Hamburg (epd). Greta Thunberg wurde gefeiert und zugleich abgeschirmt wie ein Popstar. Mit einer weißen Mütze und einer lila Jacke stand die 16-Jährige am 1. März in Hamburg an der Spitze eines Schulstreiks für das Klima, der sich zu einer Großdemonstration ausweitete. Mehrere tausend Schüler blockierten mit ihrem Protest "Fridays for Future" für Stunden die gesamte Hamburger Innenstadt rund um die Binnenalster, die Mönckebergstraße und den Rathausmarkt. Die Veranstalter sprachen von 10.000 Teilnehmern, die Polizei von rund 4.000.
"Greta, Greta"-Sprechchöre schallten über den Rathausmarkt, als die schwedische Klimaaktivistin ihr kurzes Statement gehalten hatte: "Ihr macht Geschichte und könnt stolz auf euch sein", rief sie den Schülern auf Englisch zu. Und: "Wir machen unsere Hausaufgaben, die Politik nicht. Die ältere Generation klaut uns gerade unsere Zukunft", sagte sie. Der Protest könne möglicherweise dauern, "aber wir haben Geduld".
"Wir sind laut - weil ihr unsere Zukunft klaut"
Im August 2018 war Greta Thunberg zum ersten Mal der Schule ferngeblieben, um vor dem schwedischen Reichstag in Stockholm für den Klimaschutz zu demonstrieren. Spätestens mit ihrem Auftritt vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar wurde sie weltberühmt. Ihr Protest hat "Schule gemacht" und weltweit Nachahmer gefunden. "Wir sind hier - wir sind laut - weil ihr unsere Zukunft klaut", skandierten die Schüler in Hamburg. Thunberg selbst will ihren Protest fortführen, bis Schweden seine Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen erfüllt.
Die Hamburger Schulbehörde hatte vor dem Streik noch davor gewarnt, den Unterricht zu schwänzen. Das werde als unentschuldigter Fehltag gewertet, ließ Schulsenator Ties Rabe (SPD) verkünden. Am Freitag äußerte er sich per Twitter etwas versöhnlicher: "Ich freue mich, wenn sich junge Menschen für eine bessere Welt engagieren", schrieb er. Doch auf Dauer wirke es "wenig überzeugend", ausgerechnet in der Schulzeit zu demonstrieren: "Niemand verbessert die Welt, indem er die Schule schwänzt."
Die protestierenden Schüler sahen dies anders. "Streik in der Schule - Streik in der Fabrik: Das ist unsere Antwort auf eure Politik", hieß es auf einem Plakat. Andere Parolen lauteten: "Keine Toleranz für Klima-Ignoranz", "Wir wissen, CO2 ist beschissen", "Ist doch klar, die Zukunft ist solar", "Ihr sägt den Ast ab, auf dem wir alle sitzen" und "There ist no Planet B".
Lob der Ministerin
"Fridays for Future" wird weitergehen. Allein in Deutschland hat die Schüler- und Studentenbewegung mehr als 155 Ortsgruppen. Doch die Initiative ist weltweit aktiv. Proteste fanden bislang in den USA, in Schweden, Australien, Indien und Chile statt. Auch in England, Italien, den Niederlanden, Belgien, Kanada, in der Schweiz, in Österreich, Irland und in Schottland finden sich Ableger.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nannte das Engagement der Schüler "beeindruckend". Man könne doch froh sein, dass sich junge Menschen für ihre Zukunft einsetzen. Klima-Experte Mojib Latif sagt auf dem Hamburger Rathausmarkt: "Wenn von unten kein Druck kommt, wird oben nichts passieren."

