Ihr wöchentlicher Branchendienst
Ausgabe 24/2025 - 13.06.2025
Ihr wöchentlicher Branchendienst
Ausgabe 24/2025 - 13.06.2025
Bremerhaven (epd). Verbände begrüßen den Vorstoß der Innenministerkonferenz, den Gewaltschutz für Frauen zu verbessern. Diakonie Deutschland, Deutscher Frauenrat oder der Paritätische halten eine elektronische Fußfessel allein aber für nicht ausreichend.
Die Innenministerinnen und -minister beraten noch bis Freitag in Bremerhaven. Unter anderem soll es um die Frage gehen, wie Frauen besser vor Gewalt und Femiziden geschützt werden können. Zur Debatte steht dabei eine gesetzliche Regelung, die es ermöglicht, potenzielle Täter mit elektronischen Fußfesseln auszustatten. Sie soll Alarm schlagen, wenn er sich einer gefährdeten Frau nähert. Eine ähnliche Regelung gibt es bereits in Spanien.
Die Diakonie teilte mit, neben der Möglichkeit zu einer Fußfessel brauche es eine Nachbesserung bei der Ausstattung von Schutzräumen sowie bei Beratungs- und Präventionsangeboten. Diakonie-Sozialvorständin Elke Ronnenberger wies darauf hin, dass die Ursachen von Männergewalt angegangen werden müssten. „Wenn wir häusliche Gewalt wirklich verhindern wollen, müssen wir sehr viel mehr präventiv arbeiten und auch mit den Tätern zusammenarbeiten, um die von Gewalt geprägten Beziehungs- und Verhaltensmuster zu verändern“, erklärte Ronnenberger.
Laut Sylvia Haller vom Vorstand des Deutschen Frauenrats muss geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide als gesamtgesellschaftliches Problem länder- und ministerienübergreifend angegangen werden. „Die Innenministerien der Länder sollten unter anderem verpflichtende Fortbildungen zu Gewalt für die Polizei einführen“, forderte sie. In Spanien gebe es standardisierte Verfahren, um Hochrisikofälle zu erkennen, die Betroffenen besonders zu schützen und Femizide zu verhindern. Die Fußfessel sei dabei nur ein Instrument unter anderen.
Auch der Paritätische Landesverband Baden-Württemberg drang auf einen Ausbau der Täterarbeit. Die Fußfessel helfe nur in Einzelfällen. In einer flankierenden Täterarbeit lernten gewalttätige Menschen, Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen und alternative Konfliktbearbeitungsstrategien anzuwenden.