
Köln (epd). Es ist eine Zäsur für Touristen, die das Weltkulturerbe Kölner Dom besuchen wollen: Erstmals führt das Domkapitel eine Besichtigungsgebühr ein, wie Dompropst Guido Assmann am 2. Juni sagte. Ab dem 1. Juli zahlten erwachsene Besucherinnen und Besucher zwölf Euro pro Person. Die Besichtigungsgebühr entfalle, wer den Eingang des nördlichen Querhauses auf der Hauptbahnhofsseite nutze und im Bereich der beliebten Schmuckmadonna aus der Barockzeit beten oder eine Kerze anzünden wolle.
Der Gottesdienstbesuch, das Gebet und das beliebte „mal eben im Dom vorbeischauen“ für einen Moment der Stille seien also weiterhin ohne Eintritt möglich, betonte Assmann. In deutschen Kirchen sind Eintrittsgebühren bisher die Ausnahme
Touristische Besucher erhielten über das Hauptportal im Westen mit vorab erworbenem Ticket Einlass, erläuterte Dombaumeister Peter Füssenich. Ein Online-Kauf werde ab dem 15. Juni freigeschaltet. Tickets werden dann künftig bereits drei Monate im Voraus zu kaufen sein. Spontanbesucher oder Menschen ohne digitalen Zugang können im Kurienhaus am Roncalliplatz, in der ehemaligen Buchhandlung Kösel, auch direkt Tickets erwerben. Auch Reklamationen oder Ticketrückgaben sind dort künftig möglich.
Freien Eintritt haben grundsätzlich alle Gottesdienstbesucher und Betende. Außerhalb der Gottesdienste gilt ein freier Eintritt für alle in der Zeit vom 6. Januar (Dreikönigstag) bis zum darauffolgenden Sonntag, an den staatlichen Feiertagen 1. Mai und 3. Oktober sowie im Rahmen der Nacht der offenen Kirchen in der Stadt.
Zudem haben generell alle Kinder bis 13 Jahre, Schwerbehinderte samt einer Begleitperson sowie Mitglieder des Zentralen Dombauvereins als Fördernde freien Eintritt. Einen ermäßigten Preis (sechs Euro) zahlen Schüler ab 14 Jahren, Azubis, Studierende, Begleitpersonen von Schülergruppen sowie Inhaber eines Sozialpasses aller NRW-Kommunen, die einen solchen Pass für Sozialleistungsempfänger anbieten.
Der oberste Finanzverwalter des Doms, Domrendant Clemens van de Ven, rechnet aufgrund der Besichtigungsgebühr mit sinkenden Besucherzahlen. Doch stehe das Domkapitel vor der Aufgabe, nicht nur laufende Kosten für Erhalt und Betrieb der Kathedrale zu decken, sondern auch Vorsorge für zukünftige Anforderungen zu treffen und notwendige Rücklagen aufzubauen.
Bisher sind in deutschen Kirchen Eintrittsgebühren die Ausnahme, manchmal werden sie für touristische Besichtigungen von Türmen oder Krypten genommen. Für den evangelischen Berliner Dom müssen Erwachsene 15 Euro zahlen, um ihn zu besichtigen. Seit 17. Mai wird in der evangelischen Nürnberger Innenstadtkirche St. Sebald ein Eintrittsgeld erhoben. Wer die Kirche wegen ihrer Kultur und Geschichte besuchen will, zahlt fünf Euro. Andere berühmte Kirchen wie das Ulmer Münster, der Dom in München und der Michel in Hamburg kosten keinen Eintritt. Auch der Zugang zur weltbekannten Dresdner Frauenkirche soll bis auf Weiteres kostenfrei bleiben.
Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, hält eine Eintrittsgebühr für große Kirchen zwar für bedauerlich, aber nachvollziehbar. „Zum einen braucht es neue Finanzquellen, um diese Kirchen zu erhalten“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zum anderen schade ein nachlässiger Over-Tourismus diesen Kulturschätzen.

Berlin (epd). Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, hält eine Eintrittsgebühr für große Kirchen zwar für bedauerlich, aber nachvollziehbar. „Zum einen braucht es neue Finanzquellen, um diese Kirchen zu erhalten“, sagte er am 2. Juni dem Evangelischen Pressedienst (epd) auf Anfrage mit Blick auf die ab Juli geltende Besichtigungsgebühr im Kölner Dom: „Zum anderen schadet ein nachlässiger Over-Tourismus diesen Kulturschätzen. Ich halte eine maßvolle Eintrittsgebühr für angemessen.“
Bisher sei der Besuch von Kirchen in Deutschland weitgehend gratis gewesen, fügte der habilitierte Theologe hinzu: „Der Kirchensteuer zum Dank.“ Nun überlegten einige große und bei Touristen beliebte Kirchen, ob sie nicht dem Beispiel der Westminster Abbey und St. Paul's Cathedral in London, des Fraumünsters in Zürich und des Berliner Doms folgen und ein Eintrittsgeld erheben sollten. Er wünsche sich, dass Kirchenmitglieder davon befreit wären, räumte aber zugleich ein, dass das nicht so leicht zu organisieren sei.
Ab dem 1. Juli gilt laut dem Metropolitankapitel der Hohen Domkirche Köln ein neues Besichtigungskonzept. Die reguläre Höhe der Besichtigungsgebühr habe das Domkapitel auf zwölf Euro festgesetzt. Kinder bis einschließlich 13 Jahre haben freien Eintritt. Eine ermäßigte Besichtigungsgebühr in Höhe von sechs Euro gilt für Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren, Auszubildende, Studierende, Begleitpersonen von Schülergruppen sowie bei Vorlage eines in Nordrhein-Westfalen ausgestellten Sozialpasses.
Der Besuch von Gottesdiensten bleibt den Angaben zufolge weiterhin uneingeschränkt kostenfrei möglich. Kinder bis einschließlich 13 Jahre erhalten künftig freien Eintritt.

Hannover (epd). Vertreter von Betroffenen sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche machen Druck wegen einer immer noch ausstehenden Orientierungshilfe für Anerkennungszahlungen. Die Gruppe der Betroffenen erwarte, dass diese nun zu einem verlässlichen Abschluss geführt werde, erklärte Betroffenenvertreter Detlev Zander laut Mitteilung am 3. Juni.
Das zuständige Gremium für die Aufarbeitung von Missbrauch in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Diakonie, das Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt, hatte im Februar den Zusatz für die Anerkennungsrichtlinie beschlossen. EKD und Diakonie hatten offenbar aber noch Bedenken. Ihre zuständigen Gremien hatten die Hilfe nicht, wie ursprünglich angedacht, im März in ihren Sitzungen beschlossen.
Die Anerkennungsrichtlinie ist zum 1. Januar in Kraft getreten. Sie soll in allen 20 Landeskirchen und 17 Diakonieverbänden gelten. Der ergänzende Katalog soll sicherstellen, dass Leistungshöhen deutschlandweit vergleichbar sind.
Die Orientierungshilfe sei das Ergebnis eines mehrjährigen Arbeitsprozesses, an dem Betroffene, Fachleute sowie Vertreterinnen und Vertreter von Kirche und Diakonie mitgewirkt hätten, sagte Zander. Es gehe dabei um mehr als finanzielle Leistungen. „Es geht um Glaubwürdigkeit. Es geht um die Frage, ob die Erfahrungen Betroffener und die lebenslangen Folgen sexualisierter Gewalt tatsächlich handlungsleitend sind.“

Frankfurt a.M. (epd). Vertreter aus der christlichen Friedensbewegung haben eine grundlegende Neuordnung der Sicherheitspolitik angemahnt. Angriffskriege wie etwa gegen den Iran dürften durch westliche Politiker nicht gerechtfertigt werden - „wie brutal und menschenrechtswidrig das dortige politische System auch ist“, heißt es in der am 5. Juni online vorgestellten ökumenischen Friedensschrift „Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“. Besonders wichtig für einen fairen Umgang mit dem Gegner sei es, das Völkerrecht zu stärken und dieses konsequent auch auf das eigene Handeln anzuwenden.
Es sei ein Mythos, dass Frieden „durch militärische Gewalt und Drohung zu erreichen“ sei, hieß es weiter. Auch die Kirchen „werden ihrem Auftrag nur als Friedenskirchen gerecht“. Statt einer militärbejahenden Ethik plädiert das Werk für Selbstkritik. Mit Blick auf das biblische Gebot, zuerst den „Balken im eigenen Auge“ wahrzunehmen, fordert die Schrift eine ehrliche Analyse der westlichen Mitverantwortung an globalen Konflikten.
An der virtuellen Buchpräsentation nahmen die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, der frühere Generalsekretär des Weltkirchenrates, Konrad Raiser, sowie der mennonitische Theologe und Friedensforscher Fernando Enns teil.
Der Ansatz unterscheidet sich von der Friedens-Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 2025 und dem Friedenswort der Deutschen Bischöfe von 2024. Die EKD-Denkschrift („Welt in Unordnung“) betont zwar das Primat der Gewaltfreiheit, hält aber militärische Gegengewalt als „letztes Mittel“ zum Schutz vor Gewalt für möglich. Das katholische Friedenswort („Friede diesem Haus“) sagt ebenfalls, militärische Gewalt beziehungsweise Gegengewalt bleibe als Ultima Ratio gerechtfertigt, wenn Menschen massiv bedroht sind.
Die Autoren fordern ein kategorisches Nein zum Besitz von Atomwaffen und mahnen den Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag an. Zudem solle die Verweigerung des Waffendienstes zum christlichen Normalfall erhoben werden, da ein „gerechter Krieg“ unter modernen Bedingungen unmöglich sei. Die Schrift versteht sich als Impuls für eine Erneuerung der christlichen Friedensethik, die sich konsequent an der prophetisch-jesuanischen Tradition orientiert.
Die Schrift wurde von drei Autoren und einer Autorin verfasst: dem Sozialunternehmer Ralf Becker, der Pfarrerin und früheren Freiburger Friedensinstituts‑Leiterin Karen Hinrichs, dem emeritierten Bielefelder Theologie‑ und Soziologieprofessor Heinrich Schäfer sowie dem Religionspädagogen Theodor Ziegler. Ziegler gehört dem Ökumenischen Institut für Friedenstheologie und der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsgegner an.

Mainz (epd). Der Mainzer Theologie-Professor Michael Roth rät Christinnen und Christen dringend davon ab, sich in ethischen Debatten auf die Bibel zu berufen. „In der Ethik sollten wir mit rationalen Argumenten überzeugen, nicht mit Verweis auf die Bibel oder Glaubensinhalte“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Glaube könne das Fundament dafür bilden, wie Menschen die Welt wahrnehmen. Er könne aber keine vernünftigen Gründe für eine ethische Position ersetzen. Umso mehr gelte das in einer Gesellschaft wie der deutschen, die zu einem großen Teil nicht mehr aus Christen bestehe.
In seinem neuen Buch „Die Bibel als Gefahr für die Ethik“ warnt Roth, der an der Mainzer Universität Systematische Theologie und Sozialethik lehrt, vor einem Missbrauch der Bibel. Dieser bestehe darin, in einer ethischen Argumentation den Bezug zur Bibel an die Stelle einer rationalen Argumentation zu setzen und damit die eigene Position für sakrosankt zu erklären und der Kritik zu entziehen. Bei Tagungen kirchlicher Synoden erlebe er immer wieder, wie selbst nüchterne Verwaltungsentscheidungen mit biblischen Zitaten theologisch unterfüttert und damit religiös überhöht würden. Eine Diskussion könne aber nicht dadurch entschieden werden, dass sich die Vertreter unterschiedlicher Meinungen die passenden Bibelstellen aufsagten.
Roth erinnert daran, dass mit der Bibel sowohl Sklaverei als auch menschliche Freiheit begründet wurde, Ausbeutung der Natur und Klimaschutz, Monogamie und Polygamie, Frauenverachtung und Feminismus. So hätten auch die unterschiedlichen Konfessionen einen unterschiedlichen Zugriff auf die Bibel: „Ich glaube nicht, dass die Landeskirchen bibelgemäßer sind als Jehovas Zeugen. Vielmehr lesen sie die Bibel nur jeweils anders, betonen andere Stellen.“
Dennoch sei selbst bei Kirchenleitungen immer wieder ein naiver Umgang mit biblischen Texten zu beobachten, sagte der Theologe. Beispiel dafür sei etwa die Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu einem modernen Familienverständnis. Darin heißt es unter Berufung auf den biblischen Stammvater Abraham, dessen zwei Frauen Sarah und Hagar und ihre gemeinsamen Kinder, bereits im Alten Testament habe es „Patchwork-Familien“ gegeben. „Ein methodisch völlig unkontrollierter Bezug auf die Bibel führt zu der Absurdität, die Sklavenbeziehung von Abraham und Hagar als Vorbild einer modernen Patchwork-Familie darzustellen.“
Roth betont, dass nach christlichem Verständnis Gott Mensch geworden sei, nicht Buch. „Die Bibel kommt beispielsweise im Glaubensbekenntnis als Glaubensgegenstand gar nicht vor“, sagte Roth. Die Bibel sei nicht Selbstzweck, sondern Mittel, um Christus zu verstehen. Nach reformatorischem Verständnis gehe es daher nicht darum, bibelgemäß zu leben und jeden Vers als Handlungsbefehl zu verstehen, sondern „christusgemäß“.

Leipzig (epd). Der Religionssoziologe Gert Pickel sieht hinter dem weitgehenden Verzicht der AfD Mecklenburg-Vorpommern auf kirchenpolitische Forderungen eine bewusste Wahlkampfstrategie. Die Partei setze stärker auf Themen wie Familie und Heimat und vermeide Konflikte mit den Kirchen, sagte der Leipziger Wissenschaftler dem Evangelischen Pressedienst (epd). In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September ein neuer Landtag gewählt. Die AfD hatte am 30. Mai ihr Wahlprogramm verabschiedet, mit dem sie anstrebt, stärkste Partei zu werden.
Pickel sagte, die fehlenden Bezüge zum Christentum und zu den Kirchen als Religionsgemeinschaften seien nicht darauf zurückzuführen, dass die Kirchenbindung in dem Bundesland nicht stark ausgeprägt sei. Das sei etwa in Sachsen-Anhalt auch der Fall, wo sich der Landesverband aber radikaler äußere und die evangelische und katholische Kirche als „Kirchensteuerkirchen“ diskreditiere. In Mecklenburg-Vorpommern wolle sich der Landesverband bewusst konservativer geben und als heimatverbunden und nicht ganz so kontrovers wahrgenommen werden, sagte Pickel. „Man möchte möglichst als Regierungspartei erscheinen, die für alle wählbar ist.“
Natürlich könne man aber nichts Prokirchliches ins Programm schreiben, das kollidiere mit der Linie der Bundespartei. Er vermute, dass man mit dem thematischen Verzicht auch den Kirchen nichts in die Hand geben wolle, die sich zumindest auf der Leitungsebene gegen die AfD aussprächen, sagte Pickel. Möglicherweise erhoffe man sich auch, dass man in den ländlich geprägten Gebieten Mecklenburg-Vorpommerns traditionelle konservative Gläubige mit dem Fokus auf Familienpolitik gewinnen könne.
Die Forderung nach einem „Baby-Begrüßungsgeld“ in Höhe von 3.000 Euro finde sich ähnlich wie in Sachsen-Anhalt im Wahlprogramm. Auch die Forderung, auf „Frühsexualisierung“ zu verzichten, decke sich ebenso mit den Interessen christlicher Lebensschützer, wie ungeborenes Leben besser zu schützen. Damit sei die AfD durchaus in manchen christlichen Kreisen anschlussfähig, sagte Pickel.
Pickel warnte allerdings auch davor, den fehlenden kirchenpolitischen Bezug zu unterschätzen. Bei einer Regierungsbeteiligung der AfD heiße das mitnichten, dass die Partei nicht trotzdem versuche, Kirchengelder einzufrieren, das Kirchenasyl aufzuheben oder den Religionsunterricht aus der Schule zu schmeißen. Damit könne auch Druck auf die Kirchen ausgeübt werden, wenn diese die AfD nicht akzeptierten.

Hildesheim (epd). Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und künftige Bischof von Münster, Heiner Wilmer, will sich weiterhin auch in Rom stark für die Ökumene engagieren. „Ich halte die Ökumene weltweit für einen Schlüssel der Christenheit“, sagte der scheidende Hildesheimer Bischof am 1. Juni bei einem Rückblick auf seine Amtszeit. „Ich finde wir gehören zusammen, als Kirche haben wir einen Dienst an der Gesellschaft.“
Angesichts der zunehmenden Komplexität in der Welt hätten die Menschen nur eine Chance, wenn sie unabhängig von ihren persönlichen Überzeugungen, Glaubensrichtungen und Ideologien zusammenhielten und miteinander redeten. In Niedersachsen stehe als europaweit einzigartiges Beispiel die Einführung des gemeinsamen christlichen Religionsunterrichts von evangelischer und katholischer Kirche für eine sehr gute Ökumene, sagte Wilmer. „Wir haben hier auf allen Seiten in aller Bescheidenheit gelernt, dass wir einander brauchen.“
Im Rückblick auf seine Amtszeit räumte Wilmer auch schmerzhafte persönliche Fehler während der Corona-Zeit ein. Es habe Fälle gegeben, wo der Enkel sich nicht von seiner Großmutter auf der Intensivstation oder Geschwister voneinander verabschieden konnten. Auch die Kirche habe den Fehler gemacht, nicht anders bei den Menschen zu sein. „Gesundheit ist nicht alles, sondern die Beziehung ist wichtiger.“
Eine hohe Priorität der katholischen Kirche bleibe die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, unterstrich Wilmer. Er stehe zu dem von ihm 2018 geäußerten Satz, dass der Machtmissbrauch in der DNA der Kirche liege. „Überall, wo wir Menschen in Gruppen zusammen sind, gibt es die Gefahr, dass Macht missbraucht wird.“
Im Bistum Hildesheim laufe derzeit eine dritte Aufarbeitungsstudie, die auch seine Amtszeit umfassen werde und die im Jahr 2027 ihren Abschluss finden solle, erläuterte Wilmer zu seinem Abschied aus dem Bistum, das er seit 2018 leitet. „Ich habe mir, als ich anfing als Bischof, nicht vorstellen können, dass es dieses Ausmaß auch an Vertuschung und an Vergehen an Menschen gegeben hat.“
Es sei gut, dass die Kirche inzwischen mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammenarbeite, sagte Wilmer. Dazu gehöre es, den Anschuldigungen nachzugehen, dass Täter bestraft würden und dass die Kirche sich um die Betroffenen kümmere.
Wilmer wird am 21. Juni in sein Amt als 77. Bischof des mit 1,6 Millionen Katholiken mitgliederstärksten deutschen Bistums Münster eingeführt. Anschließend kommt im Bistum Hildesheim das Domkapitel zusammen, um einen Diözesanadministrator zu wählen, der das Bistum mit seinen 490.000 Mitgliedern bis zur Ernennung eines neuen Bischofs leitet. Das Domkapitel wird eine Liste mit drei Kandidaten über den Nuntius in Berlin nach Rom weiterleiten, wo Papst Leo XIV. möglicherweise auch unabhängig von der Liste einen neuen Bischof ernennen wird.

Regensburg (epd). Emily Stoll (25) sitzt in der Uni-Cafeteria in Regensburg: Ihre Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden, ein goldenes Herz-Kettchen baumelt um ihren Hals. Seit gut fünf Jahren ist die Lehramtsstudentin für Mathe und Physik mit dem Grundschullehrer Johannes Brenig (29) zusammen. Zum Schnapszahl-Datum 25.5.25 haben die beiden, damals noch beide im Studium, ihre Beziehung segnen lassen. Anders bei Uschi und Peter Hacker: Sie sind seit 30 Jahren standesamtlich verheiratet. Durch die Aktion „einfach heiraten“ wollen die beiden am 26.6.26 die Chance auf eine kirchliche Segnung nutzen.
Zwei Liebespaare, zwei Modelle: Sie stehen stellvertretend für all das, wofür „einfach heiraten“ steht: eine niederschwellige Möglichkeit für alle, auch für queere Paare, sich den Segen Gottes in einer evangelischen Kirche geben zu lassen. Das gilt auch für Paare, bei denen beide katholisch sind. Seit die Aktion „einfach heiraten“ im Jahr 2023 von der bayerischen Landeskirche aus der Taufe gehoben wurde, entschließen sich jedes Jahr mehr Paare für diese Light-Version. Waren es 2023 laut Landeskirchen-Angaben noch rund 251 Paare, die sich spontan einen Segen geben oder trauen ließen, waren es im vergangenen Jahr schon 808 Paare. Die evangelische Kirche wertet das als Erfolg. In diesem Jahr beteiligen sich sogar zum ersten Mal zwölf Landeskirchen deutschlandweit daran.
Das junge Paar Emily und Johannes fand den Gedanken, spontan vor den Altar zu treten, „herzig“ und „lustig“. Die beiden hatten sich vor fünfeinhalb Jahren über die App „Tinder“ kennengelernt und verabredeten sich zu einer Pizza in der Regensburger Altstadt. Seit diesem Treffen seien sie ein Paar, berichten die beiden, die sich eher als kirchenfern bezeichnen.
Zum Segen für ihre Partnerschaft erschien Emily dann im weißen Kleid, Johannes trug einen Anzug. Zehn Freunde begleiteten die beiden in die Kirche im niederbayerischen Bad Abbach. Bei der Anmeldung mussten sie einen kurzen Fragebogen ausfüllen, zwei Lieder und einen Trauspruch aussuchen. Im Vorgespräch mit dem Pfarrer berichteten sie, was sie aneinander mögen, was sie stört und wie ihr erstes Date verlief. Nach 20 Minuten war die Zeremonie samt Musik, einer Ansprache des Pfarrers und Segnung vorbei. Dass die Kirche sich beim „Segen to go“ um alles gekümmert hat, den Sektempfang, Kaffee und Kuchen, und sogar noch professionelle Fotos gemacht wurden: „Das war supercool“, sagt Emily.
Fühlen die beiden sich nun verheiratet? Die Zeremonie sei für sie eher „so etwas wie ein Probelauf“ gewesen, erzählen die beiden, die noch nicht standesamtlich verheiratet sind. „Es ging uns auch nicht um die Location Kirche und Gottes Segen, sondern dass wir einen besonderen Moment für uns hatten“, erläutert Johannes. „Wir haben uns danach noch einmal mehr verbunden gefühlt.“
Für Uschi und Peter Hacker aus Maxhütte-Haidhof in der Oberpfalz ist es gerade der Segen Gottes, den sich die beiden seit Langem wünschen und am 26. Juni in einem Kirchgarten erhalten werden. In diesem Jahr ist es 30 Jahre her, dass sie standesamtlich geheiratet haben. Vor den Traualtar treten konnten sie bisher nicht, weil Uschi Hacker, 55 Jahre alt und katholisch, in jungen Jahren geschieden wurde. Die katholische Kirche sieht eine Wiederverheiratung nicht vor, solange der geschiedene Partner noch lebt.
Uschi Hacker verfolgt die Aktion „einfach heiraten“ deshalb schon seit ein paar Jahren. „Für mich ist der Glaube wichtig im Alltag, er tut mir für die Seele gut.“ Schon im vergangenen Jahr wollten sich die beiden spontan segnen lassen. Doch ihre erwachsenen Kinder hätten interveniert, weil sie bei der Zeremonie dabei sein wollten. Ehemann Peter, der an keine Kirche gebunden ist, will endlich seiner Frau diesen Herzenswunsch erfüllen, sagt er. „Das ist eine tolle Einrichtung“, sagt der 57-Jährige.
Frankfurt a.M. (epd). Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hat sich besorgt über die Festnahme der palästinensischen Christin Natalie Abudayyeh geäußert. Die 21-Jährige sei Anfang der Woche gemeinsam mit weiteren jungen Frauen vom israelischen Militär in ihrer Studentinnenwohnung festgenommen worden, erklärte Fehrs am 6. Juni auf Instagram. „Nach allem, was wir wissen, ist für ihre Familie bis heute nicht nachvollziehbar, was ihr konkret vorgeworfen wird, wo genau sie festgehalten wird und wie es ihr geht.“
Für sie sei das „unvorstellbar in einem Rechtsstaat“, ergänzte Fehrs. Bei allen politischen Konflikten und dem Schmerz in Israel und den palästinensischen Gebieten dürfe der einzelne Mensch nicht aus dem Blick verloren werden.
Gerade junge Frauen trügen in Konflikten oft eine besondere Last, schrieb die EKD-Ratsvorsitzende: „Deshalb gilt Natalie heute meine Solidarität - und mit ihr vielen jungen Frauen in Israel und Palästina, die sich nach Sicherheit, Freiheit und einer Zukunft in Frieden sehnen.“
Zuvor hatte bereits der EKD-Auslandsbischof Frank Kopania auf die Festnahme reagiert. Wie Kopania unter Berufung auf Angaben der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land mitteilte, wurde Abudayyehau am 2. Juni gemeinsam mit drei weiteren Frauen in Birzeit im Westjordanland festgenommen. Dort habe sie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert.
Loccum (epd). Angesichts von Tendenzen zur Abschottung und Spaltung in Teilen der Gesellschaft hat Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) dazu aufgerufen, das Gespräch über die Grenzen von Milieus hinweg zu suchen. „Wir brauchen Räume zur Diskussion und zum Austausch, um aus den sozialen Blasen herauszukommen“, sagte Lies zum 80-jährigen Bestehen der Evangelischen Akademie Loccum. Landesbischof Ralf Meister aus Hannover erinnerte in einem Festgottesdienst am 6. Juni an die Anfänge der Akademie im Jahr 1946.
Lies betonte, die Gesellschaft teile sich zunehmend in soziale Gruppen und „Bubbles“ auf, die getrennt voneinander unterwegs seien. „Wir erleben, dass Feindseligkeiten, Abgrenzung und Ausgrenzung zunehmen. Da müssen wir aufpassen und gegensteuern.“ Die sozialen Medien verstärkten diesen Trend.
Die eigene Meinung kundzutun, genüge nicht, unterstrich der Ministerpräsident: „Wir müssen auch zuhören, reflektieren und nachvollziehen, was die Argumente des anderen sind.“ Das sei in den sozialen Medien schwierig. Die Evangelischen Akademien seien solche Orte, wo Begegnung und Kommunikation stattfinden.
Bischof Meister sagte, die Gründung der Akademie im Jahr 1946 sei eine „Expedition in eine Trümmerlandschaft“ gewesen: „Die Städte zerbombt, Ideologien zersplittert, die großen Erzählungen zerlegt.“ Nach den autoritären und rassistischen Monologen der Nationalsozialisten hätten Menschen in der Akademie wieder damit begonnen, aufeinander zu hören und gemeinsam nach politischen und gesellschaftlichen Lösungen zu suchen.
Die Akademie wurde 25. September 1946 in Hermannsburg bei Celle mit dem Ziel eröffnet, Menschen aus verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens nach der Katastrophe des Weltkriegs miteinander ins Gespräch zu bringen. 1952 zog die Einrichtung ins Klosterdorf Loccum bei Nienburg um. Neben ihrer Schwestereinrichtung in Bad Boll in Baden-Württemberg ist sie zweitälteste unter den 16 Evangelischen Akademien in Deutschland.
Berlin (epd). Berlins evangelischer Bischof Christian Stäblein blickt mit gemischten Gefühlen auf die am Donnerstag beginnende Fußball-Weltmeisterschaft. Einerseits sei da „die Begeisterung für Spiel und Wettbewerb“. Andererseits gebe es „das unangenehme Gefühl, die Seele dieses eigentlich fröhlichen Spiels sei nun endgültig an politische Interessen verraten und verkauft“, sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am 6. Juni in seinem „Wort des Bischofs“ auf der RBB-Hörfunkwelle 88.8.
Eigentlich könnten diese Fußballfeste „eine alle verbindende Sommer- und regelrechte Auszeit für die erschöpfte Gesellschaft“ sein, sagte Stäblein. Mit der WM in Katar 2022 und jetzt unter anderem in den USA mit Präsident Donald Trump werde diese jedoch „immer mehr verspielt“. Die Sorge sei groß, dass das Spiel und die Idee dahinter Schaden nehmen.
Dennoch zeigte sich der Geistliche zuversichtlich, dass die eigentliche Seele des Fußballs „nicht klein zu kriegen sein“ wird. Diese sei vielmehr „unkaputtbar“: „Sie wird sich immer neu erfinden, gleichsam auferstehen.“ Dies sei an jedem Bolzplatz zu beobachten, wo manchmal auf einer Parkwiese auch zwei Jacken als Torbegrenzung reichten. Das Wesen des sportlichen Spiels bleibe, dass alle gleich und von gleicher Würde seien, unterstrich Stäblein.

Frankfurt a.M., Stockholm (epd). Staaten setzen laut dem Friedensforschungsinstitut Sipri zunehmend auf Atomwaffen. Damit machten sie jahrzehntelange Bemühungen um atomare Abrüstung zunichte, erklärte das schwedische Institut bei der Veröffentlichung seines Jahresberichts am 8. Juni in Stockholm. Zugleich steige die Gefahr von Fehleinschätzungen und Eskalationen.
„Einflussreiche Stimmen, darunter auch einige Staats- und Regierungschefs, befürworten Atomwaffen als Garantie gegen Angriffe durch einen feindlichen Staat“, kritisierte Sipri-Direktor Karim Haggag. Aufgrund von Fortschritten in der Waffentechnologie, dem Zusammenbruch von Rüstungskontrollen und zunehmenden geopolitischen Spannungen nehme das mit Atomwaffen verbundene Risiko allerdings zu.
Die neun Atommächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel haben ihr Arsenal laut Sipri im vergangenen Jahr weiter ausgebaut und modernisiert. Im Januar 2026 gab es demnach weltweit schätzungsweise 12.187 nukleare Sprengköpfe. Davon befanden sich etwa 9.745 in militärischen Beständen für den potenziellen Einsatz, rund 4.000 davon bereits auf Raketen und Flugzeugen montiert. Zwischen 2.100 und 2.200 der stationierten Sprengköpfe wurden auf ballistischen Raketen in höchster Einsatzbereitschaft gehalten.
Zwar besitzen dem Bericht zufolge die USA und Russland rund 83 Prozent aller Atomwaffen, doch ihr Anteil nimmt aufgrund der Aufrüstung anderer Länder ab. Doch auch die russischen und US-amerikanischen Bestände dürften laut Sipri in den kommenden Jahren zunehmen. Befürworter in den USA drängten auf diese Strategie als Antwort auf Chinas neue nukleare Aufstockung. China, das laut den Forscherinnen und Forschern aktuell über rund 620 Sprengköpfe verfügt, ist das Land, das sein Nukleararsenal derzeit am schnellsten ausbaut.
Nuklearprogramme seien immer schon von Geheimhaltung umgeben gewesen, hieß es in dem Bericht. In jüngster Zeit seien die Atommächte allerdings noch intransparenter vorgegangen. Dieser Trend dürfte sich nach dem Auslaufen des letzten großen Abkommens zur atomaren Abrüstung - „New START“ - Anfang des Jahres weiter fortsetzen. Zugleich fehle es an strategischem Dialog und direkter Kommunikation zwischen bestimmten Atommächten.
„Neben der abnehmenden Transparenz und dem Wegfall diplomatischer Kanäle für das Krisenmanagement trägt auch die Tendenz zum Autoritarismus in einigen Atomwaffenstaaten zu noch größerer Unvorhersehbarkeit bei“, sagte Sipri-Experte Matt Korda. Es sei nicht mehr davon auszugehen, dass Staats- und Regierungschefs in Zeiten erhöhter Spannungen rational handelten.
Entwicklungen und Debatten in Ostasien, Europa und dem Nahen Osten im vergangenen Jahr deuteten zudem auf eine zunehmende Rolle von Atomwaffen in den Sicherheits- und Verteidigungsstrategien von Staaten hin, die keine Nuklearwaffen besitzen. Unter anderem Deutschland habe den Wunsch geäußert, die Nato-Vereinbarungen zur gemeinsamen Nutzung von Nuklearwaffen mit den USA auf Frankreich und Großbritannien auszuweiten.
Derweil werde das globale System zur Nichtverbreitung von Kernwaffen immer schwächer. Dass die Vertragsstaaten des Atomwaffensperrvertrags von 1968 sich im Mai zum dritten Mal in Folge auf kein Abschlussdokument einigen konnten, sei ein weiterer Schlag gegen das Streben nach Abrüstung, kritisierte Sipri-Chef Haggag.

New York, Genf (epd). Die Bewerbung Deutschlands um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat ist gescheitert. Die Bundesrepublik verfehlte in der UN-Vollversammlung am 3. Juni in New York die nötige Mehrheit unter den Mitgliedsländern.
Portugal und Österreich gewannen die notwendigen Stimmen und nehmen 2027 und 2028 im UN-Sicherheitsrat Platz. Portugal erzielte 134 von 190 Stimmen. Für Österreich votierten 131 Mitgliedsländer von 190, für Deutschland entschieden sich lediglich 104 Staaten. Nötig war eine Zwei-Drittel-Mehrheit von 127 Stimmen, um gewählt zu werden.
Deutschland ist damit zum ersten Mal bei einer Wahl in der Vollversammlung für einen nichtständigen Sitz durchgefallen. Bislang war Deutschland sechsmal in den Rat eingezogen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) war bei der Abstimmung in der Vollversammlung zugegen und legte den Wahlumschlag für Deutschland ein. Die Präsidentin der UN-Vollversammlung, die frühere deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), leitete die Sitzung.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gratulierte nach der Abstimmung den gewählten Mitgliedern des Sicherheitsrates, insbesondere den Mitbewerbern Portugal und Österreich. Zugleich erklärte Merz: „Die Aufgaben, die uns in den Vereinten Nationen gestellt sind, ändern sich durch dieses Ergebnis nicht.“ Deutschland bleibe ein verlässlicher Stützpfeiler des multilateralen Systems. „Diese Verantwortung tragen wir mit Entschlossenheit“, unterstrich Merz.
Deutschland, Österreich und Portugal hatten sich um jeweils einen der zwei frei werdenden Sitze für die Regionalgruppe „Westeuropa und restliche Staaten der UN“ beworben. Somit konnten nur zwei der Konkurrenten in den Sicherheitsrat mit insgesamt 15 Mitgliedern einziehen.
Deutschland hatte bei den UN-Mitgliedern mit seiner Finanz- und Wirtschaftskraft geworben. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes rückte Deutschland bis 2024 zum zweitgrößten Beitragszahler des gesamten UN-Systems auf. Vor dem Hintergrund des finanziellen Rückzugs der USA als bisheriger Top-Beitragszahler geht die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen sogar davon aus, dass Deutschland derzeit die meisten Beiträge leistet.

Göttingen (epd). Der Göttinger Soziologieprofessor Berthold Vogel sieht im Fußball noch immer die globale Sportart schlechthin. Sie habe sich trotz korrupter Sponsoren und fragwürdiger Geschäftspraktiken auch der FIFA als resilient erwiesen, sagte Vogel dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Geschäftsführende Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen begrüßte deshalb auch die erweiterte Zahl teilnehmender Länder. Zugleich kritisierte Vogel den deutschen Bundestrainer und hält eine Neuauflage des Sommermärchens von 2006 für unwahrscheinlich.
epd: Die jüngsten Fußball-Großereignisse waren aus deutscher Sicht nicht sehr erfolgreich. Auch schien der Funke der Begeisterung, sofern er denn in den Stadien spürbar war, nicht so recht auf die Bevölkerung in Deutschland überzuspringen. Woran könnte das aus Ihrer Sicht liegen?
Berthold Vogel: Die vergangenen zwei Weltmeisterschaften blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück, während die Heim-EM im vorletzten Jahr durchaus gut lief. Dort wurden Erwartungen geweckt, auch vom aktuellen Bundestrainer Julian Nagelsmann, die nicht erfüllt werden konnten. Mit Verlaub: Der Bundestrainer erinnert an den aktuellen Bundeskanzler Friedrich Merz - viele Versprechungen, teils auch große Töne, aber bislang wenig Ertrag. Das Misstrauen in die Nationalmannschaft ist ähnlich hoch wie das Misstrauen in die Regierung.
Und dann werden noch die eigenen Leute wie im Falle des Torwarts Oliver Baumann oder des sehr beliebten Stürmers Deniz Undav vor laufenden Kameras brüskiert. Kurzum, dass der Funke nicht überspringt, liegt auch an der Führung der Nationalmannschaft. Aber wir wissen ja, das kann sich schnell ändern.
epd: Woran liegt es, dass Fußballspiele und -stadien trotz der zunehmenden Kommerzialisierung noch immer eine solche Anziehungskraft auf die unterschiedlichsten Menschen in unserer Gesellschaft auslösen?
Vogel: Fußball ist die globale Sportart schlechthin. Das Interessante ist: Fußball integriert und schafft Zusammenhalt, weil er polarisiert. Trotz nationaler oder clubbezogener Vorlieben gibt es doch eine gemeinsame Leidenschaft für das Spiel, Begeisterung für tolle Tore, für elegante Spieler und für Drama auf dem Platz. Und jedes Spiel, jede Schiedsrichterentscheidung, jede Aufstellung bietet Gesprächsstoff. Der Fußball ist ja als Spiel auch recht einfach nachzuvollziehen und überall spielbar. Er ist nicht totzukriegen, nicht durch die FIFA, nicht durch korrupte Sponsoren, nicht durch fragwürdige Geschäftspraktiken. Fußball ist resilient, um ein Modewort dieser Tage zu bemühen.
epd: In Ländern wie Mexiko oder Brasilien ist Fußball noch viel mehr als in Deutschland ein Ereignis, das die Menschen elektrisiert. In Ländern wie den USA oder Kanada spielt er dagegen eher eine untergeordnete Rolle. Was sind die Gründe?
Vogel: USA und Kanada sind sportverrückt, aber sicher nicht fußballverrückt. Sie haben andere starke Sporttraditionen, die den Fußball viele Jahrzehnte im Hintergrund gehalten haben, zum Beispiel Basketball oder Eishockey. Dennoch dürfen wir nicht übersehen, dass beide Länder schon lange keine Bastion des Fußball-Desinteresses mehr sind. Fußball hat in Nordamerika mächtig aufgeholt. Die Stadien in den USA und Kanada, sowieso in Mexiko, werden am Ende voll sein.
epd: Über das Sommermärchen 2006 wird gerade jetzt wieder viel geschrieben und geredet. Was waren die wichtigsten Zutaten damals und wie könnte ein Sommermärchen 2026 aussehen?
Vogel: Das ist nicht wiederholbar. Die WM war 2006 im eigenen Land, die Mannschaft hatte einen sympathischen Trainer, der keine Spieler in der Öffentlichkeit brüskierte. Die Spieler hatten eine Solidität, die hierzulande durchaus geschätzt wird. Es war eine eingespielte Mannschaft mit Identifikationsfiguren. Hinzu kommt, dass es seinerzeit noch keine Social Media gab. Sie sind permanente Bewertungsmaschinen, die, um in der Fußballsprache zu sprechen, nicht mannschaftsdienlich sind. Social Media postet doch jeden Ansatz eines Sommermärchens in Grund und Boden. Aber noch entscheidender: Die Weltlage und das gesellschaftliche Klima waren ganz andere. Wir haben eine Pandemie hinter uns, die Nachrichtenlage wird von Kriegen und Diktaturen bestimmt. Die Sorge vor der Zukunft dominiert, die Politik ist polarisiert. Und das Ausrichterland USA hat ja hierzulande im Moment auch eher ein schlechtes Image.
epd: Erstmals nehmen kleine Länder wie Curacao und Kap Verde an der WM teil. Dort ist die Euphorie groß, weil allein die Teilnahme als riesiger Erfolg angesehen wird. Sind das belebende Elemente für ein höchst kommerzielles Großereignis?
Vogel: Ja, absolut. Und diese Länder sind eben der Beleg, dass wir es beim Fußball mit der globalen Sportart schlechthin zu tun haben. Daher kann ich die Klage gar nicht nachvollziehen, dass es zu viele Mannschaften und Spiele sind. War es denn besser, dass früher Europa alles dominierte, ergänzt um Lateinamerika? Die, die sich jetzt so kritisch gegen das Drei-Länder-Turnier mit sehr vielen Mannschaften ereifern, sind vermutlich dieselben, die ansonsten politisch den Eurozentrismus beklagen. Mich jedenfalls freut es, dass heute sehr viel mehr als früher die ganze Welt bei diesem Fußballturnier sichtbar wird.

Berlin (epd). Die Gefahr politischer Einflussnahme auf die in Deutschland geplanten Niederlassungen der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wird von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) als gering eingeschätzt. Deren Präsident Volker Beck verwies im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) darauf, dass es ähnliche Konstellationen auch in der deutschen Erinnerungslandschaft gebe. Zwar sei die israelische Forschungs- und Gedenkstätte eine öffentlich-rechtliche Einrichtung und die Spitze werde von der Regierung bestellt. Dies treffe aber auch hierzulande auf öffentlich-rechtliche Stiftungen wie „Erinnerung-Verantwortung-Zukunft“ oder „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ zu. Diese seien staatsnah, die Besetzung der Leitung folge politischen Mehrheiten.
Beck sagte, der jetzige Yad-Vashem-Leiter sei noch von der Vorgängerregierung des aktuellen Netanjahu-Kabinetts eingesetzt worden. „Natürlich hat es auch Versuche der Einflussnahme gegeben“, räumte der DIG-Präsident ein. Diese seien aber am Widerstand der Gedenkstättenleitung, der Gremien und der Zivilgesellschaft gescheitert. Dass sich Versuche der Einflussnahme direkt in der Gedenkstättenarbeit widerspiegelten, sei eher unwahrscheinlich.
„Sorge vor einer Einmischung der Politik in die Gedenkkultur ist natürlich immer angebracht“, räumte Beck ein: „Wenn ich mir unsere Gedenkstätten unter einer politischen Mehrheit der AfD vorstelle, dann weiß ich auch nicht, ob die Unabhängigkeit bei uns Bestand haben wird.“
Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, Meron Mendel, hatte eine Diskussion über die Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte angeregt. Yad Vashem sei nicht unabhängig, sondern der israelischen Regierung unterstellt. Aktuell sei diese von Rechtsradikalen dominiert. Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, kritisierte Intransparenz bei der Standortentscheidung.
Der frühere Grünen-Politiker Beck lobte ausdrücklich die Standortentscheidung: „Ich finde es sehr gut, dass neben München mit Leipzig auch ein ostdeutscher Standort dabei ist.“ Der DIG-Präsident verwies darauf, dass Yad Vashem eine dezidiert jüdische Perspektive einbringe, die es in Deutschland so bisher nicht gebe: „Der millionenfache Mord an Jüdinnen und Juden fand nicht auf Reichsgebiet statt, sondern in den besetzten Gebieten Osteuropas.“ Diese Perspektive werde mit dem Verschwinden der letzten Zeitzeugen umso wichtiger, sagte Beck.
Wiesbaden (epd). Der hessische Verfassungsschutz darf nach einem Gerichtsurteil die hessische AfD als rechtsextremen Verdachtsfall einstufen und nachrichtendienstlich beobachten. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden gab am 3. Juni bekannt, dass „hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte“ dafür vorlägen, dass der hessische AfD-Landesverband Bestrebungen verfolge, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet seien. Die Behörden dürften künftig die Einstufung des AfD-Landesverbands als Verdachtsfall auch öffentlich bekanntgeben (AZ: 6 K 1165/22.WI und 6 K 1173/22.WI).
Das Gericht bezog sich in der Begründung auf die rechtskräftig bestätigte Einstufung des AfD-Bundesverbands als rechtsextremen Verdachtsfall. Eine Distanzierung des Landesverbands von der Bundespartei sei nicht erkennbar. Darüber hinaus lägen auch hinreichende landesspezifische Anhaltspunkte vor. Die öffentliche Bekanntgabe der Einstufung des AfD-Landesverbands auch außerhalb von Verfassungsschutzberichten sei in Zukunft grundsätzlich zulässig, nachdem der Hessische Landtag eine entsprechende Ermächtigungsgrundlage geschaffen habe.
Hingegen gab das Gericht den Klagen der hessischen AfD insofern statt, als dass die öffentliche Bekanntgabe der Einstufung als Verdachtsfall im September 2022 rechtswidrig gewesen sei. Damals habe es noch keine Ermächtigungsgrundlage dafür gegeben. Das hatte auch schon der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel so entschieden. Die einstweilige Anordnung im Eilschutzverfahren 2023, über die Einstufung und Beobachtung des AfD-Landesverbandes nicht öffentlich berichten zu dürfen, hob das Gericht am Mittwoch für die Zukunft auf.
In der mündlichen Verhandlung hatte der AfD-Landesverband 286 Beweisanträge gestellt. Die Beweisanträge bezogen sich unter anderem auf den Vorwurf, der Verfassungsschutz habe möglicherweise Informanten eingesetzt, um an das von der Behörde vorgebrachte Material zu gelangen. Auch um den Vorwurf der politischen Einflussnahme auf den Verfassungsschutz ging es in den Beweisanträgen. Der Staatsrechtler Wolfgang Roth, der den Verfassungsschutz vor Gericht vertrat, hatte in der Verhandlung entgegnet, die AfD habe keine Indizien vorgelegt, die eine politische Einflussnahme oder den Einsatz von Informanten nahelegten.
Das Gericht hatte die Beweisanträge der AfD allesamt abgelehnt, auch einem Antrag der AfD auf Aussetzung des Verfahrens bis zur Entscheidung über eine Verfassungsbeschwerde der Bundespartei kam das Gericht nicht nach. Die Berufung ist in beiden Verfahren zugelassen. Über sie hätte der Hessische Verwaltungsgerichtshof zu entscheiden.
Berlin/Lampedusa (epd). Die Hilfsorganisation Sea-Watch nimmt ein neues Rettungsschiff in Betrieb. „Mit der 'Aurora 2' reagiert die Organisation auf die wiederholten Festsetzungen ziviler Rettungsschiffe durch die italienischen Behörden“, teilten die Seenotretter am 4. Juni in Berlin mit. Künftig könne Sea-Watch auch dann im Einsatz bleiben, wenn eines ihrer Schiffe blockiert werde. Während ein Schiff festgesetzt sei, stehe das andere für Rettungseinsätze bereit. „Die Strategie der ultra-rechten Regierung, die Rettung von Menschen durch Festsetzungen einzuschränken, läuft damit ins Leere“, hieß es weiter.
Julia Winkler, Sprecherin der Organisation Sea-Watch, ergänzte: „Die Aurora 2 ist unsere Kampfansage an die faschistische italienische Regierung.“
Sea-Watch betreibt den Angaben nach neben dem großen Schiff „Sea-Watch 5“ auch ein kleineres und schnelleres Schiff - die „Aurora“. Die „Aurora“ erreicht demnach Höchstgeschwindigkeiten bis zu 25 Knoten und kann so Menschen in Seenot schnell erreichen. Mit der Aurora 2 will die Organisation laut eigener Aussage ihre Einsatzfähigkeit gezielt erweitern.
Sea-Watch ist Teil von Justice Fleet, einem Bündnis ziviler Seenotrettungsorganisationen, zu dem neben Sea-Watch unter anderem auch SOS Humanity gehört. Nach Angaben des Bündnisses wurden allein seit Beginn des Jahres mehrere zivile Rettungsschiffe festgesetzt.
Im Januar 2023 war in Italien das sogenannte Piantedosi-Gesetz in Kraft getreten, das Verschärfungen für Hilfsorganisationen vorsieht. So müssen die Rettungsschiffe nach dem ersten Einsatz unverzüglich den ihnen zugewiesenen Hafen ansteuern. Dabei weisen die Behörden den Schiffen meist weit im Norden Italiens liegende Häfen zu. Bei Verstößen werden die Schiffe häufig festgesetzt.
Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen oder Tunesien brechen Geflüchtete und Migranten immer wieder in Richtung Europa auf, häufig in nicht seetauglichen Booten. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen seit Beginn des Jahres mindestens 1.246 Menschen bei der Überfahrt ums Leben oder sie werden vermisst.

Berlin (epd). Migrationsfachleute beobachten weltweit eine ablehnende Haltung der Politik gegen Geflüchtete. Sowohl die internationale Gemeinschaft als auch die EU und Deutschland „übernehmen immer weniger Verantwortung“, sagte Petra Bendel von der Universität Erlangen-Nürnberg am 1. Juni in Berlin bei der Vorstellung des „Reports Globale Flucht 2026“. Von der bevorstehenden EU-Asylreform befürchten die beteiligten Forscherinnen und Forscher weitere Verschlechterungen für Schutzsuchende.
Bendel wies darauf hin, dass die Zahl der Geflüchteten weltweit auf mehr als 117 Millionen geschätzt wird, was eine Verdoppelung innerhalb von zehn Jahren bedeutet. Die Abschottungspolitik, auf die immer mehr Staaten setzten, „verschärft die Krise“, sagte die Forscherin. Zum einen würden legale Migrationswege, etwa Resettlement-Programme, „vielfach systematisch abgebaut“. Zum anderen hätten Schutzsuchende in den Ländern, in denen sie auf anderem Wege eintreffen, kaum Aussicht auf einen legalen Aufenthalt auf Dauer. Die Möglichkeit zur Rückkehr in den Herkunftsstaat sei für viele Betroffene ebenfalls „sehr begrenzt“.
Auch die Migrationspolitik der Bundesregierung kommt in dem Report nicht gut weg. Die Zurückweisung von Asylsuchenden an den deutschen Grenzen werde als „rechtlich unzulässig“ eingestuft, sagte Bendel. Benjamin Etzold vom Bonn International Centre for Conflict Studies kritisierte übertriebene Erwartungen an eine „massenhafte Rückkehr“ von Geflüchteten nach Syrien. Dort sei die Lage nach wie vor sehr schwierig. Förderprogramme für die freiwillige Rückkehr sollten von der Situation im Herkunftsland, etwa rechtsstaatlichen Standards und dem Schutz von Minderheiten, abhängig gemacht werden, empfahl Etzold.
Sorge bereiten den Expertinnen und Experten die Änderungen am europäischen Asylrecht. Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (Geas) tritt am 12. Juni in Kraft. „Rechtsbrüche an Europas Grenzen werden durch die bevorstehende Geas-Reform verschärft“, sagte Bendel. Unter anderem sei eine „Ausweitung haftähnlicher Unterbringungen“ an den Außengrenzen zu befürchten. Auch werde eine weitere Marginalisierung von besonders schutzbedürftigen Gruppen erwartet, da die Schutzzusagen in dem neuen Regelwerk unzureichend seien. Auf die Frage nach positiven Ansätzen von Geas sagte Bendel, sie sehe hier nur „ganz kleine Sternchen in einem überwiegend dunklen Himmel“.
Franck Düvell von der Universität Osnabrück sagte, Geas sei eine Reaktion auf eine Situation mit sehr vielen Geflüchteten in Europa, „die eigentlich überholt ist“. Genau das mache die Reform so problematisch.
Als eine aktuelle „Treibkraft“ internationaler Fluchtbewegungen identifiziert der Report den Klimawandel. Dies sei „keine Zukunftsfrage mehr“, betonte Bendel. Das bestehende Flüchtlingsrecht reiche für diese Art der Flucht aber nicht aus. Hier müssten Schutzlücken geschlossen werden.
Hinter dem „Report Globale Flucht“, der zum vierten Mal erstellt wurde, steht das Projekt „Flucht- und Flüchtlingsforschung: Vernetzung und Transfer“. Das Netzwerk will die interdisziplinäre Flucht- und Flüchtlingsforschung in Deutschland stärken. Es wird vom Bundesforschungsministerium gefördert.

Brüssel (epd). Weil aktuell nur rund 28 Prozent der abgelehnten Asylbewerber in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden, hat sich die EU auf eine neue Rückführungsverordnung verständigt. Kern des Gesetzes sind Abschiebezentren außerhalb der Europäischen Union. Dorthin sollen abgelehnte Asylbewerber kommen, die nicht in ihre Herkunftsländer zurückgebracht werden können - etwa, weil Staaten die Aufnahme verweigern.
Die niedrige Rückführungsquote untergrabe das Vertrauen in die EU-Migrationspolitik und erschwere eine klare Unterscheidung zwischen Schutzberechtigten und anderen Migranten - deshalb sei die Reform notwendig, erklärte der niederländische Europaabgeordnete und Berichterstatter für die Verordnung, Malik Azmani, am 2. Juni in Brüssel. Unterhändler des Europäischen Parlaments und der EU-Staaten hatten am Vorababend eine Einigung erzielt.
Wo diese Zentren entstehen könnten, ist bislang unklar. Denkbar seien etwa Länder in Afrika, die internationale Standards und das Völkerrecht einhielten, erläuterte Azmani, aber auch Staaten in Osteuropa. Die Zentren können laut Vereinbarung als endgültiger Zielort oder als Transiteinrichtungen dienen. Unbegleitete Minderjährige sollen von entsprechenden Vereinbarungen ausgenommen bleiben.
Mehrere EU-Staaten bemühen sich derzeit um entsprechende Abkommen, darunter Deutschland. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) spricht sich offen für die sogenannten Return Hubs aus.
Der Einigung war ein Aufschrei im EU-Parlament vorausgegangen, weil Christdemokraten (EVP) sowie rechte und rechtsextreme Fraktionen, inklusive der AfD, gemeinsam abgestimmt hatten. Der Bruch der Brandmauer löste Empörung aus. „Es gab im Plenarsaal Jubelrufe und Applaus der rechten Fraktionen für eine erbarmungslose Abschiebepolitik“, erklärt die SPD-Europaabgeordnete Birgit Sippel. Der Grünen-Europaabgeordnete Erik Marquardt kritisiert, das „Asylsystem wird immer mehr zu einem Apparat der Entrechtung“.
Der Generalsekretär der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa, Torsten Moritz, kritisiert die Asylrechtsverschärfung als „weiteren Tiefpunkt in der EU-Migrationspolitik“. Der Vorstoß erhöhe den Druck auf Betroffene, ohne dass diese eine realistische Rückkehrperspektive hätten. „Bei Return Hubs geht es überhaupt nicht mehr um Rückkehr, sondern darum, Menschen wie eine Sache zu verfrachten. Das ist nicht zielführend und vor allem missachtet es die Rechte von oft sehr verletzlichen Personen.“
Auch Marta Welander vom International Rescue Committee (IRC) warnt vor einem „alarmierenden neuen Kapitel“ in der EU-Asyl- und Migrationspolitik. „Dieser Deal wird EU-Regierungen weitaus umfangreichere Befugnisse geben, Menschen zu inhaftieren und abzuschieben.“ Sie warnt vor Razzien gegen Schutzsuchende und Haft in gefängnisähnlichen Einrichtungen außerhalb der EU, die im Wesentlichen rechtsfreie Räume darstellten. Es werde das Risiko erhöht, dass Menschen in Länder abgeschoben würden, wo ihnen Verfolgung oder Folter drohe.
Das Parlament und die EU-Staaten müssen der Einigung noch final zustimmen. Dies ist in der Regel Formsache.

Berlin (epd). In Berlin-Neukölln ist ein neuer Hindu-Tempel eingeweiht worden. Die seit dem 3. Juni andauernden Feierlichkeiten erreichten am 7. Juni im Beisein Hunderter Besucher ihren Höhepunkt, als der rund 17 Meter hohe, farbenprächtige Turm des Tempels mithilfe eines Krans mit Wasser aus der Spree und dem indischen Ganges übergossen wurde. An der Zeremonie nahmen Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe und der Neuköllner Bürgermeister Martin Hikel (alle SPD) sowie der indische Botschafter Ajit Gupte teil.
Die Baukosten von rund 1,1 Millionen Euro wurden nach Angaben von Initiator Vilwanathan Krishnamurthydes aus Spenden finanziert. Die Planungen für das Heiligtum am nordöstlichen Rand des Volksparks Hasenheide gehen bis 2005 zurück, 2010 war Baustart. Wegen zahlreicher Baustopps verzögerte sich die Fertigstellung. Der „Sri Ganesha Hindu Temple“ ist nach dem elefantenköpfigen Hindu-Gott Ganesha benannt.
Die Fassade des sogenannten Königsturms zieren mehr als 200 Skulpturen, gefertigt von indischen Fachleuten. Dahinter schließt sich die Tempelhalle an. Darin befinden sich der Hauptaltar sowie mehrere Nebenaltäre. Der Tempel steht täglich von 16 bis 18 Uhr allen Besuchern offen.
Das 5.000 Quadratmeter umfassende Tempelareal hat der Verein nach eigenen Angaben vom Bezirk Neukölln für 85 Jahre gepachtet. In Berlin gibt es für Hindus noch drei weitere Gebetsräume, darunter den „Murugan Temple“ in Berlin-Britz. In der Hauptstadt sind laut Statistischem Landesamt mehr als 48.000 indische Staatsbürger gemeldet.

Frankfurt a. M. (epd). Egal, ob vor Mehrfamilienhäusern in der Innenstadt oder in Einfamilienhausgegenden: Selbst der kleinste Vorgarten kann eine Oase der Artenvielfalt werden. Vor der Bepflanzung müssen Standort und Bodenqualität bedacht werden: Licht, Schatten oder Halbschatten, feuchter oder trockener, basischer oder saurer Boden. Was sonst noch wichtig ist, wenn man für Leben vor dem Haus sorgen möchte:
Von der beliebten Lorbeerkirsche als Hecke im Vorgarten rät der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ab. Sie sei eine „hochgiftige ökologische Pest“. Sie breite sich invasiv aus, kritisiert auch Naturgärtnerin und Planerin Birgit Helbig von „Naturgarten e.V.“. Sie denkt zurück an frühere Heckenmoden: „Erst Fichten, dann Thujen, jetzt Lorbeerkirsche.“ Dazu kurz geschorener Rasen, und fertig ist der vermeintlich pflegeleichte Vorgarten. „Aber nach 10 Jahren muss die Lorbeerkirsche geschnitten werden. Danach bildet sie Ausläufer und ist nicht mehr zu bändigen“, sagt Helbig.
Von Forsythien rät sie ebenfalls ab: Ohne Pollen und Nektar sei der asiatische Strauch eine ökologische Mogelpackung, der mit seinen gelben Blüten zwar Insekten anlocke, diese aber leer ausgehen lasse. Helbig plädiert stattdessen für Kornelkirschen oder heimische Arten wie Weißdorn, Berberitze oder Pfaffenhütchen als insektenfreundliche Alternativen.
Steril sind auch die klassischen Stiefmütterchen im Vorgartenbeet. Narbe und Staubblätter wurden weggezüchtet zugunsten großlappiger Blüten. Die kleineren Hornveilchen dagegen sind bei Bienen und Hummeln beliebt. Um bedrohten, spezialisierten Insekten zu helfen, müssen laut Helbig aber noch andere Pflanzen her: Glockenblumen jeder Art für die Kleine Glockenblumen-Scherenbiene oder der Wiesenknopf auf feuchtem Grund für den gefährdeten Wiesenknopf-Ameisenbläuling, am besten kombiniert mit Teufelsabbiss.
Der Klimawandel mit seinen Hitze- und Dürrephasen ist bei der Pflanzenauswahl einzuplanen. Hilft da ein Präriegarten mit Gräsern, die im Schatten der Rocky Mountains sowohl Trockenheit als auch Blizzards gewohnt sind? Davon ist Helbig mit Blick auf Nahrungsquellen für Wildbienen nicht überzeugt: „50 Prozent der Wildbienen sind spezialisiert. Denen hilft ein Präriegarten gar nicht. Die Pflanzen sollten heimisch sein.“
Sven Nürnberger ist Gärtnermeister aus dem Frankfurter Palmengarten. Auch er sagt: „Man muss das Vorbild in der Natur suchen und dann auf den Garten übertragen.“ Allerdings meint er die globale Natur - und damit auch beispielsweise einen Präriegarten, die mediterrane Macchie mit ihren Kleingehölzen und die Alpenvegetation, etwa die Federgrasgesellschaften im Wallis.
Vollends heimisch sind etwa die an Wärme gewöhnten Pflanzengesellschaften im milden, trockenen unterfränkischen Weinbaugebiet bei Karlstadt nahe Würzburg. Was dort auf Muschelkalk und Sandboden wächst - etwa Federgräser, Sonnenröschen, Adonisröschen, Diptam und Steinbrech-Habichtskraut - lasse sich im Vorgarten gut mit Steppenpflanzen ergänzen, um die dekorative Phase zu verlängern, sagt Nürnberger.
„Das Pampasgras ist allerdings in Verruf geraten“, warnt er. In Spanien und Südfrankreich sei die invasive Pflanze aus Südamerika schon verboten, weil sie die heimische Vegetation verdränge; in Deutschland noch nicht. Manche Verbote findet der Gärtner übertrieben, etwa, dass die Schweiz den invasiven Sommerflieder verbiete, der doch die Schmetterlinge fördere und nicht viel Wasser brauche. Vielfach wird geraten, den Sommerflieder nach der Blüte auf jeden Fall zu schneiden, damit er sich nicht aussamen könne.
„Alpenpflanzen wie der Enzian, der im Alpinum der Botanischen Gärten wächst, lassen sich auch auf Steingärten vor dem Haus übertragen“, schlägt Nürnberger vor. Blutstorchschnabel gedeihe im Halbtrockenrasen. Edeldisteln, Steppenwolfsmilch, Sandnelke und Kartäusernelke mögen es trocken und sandig. Die nordamerikanische Prachtkerze „Gaura“, die Bienen, Hummeln und Schmetterlingen Nahrung bietet, ist zwar nicht heimisch, aber auch Naturgärtnerin Birgit Helbig ist zu Kompromissen bereit, wenn zumindest zwei Drittel des Gartens mit heimischen Gewächsen bepflanzt seien.
Selbst ein vielerorts schon verbotener Schottervorgarten kann noch Leben hervorbringen, „wenn man ihm Vlies oder Folie wieder entzieht, Sand und Kompost einbringt und ihn in ein Magerbeet verwandelt“, erläutert Helbig. Natternkopf, Königskerze und Muskatellersalbei können dann dort blühen und Nahrung und Lebensraum für Natternkopf-Mauerbiene, Königskerzenmönch und Blauschwarze Holzbiene bieten. Der Gewöhnliche Natternkopf, auf den insgesamt 42 Arten von Schmetterlingen sowie 39 Arten von Wildbienen fliegen, ist 2026 auch „Wildpflanze des Jahres“ des Verbands Bioland.
Pflegeleicht sei eine reine Schotterfläche auf Dauer ohnehin nicht: Auf der Nordseite eines Gebäudes, erläutert Helbig, „wird der Schotter grün, weil er mit der Zeit veralgt.“ Zudem verhakten sich Löwenzahnsämlinge gern im Unkrautvlies: „Und nach drei bis vier Jahren wächst dann doch was.“

Berlin (epd). Die soziale Pflegeversicherung ist finanziell in Schieflage. Laut Bundesgesundheitsministerium droht schon nächstes Jahr ein Defizit von 7,5 Milliarden Euro, wenn sich nichts ändert, und in den Jahren danach sieht es noch schlechter aus. Das „Pflegeneuordnungsgesetz“ soll Abhilfe schaffen. Der Entwurf liegt dem Evangelischen Pressedienst (epd) vor.
Die heutigen fünf Pflegegrade gibt es seit der Pflegereform 2017. Bei der Festlegung der Kriterien wurde allerdings von der wissenschaftlichen Empfehlung abgewichen, was nun korrigiert werden soll. Damit steigen die Hürden für die Einstufung in die Pflegegrade 1, 2 und 3. Wer vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes in einen Pflegegrad eingeordnet wird, behält ihn.
Der Großteil der Pflegebedürftigen wird zu Hause versorgt. Die Pflegekassen zahlen ihnen unter anderem den sogenannten Entlastungsbetrag: 131 Euro im Monat können beispielsweise für Unterstützung im Haushalt ausgegeben werden. Für Pflegegrad 1 soll dieser Posten wegfallen, in den Pflegegraden 2 und 3 in den ersten drei Monaten halbiert werden. Das Geld soll für den Aufbau einer „Pflegebegleitung“ verwendet werden, damit Betroffene und Angehörige frühzeitig Hilfe und Beratung von Fachleuten bekommen. Dadurch sollen Pflegebedürftige möglichst lange möglichst selbstständig bleiben.
Geplant ist zudem ein „Überbrückungsbudget“. Es soll laut dem Entwurf „Leistungen bei gesundheitlichen Krisen oder einem ungeplanten Ausfall der Hauptpflegeperson“ abdecken. Dabei können ambulante Pflegedienste einspringen, es ist aber auch ein kurzzeitiger Heimaufenthalt möglich. Generell sollen bei der häuslichen Pflege verschiedene Einzelleistungen zu Budgets zusammengefasst werden. Sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Pflege sollen die Leistungsbeträge der Pflegekassen jedes Jahr erhöht werden. Die Berechnung orientiert sich an der Inflation.
Die vollstationäre Pflege ist für Betroffene oft sehr teuer. Der Eigenanteil im ersten Jahr lag zuletzt im Bundesdurchschnitt bei mehr als 3.200 Euro im Monat. Er umfasst neben einem Teil der Pflegekosten auch Wohn-, Verpflegungs- und Investitionsausgaben. Für den pflegebedingten Eigenanteil zahlen die Pflegekassen Zuschüsse, die mit längerem Heimaufenthalt ansteigen: Im ersten Jahr sind es 15 Prozent, nach 12 Monaten 30 Prozent, nach 24 Monaten 50 Prozent und nach 36 Monaten 75 Prozent. Nun sollen diese Fristen um je sechs Monate verlängert werden. Das heißt: Der Maximalzuschuss fließt erst nach viereinhalb Jahren.
Für Kinderlose ist die Pflegeversicherung teurer als für Eltern. Sie zahlen einen Aufschlag von 0,6 Prozentpunkten auf den allgemeinen Arbeitnehmer-Beitragssatz von 1,8 Prozent. Künftig sollen es 0,7 Prozentpunkte sein.
Zudem wird die beitragsfreie Mitversicherung für Ehepartner ohne nennenswertes eigenes Einkommen eingeschränkt. Für diese Gruppe wird ein Beitrag von 0,52 Prozent auf beitragspflichtige Einnahmen des Partners fällig. Ausnahmen gibt es für Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen, die Kinder unter sieben Jahren, behinderte Kinder oder pflegebedürftige Angehörige betreuen.
Die Beitragsbemessungsgrenze soll angehoben werden. Damit zahlen Gutverdiener, sofern sie nicht privat versichert sind, mehr für die Pflegeversicherung und ihre Arbeitgeber auch.
Für Menschen, die einen Angehörigen pflegen und deshalb nicht oder nur eingeschränkt arbeiten können, zahlt die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen Rentenbeiträge. Hier wird gekürzt: Künftig sollen nur noch 70 Prozent der bisherigen Beiträge gezahlt werden. Das bedeutet geringere Rentenansprüche für die Betroffenen.
Die Regierung will dafür sorgen, dass mehr Menschen eine Pflege-Zusatzversicherung abschließen. Entsprechende Versicherungsbeiträge sollen deshalb von der Steuer abgesetzt werden können. Dies ist im Gesetzentwurf aber nur als Absicht formuliert und noch nicht Teil der Reform.
Das Gleiche gilt für eine stärkere Heranziehung von erwachsenen Kindern für die Pflegekosten der Eltern. Die Regelung von 2020, wonach nur Menschen mit einem Einkommen von mehr als 100.000 Euro im Jahr vom Sozialamt zur Kasse gebeten werden können, soll wieder abgeschafft werden.

Bremen (epd). Der Pflegeforscher Heinz Rothgang geht nicht davon aus, dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) mit der Pflegereform ihr Einsparziel von elf Milliarden Euro erreichen kann. Die Einnahmen durch höhere Beiträge für Kinderlose etwa schätze er als um das Doppelte zu hoch angesetzt, sagte der Gesundheitsökonom der Uni Bremen dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Zudem ist zu erwarten, dass die Zahl der Anträge auf einen Pflegegrad oder auf Hochstufung explodieren wird, ehe die Reform greift“, erklärte er.
Warken hatte am 4. Juni ihren Gesetzentwurf mit Einsparungen für die Pflege vorgestellt. Demnach sollen unter anderem Kinderlose 0,1 Prozentpunkt mehr als bislang in die Gesetzliche Pflegeversicherung einzahlen. Ihr Beitragssatz soll dann auf 4,3 Prozent steigen. Die Hürden für eine Einstufung in einen Pflegegrad sollen ebenfalls höher werden.
Warkens Plan sieht auch vor, die Erhöhung der Gehälter in der Pflege auf die Grundlohnrate zu deckeln und bis Ende 2030 eine Regelung auszusetzen, die Versorgungsverträge nur mit Pflegeeinrichtungen erlaubt, die ihre Beschäftigten in der Höhe von Tariflöhnen bezahlen. Pflegeträger kritisieren dies, Verbände der Diakonie und Caritas nannten es ein „fatales Signal an Menschen, die für den Pflegeberuf gewonnen werden sollen“.
Auch Rothgang nannte die Begrenzung der Gehälter in der Pflege ein „schlechtes Signal“ für die Neugewinnung von Pflegekräften. Um die zu erwartende Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren versorgen zu können, brauche es deutlich mehr Pflegepersonal. Die Erwartung einer schlechteren Bezahlung dürfte hingegen viele an dem Beruf Interessierte abschrecken.
Fehlendes Personal wirke sich aber negativ auf die Qualität von Pflege aus, sagte Rothgang weiter. Dies ziehe Folgekosten nach sich, etwa wenn Pflegebedürftige wegen Versorgungsmängeln in Krankenhäuser eingewiesen werden. Wie groß diese Folgekosten am Ende seien, sei aber schwer einzuschätzen.
Mit zu wenig Personal sei es auch schwerer, dem Auftreten von Pflegebedürftigkeit vorzubeugen. Laut dem Gesetzentwurf will Warken die Prävention stärken. „Prävention verlangt aber zusätzliche Ressourcen“, sagte Rothgang, „und die sind offensichtlich nicht vorgesehen“.
Die geplante Reduzierung der Rentenbeiträge pflegender Angehöriger nannte Rothgang „schäbig“. Das widerspreche der von der Politik stets formulierten Wertschätzung für die Leistung von Familien bei der Pflege.

Berlin (epd). In Deutschland leben laut dem Paritätischen Gesamtverband so viele Menschen in Armut wie noch nie seit 2020. Im vergangenen Jahr seien 13,34 Millionen Menschen arm gewesen, erklärte der Verband am 2. Juni unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 16,1 Prozent der Bevölkerung waren demnach betroffen.
Seit einem Tiefstand im Jahr 2023 sei die Zahl der Armen um gut 1,2 Millionen gestiegen, errechnete der Paritätische Gesamtverband. Hauptgeschäftsführer Joachim Rock sprach von einer „krisenhaften Situation“ und warnte die Bundesregierung vor Einschnitten bei Sozialleistungen. Zusätzliche Einsparungen würden die Krise verschärfen, sagte Rock im Deutschlandfunk. Es sei besorgniserregend, dass die Armutsquote im zweiten Jahr in Folge erheblich gestiegen sei.
„Das soziodemografische Profil von Armut hat sich gegenüber den Vorjahren kaum verändert“, heißt es im neuen Armutsbericht des Paritätischen. „Nach wie vor sind Alleinerziehende sowie alleinlebende Personen die am stärksten von Armut betroffenen Haushaltsgruppen.“ Überdurchschnittlich hoch sei die Armut auch in den Altersgruppen zwischen 18 und 25 sowie ab 65 Jahren.
2020 waren dem Bericht zufolge etwa 13,2 Millionen Menschen in Deutschland arm. Die Zahl sank dann bis 2023 auf rund 12,1 Millionen. Danach ging sie wieder nach oben. Wegen veränderter Erhebungsmethoden sind Daten aus der Zeit vor 2020 mit den späteren Berechnungen nur eingeschränkt vergleichbar, wie der Paritätische erläuterte.
Als arm gelten laut EU-Definition Menschen, die in einem Haushalt leben, der weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens aller Haushalte in Deutschland zur Verfügung hat. Im Jahr 2025 lag die Grenze bei 1.445 Euro im Monat für einen alleinlebenden Menschen. Zum Einkommen gehören dabei unter anderem Löhne, Wohngeld, Kindergeld und andere Sozialleistungen.
Der Paritätische forderte ein Ausweiten sozialpolitischer Leistungen. Die Regierung müsse eine Politik machen, „die Armut bekämpft statt verwaltet“, erklärte Rock. Ständig neue Kürzungen zu diskutieren, schüre hingegen Angst und Unsicherheit und spiele „Populisten und Extremisten in die Hände“.

Hannover, Köln (epd). Wer sich mit Fußball auskennt, wittert bei Sportwetten die große Chance auf einen Gewinn. Doch der Ausgang eines Spieles lässt sich nicht vorhersagen. Und die Wetten bergen ein hohes Suchtpotenzial. Warum das so ist und wo es Hilfe gibt, erläutern Experten.
Sportwetten sind laut dem deutschen Glücksspielstaatsvertrag Glücksspiele. Wie sie ausgehen, hängt in erster Linie vom Zufall ab. Wer wettet, setzt auf Siegchancen in einem Spiel oder Turnier und zahlt dafür Geld ein - mit der Hoffnung, richtigzuliegen und den Einsatz zu vervielfachen.
Laut dem Glücksspiel-Survey 2025 haben gut 36 Prozent der Bevölkerung im Alter zwischen 16 und 70 Jahren in den vergangenen zwölf Monaten in mindestens einem Glücksspiel um Geld gespielt. Mehr als jeder zehnte Befragte nimmt mindestens wöchentlich an Glücksspielen teil. Von einer glücksspielbezogenen Störung sind 2,2 Prozent betroffen, wie der Survey der Universität Bremen und des Hamburger Institutes für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung zeigt. Die höchsten Anteile von Menschen mit einer Störung finden sich unter Spielerinnen und Spielern virtueller Automatenspiele (32,5 Prozent), von Geld- (23,4 Prozent) und Glücksspielautomaten (28,1 Prozent) sowie Live-Sportwetten (27 Prozent).
Am stärksten gefährdet für suchthaftes Spielen ist laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (Biög) die Gruppe der 18- bis 25-jährigen Männer. Bei den 21- bis 35-Jährigen haben etwa zehn Prozent schon einmal auf ein Sportereignis getippt, bei den 18- bis 20-Jährigen sind es etwa fünf Prozent. Selbst bei den 16- bis 17-Jährigen haben bereits knapp drei Prozent schon einen Wettschein ausgefüllt. Dabei sind Sportwetten für Minderjährige verboten.
„Sportwetten sind unkompliziert und überall verfügbar“, sagt die Suchtberaterin Silke Quast vom Diakonischen Werk Hannover. Außerdem würden sie massiv beworben. Es gebe nicht nur viele Wettbüros, sondern die Wetten seien online auch rund um die Uhr verfügbar. „Das ist ein großer Teil der Verführung“, betont Quast. Das Gefühl, fast gewonnen zu haben, löse bereits etwas aus. „Das ist im Hirn tatsächlich noch aufregender als der Gewinn als solcher.“
Viele überschätzten zudem ihr Fachwissen, darauf machen die Experten vom Biög aufmerksam. „Die Kombination aus subjektivem Fachwissen und der Hoffnung auf Gewinn kann schnell in problematisches Spielverhalten führen.“ Dabei zeigten Studien, dass Expertinnen und Experten bei der Vorhersage von Fußballergebnissen nicht besser abschneiden als Laien.
Nach den Erfahrungen von Suchtberaterin Silke Quast ist die Höhe der eingesetzten Beträge ein wichtiges Kriterium - ebenso die Häufigkeit, mit der gewettet wird. Wer anfangs fünf Euro einsetze, setze später 50 Euro und irgendwann 500, um eine entsprechende Wirkung zu erreichen. „Wenn ich anfange, die Relation zu verlieren und das Wetten zu priorisieren, sollten die Alarmglocken ziemlich laut schrillen.“
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit bietet neben anderen unter www.check-dein-spiel.de Selbsttests an, mit denen die Spielenden ihr Risiko für eine Suchterkrankung ermitteln können.
Pathologisch Glücksspielende spielen oft viele Stunden täglich, darauf verweist die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS). Verlieren sie, spielen sie weiter - in der Hoffnung, dass sich das Blatt wieder wendet. Gewinnen sie, spielen sie erst recht weiter. Fast immer hören sie erst auf, wenn deutlich mehr verspielt wurde, als sie anfangs einsetzen wollten.
Die Folgen sind laut DHS zunächst finanzielle Probleme und Schulden. Viele zwanghaft Spielende rauchten zudem stark und tränken große Mengen Kaffee oder Alkohol. Das pathologische Glücksspiel werde als psychische Erkrankung behandelt.
Doch nicht nur die Betroffenen selbst leiden unter den Folgen. Die Sucht hat negative Auswirkungen auf Beziehungen und ganze Familien, wie das Biög erläutert: Oft sei der betroffene Elternteil zwar körperlich anwesend, gedanklich aber beim Glücksspiel. Kinder fühlten sich dadurch weniger gesehen und wahrgenommen. Sie lernten, die Suchterkrankung in ihrer Familie vor anderen zu verbergen. Das Vertrauen in verlässliche Beziehungen schwinde.
In Deutschland werden für Spielsüchtige in Suchtfachkliniken und ambulanten Suchtberatungsstellen spezielle Therapien angeboten. Unter www.dhs.de/service/suchthilfeverzeichnis bietet die DHS ein entsprechendes Verzeichnis. Unter www.check-dein-spiel.de finden sich anonyme Beratungsangebote für Betroffene ebenso wie für Angehörige.
Betroffene können sich zudem über das Spieler-Sperrsystem Oasis selbst sperren lassen. Der Glücksspielstaatsvertrag verpflichtet Anbieter von Glücksspielen, die Identität der Teilnehmer vor Beginn des Spieles zu überprüfen. Den Personen, die in Oasis eingetragen sind, müssen die Anbieter die Teilnahme an Glücksspielen verweigern.
epd video: Anpfiff zur Abhängigkeit: Warum Sport-Wetten für viele der Einstieg in die Sucht sind
Stuttgart (epd). Bei der Übertragung von Fußballspielen werden Fernsehzuschauer laut wissenschaftlichen Untersuchungen massiv mit Sportwetten-Werbung konfrontiert. Dies sei mit erheblichen Risiken, speziell für junge Menschen und andere vulnerable Gruppen, verbunden, teilte die Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim am 2. Juni in Stuttgart mit. Wissenschaftler der Universität nahmen die UEFA-Fußball-Europameisterschaft 2024 und den Bundesliga-Alltag in den Blick. Dabei wurde auch die Werbung auf Social Media untersucht.
Bei elf Spielen der EM 2024 zählten die Forscher in den TV-Übertragungen 5.914 Hinweise auf Glücksspielwerbung. „Insgesamt war Glücksspielwerbung während knapp 195 Minuten der untersuchten Sendezeit präsent - rund 7,4 Prozent der gesamten Übertragungsdauer“, sagte Studienleiter Johannes Singer. Auch auf Social Media war die Werbung intensiv.
Die zweite Studie zählte bei allen neun Begegnungen des 31. Spieltags der Bundesliga 2024/25 vom 25. bis 27. April 18.708 Werbeinhalte für Glücksspiele, davon 15.089 in den Live-Übertragungen. Erfasst wurden Live-Übertragungen, Vor- und Nachberichterstattung, Halbzeit- und Werbepausen sowie Berichte der ARD-„Sportschau“ und des „Aktuellen Sportstudios“ im ZDF.
Glücksspielwerbung war fast 500 Minuten sichtbar - durchschnittlich etwa ein Drittel der Sendezeit. Besonders dominant war laut der Studie Bandenwerbung. Auf Social Media veröffentlichten die Anbieter 223 Beiträge, darunter 130 bezahlte Anzeigen. Diese erreichten mehr als zehn Millionen Nutzer, überwiegend junge Männer zwischen 18 und 34 Jahren.
Die gesellschaftlichen Folgen sind laut der Mitteilung erheblich: In Deutschland verlieren Wettende demnach jährlich an die zwei Milliarden Euro. Rund 1,3 Millionen Menschen seien von einer Glücksspielstörung betroffen, viele davon bei Live-Sportwetten. Die Forscher sprechen sich deshalb für strengere Regeln aus. Dies könnten Einschränkungen rund um Live-Übertragungen sein, klare Kennzeichnungspflichten für Werbung in sozialen Medien, technische Altersbarrieren oder verpflichtende Warnhinweise in allen Werbeformaten.

Hamburg (epd). Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck will nach 17 Jahren wieder alleinige Eigentümerin der Zeit Verlagsgruppe werden. Die Dieter von Holtzbrinck Medien übertrage zum 1. Januar 2027 ihren 50-prozentigen Anteil an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, wie die Beteiligten am 3. Juni gemeinsam in Hamburg mitteilten. Die zuständigen Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Über finanzielle Details sei Stillschweigen vereinbart worden.
Die Zeit Verlagsgruppe gehört seit 1996 zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. 2009 übernahm Dieter von Holtzbrinck die Hälfte der Eigentumsanteile.
Zu Dieter von Holtzbrinck Medien gehören unter anderem auch die Handelsblatt Media Group und die Verlagsgruppe Tagesspiegel. Der „regelmäßige und vertrauensvolle Austausch“ und die Zusammenarbeit in unterschiedlichen Themenfeldern würden fortgesetzt.
Die Bündelung der Eigentümerstruktur sei seit längerem zwischen den Gesellschaftern vertraglich vorgesehen, erklärten die Verlage. „Die Anteilsübertragung trägt der bereits seit Jahren bestehenden engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen der ZEIT und dem künftigen Alleingesellschafter nun auch gesellschaftsrechtlich Rechnung.“
Die Gesellschafter, Dieter von Holtzbrinck und Stefan von Holtzbrinck, erklärten, der Schritt schaffe „beste Voraussetzungen“ für die nächste Phase des „Wachstums in Zeiten der Transformation der Medien“.
„Die Zeit“ ist Marktführer unter den Wochenzeitungen in Deutschland und verkaufte laut Auflagenkontrolle IVW im ersten Quartal 2026 pro Ausgabe rund 607.000 Exemplare. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete die Zeit Verlagsgruppe nach eigenen Angaben einen Gesamtumsatz von 309,7 Millionen Euro und damit ein Plus von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Kassel, Berlin (epd). Die documenta fifteen 2022 machte unter anderem mit antisemitischen Werken Negativ-Schlagzeilen. Seitdem hat sich einiges getan, um einen derartigen Skandal bei der im nächsten Jahr anstehenden documenta zu verhindern. Was er von den Neuerungen hält und ob es auf der documenta 2027 auch wieder zu antisemitischen Vorfällen kommen kann, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, dem Evangelischen Pressedienst (epd).
epd: Herr Zimmermann, während der documenta fifteen 2022 haben Sie mit Blick auf den damaligen Antisemitismusskandal einmal gesagt, die documenta hänge nur noch am seidenen Faden. Sehen Sie nach allem, was seitdem beschlossen wurde, um Antisemitismus künftig besser zu verhindern, die documenta immer noch am seidenen Faden hängen?
Olaf Zimmermann: Ich glaube, der gesamte Kulturbereich hängt bei diesem Thema ein wenig am seidenen Faden. Die documenta war ja der erste große, bekannte Fall, aber danach hat es eine ganze Reihe weiterer Debatten und Diskussionen gegeben. Die Verantwortlichen - insbesondere das Land Hessen und die Stadt Kassel - haben versucht, Wege zu entwickeln, wie die documenta mit dieser Frage umgeht. Ich glaube, da wird schon einiges getan, und das ist positiv.
epd: Wie optimistisch sind Sie, dass es bei der documenta 2027 nicht wieder zu antisemitischen Vorfällen kommt?
Zimmermann: Es lässt sich nicht grundsätzlich verhindern, dass es antisemitische Ausfälle gibt. Wenn man es vollständig verhindern wollte, müsste man die Kunstfreiheit einschränken oder Zensur einführen - und das wollen wir ja nicht. Die entscheidendere Frage ist für mich deshalb nicht, ob so etwas noch einmal vorkommen kann, sondern: Wie geht man dann damit um?
Das große Problem der jüngsten documenta war aus meiner Sicht doppelt gelagert: Zum einen wurde antisemitische Kunst gezeigt. Zum anderen - und das halte ich für fast ebenso schwerwiegend - konnte man in diesen 100 Tagen nicht vernünftig darüber diskutieren. Die documenta selbst war nicht der Ort der Debatte, und genau das hätte sie sein müssen. Die verantwortliche Künstlergruppe hat sich verweigert: Ruangrupa hat einen Stein ins Wasser geworfen, aber als sich die Wellen ausbreiteten, wollte sie nicht darüber diskutieren.
Ich glaube, die nächste documenta wird unter großer Beobachtung stehen. Viele werden genau hinschauen, ob sie scheitert oder ob es einen neuen Skandal gibt. Deshalb wird eine zentrale Aufgabe sein, von Anfang an Räume für Diskussionen zu schaffen. Der Wille dazu ist, glaube ich, da.
epd: Inzwischen wurde Naomi Beckwith vom New Yorker Guggenheim-Museum als Künstlerische Leiterin berufen. Wie viel trauen Sie ihr im Zusammenhang mit der Antisemitismus-Diskussion zu?
Zimmermann: Ich kenne sie persönlich nicht, und das wäre für mich Voraussetzung, um ein Urteil abzugeben. Ich bin mir aber sicher, dass sich die Verantwortlichen im Vorfeld intensiv mit dieser Frage beschäftigt haben. Die documenta war immer ein Ort der Debatte, des Streits und der Auseinandersetzung. Es gab keine documenta ohne Konflikte - das wäre auch schlimm. Normalerweise haben sich die Künstlerinnen und Künstler diesen Diskussionen gestellt. Ich gehe davon aus, dass das mit der neuen Leitung wieder möglich sein wird. Dass sie Orte schafft, an denen diese Diskussionen stattfinden, und den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern klarmacht: Es geht nicht nur darum, Werke zu zeigen, sondern auch darum, einen Debattenraum zu eröffnen.
epd: Ist das nach dem Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gaza-Krieg noch dringender geworden?
Zimmermann: Wir wissen natürlich nicht, wie die weltpolitische Lage während der nächsten documenta aussehen wird. Man kann nur hoffen, dass es im Nahen Osten Frieden gibt und sich die Situation im Gaza-Streifen verbessert. Ich glaube aber, Sie haben recht: Man wird nicht verhindern können, dass es Diskussionen zu diesem Thema gibt. Wichtig ist, die Pluralität der Diskussion sichtbar zu machen und gleichzeitig klar zu benennen, dass wir uns in Deutschland befinden, mit einer besonderen historischen Verantwortung. Es gibt nur wenige Tabus, aber Antisemitismus gehört eindeutig dazu.
Man kann selbstverständlich über Israel, den Gaza-Streifen, den Libanon oder den Iran diskutieren - und das sollte man auch. Aber das ist etwas anderes, als sich antisemitisch zu äußern. Das große Bild, das während der documenta fifteen 2022 abgehängt wurde, war keine politische Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt, sondern ein antisemitisches Stereotyp aus der NS-Zeit. Das ist purer Antisemitismus und hat nichts mit legitimer politischer Kritik zu tun.
epd: Es gibt inzwischen zwei Neuerungen: den Verhaltenskodex Code of Conduct und einen wissenschaftlichen Beirat. Wie bewerten Sie das?
Zimmermann: Zunächst einmal gibt es jetzt überhaupt einen solchen Code of Conduct, und der ist verbindlich - für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit Ausnahme der künstlerischen Leitung und des kuratorischen Teams. Für diese gilt uneingeschränkt die Kunstfreiheit, wie es auch im Grundgesetz festgelegt ist. Für alle anderen ist klar geregelt: Verstöße können arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. In letzter Konsequenz bedeutet das: Wer sich nicht daran hält, kann entlassen werden. Mehr kann man kaum machen.
Ich halte es für richtig, dass die künstlerische Leitung ausgenommen ist. Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes garantiert die Kunstfreiheit ohne Einschränkung. Dieser Schutz wurde bewusst nach den Erfahrungen des Faschismus verankert. Gleichzeitig sehen wir heute, dass es zunehmend Versuche gibt, Kunst stärker zu regulieren - oft mit guten Argumenten, etwa im Kampf gegen Antisemitismus. Aber das darf nicht dazu führen, die Kunstfreiheit einzuschränken. Das ist ein schwieriger Balanceakt. Der Code of Conduct selbst kann keine Räume für Diskussion und Streit schaffen, das ist Aufgabe der künstlerischen Leitung. Die Gesellschafter, also Land Hessen und Stadt Kassel, und in gewissem Umfang auch der Bund, werden darauf achten müssen, dass das umgesetzt wird.
epd: Dabei soll auch der wissenschaftliche Beirat helfen, der beratend tätig ist.
Zimmermann: Genau. Ich glaube, man hat diesmal sehr genau darauf geachtet, wen man in diesen Beirat beruft, sodass eine solide Grundlage vorhanden ist. Wie er sich bewährt, wird sich während der documenta zeigen. Es wird sicher Diskussionen und Auseinandersetzungen geben. Auch die Medien werden das aufmerksam begleiten. Diese Debatten lassen sich nicht verhindern, und das sollte man auch nicht versuchen. Man muss nur darauf vorbereitet sein.

Berlin (epd). Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) darf im Streit um den Deutschen Buchhandlungspreis die Betreiberinnen der Berliner Buchhandlung „Zur schwankenden Weltkugel“ nicht mehr als „politische Extremisten“ bezeichnen. Das teilte der Rechtsanwalt der Buchhandlung, Sven Adam, am 3. Juni unter Verweis auf ein entsprechendes Schreiben von Weimers Behörde an das Berliner Verwaltungsgericht mit. Demnach verzichtet Weimer darauf, gegen einen Eilbeschluss des Gerichts Rechtsmittel einzulegen. Damit ist die Anfang Mai veröffentlichte Entscheidung rechtskräftig (VG 6 L 229/26).
Dem Eilbeschluss zufolge verletzte die Extremismus-Äußerung Weimers in einem Zeitungsinterview das allgemeine Persönlichkeitsrecht der beiden Buchhändlerinnen. Für die Bewertung des Kulturstaatsministers existiere keine belastbare Tatsachengrundlage. Sie würde zudem gegen das amtliche Sachlichkeitsgebot verstoßen. In dem Interview hatte Weimer unter anderem erklärt: „Wenn der Staat Preise vergibt und Steuergelder einsetzt, dann kann er das nicht für politische Extremisten tun.“
Die Buchhandlung „Zur schwankenden Weltkugel“ war Anfang des Jahres zusammen mit zwei weiteren Buchhandlungen von Weimer von der Preisträgerliste des Deutschen Buchhandlungspreises gestrichen worden. Zu den betroffenen Buchhandlungen gehörten auch die „Rote Straße“ in Göttingen und der „Golden Shop“ in Bremen. Weitere Klagen der Buchhandlungen gegen die Überprüfung durch den Verfassungsschutz und den Ausschluss vom Buchhandlungspreis werden vor Gerichten in Köln und Berlin fortgeführt.
Sounds of Paris
Am Tag der Eröffnung der Olympischen Spiele 2024 hetzt die junge Amerikanerin Elisabeth durch das sommerlich überfüllte Paris. Für eine Wohnungsvermittlung betreut sie Kurzzeitmieter und kämpft zugleich um die Verlängerung ihres Visums. Als der gut gelaunte Landsmann Elijah sie auf ihrem Weg durch die Stadt begleitet, entsteht zwischen den beiden eine vorsichtige Verbindung. Doch Elisabeth trägt eine Last mit sich: Seit einer Krankheit ist sie schwerhörig und zieht sich durch das Herausnehmen ihrer Hörgeräte immer wieder aus der Welt zurück. Laurent Slama verbindet in seinem Guerilla-Dreh, der während der Olympia-Eröffnung entstand, dokumentarische Beobachtungen mit einem sensiblen Porträt urbaner Entfremdung. Das zwischen Stille und Alltagslärm wechselnde Sounddesign macht Elisabeths Wahrnehmung unmittelbar erfahrbar. Gleichzeitig entsteht ein vibrierendes Stadtbild zwischen Gig-Ökonomie, Einsamkeit und flüchtigen Begegnungen. Der größte Trumpf des Films ist Agathe Rousselle, deren intensive Darstellung einer innerlich aufgewühlten Frau den Blick unweigerlich fesselt.
Sounds of Paris (Frankreich 2025). Regie, Buch: Laurent Slama. Mit: Agathe Rousselle, Alex Lawther, Suzy Bemba, Jonas Bachan. Länge: 77 Min.
Meine Frau weint
Eine Frau und ein Mann gehen an einer stark befahrenen Straße entlang. Während der Verkehrslärm ihr Gespräch begleitet, erzählt Carla (Agathe Bonitzer) erstmals von einem Tanzpartner, zu dem sie eine tiefe Verbindung aufgebaut hatte. Der Mann starb bei einem Autounfall, Carla saß neben ihm. Ihr Mann Thomas (Vladimir Vulević) hört zu, bis ihn die Erzählung schließlich überwältigt. Sein Kopf platze, sagt er. Die Berliner Regisseurin Angela Schanelecs reiht in „Meine Frau weint“ Gespräche und Momente aneinander, in denen es immer wieder um Beziehungen, Verlust und das Scheitern von Verständigung geht. Die entscheidenden Ereignisse bleiben außerhalb des Bildes und existieren vor allem im Erzählen. Die markanten Akzente von Agathe Bonitzer und Vladimir Vulević verleihen den Dialogen eine eigene Musikalität, während die ruhigen Bilder von Marius Panduru Einsamkeit und Gemeinschaft zugleich sichtbar machen. Ein präziser, poetischer Film über die Grenzen der Sprache.
Meine Frau weint (Deutschland/Frankreich 2026). Regie, Buch: Angela Schanelec. Mit: Vladimir Vulević, Agathe Bonitzer, Birte Schnöink, Pauline Rebmann, Ben Carter. Länge: 93 Min.
Truly Naked
Alec (Caolán O'Gorman) arbeitet für das Familienunternehmen seines Vaters Dylan (Andrew Howard): Er filmt, schneidet und vermarktet Pornoclips, in denen sein Vater selbst auftritt. Nach einem Umzug lernt Alec die feministische Mitschülerin Nina (Safiya Benaddi) kennen. Ausgerechnet für ein Referat über Online-Pornografie müssen die beiden zusammenarbeiten. Während sie sich näherkommen, beginnt Alec, die Welt, in der er aufgewachsen ist, zu hinterfragen. „Truly Naked“ von Muriel d'Ansembourg bewegt sich zwischen Coming-of-Age-Geschichte, Familiendrama und Reflexion über Pornografie. Aus dem Gegensatz zwischen inszeniertem Sex und echter Intimität versucht der Film eine produktive Reibung zu erzeugen. Nicht jede dramaturgische Konstruktion überzeugt, und manche Botschaften werden etwas zu deutlich formuliert. Dennoch funktioniert der Film dank seiner starken Figuren und Darsteller. Vor allem Andrew Howard verleiht Dylan als liebevollem, zugleich aber zutiefst problematischem Vater große Präsenz.
Truly Naked (Niederlande/Belgien/Frankreich 2026). Regie, Buch: Muriel d'Ansembourg. Mit: Caolán O'Gorman, Andrew Howard, Alessa Savage, Safiya Benaddi. Länge: 102 Min.
Die kleine Amélie oder der Charakter des Regens
Amélie hält sich für Gott. Als Baby reagiert sie auf keines der Untersuchungsinstrumente ihres Arztes und beobachtet die Welt lieber aus großen Augen heraus. Die belgische Diplomatenfamilie lebt in Japan, wo Amélie zunächst still und anspruchslos bleibt. Erst ein kleines Erdbeben an ihrem zweiten Geburtstag weckt ihre Neugier. Mit Hilfe ihrer Großmutter, viel Schokolade und der Haushaltshilfe Nishio-san beginnt sie langsam zu begreifen, dass auch andere Menschen ein eigenes Innenleben besitzen. Der oscarnominierte Animationsfilm „Die kleine Amélie oder der Charakter des Regens“ von Maïlys Vallade und Liane-Cho Han adaptiert den autobiografischen Roman von Amélie Nothomb. In leuchtenden, pastellartigen Bildern erzählt er vom Staunen eines Kindes, das die Welt erst entdeckt. Verlust, Liebe, Erinnerung und Identität erscheinen dabei als große Abenteuer. Ein kluger, poetischer Film, der kindliche Wahrnehmung ernst nimmt, ohne sie zu verklären.
Die kleine Amélie oder der Charakter des Regens (Frankreich/Belgien 2025). Regie: Maïlys Vallade, Liane-Cho Han. Buch: Liane-Cho Han, Maïlys Vallade, Aude Py, Eddine Noël. Länge: 97 Min.

Mogadischu (epd). Hawa Nor hat schon die nächste Idee. Die somalische Journalistin stellt das Projekt bei der morgendlichen Redaktionskonferenz vor: Sie möchte nach Afgooye fahren, eine Stadt rund 30 Kilometer von der Hauptstadt Mogadischu entfernt. „Der Fluss dort ist nur noch ein Rinnsal“, erzählt die 24-Jährige ihren Kolleginnen beim Medienhaus Bilan Media. „Ich möchte über die Ursachen der Trockenheit berichten, und wie die Menschen dort einander unterstützen.“
Die Fahrt nach Afgooye ist nicht ungefährlich. In Somalia kämpft die Al-Kaida-nahe Al-Shabaab-Miliz seit vielen Jahren gegen die Regierung, Tausende Menschen wurden dabei getötet. Ziel der Al-Shabaab ist es, einen islamistischen Staat zu errichten. Mehreren Analysten zufolge ist die Gruppe bis nahe an Mogadischu herangerückt; außerhalb der Stadt verfügt sie über Informanten und erheblichen Einfluss. Das gilt auch für Afgooye.
Entsprechend ist der Journalismus dort ein gefährlicher Beruf. Seit dem Sturz von Diktator Siad Barre 1991 und dem Beginn des Bürgerkriegs wurden in Somalia vermutlich zwischen 60 und 80 Journalistinnen und Journalisten aufgrund ihrer Arbeit getötet. Viele wurden gezielt ermordet, oft im Zusammenhang mit Berichterstattung über die Shabaab-Miliz, den Krieg oder Korruption. Andere waren zur falschen Zeit am falschen Ort.
„Ich habe meinen Eltern anfangs verheimlicht, dass ich als Journalistin arbeite“, erzählt die 27-jährige Chefredakteurin Farhio Mohamed Hussein. „Ich habe ihnen erzählt, ich hätte einen IT-Beruf.“ Inzwischen wissen die Eltern Bescheid - glücklich sind sie nicht, ebenso wenig wie die Familien von Hawa Nor und ihren Kolleginnen.
Das liegt nicht nur an der berechtigten Sorge um ihre Sicherheit, sondern auch an den tief verwurzelten Vorurteilen in der sehr patriarchalischen Gesellschaft. „Die meisten Leute sind immer noch davon überzeugt, dass der Journalismus nichts für Frauen ist”, sagt Farhio Mohamed. “Wenn überhaupt traut man ihnen zu, dass sie Reporterinnen sind, aber im Management oder als Technikerinnen - das ist für die meisten unvorstellbar."
Bei Bilan Media ist das anders: Management, Kamera, Video- und Audioschnitt, Social Media - die zehn Frauen im Hauptstadtbüro decken alles ab. Auch die insgesamt zehn Korrespondentinnen-Stellen in den Hauptstädten der Bundesstaaten sind weiblich besetzt. Denkbar ist das allerdings nur, weil Bilan Media massiv von außen unterstützt wird: Gegründet wurde das Unternehmen 2022 auf Initiative und mit Unterstützung des UN-Entwicklungsprogramms UNDP. Nach drei Jahren haben sich die UN finanziell zurückgezogen, stattdessen hat die Europäische Union die Finanzierung für zwei Jahre übernommen.
Zwar werden die Journalistinnen honoriert, wenn internationale Publikationen ihre Berichte drucken, aber nach jetzigem Stand wird das nicht reichen, um die Redaktion alleine zu finanzieren. „Wir hoffen, dass wir eine Ausschreibung gewinnen oder eine andere, weitere Förderung bekommen, wenn die jetzige ausläuft“, sagt Farhio Mohamed.
Was nicht bedeutet, dass das Team, das TV-, Hörfunk- und Print-Berichte produziert, nicht erfolgreich wäre: Ihre Geschichten werden von britischen Medien wie dem „Guardian“ nachgedruckt, ihre Themen von der BBC aufgegriffen. 2024 erhielt Bilan Media den One World Media Press Freedom Award für journalistische Arbeit unter schwierigen oder gefährlichen Bedingungen.
„Dass wir eine rein weibliche Redaktion sind, hat für mich viel verändert“, sagt Farhio Mohamed. „Ich habe jetzt die Macht, über die Themen zu berichten, die ich für wichtig halte.“ Und nicht über das, was Männer ihr vorgeben. Die Journalistinnen sprächen häufig über Themen, die von ihren männlichen Kollegen meist nicht gesehen würden - und brechen viele Tabus.
Wenn sie beispielsweise über weibliche Genitalverstümmelung berichten, würden sie von vielen Männern immer noch angefeindet, sagt die Chefredakteurin: „Wir hören immer wieder, das sei halt unsere Tradition, wir hätten eine zu westliche Perspektive.“ Oder sie thematisieren, wie problematisch es für Mädchen oder junge Frauen ist, während der Monatsblutung in die Schule zu gehen - sie bleiben in dieser Zeit zu Hause. Aber sie schreiben auch über die Folgen des Klimawandels oder das Überleben als Vertriebene.
Und nach und nach hätten auch andere Medien angefangen, ihre Themen aufzugreifen, sagt Farhio Mohamed mit einigem Stolz. Das zeigt für sie, dass sie als Journalistinnen durchaus angefangen hätten, die Gesellschaft etwas zu verändern. Oder jedenfalls hier und da ein Schweigen zu brechen.

Rom, Genf (epd). Der Nahost-Konflikt hat laut den Vereinten Nationen die Hungerkrise von mehreren Millionen Menschen verschärft. Durch den Konflikt zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits seien Kraftstoff, Dünger, Lebensmittel und humanitäre Hilfe zunehmend teurer geworden, warnte das UN-Welternährungsprogramm (WFP) am 5. Juni in Rom.
Das WFP habe die Lage in drei besonders betroffenen Ländern analysiert. Demnach hätten zusätzlich 2,5 Millionen Menschen in Somalia, 1,3 Millionen in Sri Lanka und 2,3 Millionen in Afghanistan Schwierigkeiten, ihren grundlegenden Nahrungsmittelbedarf zu decken. Viele litten nun unter akutem Hunger.
Das WFP befürchtet, dass sich die Lage in den kommenden Monaten verschärfen wird. In Teilen der Welt befinden sich den Angaben nach Landwirte mitten in der Aussaat, sie kämpften mit gravierender Düngemittelknappheit und hohen Treibstoffpreisen. Dies dürfte verheerende Folgen für die Ernteerträge haben, betonte das WFP.
Im März hatte das WFP prognostiziert, dass 45 Millionen Menschen in akute Ernährungsunsicherheit abrutschen könnten, wenn der Konflikt anhält und die Ölpreise bis Ende Juni bei etwa 100 US-Dollar pro Barrel bleiben. Dieses Szenario werde jetzt Realität.
Die USA und Israel griffen den Iran Ende Februar an. Derzeit herrscht eine sehr brüchige Waffenruhe. Der Iran reagierte auf die Attacken mit der Blockade der Straße von Hormus. Die Meerenge ist eine der weltweit wichtigsten Schiffsrouten für Öl, Gas, Düngemittel und weitere Güter.
Berlin/Lima (epd). Nach der Stichwahl um das Präsidentenamt in Peru hat sich am Morgen des 8. Juni noch kein eindeutiges Ergebnis abgezeichnet. Nach Auszählung von rund 83 Prozent der Stimmen führt die Rechtspopulistin Keiko Fujimori mit 51 Prozent vor dem Linkspopulisten Roberto Sánchez, wie die Wahlbehörde mitteilte. Beide Kandidaten sprechen von einem „technischen Patt“ und wollten abwarten, bis alle Stimmen gezählt sind, wie örtliche Medien berichteten.
Nach ersten Umfragen an den Wahlurnen, die Sánchez eine knappe Führung vorhersagten, hatte sich dieser bereits siegessicher gegeben. „Heute beginnt der Tag, an dem wir den mafiösen Pakt aus der Regierung vertreiben werden“, erklärte Sánchez laut der Zeitung „La República“ am Sonntag. Aktuell wird Peru von mehreren Korruptionsskandalen erschüttert, die das Vertrauen in die Politik stark beschädigt haben.
Fujimori, die Tochter des von 1990 bis 2000 autoritär regierenden Alberto Fujimori, erklärte am Wahlabend: „Ich werde das Wahlresultat respektieren, egal wie die Wahl ausgeht.“ Fujimori befindet sich das vierte Mal in Folge in der Stichwahl und hat versprochen, mit harter Hand gegen die steigende Kriminalität im Land vorzugehen. In der Vergangenheit hatte sie die Wahlergebnisse mehrmals angezweifelt.
Peru hatte innerhalb der vergangenen zehn Jahre insgesamt acht Präsidenten. Geprägt von politischer Instabilität, sind Kriminalität und Korruption im Land stark gestiegen. Bei der ersten Wahlrunde öffnete die Wahlbehörde aufgrund technischer Fehler manche Wahllokale erst gegen Nachmittag, weshalb die Abstimmung um einen Tag verlängert werden musste. Später benötigte sie über einen Monat, um ein endgültiges Wahlergebnis festzustellen.
11.6. Evangelische Akademie Sachsen
Zwischen Party-Patriotismus und toleranter Gesellschaft. Wie Patriotismus der Demokratie schadet - und womöglich auch helfen kann Durch den Aufstieg der rechtsnationalistischen Parteien in Europa wird auch immer wieder die Forderung laut, dem Nationalismus müsse man mit einem progressiven Populismus und inklusiven Patriotismus begegnen. Dazu gibt es Forderungen nach staatsbürgerlichem Patriotismus zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Doch wie genau dieser Patriotismus erreicht werden kann, welche Rolle Zivilgesellschaft spielt und ob er überhaupt für dieses Ziel brauchbar ist, bleibt unklar.
12.6. Evangelische Akademie Baden
Nationales Christentum. Glaube. Nation. Macht. Im christlichen Nationalismus verbinden sich Religion, Nation und politische Ordnung. Es kommt zu einer Verschmelzung von nationaler Identität und christlichem Glauben, mit der Vorstellung einer „gottgewollten Ordnung“ von Volk und Staat. Diese Form des Christentums ist politisch aufgeladen und hat einen klaren Macht- bzw. Ordnungsanspruch. Die Veranstaltung bietet einen informativen Blick in und auf das Feld und geht den Fragen nach, welche Ideen und Vorstellungen handlungsleitend sind; wo sich konservatives Christentum von nationalem Christentum unterscheidet und welche Auswirkungen und Ausprägungen es in Deutschland gibt.
16.6. Evangelische Akademie Frankfurt
Mit Livestream Neue Warlords - trotzdem Frieden? Vorstellung des Friedensgutachtens Kriege ziehen sich hin, internationale Bündnisse geraten unter Druck, und neue Formen von Gewalt prägen die Weltpolitik. Das diesjährige Friedensgutachten der vier führenden deutschen Forschungsinstitute zeichnet dazu ein alarmierendes Bild: Staaten agieren zunehmend wie „Warlords“: Sie missachten das Völkerrecht, unterstützen lokale Milizen und befeuern Konflikte im Verborgenen. Welche Gewaltdynamiken entstehen daraus - und wie lassen sie sich einhegen?