Hamburg/Dessau-Roßlau (epd). Sein Fell war verkokelt, seine Hinterpfoten verletzt, Haut verbrannt. „Der kleine Fuchs war vielleicht fünf Wochen alt“, erinnert sich Katharina Erdmann, Leiterin des Wildtier- und Artenschutzzentrums in Klein Offenseth-Sparrieshoop bei Pinneberg. Er war Opfer eines Osterfeuers. In dem Wildtierzentrum wurde der Welpe versorgt, mit Milchflaschen aufgezogen, er wuchs mit anderen Füchsen auf und konnte ausgewildert werden. „Er hatte Glück im Unglück“, sagt Erdmann. Wie viele Tiere dieses Glück nicht haben, sei schwer zu sagen: „Die meisten Opfer bleiben unsichtbar, sterben still in den Flammen.“

Was Menschen als idyllisches Osterfeuer genießen, ist für Wildtiere eine große Gefahr, betont auch der Naturschutzbund (Nabu) Hamburg. Hasen, Kaninchen, Igel, Mäuse und vor allem Vögel nutzen die Reisighaufen als Unterschlupf oder Brutmöglichkeit. „Damit die Tiere eine Chance haben, den Flammen zu entkommen, sollte der Holzhaufen kurz vor dem Abbrennen umgeschichtet werden“, erklärt der Hamburger Nabu-Vorsitzende Malte Siegert. Er empfiehlt, Holz- und Reisighaufen erst sehr spät anzulegen und besonders im untersten Bereich sehr lockeres Material zu nutzen, um das Versteck unattraktiv zu machen.

Aufklärung statt Verbote

Beim Thema Osterfeuer setzt der Nabu auf Aufklärung statt Verbote: „Das ist viel wirksamer als neue oder strengere gesetzliche Vorgaben, deren Umsetzung schwer zu kontrollieren ist“, sagt Siegert. Wenn Menschen klar sei, dass das Osterfeuer für viele Tiere eine tödliche Falle sein kann, würden viele auch entsprechend handeln und das Brennmaterial umschichten. Siegert: „Tierschutz spielt bei dem Thema mittlerweile eine größere Rolle.“

Das Brauchtum der Osterfeuer hat eine lange Geschichte und ist vor allem im Norden Deutschlands weit verbreitet. Seine Ursprünge liegen in heidnischen Bräuchen, die Winterdämonen vertreiben und die Fruchtbarkeit der Erde fördern sollten. Später haben Christen und Christinnen diesen Brauch zu Ostern fortgeführt. Das Feuer soll das Licht Jesu Christi symbolisieren, das die Dunkelheit erhellt. Vor allem in ländlichen Gegenden, aber auch in Hamburg entlang der Elbe, werden riesige Holzstapel entzündet, die weithin sichtbar sind.

Geschätzt 50.000 Feuer in Deutschland

Schätzungen des Bundesumweltamtes gehen davon aus, dass jedes Jahr mehr als 50.000 Brauchtumsfeuer in Deutschland entzündet werden. Mit Folgen: Beim Abbrennen entstehen gesundheitsschädliche Emissionen, unter anderem Feinstaub, Kohlenmonoxid und organische Verbindungen wie etwa Krebs erzeugende Kohlenwasserstoffe. Besonders in städtischen Gebieten mit vielen Feuern könne die Luftqualität „in den kritischen Bereich geraten“, sagt Umweltamt-Expertin Susan Kessinger. Die Höhe der Belastung hänge stark von Anzahl und Größe der Feuer, dem verwendeten Material und Wetterbedingungen ab. Bei windigem und regnerischem Wetter sei die Belastung geringer.

Allerdings: „Osterfeuer tragen nur lokal und kurzfristig zur Schadstoffbelastung bei“, erklärt das Bundesamt. Im Vergleich dazu gebe es größere, dauerhafte Schadstoffquellen wie Verkehr oder Industrie, die eingedämmt werden sollten. Im Jahr 2023 wurden nach Berechnungen der Behörde in Deutschland 77.500 Tonnen Feinstaub freigesetzt: Durch Abrieb und aus Auspuffen im Straßenverkehr seien 16.300 Tonnen entstanden, 12.500 durch Holzfeuerung im Winter, durch Silvesterfeuerwerk 1.150 Tonnen. Osterfeuer setzten etwa 1.200 Tonnen Feinstaub frei, die Datenlage sei jedoch ungenauer.

„Traditionen und Bräuche sind Teil unseres Lebens“

In manchen Regionen sei das Zünden von Osterfeuern bereits durch strenge Auflagen und nur mit Genehmigung geregelt, heißt es vom Bundesamt. Diese würden in der Regel von Ordnungsämtern erteilt, nicht genehmigte Feuer könnten bis zu 5.000 Euro Strafe kosten. Andere Gegenden würden das Thema informell regeln. Über ein grundsätzliches Osterfeuer-Verbot werde auf Bundesebene nicht diskutiert. Kessinger: „Traditionen und Bräuche sind Teil unseres Lebens und sollten dies auch bleiben.“

Tierschützerin Erdmann findet Osterfeuer hingegen nicht mehr zeitgemäß, ein Verbot sei dennoch „leider unrealistisch“, wie sie sagt: „Die Gesellschaft muss aber bewusster damit umgehen.“ Sie appelliert, Feuer klein zu halten und beim Umschichten des Reisighaufens genau hinzusehen. „Es ist wahrscheinlich, dass darin Vögel brüten und andere Kleintiere wie Igel leben.“ Erdmann wünscht sich, dass es künftig weniger Osterfeuer gibt. Und wenn, dann sollten Äste und Zweige erst am Tag des Verbrennens aufgehäuft werden. „Damit sich erst gar keine Tiere darin verstecken.“