Stuttgart (epd). In der Nacht zum 30. März sind die Uhren von 2 auf 3 Uhr vorgestellt worden. Die Winterzeit endet, die Sommerzeit beginnt. Seit Jahren wird über eine Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung gestritten, doch noch immer heißt es zweimal im Jahr: Taktwechsel für alle. Andrei Mereuta, Leiter des Schlaflabors im Klinikum Stuttgart, erläutert, was die Zeitumstellung mit unserem Körper macht, warum sie manchen Menschen besonders schwerfällt und was hilft, um die Umstellung besser zu verkraften.
epd: Herr Mereuta, viele Menschen klagen nach der Zeitumstellung über Müdigkeit und Gereiztheit. Was passiert dabei eigentlich in unserem Körper?
Andrei Mereuta: Die Zeitumstellung verschiebt unseren inneren biologischen Rhythmus. Dieser ist eng an den Hell-Dunkel-Wechsel gekoppelt. Durch die plötzliche Verschiebung kommt es zu einer Art „Mini-Jetlag“, wodurch Schlafqualität, Hormonregulation und damit auch Stimmung und Leistungsfähigkeit vorübergehend beeinträchtigt sind.
epd: Wie lange braucht der menschliche Organismus, um sich an die neue Zeit anzupassen, und warum fällt das manchen schwerer als anderen?
Mereuta: In der Regel dauert die Anpassung einige Tage bis etwa eine Woche. Menschen mit einem ohnehin empfindlichen Schlaf, Kinder, ältere Personen oder sogenannte Eulen, also der späte Chronotyp, haben häufig größere Schwierigkeiten, insbesondere bei der Umstellung auf die Sommerzeit.
epd: Welche Strategien empfehlen Sie, um die Umstellung besser zu verkraften? Gibt es Tricks, die wirklich helfen?
Mereuta: Hilfreich ist eine schrittweise Anpassung der Schlafzeiten bereits einige Tage vorher. Zudem sind Tageslicht am Morgen, regelmäßige Schlafenszeiten, Vermeidung von spätem Koffein sowie abendliche Reduktion von Bildschirmlicht sinnvoll. Körperliche Aktivität am Tag unterstützt ebenfalls die Anpassung.
epd: Manche fordern seit Jahren ein Ende der halbjährlichen Zeitumstellung. Wäre das aus schlafwissenschaftlicher Sicht tatsächlich gesünder?
Mereuta: Ja, aus schlafmedizinischer Sicht ist die Abschaffung der Zeitumstellung klar zu befürworten. Die halbjährliche Umstellung stellt eine wiederkehrende Störung des biologischen Rhythmus dar und ist mit messbaren negativen Effekten auf Schlaf, Leistungsfähigkeit und Gesundheit verbunden. Eine dauerhafte Beibehaltung der Normalzeit, also der Winterzeit, wäre dabei die physiologisch sinnvollste Lösung, da sie am besten mit dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus übereinstimmt.

