Alte Liebe
Nach 40 Ehejahren ist die Beziehung von Lore und Harry ein bisschen lasch geworden. Bewegung bringt die Einladung zur Hochzeit ihrer Tochter in die eingefahrenen Abläufe: Während Lore sich auf das Fest freut, will Harry gar nicht erst hingehen. Er hat sich in seinem Rentnerdasein mit Gartenarbeit und Biermolle eingerichtet, während die Bibliothekarin sich fragt, ob das nun schon alles war. Andreas Dresens „Alte Liebe“, nach dem Roman von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder, erzählt mit melancholischer Leichtigkeit und fein austarierter Beziehungsintimität von der ermüdenden Alltäglichkeit einer langjährigen Beziehung. Der große Coup ist die Besetzung mit Dagmar Manzel und Joachim Król: Jede kleine Regung zählt, all die Momente, in denen Vertrautheit in Überdruss umschlägt. Mit ruppigem Grant halten sie den Zuschauer zunächst auf Distanz, um ihn dann mit Wärme und liebenswürdigem Charme umso mehr zu verführen.
Alte Liebe (Deutschland 2026). Regie: Andreas Dresen. Buch: Laila Stieler, Andreas Dresen. Mit: Dagmar Manzel, Joachim Król. Länge: 111 Min.
Hope
Nahe der demilitarisierten Zone zu Nordkorea wütet eine monströse Kreatur in einem südkoreanischen Dorf. Polizeichef Bum-seok versucht mit Unterstützung der Nachwuchspolizistin Sung-ae, das Monster zu erlegen. Nach dem mysteriösen Beginn inszeniert Na Hong-jin in „Hope“ ein atemloses Actionspektakel mit rasanten Verfolgungsjagden und unheimlichen Versteckspielen. Das CGI wirkt allerdings wie aus einem alten Computerspiel. Der weitere Verlauf des 160 Minuten langen Films wirkt erzählerisch unausgegoren. Doch liegt auch ein gewisser Reiz darin, bis zum Schluss nicht zu wissen, wohin die Geschichte führt. Existenzielle Überlebenskämpfe werden von makabrem Humor durchbrochen. Zugleich stellt sich die Frage: Werden Menschen im Angesicht einer Bedrohung selbst zu Monstern? Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Das lässt sich aber auch als bewusste Irritation eines eigenwilligen Genrefilms verstehen, der im positiven Sinne vor den Kopf stößt.
Hope (Südkorea 2026). Regie, Buch: Na Hong-jin. Mit: Hwang Jung-Min, Zo In-sung, Hoyeon. Länge: 160 Min.
Lügen über meine Mutter
Der Möchtegern-Aufsteiger Werner macht ausschließlich den Körper seiner Frau Cornelia verantwortlich für sein eigenes Scheitern. Die siebenjährige Ella beobachtet den Kampf ihrer Mutter gegen die Schikanen des Vaters. Aron Lehmanns „Lügen über meine Mutter“, nach dem Roman von Daniela Dröscher, schildert die Ereignisse aus ihrer Sicht. Ella wirkt zuweilen verwirrend verständig, Werner ist ein provinzieller Herrenwitz von einem Mann. Auch Bilder und Musik unterstreichen eine von Klischees gespeiste Altbackenheit. Dafür, dass es um Selbstermächtigung und Emanzipation geht, wirkt der Film formal recht brav. Dennoch ist man emotional nah bei Ella und der von Rosalie Thomass empathisch verkörperten Cornelia - vor allem, wenn die Geschichte ins Märchenhafte gleitet. Ein aufrührendes Beispiel dafür, auf wie vielen Ebenen die Abwertung eines Körpers einen Menschen, eine Familie und letztlich auch eine Gesellschaft zerstören kann.
Lügen über meine Mutter (Deutschland 2026). Regie: Aron Lehmann. Buch: Rosalie Thomass. Mit: Rosalie Thomass, Elise Lindner, Golo Euler, Johanna Gastdorf, Juliane Köhler. Länge: 106 Min.
Forgotten Island
Jo und Raissa, die Heldinnen dieses Animationsfilms, sind beste Freundinnen seit Kindheitstagen. Doch nach dem Schulabschluss wird Raissa die Philippinen verlassen, um in den USA zu studieren. Kurz vor ihrem letzten gemeinsamen Abend entdecken sie ein Portal. Am nächsten Morgen erwachen sie auf der sagenumwobenen Insel Nakali. Der Preis für die Rückkehr ist der Verlust ihrer Erinnerungen und damit ihrer Freundschaft. Dabei sind die beiden ziemlich stereotyp gezeichnet: Raissa diszipliniert und zielstrebig, Jo spontan, ihre überschäumende Energie verursacht regelmäßig Chaos. Komplexer sind einige andere Figuren, etwa der Werwolfhund Raww, der sich stark gibt, aber seine Einzelgängerrolle zugunsten einer Freundschaft aufgeben möchte. Der Dreamworks-Film macht philippinische Kultur sichtbar und greift auf eine Vielfalt von Animationstechniken zurück. Das häufig forcierte Tempo ist allerdings gewöhnungsbedürftig.
Forgotten Island (USA 2026). Regie, Buch: Joel Crawford, Januel Mercado. Stimmen (OV): H.E.R., Liza Soberano, Dave Franco. Stimmen (deutsche Synchronfassung): Magdalena Höfner, Gabrielle Pietermann, Tim Schwarzmaier. Länge: 109 Min.
