Während Berichte von völlig überlasteten Krankenhäusern und heimlichen nächtlichen Beerdigungen von Corona-Toten in Tansania die Runde machten, setzte Präsident John Magufuli auf Kräuter, Dampfbäder und Gebete. Schon im Juni erklärte er Corona in dem ostafrikanischen Land für besiegt. Offizielle Zahlen gab es seitdem keine mehr, doch jetzt ist allenthalben wieder von einem dramatischen Anstieg der Fälle mit den typischen Symptomen zu hören - und ausgerechnet Magufuli soll infiziert in einem Krankenhaus mit dem Tod ringen.

Seit Ende Februar wurde der 61-Jährige nicht mehr öffentlich gesehen. Oppositionsführer Tundu Lissu erklärt nun nach BBC-Berichten das Verschwinden mit einer schweren Covid-19-Erkrankung des Präsidenten. Magufuli liege seinen Quellen zufolge in einer Klinik im kenianischen Nairobi und sei in kritischem Zustand, sagt Lissu dem britischen Sender aus dem Exil in Belgien.

Kirche darf nicht testen

Vonseiten der Regierung herrscht Schweigen. Dass das Coronavirus in Tansania auch nach Magufulis Siegeserklärung weiter zirkulierte, war offiziell kein Thema. Die in anderen Ländern verhängten Corona-Einschränkungen ließ der Präsident nicht gelten, von Impfungen wollte er nichts wissen. Die seien nicht wirksam oder sogar gefährlich, erklärte er noch im Januar. Und Tansanier, die sich im Ausland impfen ließen, brächten das Virus zurück in die Heimat.

Jetzt häufen sich die Meldungen über steigende Krankheits- und Todeszahlen aus dem 57-Millionen-Einwohner-Land. Als Ursache wird vielfach eine Lungenentzündung genannt. Für viele liegt aber klar auf der Hand, dass es sich um Corona handelt. So hat die katholische Bischofskonferenz jüngst laut Berichten der Tageszeitung "The Citizen" erklärt, dass in den vergangenen zwei Monaten 60 Nonnen und mehr als 25 Priester nach Corona-Symptomen gestorben seien. Getestet worden seien die Kranken nicht. Und: Der Kirche selbst seien in ihren etwa 500 über das Land verstreuten Gesundheitszentren auch keine Tests erlaubt. Die Situation sei besorgniserregend, schrieb ein Priester aus dem Landesinneren Mitte Februar. Um ihn herum stürben die Menschen.

"Noch mehr Angst vor der Krankheit"

"Von allem, was ich aus Tansania höre, wird noch mehr vertuscht als im April und Mai vergangenen Jahres", sagt Daniel El-Noshokaty, der bis Ende vergangenen Jahres das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Metropole Daressalam leitete. "Die Menschen wissen, dass Corona sich ausbreitet, aber sie dürfen nicht darüber reden. Und sie haben noch mehr Angst vor der Krankheit als im vergangenen Jahr."

Denn dass Corona in Tansania beileibe nicht besiegt ist, zeigen auch die Fälle von Urlaubern, die mit dem Virus nach Europa zurückkehren. Vor allem die Ferieninsel Sansibar vor der Küste Daressalams lockt nach wie vor mit Party und Freiheiten, wie sie fast überall auf der Welt zuletzt vor der Pandemie möglich waren. Um die Touristen zu halten und den Schein zu wahren, müssen auch Einheimische das Risiko einer Infektion eingehen. Vor Augen haben sie dabei das Schicksal ihres Vizepräsidenten: Maalim Seif Sharif Hamad starb vor drei Wochen nach einer Corona-Infektion. Und das wurde von seiner Partei ACT Wazalendo auf der teilautonomen Insel auch so benannt - anders als bei mehreren verdächtigen Fällen unter Politikern auf dem Festland.

Sonne geht nicht mehr auf

Ende Februar brachten die Entwicklungen Magufuli zumindest dazu, seine Landsleute zu Vorsicht und zum Tragen von - ausschließlich einheimisch produzierten - Schutzmasken aufzurufen. Doch dass der Präsident sich nun selbst infiziert haben soll, könne die Tansanier nicht überraschen, sagt Oppositionsführer Tundu Lissu der BBC. Er habe sich im Angesicht des Virus leichtsinnig und waghalsig verhalten.

Das Schweigen der Regierung zum Verbleib Magufulis sei unverantwortlich, erklärt der Oppositionelle. Die Gesundheit des Präsidenten dürfe keine private Angelegenheit sein. In der Bevölkerung werde so nur umso mehr über das Verschwinden Magufulis spekuliert. Das sieht auch Ostafrika-Experte El-Noshokaty so: "Wenn sich jemand zum Sonnenkönig macht und die Sonne dann über Wochen hinweg nicht aufgeht, wirft das schon Fragen auf."