Berlin/Tarija (epd). Wegen mutmaßlichen Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen hat in Bolivien der Prozess gegen Ex-Präsident Evo Morales begonnen. Zum Auftakt erklärte die Staatsanwaltschaft am 11. Mai, genügend Beweise zu haben, um Morales wegen einer Sexualbeziehung mit einer 15-Jährigen während seiner Amtszeit anzuklagen, wie die Zeitung „La Razón“ berichtete.

Morales hat laut Anklage ab 2015 über mehrere Monate mit der Minderjährigen zusammen gelebt und mit ihr ein Kind gezeugt. Aufgrund fehlender Gesetze zum Schutz von Minderjährigen wird dies als Menschenhandel geahndet. Morales regierte das südamerikanische Land als erster indigener Präsident von 2006 bis 2019.

Morales-Anwalt: „juristischer Krieg“ gegen Ex-Präsidenten

Der Ex-Präsident blieb dem Prozessauftakt laut Medienberichten fern und wurde vom Gericht als flüchtig erklärt. Davor hatte sein Anwalt Nelson Cox dem Radiosender Fides gesagt, Morales werde nicht erscheinen, da er nicht rechtmäßig zum Verfahrensbeginn zitiert worden sei. Bei den Anschuldigungen handle es sich um einen „juristischen Krieg“ gegen seinen Mandanten. Das Verfahren widerspreche internationalen Standards, sagte Cox.

Der aktuelle Mitte-Rechts-Präsident Rodrigo Paz erklärte vor Prozessbeginn, „Bolivien wird nie wieder Hassreden, Spaltung und Verachtung gegenüber Frauen dulden“. Ohne seinen Amtsvorgänger zu nennen, zitierte er Morales und schrieb auf der Plattform ‚X‘: „Das Land braucht keine weiteren Caudillos und keine 'falschen Machos' mehr“.

Morales verlor das Präsidentenamt, als ihn das Militär nach der Präsidentschaftswahl von 2019 zum Rücktritt zwang. Zuvor waren schwere Wahlbetrugsvorwürfe gegen ihn vorgebracht worden. Seit 2024 verschanzt er sich in der Tropenregion von Cochabamba im Zentrum des Landes. Ein Haftbefehl gegen ihn wurde aus Angst vor möglichen Konflikten mit seinen Anhängern bislang nicht vollstreckt.