Mainz (epd). Mit großer Mehrheit hat der ZDF-Fernsehrat am 13. März Intendant Norbert Himmler für eine weitere fünfjährige Amtszeit gewählt. Der 55-Jährige erhielt bei einer Sitzung im Mainzer Sendezentrum 48 von 53 abgegebenen Stimmen. Er war der einzige Kandidat. Eine ebenfalls zur Wahl zugelassene Herausforderin hatte ihre Kandidatur in der vergangenen Woche wieder zurückgezogen. Himmlers zweite Amtszeit beginnt im März 2027.
In seiner Präsentation für die Fernsehratsmitglieder hatte Himmler vor der Abstimmung von einer „medialen Zeitenwende“ gesprochen, in der sich die Bundesrepublik befinde: „Es wird immer schwieriger, Quellen zu finden, denen man noch vertrauen kann“, sagte er. Als seine Hauptaufgabe sehe er, die Akzeptanz für den gebührenfinanzierten Sender zu bewahren. Dazu soll es beispielsweise künftig mehr Sendungen und Veranstaltungen geben, die „außerhalb der großen Medienstandorte“ entstehen. Es werde zudem noch mehr Angebote für Kinder und junge Erwachsene geben.
Diskussion um Fake-Video in den ZDF-Nachrichten
Vor der Intendantenwahl hatten die Gremienmitglieder zum Auftakt der Fernsehratssitzung über die Affäre um ein KI-generiertes Fake-Video im ZDF-„Heute Journal“ diskutiert. Intendant Himmler verteidigte dabei die Abberufung der New Yorker Studioleiterin Nicola Albrecht. Dies sei „ein harter, aber meiner Meinung nach an dieser Stelle sehr notwendiger Schritt“ gewesen. Weitere arbeitsrechtliche Konsequenzen würden geprüft.
Himmler räumte bei der Fernsehratssitzung in Mainz auch Fehler beim anfänglichen Umgang mit der Kritik an dem Beitrag ein. Die Tragweite des Geschehens sei nicht schnell genug erkannt worden, sagte er: „Das war eine Missachtung unserer Regeln und unserer Standards.“
Chefredakteurin Bettina Schausten stellte bei der Sitzung einen Maßnahmenkatalog vor, mit dem der Sender auf den Fall reagieren will. Das ZDF werde sich noch stärker auf die Nutzung von Eigenmaterial konzentrieren und die Herkunft aller Videosequenzen klar dokumentieren. Abnahmeprozesse sollen überprüft werden. Um gefälschte Videos besser zu erkennen, seien verpflichtende „Intensivschulungen“ vorgesehen, sagte Schausten.
DJV: ARD und ZDF „im Feuer von Rechtsaußen“
Anlass der Debatte war ein Bericht über die US-Einwanderungsbehörde ICE, der grobe Mängel aufwies. In dem Beitrag waren KI-generierte Aufnahmen von einer Festnahme verwendet worden. Außerdem wurde älteres Archivmaterial verwendet, das in keinem Zusammenhang mit den ICE-Einsätzen stand.
Im Fernsehrat wurde am Freitag teils Kritik an einer „Wagenburgmentalität“ des Senders laut. Zudem dürfe nicht der Eindruck entstehen, beim ZDF sei „Qualität nicht so wichtig, wenn die Botschaft stimmt“, warnte der Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU).
Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Mika Beuster, rief nach der Wiederwahl Himmlers zu einer stärkeren Zusammenarbeit der öffentlich-rechtlichen Sender auf. Die teils drastischen Reaktionen auf inhaltliche Fehler bei ZDF und ARD machten deutlich, dass die Sender „im Feuer von rechtsaußen“ stünden. Dagegen helfe nur Transparenz bei der Fehleranalyse und „Zusammenhalt gegen die Gegner des unabhängigen Journalismus“.

