Ihr wöchentlicher Branchendienst
Ausgabe 9/2023 - 03.03.2023
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Berlin (epd). Fast jeder zweite Corona-Tote in Deutschland kam in den ersten beiden Corona-Jahren offenbar aus einem Pflegeheim. Laut dem am 28. Februar veröffentlichten Pflegereport der Barmer Krankenkasse liegt der kumulierte Anteil der Heimbewohner unter den 2020 und 2021 mit Covid-19 gestorbenen Menschen bei 45 Prozent. Die Stiftung Patientenschutz bezeichnete diese Bilanz als „erschütternd“.
Während der ersten und zweiten Welle im Frühjahr 2020 und Winter 2020/2021 habe der Anteil der Pflegeheimbewohner unter den Gestorbenen mit 61 Prozent und 55 Prozent noch deutlich höher gelegen, ergibt der Report. Während der dritten und vierten Welle im Frühjahr und Winter 2021 seien die Anteile auf deutlich unter 50 Prozent gesunken. „Dass die Zahl der Todesfälle unter den Pflegebedürftigen in der dritten Welle zurückgegangen ist, während sie in der Gesamtbevölkerung gestiegen ist, dürfte insbesondere ein Effekt der Impfung sein“, heißt es in dem Bericht.
Die Corona-Jahre haben der Untersuchung zufolge beim Pflegepersonal bundesweit tiefe Spuren hinterlassen. Fast 70 Prozent sagten laut der Barmer-Studie im Frühjahr 2022, dass sie oft körperlich erschöpft sind, vor der Pandemie waren es 43 Prozent. Mehr als 43 Prozent hätten sogar darüber nachgedacht, ihren Beruf aufzugeben. Vor der Pandemie seien es nur knapp 20 Prozent gewesen, hieß es.
Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte, der Report zeige „überdeutlich, wo die staatlichen Maßnahmen in der Pandemie-Bekämpfung versagt haben“ Er forderte Bund und Länder auf, dafür zu sorgen, „dass die verletzlichste Personengruppe Viren nicht schutzlos ausgeliefert ist“.