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Flüchtlinge

Syrerin will als Bufdi arbeiten




Auch Flüchtlinge würden sich gerne als freiwillige Helfer engagieren.
epd-bild/Jörg Koch
Flüchtlinge, die mit den Gepflogenheiten in Deutschland schon ein wenig vertraut sind, können in der Flüchtlingshilfe wertvolle Arbeit leisten. Das denkt sich jedenfalls sich die Syrerin Souad Rezek - und strebt ein Engagement als Bundesfreiwillige an.

Hektisch und auf Syrisch redet Souad Rezek auf den Mann mit dem Zettel in der Hand am Gleis 6 am Oldenburger Hauptbahnhof ein. Die Flüchtlingsfamilie des Mannes kam mit einer Stunde Verspätung aus Braunschweig an und muss mit dem nächsten Zug weiter nach Schortens. Zwar haben die Behörden alle Verbindungsdaten für die Reise auf einem Zettel ausgedruckt, doch für Menschen aus Syrien sind lateinische Buchstaben genauso verständlich wie die geschwungenen arabischen Schriftzeichen für einen Deutschen. Aber Souad Rezek blickt durch und bringt die Familie zum richtigen Zug.

Souad übersetzt, begleitet und organisiert

"Ohne Souad wären wir hier manches Mal aufgeschmissen", sagt Doris Vogel-Grunwald, Chefin der Oldenburger Bahnhofsmission. Täglich kommen hier Flüchtlinge an, die nicht wissen, wie es weitergeht. Souad Rezek spricht Arabisch, Französisch "und jeden Tag etwas mehr Deutsch". Sie übersetzt, begleitet die Durchreisenden auf das richtige Gleis und organisiert mit Hilfe der Kollegen von der Bahnhofsmission Unterstützung am Ankunftsort.

Die Erziehungswissenschaftlerin streift an jedem Tag die blaue Weste der Bahnhofsmission über und hilft als Ehrenamtliche, wo immer sie kann. Die Mission hat sie als Praktikantin bei einem Sprachkurs kennengelernt. "Wenn ich hier bin, bin ich glücklich, weil ich hier gebraucht werde", sagt sie lächelnd. Darum sei es für sie sehr schnell klar gewesen, nach dem Praktikum dort ehrenamtlich weiterzuarbeiten. Derzeit bemüht sich die Missionschefin um eine halbe Stelle für Rezek im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes. "Die Chancen stehen gut."

Vor acht Monaten ist die Syrerin mit ihrer Familie aus einem Vorort von Damaskus geflüchtet. "Immer wieder ließen die einschlagenden Granaten unser Haus wackeln", sagt die 53-Jährige. Als sie von ihrer Heimat berichtet, schießen ihr die Tränen in die Augen. Nachbarn starben im Granatenhagel. Über Umwege gelangte die Familie nach Deutschland. Bis auf den Vater sind sie inzwischen als Kriegsflüchtlinge anerkannt und dürfen zunächst drei Jahre lang in Deutschland bleiben.

"So viele arme Menschen in Deutschland"

Bei der Bahnhofsmission hat Souad Rezek das "traurige Deutschland" kennengelernt - wie sie es nennt. Ständig sind Wohnungslose, Junkies oder sonst glücklose Menschen in dem Aufenthaltsraum, um sich mit einem stark gezuckerten Kaffee oder Tee aufzuwärmen. Ab und zu gibt es auch ein Stückchen Kuchen. "Ich habe mir nicht vorstellen können, dass es so viele arme Menschen in Deutschland gibt", sagt sie. "Das hat mich sehr überrascht."

Vor wenigen Tagen hat Rezek endlich den begehrten Flüchtlingsausweis erhalten. Nun sucht sie eine kleine Wohnung, um aus der Notunterkunft ausziehen zu können. Dafür, dass sie bei der Bahnhofsmission arbeiten kann, ist sie dankbar. In der ersten Zeit habe sie in der Notunterkunft nichts Sinnvolles machen können, "außer schlafen, aufstehen, essen und wieder schlafen". Das mache einen Menschen unzufrieden und lasse ihn in Lethargie fallen. "Das ist nicht gut."

Ob sie wieder in ihre Heimat zurückkehren möchte? "Ja, natürlich", sagt sie mit einem Lachen. Wenn keine Bomben mehr fallen und Frieden herrscht. "Was soll ich machen? Syrien ist mein Land. Ich liebe es."

Jörg Nielsen

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