Pflegende Angehörige von Demenzkranken bekommen in Nordrhein-Westfalen nach Feststellung der Alzheimer Gesellschaft NRW zu wenig Unterstützung. Es fehle vor allem an Anlaufstellen sowie Tages- und Nachtpflegeplätzen, kritisierte die Vorsitzende Regina Schmidt-Zadel am 13. September in Düsseldorf. Vor diesem Hintergrund sei ein Landesdemenzplan notwendig, wie es ihn beispielsweise in Bayern schon seit 1986 gebe.

Schätzungen zufolge gibt es im bevölkerungsreichsten Bundesland zwischen 300.000 und 500.000 Demenzkranke. Sie werden zu rund 70 Prozent von Angehörigen daheim und zumeist ohne Unterstützung gepflegt. Viele Betroffene seien damit überfordert, machte der Vizevorsitzende und Demenzforscher Ralf Ihl deutlich: "Das ist ein Vollzeitjob mit 24 Stunden am Tag und sieben Tagen die Woche."

Mehr Hilfsangebote für pflegende Angehörige angemahnt

"Wir brauchen flächendeckend mehr Hilfsangebote für die pflegenden Angehörigen, die der größte Pflegedienst der Nation sind", betonte Schmidt-Zadel. Deren Situation werde immer schwieriger, obwohl ihr Beitrag für die Pflege nicht hoch genug geschätzt werden könne. Doch seien ambulante Pflegedienste wegen Personalmangels immer mehr ausgedünnt, weil Altenpfleger inzwischen wegen einer regulatorischen Änderung bevorzugt in Krankenhäusern arbeiteten, da die Bezahlung dort besser sei.

Ein Landesdemenzplan soll nach Forderung der Alzheimer Gesellschaft alle Missstände ins Lot bringen. Dazu müsse auch die Einrichtung eines landesweiten Krisentelefons mit Fachleuten gehören, das als Anlaufstelle für die Vermittlung von Hilfen diene. Die "klassischen" Notdienste wüssten in Krisenfällen oft nicht Bescheid. Notwendig seien auch Schulungsangebote für pflegende Angehörige für den Umgang mit Demenzkranken. Denn nicht selten könne es in Krisensituationen zu Aggressionen kommen, weil der Angehörige überfordert sei.

Auch bei den Kurzzeit-Pflegeplätzen sieht die Alzheimer Gesellschaft dringenden Nachholbedarf. Dort können Demenzkranke für eine begrenzte Zeit untergebracht werden, wenn der oder die Angehörige in Urlaub oder Kur fährt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte jüngst vorgeschlagen, solche Plätze in Krankenhäusern zu schaffen. Demenzforscher Ihl hält davon wenig, weil die Kliniken zumeist wenig Erfahrung mit Demenzkranken hätten.