Ausgabe 17/2016 - 29.04.2016
Köln (epd). Einer neuen Untersuchung zufolge gibt es auf dem deutschen Arbeitsmarkt markante Veränderungen im Bereich der atypischen Beschäftigung. Die Teilzeitarbeit und die Leiharbeit nähmen zu, während die Verbreitung von Mini-Jobs zurückgehe, teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am 26. April in Köln mit. Dieser Sektor befindet sich auf dem höchsten Stand seit 13 Jahren, hieß es.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit ist den Angaben nach im Jahr 2015 deutlich gewachsen. Noch stärker hat allerdings die atypische Beschäftigung zugenommen. Daher ist der Anteil von Teilzeitstellen, Leiharbeit und Minijobs an der Gesamtbeschäftigung erneut ein wenig gestiegen. Unterm Strich waren rund 39,3 Prozent aller abhängigen Beschäftigungsverhältnisse (ohne Beamte und Selbstständige) solche atypischen Jobs, 2014 lag der Anteil bei 38,9 Prozent. In manchen westdeutschen Städten und Landkreisen liegt die Quote sogar bei mehr als 50 Prozent.
"Insbesondere die Zahl der Teilzeit- und Leiharbeiter hat 2015 zugenommen", beschreibt Toralf Pusch, Arbeitsmarktexperte des WSI, den aktuellen Trend. Die Zahl der oft besonders schlecht bezahlten und abgesicherten Minijobber im Haupterwerb habe hingegen erstmals seit längerem deutlich um etwa 162.000 Beschäftigte abgenommen.
Am stärksten verbreitet ist atypische Beschäftigung in den westdeutschen Flächenländern: Schleswig-Holstein liegt mit 43,1 Prozent vorn, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 42,2 und Niedersachsen mit 41,7 Prozent. Auf Stadt- und Kreisebene kommt Delmenhorst mit 54,1 Prozent auf die höchste Quote atypischer Jobs. Im Osten Deutschlands liegen die Werte meist etwas darunter. Pusch führt dies auf andere Erwerbsmuster vor allem bei Frauen zurück. Am niedrigsten ist der Anteil atypischer Beschäftigung in Thüringen mit 36 Prozent.
Den WSI-Daten zufolge arbeiteten 2015 etwa 22,4 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Teilzeitjobs. Diese Gruppe machte damit den größten Anteil der atypischen Beschäftigung aus. Längst nicht jede Teilzeitbeschäftigung sei prekär, betonte Pusch. Doch häufig entspreche Teilzeitarbeit nicht den tatsächlichen Arbeitszeitwünschen der Beschäftigten.