Konstanz, Würzburg, München (epd). Ingwer ist vielseitig, wärmend und gesundheitsfördernd. Seit einigen Jahren sind Shots im Trend - kleine, scharfe Trinkkonzentrate aus frischem Ingwer. Sie sollen das Immunsystem in der kalten Jahreszeit stärken. Die meisten Supermärkte verkaufen auch die unscheinbare asiatische Wurzel (Zingiber officinale). Sie wird aufgebrüht als Tee, zum Würzen von Speisen und für medizinische Zwecke verwendet.

Jetzt wurde die „Scharfstoffdroge mit weltweiter Verbreitung“ vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde und der Gesellschaft für Phytotherapie zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gekürt. Ingwer enthält neben ätherischem Öl verschiedene Scharfstoffe wie Gingerole und Shogaole, die für den typisch scharfen Geschmack sorgen.

#Antibakteriell und durchblutungsfördernd

Die heilsame Wirkung der schilfartigen Staude aus der Familie der Ingwergewächse ist seit rund 2000 Jahren in Europa nachweisbar. Schon in der griechisch-römischen Medizin sei Ingwer als „erwärmend, verdauungsfördernd, milde den Stuhl anregend und magenstärkend“ beschrieben worden, so die Pflanzenkundler. Zudem wirke er gegen Verdunkelungen der Pupille und diene als Zusatz in Gegengiften.

Ingwer wächst unterirdisch und bildet Wurzelstöcke, sogenannte Rhizome. Daraus wachsen etwa ein Meter hohe, schilfartige Stängel. Die Ernte erfolgt nach 8 bis 10 Monaten. Die Pflanze wirkt antibakteriell, fördert die Durchblutung und steigert die Produktion der Gallensäfte. Er gilt als hilfreiches Mittel gegen Wetterfühligkeit und Reiseübelkeit. Auch bei Magen-Darm-Beschwerden, Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterinspiegel kann eine Ingwerbehandlung erfolgreich sein.

Heimat Asien

Seine Heimat hat der Ingwer in Asien. Wo genau sein Ursprung liegt, ist nicht bekannt. Der chinesische Kaiser Shennong soll schon Jahrtausende vor Christus den Ingwer als kräftigend erwähnt haben. Vom chinesischen Philosophen Konfuzius (551-479 v. Chr.) ist überliefert, dass er seine Mahlzeiten nie ohne Ingwer zu sich nahm. In der traditionellen chinesischen Medizin wird Ingwer auch bei Rheuma, Muskelschmerzen und Erkältungen in Form von Tees oder Bädern verordnet.

Auch in Deutschland wird Ingwer vereinzelt angebaut, etwa auf der Bodenseeinsel Reichenau. Dort werde die Pflanze Mitte Mai in Gewächshäusern gesetzt und im Oktober geerntet, sobald die Knollen ausgereift und besonders zart seien, erklärt ein Sprecher der Genossenschaft Reichenauer Gemüse dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er werde nur regional vertrieben. Im bayerischen Neufarn bei München erntet Gärtnermeister Florian Böck die scharfe Knolle tagesfrisch bis Ende Januar. Auf die Idee kam er 2019, weil er selbst gerne asiatisch kocht.

Stängel und Blätter zum Würzen geeignet

Dabei seien nicht nur die Knolle, sondern auch die Stängel und Blätter komplett verwendbar, sagt Böck im epd-Gespräch. Das Laub eigne sich hervorragend für Erfrischungsgetränke und Tee oder zur Herstellung von Ingweröl. Die klein geschnittenen Stängel sorgten für Würze, etwa in Wok-Gerichten.

Das unterscheide den heimischen vom Import-Ingwer, der länger im Boden bleibt, auf dem Feld getrocknet wird und dadurch länger haltbar ist. Auch zu Hause lässt er sich ganz einfach selbst ziehen. Dazu pflanzt man ein frisches Stück Ingwer in einen Topf mit Erde, aus dem die Pflanze dann treibt.

Schon im Mittelalter beliebt

Nach der beliebten Knolle wurde im Mittelalter die Straße der Gewürzkrämer in Basel „Imbergasse“ benannt. Hildegard von Bingen (1098-1179) beschrieb den Ingwer differenziert. Für gesunde und beleibte Menschen sei der Verzehr schädlich, da die Hitze sie gedankenlos und hitzig mache. Wer jedoch in seinem Körper trocken sei und schon fast sterbe, für den sei Ingwer lebensrettend.

Paracelsus (1493-1541) empfahl die innerliche Anwendung von Ingwer bei Fieber und äußerlich als „Pflaster“ bei Brüchen und stumpfen Verletzungen. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) servierte zu Teegesellschaften und Musikabenden neben Speisen wie Gänseleber, Kaviar und Lachs auch Ingwer.

Verwandt mit Kurkuma und Galgant

Der echte Ingwer gehört zur artenreichen Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae). Nahe Verwandte sind etwa die Gewürze Kurkuma, Kardamom und Galgant. Da sich die ätherischen Öle direkt unter der braunen Schicht befinden, sollte Ingwer nicht geschält, sondern nur vorsichtig abgeschabt werden.

Wer die Schärfe mag, sollte das Gewürz unterschiedlicher Herkunft testen. Ingwer aus Nigeria soll am schärfsten sein, der aus Australien am mildesten.