Ihr wöchentlicher Branchendienst
Ausgabe 9/2023 - 03.03.2023
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es kommen wieder mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland an. Sie treffen auf ein Betreuungssystem, das in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren wurde. Viele Kommunen sind laut Fachverbänden mit der Versorgung der jungen Flüchtlinge überfordert. „Das hat mit Jugendhilfe nicht viel zu tun“, sagt etwa Helen Sundermeyer vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. In Osnabrück nimmt unter anderem der Caritasdienst skm die Minderjährigen in Obhut, epd-Redakteurin Martina Schwager hat die Einrichtung besucht.
Bis in die 1980er Jahre hinein wurden in der Bundesrepublik Deutschland Millionen Kinder mit gesundheitlichen Problemen in Kurheime verschickt. Viele kehrten jedoch nach Misshandlungen traumatisiert zurück. Die „Initiative Verschickungskinder“ will aufklären, was in den Heimen geschehen ist. Opfer berichten von Essenszwang durch das Pflegepersonal sowie harten Strafen wie Schlafentzug oder Ans-Bett-Fesseln. Der Berliner Oliver Schworck berichtet: „Ich wurde in den Sommerferien vor meiner Einschulung für drei Wochen verschickt.“ Die Erfahrungen in der Einrichtung seien für den heute 54-Jährigen so furchtbar gewesen, dass sie ihn bis heute prägten.
Der Arbeiter-Samariter-Bund will mit einem Hebammenmobil Versorgungsengpässe für Schwangere auffangen. Die Hebamme Lisa Schütte steht mit einem weißen Bus auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums: „Seit zwei Monaten sucht meine Schwiegertochter einen Geburtsvorbereitungskurs und bekommt nur Absagen“, erzählt ihr eine Besucherin aufgeregt. Auch die Suche nach einer Entbindungsstation sei bislang erfolglos. Schütte bietet der Frau einen Beratungstermin für die Schwiegertochter an. Viele Geburtsstationen seien überlastet, sagt Schütte. „Wo sollen die Frauen hin? Es ist eine Katastrophe.“
Fast jeder zweite Corona-Tote in Deutschland starb in einem Pflegeheim. Laut dem Pflegereport der Barmer Krankenkasse liegt der Anteil der Heimbewohner unter den mit Covid-19 gestorbenen Menschen bei 45 Prozent. Die Corona-Jahre haben der Untersuchung zufolge beim Pflegepersonal bundesweit tiefe Spuren hinterlassen. Fast 70 Prozent sagen, dass sie oft körperlich erschöpft sind, vor der Pandemie waren es 43 Prozent. 43 Prozent hätten sogar darüber nachgedacht, ihren Beruf aufzugeben. Vor der Pandemie seien es nur knapp 20 Prozent gewesen.
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Ihr Markus Jantzer