
Möttingen (epd). Seit etwas mehr als sieben Jahren engagiert sich Elmar Glöckner als Leselektor in seiner Kirchengemeinde. Er liest also biblische Texte im Gottesdienst vor. Das tun natürlich viele Menschen, landauf landab. Aber bei Elmar Glöckner ist das durchaus etwas Besonderes. Denn der 41-Jährige aus Möttingen im Landkreis Donau-Ries hat eine Lese-Rechtschreibschwäche. Lesen fällt ihm also nicht gerade leicht. Deshalb wünscht er sich passende Hilfsmittel - etwa ein spezielles Lektionar in Leichter Sprache.
Es gibt seit einigen Jahren eine ganze Reihe von Bibeln mit vereinfachten Texten. Zum Beispiel die „Bibel in Leichter Sprache“ des katholischen Bibelwerks in Stuttgart. Oder auch die „Einfach Bibel“ für junge Menschen und Gruppen mit Inklusionsbedarf. Das Problem an diesen Büchern ist laut Elmar Glöckner: Zum einen sind es oft nur Textsammlungen, also eben nicht das gesamte Alte oder Neue Testament. Zum anderen sind diese Fassungen eben nicht offiziell für die Verwendung in evangelischen Gottesdiensten zugelassen.
Für Elmar Glöckner bedeutet das in der praktischen Arbeit: Er muss sich Woche für Woche auf die Suche nach geeigneten Fassungen der anstehenden Bibeltexte machen. „Das klappt mal besser, mal schlechter“, sagt der Ehrenamtliche. Und eigentlich, findet er, ist das eine Aufgabe der Kirche, ihren Ehrenamtlichen das passende Material zur Verfügung zu stellen. Unterstützung bekommt er von seinem Pfarrer Andreas Funk. Gemeinsam suchen sie nach passenden Textfassungen und probieren die Lesungen aus, erläutert Funk.
Elmar Glöckner hat sich vor ein paar Monaten deshalb suchend an die bayerische Landeskirche gewandt, ob es denn bereits ein Lektionar in einfacher Sprache gibt oder eines geplant ist. Das Ergebnis seiner Recherche ist für ihn ernüchternd: „Nein, und geplant ist auch keins.“ Zum einen wird das Thema Inklusion vor allem auf Ebene der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie Deutschland bearbeitet, zum anderen gab und gibt es einige Projekte zu einfacher Sprache in einzelnen Landeskirchen, aber nicht in Bayern.
Zu seinem Ehrenamt gekommen ist Glöckner 2018. Er wurde aus der Gemeinde heraus gefragt, ob er sich als Leselektor einbringen will. „Das macht mir großen Spaß“, erläutert er. Anfangs sei er sich unsicher gewesen, „ob ich das schaffe“, aber mit genügend Vorlauf und Übung sei es kein Problem. Pfarrer Funk sagt, er treffe sich in der Regel einige Tage vorher mit Elmar Glöckner in der Möttinger St. Georgskirche. Durch das Üben vor Ort komme Glöckner auch mit der „durchaus anspruchsvollen Akustik“ in der Kirche gut zurecht.
Die Beauftragte für Chancengerechtigkeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Linn Loher, sagt dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage, man verweise bei dem Thema „seit Jahren auf die 'Bibel in Leichter Sprache'“ der katholischen Kollegen und empfehle diese ausdrücklich. Das Projektteam hinter dieser Publikation sei ökumenisch. Aber, schränkt Loher ein, es handle sich „nicht um eine offizielle Publikation“. Man plane keine „allgemeine Anwendung“, da sie kein Ersatz für die Lutherbibel sein kann und sein soll.
Texte in Einfacher oder Leichter Sprache haben das Ziel, dass sie leicht gelesen und beim Zuhören auch leicht verstanden werden können. Sie arbeiten also zum Beispiel mit kurzen Sätzen oder mit Wortwiederholungen. Stilistisch ist das manchmal etwas eintönig. Manchmal gefallen Elmar Glöckner und Pfarrer Andreas Funk die Texte auch genau deshalb nicht. Sie seien manchmal „sehr wiederholend“ und ohne „Reizworte“ formuliert, die das Zuhören spannend machen. Es sei schließlich wichtig, die Gottesdienstbesucher zu erreichen.
Ein Lektionar in einfacher Sprache fände Pfarrer Funk deshalb toll. Es müsste aber „in einer sehr guten Qualität formuliert sein“, bei der man auch besonders die Zuhörer im Blick habe. Elmar Glöckner sagt, er habe bislang nur schöne Rückmeldungen auf seine Tätigkeit als Leselektor erhalten, auch wenn er Texte in Leichter Sprache vorgetragen habe. Für ihn sei das kirchliche Ehrenamt „gelebte Inklusion“, er wünscht sich viel mehr Menschen mit Handicap in solchen Funktionen und bleibt dabei: „Mehr Unterstützung durch die Kirche wäre wichtig.“
Leipzig/Dresden (epd). Junge sächsische Familien besuchen Gottesdienste vor allem, wenn die angebotenen Formate auf sie zugeschnitten sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Leipzig unter Leitung des Theologieprofessors Alexander Deeg, deren Ergebnisse die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens am 13. Januar in Dresden veröffentlichte. Demnach lassen sich Familien auch ansprechen, wenn Familienmitglieder im Gottesdienst mitwirken.
Darüber hinaus habe die Studie gezeigt, dass ehrenamtliches Engagement der Eltern in der Kirchgemeinde sowie die Teilnahme an sonstigen kirchlichen Angeboten die Wahrscheinlichkeit eines Gottesdienstbesuches von Familien erhöhen. Sowohl die Kirchenmusik als auch die gemeindepädagogischen Angebote entfalten laut Studie eine hohe Bindungskraft.
Musikalische Vielfalt und die Sensibilität für gleichberechtigte Teilhabe aller Kinder und Erwachsenen seien ebenfalls bei der Gestaltung familienfreundlicher Gottesdienste in den Blick zu nehmen, hieß es. Mit der Studie seien erstmals Bedarfe und Erwartungshaltungen von Familien mit Kindern als eine konkrete Zielgruppe der Gottesdienste erforscht worden.
Das Projektteam habe qualitative Interviews in vier ausgewählten Kirchenbezirken der sächsischen Landeskirche geführt. Zudem wurden Daten einer Online-Befragung von mehr als 2.000 Familien auf dem Gebiet der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ausgewertet. Der knapp 170-seitige Bericht schließt mit konkreten Vorschlägen zur Liturgie sowie zur Zusammenarbeit der Mitwirkenden eines Gottesdienstes.
Stuttgart (epd). Nach heftiger Kritik an der Christmette an Heiligabend in der ARD haben die Verantwortlichen der Diözese Rottenburg-Stuttgart nun Fehler eingeräumt. Bischof Klaus Krämer und die Diözesanleitung teilten am 12. Januar mit, eine Provokation oder eine Herabwürdigung von Glaubensinhalten sei nicht beabsichtigt gewesen. Gleichwohl sei klar geworden, dass die gewählte Darstellung bei vielen Menschen für Ärger, Irritation und Unverständnis gesorgt sowie religiöse Gefühle verletzt habe.
In dem TV-Gottesdienst aus der Stuttgarter Kirche St. Maria lag in der Krippe kein Baby, sondern ein Erwachsener in einer schleimigen Hülle. An dieser Darstellung hatte es teils scharfe Kritik gegeben. Verantwortlich für die Konzeption war die Katholische Rundfunkarbeit der Kirche am SWR. Die Liturgie war für das Fernsehformat freier gestaltet worden, als es die kirchlichen Regeln erlauben. Das sei nicht korrekt gewesen, teilte die Bistumsleitung mit. Als Konsequenz sollen bei künftigen Gottesdienstübertragungen die Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse verbessert werden.

Hannover (epd). Der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Frank Kopania, hat sich besorgt über die aktuellen Entwicklungen im Iran geäußert. „Gewalt gegen friedlich Protestierende und massive Einschränkungen von Freiheitsrechten sind nicht hinnehmbar“, erklärte der Leiter der Abteilung Ökumene und Auslandsarbeit im Kirchenamt der EKD am 13. Januar auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) in Hannover: „Besonders denken wir an die religiösen Minderheiten, darunter die christliche Gemeinschaft, die im Iran seit Jahren Diskriminierung, Verfolgung und Haftstrafen ausgesetzt ist.“
Religionsfreiheit sei ein universelles Menschenrecht, betonte Kopania weiter: „Als Kirche stehen wir solidarisch an der Seite aller Menschen im Iran, die für Würde, Freiheit und Gerechtigkeit eintreten. Unsere Gedanken und Gebete sind bei ihnen.“
Das Regime im Iran sieht sich seit Wochen landesweiten Protesten gegen seine autoritäre Herrschaft gegenüber. Große Teile der Bevölkerung leiden unter der schwierigen wirtschaftlichen Lage und wenden sich zunehmend gegen die anhaltende staatliche Repression.
Kelkheim (epd). Die Lage der Christen im Nahen Osten hat sich nach Angaben der christlichen Organisation „Open Doors“ massiv verschlechtert. In Syrien etwa hätten sich seit dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 die Hoffnungen auf mehr Sicherheit nicht erfüllt, erklärte das überkonfessionelle Hilfswerk mit missionarischen Wurzeln am 14. Januar im hessischen Kelkheim (Taunus) in seinem neuen Weltverfolgungsindex. Christen berichteten von einem Ausmaß der Verfolgung, das seit der Zeit, als der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) Teile des Landes kontrollierte, nicht mehr dagewesen sei. Dies schließe eine starke Zunahme von Ermordungen und Angriffen auf Kirchen ein.
Eine ähnliche Entwicklung sei im Irak zu beobachten - „der Nahe Osten blutet durch anhaltende Christenverfolgung zunehmend aus“, hieß es weiter. Die traditionellen Kirchen im Irak - die assyrische Kirche des Ostens, die syrisch-orthodoxe Kirche, die syrisch-katholische Kirche, die chaldäisch-katholische Kirche und die armenische orthodoxe Kirche - seien stark von Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung betroffen. Diese gingen besonders von islamisch-extremistischen Bewegungen und nicht christlichen religiösen Leitern aus.
Im Iran seien christliche Konvertiten, die den Islam verlassen haben, am stärksten von Verletzungen der Religionsfreiheit betroffen. Begangen würden diese vor allem durch die Regierung und in einem geringeren Maße durch die Gesellschaft und die Familien der Konvertiten, so „Open Doors“. Die Regierung sehe in christlichen Konvertiten einen Versuch westlicher Länder, den Islam und die islamische Regierung des Iran zu untergraben. Der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung beträgt groben Schätzungen zufolge in Syrien rund 1,4 Prozent, im Iran rund ein Prozent und im Irak ein bis zu zwei Prozent.
Ein besonders dramatischer Schwerpunkt der Christenverfolgung liege in Subsahara-Afrika, hieß es weiter. So warnte der Leiter von „Open Doors Deutschland“, Markus Rode, das Leid der Christen in Nigeria zu ignorieren. International müsse wahrgenommen werden, dass in dem Land „Christen niedergemetzelt und vernichtet werden“, sagte Rode dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es sei vor allem ein religiös motivierter Konflikt, in dem zwar auch Streit um Land, die Folgen von Umweltveränderungen sowie Fragen von Macht eine Rolle spielten, diese Faktoren seien aber nachgeordnet, so Rode. Hinter den Angriffen stecke eine „klare islamistische Agenda“. „3.490 der 4.849 weltweit dokumentierten Opfer christenfeindlicher Gewalt kamen in Nigeria ums Leben“, erklärte „Open Doors“.
Seit rund 30 Jahren veröffentlicht das christliche Hilfswerk „Open Doors“ seinen Weltverfolgungsindex. Die Negativ-Rangliste von 50 Ländern soll auf Christen aufmerksam machen, die Verfolgung und Diskriminierung wegen ihres Glaubens ausgesetzt sind. Die schlimmste Verfolgung von Christen herrscht laut Jahres-Index weiter in Nordkorea. Auf den Plätzen zwei bis zehn folgten Somalia, Jemen, Sudan, Eritrea, Syrien, Nigeria, Pakistan, Libyen und der Iran. Insgesamt seien rund 388 Millionen Christen einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung ausgesetzt, laut „Open Doors“ ein „neuer Höchststand“.
Die Daten liefern laut Hilfswerk kirchliche Netzwerke, regionale Menschenrechtsanwälte, Analysten sowie Experten von „Open Doors International“. Die Einhaltung der Methodik wird durch das evangelikal geprägte Internationale Institut für Religionsfreiheit geprüft und zertifiziert.

Berlin (epd). Es sind noch fast 20 Jahre, viel Zeit. Dennoch erscheint die Aufgabe immens: Bis 2045 will die evangelische Kirche klimaneutral sein. Das gilt auch für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, in deren Klimaschutzgesetz von Oktober 2020 es heißt: „Die Treibhausgasemissionen sollen bis zum Jahr 2045 auf null gesenkt werden (CO2-Neutralität).“
Das heißt, unter dem Strich darf dann kein klimaschädliches Gas mehr in die Atmosphäre gelangen. Aber wie kann Kirche das erreichen, mit ihren riesigen Gebäuden und zahllosen weiteren Immobilien? Ein Bericht auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat im November in Dresden aufgezeigt, woran es noch hakt.
Der Bericht schätzt, dass durch die Nutzung kirchlicher Gebäude pro Jahr knapp 520.000 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt werden, 83 Prozent davon durch die Beheizung, 17 Prozent durch die Art der Stromerzeugung. Noch liegt der Anteil fossiler Energie beim Beheizen kirchlicher Gebäude je nach Landeskirche zwischen 73 und 97 Prozent. Um den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern, wird die Kirche also vor allem andere Heizungen brauchen.
In der evangelischen Apostel-Paulus-Kirche in Berlin-Schöneberg ist es angenehm warm an diesem Wintertag: Draußen ist es um den Gefrierpunkt, drinnen weist das Thermometer 19 Grad Celsius aus. Und das in einem Kirchenraum mit 14.835 Kubikmetern Volumen - die zweitgrößte Kirche Berlins nach dem Dom, wie Ajna Nickau betont, Vorständin des Evangelischen Immobilienwerks in Berlin. Bis zu 1.200 Menschen passen bei den vielen Konzerten dort hinein.
Die Wärme braucht es also. Außerdem ist die Kirche ein Ort im „Wärmewinter“, einer Hilfsaktion der Diakonie und der EKD. Früher bollerte die alte Gastherme im Keller, erinnert sich Ajna Nickau. Und davor seien „tonnenweise Kohlen in den Keller geschippt“ worden. Viele Einnahmen aus den Konzerten seien dann für die Betriebskosten draufgegangen, wie eben die Heizung, heißt es aus der Gemeinde.
Noch immer ist die alte Gasanlage unter dem Altar zu finden, aber nur noch als Ersatz für das neue Blockheizkraftwerk. Denn seit zwei Jahren kommt aus der alten Gasleitung Biomethan von der Gasag, dem örtlichen Versorger. Dieses speist das Blockheizkraftwerk, das nun im Keller unter dem Altar vis-à-vis der alten Gastherme steht. Die Anlage funktioniere „wie ein Motor“, sagte Ajna Nickau. Strom und Wärme werden gleichzeitig produziert, dank Kraft-Wärme-Kopplung.
Der Weg dorthin war keinesfalls einfach. Unter anderem musste ein Weg für einen Abgasschacht durch das denkmalgeschützte Gebäude gefunden werden. Das machte Untersuchungen der Statik nötig, aber auch enge Absprachen mit den Denkmalschutzbehörden.
Die Apostel-Paulus-Kirche im Schöneberger Akazienkiez nennt sich nun seit zwei Jahren selbstbewusst „die erste klimaneutrale Großkirche in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz“. Kann es so einfach sein? Architektin Nickau vom kirchlichen Immobilienmanagement bremst die Euphorie. Sie ist für 205 Immobilien zuständig, Kirchen, Pfarrhäuser, Kitas, Wohnungen: „194 davon sind in einem desaströsen Zustand.“ Und: „Uns fehlt an allen Ecken und Enden das Geld.“
Die Anlage in der Apostel-Paulus-Kirche hat 260.000 Euro gekostet. Der Superintendent des Kirchenkreises Tempelhof-Schöneberg weiß, dass es ohne Gasag und die Stiftung Denkmalschutz Berlin noch lange nicht geklappt hätte mit der Klimaneutralität. Alle möglichen Varianten habe man damals durchgespielt, sagt Michael Raddatz: Aber Fernwärme lag nicht an, für eine Wärmepumpe war der Raum zu groß, Solarpaneele schieden aus Gründen des Denkmalschutzes aus.
Nun aber könne man dank Gasag und Denkmalschutz „ohne schlechtes Gewissen gegenüber den Kindern und Enkeln Gottesdienst feiern“. Und: „Mit der Apostel-Paulus-Kirche sind wir für die gesamte Landeskirche zu einem Pilotprojekt geworden.“
Hannover (epd). Die deutschen Lutheraner haben dem neuen Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land zur Amtseinführung gratuliert. Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, wünschte Imad Mousa Haddad am 12. Januar einen wachen Geist, um in einem schwierigen Umfeld das „Amt der Versöhnung“ auszufüllen. Es sei eine faszinierende und herausfordernde Aufgabe zugleich, in der Nähe der Wirkungsstätten Jesu „über Landesgrenzen und Nationalitäten hinweg eine lutherische Gemeinde zusammenzuhalten.“
Die Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB), die Nordkirchen-Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, wünschte dem neuen Bischof, dass er in „unruhigen Zeiten eine Quelle der Hoffnung für alle verunsicherten und leidenden Menschen in der Region sein kann“. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land und der Lutherische Weltbund (LWB) stünden mit ihrer diakonischen Arbeit in Jerusalem, dem Westjordanland und auch im Gaza-Streifen Seite an Seite in der Hilfe für Menschen in Not.
Imad Mousa Haddad wurde am Sonntag in der Jerusalemer Erlöserkirche in sein Amt eingeführt. Der im jordanischen Amman lebende Pfarrer war laut VELKD bereits im Juni 2025 von der Synode zum Nachfolger von Sani Ibrahim Azar gewählt worden, der nun in den Ruhestand geht. Haddad ist den Angaben zufolge der fünfte Bischof der 1959 gegründeten Kirche, der zurzeit etwa 2.000 Mitglieder in sechs Gemeinden in Jordanien, Jerusalem und dem Westjordanland angehören. Die Wurzeln der Kirche reichen ins 19. Jahrhundert zurück.
Mit der Verwendung des Begriffs „Völkermord“ für das Vorgehen Israels im Gaza-Streifen hatte Bischof Sani Ibrahim Azar am Reformationstag vergangenen Jahres kontroverse Äußerungen und Irritationen ausgelöst. Er hatte dies anschließend bedauert, seine Äußerungen seien keine politische Provokation gewesen.
Hamburg (epd). Der evangelische Pfarrer und Menschenrechtsexperte Jochen Motte ist tot. Der promovierte Theologe starb am 8. Januar im Alter von 63 Jahren, wie die Evangelische Mission Weltweit (EMW) am 12. Januar in Hamburg mitteilte. „Jochen Motte hat uns immer wieder daran erinnert, dass missionarische Arbeit ohne den Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte nicht glaubwürdig ist“, erklärte EMW-Vorstandsvorsitzender Dietmar Arends.
Auch das Forum Menschenrechte, ein Netzwerk von mehr als 50 deutschen Nichtregierungsorganisationen (NGO), bestätigte Mottes Tod „nach langer, schwerer Krankheit“. Das Forum würdigte den Verstorbenen als „Kollege, Berater, Vorgesetzter, Freund, Mentor, Kapitän, der uns durch manch schweres (finanzielles oder politisches) Fahrwasser lotste“.
Motte leitete der EMW-Mitteilung zufolge viele Jahre die Abteilung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der Vereinten Evangelischen Mission (VEM). 2008 sei er in den Vorstand der VEM berufen worden und später stellvertretender Generalsekretär gewesen. Von 2013 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im vergangenen Jahr gehörte er demnach dem Vorstand der EMW an.
In dieser Funktion habe er sich „über zwölf Jahre hinweg mit großer Klarheit und Leidenschaft“ engagiert, würdigte EMW-Vorstandschef Arends den Verstorbenen. „Die Welt verliert mit Jochen Motte einen profilierten Theologen, engagierten Menschenrechtsverteidiger und überzeugten Streiter für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung“, erklärte er.
Düsseldorf (epd). Seit Jahresbeginn gelten in den drei Landeskirchen in Westfalen, Rheinland und Lippe einheitliche Regelungen zur Anerkennung von sexualisierter Gewalt. Die Landeskirchen haben die entsprechende Richtlinie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) übernommen, wie die drei Landeskirchen und die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe am 12. Januar in Düsseldorf, Bielefeld und Detmold erklärten. Damit gebe es auch einen einheitlichen Rahmen für Anerkennungszahlungen, die betroffenen Personen zustehen.
Die Richtlinie, die in enger Zusammenarbeit mit den Betroffenenvertretern entstanden war, hatte die EKD ihren 20 Gliedkirchen im vergangenen Jahr zur Umsetzung empfohlen. Die drei evangelischen Kirchen im Westen sowie das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe hätten daraufhin „die uneingeschränkte Umsetzung der Richtlinie“ beschlossen, erklärten die drei Kirchen. Damit zähle der Verbund West zu den ersten Verbünden in Deutschland, in denen die neue Anerkennungsrichtlinie zur Anwendung kommt.
Auch künftig werde „eine unabhängig und weisungsfrei agierende, ehrenamtlich besetzte Kommission“ die Anträge auf Anerkennung des erlittenen Leides bearbeiten, hieß es. Die Höhe der Leistungen hängt von der Schwere der Tat und ihren Spätfolgen ab. Sie setzt sich aus einer individuellen Zahlung ohne Obergrenze und einer pauschalen Leistung in Höhe von 15.000 Euro zusammen, wenn die Tat nach heutigen Kriterien strafbar war. Auch Betroffene, die bereits Anerkennungsleistungen erhalten haben, können erneut einen Antrag stellen.
Kirchen und Diakonie wollten mit der Vereinheitlichung der Anerkennungsstandards weiter Verantwortung für Unrecht und Leid übernehmen, das Menschen im kirchlich-diakonischen Umfeld erfahren haben, erklärten die drei Landeskirchen. Allen Beteiligten sei bewusst, dass es sich in jedem Fall lediglich um die Anerkennung erlittenen Leides handeln könne, nie jedoch um Wiedergutmachung.

Berlin (epd). Superreiche haben laut Oxfam im vergangenen Jahr ihr Vermögen besonders stark gesteigert: um 2,5 Billionen US-Dollar. Mit ihren immensen Ressourcen sicherten sich die Milliardäre und Milliardärinnen dabei Macht in Politik und Gesellschaft zu ihrem eigenen Vorteil, während fast die Hälfte der Menschheit in Armut lebe, erklärte die Entwicklungs- und Hilfsorganisation am 19. Januar bei der Vorstellung ihres diesjährigen Ungleichheitsberichts.
„Superreiche stützen ihre politische Macht durch finanzielle Einflussnahme auf Politik, Eigentum und Kontrolle von Medien und direkten Zugang zu politischen Ämtern“, betonte Oxfam. „Das gefährdet die Demokratie.“ Am Beispiel der USA sei zu sehen, wie sich die Wirtschaftsmacht der Superreichen immer deutlicher in politischer Macht niederschlage und die Demokratie aushöhle, erklärte Charlotte Becker, Vorständin von Oxfam Deutschland. Dabei konzentriere sich der Reichtum an der Spitze zuletzt „in noch nie dagewesenem Tempo“.
Mit einem Zuwachs von 2,5 Billionen US-Dollar erreichte das Vermögen von Milliardärinnen und Milliardären laut dem Bericht „Resisting the Rule of the Rich“ im Jahr 2025 einen Rekordwert von 18,3 Billionen US-Dollar. Damit habe es dreimal so schnell zugenommen wie im Durchschnitt der fünf Jahre zuvor. Allein der Anstieg nur im Jahr 2025 entspreche fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung.
In Deutschland stieg die Zahl der Milliardäre und Milliardärinnen dem Oxfam-Bericht zufolge um ein Drittel auf 172. Im Durchschnitt verdienten diese Superreichen in weniger als eineinhalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland, hieß es weiter. Immer mehr Milliardärinnen und Milliardäre auf der einen und sich verfestigende Armut auf der anderen Seite seien auch hier ein Nährboden für antidemokratische Kräfte, warnte Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit. Die Bundesregierung müsse entschieden entgegensteuern.
Marburg (epd). Unwort des Jahres 2025 ist das „Sondervermögen“. Das gab die Jury der sprachkritischen Aktion am 13. Januar in Marburg bekannt. Der Ausdruck sei im öffentlich-politischen Sprachgebrauch vermehrt verwendet worden und habe die Debatte über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme „sehr deutlich“ geprägt.
Der Ausdruck Sondervermögen werde genutzt, um die demokratische Debatte über die Notwendigkeit einer Schuldenaufnahme zu unterminieren, teilte die Marburger Jury mit. „Der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist: die Aufnahme von Schulden.“
Auf Platz zwei setzte die Jury den Begriff „Zustrombegrenzungsgesetz“. Der Ausdruck stelle mit der Wassermetapher das „Herbeiströmen in großen Mengen“ dar und verbinde so die Zuwanderung mit einer Bedrohung, kritisierte die Jury, bestehend aus vier Sprachwissenschaftlern und zwei Journalisten. Bereits seit den 1950er Jahren werde Migration mit großen Wassermassen verglichen, etwa mit den Worten Flüchtlingsstrom, Asylantenstrom oder Asyltsunami.
Der Journalist, Jurist und Mitglied des Deutschen Presserates, Ronen Steinke, wählte als persönliches Unwort des Jahres die „Umsiedlung“. Mit dem Wort warben demnach israelische und amerikanische Politiker dafür, die Bevölkerung des Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken. Es klinge wie eine Wohltat, verschleiere aber das Verbrechen der Vertreibung. Ronen hatte 2025 in der Jury die Rolle des jährlich wechselnden Mitglieds.
Die Aktion macht seit 1991 auf diskriminierende und unangemessene Formen des öffentlichen Sprachgebrauchs aufmerksam. „Ein Unwort entsteht erst im Gebrauch“, sagte die Sprecherin der Jury, die Marburger Professorin für Pragmalinguistik Constanze Spieß, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein Begriff werde zum Unwort, wenn er in seiner Nutzung gegen die Prinzipien der Menschenwürde und der Demokratie verstoße, Einzelne oder Gruppen diffamiere oder diskriminiere oder wenn er euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sei.
Für das Jahr 2025 erhielt die Jury nach eigenem Bekunden insgesamt 2.631 Einsendungen. 553 Ausdrücke seien vorgeschlagen worden, von denen allerdings nur rund 70 den Unwort-Kriterien der Jury entsprochen hätten.
Aachen/Düsseldorf (epd). Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und frühere italienische Ministerpräsident Mario Draghi erhält den diesjährigen Internationalen Karlspreis zu Aachen.Die Auszeichnung an den Wirtschaftswissenschaftler verweise darauf, dass die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu einer entscheidenden Frage für den Bestand der EU geworden sei, sagte der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, Armin Laschet, am 17. Januar in Aachen.
Draghi habe in seiner Rolle als EZB-Chef mit der Ankündigung „Whatever it takes“ (Was auch immer nötig ist) im Jahr 2012 in einer „dramatischen Situation den Euro gerettet“, erklärte Laschet. Damit habe er den europäischen Binnenmarkt und die Währungsunion vor dem Scheitern bewahrt. Zudem habe der Italiener mit dem Draghi-Report von 2024 wichtige Vorschläge zur wirtschaftlichen Erneuerung Europas vorgelegt, sagte der ehemalige CDU-Parteichef.
Man verstehe die Auszeichnung mit dem Karlspreis deshalb auch als „Appell“ an die EU-Kommission und die europäischen Regierungschefs, die Vorschläge Draghis umzusetzen und sich „auf das Wesentliche“ zu konzentrieren, betonte Laschet. „'Whatever it takes' gilt jetzt für Wettbewerbsfähigkeit und Handlungsfähigkeit Europas. Setzt das um, was Mario Draghi in seinem Bericht gefordert hat.“
Laschet, der im vergangenen Dezember den Vorsitz im Karlspreisdirektorium übernommen hatte und den neuen Preisträger gemeinsam mit dem Aachener Oberbürgermeister Michael Ziemons (CDU) vorstellte, erinnerte zudem daran, dass schon mehrfach Italiener unter den Trägern des Karlspreises gewesen seien. Der Erste in dieser Reihe sei der damalige italienische Ministerpräsident Alcide De Gasperi gewesen, „einer der Gründungsväter Europas“. Zudem sei Italien „eines der Gründungsländer der EU“.
In einer Videobotschaft dankte der 78-jährige Draghi dem Karlspreisdirektorium für die Auszeichnung. Man lebe in einer Zeit, in der Europa „viele Feinde hat - möglicherweise niemals so viele wie jetzt“, sagte er auf Englisch. Nun gehe es darum, die Europäische Union zu erhalten. Dazu müsse Europa aber auch enger zusammenstehen und seine „selbst verschuldeten Schwächen“ überwinden. Die Staaten müssten sowohl politisch als auch wirtschaftlich und militärisch stärker werden. Nur dann könnten die europäischen Werte erhalten bleiben und „als Vermächtnis“ künftigen Generationen übergeben werden.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) gratulierte dem Preisträger. „Mit Mario Draghi ehrt das Karlspreisdirektorium einen herausragenden Europäer und überzeugten Weltbürger“, betonte er. Der mit einer Million Euro dotierte Aachener Karlspreis zu Aachen gilt als älteste und wichtigste Auszeichnung für Verdienste um Völkerverständigung und Zusammenarbeit in Europa. Er wird in diesem Jahr am 14. Mai verliehen. Die Auszeichnung ist nach Karl dem Großen (747/748-814) benannt, der schon zu Lebzeiten als „Vater Europas“ bezeichnet wurde. Verliehen wird der Preis seit 1950, über die Preisträger entscheidet ein Gremium von Aachener Bürgern.

Berlin (epd). Das Hans-Carossa-Gymnasium in Berlin-Spandau wird als erste deutsche Schule nach der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer (1921-2025) benannt. Wie die nach der Verstorbenen benannte Stiftung am 12. Januar mitteilte, hat die Schulkonferenz des Gymnasiums einstimmig die Umbenennung in Margot-Friedländer-Gymnasium beschlossen. Das Bezirksamt Spandau muss der Umbenennung den Angaben zufolge noch zustimmen. Bislang ist die Schule nach dem Schriftsteller und Arzt Hans Carossa (1878-1956) benannt.
Die Anfrage zur Umbenennung wurde laut Stiftung noch zu Lebzeiten Friedländers gestellt. Stiftungsvorsitzende Karsten Dreinhöfer, erklärte: „Margot Friedländer hat sich darüber sehr gefreut und war stolz darauf“.
Schulleiter Henning Rußbült erklärte, Friedländer habe seit 2011 regelmäßig mit Schülerinnen und Schülern über den Holocaust und ihre Lebensgeschichte gesprochen: „Ihr Aufruf, menschlich zu handeln und sich anderen gegenüber respektvoll zu verhalten, hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und ist zu einem Leitbild für unsere Schulgemeinschaft geworden.“ Zum Holocaust-Gedenkag am 27. Januar veranstalten Gymnasium und Stiftung einen Gedenkabend für die Verstorbene.
Margot Friedländer starb am 9. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren in ihrer Geburtsstadt Berlin. Sie hatte als einzige in ihrer direkten Familie das Konzentrationslager Theresienstadt überlebt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging sie mit ihrem Mann nach New York. Im Alter von 88 Jahren kehrte sie 2010 zurück nach Berlin und besuchte bis zu ihrem Tod unzählige Schulen. Berühmt wurde ihr Ausspruch: „Seid Menschen“.

Rotenburg/Wümme (epd). Die berufsbildenden Schulen der Diakonie in Rotenburg an der Wümme heißen seit dem 14. Januar „Margot Käßmann-Schule“. Es ist die bundesweit erste Bildungseinrichtung, die den Namen der früheren hannoverschen Landesbischöfin und ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) trägt, wie das Evangelisch-lutherische Diakonissen-Mutterhaus im niedersächsischen Rotenburg als Trägerin der Schule mitteilte. Käßmann selbst enthüllte das neue Namensschild. Sie werde als Schirmherrin künftig das Schulleben mitgestalten.
Der Entscheidung für den neuen Namen sei ein intensiver Beratungs- und Abstimmungsprozess unter Beteiligung der Schülerschaft und des Kollegiums vorausgegangen, hieß es. Käßmann sagte laut Manuskript, es sei für sie eine Ehre: „Die Förderung von sozialem Engagement und protestantischem Profil war und ist mir ein Anliegen. Deshalb werde ich die Schule, vor allem die jungen Leute, die sich hier auf ihr Berufsleben vorbereiten, in Zukunft gern begleiten und unterstützen.“
Der Geschäftsführer der Rotenburger Werke, Thorsten Tillner, würdigte Käßmann als „eine der prägenden Stimmen in Deutschland für den sozialen Zusammenhalt und die Stärkung der sozialen Berufe.“ Er fügte hinzu: „Margot Käßmann zeigt sich als Mensch, als Christin, als Bürgerin, als Funktionsträgerin. Und sie hat einen wertschätzenden Blick auf die Welt. Darin ist sie vorbildlich für unsere Schule.“
Die Margot Käßmann-Schule ist den Angaben zufolge 2024 aus den berufsbildenden Schulen des Rotenburger Diakonissen-Mutterhauses, der Rotenburger Werke und des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg hervorgegangen. Sie präge seit mehr als 100 Jahren die Bildungslandschaft und Institutionen im Gesundheits- und Sozialwesen der Region, hieß es. Fast 600 Schülerinnen und Schüler absolvieren dort eine Ausbildung in sozialpädagogischen, heilerzieherischen und Pflegeberufen. Außerdem wird dort die Weiterbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin und zum Erzieher angeboten.
Bremen, Bremerhaven (epd). Das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut und die Universität Bremen können weiterhin gefährdete Klima- und Umweltdaten aus den USA sichern. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) stellt rund 860.000 Euro zur Verfügung, um auf der Datenplattform „Pangaea“ die Datensätze systematisch zu identifizieren und langfristig zu sichern, wie das Alfred-Wegener-Institut am 15. Januar mitteilte.
Hintergrund sind Budget-Kürzungen der Regierung von US-Präsident Donald Trump, die den Verlust wertvoller Klima- und Umweltdaten zur Folge haben könnten. Im vergangenen Mai hatte die Universität Bremen mitgeteilt, dass erste Datensätze auf „Pangaea“ gesichert wurden. Dies sei nach einem dringenden Hilferuf aus der Wissenschaftsgemeinschaft und der US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) geschehen. Mehrere US-Experten hatten gewarnt, der US-Präsident, der den Klimawandel leugnet, gestalte die US-Wissenschaft danach um, was er für relevant oder irrelevant halte.
„Pangaea“ ist den Angaben zufolge ein weltweit anerkannter Data Publisher, der wissenschaftliche Daten aus den Erd- und Umweltwissenschaften veröffentlicht und archiviert. Die Plattform stelle sicher, dass hochwertige, gut strukturierte und interoperable Datensätze öffentlich zugänglich sind.

Bonn, Genf (epd). Kein weiterer Klima-Rekord, aber außergewöhnlich hohe Temperaturen: 2025 war laut dem EU-Klimadienst Copernicus das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Den am 14. Januar veröffentlichten Daten zufolge war es mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 14,97 Grad Celsius nur geringfügig kühler als in den bisher heißesten Jahren 2024 und 2023. Zu ähnlichen Schlüssen kommt eine von der Weltwetterorganisation WMO vorgelegte Analyse.
Laut den Copernicus-Daten, die vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) veröffentlicht wurden, lagen die globalen Temperaturen erstmals auch im Dreijahresschnitt um mehr als 1,5 Grad Celsius über dem Niveau der vorindustriellen Zeit. Bezogen auf ein Jahr war diese international vereinbarte Grenze bereits 2024 überschritten worden.
Auch seien die vergangenen elf Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen, hieß es. Copernicus-Direktor Carlo Buontempo sprach von einem weiteren „Beweis für den unverkennbaren Trend zu einem heißeren Klima“. Die Welt nähere sich rasch der im Pariser Abkommen festgelegten langfristigen Temperaturgrenze, sagte Buontempo und warnte: „Wir werden sie zwangsläufig überschreiten.“
Die am Mittwochnachmittag von der WMO vorgelegte Analyse bestätigt die grundsätzlichen Trends der Copernicus-Daten, weicht aber in Details von ihnen ab. So zählt die UN-Sonderorganisation 2025 zwar zu den drei wärmsten jemals gemessenen Jahren, legt sich aber bei der genauen Reihenfolge nicht fest. In sechs herangezogenen Datenreihen landet 2025 auf dem dritten Platz, in zwei Datenreihen allerdings sogar auf Platz zwei, wie die Fachleute erläuterten.
Auch mit Blick auf die 1,5-Grad-Schwelle, deren langfristiges Überschreiten schwerwiegende Folgen für das Klimasystem hätte, gibt es leichte Abweichungen. Ausgehend von den insgesamt acht berücksichtigten Datensätzen nennt die WMO für die vergangenen drei Jahre eine durchschnittliche Erwärmung um 1,48 Grad. Graduelle Unterschiede seien auf unterschiedliche Erhebungsmethoden bei den insgesamt acht herangezogenen Datenreihen zurückzuführen, hieß es.
Das 1,5-Grad-Ziel ist für das Klimasystem wichtig und zudem symbolisch aufgeladen. 2015 hatte sich die Staatengemeinschaft vorgenommen, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Eine dauerhafte Überschreitung hätte weltweit schwerwiegende Folgen, etwa weil Hitzewellen oder andere Extremwetterereignisse wie Starkregen und Wirbelstürme zunähmen. Auch sind viele Ökosysteme gefährdet.
Entscheidend für das 1,5-Grad-Ziel ist die langjährige Durchschnittstemperatur. Obwohl ein Überschießen von 1,5 Grad in einzelnen Jahren also noch kein Scheitern bedeutet, äußerte sich die Strategische Leiterin für Klima beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW), Samantha Burgess, besorgt. Das aktuelle Niveau der Erderwärmung werde auf 1,4 Grad geschätzt, sagte Burgess. Wenn sich die Erwärmungsrate der vergangenen 15 Jahre fortsetze, könnte die 1,5-Grad-Grenze bereits bis Ende dieses Jahrzehnts überschritten sein.
Neben den klimaschädlichen Treibhausgasen in der Atmosphäre sind laut Copernicus die hohen Meeresoberflächentemperaturen dafür verantwortlich, dass die vergangenen drei Jahre außergewöhnlich warm waren. Dies hänge mit dem Wetterphänomen El Niño und „anderen Faktoren der Ozeanvariabilität“ zusammen, die durch den Klimawandel verstärkt worden seien. Zudem verwiesen die Fachleute auf Veränderungen in der Menge der Aerosole, niedrige Wolken sowie Schwankungen in der atmosphärischen Zirkulation.

Berlin (epd). Als die Wikipedia vor 25 Jahren startete, war das Internet noch ein anderes. Es war langsamer, nicht überall verfügbar und wurde viel mehr zur Informationsbeschaffung genutzt als zur Unterhaltung. Im Gegensatz zu vielen anderen Angeboten aus der Frühzeit des World Wide Web kann sich die Online-Enzyklopädie aber bis heute behaupten. „Die Idee, Wissen frei verfügbar zu machen, hat nichts an Aktualität eingebüßt“, sagt Nina Leseberg. Sie ist Bereichsleiterin Communitys und Engagement bei Wikimedia Deutschland, dem gemeinnützigen Verein, der hinter dem Projekt der deutschsprachigen Wikipedia steht.
Eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre ist laut Leseberg, neue Ehrenamtliche für das Projekt zu begeistern und die Autorenschaft diverser aufzustellen. Denn es sind Tausende Ehrenamtliche, die die deutschsprachigen Wikipedia-Artikel verfassen, bearbeiten, korrigieren und verwalten.
Am 15. Januar 2001 wurde Wikipedia gegründet, zwei Monate später ging die deutsche Version online. Heute gehört Wikipedia mit täglich sieben bis neun Millionen eindeutigen Aufrufen zu den Top Ten der meistbesuchten Webseiten in Deutschland. Doch mit der zunehmenden Verbreitung von Large Language Models wie ChatGPT oder der KI-gestützten Google-Suche könnte dieser Erfolg schon bald der Vergangenheit angehören.
Ähnlich wie klassische Nachrichtenmedien sehe sich auch Wikipedia konfrontiert mit einer „veränderten Art und Weise, wie Wissen konsumiert wird“, sagt Leseberg. Sie meint damit einen Trend, der wegführt von der eigenständigen Recherche und hin zur automatisierten Beantwortung ganz konkreter Fragestellungen, wie sie etwa Chatbots bieten. Im Gegensatz zu diesen basiere Wikipedia jedoch auf dem Grundverständnis, dass Nutzende fehlerhafte Darstellungen melden könnten und diese nach einer sorgfältigen Prüfung korrigiert würden.
Johannes Richter gehört schon seit mehr als zehn Jahren zum Kreis derjenigen, die das Projekt Wikipedia in Deutschland ehrenamtlich am Laufen halten. Zunächst verfasste er als Autor zahlreiche Beiträge über Politik und Gesellschaft. Mittlerweile ist er als einer von rund 160 gewählten Admins unter anderem für die Durchsetzung der Regeln und die Bekämpfung von Vandalismus zuständig. So wird im Wikipedia-Universum die vorsätzliche Verfälschung von Beiträgen genannt, die immer wieder mal aufgedeckt wird.
Der Offenheit des Projekts entsprechend könne zwar jeder und jede Beiträge bearbeiten, in der deutschsprachigen Wikipedia müssten diese aber von erfahrenen Usern freigegeben werden, erklärt Richter: „Wenn der ersten Person auffällt, dass etwas in einem Artikel nicht stimmt, kann dieser sofort gesperrt oder die Änderungen können rückgängig gemacht werden.“
Außerdem werde jede jemals vorgenommene Änderung eines Artikels automatisch und transparent für alle Nutzer und Nutzerinnen auf der zugehörigen Beitragsseite dokumentiert. Diese Kontrollmechanismen führten dazu, „dass Manipulationsversuche früher oder später eigentlich immer auffallen“, sagt Richter.
Vorausgesetzt, es gibt ausreichend Ehrenamtliche, die regelmäßig etwaige Änderungen in den mittlerweile rund drei Millionen Einträgen der deutschsprachigen Wikipedia auf ihre Richtigkeit prüfen. Derzeit bearbeiten nach Wikimedia-Angaben Zehntausende Autoren und Autorinnen die Einträge, rund 5.000 sogar fünfmal und mehr pro Monat.
Christian Pentzold ist Direktor des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. In Zeiten, in denen die Internetnutzung geprägt ist von Plattformen und Apps, ist es laut Pentzold „ein Phänomen, dass dieses unkommerzielle und auf Freiwilligkeit basierende Projekt immer noch existiert.“
In den USA sieht sich Wikipedia schon seit Längerem mit dem Vorwurf konfrontiert, sie bilde zu stark linksliberale Einstellungen ab. Mit „Grokipedia“ hat Elon Musk im Herbst des vergangenen Jahres eine vermeintliche Alternative geschaffen, die auf seinem Unternehmen xAI und seinem Chatbot Grok beruht. In Deutschland halten sich Pentzold zufolge die Angriffe auf die freie Enzyklopädie Wikipedia in Grenzen. Sein Eindruck: „In Zeiten von Fake News und zunehmender Kritik an den Medien taucht Wikipedia viel mehr als Garant für geprüftes Wissen auf.“
Die Schwierigkeit, engagierte Ehrenamtliche zu finden, beschreibt Pentzold in Teilen auch als hausgemacht: Mit seinen vielen Regeln und Verfahrensweisen sei Wikipedia „ein komplexes Projekt mit hohen Zugangshürden“. Auch pflege die zum größeren Teil aus Männern bestehende Autorenschaft keine gute Willkommenskultur, kritisiert Pentzold: „Wer neu dazukommt, erlebt zunächst einmal viel Ablehnung bezüglich der Relevanz seiner Beiträge.“
Sollte sich der Trend zu KI-generierten, maßgeschneiderten Antworten durchsetzen, könnte das Wikipedias Nachwuchsproblem weiter verschärfen. Denn wenn die Nutzer und Nutzerinnen künftig nicht mehr direkt auf der Webseite recherchierten, sagt Pentzold, könnten sie auch gar nicht mehr die Erfahrung machen, selbst das Projekt mitzugestalten.

Konstanz, Würzburg, München (epd). Ingwer ist vielseitig, wärmend und gesundheitsfördernd. Seit einigen Jahren sind Shots im Trend - kleine, scharfe Trinkkonzentrate aus frischem Ingwer. Sie sollen das Immunsystem in der kalten Jahreszeit stärken. Die meisten Supermärkte verkaufen auch die unscheinbare asiatische Wurzel (Zingiber officinale). Sie wird aufgebrüht als Tee, zum Würzen von Speisen und für medizinische Zwecke verwendet.
Jetzt wurde die „Scharfstoffdroge mit weltweiter Verbreitung“ vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde und der Gesellschaft für Phytotherapie zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gekürt. Ingwer enthält neben ätherischem Öl verschiedene Scharfstoffe wie Gingerole und Shogaole, die für den typisch scharfen Geschmack sorgen.
#Antibakteriell und durchblutungsfördernd
Die heilsame Wirkung der schilfartigen Staude aus der Familie der Ingwergewächse ist seit rund 2000 Jahren in Europa nachweisbar. Schon in der griechisch-römischen Medizin sei Ingwer als „erwärmend, verdauungsfördernd, milde den Stuhl anregend und magenstärkend“ beschrieben worden, so die Pflanzenkundler. Zudem wirke er gegen Verdunkelungen der Pupille und diene als Zusatz in Gegengiften.
Ingwer wächst unterirdisch und bildet Wurzelstöcke, sogenannte Rhizome. Daraus wachsen etwa ein Meter hohe, schilfartige Stängel. Die Ernte erfolgt nach 8 bis 10 Monaten. Die Pflanze wirkt antibakteriell, fördert die Durchblutung und steigert die Produktion der Gallensäfte. Er gilt als hilfreiches Mittel gegen Wetterfühligkeit und Reiseübelkeit. Auch bei Magen-Darm-Beschwerden, Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterinspiegel kann eine Ingwerbehandlung erfolgreich sein.
Seine Heimat hat der Ingwer in Asien. Wo genau sein Ursprung liegt, ist nicht bekannt. Der chinesische Kaiser Shennong soll schon Jahrtausende vor Christus den Ingwer als kräftigend erwähnt haben. Vom chinesischen Philosophen Konfuzius (551-479 v. Chr.) ist überliefert, dass er seine Mahlzeiten nie ohne Ingwer zu sich nahm. In der traditionellen chinesischen Medizin wird Ingwer auch bei Rheuma, Muskelschmerzen und Erkältungen in Form von Tees oder Bädern verordnet.
Auch in Deutschland wird Ingwer vereinzelt angebaut, etwa auf der Bodenseeinsel Reichenau. Dort werde die Pflanze Mitte Mai in Gewächshäusern gesetzt und im Oktober geerntet, sobald die Knollen ausgereift und besonders zart seien, erklärt ein Sprecher der Genossenschaft Reichenauer Gemüse dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er werde nur regional vertrieben. Im bayerischen Neufarn bei München erntet Gärtnermeister Florian Böck die scharfe Knolle tagesfrisch bis Ende Januar. Auf die Idee kam er 2019, weil er selbst gerne asiatisch kocht.
Dabei seien nicht nur die Knolle, sondern auch die Stängel und Blätter komplett verwendbar, sagt Böck im epd-Gespräch. Das Laub eigne sich hervorragend für Erfrischungsgetränke und Tee oder zur Herstellung von Ingweröl. Die klein geschnittenen Stängel sorgten für Würze, etwa in Wok-Gerichten.
Das unterscheide den heimischen vom Import-Ingwer, der länger im Boden bleibt, auf dem Feld getrocknet wird und dadurch länger haltbar ist. Auch zu Hause lässt er sich ganz einfach selbst ziehen. Dazu pflanzt man ein frisches Stück Ingwer in einen Topf mit Erde, aus dem die Pflanze dann treibt.
Nach der beliebten Knolle wurde im Mittelalter die Straße der Gewürzkrämer in Basel „Imbergasse“ benannt. Hildegard von Bingen (1098-1179) beschrieb den Ingwer differenziert. Für gesunde und beleibte Menschen sei der Verzehr schädlich, da die Hitze sie gedankenlos und hitzig mache. Wer jedoch in seinem Körper trocken sei und schon fast sterbe, für den sei Ingwer lebensrettend.
Paracelsus (1493-1541) empfahl die innerliche Anwendung von Ingwer bei Fieber und äußerlich als „Pflaster“ bei Brüchen und stumpfen Verletzungen. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) servierte zu Teegesellschaften und Musikabenden neben Speisen wie Gänseleber, Kaviar und Lachs auch Ingwer.
Der echte Ingwer gehört zur artenreichen Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae). Nahe Verwandte sind etwa die Gewürze Kurkuma, Kardamom und Galgant. Da sich die ätherischen Öle direkt unter der braunen Schicht befinden, sollte Ingwer nicht geschält, sondern nur vorsichtig abgeschabt werden.
Wer die Schärfe mag, sollte das Gewürz unterschiedlicher Herkunft testen. Ingwer aus Nigeria soll am schärfsten sein, der aus Australien am mildesten.

Hannover (epd). Manuel und Steven rollen ihre Isomatten zusammen. Um die Mittagszeit wird es unter dem großen Dach des Hauptbahnhofs in Hannover lebhaft, auch wenn noch Züge ausfallen. Die beiden Wohnungslosen haben mit drei Kumpeln draußen vor dem Hintereingang geschlafen - vor dem Schnee nur leidlich geschützt durch ein schmales Vordach. Einmal wurden sie zwischendrin vom Ordnungsdienst vertrieben, berichten die Männer, die nur ihren Vornamen nennen wollen. „Das Fiese ist, wenn die Sachen nass werden“, sagt Manuel. „Weil wir nicht wissen, wie wir sie trocknen sollen.“
Manuel lebt schon länger auf der Straße. Wenn es ganz hart käme, würde er zum Schlafen in das Bahnhofsgebäude hineingehen, auch wenn das verboten sei, sagt er. „Wer will einen dann rausschicken.“ Doch jetzt hat er andere Pläne. Ein junger Mann habe ihnen für zwei Nächte ein Quartier angeboten, berichten die Männer. Steven ist misstrauisch. „Das war ein Linksextremer“, meint der 28-Jährige. Außerdem sei der Weg zurück in die City lang und voller Schneematsch.
Manuel hat sich für das Angebot entschieden. Er packt seine Wärmflasche ein. Gelegentlich füllt er sie mit heißem Wasser, zum Beispiel bei der Bahnhofsmission. „Kuschelzeit“ steht auf dem Bezug. Zwar hat die Stadt Hannover angesichts von Schnee und Eis ihre Notunterkünfte ausgeweitet. Doch dorthin wollen die Männer nicht, auch wenn die Straßensozialarbeiter Lea Coners und Manuel Selle noch einmal dafür werben. Mit Wärmepads für die Hände können die beiden bei der Gruppe aber landen. Alle greifen zu.
Coners und Selle arbeiten beim Kontaktladen für Wohnungslose „Mecki“ des Diakonischen Werkes ganz in der Nähe. Dreimal in der Woche drehen sie ihre Runde, aktuell auch öfter. „Viele schlafen schon lange draußen, die Witterung ändert daran nichts“, sagt Lea Coners. Die Gefahr, lebensbedrohlich auszukühlen, sei jedoch nicht allen bewusst. Manuel Selle erläutert, anders als sonst sprächen sie deshalb die Menschen an, die sie mittags noch schlafend vorfänden. „Normalerweise achten wir die Privatsphäre. Wir stehen ja quasi bei den Leuten im Schlafzimmer.“
Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe in Berlin leben deutschlandweit rund 56.000 Menschen ganz ohne Unterkunft auf der Straße. Mindestens vier wohnungslose Menschen haben in diesem Winter bereits jetzt ihr Leben durch Kälteeinwirkung verloren. Allein in Hannover leben nach Schätzungen bis zu 4.500 Menschen ohne festen Wohnsitz. Von ihnen übernachten rund 500 regelmäßig im Freien. Die Ursachen für Wohnungslosigkeit seien zumeist Schicksalsschläge, wie eine Trennung, der Verlust von Angehörigen oder der Arbeit, sagt Lea Coners.
Kaum haben die Sozialarbeiterin und ihr Kollege den Mecki-Treff verlassen, finden sie den ersten Bekannten, in einen Schlafsack gewickelt, unter einer schmalen Brücke liegend. Die silber-goldene Isolierfolie, mit der er sich zugedeckt hat, konnte ein Eindringen der Nässe nicht verhindern. „Ich bringe dir noch einen Schlafsack und eine Plane“, sagt Selle. „Dann wirst du wenigstens nicht nass.“ Dass die Notschlafstellen geöffnet seien, wisse er, sagt der Mann in hastigen Sätzen. Ob er dort hingeht, lässt er offen.
Einige Personen unter denjenigen, die auch im Winter draußen blieben, seien psychisch krank, andere Individualisten, die sich bewusst dafür entschieden, sagt Lea Coners. Angst vor Diebstahl und der Verlust der Privatsphäre in den Gemeinschaftsunterkünften schreckten sie ab. Überdies böten die meisten Übernachtungsquartiere keinen Platz für Hunde, mit denen manche unterwegs seien. Die beiden Sozialarbeiter kennen die Orte, an denen die Wohnungslosen üblicherweise „Platte machen“. Sie wissen, wessen Isomatte und Decke sie vorfinden, auch dort, wo gerade niemand ist. „Vertrauen zu schaffen ist wichtig in diesem Job“, sagt Selle.
Im U-Bahn-Bereich am zentralen Platz Kröpcke treffen sie auf eine Gruppe aus Polen. Ein Mann hat sich den Kopf aufgeschlagen, die Wunde blutet stark. Er sei auf der Rolltreppe ins Rutschen geraten, erklären die anderen in Brocken auf Deutsch und Englisch. Den Rettungsdienst haben sie schon gerufen. „Ihr könnt heute Nacht auch nach unten gehen, in die untere Etage“, sagt Coners. „Da ist es wärmer.“ Der Kröpcke gehört zu den Stationen, die von der Stadt in den Kältetagen zum Übernachten geöffnet wurden.
Zum Abschluss ihrer Runde machen sie sich zu einem weiteren Bekannten auf den Weg. Wie erwartet steht Jürgen am Eingang zur Markthalle. Gerade hat ihm dort jemand ein Brötchen spendiert. „He is a friend“, sagt ein Mitarbeiter mit einem Grinsen, der kurz rausgekommen ist, um die Mülleimer zu leeren.
Mit den Jahren hätten viele Wohnungslose ihre eigenen Überlebensstrategien entwickelt, berichten die Sozialarbeiter. „Zehn Grad Minus gab es schon mal“, sagt Jürgen. Er habe die Nacht in einem Hauseingang verbracht, wie schon oft. Dass Coners und Selle wie versprochen einen neuen Schlafsack und eine Isomatte mitgebracht haben, freut ihn jedoch: „Erstklassig!“

Berlin (epd). Um 30 Prozent, sagt Stephan Küpper vom Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat das Rote Kreuz seine Zuweisungen von Blutpräparaten an die Kliniken aktuell gekürzt. Derzeit komme einfach zu wenig Spenderblut nach, erklärt er. Bei einem Anteil von knapp 80 Prozent, die das DRK an der Versorgung mit Spenderblut der Krankenhäuser hat, bedeutet das eine gravierende Knappheit, zumal diese Blutpräparate zum Teil nur wenige Tage haltbar sind.
Einzelne Berichte, wonach Kliniken bereits planbare Operationen verschieben, bestätigt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, aber nicht. Auch die Notfallversorgung sei nicht eingeschränkt. Aber: „Die Blutspendedienste, die auch die Krankenhäuser mit Blutkonserven versorgen, registrieren derzeit eine angespannte Lage.“
Knappheit an Spenderblut kommt häufiger vor. Das ist auch jahreszeitlich bedingt. Im Sommer während der Urlaubszeit sind viele verreist, auch viele regelmäßige Blutspenderinnen und -spender. Auch um den Jahreswechsel herum lässt die Spendentätigkeit oft nach, denn auch über die Feiertage sind viele nicht zu Hause und gehen dementsprechend nicht zum Blutspenden.
Im abgelaufenen Jahr seien die Feiertage am Jahresende besonders ungünstig gelegen, erklärt Küpper, ungünstig jedenfalls für die Blutspendedienste. „Je arbeitnehmerfreundlicher die Feiertage, desto schwieriger für uns“, beschreibt er. Im vergangenen Jahr schloss sich an die Weihnachtsfeiertage direkt das Wochenende an, ideal also zum Verreisen.
„Meist ist es nicht nur ein Umstand, der zu Versorgungsengpässen führt“, erklärt Küpper. Aktuell sei die Witterung als Faktor hinzugekommen: „Schnee- und Eisglätte haben dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der Blutspendetermine nicht durchführbar war.“
Das kalte Wetter bringt noch ein weiteres Problem mit sich: Krankheiten, vor allem jene der Atemwege. Laut Informationen des Robert Koch Instituts (RKI) stiegen ab der 48. Kalenderwoche 2025 die Influenza-Fallzahlen stark an. Die Grippewelle fällt demnach in diesem Jahr recht stark aus.
Wer erkrankt ist, dürfe nicht Blut spenden, sagt DRK-Experte Küpper. Und das wirke lange nach. Auch wenn eine Erkrankung abgeklungen sei, sei die betreffende Person für 14 Tage zum Spenden nicht geeignet. Hat er oder sie sogar Antibiotika einnehmen müssen, verlängert sich die Sperre auf vier Wochen.
„Wenn also das RKI sagt, dass sich die Influenzawelle ihrem Ende zuneigt, sind wir noch lange nicht aus dem Schneider“, erläutert Küpper. Und das Problem bestehe ja nicht nur aus der Grippe allein, jede Erkältung führe auch zu einer zeitlich befristeten Sperre. „Und Corona spielt derzeit auch eine große Rolle“, sagt der Experte.
Häufig sei es nach Aufrufen zum Blutspenden allerdings so, dass sich viele Menschen meldeten, sagt Küpper. Das führe dann mitunter dazu, dass das DRK sich mit dem Abarbeiten schwertue. „Wir bräuchten mehr Menschen, die eine Blutspende-Routine haben“ - die also ein- oder mehrmals im Jahr zum Spenden kommen.
Das komme auch Spenderinnen und Spendern zugute, wirbt Küpper: „Jede Spende ist ja auch ein kleiner Gesundheitscheck.“ Denn dabei würden Vitalwerte gemessen und das Blut untersucht. Einen Arztbesuch ersetze das aber natürlich nicht.

Berlin (epd). VdK-Chefin Verena Bentele tritt der Argumentation entgegen, der Sozialstaat sei zu teuer. „Dieses Narrativ wird von der Union und auch durch andere Parteien beharrlich gefüttert“, sagte sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei sei es schlicht falsch. „Natürlich kostet unser Sozialstaat Geld. Aber man muss an die Ursachen rangehen, statt immer nur Kürzungen zu propagieren.“
Bentele verwies auf den internationalen Vergleich, da liege Deutschland bei den Sozialausgaben im Mittelfeld. Die Ausgaben des Staates für die Rentenversicherung seien - gemessen an der gestiegenen Wirtschaftsleistung in den zurückliegenden Jahren - nicht gestiegen. Das Bruttoinlandsprodukt hat laut Bentele kontinuierlich zugenommen: „Wer dauernd nach Kürzungen ruft, sorgt für ein schiefes Bild unseres Sozialstaates.“
„Es gibt strukturelle Versäumnisse, die zwingend hohe Kosten nach sich ziehen“, sagte die VdK-Chefin. So steige der Aufwand beim Wohngeld, weil es seit Jahren zu wenige bezahlbare Wohnungen gebe und dadurch mehr Menschen Anspruch auf Unterstützung durch finanzielle Leistungen hätten. Bentele: „Bund und Länder haben über Jahrzehnte nicht konsequent dafür gesorgt, dass mehr Sozialwohnungen entstehen oder dass günstiges genossenschaftliches Wohnen ausreichend gefördert wird.“ Auch das Begrenzen der Mietpreise klappe nicht richtig. „Da muss man sich auch mal ehrlich machen und Versäumnisse einräumen.“
Sie begrüßte den Vorschlag der SPD für eine Reform der Erbschaftssteuer, die dazu führen könne, die Leistungen des Sozialstaats auf Dauer abzusichern. „Wir sind zudem für eine verfassungsgemäße Wiedereinführung der Vermögenssteuer.“ Eine gute Steuerpolitik sei der beste Weg, um mehr soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Und auch in den Sozialversicherungen brauche es mehr Gerechtigkeit. „Wir werben schon länger für eine Bürgerversicherung, etwa, um die Gesundheitsversorgung neu auszurichten“, sagte Bentele.
Zugleich hält es die Präsidentin für bedenklich, dass viele Sozialleistungen nicht in Anspruch genommen werden. Das habe Gründe: „Diese Leistungen des Staates müssen eben auch bekannt sein. Und sie müssen einfach zugänglich sein. Das sind sie oft nicht, und das sorgt für Verdruss.“ Dieser Unmut schlage auf die Akzeptanz der Demokratie durch. Wer das bestehende System stärken wolle, müsse dafür sorgen, „dass der Staat als fair und als gerecht wahrgenommen wird“. Dazu gehöre, dass Ansprüche auf öffentliche Hilfen, wie etwa das Wohngeld, die Grundsicherung im Alter sowie Bildungs- und Teilhabeleistungen für Kinder, bei denen ankommen, die Anspruch darauf haben.

Berlin (epd). Angesichts gestiegener Lebensmittelpreise fordert die SPD eine Entlastung für Verbraucher. Handelsketten sollten auf freiwilliger Basis nach dem Vorbild Griechenlands „einen Warenkorb mit günstigen und preisstabilen, in Deutschland produzierten Grundnahrungsmitteln aus allen wichtigen Warengruppen“ anbieten, erläuterte die SPD-Bundestagsfraktion am 12. Januar das Konzept. Diesen Vorschlag ebenso wie einen Vorstoß zu einer staatlichen Preisbeobachtungsstelle beurteilte die Verbraucherschutzzentrale positiv, es komme aber auf die Umsetzung an.
Ziel eines solchen „Deutschland-Korbs“ ist laut SPD-Fraktion eine schnelle, spürbare Entlastung der Verbraucher und die Sicherstellung einer bezahlbaren Grundversorgung für alle. Die Lebensmittelpreise seien in Deutschland seit 2020 um rund ein Drittel gestiegen, erklärte SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher. Dies sei für Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen eine tägliche Belastung. Zu viele Bürgerinnen und Bürger müssten sich am Ende des Monats fragen, „ob das Geld noch für frisches Obst und Gemüse, die Butter oder hin und wieder Fleisch oder Fisch reicht“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion.
Lisa Völkel, Referentin im Geschäftsbereich Verbraucherpolitik des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), es sei schwer einzuschätzen, ob so ein „Deutschland-Korb“ einen positiven Effekt hätte. Es müsse etwa definiert sein, welche Produkte in diesem Korb enthalten seien, und diese Produkte müssten eine gesunde Ernährung gewährleisten. Das Angebot müsse klar und flächendeckend kommuniziert sein. Zudem müssten Angebote verschiedener Einzelhändler miteinander vergleichbar sein.
Dazu will die SPD auch konsequenter gegen versteckte Preiserhöhungen durch weniger Inhalt in Packungen oder schlechtere Zutaten bei gleichem Preis vorgehen. Diese „Mogelpackungen“ führten faktisch zu höheren Grundpreisen. Die SPD wolle daher Kennzeichnungspflichten sowie die Prüfung einer Regulierung über die EU-Richtlinie zu unlauteren Geschäftspraktiken durchsetzen, um Verbraucher nachhaltig zu schützen. Weniger Müsli in der Packung oder Zuckerwasser statt Saft führten faktisch zu höheren Grundpreisen, erklärte Limbacher. Diese unfaire Praxis untergrabe langfristig das Vertrauen in die Lebensmittelwirtschaft.
Außerdem solle nach dem Vorbild anderer EU-Länder eine staatliche Preisbeobachtungsstelle eingerichtet werden. Sie solle die Mechanismen der Preisbildung „vom Acker bis zum Supermarktregal“ transparenter machen und frühzeitig auf problematische Entwicklungen hinweisen. Neben bezahlbaren Verbraucherpreisen müssten auch faire Preise für Bäuerinnen und Bauern politisch abgesichert werden.
Verbraucherschützerin Völkel sagte dazu dem epd, diese Preisbeobachtungsstelle könne Kosten- und Preisverläufe transparenter machen. Derzeit sei unklar, woraus genau sich der Preisanstieg für Lebensmittel speise. Einzelhändler stünden wegen angeblich hoher Gewinnmargen in der Kritik, während die Branche auf die Lieferketten oder gestiegene Löhne verweise. „Wenn sich herausstellen sollte, dass es an einer Stelle übermäßige Gewinnmitnahmen gegeben hat, dann könnte der Bundestag Maßnahmen dagegen erlassen“, erläuterte Völkel.

Heidelberg (epd). Eintauchen in ein Kunstwerk aus Licht und Musik, hinein in die Weiten des Kosmos: Die Video-Artshow „Infinity“ verwandelt die Heidelberger Heiliggeistkirche in ein raumhohes, immersives Erlebnis, das räumliche und zeitliche Grenzen sowie die Bedeutung von Unendlichkeit hinterfragt. NASA-Sternenbilder, sphärische Klänge und gregorianische Choräle haben Einzug in das 600 Jahre alte Gotteshaus gefunden.
Die Show wurde am Abend des 16. Januar in der spätgotischen Hallenkirche eröffnet. Bis zum 8. März will das Züricher Künstlerkollektiv „Projektil“ Traumkulissen erschaffen und „Portale zu neuen Wirklichkeiten“ öffnen. Mit der Musik von Johann Sebastian Bach (1685-1750), Eigenkompositionen sowie Worten des britischen Religionsphilosophen Alan Watts (1915-1973) soll dies Besucherinnen und Besuchern die Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz ermöglichen. Zu sehen sind Sternenbilder und ägyptische Bildsymbole zu Themen wie Leben, Tod und Wiedergeburt. Der gesamte Innenraum ist Teil der Inszenierung und verändert fortwährend Wahrnehmung, Tiefe und Orientierung.
Die Kirche am Heidelberger Marktplatz gilt als eine der meistbesichtigten Kirchen Deutschlands mit mehr als einer Million Besuchern jährlich. Für die Show hat das Züricher Künstlerteam „Projektil“, in dem Kreative aus den Bereichen Kunst, Musik, Design, Programmierung und Technologie zusammenarbeiten, den gesamten Innenraum digital vermessen. Mit einer 360-Grad-Projektion werden Wände, Säulen und Deckengewölbe der Kirche bespielt.
Citykirchenpfarrer Vincenzo Petracca holte die Künstler nach Heidelberg, nachdem er die Show in Zürich besucht hatte. Für den evangelischen Theologen und Diplom-Mathematiker ist das Thema „Infinity“, Unendlichkeit, nicht nur mathematisch, sondern auch theologisch ein spannendes Thema.
Durch das Medium Licht stelle sich die Frage nach dem Platz des Menschen in der Schöpfung, sagte Petracca dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er träume von einer Kirche, die ihren physischen und spirituellen Raum entgrenzt, damit neue Menschen sie kennenlernen. Das könnte ihm mit der Video-Artshow gelingen. Geplant sind auch immersive Livemusik-Konzerte.

Stuttgart (epd). Irmela Preissner war „total geschockt“, als sie im November 2025 erfuhr, dass das Stuttgarter Bibelmuseum „bibliorama“ am 31. Januar schließen soll. Als Geschäftsführerin von „Biblische Reisen“ bietet sie regelmäßig Touren durch die „Bibelstadt Stuttgart“ an. Denn in der württembergischen Landeshauptstadt befindet sich die Deutsche Bibelgesellschaft, das Katholische Bibelwerk und in der Württembergischen Landesbibliothek eine der größten Bibelsammlungen der Welt. Hinzu kommt das Bibelmuseum „bibliorama“, das sie sehr schätzt: „Ich war bei meinem ersten Besuch überrascht, wie modern und lebensnah es aufgebaut ist, mit Botschaften, die das eigene Leben inspirieren.“
Umso weniger kann sie es nachvollziehen, dass das Museum aufgegeben werden soll. Gemeinsam mit dem Förderverein des Bibelmuseums startete sie die Initiative „bibliorama retten“. Ziel sei, „130.000 Euro an Spenden zu organisieren, damit das Museum mindestens ein weiteres Jahr unter einer anderen Trägerschaft betrieben werden kann“, sagt Preissner. Die durch das Geld dazugewonnene Zeit wolle man nutzen, um das Bibelmuseum neu organisatorisch aufzustellen und sich um eine nachhaltige Finanzierung zu kümmern. Sie sei in Gesprächen mit der Landeskirche und hoffe, dass die Kirche das Museum nicht einfach schließt, sondern es an einen Nachfolger überträgt.
Einsparungen seien etwa denkbar, indem man nur noch am Wochenende öffne, ergänzend dazu aber Gruppen wie Schulklassen und Konfirmanden anbiete, zu einem gebuchten Termin auch unter der Woche das Museum zu besuchen. Ebenso könne durch noch mehr ehrenamtliches Personal als bisher Geld eingespart werden, sagt Preissner.
Die württembergische Landeskirche hat drastische Einsparungen beschlossen. Davon ist auch das „bibliorama“ betroffen: Im Herbst 2025 wurde entschieden, das Stuttgarter Bibelmuseum Ende Januar 2026 zu schließen. Von den bisher 490.000 Euro des jährlichen Bibelmuseums-Etats sollen 350.000 Euro eingespart werden, die restlichen 140.000 Euro seien für anderweitige Bibelarbeit vorgesehen, teilte die Landeskirche mit.
Das Museum ist erst 2015 eröffnet worden und feierte im vergangenen Jahr sein zehnjähriges Bestehen. In der rund 350 Quadratmeter großen Ausstellung begegnen die Besucher 14 biblischen Personen und Martin Luther. Es können Psalmen komponiert oder auf einer Laserharfe gespielt werden. Ein Sandkreisel, eine „Unrechtswaage“ oder 3.000 Bausteine laden ein, selbst aktiv zu werden.
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg betreibt das Museum in Zusammenarbeit mit der Württembergischen Bibelgesellschaft. Es erhielt mehrere Preise, unter anderem für sein partizipatives Konzept.
Bisher seien knapp 18.000 Euro an Spenden von Privatpersonen für den Erhalt des Museums zusammengekommen, sagt die Initiatorin von „bibliorama retten“. Nun sei das nächste Ziel, auf Institutionen wie Firmen und Stiftungen zuzugehen und um finanzielle Unterstützung zu bitten. „Es kann sein, dass wir als Initiative scheitern, auch wenn man alles gegeben hat. Aber für mich ist es viel schwerer zu akzeptieren, dass so eine tolle Einrichtung geschlossen werden soll, ohne dass man wirklich ernsthaft alles probiert hat, um das Ganze zu retten“, sagt Preissner.
Göttingen (epd). Die Jury für den Evangelischen Buchpreis hat aus 130 vorgeschlagenen Titeln der Gegenwartsliteratur 13 Titel für die Shortlist 2026 nominiert. Neun Romane, zwei Kinder- und Jugendbücher sowie zwei Sachbücher seien als Finalkandidaten für die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung benannt worden, teilte der Verband Evangelisches Literaturportal mit Sitz in Göttingen am 13. Januar mit.
Das Gewinnerbuch wird den Angaben zufolge von eine Jury ausgewählt, die sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern evangelischer Büchereien, Bibliothekaren und Theologen zusammensetzt. Der Preis wird am 20. Mai 2026 im Heilig-Geist-Saal in Nürnberg verliehen.
Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 jährlich von dem Verband vergeben. Das Vorschlagsrecht haben nicht Autoren oder Verlage, sondern Leserinnen und Leser. Gesucht würden Bücher, „die anregen, über uns selbst, unser Miteinander und unser Leben mit Gott neu nachzudenken“, hieß es.
Hamnet
William Shakespeare (Paul Mescal) und Agnes (Jessie Buckley) werden gegen alle Widerstände ihrer Familien ein Ehepaar, obwohl sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Susanna kommt zur Welt, die Zwillinge Judith und Hamnet (zur damaligen Zeit ein Name austauschbar mit Hamlet) werden geboren. Dann wütet die Pest in England. Hamnet stirbt, und sein Tod droht die Familie zu zerreißen, denn Shakespeare ist selten zu Hause, feiert in London Erfolge im Theater. Agnes, die in Stratford mit Tod und Trauer weitgehend allein fertigwerden muss, nimmt die zentrale Position des Films ein. Jessie Buckley geht an die Grenzen des Darstellbaren und erschafft eine Kinofigur für die Ewigkeit. Nach Hamnets Tod wirkt sie unwiederbringlich verloren, sie taumelt durch ein Leben, das nicht wiederzuerkennen ist, treibt haltlos dahin. Chloé Zhao („Nomadland“) hat Maggie O’Farrells Romanvorlage in einen bravourösen Film verwandelt, dessen Ensemble fabelhaft agiert und das sich mit maximaler Wirkung an Herz und Hirn wendet. Ein Meisterwerk.
Hamnet (Großbritannien/USA 2025). Regie und Buch: Chloé Zhao. Mit: Jessie Buckley, Paul Mescal, Zac Wishart, James Lintern, Joe Alwyn. Länge: 125 Min. FSK: ab 12.
Die Stimme von Hind Rajab
Während des Gazakriegs 2024 steckt ein sechs Jahre altes Mädchen namens Hind Rajab im Wrack eines Autos fest, das von der israelischen Armee zerstört wurde. Ihre Angehörigen, mit denen sie die Flucht aus Gaza riskierte, sind tot. Ihre einzige Verbindung mit der Welt ist das Mobiltelefon, mit dem sie um Hilfe fleht. Bei der Organisation Roter Halbmond wird nun versucht, das Mädchen zu retten und dafür einen Korridor auszuhandeln, da sonst der Krankenwagen beschossen wird. Nach vielen Anstrengungen scheint alles klar, doch eine Straßenblockade führt zu kleinen Abweichungen - mit fatalen Folgen. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit, die 70-minütige Aufzeichnung des realen Anrufs ist zu hören. Die Szenen in der PRCS-Einsatzzentrale entsprechen dagegen den emotionalen Codes eines Hollywoodthrillers. Der Film ist ein mutiges Unterfangen, aber die Anwendung der dramatisierenden Stilmittel und die Mischung von Realität und Fiktion hinterlassen ein mulmiges Gefühl.
Die Stimme von Hind Rajab (Tunesien/Frankreich/USA 2025). Regie und Buch: Kaouther Ben Hania. Mit: Saja Kilani, Motaz Malhees, Clara Khoury, Amer Hlehel. Länge: 89 Min. FSK: ohne Angabe.
Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren
Astrid Lindgren ist als Schöpferin von Figuren wie Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter und Michel aus Lönneberga bekannt. Weniger bekannt ist sie als politischer Mensch und Chronistin des Zweiten Weltkriegs. Wilfried Hauke nun hat ihre 2015 veröffentlichten Kriegstagebücher verfilmt, indem er dokumentarische mit oft in skandinavischer Idylle inszenierten Szenen elegant verknüpft. Lindgrens Tochter Karin Nyman, Enkelin Annika Lindgren und Urenkel Johan Palmberg erinnern sich, stöbern in Tagebüchern und versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen. Das meiste erzählt Astrid Lindgren selbst, gespielt von Sofia Pekkari, die in ihre Rolle schlüpft. Vom Kriegsbeginn 1939 an bis einige Monate nach dessen Ende folgt man ihr, wie sie über ihr Leben und das Weltgeschehen reflektiert und immer wieder politische Weitsicht beweist. Ein eindrückliches Porträt einer mutigen Feministin, liebevollen Mutter und begnadeten Autorin sowie eine sehr persönliche Chronik des Zweiten Weltkriegs.
Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren (Deutschland/Schweden 2025). Regie und Buch: Wilfried Hauke. Mit: Annika Lindgren, Johan Palmberg, Karin Nyman. Länge: 103 Min. FSK: ohne Angabe.
Die progressiven Nostalgiker
Das Ehepaar Dupuis führt in den 50ern ein Leben wie aus dem Bilderbuch. Papa Michel fährt zur Arbeit, Mutter Hélène putzt das Heim, der kleine Sohn ist ein drolliger Schussel und die Tochter ein verschlossener Teenager. Am Wirtschaftswunder hat die Familie ihren Anteil in Form eines hübschen Häuschens, in dessen Garten man die Nachbarn zum Grillen einladen kann. Aber plötzlich passiert etwas Mysteriöses. Beim Streit um eine moderne Waschmaschine, die Mama Dupuis im Preisausschreiben gewonnen hat, kommt es zu einem Stromschlag. Und plötzlich findet sich die Familie in der Gegenwart wieder... Nicht nur die Technik hat sich verändert, sondern auch die Rollenteilung: Statt Michel geht Hélène arbeiten. Wie sich Michel und Hélène mit dieser revolutionären Umstellung arrangieren, ist vergnüglich anzuschauen: Man kann sich zusammen mit dem Paar auf wohlige Weise über die Errungenschaften des modernen Lebens erschrecken. Durch die nicht immer ganz plausible Handlung trägt am Ende das Darstellerduo Didier Bordon und Elsa Zylberstein: Sie verleihen dem zwischen reaktionären Impulsen und progressiven Gelüsten schwankenden Geist der 50er großartig Gestalt.
Die progressiven Nostalgiker (Frankreich/Belgien 2025). Regie: Vinciane Millereau. Buch: Julien Lambroschini, Vinciane Millereau. Mit: Elsa Zylberstein, Didier Bourdon, Mathilde Le Borgne, Maxim Foster. Länge: 103 Min. FSK: ab 12 Jahren.

Wiesbaden (epd). Auch Monate nach dem Hype um das „Ophelia“-Gemälde erlebt das Museum Wiesbaden einen Andrang an Besucherinnen und Besuchern, die sich für das Bild interessieren. „Taylor Swift hat uns als Kulturvermittlerin mit ihrem Musikvideo 'The Fate of Ophelia' ein wunderbares Geschenk zum Ausklang des Jubiläumsjahres rund um unseren 200. Geburtstag gemacht“, sagte Pressesprecherin Susanne Hirschmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der besucherstärkste Tag sei demnach der eintrittsfreie Samstag am 1. November mit 1.000 Gästen gewesen.
Am 2. November hatte das Museum Wiesbaden eine Führung angeboten, die sich explizit an Fans der amerikanischen Sängerin Taylor Swift richtete, deren Musikvideo „The Fate Of Ophelia“ mit einer Nachbildung des Gemäldes von Friedrich Wilhelm Theodor Heyser beginnt. Die Führung mit 200 Gästen war innerhalb kurzer Zeit ausgebucht. Die regulären Führungen im Museum sind laut Hirschmann auch weiterhin gut besucht. Die Besucherzahl des Museums im vergangenen Jahr sei von 108.000 im Jahr 2024 auf 131.000 hochgeschnellt.
Anlässlich des Swiftie-Hypes hat sich das Museum ein neues Vermittlungskonzept überlegt: „The Swiftie Tour“ ist eine kostenlose, individuell geführte Schnitzeljagd mit Gewinnspiel. Jeden Monat würden die Einreichungen ausgelost und die Führung erfahre regen Zuspruch, sagte Hirschmann. „Gäste unterschiedlicher Altersgruppen besuchen das Museum, um vor Ophelia zu tanzen, zuletzt zwei junge Menschen aus Bilbao.“ Damit geführte Gruppen mehr Platz vor dem Bild haben, wurde es im November an einen anderen Ort direkt zu Beginn der Jugendstilsammlung gehängt.
Ende Dezember veröffentlichte das Museum Wiesbaden zudem einen Online-Shop, in dem unterschiedliche Merchandise-Artikel von dem Ophelia-Bild, wie Tassen, T-Shirts oder Poster, verkauft werden. Der Swiftie-Hype habe „für das Gemälde ein Stück Geschichte geschrieben“, resümierte Hirschmann. „Wir gewannen die Bestätigung, dass Kunst die Menschen inspiriert, Emotionen weckt und dass auch stundenlange Anfahrten nicht davon abhalten, ein Kunstwerk im Original zu sehen.“

Dresden (epd). Das Akkordeon kann die Klangfülle eines ganzen Orchesters entfalten, aber auch sanft und leise zum Träumen einladen. Weltweit prägt es Traditionen - vom argentinischen Tango bis zur französischen Musette. 2026 trägt das Klangwunder den Titel „Instrument des Jahres“, der von den deutschen Musikräten vergeben wird, in denen sich zahlreiche Organisationen von Profi- und Laien-Musikern, der Musikwirtschaft und -forschung zusammengeschlossen haben.
Früher als Quetschkommode und wegen seiner klavierähnlichen Tastatur auch als Schifferklavier bekannt, hat das Akkordeon längst sein Nischendasein verlassen. Der Dresdner Akkordeonist und Komponist Tobias Morgenstern sagt: „Es besitzt eine enorme Ausdruckstiefe“.
Das Akkordeon könne Emotion, Rhythmus und Harmonie in einem einzigen Instrument vereinen. Weil es Töne durch Luftbewegung erzeuge, wirke der Klang lebendig und organisch. Vom Jahr 2026 erhofft sich Morgenstern „mehr Wahrnehmung, neue spielerische und künstlerische Impulse“ für das Akkordeon.
„Ich glaube, kaum ein anderes Instrument erlaubt so unmittelbare Kontrolle über Lautstärke und Klangfarbe“, sagt der Musiker, der in Sachsen Schirmherr für das „Instrument des Jahres 2026“ ist. Je nach Registerwahl reiche der Klang von weich und warm über nasal bis brillant oder rau. Stilistisch komme das Akkordeon sowohl bei der Interpretation von Volksmusik und Barockmusik zum Einsatz als auch beim Tango und Chanson, im Jazz und in der zeitgenössischen Musik.
Das Akkordeon ist zwar kein klassisches Orchesterinstrument, aber dennoch längst auf den professionellen Konzertbühnen zu Hause. Dafür sorgt auch das sächsische Duo Leuschner. Die beiden Brüder und Akkordeonisten, Danny und Toni Leuschner, traten schon in ihrer Musikschulzeit im Erzgebirge gemeinsam auf.
Toni Leuschner betont: „Das Instrument ist extrem wandlungsfähig.“ Wie bei der menschlichen Stimme müsse der Ton komplett selbst gestaltet werden. Mit seinen vielfältigen Klangfarben mische sich das Akkordeon perfekt mit nahezu jedem anderen Instrument.
Im Gegensatz zum Einsteigerinstrument mit einem Gewicht von etwa fünf Kilogramm wiegen die Akkordeons der Profis rund 15 Kilogramm. Danny Leuschner sagt: Grund dafür sei eine erweiterte Technik. Diese führe auch zu einem deutlich größeren Tonumfang des Instruments. Die Klänge werden mithilfe frei schwingender Metallzungen erzeugt. Den dafür notwendigen Luftstrom erzeugt der Balg in der Mitte, der auf- und zugezogen wird. Durch das Drücken von Tasten und Knöpfen werden außerdem Ventile geöffnet.
Seit seiner Erfindung zu Beginn des 19. Jahrhunderts begeistert das Akkordeon als ein „tragbares Orchester“. Danny Leuschner sagt: „Wir haben es also mit einem relativ jungen Instrument im klassischen Bereich zu tun, das sich dank seiner Vielseitigkeit und Tragbarkeit rasend schnell verbreitet hat.“ Weltweit zog es in die populären Musikkulturen ein. In den 1930er und 1940er Jahren sei es auch in den Salonorchestern benutzt worden. Manche Komponisten hätten das Akkordeon zudem in klassischen Orchestern eingesetzt, zum Beispiel Dmitri Schostakowitsch (1906-1975).
Das Handzuginstrument wird aus etwa 3.500 Einzelteilen gefertigt. „Wie bei einer Orgel lassen sich mit Registern viele verschiedene Klangfarben erzeugen“, erklärt Andreas Schertel, Meister für Akkordeonbau aus dem sächsischen Klingenthal. Je nach Spieltechnik könne ein- und dasselbe Register auch ganz unterschiedlich klingen. „Wenn die Orgel die Königin der Instrumente ist, dann ist das Akkordeon die Prinzessin“, sagt er.
Für den Luftbalg werde eine spezielle Pappe benutzt, die Stabilität bietet und schnell auf- und zusammengeschoben werden kann. Es werde auch an leichteren Papieren geforscht, die aber ebenso stabil seien, erzählt Schertel. Zudem könne mit Materialien wie Carbon oder aufgeschäumtem Plastik das Gewicht des Gehäuses reduziert werden.
Laut Morgenstern hat sich die Popularität des Akkordeons in den vergangenen Jahren verlagert - weg vom Alltagsinstrument hin zu einem geschätzten, charakterstarken Klangträger mit wachsender Bedeutung. Der Musiker vermutet: „Heute spielen weniger Menschen Akkordeon als früher, doch diejenigen, die es tun, oft auf hohem künstlerischem Niveau und mit bewusster ästhetischer Haltung.“
Trotz seiner stilistischen Vielseitigkeit trete das Instrument in Deutschland „noch viel zu wenig im öffentlichen Konzertleben auf den etablierten Bühnen in Erscheinung“, bedauert Morgenstern. Auch Danny Leuschner wünscht sich, dass das Akkordeon bundesweit auf professionellen Konzertpodien noch präsenter wird - wie es in Frankreich oder Skandinavien heute schon ist.

Frankfurt a. M. (epd). Von der Künstlichen Intelligenz (KI) wäre er wohl fasziniert gewesen. E.T.A. Hoffmann (1776-1822), Spätromantiker und Dichter des Unheimlichen, interessierte sich zeitlebens für „menschliche“ Maschinen. Auf die „Automate“, die zu seiner Zeit en vogue waren, warf er einen sowohl begeisterten als auch äußerst kritischen Blick: Offenbar lehrten ihn die damals spektakulär vorgeführten tanzenden Puppen das Gruseln, aus der Verwischung der Grenze zwischen Mensch und Maschine zog er ethische Schlüsse, die heute geradezu aktuell sind.
Ernst Theodor Amadeus (E.T.A.) Hoffmann, der vor 250 Jahren, am 24. Januar 1776, in Königsberg geboren wurde, war von Beruf Jurist und später in Berlin Kammergerichtsrat. Zugleich schrieb er Novellen, manchmal aus Langeweile im Gerichtssaal. Er komponierte und betätigte sich als Musikkritiker, zeichnete Karikaturen und verfolgte lebhaft die neuesten technischen Entwicklungen. Zu den bekanntesten literarischen Werken des Multitalents zählen „Die Elixiere des Teufels“ (1815/16) und die „Lebensansichten des Katers Murr“ (1819/21).
Ihn faszinierten die Nachtseiten der menschlichen Existenz. Kaum ein Autor ist so häufig verfilmt worden wie E.T.A. Hoffmann, mehr als 100 Literaturverfilmungen gibt es, darunter Edgar Reitz' Kriminalgeschichte „Cardillac“ (1969) und Andreas Dresens „Die Brautwahl“ (1992).
In Hoffmanns berühmter Erzählung „Der Sandmann“ (1816), Inbegriff der schwarzen Romantik, geht es ganz explizit um die Vermenschlichung „tot lebendiger“ Figuren im Auge des Betrachters. Der Heidelberger Musikwissenschaftler, Soziologe und Philosoph Boris Voigt hat sie näher untersucht und stellt fest, Hoffmann sei ein herausragender Diagnostiker der Folgen, die sich aus einem wenig reflektierten Umgang mit „intelligenter“ Technologie für das menschliche Denken, Wahrnehmen und Fühlen ergäben.
Der Plot: Student Nathanael verliebt sich in die schöne Roboter-Puppe Olimpia, die der zwielichtige Coppola auftreten und tanzen lässt. Außer den Worten „Ach, ach“ und „Gute Nacht, mein Lieber“ kann sie zwar nichts hervorbringen, aber Nathanael legt es als Gemütstiefe aus und fühlt sich von ihr vollkommen verstanden. Dagegen gerät ihm seine Verlobte Clara, eine Frau der vernünftigen Tagwelt, immer mehr aus dem Blick. In völliger Verkennung der Fakten beschimpft er am Ende sie, die seine Fantasien infrage stellt, als „lebloses, verdammtes Automat“.
Nathanael verliert den Blick auf die Realität. Was er als Liebe der Automatenfrau empfinde, sei letztlich „nichts anderes als seine eigene Projektion auf sie“, erklärte Voigt in einem wissenschaftlichen Essay im SIM-Jahrbuch (Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung) 2022. Die Zerstörung der Puppe, die Nathanael das eigene Innere spiegele, ziehe folgerichtig dessen Sturz in den Tod nach sich.
Nach Hoffmann leisteten „Automaten“ der menschlichen Projektion Vorschub und zeigten - anders als das reale Gegenüber - keine „Widerständigkeit“, erklärt Voigt. Diese aber sei für das Leben des „Subjekts“, der unverwechselbaren einzelnen Persönlichkeit, eine Grundvoraussetzung. „Mit dem Verlust der Widerständigkeit der physischen Realität und der Widerständigkeit der anderen Subjekte … löst sich letztlich das Subjekt als eigenständige, ihrer selbst bewusste Instanz auf“, erklärt der Forscher.
Mit der KI vertraute heutige Leser dürften bei der „Sandmann“-Geschichte an jene Menschen denken, die KI-Companion-Apps nutzen und sich in Liebes-Beziehungen und Freundschaften mit KI-generierten Figuren wähnen.
Auch in der Erzählung „Die Automate“ (1814) beschäftigt sich Hoffmann mit dem Verhältnis Mensch-Maschine. Ausgiebig diskutieren die Protagonisten Ludwig und Ferdinand manipulative Aspekte von Technik. Hier geht das Unheil - äußerlich gesehen - von einer Maschine aus, die „sprechender Türke“ genannt wurde und Arme, Kopf und Augen bewegte und so die Illusion von Lebendigkeit erzeugte. Während Ludwig spöttisch auf die Inszenierung reagiert, nimmt sein Freund einen düsteren Orakelspruch des „Türken“ ernst. Ferdinand, der Inneres und Äußeres, Gefühl und Technik durcheinanderbringt, gerät in einen Zustand der Zerrüttung.
Nach Ansicht Voigts lohnt es sich, in der Debatte um KI auf E.T.A. Hoffmann zurückzukommen. Der Forscher verweist darauf, dass sich die Romantiker mit Naturwissenschaft und Technologie besser auskannten als gemeinhin vermutet. Schon im frühen 19. Jahrhundert entstand die Vorstellung, das Denken sei etwas Maschinelles und mit Algorithmen zu erfassen.
Mit diesen Theorien setzt sich Hoffmann kritisch auseinander. Er erkennt im „nachgeäfften“ menschlichen Verhalten eine „Täuschung“, wie er Ludwig in „Die Automate“ empört erklären lässt. Auch die KI, die sich einen menschlichen Anstrich gebe, arbeite mit Täuschung, so Voigt. Sie verändere „das Verhältnis des Menschen zu sich selbst und sein Verhältnis zur Realität“ elementar.
E.T.A. Hoffmann starb am 25. Juni 1822 in Berlin im Alter von 46 Jahren. Was er nicht mehr erlebte: Nur wenige Jahre später entwickelte Charles Babbage die erste funktionierende Rechenmaschine, die viele Eigenschaften heutiger Rechner vorwegnahm.

Brüssel, Asunción (epd). Nach einem Vierteljahrhundert der Verhandlungen haben die Europäische Union und die südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay am 17. Januar ihr Mercosur-Abkommen feierlich unterzeichnet. Es soll die größte Freihandelszone der Welt schaffen.
„Dieses Abkommen ist seit 25 Jahren in Vorbereitung“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. „Wir schaffen die größte Freihandelszone der Welt, einen Markt mit einem Anteil von fast 20 Prozent am globalen Bruttoinlandsprodukt. Damit eröffnen wir unseren 700 Millionen Bürgerinnen und Bürgern ungeahnte Möglichkeiten. Dieses Abkommen sendet ein starkes Signal an die Welt.“
Die wirtschaftlichen Vorteile dieser Partnerschaft seien „glasklar“, sagte von der Leyen. Europa erhalte besseren Zugang zu Rohstoffen, die es für den Umbau seiner Wirtschaft benötige. Zugleich würden europäische Investitionen die Mercosur-Länder bei ihrer Transformation unterstützen. Weiter betonte die EU-Kommissionspräsidentin, das Abkommen enthalte ein umfangreiches Kapitel zu Handel und nachhaltiger Entwicklung. „Wir verpflichten uns, einander beim Übergang zur Klimaneutralität zu unterstützen.“
Als weiteren Punkt hob von der Leyen die geopolitische Bedeutung des Abkommens hervor. „Wir werden unsere Kräfte wie nie zuvor bündeln, weil wir glauben, dass dies der beste Weg ist, um unseren Menschen und unseren Ländern Wohlstand zu bringen. Und wenn unsere beiden Regionen in globalen Fragen mit einer Stimme sprechen, wird die Welt zuhören.“
Bei der Bewertung der Chancen und Risiken des Abkommens gehen die Bewertungen indes weit auseinander. Die handelspolitische Sprecherin der Grünen im Europäischen Parlament, Anna Cavazzini, übte deutliche Kritik: Das Abkommen schade dem Amazonas, bedrohe indigene Gruppen und setze europäische Bauern unter Druck, sagte Cavazzini dem epd. Geopolitische Zusammenarbeit dürfe nicht über ein Abkommen erkauft werden, unter dem unter anderem die Umwelt leide.
Der Europaabgeordnete und Co-Vorsitzende des BSW, Fabio De Masi, kritisierte: „Mit der Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens setzt die Europäische Union eine Handelspolitik fort, von der vor allem große Konzerne profitieren, während die europäische Landwirtschaft Schaden nimmt.“ Das Abkommen öffne den Binnenmarkt der EU für Agrarimporte, die unter deutlich niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards produziert würden. Der Preisdruck auf europäische Bauern werde dadurch weiter verschärft.
Der SPD-Europaabgeordnete Udo Bullmann sieht dagegen große Chancen, mit den Partnern in Lateinamerika höhere Produkt-, Arbeits- und Umweltstandards zu etablieren. Darüber hinaus setze das Abkommen auf verlässliche Partnerschaft. „In der heutigen turbulenten Welt sind Abkommen wie Mercosur für Europa unverzichtbar. Sie ermöglichen es uns, eine glaubwürdige demokratische Alternative zu unterdrückerischen autokratischen Kräften anzubieten und ein weltweit relevanter Akteur zu bleiben.“
In der EU steht allerdings noch eine weitere Hürde an: Das Europäische Parlament muss dem Abkommen zustimmen. Ob es dafür eine Mehrheit gibt, ist ungewiss. Zudem wird im Parlament am kommenden Mittwoch darüber abgestimmt, ob die Abgeordneten den Europäischen Gerichtshof um eine Stellungnahme zur rechtlichen Vereinbarkeit des Abkommens bitten. Ein solcher Schritt könnte das Verfahren um Monate oder sogar Jahre verzögern.

Berlin (epd). Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) will die Strategie ihres Hauses neu ausrichten. Dazu soll auch eine stärkere Orientierung an deutschen Interessen gehören, wie aus einem am 12. Januar in Berlin vorgestellten Strategiepapier Alabali Radovans hervorgeht. Zudem plant die Ministerin, sich bei der Mittelvergabe stärker auf bestimmte Regionen sowie die Themen Hunger- und Armutsbekämpfung zu fokussieren.
Mit Blick auf Kriege und Krisen sowie den Rückzug der USA aus der Entwicklungszusammenarbeit sagte die Ministerin, die internationale Solidarität stehe „massiv unter Druck“. Auch die deutsche Entwicklungspolitik müsse sich „an neue Realitäten anpassen“. Immerhin wurde auch im Bundeshaushalt für diesen Bereich in den vergangenen Jahren der Rotstift angesetzt. 2023 lag der Etat des Entwicklungsministeriums noch bei gut zwölf Milliarden Euro, in diesem Jahr stehen wie im Vorjahr noch rund zehn Milliarden Euro zur Verfügung.
In dem Papier wird das Ziel ausgegeben, die Entwicklungspolitik „strategischer, fokussierter und partnerschaftlicher“ auszurichten. Unter Partnerschaftlichkeit versteht Alabali Radovan dabei, dem globalen Süden stärker auf Augenhöhe zu begegnen. Partnerschaftlicher zu handeln bedeute aber auch, „dass wir eigene Interessen klarer benennen“, heißt es in dem Papier. Eine „wertebasierte Ausrichtung“ solle mit einer „strategischen Orientierung an deutschen Interessen“ verbunden werden.
Ein größeres Gewicht soll dem Papier zufolge die Hunger- und Armutsbekämpfung erhalten. Dies sei der „Kernauftrag“ der Entwicklungszusammenarbeit, sagte Alabali Radovan. Konzentriert werden sollen Mittel, die direkt aus dem Bundeshaushalt in Projekte gehen, auf die ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder in Afrika. Sogenannte Schwellenländer, also aufstrebende Volkswirtschaften, sollen künftig grundsätzlich nur noch mit rückzahlbaren Krediten unterstützt werden.
Einen räumlichen Fokus soll es künftig auf Krisenregionen geben, „die für Deutschland und Mitteleuropa von zentraler Bedeutung sind“, wie Alabali Radovan erläuterte. Konkret nennt das Papier die europäische Nachbarschaft, den Nahen Osten, Nordafrika, die Sahelregion und das Horn von Afrika. Das bedeute, dass Deutschland die Unterstützung im Themenfeld Flucht und Krise in anderen Weltregionen „geordnet beenden“ werde, sagte Alabali Radovan. An der Unterstützung des in der Kritik stehenden UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) will sie entsprechend der Strategie nach eigenen Worten festhalten.
Das Papier strebt zudem eine Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern an. Konkret verwies sie auf das Ziel, Vergabeverfahren zu verbessern. Sie wolle, dass sich die Chancen deutscher und europäischer Unternehmen bei Auftragsvergaben in diesen Ländern verbessern, sagte Alabali Radovan.
Nachdem die USA in der vergangenen Woche den Abschied aus zahlreichen UN-Organisationen angekündigt hatten, sieht das Papier der deutschen Ministerin eine Stärkung der multilateralen Zusammenarbeit vor, sieht Deutschland gar in einer „sichtbaren Führungsrolle“. Themen wie Gesundheit und Bildung sollen Alabali Radovan zufolge künftig vorrangig über solche Kooperationen bearbeitet werden.

Berlin (epd). Die Präsidentin von „Brot für die Welt“, Dagmar Pruin, hat die strategische Neuausrichtung der deutschen Entwicklungshilfe als versteckte Sparmaßnahme kritisiert. Zwar enthalte der Reformplan von Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) auch positive Aspekte wie die Priorisierung der Armuts- und Hungerbekämpfung, erklärte Pruin am 13. Januar. „Gleichzeitig dürfen wir uns keiner Illusion hingeben: Eine Reform der Entwicklungspolitik, die vor allem eine verkleidete Kürzungspolitik ist, schadet am Ende den Menschen im Globalen Süden.“
Ministerin Alabali Radovan hatte am Montag die neue Strategie ihres Hauses vorgestellt, die sich mehr an deutschen Interessen orientieren soll. Zugleich plant sie, sich bei der Mittelvergabe stärker auf bestimmte Regionen sowie die Themen Hunger- und Armutsbekämpfung zu fokussieren. Derweil muss die Ministerin mit deutlich weniger Geld auskommen als ihre Vorgängerin: 2023 lag der Etat des Entwicklungsministeriums noch bei gut zwölf Milliarden Euro, in diesem Jahr stehen wie im Vorjahr noch rund zehn Milliarden Euro zur Verfügung.
Zwar wolle sich das Bundesentwicklungsministerium für faire internationale Partnerschaften und Multilateralismus einsetzen. „Umso unbegreiflicher ist es, dass am laufenden Band neue Kürzungen gefordert und politisch beschlossen werden. Gestalten mit immer weniger Mitteln: Das wird nicht funktionieren“, erklärte Pruin. „Wenn Deutschland seinen eigenen Anspruch glaubwürdig vertreten will, müssen Reformen nicht nur geplant, sondern auch verlässlich mit ausreichend Mitteln unterlegt werden“, forderte die Chefin der evangelischen Hilfswerke „Brot für die Welt“ und Diakonie Katastrophenhilfe.
Nairobi/Kampala (epd). In Uganda ist Langzeitpräsident Yoweri Museveni im Amt bestätigt worden. Laut Wahlkommission kam der 81-Jährige bei der Wahl vom 15. Januar auf 71,6 Prozent der Stimmen, sein stärkster Gegner Bobi Wine auf 24,7 Prozent. Wine warf Museveni Manipulationen und Einschüchterung vor und rief die Bevölkerung auf, das Ergebnis nicht anzuerkennen.
Gegen den Verlauf der Wahl und der Stimmenauszählung kam es nach Medienberichten zu Protesten in vielen Teilen des Landes. Mehr als 400 Personen seien festgenommen worden, meldete die Zeitung „Monitor“ am 18. Januar. Seit Donnerstag seien mindestens zwölf Menschen von Sicherheitskräften getötet worden, berichtete die Zeitung bereits am Vortag.
Von Dienstagabend bis Samstagabend war das Internet in Uganda auf Anweisung der Kommunikationsbehörde weitgehend abgeschaltet worden, Berichte über die Lage drangen kaum nach außen. Nach dem Ende der Blockade verbreitete Wine auf der Plattform X ein Video, auf dem ein paar wenige Leute massenweise Stimmzettel für Museveni ausfüllen.
Bereits der Wahlkampf war von Einschüchterung und Repression überschattet gewesen. Die Auftritte von Wine, mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi, waren geprägt von Gewalt durch die Sicherheitskräfte. Am Tag nach der Wahl wurden Berichte bekannt, dass das Militär das Haus Wines umstellte. Über den Verbleib des Politikers wurde spekuliert. Ihm sei es gelungen zu entkommen, schrieb der ehemalige Pop-Star.
Die Wahlbeobachtungsmission der Afrikanischen Union (AU) erklärte in ihrem ersten Bericht, dass Internetsperren das Recht auf Information und freie Meinungsäußerung eingeschränkt hätten, und stellte die Unabhängigkeit der Wahlkommission infrage. Der Vorsitzende der AU-Kommission, Mahmoud Ali Youssouf, gratulierte Museveni dennoch zum Wahlsieg.
Museveni regiert das ostafrikanische Land seit 40 Jahren zunehmend autokratisch und hat sich nun eine weitere fünfjährige Amtszeit gesichert. Rund 21 Millionen Menschen hatten sich für die Wahl registriert, nur etwas mehr als die Hälfte gab der Wahlkommission zufolge ihre Stimme auch tatsächlich ab. Auch das Parlament wurde am Donnerstag gewählt, die Auszählung hält noch an.
13.-15.2. Evangelische Akademie Tutzing
Vertrau. Über die Unmöglichkeit ohne Vertrauen zu handeln Nicht nur die liberale Demokratie mit ihrem Verständnis von Aushandlungsprozessen und Kompromissen leidet unter Vertrauensverlust. Auch unser gesellschaftliches Miteinander ist zunehmend von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Wie kann Vertrauen als elementarer Bestandteil des sozialen Kapitals einer Gesellschaft wieder aufgebaut werden? Was hilft gegen Misstrauen, sowohl auf menschlicher Ebene als auch gegenüber Institutionen?
20.-22.2. Evangelische Akademie Loccum
Bilanz ziehen - Kurs setzen: Grundzüge einer Kulturpolitik der Resilienz Wo konnten Ansätze der „Neuen Kulturpolitik“ überzeugen und was haben sie bewirkt? Wie lassen sich im Geist der Neuen Kulturpolitik aktuelle kulturpolitische Herausforderungen bewerkstelligen? War für die „Neue Kulturpolitik“ das Bild der „aktivierenden Kulturpolitik“ paradigmatisch, so scheint heute angesichts der rasanten Entwicklung (Digitalisierung, globale Konflikte) eher das Bild einer „adaptiven Kulturpolitik“ angemessen. Was bedeutet das konkret für Programmatik und Akteure?
27.-28.2. Evangelische Akademie Bad Boll
„Würdigen. Weitergehen. Wirken.“ Flüchtlingsschutztagung 2026 Vor zehn Jahren kamen wegen des Bürgerkriegs in Syrien über eine Million Menschen nach Deutschland. Unzählige Haupt- und Ehrenamtliche standen ihnen in dieser schwierigen Situation bei. Wir wollen zurückschauen auf diese Zeit, diskutieren, was wir daraus für eine zukünftige menschenwürdige Arbeit mit Geflüchteten gelernt haben, und die Migrationsdebatte eine Woche vor den Landtagswahlen in den politischen Kontext einordnen.