Karlsruhe (epd). Zierde der Getreideäcker: Früher blühte der Feldrittersporn zwischen Getreidehalmen und zog mit seinen blau-violetten Blüten Wildbienen und Schmetterlinge an. Heute macht sich die Pflanze jedoch rar. Grund dafür ist die intensive Bearbeitung von Ackerflächen, die kaum Raum für Wildpflanzen lässt. In Deutschland steht der Feldrittersporn mittlerweile auf der Roten Liste.
Die „Consolida regalis“, so der lateinische Name, wurde von der Loki Schmidt Stiftung (Hamburg) zur „Blume des Jahres“ gewählt. Damit will die Stiftung auf den dramatischen Artenschwund in Agrarlandschaften aufmerksam machen und sich für den Schutz der Artenvielfalt einsetzen.
Wildpflanzen machen Landschaften bunt und lebendig
Äcker gehören neben den Wäldern zu den flächenmäßig größten Ökosystemen Deutschlands. Mehr als 350 Pflanzenarten, etwa zehn Prozent der mitteleuropäischen Gefäßpflanzen, sowie zahlreiche Säugetiere, Insekten, Vögel und Amphibien waren in diesen Lebensräumen einst heimisch. Durch die intensive Landwirtschaft verschwinden viele Wildpflanzenarten.
Für Maßnahmen gegen das Artensterben durch landwirtschaftliche Monokulturen spricht sich der Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung, Axel Jahn, aus. Um sie zu retten, sollte jeder und jede etwas zur Artenvielfalt beitrag, fordert er.
Mehr Wildpflanzen durch lichtere Getreidefelder
Dieses Ziel hat auch der Landwirt Jürgen Schell aus Reilingen (Rhein-Neckar-Kreis) von der Marktgemeinschaft Kraichgau Korn. Auf 6,5 Hektar hat er sogenannte Lichtäcker angelegt, auf denen die Getreidehalme weniger dicht stehen. So fällt mehr Licht auf den Boden, was gut für Ackerwildkräuter und Insekten ist. „Im Dunkeln können Blütenpflanzen wie der Feldrittersporn nicht gedeihen“, erklärt Schell. In diesem Jahr hat er mit seinen Maßnahmen einen außergewöhnlichen Gast angelockt, die vom Aussterben bedrohte Haubenlerche.
Zwar falle der Ertrag geringer aus, doch die Betriebe profitierten auch von der Pflanzengemeinschaft, erläutert der Nabu Baden-Württemberg. Weil Wildkräuter den Boden in unterschiedlicher Tiefe durchwurzeln, sei er weniger anfällig für Erosion und nehme Wasser besser auf. Zusammen mit dem Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel setzt dies laut Nabu-Agrarexpertin Miriam Willmott eine „Erfolgsgeschichte des Artenschutzes“ in Gang.
Nur Insekten mit langem Saugrüssel erreichen Nektar
Die Pflanze, die auch Ackerrittersporn genannt wird, hat einen schlanken, fein behaarten Stängel und stark zerteilte, fadenförmige Blätter, die Wasserverluste an trockenen Standorten minimieren. Besonders wohl fühlt sie sich auf einem kalkhaltigen, humosen Lehmboden.
Im oberen Bereich entwickelt die Pflanze auffällige Einzelblüten. Sie sind meist kräftig blau-violett gefärbt und besitzen einen langen, schmalen Sporn, der sich aus dem obersten Kelchblatt bildet. Darin liegt der Nektar. Nur Insekten mit einem mindestens 15 Millimeter langen Saugrüssel wie Gartenhummeln und Taubenschwänzchen gelingt es, an den versteckten süßen Schatz zu gelangen.
Feldrittersporn wurde medizinisch genutzt
Früher wurde die Pflanze auch in der Heilkunde eingesetzt, etwa gegen Augenkrankheiten. Auch eine harn- und wurmtreibende Wirkung wurde ihr zugeschrieben. Der Wormser Botaniker und Heilkundler Jacob Theodor, genannt Tabernaemontanus, nutzte Rittersporn im 16. Jahrhundert zudem gegen Schmerzen, Verstopfung und zur Reinigung von Nieren und Blase.
Doch die ganze Pflanze, die zur Familie der Hahnenfußgewächse gehört, gilt als leicht giftig. Am höchsten ist die Konzentration der Giftstoffe in den kleinen schwarzen Samen, die nach der Blüte in den länglichen, unbehaarten Fruchtkapseln gebildet werden.

