Finding Emily
Der 23-jährige Owen (Spike Fearn) lebt nach dem Tod der Mutter gemeinsam mit seinem Bruder im Elternhaus und jobbt mangels Geld fürs Studium an der Uni. Dort trifft er bei einer Party seine Traumfrau. Die Funken fliegen, doch die Angebetete muss überstürzt weiter, und Owen bleibt zurück mit nichts als einem Namen. Fortan versucht der Romantiker, besagte Emily zu finden. Dabei macht er zuerst Bekanntschaft mit ihrer Namensvetterin. Diese andere Emily (Angourie Rice) ist Psychologie-Studentin aus den USA, forscht zum Thema „romantische Bindung als Form selbstzerstörerischen Wahnsinns“ und muss dringend eine Arbeit vorlegen, um eine weitere Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Sie beschließt, Owen bei der Suche zu helfen und macht ihn ohne sein Wissen zum Studienobjekt. Wer hier am Ende zueinander findet, ist da bereits klar. Aber diese Vorhersehbarkeit ist kein Manko des Genres, sondern macht dessen Charme aus, weil Umsetzung, Humor und die Chemie der Schauspieler so stimmig sind.
Finding Emily (Großbritannien 2026). Regie: Alicia MacDonald. Buch: Rachel Hirons. Mit Angourie Rice, Spike Fearn, Ella Maisy Purvis, Minnie Driver, Julia Rogers. Länge: 111 Min.
Frühstück bei Audrey
Auf Rémi, den Kunstrasen-Vertreter, wartet zu Hause eine blonde, in ein Negligé gekleidete Puppe. Sie dient, vom Gegenüber beim Abendessen bis zum gemeinsamen Fernsehen und Im-Bett-Liegen, therapeutischen Zwecken. Denn Rémi kommt nicht über die Trennung von seiner Jugendliebe hinweg. In der Firma schwärmt er seinen Kollegen von seiner Verlobten Audrey vor, doch tatsächlich schwebt er am Rande des Nervenzusammenbruchs. Die Ankunft der neuen Kollegin Patricia findet Eingang in seinen abendlichen Monolog vor der Fake-Gefährtin, worauf diese plötzlich menschliche Regungen zeigt. Der Charme dieses burlesken Märchens erinnert an „Lars und die Frauen“ oder zuletzt „Barbie“, nur dass sich hier die Sexpuppe von der anspruchslosen und anhänglichen Ideal- zur launischen Allerweltsfrau entwickelt. Regisseurin Sophie Beaulieu adoptiert in ihrem Debüt meist die feministische Insider-Perspektive samt Seitenhieben aufs eigene Geschlecht, kommt aber in Bezug auf Machogehabe etwas zahnlos daher.
Frühstück bei Audrey (Frankreich 2025). Regie und Buch: Sophie Beaulieu. Mit Vincent Macaigne, Cécile de France, Zoé Marchal, Adèle Journeaux, Gilbert Melki. Länge: 80 Min.
The Uprising
Als Ploughman, „Pflüger“, stellt sich der gramgebeugte Bauer (Andrew Garfield) vor. Wie alle englischen Bauern im 14. Jahrhundert wird er von der englischen Krone aufs Unmenschlichste ausgebeutet. Soldaten fungieren als örtliche Geldeintreiber und zeigen keine Gnade. Bei einem besonders brutalen Zusammentreffen platzt dem wortkargen Ploughman der Kragen, er verjagt die Halsabscheider mithilfe anderer Dorfbewohner. Die Kunde dieser Revolte macht die Runde und spitzt sich zum englischen Bauernaufstand von 1381 zu. Die Ausgangssituation einer schwer gebeutelten Bevölkerung entwirft der Actionfilm nur in kurzen Sequenzen, der historische Kontext wird durch Anführer wie Priester John Ball (Jamie Bell) und Ex-Soldat Wat Tyler (Cosmo Jarvis) kaum erhellt. Die Geschichte entpuppt sich als notdürftig mit Fakten ausgekleidete Gewaltorgie auf Ackern und in den Gassen des spätmittelalterlichen Londons, bei der die interessanten Hintergründe von der Leinwand verdrängt werden.
The Uprising (Großbritannien/Deutschland/USA 2026). Regie und Buch: Paul Greengrass. Mit Andrew Garfield, Jamie Bell, Stephen Dillane, Cosmo Jarvis. Länge: 127 Min.
Albrecht Weinberg - Es ist immer in meinem Kopf
Albrecht Weinberg wurde 1925 als Sohn jüdischer Eltern in Ostfriesland geboren. Fast seine ganze Familie wurde im Holocaust ermordet. Gemeinsam mit seiner Schwester überlebte er, beide emigrierten 1947 nach New York und lebten 60 Jahre lang gemeinsam in den USA. Erst 2012 kehrten sie aufgrund gesundheitlicher Probleme zurück. Im zurückhaltend inszenierten Dokumentarfilm geht es vor allem um diese letzten Lebensjahre, die Weinberg nach dem Tod der Schwester in Deutschland verbrachte. Um seine Auftritte als Zeitzeuge, Reisen zu Gedenkstätten und die Wohngemeinschaft mit Gerda Dänekas, die von der Altenpflegerin zu seiner engsten Vertrauten und Mitbewohnerin wurde. Die Sensation aber ist Albrecht Weinberg selbst. Wie gelingt es einem Menschen, dem Unaussprechliches angetan wurde, sich eine solche Offenheit und Humor zu bewahren? Ein Glück für die Gesellschaft, dass er bis zu seinem Tod mit 101 Jahren körperlich und geistig in der Lage war öffentlich aufzutreten und seine Geschichte zu erzählen.
Albrecht Weinberg - Es ist immer in meinem Kopf (Deutschland 2026). Regie und Buch: Güner Yasemin Balci, Jesco Denzel. Länge: 90 Min.
