Berlin, Tegucigalpa (epd). Nur noch jeden neunten Tag kommt Wasser aus der Leitung. Bald könnte es nur noch einmal alle zwölf Tage sein, erklärt Joan Humberto Suazo in Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras. Wegen extremer Trockenheit in dem mittelamerikanischen Land sei die Wasserversorgung für viele Haushalte rationiert, sagt der Einwohner der Millionenstadt. Und selbst wenn das Wasser fließt, sei dies auch lediglich für ein paar Stunden, oftmals nur am frühen Morgen.
Die ganze Region leidet aktuell unter Trockenheit, mit verursacht von der Klimakrise und angetrieben von El Niño. Typischerweise bringt das alle paar Jahre auftretende Wetterphänomen mehr Regen im Süden von Lateinamerika und verstärkt Dürre und Trockenheit im Norden. Zudem werden starke Hurrikane in Zentralamerika und Mexiko wahrscheinlicher. Schon jetzt sind die Folgen massiv spürbar, doch für die kommenden Monate wird mit einer weiteren Verschärfung gerechnet.
Panamakanal schränkt Schifffahrt ein
„Die Krise wird bis März oder April des nächsten Jahres dauern“, warnt der honduranische Präsident Nasry Asfura. Er hat inzwischen einen „Dürre-Alarm“ ausgerufen. In großen Teilen des zentralamerikanischen Landes regnet es seit Monaten kaum und die Pegelstände in den Wasserspeichern sind niedrig. Insbesondere die Hauptstadt Tegucigalpa ist von der Trockenheit betroffen. Dort seien immer mehr Menschen darauf angewiesen, Wasser in großen Plastikkanistern zu kaufen, sagt Suazo. Außerdem hätten sich die Preise für Wasser verdoppelt. Während reichere Haushalte oft zusätzlich auf private Zisternen zurückgreifen, leiden vor allem die Menschen in den Armenvierteln der Stadt stark unter der Rationierung.
Weiter südlich trifft die Dürre-Krise den Panamakanal. Wegen des niedrigen Wasserstands wird die Anzahl der Schiffe, die täglich die wichtige Verbindungsstraße zwischen Atlantik und Pazifik passieren können, nach Angaben der Betreiberfirma ab September gesenkt. Die maximale Ladung für die Schiffe wurde bereits reduziert - und das in einer Zeit, in der der Transport auf dem Wasser wegen des Iran-Kriegs und der Blockade der Meerenge von Hormus ohnehin unter enormem Druck steht.
Ernteausfälle und Viehsterben befürchtet
Ohne längere Regenfälle wird sich die Situation in den kommenden Monaten voraussichtlich noch zuspitzen - und zwar im gesamten sogenannten Dürrekorridor, der sich über Honduras, Guatemala, El Salvador und Nicaragua erstreckt. Ernteausfälle und Viehsterben werden befürchtet. Da in Honduras sowieso schon mehr als 60 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze leben, gefährdet das direkt die Ernährungssicherheit. Die Regierung plant Notfallmaßnahmen wie das Bohren neuer Brunnen und Lebensmittellieferungen in besonders betroffene Gebiete.
El Niño geht auf eine Erwärmung des Ozeans im Süden und Osten des Pazifiks zurück, die weitreichende Auswirkungen für Wetter und Klima hat. Typischerweise dauert das Wetterphänomen zwischen neun und zwölf Monaten und tritt alle zwei bis sieben Jahre auf. Es beeinflusst Temperaturen und Niederschlagsmuster auf der ganzen Welt. Das letzte El-Niño-Phänomen gab es 2023/24. Studien zeigen, dass El-Niño-Ereignisse weltweit ökonomische Schäden von mehreren Billionen Euro verursachen.
Mittelamerika anfällig für Extremwetter
Experten gehen davon aus, dass El Niño diesmal sogar stärker wird als alle bisher gemessenen. Dürren können zudem noch durch die Klimakrise verursachte Hitzewellen verstärkt werden. Damit werden auch Waldbrände wahrscheinlicher, häufiger und stärker.
In Zentralamerika treffen die Extremwetterereignisse zudem auf sehr anfällige Staaten: So werden manche ohnehin immer wieder von Wirbelstürmen verwüstet. Hinzu kommt aber auch, dass instabile politische Situationen sowie Armut weite Teile der Region schwächen: Sie können sich schwer gegen Extremwetter wappnen oder die Folgen abfedern.
