Berlin (epd). Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gehört vermutlich zu den meistfotografierten Personen der Welt. Die meisten Bilder zeigen sie als Person des öffentlichen Lebens. Merkel war eine von 15 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien, die die Fotografin Herlinde Koelbl von 1991 an über Jahre hinweg wiederholt vor neutralem Hintergrund porträtierte. Das Deutsche Historische Museum in Berlin zeigt seit dem 29. April ihre Merkel-Porträts.

In der Schau sind 47 Schwarzweiß-Aufnahmen zu sehen, die Koelbl zwischen 1991 und 2021 von der CDU-Politikerin anfertigte. Sie habe kein Kameralächeln gewollt, sagte die Fotografin am 27. April bei der Präsentation der Ausstellung. Es sei ihr um „größtmögliche Objektivität“ gegangen. Deshalb habe sie Merkel „nach einem klaren Konzept fotografiert; Kopf, sitzend, stehend“. Sie habe keine Anweisungen gegeben. Einzige Ausnahme: Sie sollte möglichst offen in die Kamera schauen.

Merkel übte „keinerlei Kontrolle“ aus

Merkel habe dabei nie in die Auswahl der Porträts eingegriffen, sagte der Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, Raphael Gross. Dies sei „eines der erstaunlichsten Phänomene der Zusammenarbeit“ zwischen der Fotografin und der Porträtierten gewesen. Koelbl bezeichnete es als Zeichen der Souveränität, dass Merkel „keinerlei Kontrolle ausgeübt“ habe. Die Fotografin erlebte Merkel im Unterschied zu männlichen Politikern als uneitel.

Die Porträts werden ergänzt um Zitate Merkels, Audiostationen und eine Videocollage mit Ausschnitten aus Interviews, die Koelbl mit ihr führte. Die Antworten auf die jährliche Frage „Was haben Sie gelernt?” dokumentierten Merkels Entwicklungsprozess im männlich dominierten Politikbetrieb der 90er Jahre, hieß es. In einem der Interviews habe Merkel ihr 1996 von einer Episode erzählt, bei der der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sie als Umweltministerin öffentlich bloßgestellt habe. Damals habe Merkel ihm geantwortet: “Sie werden sich noch wundern." Neun Jahre später löste sie ihn als erste Bundeskanzlerin ab.

Die erste Aufnahme entstand 1991, als Merkel Bundesministerin für Frauen und Jugend geworden war. Das letzte Porträt stammt von 2021, als ihre 16-jährige Amtszeit als Bundeskanzlerin endete. Unter einem großformatigen Porträt von 1994, auf dem sie unverstellt privat den Betrachter anschaut, steht ein Zitat, in dem Merkel über ihre Rolle als Frau in der Politik spricht: „Meine Karriere habe ich ja zum Teil auch nur deshalb gemacht, weil ich eine Frau bin und damals gerade eine Frau gebraucht wurde.“

Kanzlerin wurde „statischer“

Im Lauf der Jahre sei Merkel bei den Aufnahmen „statischer geworden“, während sie auf dem ersten Bild noch „eine andere Lebendigkeit“ gezeigt habe, erinnert sich Koelbl. Die Abfolge der Bilder demonstriere, wie das politische Amt eine psychische und physische Veränderung bewirke. „Man sieht, wie sich die Körpersprache verändert: Sie wird entspannter, hat Stand- und Spielbein.“ Eine Wand mit kleinformatigen lächelnden Porträts zeigt im Vergleich mit den ernsten Großformaten eine humorvolle Merkel. Die Ausstellung „Herlinde Koelbl. Angela Merkel Portraits 1991-2021“ ist bis zum 4. September zu sehen.