Die tunesische Journalistin Hanène Zbiss ist am 16. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Raif-Badawi-Preis für mutigen Journalismus ausgezeichnet worden. Die Jury würdigte die Courage der 39-Jährigen, sich für die Stärkung der Demokratie in Tunesien einzusetzen und ihr Land nachhaltig zu verändern. Sie gebe jenen eine Stimme, die sonst nicht gehört würden. Mit dem seit fünf Jahren vergebenen "Raif Badawi Award" zeichnet die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung Journalistinnen und Journalisten aus dem Nahen Osten und Nordafrika aus.

Zbiss, die bereits unter dem Regime des 2011 gestürzten Autokraten Zine El Abidine Ben Ali als Kulturjournalistin tätig war, arbeitet als freie Investigativreporterin in Tunis. Acht Jahre nach dem "Arabischen Frühling" gebe es immer noch große soziale und wirtschaftliche Probleme in Tunesien, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Ich will enthüllen, wer dafür verantwortlich ist, dass wir die Früchte unserer Revolution noch nicht geerntet haben."

Inhaftierter saudischer Blogger

Für tunesische Medienschaffende habe sich die Situation seit 2011 insgesamt verbessert. Allerdings sieht Zbiss den unabhängigen Journalismus in ihrem Land erneut in Gefahr, weil viele Medien von Unternehmern oder Politikern gekauft worden seien. "Die Inhaber wollen, dass die Journalistinnen und Journalisten ihren persönlichen Interessen dienen", sagte die Preisträgerin.

Der undotierte Journalistenpreis ist nach dem inhaftierten saudischen Blogger Raif Badawi benannt, der wegen seiner Texte 2012 verhaftet wurde. 2014 wurde er zu 1.000 Peitschenhieben und zehn Jahren Haft verurteilt. Im vergangenen Jahr wurde das unabhängige Journalistennetzwerk "Arab Reporters for Investigative Journalism" aus Jordanien geehrt.