In der Debatte um die Verteilung geretteter Bootsflüchtlinge ist die Europäische Union nach Einschätzung des westfälischen Flüchtlingsexperten Helge Hohmann von einer grundsätzlichen Lösung weit entfernt. Dass sich der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU) jetzt dafür starkmache, einen Verteilerschlüssel festzulegen, bezeichnete der Beauftragte für Zuwanderungsarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen in einem Interview im Domradio Köln als bloße Symbolpolitik. "Ich glaube, es geht darum, ein Symbol-Thema abzuräumen", sagte Helge Hohmann. Das Thema betreffe wenige Menschen, aber mit großem Effekt. Mit einer grundsätzlichen Lösung und einer grundsätzlichen Haltungsänderung der Europäischen Union habe das nichts zu tun. "Denn eigentlich müsste es ja darum gehen, von der Abschottungspolitik abzurücken. Solange man dazu nicht bereit ist, wird es immer diese Probleme geben", sagte Hohmann.

Als "Skandal" bezeichnete er zudem, was in Flüchtlingslagern in der Ägäis vor Griechenland passiere. "Hier lässt man Menschen vor sich hin vegetieren, anstatt wirklich einen Zugang zum Asylsystem zu geben und anstatt ihnen eine menschenwürdige Unterbringung angedeihen zu lassen", sagte Hohmann. Die Menschen müssten dringend aufs Festland und zur Entlastung von Griechenland auch in der Europäischen Union verteilt werden. Auch Spanien und Zypern seien Ankunftsstaaten und müssen entlastet werden, sagte Hohmann weiter. "Das heißt, man muss Abrücken von diesem Prinzip der Dublin-III-Verordnung, das nur die Staaten, wo die Flüchtlinge ankommen, auch zuständig sind", erklärte der Beauftragte für Zuwanderungsarbeit im Interview.