliche Organismus, um sich an die neue Zeit anzupassen, und warum fällt das manchen schwerer als anderen?
Mereuta: In der Regel dauert die Anpassung einige Tage bis etwa eine Woche. Menschen mit einem ohnehin empfindlichen Schlaf, Kinder, ältere Personen oder sogenannte Eulen, also der späte Chronotyp, haben häufig größere Schwierigkeiten, insbesondere bei der Umstellung auf die Sommerzeit.
epd: Welche Strategien empfehlen Sie, um die Umstellung besser zu verkraften? Gibt es Tricks, die wirklich helfen?
Mereuta: Hilfreich ist eine schrittweise Anpassung der Schlafzeiten bereits einige Tage vorher. Zudem sind Tageslicht am Morgen, regelmäßige Schlafenszeiten, Vermeidung von spätem Koffein sowie abendliche Reduktion von Bildschirmlicht sinnvoll. Körperliche Aktivität am Tag unterstützt ebenfalls die Anpassung.
epd: Manche fordern seit Jahren ein Ende der halbjährlichen Zeitumstellung. Wäre das aus schlafwissenschaftlicher Sicht tatsächlich gesünder?
Mereuta: Ja, aus schlafmedizinischer Sicht ist die Abschaffung der Zeitumstellung klar zu befürworten. Die halbjährliche Umstellung stellt eine wiederkehrende Störung des biologischen Rhythmus dar und ist mit messbaren negativen Effekten auf Schlaf, Leistungsfähigkeit und Gesundheit verbunden. Eine dauerhafte Beibehaltung der Normalzeit, also der Winterzeit, wäre dabei die physiologisch sinnvollste Lösung, da sie am besten mit dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus übereinstimmt.

Hamburg/Dessau-Roßlau (epd). Sein Fell war verkokelt, seine Hinterpfoten verletzt, Haut verbrannt. „Der kleine Fuchs war vielleicht fünf Wochen alt“, erinnert sich Katharina Erdmann, Leiterin des Wildtier- und Artenschutzzentrums in Klein Offenseth-Sparrieshoop bei Pinneberg. Er war Opfer eines Osterfeuers. In dem Wildtierzentrum wurde der Welpe versorgt, mit Milchflaschen aufgezogen, er wuchs mit anderen Füchsen auf und konnte ausgewildert werden. „Er hatte Glück im Unglück“, sagt Erdmann. Wie viele Tiere dieses Glück nicht haben, sei schwer zu sagen: „Die meisten Opfer bleiben unsichtbar, sterben still in den Flammen.“
Was Menschen als idyllisches Osterfeuer genießen, ist für Wildtiere eine große Gefahr, betont auch der Naturschutzbund (Nabu) Hamburg. Hasen, Kaninchen, Igel, Mäuse und vor allem Vögel nutzen die Reisighaufen als Unterschlupf oder Brutmöglichkeit. „Damit die Tiere eine Chance haben, den Flammen zu entkommen, sollte der Holzhaufen kurz vor dem Abbrennen umgeschichtet werden“, erklärt der Hamburger Nabu-Vorsitzende Malte Siegert. Er empfiehlt, Holz- und Reisighaufen erst sehr spät anzulegen und besonders im untersten Bereich sehr lockeres Material zu nutzen, um das Versteck unattraktiv zu machen.
Beim Thema Osterfeuer setzt der Nabu auf Aufklärung statt Verbote: „Das ist viel wirksamer als neue oder strengere gesetzliche Vorgaben, deren Umsetzung schwer zu kontrollieren ist“, sagt Siegert. Wenn Menschen klar sei, dass das Osterfeuer für viele Tiere eine tödliche Falle sein kann, würden viele auch entsprechend handeln und das Brennmaterial umschichten. Siegert: „Tierschutz spielt bei dem Thema mittlerweile eine größere Rolle.“
Das Brauchtum der Osterfeuer hat eine lange Geschichte und ist vor allem im Norden Deutschlands weit verbreitet. Seine Ursprünge liegen in heidnischen Bräuchen, die Winterdämonen vertreiben und die Fruchtbarkeit der Erde fördern sollten. Später haben Christen und Christinnen diesen Brauch zu Ostern fortgeführt. Das Feuer soll das Licht Jesu Christi symbolisieren, das die Dunkelheit erhellt. Vor allem in ländlichen Gegenden, aber auch in Hamburg entlang der Elbe, werden riesige Holzstapel entzündet, die weithin sichtbar sind.
Schätzungen des Bundesumweltamtes gehen davon aus, dass jedes Jahr mehr als 50.000 Brauchtumsfeuer in Deutschland entzündet werden. Mit Folgen: Beim Abbrennen entstehen gesundheitsschädliche Emissionen, unter anderem Feinstaub, Kohlenmonoxid und organische Verbindungen wie etwa Krebs erzeugende Kohlenwasserstoffe. Besonders in städtischen Gebieten mit vielen Feuern könne die Luftqualität „in den kritischen Bereich geraten“, sagt Umweltamt-Expertin Susan Kessinger. Die Höhe der Belastung hänge stark von Anzahl und Größe der Feuer, dem verwendeten Material und Wetterbedingungen ab. Bei windigem und regnerischem Wetter sei die Belastung geringer.
Allerdings: „Osterfeuer tragen nur lokal und kurzfristig zur Schadstoffbelastung bei“, erklärt das Bundesamt. Im Vergleich dazu gebe es größere, dauerhafte Schadstoffquellen wie Verkehr oder Industrie, die eingedämmt werden sollten. Im Jahr 2023 wurden nach Berechnungen der Behörde in Deutschland 77.500 Tonnen Feinstaub freigesetzt: Durch Abrieb und aus Auspuffen im Straßenverkehr seien 16.300 Tonnen entstanden, 12.500 durch Holzfeuerung im Winter, durch Silvesterfeuerwerk 1.150 Tonnen. Osterfeuer setzten etwa 1.200 Tonnen Feinstaub frei, die Datenlage sei jedoch ungenauer.
In manchen Regionen sei das Zünden von Osterfeuern bereits durch strenge Auflagen und nur mit Genehmigung geregelt, heißt es vom Bundesamt. Diese würden in der Regel von Ordnungsämtern erteilt, nicht genehmigte Feuer könnten bis zu 5.000 Euro Strafe kosten. Andere Gegenden würden das Thema informell regeln. Über ein grundsätzliches Osterfeuer-Verbot werde auf Bundesebene nicht diskutiert. Kessinger: „Traditionen und Bräuche sind Teil unseres Lebens und sollten dies auch bleiben.“
Tierschützerin Erdmann findet Osterfeuer hingegen nicht mehr zeitgemäß, ein Verbot sei dennoch „leider unrealistisch“, wie sie sagt: „Die Gesellschaft muss aber bewusster damit umgehen.“ Sie appelliert, Feuer klein zu halten und beim Umschichten des Reisighaufens genau hinzusehen. „Es ist wahrscheinlich, dass darin Vögel brüten und andere Kleintiere wie Igel leben.“ Erdmann wünscht sich, dass es künftig weniger Osterfeuer gibt. Und wenn, dann sollten Äste und Zweige erst am Tag des Verbrennens aufgehäuft werden. „Damit sich erst gar keine Tiere darin verstecken.“
Frankfurt a.M. (epd). Reiseanbieter wie „tripaneer“ werben mit einer tieferen „Verbindung mit sich selbst und der spirituellen Welt“, Retreat-Zentren in Deutschland laden zur Selbsterkundung ein: Ayahuasca sorgt in Europa und den USA für Faszination.
Auch Anna, die ihren richtigen Namen nicht öffentlich nennen will, hat den bräunlichen Sud schon zu sich genommen. „Ich kenne niemanden, der Ayahuasca nimmt, weil er einen krassen Trip haben möchte“, sagt die Ende 30-jährige Ärztin. Es gehe für die meisten eher darum, sich „mit sich selbst zu beschäftigen und mit den eigenen Prozessen ein Stückchen weiterzukommen.“
Vor ihrer ersten Ayahuasca-Zeremonie 2021 habe sie unter Angst- und Anpassungsstörungen gelitten und überlegt, Antidepressiva zu nehmen. Seitdem hat Anna an drei weiteren Zeremonien teilgenommen - und Ayahuasca als Weg entdeckt, um sich selbst besser kennenzulernen und mental gesünder zu werden. „Heilung besteht nicht darin, den Schmerz abzuschaffen“, sagt sie. Man müsse „durch ihn hindurchgehen“. Dabei gebe es „immer Momente, die grausam sind“. Einmal habe sie sich wie versteinert gefühlt, nicht mehr atmen können und „fast das Gefühl gehabt, jetzt sterben zu müssen“.
Die Ursprünge von Ayahuasca liegen in südamerikanischen Ländern wie Peru, Brasilien oder Ecuador. Dort wird der Sud seit Jahrhunderten von Indigenen als Teil religiöser Rituale und zu spirituellen Zwecken verwendet. Seit den 1990er Jahren hat sich laut dem Psychologen und Psychotherapeuten Tom John Wolff ein „psychedelischer Ethnotourismus“ in Südamerika entwickelt. Vor allem Menschen aus Nordamerika und Europa ziehe es in das Amazonasbecken, um den stark halluzinogenen Trank einzunehmen - in sogenannten Heilungszentren oder auf eigene Faust, schreibt Wolff.
Gewonnen wird Ayahuasca aus den Zweigen einer Liane (Banisteriopsis Caapi) und Blättern der Chacruna-Pflanze (Psychotria viridis). Diese enthalten den halluzinogenen Wirkstoff DMT und sind für die psychedelischen Effekte verantwortlich, wie der Toxikologe und Suchtforscher Fabian Steinmetz erklärt. „Die Wirkung lässt sich durchaus mit LSD oder halluzinogenen Pilzen vergleichen“, sagt er. Neben Visionen, dem Verlust des Egos oder des Zeitgefühls rufe Ayahuasca auch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall hervor.
Die AOK warnt außerdem davor, dass Ayahuasca starke Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System habe, was bis zur Ohnmacht führen könne. Auch könnten Krampf- und Erstickungsanfälle auftreten, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich seien.
In Deutschland ist der Besitz und Handel mit DMT verboten. Wie viele Menschen Ayahuasca konsumieren, sei schwierig zu ermitteln, sagt Steinmetz. Der Konsum bleibe „weitestgehend im Dunkelfeld“. Es sei jedoch anzunehmen, dass Retreat-Besuche und auch sogenanntes „Home-Brewing“ über die vergangenen Jahrzehnte zugenommen habe.
Auch Steinmetz zufolge ist die Einnahme von Ayahuasca nicht ungefährlich. Das „Risiko für psychotische oder depressive Episoden“ sei nicht zu unterschätzen. Umgekehrt gebe es aber „auch viele Hinweise, dass Ayahuasca bei genau solchen psychiatrischen Pathologien helfen kann“.
Laut einer Studie von Neurowissenschaftlern an der staatlichen Universität im brasilianischen Natal kann Ayahuasca „signifikante antidepressive Wirkungen“ bei Menschen haben, die unter Depressionen leiden. Für die 2018 erschienene, nicht repräsentative Studie wurden die Teilnehmenden für sieben Tage nach der Einnahme untersucht. Bereits an den ersten beiden Tagen hätten sie weniger Symptome einer Depression als die Placebo-Kontrollgruppe. Am siebten Tag nach der Einnahme war der Unterschied am größten.
Doch der Versuch, Ayahuasca auch für medizinische Zwecke einzusetzen, stößt in der indigenen Community auf Kritik, wie die anthropologische Studie „Healing Encounters“ des European Research Council ergab. Die Renaissance psychedelischer Substanzen in der Biomedizin berge die Gefahr der Entfremdung von deren traditionellen Ursprüngen, mahnt die Anthropologin Emilia Sanabria.

Frankfurt a.M. (epd). Die Bundesländer sehen sich auf den Start der verpflichtenden Ganztagsbetreuung von Grundschülern ab dem neuen Schuljahr gut vorbereitet. Laut einer Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei den zuständigen Ministerien zu den vorhandenen Plätzen im Ganztag sind fast durchweg die Betreuungsquoten im Osten des Landes höher als im Westen. Spitzenreiter sind Thüringen mit 91 Prozent und Brandenburg mit über 90 Prozent betreuter Kinder im Grundschulalter, gefolgt von Sachsen mit 86,9 und Mecklenburg-Vorpommern mit 77,5 Prozent.
Auch Hamburg meldet 91 Prozent. Bayern indes erst 59,5 Prozent, Niedersachsen 50,4 Prozent und Schleswig-Holstein 50 bis 60 Prozent. Baden-Württemberg gibt unter Vorbehalt 40,5 Prozent im schulischen Ganztagsbetrieb betreute Kinder an.
Ab dem Schuljahr 2026/2027 haben alle Erstklässler Anspruch auf einen Platz in der Ganztagsbetreuung. Bis 2029 folgen sukzessive alle Grundschüler. Die Länder und Kommunen setzen auf unterschiedliche Modelle der Trägerschaft. Fast durchweg gibt es sowohl Hort-Angebote von oder in Kooperation mit Kindertagesstätten sowie Betreuungsgruppen in den Schulen.
Thüringen setze primär auf sogenannte Schulhorte, die organisatorisch Teil der Grundschulen seien, heißt es aus dem Bildungsministerium. Unterricht und Betreuung bildeten eine pädagogische Einheit. Hessen bietet aktuell Plätze für 69 Prozent aller Grundschüler, von denen nur 8 Prozent einen Hort besuchen. Anders in Sachsen, wo 40,3 Prozent der Kinder in Einrichtungen freier Träger betreut werden.
Im Saarland dominieren ebenfalls schulische Angebote, es gibt nur drei Prozent Hortplätze. 62 Prozent der Kinder sind hier im Ganztag. In Bremen gibt es zwei Modelle, offene oder gebundene öffentliche Ganztagsgrundschulen. Dazu kämen Plätze in Horten. „Etwa 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler nehmen ein ganztägiges Angebot in Anspruch“, hieß es.
Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte, im Land „besteht kein struktureller Nachholbedarf beim Ganztagsanspruch. Uns bietet das Ganztagsförderungsgesetz die Chance, die Qualität der bereits etablierten Strukturen weiter zu verbessern.“
In Rheinland-Pfalz nehmen aktuell rund 55 Prozent aller Grundschüler ein Ganztagsangebot wahr. „Die Inanspruchnahme-Quote ist in den vergangenen Jahren um rund zwei Prozent jährlich gestiegen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sie auch künftig in vergleichbarem Maß steigen wird“, erklärte das Bildungsministerium. In Nordrhein-Westfalen besuchten im Schuljahr 2024/25 rund 56 Prozent der Erstklässlerinnen und Erstklässler die Offene Ganztagsschule (OGS).
Die Prognosen für die künftige Nutzung der Angebote ähneln sich. Alle Länder rechnen mit steigender Nachfrage, können aber keine gesicherten Angaben machen, weil unklar ist, wie viele Eltern später tatsächlich Bedarf anmelden.
Sachsen-Anhalt erwartet, dass künftig rund 80 Prozent der Kinder im Grundschulalter betreut werden. „Die erforderlichen Plätze sind bereits vorhanden“, teilte das Ministerium mit. Das Saarland geht davon aus, dass das angestrebte Ziel von 78 Prozent zu betreuender Kinder bis 2029/30 erreichbar ist. In Bremen heißt es eher vage: „In den kommenden Jahren werden weitere Grundschulen den Ganztagsbetrieb aufnehmen, so dass das Betreuungsangebot und die Betreuungsquote sukzessive erhöht wird.“
Baden-Württemberg teilte mit, der Rechtsanspruch werde umgesetzt: „Welches Angebot vor Ort eingerichtet wird, entscheidet der Träger nach jeweiligem Bedarf der Eltern.“
Für den Ausbau ab dem Schuljahr 2029/30 rechnet die nordrhein-westfälische Landesregierung damit, dass rund 80 Prozent der Grundschulkinder einen Ganztagsplatz benötigen: „Der höchste Bedarf besteht in der ersten Klasse, der geringste in der vierten. Auch regionale Unterschiede sind deutlich: In Großstädten ist der Bedarf höher als in ländlichen Regionen.“

Berlin (epd). Für kaputte Elektrogeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Smartphones soll es künftig ein Recht auf Reparatur geben. Das Bundeskabinett gab am 25. März grünes Licht für entsprechende Gesetzespläne von Justizministerin Stefanie Hubig (SPD). Sie will Hersteller dazu verpflichten, innerhalb der üblichen Lebensdauer eines Geräts Reparaturen zu einem angemessenen Preis zu übernehmen oder zumindest die Ersatzteile vorzuhalten. Der Bundestag muss die Regelung noch beraten.
Damit soll eine EU-Richtlinie umgesetzt werden, die Anreize dafür schaffen soll, Geräte zu reparieren statt sie wegzuschmeißen. Hubig sagte in Berlin, Reparieren schone die Umwelt und auch den Geldbeutel. Das Gesetz soll im Sommer in Kraft treten, das Recht auf Reparatur aber auch für schon vorher gekaufte Geräte gelten.
Das Recht auf Reparatur soll den Angaben zufolge bei Waschmaschinen für mindestens zehn Jahre, für Smartphones sieben Jahre nach dem Einstellen der Produktion der Geräte geltend gemacht werden können. Das soll Reparaturen auch dann sicherstellen, wenn die Geräte nicht mehr neu zu kaufen sind. Zudem sollen Käuferinnen und Käufer künftig Gewährleistungsansprüche geltend machen können, wenn sich ein Gerät gar nicht reparieren lässt.
Um den Anreiz fürs Reparieren auf der Verbraucherseite zu erhöhen, soll die Garantie künftig von zwei auf drei Jahre erhöht werden, wenn bei kaputten Geräten innerhalb der Gewährleistungsfrist der Mangel repariert statt durch ein Neugerät ausgeräumt wird. Das Recht auf Reparatur soll laut EU-Richtlinie auch für weitere übliche Haushaltsgeräte wie Geschirrspüler und Staubsauger, aber auch etwa für Schweißgeräte, Server und Datenspeicher gelten.

Berlin (epd). Um die Zahl der Organtransplantationen zu erhöhen, werden die Regeln für die Nierenspende durch lebende Menschen gelockert. Der Bundestag verabschiedete am 26. März einen entsprechenden Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums. Der Evangelische Pressedienst (epd) gibt einen Überblick:
Wer jemand anderem zu Lebzeiten ein Organ oder Teile davon spenden will, muss die betreffende Person gut kennen: Voraussetzung ist eine enge Verbindung, etwa Verwandtschaft ersten oder zweiten Grades, Verlobung, Lebenspartnerschaft oder ein anderweitig enges Verhältnis, dass „offenkundig“ sein muss. Diese Regelung soll sicherstellen, dass die Spende aus persönlicher Verbundenheit erfolgt und nicht beispielsweise aus finanziellen Beweggründen.
Die Spender und Spenderinnen müssen außerdem volljährig und einwilligungsfähig sein und sie dürfen durch die Transplantation nicht über das reine Operations- und Entnahmerisiko hinaus gesundheitlich gefährdet werden. Die Entnahme von Organen eines lebenden Menschen ist überdies nur zulässig, wenn zu diesem Zeitpunkt kein geeignetes Organ eines verstorbenen Menschen zur Verfügung steht.
Vorgesehen sind zwei neue Optionen für die Lebendnierenspende: Eine ist die sogenannte Überkreuzspende. Sie bezieht sich auf den Fall, dass jemand einer nahestehenden Person eine Niere spenden möchte, dies aber aus medizinischen Gründen nicht möglich ist. Die Rede ist dann von einem „inkompatiblen Organspendepaar“. Solche Paare sollen künftig „überkreuz“ spenden können: Die spendewilligen Partner können dann ihr Organ dem spendebedürftigen Partner des anderen Paares zur Verfügung stellen. Eine Bekanntschaft zwischen den Paaren ist keine Voraussetzung. Möglich ist auch eine Art Ringtausch unter Beteiligung von mehr als zwei Paaren.
Außerdem soll die „nicht gerichtete anonyme Nierenspende“ erlaubt werden. Das heißt, jemand kann auch ganz ohne Verbindung zu einer Person mit Organspendebedarf eine Niere zur Verfügung stellen, ohne zu wissen, wer sie bekommt. Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass eine solche Spende selten vorkommen wird.
Die schon heute gültigen Vorgaben zur Volljährigkeit bleiben bestehen, die zu den gesundheitlichen Risiken werden konkretisiert. Der Vorrang von Organspenden von Verstorbenen wird hingegen abgeschafft. Die Regeln für die neuen Spendemöglichkeiten sollen in rund drei Jahren in Kraft treten, um vorher die nötigen organisatorischen Grundlagen zu schaffen.
Für die neuen Spendemöglichkeiten soll eine zentrale Stelle neu eingerichtet oder beauftragt werden. Entscheiden müssen darüber gemeinsam der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, die Bundesärztekammer und die Deutsche Krankenhausgesellschaft. Eine Möglichkeit wäre, den Auftrag an Eurotransplant zu geben: Die Stiftung mit Sitz in den Niederlanden organisiert bereits die Organvergabe von verstorbenen Spendern in Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern.
Den psychischen und sozialen Folgen einer Lebendorganspende soll mehr Beachtung geschenkt werden. Für die Spendewilligen wird deshalb eine „umfassende psychosoziale Beratung und Evaluation“ vor dem Eingriff verpflichtend, wie es in den Gesetzeserläuterungen heißt. Auch soll ihnen „während des gesamten Spendeprozesses eine unabhängige Lebendspendebegleitperson zur Seite gestellt werden“, zum Beispiel eine Ärztin oder Pflegefachkraft. Die psychosoziale Beratung und Evaluation wird auch für die Organempfängerinnen und -empfänger vorgeschrieben.
Wenn jemand, der eine Niere gespendet hat, im weiteren Lebensverlauf wegen einer Erkrankung selbst eine Nierentransplantation braucht, soll die frühere Spende bei der Organvermittlung „angemessen berücksichtigt werden“. Die Details sollen in Richtlinien der Bundesärztekammer festgelegt werden.

Wiesbaden (epd). Rund 1,28 Millionen Menschen haben im Dezember 2025 Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bezogen. Wie das Statistische Bundesamt am 26. März in Wiesbaden mitteilte, waren das rund 23.000 Personen mehr als im Dezember 2024 (plus 1,8 Prozent). Von den Leistungsempfängern hatten rund 764.000 Personen die Altersgrenze erreicht oder überschritten und erhielten Grundsicherung im Alter. Von Ende 2024 bis Ende 2025 stieg ihre Zahl um 3,4 Prozent und erreichte damit einen Höchststand.
Demgegenüber sank die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung bei Erwerbsminderung im Dezember 2025 gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,5 Prozent auf rund 520.000 Menschen und damit auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2018.
Leistungsberechtigt sind Erwachsene, die dauerhaft voll erwerbsgemindert sind oder die Altersgrenze nach dem Zwölften Sozialgesetzbuch (SGB XII) erreicht haben und ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen sicherstellen können.
Unter den Leistungsberechtigten waren auch Flüchtlinge aus der Ukraine. Ihre Zahl stieg den Angaben zufolge von rund 99.000 im Dezember 2024 auf insgesamt 109.000 im Dezember 2025 (plus 9,9 Prozent).

Frankfurt a.M. (epd). Der Filmemacher und Autor Alexander Kluge gilt als einer der einflussreichsten Intellektuellen der Republik. Er starb am 25. März mit 94 Jahren in München, wie der Suhrkamp Verlag in Berlin unter Berufung auf die Familie mitteilte.
Kluge kam 1932 in Halberstadt zur Welt, am Nordrand des Harzes im heutigen Sachsen-Anhalt. Dort erlebte er als Heranwachsender die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg. Als seine Heimatstadt im letzten Kriegsjahr 1945 von den Alliierten bombardiert wurde, detonierte wenige Meter neben ihm eine Bombe. Er überlebte unverletzt, aber das Erlebnis sollte ihn prägen. Später kam Kluge immer wieder auf den Krieg in seiner Heimatstadt zurück.
Warum eigentlich war solch eine Katastrophe wie der Zweite Weltkrieg möglich? Warum müssen sich Männer, die einen Beruf und eine Familie haben, in der Kälte von Stalingrad in Erdlöchern eingraben? Die Katastrophe und die Möglichkeit ihrer Vermeidung: Beide Themen haben Kluge stets umgetrieben.
Sein kritischer Blick auf die deutsche Gesellschaft der 1950er Jahre mit ihrer Kombination aus Wiederaufbau und Restauration führte ihn nach einem Studium der Rechtswissenschaft, Geschichte und Kirchenmusik zur „Kritischen Theorie“ Theodor W. Adornos und Max Horkheimers. Sie analysierte den Einfluss des Kapitalismus auf den Einzelnen und beherrschte in den 60er Jahren die Soziologie. Kluge wurde Mitarbeiter der „Frankfurter Schule“.
Adorno vermittelte den vielseitig interessierten Kluge an den Filmregisseur Fritz Lang („Metropolis“), der aus dem amerikanischen Exil heimgekehrt war und zu der Zeit an dem Film „Das indische Grabmal“ arbeitete. In den folgenden Jahren wurde Kluge zu einem der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films. Er war Mitinitiator des Oberhausener Manifestes, das „Papas Kino“ für tot erklärte und zu einer Blüte des deutschen Autorenfilms führte.
Zu seinen ersten Filmen zählen „Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ (1968)„ und “Abschied von gestern" (1966) über eine Tochter jüdischer KZ-Überlebender, die aus der DDR flieht und in der Bundesrepublik straffällig wird. Für sie erhielt Kluge zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Silbernen und Goldenen Löwen auf dem Festival in Venedig. Mit seinem umfangreichen Werk, das Kurzfilme und experimentelle Spielfilme umfasst, wurde er zu einem der wichtigsten Regisseure der Bundesrepublik.
Neben der Filmarbeit beschäftigte ihn die Frage, wie die Kritische Theorie nach dem Tod Adornos weitergeführt werden könnte. Das Ergebnis waren die Bücher „Öffentlichkeit und Erfahrung“ (1972) und vor allem „Geschichte und Eigensinn“ (1981), ein dickes Werk, das zu einem Theorieklassiker der Post-68er-Generation wurde.
Wenn Kluge aber später sagte: „Mein Hauptwerk sind meine Bücher“, meinte er damit seine literarischen Arbeiten. 2003 erhielt er den Georg-Büchner-Preis. Alexander Kluge wurde immer mehr zu einem Hans-Dampf-in-allen-Gassen, kein Genre, kein Medium blieb ihm fremd. Sein Freund und Mitstreiter, der erst kürzlich verstorbene Jürgen Habermas, sagte einmal über Kluges literarische Geschichten, selbst wenn sie schlecht ausgingen, habe man immer den Eindruck, durch eine kleine Wendung des Geschehens hätte alles ganz anders und viel besser werden können.
Bereits 1964 hatte er mit dem Stalingrad-Buch „Schlachtbeschreibung“ auch auf dem Feld der Literatur für Aufsehen gesorgt. In den 80er Jahren trat die Literatur etwas zurück - um dann mit der „Chronik der Gefühle“ (2000) wieder an erster Stelle zu stehen.
Als das Privatfernsehen aufkam, gelang ihm ein großer Coup: Kluge wurde Ende der 80er Jahre zum Fernsehunternehmer. Mit seiner Produktionsfirma dctp gelang es ihm, sich Sendefenster bei RTL und Sat.1 zu sichern. Lange Zeit war er nicht wohlgelitten, doch Kluge konterte alle Vorwürfe, mit seinen hochwertigen Kultursendungen die Zuschauer zu verschrecken, mit den Worten: „Besser ein Quotenkiller als eine Quotennutte.“
In einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) betonte Kluge 2019, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland ein hohes Gut sei. Man dürfe „nicht unterschätzen, was ein intaktes öffentlich-rechtliches System vermag.“ Der öffentlich-rechtliche Rundfunk dürfe nicht „die Erfolge des privaten Fernsehens“ nachahmen, mahnte Kluge.

Remagen (epd). Das Bild verbreitet Pfadfinder-Idylle: Menschen sitzen am Feuer, während ihre Pferde friedlich neben ihnen warten. Im Hintergrund wehen Fahnen auf der Spitze zweier Zelte munter im Wind. Der niederländische Künstler Philips Wouwerman, der diese Szene 1650 malte, war Spezialist für Darstellungen von Heereslagern. Dass es sich um Szenen aus dem grausamen Dreißigjährigen Krieg handelt, ist ihnen jedoch kaum anzusehen: Fake News zu Zeiten des Barocks.
„Die tatsächlichen Schrecken des Dreißigjährigen Krieges werden hier bewusst verharmlost“, sagt Susanne Blöcker, Kuratorin der Ausstellung „Wirklich. Kunst und Realität 1400-1900“. Die Frage nach der Authentizität von Bildern stellt sich nicht erst, seit sich mit Künstlicher Intelligenz beliebige, täuschend realistische Abbildungen erzeugen lassen.
Das Verhältnis zur Wirklichkeit ist eine der grundlegenden Fragen, mit denen sich die Kunst seit jeher beschäftigt. Die Ausstellung im Arp Museum beleuchtet, wie sich das Verständnis von Realität im Laufe von fünf Jahrhunderten veränderte. Zu sehen sind bis zum 6. September insgesamt 71 Gemälde, Skulpturen und Fotografien vom Mittelalter bis in die Moderne. Darunter sind Werke der Impressionisten Gustave Caillebotte und Max Liebermann, des niederländischen Barock-Malers Cornelis de Heem oder des mittelalterlichen Meisters des Marienlebens.
„Die Ausstellung will den Blick auf Realitäten lenken, die uns heute fremd anmuten, die für die Menschen vergangener Zeiten aber durchaus wahrhaftig waren“, erklärt Blöcker. So waren etwa im Mittelalter Engel und Teufel sehr real. Gemälde wie „Das Jüngste Gericht“ (nach 1460) vom Meister des Marienlebens erschienen seinen Zeitgenossen durchaus realistisch. Das Bild zeigt, wie am Jüngsten Tag die Toten aus den Gräbern steigen. Für die Seligen schließt Petrus mit einem Schlüssel den Himmel auf. Die Verdammten hingegen werden von schwarzen Teufeln in die Tiefe der Hölle gestoßen.
Die Kunst des Barock arbeitete hingegen bewusst mit unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen. Das hohe künstlerische Niveau, etwa der niederländischen Meister, lässt die Darstellungen auf den ersten Blick äußerst realistisch erscheinen: Die spiralförmig abgeschnittene Zitronenschale auf dem Stillleben von Cornelis de Heem scheint aus dem Bild herauszuragen und zum Berühren nah.
Die Fische auf dem Gemälde von Guiseppe Recco sehen so aus, als seien sie gerade frisch gefangen worden: Das Wasser perlt noch von den Schuppen ab. Doch bei genauerem Hinsehen verbirgt sich hinter diesen lebensnahen Darstellungen eine zweite Ebene: Da liegen auf dem scheinbar realistischen Stillleben Blumen oder Früchte nebeneinander, die unmöglich zur gleichen Jahreszeit gewachsen oder gereift sein können. Insekten oder aufgebrochene, faulende Früchte verweisen auf die Vergänglichkeit allen Lebens.
Das Spiel mit Symbolen und verborgenen Bedeutungen wird im 19. Jahrhundert von einem neuen Realismus abgelöst. Die politischen Revolutionen von 1848 und die Industrialisierung rücken das einfache Volk ins Blickfeld der Kunst. Die geschönte Wirklichkeit weicht nach und nach dem Bestreben, soziale Missstände sichtbar zu machen.
In seinem großformatigen Gemälde „Arme Leute“ (1858) setzt Angilbert Göbel eine alte Frau und einen kleinen Jungen in Szene, die zusammengesunken am Eingang einer Kirche sitzen. Der ehemalige Städel-Direktor Georg Swarzenski hielt das Bild für eines der bedeutendsten Werke der deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts. Tatsächlich war es zu dieser Zeit ungewöhnlich, Menschen unterer sozialer Schichten künstlerisch in den Mittelpunkt zu rücken.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirft die zunehmende Verbreitung der Fotografie die Frage nach der Authentizität der Malerei auf. Fotografie ermöglichte die Verewigung eines flüchtigen Moments. Inspiriert davon schloss sich in Paris eine Gruppe junger Maler zusammen, die später als Impressionisten in die Kunstgeschichte eingingen. Es ist kein Zufall, dass ihre erste Ausstellung im Fotoatelier von Nadar stattfand. Der Fotograf manipulierte schon 1863 ein Bild, indem er ein Foto montierte, das ihn im Korb eines Fesselballons hoch in der Luft zeigt. Ein Fake-Foto, das damals noch hohe Kunstfertigkeit erforderte, heute aber mithilfe von KI ein Kinderspiel wäre.

Berlin (epd). Mit einer neuen Ausstellung zum Holocaust nähert sich das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors in Berlin der Frage „Was wussten die Deutschen?“ während der Zeit des Nationalsozialismus. Es solle gezeigt werden, was über die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und den Holocaust in der deutschen Bevölkerung bekannt war, sagte die Direktorin der Stiftung Topographie des Terrors, Andrea Riedle, am 24. März. Die Ausstellung umfasst rund 300 Exponate aus Archiven, Sammlungen und privatem Besitz und ist bis zum 31. Januar 2027 zu sehen.
Die Ausstellungsarchitektur soll veranschaulichen, wie die Informationslage zur NS-Zeit war. So sind einzelne Exponate teilweise zunächst verborgen und Besucher müssen Informationen selbst miteinander verknüpfen. Dabei helfen unter anderem auch Tagebucheinträge und Hörstationen von Zeitzeugen. „Man hat genug mitbekommen, um zu erkennen, dass da schwere Verbrechen stattgefunden haben“, sagte Riedle. Der Kurator der Ausstellung, Christian Schmittwilken, fügte hinzu, dass viele Menschen es auch nicht wissen wollten: „Um zu einer Art Gesamtbild zu kommen, musste man schon aktiv werden.“
Der Titel der Ausstellung werfe drei Fragen auf, sagte Schmittwilken: „Was ist der Holocaust? Wer sind 'die Deutschen'? Und was bedeutet 'wissen'?“ Der Holocaust könne dabei nicht ohne die weiteren Massenverbrechen, wie an den Sinti und Roma, erklärt werden. Bei „den Deutschen“ handle es sich, so Schmittwilken, um die nicht verfolgte, deutsche Bevölkerung. Funktionsträger seien dabei ausgeklammert. „Wissen“ rekonstruiere die Ausstellung durch Aussagen des Regimes, durch Alltagsberichte, Gerüchte und anhand von drei Menschen, die sich selbst Informationen erarbeiteten und unterschiedlich verknüpften.
Mit zu den Ausstellungsstücken gehört etwa das Brettspiel „Radio-Sende-Spiel“. Es sollte schon Kindern vermitteln, dass das Hören ausländischer Sender ab Kriegsbeginn verboten war. Wer auf einem „feindlichen“ Sender landete, schied aus. Viel genützt habe das Spiel wohl nicht: „Man geht davon aus, dass die Hälfte aller Deutschen irgendwann mal ausländischen Rundfunk gehört haben“, sagte der Kurator.
Zwei Teller und eine Tasse eines Geschirrsets sollen die Präsenz von Raubgut und Enteignung im Alltag der Deutschen zeigen: Die Besitzer, das Ehepaar Ganz, wurde 1941 enteignet. Sie wurden 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Das Geschirr wurde 1941 bei einer Versteigerung verkauft. „Ich würde mal sagen, dass man das nicht kauft, wenn man denkt, dass der Nachbar morgen zurückkommt“, schloss Schmittwilken.
Im letzten Teil der Ausstellung besteht für Besucher die Möglichkeit, selbst Position zu beziehen: Wussten die Deutschen vom Holocaust? „Die Idee ist“, erklärte Riedle, „dass wir hoffen, dass die Besuchenden sich nach der Ausstellung befähigt fühlen, sich dazu eine Meinung zu bilden.“
Begleitet wird die Ausstellung von Podiumsgesprächen, Vorträgen sowie Film- und Buchpräsentationen. Das Dokumentationszentrum befindet sich am historischen Standort von SS-Reichsführung und Reichssicherheitshauptamt.

Frankfurt a.M. (epd). Unter dem Namen DasDing starten der Südwestrundfunk (SWR), der Hessische Rundfunk (HR) und der Saarländische Rundfunk (SR) am 1. Juni ein neues gemeinsames Jugendradio. Der Sender löst die bisherigen jungen Wellen DasDing (SWR), YouFM (HR) und UnserDing (SR) ab, wie die ARD am 24. März mitteilte. Der Senderverbund setzt damit die politische Vorgabe um, die Zahl seiner Radiosender zu reduzieren.
Ziele der Kooperation seien mehr Zusammenarbeit und ein „klarer Mehrwert für das Publikum“. HR, SWR und SR bündelten ihre Kräfte, um ein konkurrenzfähiges Angebot für junge Menschen zu schaffen. Durch die Synergien im Verbund könnten aufs Jahr gesehen knapp 1,8 Millionen Euro im linearen Programm gespart werden, davon am meisten beim HR.
Bei den freien Mitarbeitenden des HR, die künftig weniger Einsätze für die junge Welle bekommen, bemühe sich der Sender um alternative Beschäftigungsangebote im Haus, hieß es auf Anfrage. Bei den Angestellten mit Zeitvertrag könne es dazu kommen, dass auslaufende Verträge nicht erneut vergeben werden. Dies betreffe aber schon jetzt „sehr wenige Angestellte“.
Das neue DasDing sendet von den drei Standorten Baden-Baden, Frankfurt am Main und Saarbrücken. Die Redaktionen arbeiten standortübergreifend. Die Programmleitung wird vom SWR verantwortet, derzeit läuft eine Ausschreibung. Die Teamleitung Musik und der Digitalbereich werden beim SWR liegen, die Teamleitung Wort und Planung bei SWR und SR. Der HR ist für Programmaktionen sowie Planung, Projekte und Reporter zuständig.
In dem Programm sollen die unterschiedlichen Sendegebiete regelmäßig vorkommen, unter anderem durch regionalisierte Nachrichten. Dazu wird es in der Zeit von 6 Uhr bis 18 Uhr Auseinanderschaltungen geben.
Der im Dezember in Kraft getretene Reformstaatsvertrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schreibt vor, dass die ARD bis 2027 von den aktuell 69 terrestrisch verbreiteten Radiowellen nur noch 53 unterhalten darf. Kooperationsprogramme werden dabei nur noch als halbe Programme der jeweiligen Anstalten gezählt.

Köln (epd). In diesem Jahr gibt es für Wolfgang Niedecken einen doppelten Anlass zum Feiern: Der Kölsch-Rocker wird am 30. März 75 Jahre alt und seine Band BAP besteht seit 50 Jahren. Niedecken veröffentlicht dazu unter dem Titel „Paar Daach Später“ eine Zusammenstellung mit 50 Live-Songs aus 50 Jahren. Danach folgt die Jubiläumstournee „Die Zielgerade“ durch 19 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eröffnet wird sie am 10. Juli im Müngersdorfer Stadion in Köln.
Keine andere Kölsch-Combo ist international so erfolgreich wie Niedeckens Band BAP, die einst auch in China oder der Sowjetunion Konzerte gab. Der Musiker spielte mit Bruce Springsteen und Ray Davies von den Kinks. In der Zeit der Proteste gegen Nachrüstung und Neonazis in den 1980ern habe Niedecken mit seinen Texten genau den Zeitgeist getroffen, sagte der einstige Direktor des Kölner Stadtmuseums, Mario Kramp, dem epd einmal.
Der Kölsch-Rock ist laut Niedecken einem Zufall zu verdanken gewesen. Als er Mitte der 70er Jahre seiner - damals noch namenlosen - Freizeitband ein Stück in Kölscher Mundart („Helfe kann dir keiner“) vorspielte, gefiel das den Bandkollegen. Aus der Combo wurde dann BAP - ein Name, der dem Dialektwort „Bapp“ für „Vater“ entlehnt ist. „Verdamp lang her“ und „Kristallnaach“ machten die Band Anfang der 80er bundesweit bekannt.
Wesentlich beeinflusst hat ihn der Musiker und Songwriter Bob Dylan, den er später mehrmals persönlich traf. Ohne Dylan wäre er wohl nicht zur Musik gekommen, schrieb Niedecken in seinem 2021 veröffentlichten Buch über den US-Musiker. Immer wieder hat Niedecken Dylan-Songs in Kölsche übertragen, mit „Leopardefell“ ihm sogar ein ganzes Album gewidmet.
Eigentlich hatte Niedecken, der am 30. März 1951 als Sohn des Kölner Lebensmittelhändlers Josef Niedecken und seiner Ehefrau Hubertine geboren wurde, bildender Künstler werden wollen. Ohne Abitur studierte er an den Kölner Werkschulen bis 1974 freie Malerei. Seine Kunst hat Niedecken in mehreren Ausstellungen präsentiert. Oft gestaltet er auch die Plattencover und Tourneeplakate selbst.
Kunst und gesellschaftliches Engagement gehören für ihn zusammen. Auch heute mischt sich der Musiker immer wieder ein. Die AfD sei ebenso wenig eine Alternative für Deutschland, wie die Deutsche Demokratische Republik demokratisch gewesen sei, sagte Niedecken im November in der Sendung „Maischberger“ in Anspielung auf die DDR. Es müsse mit allen demokratischen Mitteln versucht werden, die Partei AfD zu behindern.
Die Diskussion über eine erneute Wehrpflicht in Deutschland sieht Niedecken skeptisch, den Begriff der „Kriegstüchtigkeit“ empfinde er als „sehr unangenehm“. Er befürwortet ein soziales Jahr für junge Männer und Frauen: „Also mir hat der Zivildienst beispielsweise sehr gutgetan.“
Für sein gesellschaftspolitisches Engagement nimmt Niedecken am 14. April in Konstanz die „Georg-Elser-Auszeichnung“ entgegen. Bereits 2013 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. 1992 war er einer der Initiatoren des Kölner Konzerts „Arsch huh, Zäng ussenander“ gegen Rassismus und Fremdenhass.
Niedecken unterstützt als Botschafter das Welthungerhilfe-Projekt „Au secours du Congo“ (Hilfe für den Kongo), in dem junge Frauen und junge Männer eine praxisorientierte Berufsausbildung, psychosoziale Unterstützung und Hilfe beim Aufbau kleiner Unternehmen erhalten. Zuvor hatte er in dem von ihm mitgegründeten Hilfsprojekt „Rebound“ frühere Kindersoldaten in Uganda unterstützt. Seit 2004 ist der Musiker Sonderbotschafter der Hilfsaktion „Gemeinsam für Afrika“.
Der Musiker, der als Schüler in einem katholischen Internat in Rheinbach bei Bonn Gewalt und Missbrauch erlebt hat, schrieb in seiner Autobiografie bereits früh über das Thema Missbrauch im Kirchenraum. Aus Rücksicht auf seinen katholischen Vater trat Niedecken erst nach dessen Tod aus der Kirche aus. Er selbst sieht sich heute als „Agnostiker mit Gottvertrauen“: „Ich bin katholisch erzogen worden, halte es für möglich, dass es einen Gott gibt, aber ich weiß nicht, wer das ist“, sagte er dem epd anlässlich seines 70. Geburtstags.
Eine Zäsur war für den Musiker ein Schlaganfall im Jahr 2011. Das sei die dunkelgelbe Karte gewesen. Daher treibe er nun jeden Tag Sport, mache Gymnastikübungen, ernähre sich gesund, erzählte Niedecken. Mit seiner zweiten Frau Tina lebt er in Köln. Dort feiert er auch seinen Geburtstag: mit „Liedern und Geschichten“ auf der Bühne der Kölner Philharmonie.
Auf der BAP-Jubiläumstour ist er in den großen Arenen zu erleben. Das sei noch keine Abschiedstournee, schreibt Niedecken auf seiner Internetseite. Das Motto „Zielgerade“ erinnere aber daran, „dass wir die meisten BAP-Shows wohl schon gespielt haben und dass es so langsam aufs Finale zugeht.“
Berlin (epd). Der Deutsche Presserat hat auf seinen Sitzungen im März insgesamt 19 Rügen gegen Medienhäuser ausgesprochen. In 32 Fällen seien Berichterstattungen missbilligt worden, teilte das Selbstkontrollorgan der deutschen Presse am 23. März in Berlin mit. Insgesamt seien 136 Beschwerden behandelt worden. Fünf der 19 Rügen betrafen „Bild“. In fünf Fällen stellte der Presserat Verstöße gegen das Verbot der Schleichwerbung fest.
Dreimal wurde das Boulevardmedium wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts gerügt. Dazu gehörte auch die Veröffentlichung von Videoaufnahmen von Gästen des „Pony Club“ auf Sylt. Das Video, in dem zu sehen war, wie mehrere Besucher einen ausländerfeindlichen Liedtext sangen, war damals viral gegangen. Ein Mann zeigte zudem den Hitler-Gruß, er wurde später dafür verurteilt. Der Presserat hatte sein Verfahren zu der Veröffentlichung ausgesetzt, weil mehrere Gerichtsverfahren anhängig waren. Jetzt entschied das Selbstkontrollorgan, dass die Gäste, die sich nicht an den Gesängen beteiligt hatten, nicht identifizierbar gezeigt werden durften.
Gerügt wurde auch eine mit Künstlicher Intelligenz entstandene Berichterstattung des Magazins „Business Insider“. Das Medium hatte unter der Überschrift „Remote-Job mit Kleinkind: Mich hat die Arbeit aus dem Home Office zwar erfüllt - aber gleichzeitig einsam gemacht“ angeblich einen „Erfahrungsbericht“ einer namentlich genannten Autorin veröffentlicht. In Wahrheit handelte es sich dabei um eine KI. Die Redaktion löschte den Text später. Der Beschwerdeausschuss wertete den Fall als als schwerwiegenden Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2, gegen die Pflicht zur Richtigstellung (Ziffer 3) und als einen Verstoß gegen die Wahrhaftigkeit (Ziffer 1). Dem Ansehen und der Glaubwürdigkeit von Medien habe der Bericht großen Schaden zugefügt.
Ein Artikel des Chefredakteurs des Münchner „Merkur“ mit dem Titel „Cancel Culture à la NDR: Der öffentlich-rechtliche Linksfunk hat die Rechten stärker gemacht“ wurde wegen unzureichender Fakten gerügt. In dem Text wurde den öffentlich-rechtlichen Sendern unter anderem ein „Unterdrücken anderer Meinungen, etwa bei Asyl und Klima“ unterstellt. In einer Bildzeile wurde den Angaben zufolge außerdem fälschlich behauptet, TV-Moderatorin Julia Ruhs sei vom NDR gekündigt worden. Der Beschwerdeausschuss sah in diesen fehlerhaften und unbelegten Tatsachenbehauptungen Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht gemäß Ziffer 2 des Pressekodex.
Zwei Fälle standen im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt um Israel und Gaza. Die „Jüdische Allgemeine“ erhielt eine Rüge wegen eines Artikels über die Tötung des palästinensischen Journalisten Anas Al-Sharif, der für Al-Dschasira berichtet hatte, durch die israelische Armee. Mit der Überschrift „Terrorist mit Presse-Weste“ habe die Zeitung einseitig die Darstellung der israelischen Armee übernommen, dass Al-Sharif ein Terrorist gewesen sei, ohne objektive Belege anzuführen.
„Bild“ und die „BZ“, beide Publikationen von Springer, wurden für Artikel über eine Berliner Verwaltungsmitarbeiterin gerügt, der sie „extremen Israel-Hass“ unterstellt hätten, ohne ausreichende Belege oder Konfrontation der Betroffenen.
Siri Hustvedt - Dance Around the Self
Noch heute ist Siri Hustvedt vor allem als „die Frau von Paul Auster“ bekannt. Dabei ist die 1955 im ländlichen Minnesota geborene und aufgewachsene Hustvedt selbst seit Jahrzehnten eine der wichtigsten literarischen und intellektuellen Stimmen Amerikas. Über Jahre hat die Regisseurin Sabine Lidl die Autorin begleitet - in ihre Heimat Minnesota, zu Lese- und Forschungsreisen, bei der Arbeit in ihrem Haus in Brooklyn, beim Spielen mit ihrem ersten Enkelkind. Es sind intensive Momente, in denen Hustvedt die Zuschauenden ganz nah an sich heranlässt - auch in Zeiten ihrer größten Trauer. Im April 2024 stirbt Paul Auster, Hustvedts „Lebensmensch“, wie sie ihn selbst nennt. In der ersten halben Stunde hält sich Lidl noch mit literarischen und psychologischen Überlegungen Hustvedts auf, danach verwandelt sich der Film in ein einfühlsames Porträt und vermittelt das Bild einer verletzlichen, sanften, lebensfrohen und extrem reflektierten Frau, der man auf ewig folgen möchte.
Siri Hustvedt - Dance Around the Self (Schweiz/Deutschland 2025). Regie und Buch: Sabine Lidl. Mit: Siri Hustvedt, Liv Hustvedt, Paul Auster, Sophie Auster, Katerina Fotopoulou. Länge: 110 Min. FSK: ab 12 Jahren.
Les Misérables - Die Geschichte von Jean Valjean
„Die Elenden“ ohne Fantine und Cosette, ohne den gnadenlosen Javert und die niederträchtigen Thénardiers, ganz ohne die Barrikaden und die Abwasserkanäle von Paris? Éric Besnard erschließt sich Victor Hugo auf eigene Weise, indem er nur den Auftakt des Romans als Kammerspiel inszeniert. Jean Valjean (Grégory Gadebois) ist da gerade wieder frei, nachdem er wegen eines gestohlenen Laibes Brot 19 Jahre Zwangsarbeit verbüßt und nur im Hass auf die Welt einen Halt gefunden hat. Da tappt er in eine wundersame Falle der Menschenfreundlichkeit, sein Wohltäter ist Bischof Myriel. In den nächsten 24 Stunden wird der um die Seele des misstrauischen Gastes kämpfen, der ihm erbitterten Widerstand leistet und unerschütterlich in seinem Urteil über die Menschheit scheint. Der Film erzählt von diesem Tauziehen gegensätzlicher Prinzipien in achtsamem Tempo, der Disput um sittliche und soziale Gerechtigkeit gewinnt dabei trotz der Reduktion der Handlung authentisch Hugo’sches Pathos.
Les Misérables - Die Geschichte von Jean Valjean (Frankreich 2025). Regie und Buch: Éric Besnard. Mit: Grégory Gadebois, Bernard Campan, Alexandra Lamy, Isabelle Carré, Dominique Pinon. Länge: 98 Min. FSK: ohne Angabe.
Romería
Die angehende Filmstudentin Marina (Llúcia Garcia) taucht 2004 mit ihrer Videokamera im galizischen Vigo auf. Sie freut sich darauf, die Familie ihres Vaters Alfonso kennenzulernen, die sie seit Kindertagen nicht mehr gesehen hat. Außerdem benötigt sie offizielle Dokumente für ihr Uni-Stipendium, die Alfonsos Vaterschaft bestätigen. Marinas Existenz fehlt jedoch in seiner Sterbeurkunde. Sie stellt schockiert fest, dass zumindest ein Teil ihrer Verwandtschaft sie noch immer nicht als Familienmitglied anerkennt. „Romería“ ist der dritte autobiografische Film der spanischen Regisseurin Carla Simón. Sie setzt sich darin erneut mit dem Aids-Tod ihrer Eltern auseinander, die Trauerarbeit nimmt hier aber eher die Form einer Investigation an. Mit ihrer Mischung aus autobiografischen Elementen und purer Kinomagie gelingt ihr eine persönliche Auseinandersetzung, die ebenso universell wie packend wirkt und ihren Status als eine der interessantesten europäischen Autorenfilmerinnen beweist.
Romería (Spanien/Deutschland/Frankreich 2025). Regie und Buch: Carla Simón. Mit: Llúcia Garcia, Tristán Ulloa, Mitch Martín, Sara Casasnovas, José Ángel Egido. Länge: 115 Min. FSK: ohne Angabe.
Alpha
Anfang der 1990er Jahre lässt sich die 13-jährige Alpha (Mélissa Boros) auf einer Party ein A auf den Arm tätowieren. Als ihre alleinerziehende Mutter (Golshifteh Farahani), eine Ärztin, das Tattoo entdeckt, ist sie schockiert. Seit einigen Jahren grassiert eine mysteriöse Infektionskrankheit, die über den Austausch von Körperflüssigkeiten übertragen wird. Die Betroffenen versteinern buchstäblich, bis sie von Schimmel befallenen Marmorstatuen gleichen. Während die Familie auf die Ergebnisse von Alphas Bluttest wartet, taucht unerwartet ihr drogensüchtiger und bereits infizierter Onkel Amin (Tahar Rahim) auf. „Alpha“ bietet das für Ducournau typische affektgeladene Körperkino, ist allerdings auch ihr bislang ruhigster und melancholischster Film. Wo ihre früheren Werke „Raw“ und „Titane“ eine monströse Weiblichkeit entwarfen und den patriarchalen Status quo herausforderten, richtet „Alpha“ den Blick auf Frauenbilder, die mit radikaler Selbstaufopferung verbunden sind und so die gesellschaftliche Ordnung in Frage stellen.
Alpha (Frankreich/Belgien 2025). Regie und Buch: Julia Ducournau. Mit: Tahar Rahim, Golshifteh Farahani, Mélissa Boros, Emma Mackey. Länge: 128 Min. FSK: ab 16 Jahren.

New York/Dakar (epd). Es ist eine historische Anerkennung von Leid: Die Vereinten Nationen haben den transatlantischen Sklavenhandel als „schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ eingestuft. Für eine entsprechende Resolution stimmten am 25. März in New York 123 Mitglieder der UN-Generalversammlung. Die USA, Israel und Argentinien stimmten dagegen, 52 Länder enthielten sich, darunter die EU und Großbritannien. Deutschland wollte seine Enthaltung vor der Generalversammlung erläutern.
Die von Ghana eingebrachte Resolution verurteilt den Sklavenhandel, erkennt an, dass Sklaverei, Kolonialismus und Rassismus bis heute immenses Leid bei Afrikanerinnen und Afrikanern sowie Menschen afrikanischer Herkunft verursacht haben und ruft zu Entschuldigungen sowie Wiedergutmachung auf. Dazu könnten finanzielle Entschädigungen, Schuldenerlass, Entwicklungshilfe und die Rückgabe geraubter Kulturgüter gehören. Die Niederlande sind das einzige europäische Land, das sich bislang offiziell für seine Rolle in der Sklaverei entschuldigt hat.
Die Resolution, die vornehmlich symbolischen Charakter hat, wird als weiterer Schritt auf dem Weg für mehr Gerechtigkeit, Aufarbeitung und Wiedergutmachung gesehen. Die Bezeichnung als „schwerstes Verbrechen“ begründe sich in dem Ausmaß, der Dauer, des systemischen Charakters, der Brutalität und der bis heute anhaltenden Folgen, die das Leben aller Menschen durch rassistisch geprägte Arbeits-, Eigentums- und Kapitalverhältnisse weiterhin prägten, wird im Text erläutert.
Während die Resolution geschlossene Unterstützung von den Ländern der Afrikanischen Union sowie den Karibikstaaten erhielt, waren es vor allem westliche Länder, die sich enthielten oder dagegen stimmten, darunter sämtliche 27 EU-Mitgliedsstaaten und Ghanas ehemalige Kolonialmacht Großbritannien. Als Begründung wurde unter anderem die Formulierung als „schwerstes Verbrechen“ angeführt. Diese erschaffe eine Hierarchie, die sich über andere Verbrechen wie Völkermord stelle, begründete die zyprische Diplomatin Gabriella Michaelidou im Namen der EU die Enthaltung.
US-Vertreter Dan Negrea begründete das Nein seines Landes damit, dass unklar sei, wer der Empfänger der Wiedergutmachungen sein solle. Zudem bestehe kein Rechtsanspruch auf Wiedergutmachung für historische Ungerechtigkeiten, die zum Zeitpunkt ihres Geschehens nach internationalem Recht nicht als illegal galten.
Der an der Resolution beteiligte ghanaische Menschenrechtsanwalt Oliver Barker-Vormawor sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Die Resolution wird als bedeutenden Schritt gesehen, um zumindest die Tür zu Gesprächen zu öffnen, die lange nicht geführt wurden.“ Zwischen 1500 und 1800 wurden etwa 12 bis 15 Millionen Menschen in Afrika gefangen genommen und nach Amerika und in die Karibikstaaten verschleppt, wo sie gezwungen wurden, als Sklaven zu arbeiten. Schätzungen zufolge starben über zwei Millionen Menschen allein bei der Überfahrt.
Anders als die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats sind die der Generalversammlung nicht rechtsverbindlich. Sie gelten jedoch als guter Indikator für die globale Stimmung zu bestimmten Themen. Die Abstimmung am Mittwoch hatte zudem eine doppelte Symbolik: Der 25. März ist der Internationale Tag zum Gedenken an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International begrüßten die UN-Resolution zur Sklaverei als bedeutenden Schritt für Reparationsleistungen und die Anerkennung der Sklaverei als Verbrechen.

Berlin (epd). Prominente aus Kultur, Sport und den Kirchen rufen die Bundesregierung dazu auf, von einer weiteren Sparrunde bei der Entwicklungszusammenarbeit abzusehen. „Kürzen Sie nicht dort, wo Deutschland mit vergleichsweise wenig Geld Millionen Menschenleben schützt und wir seit Jahren zeigen, was wir mit kluger Politik bewirken können“, heißt es in einem am 24. März von der Kampagnenorganisation One veröffentlichten Appell.
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, darunter die Synoden-Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, und Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), verweisen auf Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland habe viel dazu beigetragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, hieß es. Polio sei fast besiegt, Tuberkulose und Malaria würden zurückgedrängt. HIV sei kein Todesurteil mehr - und selbst in armen Ländern gebe es bezahlbare Medikamente, die Leben retten.
Deutschland hatte in den vergangenen Jahren deutlich bei der Entwicklungszusammenarbeit sowie der humanitären Hilfe gekürzt. In diesem Jahr stehen dem Entwicklungsministerium etwas mehr als zehn Milliarden Euro zur Verfügung, rund zwei Milliarden Euro weniger als noch im Jahr 2023. Der Kabinettsbeschluss zu den Eckwerten des Bundeshaushalts 2027 wird bis Ende April erwartet.
Der Appell von One wurde unter anderem auch von der Comedian Carolin Kebekus, der Sängerin Nadja Benaissa und dem ehemaligen Profifußballer Neven Subotić unterzeichnet. Auf Instagram wurde dazu auch ein Video veröffentlicht.
Frankfurt a.M. (epd). Ausbleibende Hilfe und anhaltende Kämpfe im Land sorgen laut Welthungerhilfe auch ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Myanmar für großen Hunger und Not. Der Wiederaufbau stocke, mehr als 16 Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, sagte Landesdirektor Henry Braun dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Das ganze Land ist in der Krise, und nach dem Beben gab es nur am Anfang eine kleine Welle der Hilfsbereitschaft.“
Benötigt würden eigentlich 890 Millionen US-Dollar, um den Menschen in Not beizustehen. Aber es gebe nicht genug Geld für die humanitäre Hilfe. „Wir müssen daher leider sagen: Okay, wir müssen schon zufrieden sein, wenn Myanmar 220 Millionen Dollar bekommt, also ungefähr 24 Prozent“, erklärte Braun. Selbst damit könnten aber nur die Menschen in allergrößter Notlage erreicht werden. „Das heißt, den Menschen, die betroffen sind, aber denen es nicht lebensbedrohend schlecht geht, wird gar nicht geholfen.“
Viele Tausende Menschen müssten weiterhin in provisorischen Notunterkünften leben, sagte Braun. Vielerorts sei die Rückkehr zum Alltag noch weit entfernt. „Vielleicht ist eine Familie wieder zurück auf ihrem Grundstück und ist dabei, das Haus zu bauen. Aber das Dach fehlt noch, und dafür ist kein Geld da. Wenn jetzt der Regen kommt, wird alles nass.“ Der Wiederaufbau werde zurückgeworfen.
Am 28. März 2025 hatte ein Erdbeben der Stärke 7,7 auf der Richterskala das 54-Millionen-Einwohner-Land erschüttert. Tausende Menschen kamen ums Leben. Unzählige Häuser wurden zerstört. Das Beben traf ein Land, das bereits seit Jahren unter einem Bürgerkrieg leidet. „Im Jahr vorher hatten wir zudem Überflutungen in dem Gebiet“, erklärte der Welthungerhilfe-Landesdirektor. „Und jetzt kommen die Probleme durch den Iran-Krieg hinzu.“
Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten mache die Lage spürbar schlimmer, sagte Braun. „Die Treibstoffpreise steigen, Sprit und Diesel werden knapper.“ Das verteuere den Alltag ebenso wie die Lieferung von Hilfsgütern und den Zugang zu Märkten und Gesundheitsdiensten. „Wir sehen, dass die Transportkosten nach oben schnellen. Das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen weiter auswirken, auch Lebensmittel wie Gemüse und Reis werden teurer.“
Die humanitäre Krise werde durch die anhaltenden Kämpfe in einem vielschichtigen Konflikt verschärft, erklärte Braun. Zahlreiche bewaffnete Gruppen kämpfen in verschiedenen Konstellationen, vor allem gegen das Militär, das im Februar 2021 die gewählte Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi stürzte. Seit dem Putsch hat die Militärregierung auch Proteste in der Bevölkerung gewaltsam bekämpft.
15.4. Evangelische Akademie Villigst
Online Hass und Gewalt gegen Frauen Fast täglich wird in Deutschland eine Frau wegen ihres Geschlechts ermordet. Das Ausmaß an Gewalt geht weit darüber hinaus: Sprachliche Gewalt, beispielsweise in Form verbaler Belästigungen und Entwertungen, ist insbesondere in den Sozialen Medien vielfach präsent.
1.-3.5. Evangelische Akademie Sachsen
Christa Wolf im Spannungsfeld zwischen Realität und Utopie Christa Wolf (1928 - 2011) war eine literarische Chronistin ihrer Zeit, ihr Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse illusionslos und kritisch. Schreiben bedeutete für sie, in einer konzentrierten Form zu denken und zu sprechen. Ihre Prosa verstand sie als „authentische Sprache der Erinnerung“. Wolf fragt nach dem Wirklichen ebenso wie nach dem Möglichen. Bei ihrer Suche nach einer bewohnbaren Welt formuliert sie Utopien und würdigt den „seltsamen Stoff Leben“ - universal und zeitübergreifend.
8.-9.5. Evangelische Akademie Loccum
Zukunft Pfarrberuf: Wege der theologischen Ausbildung Theologische Studiengänge, kirchliche Berufsfelder und pastorale Rollen stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Die Tagung bringt Wissenschaft, Kirchenleitung und Praxis zusammen: Welche Kompetenzen braucht die Pfarrperson der Zukunft? Wie müssen Ausbildung und Berufsprofile transformiert werden?