Die Kölner DuMont Mediengruppe steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung. Derzeit werde unter anderem eine "Veräußerung von Teilen des Portfolios" geprüft, sagte eine Sprecherin des Unternehmens am 26. Februar dem Evangelischen Pressedienst (epd). In der Diskussion seien aber verschiedene Handlungsoptionen, um eine zukunftsfähige Aufstellung sicherzustellen. Aktuell gebe es "weder konkrete Ergebnisse noch Entscheidungen". Der Konzern reagierte damit auf Medienberichte, wonach er sich von seinen Zeitungstiteln trennen will.

"Eine derartige Überprüfung der Strategie findet üblicherweise regelmäßig in einem Unternehmen statt, so auch bei DuMont", sagte die Sprecherin. Weitere Informationen zur geplanten strategischen Ausrichtung könnten derzeit nicht gegeben werden.

Der Branchendienst "Horizont" hatte zuvor gemeldet, dass sich DuMont von allen Regionalmedien trennen will. Betroffen sind demnach der "Kölner Stadt-Anzeiger" am Stammsitz in Köln wie auch die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier", die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle sowie die "Hamburger Morgenpost". Hinzu kommen dem Bericht zufolge alle Druckereien, zentralen Services und Anzeigenblätter.

"Offenbarungseid"

"Horizont" liegen nach eigenen Angaben Unterlagen vor, aus denen hervorgehen soll, dass DuMont die Münchner Unternehmensberatung Goetzpartners mit der Abwicklung eines Verkaufs der Regionalmedien beauftragt hat. In diesem Szenario würden lediglich die beiden Geschäftsfelder "Marketing Technology" mit diversen Online-Plattformen und Agenturen sowie "Business Information", darunter der Bundesanzeiger-Verlag, beim Konzern verbleiben.

Die DuMont Mediengruppe hatte im Geschäftsjahr 2017 ihren Umsatz auf 615 Millionen Euro gesteigert. Das war ein Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Konzernjahresergebnis lag mit 6,5 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Allerdings gehen die Zeitungsauflagen stark zurück: "Kölner Stadt-Anzeiger" und "Kölnische Rundschau" verkauften im vierten Quartal 2018 zusammen noch knapp 242.000 Exemplare, das waren 62.000 weniger als vor fünf Jahren.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) bezeichnete den möglichen Verkauf der Regionalzeitungen als "verlegerischen Offenbarungseid". Die Pläne seien ein weiterer "Beleg für eklatantes Managementversagen in der Branche", erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Obwohl die Zeitungstitel nach wie vor Gewinne erwirtschafteten und die Notwendigkeit von Qualitätsjournalismus in Zeiten von Fake News täglich wachse, sei das verlegerische Verantwortungsgefühl völlig abhandengekommen.

Auch die Gewerkschaft ver.di übte scharfe Kritik. Der stellvertretende Vorsitzende Frank Werneke nannte es "unerträglich, mit welcher Gleichgültigkeit die Gesellschafter des Unternehmens mit den Existenzen Tausender Beschäftigter umgehen". Weder die Betriebsräte noch die Gewerkschaften seien über die Pläne informiert worden.