Frankfurt a. M. (epd). Luiz Inácio Lula da Silva war hochzufrieden: „Äußerst produktiv“ sei sein mehrstündiges Treffen mit Donald Trump gewesen, sagte Brasiliens Präsident in der vorvergangenen Woche in Washington. Lula sei „sehr dynamisch“, schrieb der US-Staatschef seinerseits, „das Treffen verlief sehr gut“.
Solche Worte zwischen den mächtigsten Gegenspielern auf dem amerikanischen Kontinent sind alles andere als selbstverständlich. Manche Beobachter hatten im Vorhinein gar befürchtet, Trump wolle Lula öffentlich vorführen, wie er es mit anderen Staatschefs mehrfach getan hat. Doch die brasilianische Diplomatie überließ nichts dem Zufall - der gemeinsame Pressetermin der Präsidenten im Weißen Haus wurde kurzerhand abgesagt.
Ähnlich vorsichtig agierte Kolumbien beim Besuch von Präsident Gustavo Petro in Washington im Februar, den der Südamerikaner ebenfalls als Erfolg verbuchen konnte. Einen noch schwierigeren Drahtseilakt vollzieht Mexikos Staatschefin Claudia Sheinbaum, die allein schon wegen der Geografie noch mehr von den USA abhängt, und dennoch ihre eigene Linie fährt.
Zollstreit mit Brasilien
Bei Lulas Besuch vergangene Woche waren die großen Themen die US-Zollpolitik und der gemeinsame Kampf gegen die organisierte Kriminalität. Im August hatte Trump Brasilien mit 50-prozentigen Strafzöllen belegt. Er störte sich am rechtsstaatlichen Verfahren gegen den ultrarechten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, der wenig später wegen eines Putschversuchs im Januar 2023 zu 27 Jahren Haft verurteilt wurde.
Lula wies jene Einmischung in die brasilianische Politik empört zurück. In den folgenden Monaten hoben die USA die Strafzölle bei Orangensaft oder Kaffee sowie die Sanktionen gegen hohe brasilianische Funktionsträger teilweise wieder auf.
US-Kampf gegen Drogen in Südamerika gescheitert
Der Kampf gegen die Drogenmafia, ein erklärtes Ziel der US-Regierung, war das wohl heikelste Thema. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit Anfang 2025 lässt Trump die militärische Präsenz der USA in Lateinamerika ausbauen, etwa in Panama oder in Ecuador. Die offizielle Bestätigung kam mit seiner außenpolitischen „Donroe-Doktrin“, mit der Ende 2025 der gesamte Subkontinent zum Hinterhof der USA erklärt wurde.
Trumps meistgenanntes Argument, etwa auch nach der Entführung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro Anfang 2026, ist der „Krieg gegen die Drogen“. Dabei diktieren die USA der Region dieses Rezept seit Jahrzehnten in verschiedenen Ausprägungen, und nach fast einhelliger Expertenmeinung ist es längst gescheitert.
In Kolumbien etwa wird mehr Kokain hergestellt als je zuvor, Schätzungen gehen von 3.000 Tonnen im Jahr aus. Der Export hingegen erfolgt inzwischen meist über Häfen im benachbarten Ecuador. Der ungebremste Drogenhandel zeige „die Grenzen eines in erster Linie militärischen Ansatzes“, meint Adam Isacson vom Forschungsinstitut „Washington Office on Latin America“.
Kolumbiens Präsident als erster linker Latino im Weißen Haus
Nun schlug Lula seinem US-Amtskollegen Zusammenarbeit beim Vorgehen gegen Waffenhandel und Geldwäsche vor. Eine Einstufung brasilianischer Verbrecherkartelle als „terroristische Organisationen“ durch Washington lehnt der Sozialdemokrat hingegen ab, denn eine solche könnte leicht als Vorwand für US-Militäraktionen auf Brasiliens Hoheitsgebiet dienen.
Kolumbiens linker Staatschef Gustavo Petro, den Trump mehrfach als Drogenboss beschimpft hatte, vollführt einen ähnlichen Balanceakt wie Lula - mit dem Unterschied, dass sein Land von den USA um ein Vielfaches abhängiger ist als die Regionalmacht Brasilien. Die Dritte im Bunde progressiver lateinamerikanischer Staatsoberhäupter ist Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum. Sie bietet Trump ebenfalls mit klaren Ansagen und viel Diplomatie die Stirn. Als Nachbarland der USA ist Mexiko in besonderem Maße Opfer der gewalttätigen Drogenkartelle, nur in Ecuador ist die Mordrate noch höher.
Im Gegensatz zu Petro, dessen Regierungszeit im August endet, und Lula, der eine Wiederwahl im Herbst anstrebt, wird Sheinbaum dem US-Präsidenten als Gegenspielerin mit Sicherheit erhalten bleiben. Und Trump lässt nicht locker: In Wirklichkeit werde Mexiko von den Drogenkartellen regiert, sagte er am Freitag und droht wieder einmal, die USA könnten militärisch eingreifen. Und abermals verwehrte sich Mexikos Präsidentin gegen das, was sie wiederholt als „Verletzung unserer Souveränität“ bezeichnet hat.

