Der Astronaut - Project Hail Mary

Phil Lord und Christopher Miller („Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“, „Spiderman: Into the Spiderverse“, „21 Jump Street“) erzählen nach einer Vorlage von Andy Weir („Der Marsianer“) den Weltuntergang mal nicht als Katastrophe, sondern als Chance für intergalaktische Zusammenarbeit: Rylance Grace (Ryan Gosling) erwacht in einem Raumschiff aus dem künstlichen Koma. Nur leider ist er kein Astronaut, sondern Naturwissenschaftslehrer an einer Mittelschule und der Rest der Crew ist tot. Er muss alleine einen Weg finden, das allmähliche Erlöschen der Sonne und damit das Aussterben der Menschheit aufzuhalten. Wenig später steht er plötzlich einem Alien gegenüber. Auf den Schreck folgt die Annäherung und es ist rührend zu sehen, wie die beiden durch Imitation und Ausprobieren Wege finden zu kommunizieren. Wie Kinder auf dem Spielplatz, die verschiedene Sprachen sprechen. Und während im All ein Planetenrettungs-Jointventure entsteht, wird in Rückblenden die irdische Vorgeschichte aufgeschlüsselt, in der Sandra Hüller in einer feinen Rolle den Weltuntergang managt.

Der Astronaut - Project Hail Mary (USA 2026). Regie: Phil Lord, Christopher Miller. Buch: Drew Goddard. Mit: Ryan Gosling, Sandra Hüller, Milana Vayntrub, Liz Kingsman, James Ortiz. Länge: 156 Min.

La Grazia

Toni Servillo hat für Paolo Sorrentino bereits Giulio Andreotti und Silvio Berlusconi verkörpert. Nun spielt er ein fiktives Staatsoberhaupt, das der Gegenwartspolitik sanft entrückt ist. Dabei müsste dieser Mariano De Santis als ehemaliger Richter geübt sein, Entscheidungen zu fällen. In seinem Amt als Präsident der Republik jedoch schiebt er sie auf. Ein Gesetzesentwurf wartet auf seinem Schreibtisch darauf, unterzeichnet zu werden. Seine Tochter Dorotea (Anna Ferzetti), eine exzellente Juristin, verliert die Geduld ob seines Zögerns, hat sie doch maßgeblich an dem Gesetzestext mitgewirkt, der Sterbehilfe unter Straffreiheit stellt. De Santis' Auftritte auf der politischen Bühne muten zusehends entrückt an, bis die zweite Bedeutung des Filmtitels ins Spiel kommt: Der Präsident handelt in einem Zustand der Gnade. Er wird sich schließlich seinen Aufgaben stellen - mit besonnener Tatkraft und in dem ihm eigenen Tempo.

La Grazia (Italien 2025). Regie und Buch: Paolo Sorrentino. Mit: Toni Servillo, Anna Ferzetti, Orlando Cinque, Massimo Venturiello, Milvia Marigliano. Länge: 133 Min.

Is This Thing On?

Die Beziehung von Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern) ist am Ende. In langen Jahren zusammen und trotz zweier Söhne scheint ihnen das Miteinander abhandengekommen, ohne großes Drama. Statt Wut oder Frust dominieren eher Ratlosigkeit und Trauer die Gefühlswelt der beiden. Als Alex zufällig eines Abends auf der Open-Mic-Bühne eines Comedyclubs landet, findet er einen unverhofften Weg, die neue Lebenssituation zu verarbeiten. Ohne dass irgendwer in seinem Umfeld etwas davon mitbekommt, blüht Alex in der New Yorker Stand-up-Szene auf und fängt an, den eigenen Gefühlshaushalt zu sortieren. Bradley Coopers dritte Regiearbeit pendelt zwischen Beziehungsgeschichte und Midlife-Crisis-Drama. Statt auf Oscars zu schielen, setzt er auf eine Ehegeschichte mit reichlich komödiantischem Drall, lose basierend auf dem Leben des britischen Komikers John Bishop. Die Reife mit der hier tragikomisch von der Beziehung zweier vernünftiger Erwachsener erzählt wird, ist sympathisch und ungekünstelt.

Is This Thing On? (USA 2025). Regie und Buch: Bradley Cooper. Mit: Will Arnett, Laura Dern, Andra Day, Bradley Cooper, Blake Kane, Calvin Knegten. Länge: 124 Min.

Hola Frida

So leuchtend und originell wie dieser Animationsfilm ist auch die Kunst der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, deren Kindheit hier geschildert wird. Zu Beginn blättert die erwachsene Frida in ihren alten Heften und erinnert sich an die sorglose Zeit in Coyoacán, Mexiko. Dramatisch ist ihre Erkrankung an Kinderlähmung mit sechs Jahren. Aber Frida kämpft sich zurück. Schon als Mädchen hatte sie einen starken Willen, verstand nicht, wieso sie keinen Hosenanzug tragen durfte. Als eine von ganz wenigen Frauen wird sie später zum Studium der Medizin zugelassen, als 1925 ein schwerer Busunfall sie erneut ans Krankenbett fesselt. Hier endet die Geschichte des Films, denn dem Regieduo Karine Vézina und André Kadi geht es vor allem darum zu erzählen, wie Fridas Familie, die sie stets unterstützte, und ihre Rückbesinnung auf ihre mexikanischen Vorfahren sie so stark und resilient werden ließen und wie ihr die Fantasie half, Probleme zu bewältigen.

Hola Frida (Frankreich/Kanada 2024). Regie: André Kadi, Karine Vézina. Buch: Anne Bryan, Sophie Faucher, André Kadi. Stimmen in der Originalversion: Olivia Ruiz, Emma Rodriguez, Rebeca Gonzales, Léo Côté, Sophie Faucher. Länge: 82 Min.

Maysoon

Es beginnt idyllisch: Eine Familie tobt am Badesee, isst Pommes und Eiscreme, wirkt wild und ausgelassen. Doch schon am Abend kommen Störgefühle auf: Tobi (Florian Stetter) musste noch weg, kommt müde nach Hause, strahlt Unbehagen aus. Maysoon (Sabrina Amali) bohrt nach und er gesteht ihr eine Affäre mit seiner Chefin. Parallel läuft ihr Pass aus, nachdem die Ägyptologin seit zehn Jahren solide in Berlin gelebt hat. Und dann verliert sie auch noch ihren Job als Museumsführerin, weil sie den verdeckten Rassismus nicht mehr aushält. Maysoon rastet aus. Die griechischdeutsche Regisseurin Nancy Biniadaki hat ein eindringliches Drama über eine Frau gedreht, die einen existenziellen Kampf führen muss - als Mutter, als Freundin und als Ägypterin in Deutschland. Ganz sanft, aber mit kraftvollen Momenten, entblättert sich Maysoons Leben und zeigt, wie politische Gegebenheiten das Private beeinflussen, sogar zerstören können. Ein mutiger Film, der mit seiner Zartheit und Radikalität lange nachhallt.

Maysoon (Deutschland/Griechenland 2025). Regie und Buch: Nancy Biniadaki. Mit: Sabrina Amali, Elias Sououd, Zoe Valks, Mehdi Meskar, Heike Hanold-Lynch, Bianca Nawrath. Länge: 125 Min.

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