Berlin/Bonn (epd). Die Entscheidung des Auswärtigen Amts zur Einstellung des Freiwilligenprogramms „kulturweit“ stößt zunehmend auf Kritik. Dies sei „die falsche Entscheidung zur falschen Zeit“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Wiebke Esdar, dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Wer an solchen Programmen spart, spart an der Zukunft unserer offenen Gesellschaft“, sagte sie.

Esdar argumentierte, man habe in den Haushaltsverhandlungen bewusst die Mittel für Freiwilligendienste gestärkt, „weil Engagement, Austausch und Bildung gerade in unsicheren Zeiten unverzichtbar sind“. Zudem spare es kaum Geld, ein Programm wie „kulturweit“ einzustellen.

Auswärtiges Amt gab bislang fünf Millionen Euro im Jahr

Am 6. März hatten das Auswärtige Amt und die deutsche Unesco-Kommission mitgeteilt, dass die Förderung des Programms „aufgrund flächendeckender Einsparzwänge“ eingestellt werden soll. Demnach starten im September letztmalig 300 Freiwillige ihren sechsmonatigen Auslandsaufenthalt mit dem Programm. Das Außenministerium gibt bislang fünf Millionen Euro im Jahr für „kulturweit“ aus.

Die Einschnitte seien ein falsches Signal an junge Menschen, kritisierte am Dienstag in Bonn auch ein Bündnis aus Trägerorganisationen internationaler Freiwilligendienste die Kürzungen. Deutschland sei auf gute Beziehungen zu anderen Staaten und auch auf zivilgesellschaftliche Vernetzung angewiesen.

„Abbau der Freiwilligendienste kurzsichtig“

Laut Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung sollten Freiwilligendienste eigentlich gestärkt, ausgebaut und besser finanziert werden. „Bei den internationalen Freiwilligendiensten erleben wir nun das genaue Gegenteil“, erklärte Whitney Cecilia Akwouah, Geschäftsführerin des Verbandes Internationale Dienste - vidi. Dies schränke das wertvolle Angebot für junge Menschen erheblich ein und gefährde langjährige internationale Partnerschaften.

Deutschland brauche mehr und nicht weniger welterfahrene Nachwuchskräfte, die sich für eine gerechte, partnerschaftliche internationale Zusammenarbeit engagieren, erklärte Jan Gildemeister, Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Er nannte den Abbau internationaler Freiwilligendienste kurzsichtig angesichts zunehmender globaler Abschottung, Krisen und Konflikte.

Das Programm war 2009 gestartet. Junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren können darüber ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland leisten, zum Beispiel in Kultur- und Bildungseinrichtungen oder Stätten des Weltnaturerbes. Möglich sind Aufenthalte für sechs oder zwölf Monate. Seit 2015 können sich auch junge Menschen aus dem Ausland bei Einrichtungen in Deutschland engagieren.