Die weltweit rund zwölf Millionen Mitglieder zählende Evangelisch-methodistische Kirche lehnt gleichgeschlechtliche Ehen weiterhin ab. Bei ihrer am 26. Februar in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri zu Ende gegangenen Generalkonferenz bestätigten die Delegierten mit 438 zu 384 Stimmen ihre restriktive Haltung in Fragen zur Homosexualität. Praktizierte Homosexualität gilt in der Freikirche danach weiter als nicht vereinbar mit der christlichen Lehre. Die Ordination von homosexuellen Menschen zu Geistlichen und auch die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bleiben verboten.

Den Delegierten lagen mehrere Entwürfe zur Abstimmung vor, teilte die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland am 27. Februar in Frankfurt am Main mit. Ein Reformplan, wonach künftig die Gemeinden über ihre Positionierung zur Homosexualität selbst entscheiden sollen, wurde abgelehnt. Der beschlossene Entwurf ("Traditional Plan") sieht vor, die bisherige Ordnung der Kirche zu bewahren.

Einzelheiten noch unklar

Der deutsche evangelisch-methodistische Bischof Harald Rückert erklärte, das Ergebnis sei "eine weiter bleibende große Herausforderung, an der Einheit der Kirche zu arbeiten und für die Vielfalt zu werben". Die Entscheidung der Generalkonferenz stehe unter Vorbehalt; der kirchliche Rechtshof werde die Vereinbarkeit mit der Verfassung der Kirche überprüfen.

"Deshalb sind viele Einzelheiten einer konsequenteren Anwendung zurzeit noch unklar", erläuterte Rückert. Für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland "werden diese Entscheidungen erst nach der nächsten im November 2020 tagenden ordentlichen Zentralkonferenztagung wirksam".

Der Informationsdienst der evangelisch-methodistischen Kirche zitierte den Konferenzdelegierten Antoine Umba Ilunga aus dem Kongo. Er sei für die Beibehaltung der bisherigen Ordnung, weil "die Bibel sagt, ein Mann müsse eine Frau heiraten". Der US-amerikanische Pastor Tom Berlin aus Virginia hingegen warnte, viele Pastoren in den USA würden die Kirche wegen des "Traditional Plans" verlassen. Der Plan sei ein Virus, der "die amerikanische Kirche sehr krank machen" werde.

51.000 Methodisten in Deutschland

Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) ist eine evangelische Freikirche, die aus einer christlichen Erweckungsbewegung in England im 18. Jahrhundert hervorging. Führende Persönlichkeiten am Anfang der Bewegung waren die Brüder John und Charles Wesley. Zur EmK in Deutschland zählen sich rund 51.000 Kirchenmitglieder und Kirchenangehörige in rund 500 Gemeinden. Die methodistische Kirche ist bewusst nicht nationalstaatlich organisiert, sondern arbeitet über Ländergrenzen hinweg. Die EmK gehört zum Weltrat Methodistischer Kirchen, in dem über 70 Kirchen methodistischer Tradition verbunden sind, zu denen sich über 51 Millionen Menschen zählen.

In den USA ist die methodistische Kirche nach dem Südlichen Baptistenverband die zweitgrößte protestantische Kirche. Rund sieben Millionen methodistische Christen leben in den USA. Prominente US-Methodisten sind Ex-Außenministerin Hillary Clinton und der frühere Präsident George W. Bush.

In den USA verliert die Kirche seit Jahren Mitglieder, wie aus Kirchenstatistiken hervorgeht. In afrikanischen Ländern dagegen gewinnt sie stark dazu. Nach Angaben des Informationsdienstes "Religion News Service" kamen 58 Prozent der Delegierten in St. Louis aus den USA. Als oberstes kirchenleitendes Gremium der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche kann allein die Generalkonferenz Fragen zur Ordnung der Kirche entscheiden und beschließen.