Flörsheim (epd). Nach einem überraschenden Fund in Flörsheim bei Frankfurt am Main ist ein historischer Druck von 1594 nach mehr als 80 Jahren zurück in die Staatsbibliothek zu Berlin gebracht worden. Florian Barthel vom Sozialkaufhaus „Tisch und Teller“ in Flörsheim habe den Band „Pauli Sententiae“ zwischen anderen Büchern einer Spende entdeckt, sagte Betriebsleiterin Heike Rosa am 3. September dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der wertvolle Druck eines spätantiken Rechtsbuchs habe seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen gegolten und sei nach intensiver Recherche innerhalb von zwei Wochen wieder an seinem rechtmäßigen Platz angekommen.
Das Buch sei in einem bemerkenswerten Zustand, sagte der Sozialarbeiter Barthel, der am Fundtag Anfang August die Bücherspende durchgeschaut hatte. Das Kaufhaus der Regionalen Diakonie Main- und Hochtaunus bekomme häufig historische Bücher geschenkt. Bei diesem allerdings „war ich unsicher, ob es wirklich von 1594 stammt, weil es für dieses Alter viel zu gut ausgesehen hat“, erinnert er sich. In einem Auktionshaus bekam er den Tipp, bei der Königlichen Bibliothek zu Erfurt anzurufen, deren Stempel sich im Buch befindet.
Spätantikes Rechtsbuch
Von dort erhielt er die Auskunft, dass das Buch 1908 zusammen mit anderen Werken nach Berlin verkauft worden war. Während des Zweiten Weltkriegs sei es wahrscheinlich nach Hessen in das Kalibergwerk Hattorf ausgelagert worden, wo es dann abhandenkam, teilte die Regionale Diakonie mit.
Der Band war demnach 1594 in Nürnberg gedruckt und von dem niederländischen Humanisten, Juristen und Hochschullehrer Conradus Rittershusius (1560-1613) herausgegeben worden. Bei der in Latein veröffentlichten Schrift handele es sich um ein Rechtsbuch, das dem römischen Juristen Julius Paulus zugeschrieben wird, der im frühen 3. Jahrhundert gelebt habe. Die Rekonstruktion des Textes von Paulus gehe auf den französischen Juristen Jacques de Cujas (1522-1590) zurück.

