Mit Regenschirmen für die Meinungsfreiheit: Menschenrechtler haben sich auf der Frankfurter Buchmesse mit der Protestbewegung in Hongkong und inhaftierten Autoren solidarisiert. "Die Einschränkung der Meinungsfreiheit ist immer das erste Anzeichen eines Unrechtsstaats", sagte der Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, am 17. Oktober während einer Mahnwache auf dem Messegelände.

Zugleich kritisierte er die Bundesregierung und deutsche Unternehmen scharf: Aufgrund der engen wirtschaftlichen Beziehungen würden Menschenrechtsverletzungen in China oft unter den Tisch gekehrt, sagte Skipis. Er forderte: "Deutschland muss in dieser entscheidenden Frage Haltung zeigen."

Viele der rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Mahnwache trugen in Anlehnung an das Symbol der Hongkonger Protestbewegung aufgespannte Regenschirme. Zu der Kundgebung hatten neben dem Börsenverein weitere Initiativen wie die Schriftstellervereinigung PEN International aufgerufen. Der Hongkonger Buchhändler Lam Wing Kee sagte, er freue sich über die Unterstützung und Solidarität der Teilnehmer. Auch er forderte die Bundesregierung dazu auf, China zur Wahrung der Menschenrechte zu drängen.

Verleger verschleppt

Die Teilnehmenden erinnerten auch an den von China verschleppten schwedischen Verleger Gui Minhai. "Wir wissen nicht wo er ist, wir wissen nicht, wie es ihm geht", sagte Skipis. "Die Menschenrechte werden von China mit Füßen getreten." Der in China geborene Verleger Gui wurde 2015 in Thailand von den chinesischen Behörden verschleppt und inhaftiert. Als Miteigentümer des Hongkonger Verlags "Mighty Current" hatte der 55-Jährige Enthüllungsbücher über das Privatleben chinesischer Politiker veröffentlicht.

Der im deutschen Exil lebende chinesische Schriftsteller und Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Liao Yiwu, sagte: "Wir müssen alles dafür tun, die Meinungsfreiheit und Demokratie in Hongkong zu erhalten." Auch die US-amerikanische Schriftstellerin und Präsidentin von PEN International, Jennifer Clement, solidarisierte sich mit der Hongkonger Demokratiebewegung: "Wir stehen an der Seite der Demonstrierenden."

Der Botschafter Taiwans in Deutschland, Jhy-Wey Shieh, äußerte sich während der Kundgebung ebenfalls zur Situation in der chinesischen Sonderverwaltungszone. Sein Land werde nach Möglichkeiten Flüchtlinge aus Hongkong aufnehmen, sollte es eine Fluchtbewegung geben. Doch auch Europa und die USA müssten dann helfen, forderte Shieh.