Bei Protesten gegen die Corona-Politik in Dresden sind Demonstranten gewaltsam gegen Polizisten vorgegangen. Wie die Polizei am 13. März mitteilte, wurden dabei zwölf Beamte verletzt. Nachdem die Stadt Demonstrationen der Bewegung "Querdenken" verboten hatte, stoppte die Polizei zwei Aufzüge, bei denen sich dennoch Menschen zum Protest gegen die Corona-Schutzmaßnahmen versammelt hatten. Teilnehmer widersetzten sich der Auflösung. Auch in anderen deutschen Großstädten demonstrierten Menschen gegen die Corona-Politik, unter anderem in Berlin, München, Stuttgart und Düsseldorf.

Der Polizeibilanz zufolge wurden in Dresden bei den Demonstrationen 47 Straftaten festgestellt, darunter Widerstand, Beleidigungen und tätliche Angriffe gegen Polizisten. Ein Mann sei in Polizeigewahrsam genommen worden. Drei weitere seien vorläufig festgenommen worden, darunter der Wortführer einer der Ansammlungen. Zudem seien 943 Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen Verstößen gegen die sächsische Corona-Schutzverordnung eingeleitet worden.

Wasserwerfer vor Impfzentrum

Die sächsische Landeshauptstadt hatte drei von der Bewegung "Querdenken" angemeldete Demonstrationen verboten. Das Verwaltungsgericht bestätigte diese Verbote noch am 12. März. Dennoch kamen an zwei Standorten Hunderte Menschen zu Protesten zusammen. Die Zahl der in der Nähe des Kongresszentrums versammelten Menschen gab die Polizei am Abend mit mehr als 1.000 an. Die Beamten ließen am Nachmittag Wasserwerfer zu einem Impfzentrum in der Nähe fahren, um es gegebenenfalls vor Angriffen zu schützen.

Kerstin Köditz von der Linken im Dresdner Landtag forderte nach den Ereignissen eine Sondersitzung des Innenausschusses. Die Eskalation sei absehbar gewesen, erklärte die Politikerin. Vertreter der Fraktionen von SPD und Grünen unterstützen die Forderung aus der Opposition.

Ein Jahr nach dem Beginn der Pandemie in Deutschland hatte die aus Stuttgart stammende Initiative "Querdenken" bundesweit zu Demonstrationen aufgerufen. Bei ihren Versammlungen im zurückliegenden Jahr wurden immer wieder verschwörungstheoretische Reden laut, Rechtsextremisten mischten sich unter die Demo-Teilnehmer.

Fernsehteam angegriffen

In Berlin demonstrierten rund 1.000 Anhänger der Bewegung unter anderem vor dem Bundesgesundheitsministerium. Eine Polizeisprecherin bilanzierte, es habe dort 58 freiheitsbeschränkende Maßnahmen gegeben. 28 Ermittlungsverfahren seien unter anderem wegen Beleidigung, Nötigung, Widerstand gegen Polizisten und mutmaßlich falschen Attesten zur Umgehung der Maskenpflicht eingeleitet worden.

In Stuttgart griffen Demonstranten nach Angaben der Polizei ein Fernsehteam an. In der Innenstadt seien außerdem Medienvertreter in Sprechchören als Lügenpresse bezeichnet worden. Auch Polizeibeamte seien von Demonstranten angegriffen worden. Bei der angemeldeten "Querdenker"-Demonstration stellte die Polizei fest, dass die meisten Teilnehmer keine Masken trugen und selten die geforderten Abstände einhielten. In Teilnehmerkreisen war von etwa 1.500 Menschen die Rede, die in Stuttgart wegen der Corona-Maßnahmen auf die Straße gingen.

Bis zu 2.500 Menschen nahmen in München an den Protestveranstaltungen teil. Mehrere angemeldete Versammlungen konnten nicht stattfinden, weil die vorgegebenen Teilnehmerzahlen weit überschritten waren, wie die Polizei mitteilte. Spontane, nicht angemeldete Demonstrationen seien aufgelöst worden. Die Demonstranten hätten Maskenpflicht und Mindestabstände weitgehend nicht eingehalten. Rund 500 Beamte seien im Einsatz gewesen. Sie hätten unter anderem einen Mann gefasst, der im Verdacht stehe, bei einer "Querdenker"-Versammlung am 7. März einen Journalisten angegriffen zu haben.

Journalisten-Verband besorgt

In Düsseldorf zählte die Polizei rund 2.000 Teilnehmer bei Protesten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen. Mehrere hundert Anhänger der "Querdenken"-Bewegung demonstrierten in Wiesbaden, Mainz und anderen Städten.

Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) berichtete von Angriffen auf Medienvertreter und forderte einen stärkeren Schutz von Pressevertretern durch die Polizei. Die Zahl der Einsatzkräfte sei vor den Demonstrationen massiv aufzustocken, erklärte DJV-Vorsitzender Frank Überall in Berlin.