Nouadhibou (epd). Ablegemanöver im Hafen von Nouadhibou im Norden Mauretaniens: Für die 54 Meter lange „Arguin“ ist zum Wenden wenig Platz. Kommandant Sidi Hababa bringt sein Schiff konzentriert auf Kurs ins offene Meer. Dort hat die „Arguin“ den Auftrag zum Küstenschutz und zum Kampf gegen ein Ausplündern der fischreichen Region. Sie ist ein Fischereiüberwachungsschiff.

Die Gewässer vor der mauretanischen Küste gehören zu den fischreichsten der Welt, es gibt große Bestände an Sardinen, Makrelen, Seehecht und anderen Fischen. Das lockt Fischereiflotten aus aller Welt an, darunter aus China, Europa, Russland. Fischereilizenzen für sie bringen dem Wüstenstaat Mauretanien viel Geld. Nach den jüngsten Zahlen von 2023 trug der Sektor 20 Prozent aller Exporteinnahmen bei. Doch einige Bestände sind an der Belastungsgrenze oder überfischt. Gutes Fischereimanagement und die effektive Kontrolle der Fischereiflotten sind daher wichtig. Dabei spielt die „Arguin“ eine große Rolle.

Unterstützung aus Deutschland

Unmittelbar nach Verlassen des Hafens bringt Leutnant Oumar Belleyhi in der digitalen Seekarte die Grenzen der Fangverbotszonen auf den neuesten Stand. Die Daten stammen vom IMROP, dem mauretanischen Institut für Meeresforschung und Fischerei, das dem Fischereiministerium nötige Veränderungen der Verbotszonen vorschlägt. „Und das schickt die neuen Koordinaten an uns weiter“, sagt Belleyhi. Das Ministerium muss dem Rat der Wissenschaft nicht folgen, tut das aber häufig, um den Fortbestand der Fischereiressourcen zu sichern.

Die „Arguin“ wurde vor 26 Jahren auf einer deutschen Werft für Mauretanien gebaut, als zentraler Baustein für den Aufbau der Fischereiüberwachung. Deutschland unterstützt die Küstenwache des afrikanischen Landes seit mehreren Jahrzehnten finanziell und technisch bei der Fischereiüberwachung und beim Schutz der Küstennationalparks, die wichtige Aufzuchtgebiete für Fische sind.

Wirtschaftlich schmerzhaft, gut für die Ressourcen

Benannt wurde das Überwachungsschiff nach einem der wichtigsten Küstennationalparks, dem Parc National du Banc d’Arguin. Neben der „Arguin“ verfügt Mauretanien noch über ein weiteres Überwachungsschiff. Damit sei das Land in Westafrika eine Ausnahme, sagt Francisco Mari, Fischereiexperte des Hilfswerks „Brot für die Welt“. „Die ganze Küste entlang gibt es kaum explizite Überwachungsschiffe“, erklärt Mari. „Es gibt einige, wenige Marineschiffe, aber die fahren eigentlich nicht zur Fischereiüberwachung.“ Besonders gefährdete Länder wie Liberia, Sierra Leone oder Gambia hätten dabei kaum funktionierende Marineschiffe, erst recht keine Wasserschutzpolizei oder Überwachungsschiffe.

Trotz der vergleichsweise besseren Lage sind aber auch in Mauretanien Bestände überfischt - oder zumindest an der Grenze der Belastbarkeit. Um den Reichtum im Meer möglichst zu erhalten, folgt die mauretanische Regierung auch Empfehlungen der Wissenschaft, die wirtschaftlich schmerzhaft sind. So wurde kürzlich die Zone verkleinert, in der Trawler Schwarmfische fangen dürfen. Daraufhin hätten rund 50 Küstenschiffe die Region verlassen, sagt IMROP-Direktor Ejwen Mohamed El Hafed. Das sei „gut für die Ressourcen, allerdings nicht so gut für die Wirtschaft“.

Zigtausende Arbeitsplätze

Betroffen waren vor allem Trawler der Europäischen Union. Und noch eine Entscheidung war in den vergangenen Jahren für Europas Fischereiflotte schmerzlich: 2012 hat die mauretanische Regierung europäischen Unternehmen den Fang von Oktopus in ihren Gewässern verboten. Seitdem ist die lukrativste Fischerei des Landes ausschließlich in mauretanischer Hand, und zwar vor allem in der Hand von Kleinfischern.

Zwar beklagt sich insbesondere die spanische Flotte bis heute, aber Mauretanien bleibt hart. Schließlich bringt der Fischereisektor nicht nur Geld, sondern auch Arbeitsplätze. Die Zahl der Fischer schwanke je nach Saison, sagt IMROP-Direktor El Hafed. „Wir gehen jedoch davon aus, dass der Fischereisektor etwa 66.000 direkte Arbeitsplätze schafft. Hinzu kommen rund 200.000 indirekte Arbeitsplätze.“ Die zu erhalten, gehört damit auch zur Mission der „Arguin“.