Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen hat die Kirchen dazu aufgefordert, für Wertedebatten im Internet eine "neue, frische Sprache" zu entwickeln. "Das einfache Moralisieren, die Kanzelpredigt, der erhobene Zeigefinger, dieses 'ihr sollt' - all das funktioniert nicht mehr", sagte der Tübinger Wissenschaftler dem evangelischen Monatsmagazin "chrismon" (April-Ausgabe). Bei der Beteiligung an Debatten im Netz sei Aufgabe der Kirchen, für Ethik zu werben, jedoch ohne dabei zu moralisieren.

In dem gemeinsamen Interview mit der Webvideo-Journalistin Franzi von Kempis plädierte Pörksen außerdem dafür, die Transformation von einer "digitalen" hin zu einer "redaktionellen Gesellschaft" zu vollziehen, in der journalistisches Bewusstsein zur Allgemeinbildung gehöre. Glaubwürdige und relevante Informationen zu erkennen, sei heute für jeden bedeutsam, argumentiert Pörksen. In einem eigenen Schulfach an der Schnittstelle von Informatik, Medienwissenschaft, Sozialpsychologie und Ethik ließen sich diese Kompetenzen vermitteln.

Die geringen Hürden bei der Beteiligung an Kommunikation im Internet fördern seiner Meinung nach die Falschinformation. "In das weltumspannende Netz lassen sich barrierefrei jede Menge Fake News und Gerüchte einspeisen", erklärte Pörksen. Menschen seien bestätigungssüchtig und wollten Belege für das, was sie ohnehin glaubten. "Deshalb funktioniert Desinformation so gut", sagte der Tübinger Wissenschaftler.