Berlin (epd). Vorstand und Konzernbetriebsrat von Axel Springer haben nach der Affäre um den früheren „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt einen überarbeiteten Verhaltenskodex vorgelegt. Zwar ließen sich die jüngsten Ereignisse bei einem Teil von „Bild“ nicht verallgemeinern, heißt es in dem Dokument, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Dennoch sei deutlich geworden, dass das Haus klarer formulieren müsse, welches Verhalten es gerade von Führungskräften bei Interessenkonflikten am Arbeitsplatz erwarte.
In dem angepassten „Code of Conduct“, der weltweit für alle Axel-Springer-Einheiten gilt, sind insbesondere Führungskräfte aufgerufen, eine Kultur im Unternehmen zu fördern und vorzuleben, in der das Verhalten eines jeden ethisch verantwortlich und unbeeinflusst von persönlichen Interessen sein müsse. „In Abhängigkeitsverhältnissen und Hierarchiegefällen handeln wir ausschließlich im Unternehmensinteresse und lassen uns nicht von persönlichen Interessen leiten“, heißt es. „Insbesondere Machtmissbrauch in jeglicher Form hat bei uns keinen Platz.“
Führungskräfte müssen demnach Interessenkonflikte offenlegen, wenn sie etwa durch Verwandtschaft oder eine Liebesbeziehung mit Mitarbeitenden in ihrem Zuständigkeitsbereich verbunden sind. Dies könne gegenüber der eigenen Führungskraft, der Personal- oder einer Compliance-Abteilung geschehen. Nicht jede Beziehung müsse pauschal offengelegt werden, betont der Kodex. Vielmehr gehe es um das Verhalten zwischen einer Führungskraft und einem ihr fachlich oder disziplinarisch unterstellten Mitarbeiter.
Ziel: Mehr Frauen in Führungspositionen
Weiterhin wollen Betriebsrat und Vorstand eine Richtlinie zu Interessenkonflikten und der Vermeidung von Machtmissbrauch für die Bereiche Holding & Services sowie News Media National erarbeiten, zu der auch „Bild“ und „Welt“ gehören. Damit will der Konzern „sichtbare Zeichen für einen strukturellen Umbau“ setzen. Unter anderem will Axel Springer mehr Frauen in Führungspositionen bringen und Führung generell modernisieren.
Der Verlag hatte „Bild“-Chefredakteur Reichelt im Oktober mit sofortiger Wirkung entlassen. Begründet wurde der Schritt damit, dass der 41-Jährige nach Abschluss eines Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches weiterhin nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt habe. Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen Reichelt standen seit Anfang März im Raum. Damals hatte der „Spiegel“ berichtet, dass rund ein halbes Dutzend Mitarbeiterinnen dem Medienhaus Vorfälle aus den vergangenen Jahren angezeigt hätten.
Reichelt selbst sagte jüngst in einem Interview mit „Zeit online“, er habe nichts zu verbergen, und bestritt, den Axel-Springer-Vorstand belogen zu haben. „Man hat mich unterm Strich wegen meiner Beziehung rausgeworfen. Dafür, dass ich einen Menschen liebe. So etwas sollte es nicht geben. Aber es ändert rein gar nichts an unserem Glück.“
