sozial-Politik

Öffentlicher Dienst

Ver.di: Angestellte an Wirtschaftswachstum beteiligen




Frank Bsirske
epd-bild / Rolf Zöllner
Die Gewerkschaft ver.di hat die kommunalen Arbeitgeber in Deutschland und den Bund aufgefordert, ihre Beschäftigten an der positiven Wirtschaftsentwicklung teilhaben zu lassen. Rund 45.000 Mitarbeiter legten am 12. April die Arbeit nieder.

"Die Verweigerung der Arbeitgeber steht im krassen Gegensatz zur wirtschaftlichen Lage im Lande", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Frank Bsirske bei einer zentralen Kundgebung am 12. April in Hannover vor rund 10.000 Streikenden des öffentlichen Dienstes aus Niedersachsen.

Niemand habe etwas davon, wenn Krankenschwestern, Busfahrer oder Feuerwehrleute von der allgemeinen Lohnentwicklung abgekoppelt würden. Die Kommunen hätten im vergangenen Jahr einen steuerlichen Rekordüberschuss erzielt, betonte Bsirske. Bereits seit sechs Jahren seien ihre Einnahmen höher als die Ausgaben.

Ver.di fordert für Angestellte des öffentlichen Dienstes einen Lohnzuwachs von sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro mehr pro Monat. Dafür legten in dieser Woche legten nach Angaben der Gewerkschaft bundesweit insgesamt mehr als 100.000 Angestellte ihre Arbeit nieder.

"Auf den Fachkräftemangel reagieren"

Auch der Fachkräftemangel erfordere verbesserte Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst, argumentierte Bsirske. Arbeitsplätze in der Altenpflege oder Kinderbetreuung müssten attraktiver werden, da der öffentliche Dienst sonst den Wettbewerb um Fachkräfte verliere. Schon heute stocke der Ausbau der Kinderbetreuung, und Pflegebedürftige müssten wegen Personalmangel an Heimen abgewiesen werden. In den kommenden fünf Jahren gingen zudem mehr als 20 Prozent der Kollegen in Rente. Neue Fachkräfte müssten erst einmal gewonnen werden.

Für Auszubildende fordert die Gewerkschaft eine Lohnerhöhung von 100 Euro, 30 Urlaubstage und die unbefristete Übernahme aller Azubis nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung. "Unsere Gesellschaft ist auf einen funktionierenden öffentlichen Dienst angewiesen", betonte Bsirske.

Streiks in elf Bundesländern

Der Gewerkschaft zufolge folgten bundesweit mehr als 45.000 Beschäftigte dem Warnstreikaufruf. Gestreikt wurde in insgesamt elf Bundesländern. Betroffen waren nahezu alle Bereiche und Einrichtungen des öffentlichen Dienstes des Bundes und der Kommunen.

Hintergrund der Streiks ist, dass ver.di Druck auf die anstehende dritte Verhandlungsrunde ausüben will, die ab dem 15. April in Potsdam stattfindet. Nach zwei Verhandlungsrunden haben die Arbeitgeber noch kein Angebot vorgelegt, beklagte ver.di.


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