Mit Amazon Prime Video erhält in diesem Jahr erneut ein US-Streamingdienst einen Grimme-Preis. Amazon wird für seine deutsche Thriller-Serie "Beat" ausgezeichnet, wie das Grimme-Institut am 26. Februar in Essen mitteilte. Sie spielt in Berlin zwischen Techno-Milieu, Geheimdiensten und organisierter Kriminalität. Im vergangenen Jahr hatte bereits Netflix für "Dark" einen der renommierten Fernsehpreise gewonnen. Leer geht hingegen Youtube aus, obwohl in diesem Jahr erstmals zwei deutsche Eigenproduktionen der Videoplattform nominiert waren.

Neben "Beat" erhalten noch zwei weitere Serien den Preis: "Bad Banks" (ZDF/Arte) über die Finanzwelt und "Hackerville", eine Produktion der Bezahlsender TNT Serie und HBO Europe über Cyberkriminalität. "Die Auszeichnung von gleich drei Serien zeigt die Vielfalt, Innovationsfreude und den Stellenwert des Formats", sagte die Direktorin des Instituts, Frauke Gerlach. Insgesamt werden in diesem Jahr 16 Grimme-Preise in den vier Kategorien Fiktion, Unterhaltung, Information und Kultur sowie Kinder und Jugend vergeben.

In der Kategorie Fiktion zeichnet die Jury neben den Serien auch die ARD-Degeto-Komödie "Familie Lotzmann auf den Barrikaden" aus. Ein Spezial-Preis geht an den "Tatort: Meta" vom RBB, eine "aberwitzig anmutende Film-im-Film-im-Film-Konstruktion", wie die Jury lobte.

Preis für "Kulenkampffs Schuhe"

Wieder einmal findet sich Satiriker Jan Böhmermann unter den Preisträgern. Seine Sendung "Lass dich überwachen! Die Prism is a Dancer Show" (ZDFneo) über den Umgang mit persönlichen Daten in sozialen Netzwerken wird in der Kategorie Unterhaltung ausgezeichnet. Böhmermann hatte bereits in den vergangenen drei Jahren sowie 2014 Grimme-Preise gewonnen.

Im Unterhaltungswettbewerb wird außerdem wie im vergangenen Jahr die Sketch Comedy "Kroymann" (ARD/Radio Bremen/SWR/NDR) von und mit Kabarettistin Maren Kroymann geehrt. Ebenfalls für preiswürdig befand die Jury die Spielshow "Catch! Der große Sat.1 Fang-Freitag" unter anderem mit dem Comedian Luke Mockridge, in der sich alles ums Fangen dreht. Mockridge erhält den Preis zum ersten Mal.

Der viel beachtete Dokumentarfilm "Kulenkampffs Schuhe" (ARD/SWR/HR) zählt zu den Preisträgern in der Kategorie Information und Kultur. Regisseurin Regina Schilling zeichnet darin am Beispiel von beliebten TV-Shows die Nachkriegszeit und ihre eigene Familiengeschichte nach. Der Film wurde vom SWR wenige Wochen nach seiner Erstausstrahlung wegen des großen Zuschauerinteresses noch einmal gezeigt - zur Primetime um 20.15 Uhr.

Einen Spezialpreis gewinnt das "Docupy"-Team des WDR für die dreiteilige Sendereihe "Die Story: Ungleichland" über soziale Ungleichheit mit dazugehörigem Online-Konzept. Für besondere journalistische Leistungen wird WDR-Reporterin Isabel Schayani geehrt, unter anderem für ihre Berichte und Kommentare über die Flüchtlingspolitik.

Format für Kleinkinder

Einen Preis in der Kategorie Kinder und Jugend erhält unter anderem Filmemacher Marco Giacopuzzi für seine Beiträge zu der Reihe "Schau in meine Welt" (HR/Kika). Anders als im letzten Jahr ist mit der Reihe "Animanimals" (SWR/Kika) wieder ein Format für Kleinkinder unter den Preisträgern.

Bei dem traditionell von öffentlich-rechtlichen Sendern dominierten Preis sind in diesem Jahr mit "Beat", "Hackerville" und dem "Sat.1 Fang-Freitag" drei Produktionen privater Anbieter erfolgreich. Bis auf Sat.1 findet sich darunter allerdings kein frei empfangbarer Privatsender. Insgesamt hatten die Jurys die Wahl aus 72 Produktionen und Einzelleistungen.

Der undotierte Grimme-Preis wird in diesem Jahr zum 55. Mal vergeben und gilt als wichtigster deutscher Fernsehpreis. Die Auszeichnungen werden am 5. April im Theater Marl überreicht.