Papst Franziskus hat Missbrauchstäter in der katholischen Kirche zur Selbstanzeige aufgerufen. "Denjenigen, die Minderjährige missbrauchen, möchte ich sagen: Übergebt euch der menschlichen Justiz", sagte er am 21. Dezember beim Weihnachtsempfang für die vatikanische Kurie. Vatikansprecher Greg Burke betonte angesichts der düsteren Bilanz von Franziskus über die im Laufe der vergangenen Monate aufgedeckten Vergehen, das Kirchenoberhaupt habe "kein Blatt vor den Mund genommen".

Die Kirche habe in diesem Jahr schwierige Momente erlebt und sei von "Stürmen und Hurrikans" getroffen worden, sagte Franziskus im Apostolischen Palast vor den versammelten Bischöfen und Kardinälen. Noch heute gebe es Geistliche, die von ihrer Macht profitierten, um hinter einer Maske aus "grenzenloser Freundlichkeit, tadellosem Fleiß und einem Engelsgesicht" die Schwächsten auszunutzen, sagte er unter Hinweis auf Kindesmissbrauch durch Priester.

Die Kirche bemühe sich darum, dem Missbrauch ein Ende zu setzen, sagte der Papst in einer der wichtigsten Ansprachen des Jahres. Die Täter begingen "abscheuliche Verbrechen und üben weiter ihr Amt aus, als sei nichts gewesen". Franziskus gestand ein, dass das Problem in der Vergangenheit teilweise nachlässig behandelt worden sei. "Das darf nie wieder geschehen", mahnte der Pontifex. Die Kirche werde sich darum bemühen, nichts zu vertuschen, keinen Fall unterzubewerten und alle Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Dank an Medien

In seiner Weihnachtsansprache an die Kurie wandte der Papst sich gegen die Behauptung, die Medien berichteten über Missbrauch in der Kirche, um ihr zu schaden. Er dankte den Medien ausdrücklich für ihre Bemühungen, die Taten aufzudecken und den Opfern eine Stimme zu geben. Unter Anspielung auf Versuche, ihn und seine Amtsführung in Misskredit zu bringen, verurteilte der Papst Würdenträger, die Zwietracht in der Kirche säten.

In den vergangenen Jahren hatte Franziskus seine Ansprache beim Weihnachtsempfang für schweren Tadel an "Kurienkrankheiten" wie Selbstgerechtigkeit und Arroganz gegenüber anderen Gläubigen und Andersdenkenden genutzt. Angesichts der zahlreichen Enthüllungen über Missbrauchsfälle in der Kirche widmete er die Ansprache in diesem Jahr einem Eingeständnis kirchlicher Verfehlungen. Dabei bekräftigte er, diese auch mit dem für Februar einberufenen Treffen mit den Spitzen der Bischofskonferenzen weltweit weiterhin bekämpfen zu wollen.