

Berlin (epd). Der Deutsche Kitaverband ist nicht überzeugt davon, dass die in den Tarifverhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst ausgehandelten zusätzlichen freien Tage zur Entlastung der Fachkräfte in den Kitas führen. Die Bundesvorsitzende Waltraud Weegmann sagte am 13. Juni in Berlin: „Der zweifelsohne individuell sehr wertvolle Nutzen von zwei weiteren freien Tagen für die einzelnen Mitarbeiterinnen führt zu einer kollektiven Belastung des gesamten Kita-Teams.“ Um diese Belastung zu umgehen, würden viele Kita-Träger nun zusätzliche Schließtage einführen müssen.
Wegmann sagte weiter, damit seien Konflikte mit den Eltern vorprogrammiert. „Ob die Vertragsparteien an die konkrete Umsetzung und die Bedarfe der Eltern gedacht haben, kann bezweifelt werden.“
Aktuell stimmen die Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsdiensten über das Verhandlungsergebnis zwischen ver.di und den kommunalen Arbeitgeberverbänden ab, das einen „Einstieg in Entlastung“ bedeuten soll. Der Kitaverband begrüßte die vorgesehenen finanziellen Zulagen für Erzieher und Praxisanleitung sowie die Anpassung der Stufenlaufzeiten analog zum öffentlichen Dienst „als Schritt zu einer Aufwertung des Erzieherberufs und zur Bekämpfung des Fachkräftemangels“ - doch nur bei vollen Finanzierungsausgleich für die freien Träger.
Dagegen bedeuteten die vorgesehenen zwei bis vier zusätzlichen freien Tage mittelfristig das Gegenteil von Entlastung. Um die Regenerationstage pro Mitarbeiterin zu realisieren, müssten die Kita-Träger entweder zusätzliches Personal einstellen oder die ohnehin stark belasteten Kita-Teams müssen die Abwesenheit der Kollegen zusätzlich auffangen. „In Zeiten des immensen Fachkräftemangels geraten die Teams so in gewerkschaftlich gewollte Unterbesetzung. Letztendlich wäre eine höhere finanzielle Tarifsteigerung gerade in Zeiten einer anwachsenden Inflation die bessere Lösung gewesen“, so Wegmann.